Tim O’Reilly sieht Beginn der Konsolidierung im Web 2.0

Web-2.0-Guru Tim O’Reilly hat sich auf der von seinem Verlag organisierten Web 2.0 Expo in Berlin zum aktuellen Stand des Mitmachwebs geäußert. Seine Thesen und Prophezeiungen kurz zusammengefasst:

- Das Web 2.0 befindet sich bereits in der Konsolidierungsphase.
- Nur wenige Anbieter werden an die Börse gehen. Beim Großteil der Startups sind die investierten Beträge geringer als vor dem Platzen der New-Economy-Blase.
- Viele Services werden von Konkurrenten übernommen.
- Das Web 2.0 ist kein Spielplatz, wo sich jeder lieb hat, sondern ein Schlachtfeld, auf dem ein harter Konkurrenzkampf herrscht.
- Langfristig wird maximal ein halbes Dutzend Firmen im Web 2.0 bestimmen.
- Mit der Konsolidierung wird das Web 2.0 auch wirtschaftlich interessant.
- Die nächste Phase des Internets (aka “Web 3.0″) darf keine Abwandlung der aktuellen Angebote sein, sondern muss etwas völlig Neues bieten, z.B. sensorgesteuerte Techniken und die Verbindung von Internet und Realität. » weiterlesen

Verblassende Medien

Distanz kann so erhellend sein: Gestern saß ich mit meinem Onkel zusammen, der eine ziemlich bewegte Vergangenheit als Polit-Hippie hinter sich hat. Irgendwann, als wir uns diskursiv in die Haare gerieten, holte er ein altes, verstaubtes Buch aus dem Regal: Es ist von einem gewissen Jerry Rubin, nennt sich ‘Do it!’ und schildert die Unruhen 1968 in Chicago während des Parteitages der amerikanischen Demokraten aus Sicht der ‘Yippies’, der radikalsten Gruppe unter all den kiffenden ‘Revolutionären’ und Sexmaniacs, die in dieser Zeit der Provokation und der absolut gesetzten Devianz jung waren.

Das Buch lag damals in jeder besseren WG auf dem Klo“, sagte mein Onkel, “auf einem Stapel mit Gilbert Shelton und dem ‘Medizinrad‘. Die erste Ausgabe trug das chinesisch-revolutionäre Gelbrot des März-Verlages, meine Ausgabe hier ist ein Nachdruck aus dem Trikont-Verlag“. Heute, sagte mein Onkel, halte er nicht mehr viel von den Puffmais-Ansätzen solcher Spontanrevolutionäre, spannend aber sei es, die Medienstrategien dieser Gruppen zu verfolgen, die damals virtuos und voller Innovationsfreude eingesetzt wurden, die so aber heute einfach nicht mehr umsetzbar wären.

JerryRubin

Wir alle setzten damals voll und ganz auf das Bild, das wir boten. Wer lange Haare trug, war revolutionär, der Afghan-Mantel und das bestickte Stirnband machten dich zum Staatsfeind“, sagte mein Onkel: “Kaum jemand macht sich heute noch einen Begriff davon, wie neu und wirkungsvoll das Fernsehen damals war, tagelang diskutierten wir über irgendetwas, was wir GESEHEN hatten“. Oder in Jerry Rubins Worten ‘himself’: “Das Medium ist nicht ‘neutral’. Die Gegenwart einer Kamera verwandelt eine Revolution, macht uns zu Helden. Wir riskieren mehr, wenn die Presse da ist, weil wir wissen, daß dann all unser Unternehmungen innerhalb von Stunden der ganzen Welt bekannt sein werden“.

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Der Stand der Online-Werbung:
Eindrücke von der ad:tech New York

Vor ein paar Tagen habe ich schon ein paar erste Eindrücke geschildert von der ad:tech, der grossen Online-Marketing-Messe in New York. Die Konferenz ging gestern zu Ende — Zeit für ein paar abschliessende Beobachtungen.

Die eigentliche Ausstellung im New York Hilton war wirklich ein Zoo. Über 300 Aussteller auf vergleichsweise kleiner Fläche versuchten, die Aufmerksamkeit der Besucher zu erhaschen. Und ich habe noch selten eine Messe mit so vielen praktisch identischen Angeboten gesehen. Insgesamt waren da bestimmt 50 Werbenetzwerke zu sehen, Dutzende von Affiliate-Marketing-Firmen, wohl gegen die hundert Suchmaschinen-Werbespezialisten und natürlich allerlei Beratungsfirmen.

