Web 2.0 Expo Berlin:
11 Fragen an Igor Schwarzmann

Igor Schwarzmann, 24, mementodiem.de

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Trend:
Webapplikationen offline nutzen

Webapplikationen offline nutzen
Obwohl wir immer häufiger, in allen möglichen Lebenslagen und von unterschiedlichsten Geräten aus online gehen, gibt es nach wie vor diese unmöglichen Momente, in denen keine geeignete Internetverbindung zur Verfügung steht. Sei es im Flugzeug, unterwegs ohne einen kostengünstigen Tarif für mobiles Surfen, in Gegenden ohne schlechte Netzabdeckung (sowohl stationärer als auch mobiler Art) oder ganz einfach, wenn der heimische Internetanschluss einmal temporär ausfällt. Damit man in solchen Situationen nicht komplett aufgeschmissen ist, hat Google mit GoogleGears eine Browsererweiterung entwickelt, welche die Offline-Verwendung von Webapplikationen möglich macht. User können Daten offline betrachten und teilweise sogar modifizieren. Sobald eine Internetverbindung besteht, werden die Änderungen mit der Onlineversion synchronisiert. Mit Googles RSS-Reader Google Reader funktioniert dies schon. Auch Googles Maildienst GMail soll bald mit Hilfe der Gears-Erweiterung offline nutzbar sein. » weiterlesen

ARD und ZDF:
Friedlichere Digitalpläne

“Die ARD und die digitale Welt”: Da bestand bislang ein Verhältnis wie Hund und Katz, es sollte “offensiv erobert werden”, und bisweilen wurde die Konkurrenz arg bedrängt. Die Attackierten wollten dafür ARD und ZDF aus dem Internet verbannen. Jetzt soll es friedlicher und kooperativer werden.

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Noch Polemik vom alten Schlag, von der sich aber niemand verunsichern ließ: ARD und ZDF fühlen sich vom Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mit großen Kalibern unter Beschuss genommen… (Bild: Vortrag von Fritz Frey, “Report Mainz”, Südwestrundfunk)

Das Verhalten des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet war nun bald 10 Jahren lang leider ziemlich unerquicklich: Einerseits gingen Rechtsabteilungen der Sender massiv gegen ihnen unliebsame Webseiten und Personen vor, beanspruchten sogar deren kompletten Mailverkehr, drängten Schweizer Traditionsbanken aus deren Domains. Andererseits ist seit Beginn dieses Jahres in Deutschland schon der bloße Internetzugriff beispielsweise für den Abruf der E-Mail oder das nächtliche Chatten rundfunkgebührenpflichtig geworden.

Den Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung mitten im Sommerloch mit einer Sprachzensur durch die GEZ, die in verringerter Form immer noch anhält. Doch zumindest in den höheren Etagen der Sender findet nun ein Umdenken statt – es werden nun technisch sinnvolle Entwicklungen vorangetrieben und man macht sich auch erstmals Gedanken um das eigene Image.

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Details über Google Android:
Wenig aufregend

Wie versprochen hat Google heute Details über seine neue Mobiltelefonplattform “Android” publiziert. Die Informationen sind bisher aber für ein rein technisches Publikum gedacht. Beispielsweise erklärt da ein freundlicher Google-Onkel, wie man seine erste Anwendung auf Android programmiert (man beachte die vielen lustigen Android-Maskottchen sowie die obligatorische Google-Lavalampe im Bild).

Android
Ein paar Demos erster Anwendungen gibt es immerhin auch. Was da zu sehen ist, haut aber wirklich niemanden vom Stuhl. Die Benutzeroberfläche sieht aus wie eine Kreuzung von Nokia S60 und Blackberry, vermischt mit ein paar iPhone-ähnlichen Grafikeffekten.

Die sonst gezeigten Dinge heben Googles Plattform bei besten Willen nicht von der etablierten Konkurrenz ab: Natürlich gibt es eine prima Implementierung von Google Maps, aber eine fast so gute gibt es auf den anderen Plattformen auch. Der Webbrowser basiert wie der des iPhone und der von Nokia auf Apples Webkit-Framework. 3D-Grafik (samt “Quake”-Implementierung) ist auch eingebaut, aber auch das gibt es anderswo schon lange. Aufregung und Aufbruchsstimmung wie beim iPhone wird Google damit garantiert nicht auslösen.

Selbst bei der ausführlichen Erklärung der Android-Architektur sucht man vergeblich nach grossen Überraschungen. Auf der untersten Ebene werkelt ein Linux-2.6-Kernel, darüber gibt es ein paar allgemeine Libraries für Grafik, Mediendekodierung und Datenspeicherung, und darauf wiederum setzt ein Applikationsframework auf, das dem Programmierer allerlei schöne Funktionen zur Verfügung stellt. Am vielleicht bemerkenswertesten ist die neue Virtual Machine “Dalvik”, die eine besonders effiziente Ausführung von Java-Code ermöglichen soll.