Keine Ahnung, wie man da die Übersicht behalten soll, denn der Ausstellungskatalog war wenig hilfreich und gliederte die Firmen in schwammige Kategorien wie “Marketing Channels”, “Media Strategies” und “Creative & Technologies”. Was war da gleich noch der Unterschied? Anders als bei den meisten Fachmessen waren ähnliche Anbieter auch nicht räumlich zusammen gruppiert, sondern bunt gemischt. Das ganze hinterliess einen ziemlich chaotischen Eindruck. Jedenfalls war klar, dass der Markt für Online-Marketing derzeit boomt und die Spezialfirmen darum wie Pilze aus dem Boden schiessen.

Richtig grosse Trends gab es wider Erwarten aber kaum auszumachen. » weiterlesen

Facebook-Werbung:
Datenschutz ade

Darf ich Euch den neusten Leser meines Blogs vorstellen?
Facead-1
S.D. (der volle Name soll aus Diskretionsgründen ungenannt bleiben) ist der erste User, der auf meine vorgestern geschaltete Facebook-Anzeige geklickt hat.

Warum ich das weiss? Weil ein Link zu einer Facebook-Applikation im Referrer-Log meines Blogs aufgetaucht ist. Der Link enthielt S.D.s Facebook-Usernummer, und mit einer einfachen Suche konnte ich seinen Namen herausfinden. S.D. hat also offenbar während der Benutzung dieser betreffenden Facebook-Applikation auf eine Anzeige geklickt, die auf meine Website geführt hat. Und Facebook schickt solche Klicks nicht etwa, wie etwa Google oder die meisten Ad-Server, über eine anonymisierende Weiterleitung, sondern macht die volle Identität des Users zugänglich, eben über den verräterischen Link.

Dank Facebooks Diskretion müsste ich jetzt erstmal S.D.s Face-Freund werden, um ganz offiziell mehr über ihn zu erfahren. Aber mit seinem vollen Namen kann ich ja auch schon eine ganze Menge anfangen. Da ich dank dem Targeting meiner Anzeige ungefähr weiss, wie alt er ist und in welchem Land er wohnt, liesse sich das leicht mit schon vorhandenen Direct-Mail-Datebanken matchen. Dank XING und LinkedIn weiss ich, was er beruflich macht. Und Google verrät mir eine ganze Menge anderer interessanter Dinge.

Wenn ich ganz neugierig wäre, hätte ich auf meiner Seite ein Adserver-Cookie gesetzt, mit dem ich dann die weiteren Aktionen des neuen Besuchers anderswo im Netz tracken kann. Das eröffnet doch ganz neue Möglichkeiten für Werbung…

Facebook schwört ja immer hoch und heilig, mit den Userdaten ganz besonders vorsichtig umzugehen. In der Umsetzung scheint es da noch ein paar kleine Probleme zu geben…

Ich wiederhole mich nicht gern, aber: Dieser bescheidene Level an technischer Kompetenz soll tatsächlich $15 Milliarden wert sein??

Songza:
Konkurrenz für SeeqPod, aber keine Gefahr

SongzaSeeqPod, die hervorragende Musiksuchmaschine, die ich vor einiger Zeit vorgestellt habe, bekommt Konkurrenz: Songza hat gestern seine geschlossene Beta-Phase beendet und präsentiert sich als optisch ansprechende No-frills-Suchmaschine für Musik. Im Gegensatz zu SeeqPod, das komplett auf Flash basiert und entsprechend verspielt daher kommt, setzt Songza auf AJAX und verzichtet auf viele der detaillierten Funktionen von SeeqPod. Wer es weniger glänzend mag, dem dürfte Songza vom Design her besser gefallen. » weiterlesen

ORF:
Scheitert die “größte Programmreform aller Zeiten”

Ein Jahr nach der ?größten Programmreform aller Zeiten? laufen dem ORF die Zuschauer in Scharen davon (-5.8% innert einem Jahr). Dabei kann der im August 2006 gewählte Generaldirektor Alexander Wrabetz durchaus auf erfolgreiche Reformen verweisen.

Als der Journalist und Moderator Armin Wolf im Mai 2006 das Klima im ORF scharf kritisierte, wusste er noch nicht, welcher Sturm sich über der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalt bereits aufbraute. In seiner Dankesrede bei der Verleihung des Robert-Hochner-Preises, einer nach dem gleichnamigen Journalisten benannten Auszeichnung, las ORF-Journalist Wolf seinem Arbeitgeber die Leviten.