Bemerkenswert ist, dass Google trotz all der Offenheits-Schwüre sich damit ausserhalb des etablierten Java-Community-Prozesses bewegt. Google nimmt also das Beste aus anderen Welten (Linux, Java, SQLite, etc.) und fügt eine letztlich ziemlich proprietäre Komponente hinzu, auf die Android-Anwendungen angewiesen sind. Was? Hat da jemand “Microsoft-Methode” gesagt?

Jedenfalls setzt Google ganz klar auf Entwickler. Aufgrund der bisher vorliegenden Informationen sieht es danach aus, dass Android für Mobiltelefon-Verhältnisse besonders einfach programmierbar ist. Google scheint zu hoffen, dass die zu erwartende Vielzahl an Android-Applikationen der Plattform zum Durchbruch verhelfen wird. Das bleibt abzuwarten. Für Symbian, Windows Mobile und Palm gibt es je tausende von Anwendungen, aber besonders entscheidend war das im Kampf der Plattformen bisher kaum. Besonders den Durchschnittsusern scheint bisher eine Erweiterungsfähigkeit des Mobiltelefons über ein paar Ringtones und Java-Games hinaus ziemlich egal zu sein. Darum beschränkten sich die Proteste über die Geschlossenheit des iPhones bisher mehr oder weniger auf die Geek-Szene.

Vielleicht kann das Google ja ändern und Mobiltelefone zur echten Universalplattform machen. Aber bisher scheinen die Ideen zu fehlen, auch Normaluser für Android zu begeistern.

Facebook macht studiVZ in Frankreich Strich durch die Rechnung

studiQGEin Jahr lang hatte studiVZ Zeit, seinen französischen Ableger studiQG zu etablieren, der im November 2006 zusammen mit einer italienischen, einer spanischen und einer polnischen Version des Studentennetzwerkes online ging. Im Gegensatz zu Deutschland, wo studiVZ schnell den Großteil der Studierenden als Mitglieder gewinnen konnte, läuft es im Ausland mit Ausnahme der polnischen Variante eher schlecht. War der Community-Kuchen zum Start der französischen studiVZ-Ausgabe noch weitgehend unverteilt, befindet sich Frankreich seit zwei Monaten im Facebook-Fieber. Damit sieht es so aus, als sei für studiQG der Zug definitiv abgefahren. » weiterlesen

Web 2.0 Expo Berlin:
11 Fragen an Torsten Kleinz

simfy startet Social Network zum legalen Hosting und Sharing der eigenen Musiksammlung

Für Einladungen zur simfy-Beta siehe Ende des Artikels

simfy2007 ist das Jahr der Musikhosting- und -sharingdienste. Ob Deezer, Ezmo, Anywhere.FM, MediaMaster oder Spool.fm – überall im Netz entstanden in den vergangenen Monaten kostenlose Services, die den Upload der eigenen Musiksammlung sowie das Stöbern in den MP3-Archiven von Freunden ermöglichen. Das Problem: Nur in seltenen Fällen ist die Rechtslage wirklich geklärt. Manch ein Anbieter bezeichnet sich selbst als legal, vergisst dabei aber, dass seine Abmachung mit einer nationalen Rechteverwertungsgesellschaft in anderen Ländern möglicherweise ungültig ist. Die Gesetzgebung hinkt der rasanten technischen Entwicklung stark hinterher. Aus Mangel an einer deutschen Alternative mussten hiesige User, die gerne ihre Musik im Netz ablegen wollten, bisher dennoch auf einen ausländischen Anbieter ausweichen und sich damit in eine rechtliche Grauzone begeben. Ab Montag ändert sich das. Dann startet mit simfy ein Startup aus Berlin seinen kostenlosen Dienst zum Speichern und Teilen der eigenen Musiksammlung im Netz. » weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

Haldimann und Pflegeheim, Kiffer und IQ, PR und Wahrheit.

Das Zürcher Obergericht verurteilte vier Mitarbeitende des Schweizer Fernsehens, weil sie eine versteckte Kamera eingesetzt hatten. Chefredaktor Ueli Haldimann, einer der Verurteilten, schrieb in einem Blogbeitrag dazu, es werde “nach Vorliegen der schriftlichen Begründung” entschieden, ob man den Fall ans Bundesgericht weiterziehen wolle – ein Vorgehen, zudem seltsamerweise der Gerichtspräsident aufforderte, “damit nachher Rechtsklarheit herrsche”. Blick.ch schrieb sofort dazu einen hämischen Beitrag mit dem Titel “Muss ich bald im Pflegeheim arbeiten?” – ein Artikel, der im Gegensatz zum Text “Jetzt grabscht das Gesetz nach Haldimann” nicht mehr online ist. Dass ausgerechnet ein Boulevardblatt sich freut, wenn die Pressefreiheit eingeschränkt zu werden droht, ist befremdlich. Ist das die in unserer Gesellschaft verloren gehende Solidarität, von der Blick immer schreibt?