In der ORF-Information sei ?extrem viel Macht? auf eine Person konzentriert gewesen und zwar auf den ORF-Chefredakteur Werner Mück. Die beiden größten Parteien, SPÖ und ÖVP, hätten zwar in der Geschichte des staatlichen Rundfunks schon immer Einfluss ausgeübt. Doch von diesem ?Gleichgewicht des Schreckens? sei ?nur mehr Schrecken übrig? geblieben unter der Führung von Mück und Generaldirektorin Monika Lindner, die beide als bürgerlich, also ÖVP-nahe galten.

Wolf forderte in seiner Rede mehr innere Pluralität im ORF und untermauerte seine Mahnung vor einseitiger Berichterstattung damit, dass die Informationssendungen des ORF enorme Bedeutung für die Österreicher hätten:

Mehr als zwei Drittel der Österreicher sagen, das Fernsehen sei für sie die wichtigste Informationsquelle über Politik. Und für etwa ebenso viele Menschen ist das Fernsehen das glaubwürdigste Medium. Aber in der Fernseh-Information über österreichische Politik hat der ORF nach wie vor de facto ein Monopol.

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Erfreuliches aus der Zeitungswelt:
Welt Kompakt verlinkt mit 2D-Codes

2D-CodeGerade stieß ich bei Welt Online auf eine erfreuliche Meldung: Ab sofort enhält Welt Kompakt, die kleinere Printausgabe der Welt, 2D-Codes, die Links zu Internetseiten enthalten. Die Codes können mit vielen Kamerahandys und einem installierten Barcode-Reader gelesen werden und befördern den Nutzer direkt zur jeweiligen Website. Damit kann Welt Kompakt seine Leser z.B. auf ein YouTube-Video oder einen Wikipedia-Eintrag aufmerksam machen, deren Adressen in der Regel zu lang und unhandlich sind, um sie in einer Zeitung abzudrucken. In Japan sind derartige Links in Form von 2D-Codes bereits stark verbreitet. Schon Mitte Juli hatte ich mich näher mit dem Thema 2D-Codes bzw. “Mobile Tagging” auseinandergesetzt. Welt Kompakt ist laut eigenen Angaben das erste regelmäßig erscheinende Printmedium in Deutschland, das 2D-Codes als Links systematisch einsetzt. » weiterlesen

Barcamp Berlin 2007:
11 Fragen an Cord Behrens

Cord Behrens, 29, mikestar.com
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Studie beweist:
Medienblogs haben eine höhere journalistische Qualität als Online-Zeitungen

Schöner Titel, nicht? Genau so wird doch im Allgemeinen von (Online)-Zeitungen mit Studien umgegangen. Man guckt schnell ins Fazit und bastelt sich daraus einen knackigen Titel.

Aber da die Originalquelle online verfügbar ist, kann nun jeder selbst gucken gehen und sich eine Meinung bilden. Wie das Mazblog, die “digitale Arbeitplattform der Schweizer Journalistenschule”, schreibt, hat sich Andres Hutter bei seiner Lizenziatsarbeit für die Uni Zürich mit Medienweblogs beschäftigt. Der Titel der Arbeit heisst:

Verbesserte Medienkritik oder Pseudo-Journalismus. Eine inhaltsanalytische Studie journalistischer Qualität in medienkritischen Weblogs” (pdf-File, 1216 kb)

Beschäftigt hat sich die Studie mit den Medienweblogs Bildblog, Blattkritik, Daily Error, gesammelte Bazismen, “heute” Satiremagazin, Medienspiegel, Österreichblog, Ostsee-Zeitung-Blog, Pendlerblog, Spiegelkritik sowie den Online-Zeitungen NZZ, FAZ und die Presse.

Wir wollen es uns aber doch nicht nehmen, ein paar Sätze aus dem Fazit zu zitieren (die uns natürlich freuen):

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YouTube mit deutscher Version gestartet

youtube_floating.gifIn den vergangenen Tagen erschien beim Aufrufen von www.youtube.de in der Adressleiste des Browsers bereits das YouTube-Icon – auch wenn die Seite selbst noch weiß blieb. Seit einigen Stunden aber ist YouTube nun mit seiner deutschsprachigen Seite online. Optisch bleibt alles beim Alten. Wie sueddeutsche.de berichtet, ist angeblich auch das ZDF mit einem eigenen Kanal an Bord. Gefunden habe ich diesen aber nicht. Ihr?

Update: Den ZDF-Kanal gibt es hier, danke Stephan für den Hinweis.

Weitere Kooperationspartner sind laut Handelsblatt unter anderem Gruner+Jahr, der FC Bayern München und der VfB Stuttgart, die Deutsche Welle sowie Universal Music und Sony BMG. » weiterlesen

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