In der Woche ging es der Zeitung auch um Cannabiskonsumenten. Während sie am 23.07.2007 noch titelte: “Kiffer anfälliger für Schizophrenie“, hiess es am 07.11.2007: “Kiffende Schüler sind fitter – und schlauer“. Naja, wenigstens ist man sich einig bei “SMS und E-Mail machen blöd“. Dort steht: “SMS und E-Mail schreiben kann den Intelligenzquotienten vorübergehend um bis zu 10 Punkte senken. Zum Vergleich: Haschisch senkt den IQ ‘nur’ um 4 Punkte”.

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Tim O’Reilly sieht Beginn der Konsolidierung im Web 2.0

Web-2.0-Guru Tim O’Reilly hat sich auf der von seinem Verlag organisierten Web 2.0 Expo in Berlin zum aktuellen Stand des Mitmachwebs geäußert. Seine Thesen und Prophezeiungen kurz zusammengefasst:

- Das Web 2.0 befindet sich bereits in der Konsolidierungsphase.
- Nur wenige Anbieter werden an die Börse gehen. Beim Großteil der Startups sind die investierten Beträge geringer als vor dem Platzen der New-Economy-Blase.
- Viele Services werden von Konkurrenten übernommen.
- Das Web 2.0 ist kein Spielplatz, wo sich jeder lieb hat, sondern ein Schlachtfeld, auf dem ein harter Konkurrenzkampf herrscht.
- Langfristig wird maximal ein halbes Dutzend Firmen im Web 2.0 bestimmen.
- Mit der Konsolidierung wird das Web 2.0 auch wirtschaftlich interessant.
- Die nächste Phase des Internets (aka “Web 3.0″) darf keine Abwandlung der aktuellen Angebote sein, sondern muss etwas völlig Neues bieten, z.B. sensorgesteuerte Techniken und die Verbindung von Internet und Realität. » weiterlesen

Verblassende Medien

Distanz kann so erhellend sein: Gestern saß ich mit meinem Onkel zusammen, der eine ziemlich bewegte Vergangenheit als Polit-Hippie hinter sich hat. Irgendwann, als wir uns diskursiv in die Haare gerieten, holte er ein altes, verstaubtes Buch aus dem Regal: Es ist von einem gewissen Jerry Rubin, nennt sich ‘Do it!’ und schildert die Unruhen 1968 in Chicago während des Parteitages der amerikanischen Demokraten aus Sicht der ‘Yippies’, der radikalsten Gruppe unter all den kiffenden ‘Revolutionären’ und Sexmaniacs, die in dieser Zeit der Provokation und der absolut gesetzten Devianz jung waren.

Das Buch lag damals in jeder besseren WG auf dem Klo“, sagte mein Onkel, “auf einem Stapel mit Gilbert Shelton und dem ‘Medizinrad‘. Die erste Ausgabe trug das chinesisch-revolutionäre Gelbrot des März-Verlages, meine Ausgabe hier ist ein Nachdruck aus dem Trikont-Verlag“. Heute, sagte mein Onkel, halte er nicht mehr viel von den Puffmais-Ansätzen solcher Spontanrevolutionäre, spannend aber sei es, die Medienstrategien dieser Gruppen zu verfolgen, die damals virtuos und voller Innovationsfreude eingesetzt wurden, die so aber heute einfach nicht mehr umsetzbar wären.

JerryRubin

Wir alle setzten damals voll und ganz auf das Bild, das wir boten. Wer lange Haare trug, war revolutionär, der Afghan-Mantel und das bestickte Stirnband machten dich zum Staatsfeind“, sagte mein Onkel: “Kaum jemand macht sich heute noch einen Begriff davon, wie neu und wirkungsvoll das Fernsehen damals war, tagelang diskutierten wir über irgendetwas, was wir GESEHEN hatten“. Oder in Jerry Rubins Worten ‘himself’: “Das Medium ist nicht ‘neutral’. Die Gegenwart einer Kamera verwandelt eine Revolution, macht uns zu Helden. Wir riskieren mehr, wenn die Presse da ist, weil wir wissen, daß dann all unser Unternehmungen innerhalb von Stunden der ganzen Welt bekannt sein werden“.

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