Erdbeben! Breaking News! Aktueller Bürgerjournalismus

Wenn Medien statt auf Recherchen auf Material ihrer Zuschauer setzen, gerät das Nachrichtenwesen rasch zur Parodie seiner selbst. Vor allem, wenn jedermann das Ereignis am eigenen Leib erfahren hat. Ein (fast) Live-Bericht vom aktuellen “South Bay-Erdbeben” in Kalifornien.

Erdbeben San Francisco
Schadenbild nach dem 5.6-Erdbeben vom Dienstagabend: Breaking News der Bürgerjournalisten zur Primetime.

Es war das schwerste Erdbeben seit dem “mittelgrossen” von Loma Prieta im Jahr 1989 in der San Francisco Bay Area: Das Beben der Stärke 5.6 und einigen Sekunden Dauer kurz nach 20 Uhr am Dienstagabend ist das Medienthema in der Region der Bucht um San Francisco.

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Die Rolle von Einfachheit

Wenn — wie so oft in der Internet-Branche — über das Erfolgsgeheimnis von Google diskutiert wird, kriegt man oft zu hören, dass die Suchmaschine ihre Dominanz dem geheimnisvollen PageRank-Algorithmus zu verdanken hat. Dank diesem sind Googles Suchresultate deutlich besser, darum hatte das Google das beste Produkt und konnte sich durchsetzen, obwohl die Firma erst sehr spät in den Markt eintrat. Eine reine Frage von überlegener Technologie also.

Wirklich?

Zwei Gründe, warum das vermutlich nicht stimmt:

1. Die Funktionsweise von PageRank wurde schon 1998 publiziert und war damit in den Grundzügen der Konkurrenz bekannt. Es gibt PageRank-Implementationen sogar als Open Source, und trotz Patentschutz konnte die Konkurrenz schon bald vergleichbar gute Rankingalgorithmen produzieren. Yahoos Resultate sind längst etwa gleich gut oder gar besser, aber das interessiert irgendwie keinen. » weiterlesen

Frank Schirrmachers Welt …

… überfordert mich intellektuell. Wie überhaupt das ewige Internet-Bashing, das unsere Alpha-Journalisten betreiben. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sie Johann-ohne-Land-Gefühle entwickeln. Natürlich verlieren durch den Zuwachs der Online-Medien die Holzmedien kontinuierlich an Relevanz. Deshalb aber wahllos mit dem Knüppel der Pauschalisierung herumzudräuen, wie der FAZ-Herausgeber in seinem Hausmedium und dann in der ‘Süddeutschen Zeitung’, das lässt mich am Qualitätsjournalismus zweifeln, an dessen Hagiographie sie doch alle wie ein emsiges Kaffeekränzchen häkeln.

Wenn ich über Journalisten oder Medien schreibe, dann sage ich – wie auch in diesem Fall – ‘Frank Schirrmacher’ oder auch mal pauschaler die ‘FAZ’, aber ich sage nicht ‘die Zeitungen’ oder ‘die Journalisten’. So viel Konzilianz und Differenzierungsvermögen fallen vice versa wiederum einem Frank Schirrmacher schwer, obwohl er doch just den Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprache erhielt und er sich auch deshalb hier zu Wort meldet.

In schöner Regelmäßigkeit ist in seinem Text von DEM “World Wide Web”, DEM “Internet” oder DEN “Blogs” die Rede, von einer furchtbaren, gleichgeschalteten, namenlosen Welt voller Dreck und Schlamm. Ein medialer Sumpf, wo das analphabetische “Nicht- oder Fastnichtmehrlesen” regiert, wo “pornographischer und gewalttätiger Extremismus” aus allen Löchern quillt, wo auch immer er, der große Qualitätsjournalist, seine Sonde in den Morast bohrt:

Wir riskieren die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren – wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen.

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Anarchie – Die Schattenseite des Facebook-Booms

facebook_logo.gifNahezu 50 Millionen Menschen weltweit sind aktive Facebook-Anwender, gut die Hälfte davon Nordamerikaner. Die andere Hälfte der User kommt aus einer Vielzahl von Ländern dieser Erde, ohne dass Facebook dort jemals auch nur einen Cent in Werbemaßnahmen gesteckt hat. Der Dienst wird zur Zeit noch komplett vom Unternehmenssitz im kalifornischen Palo Alto betrieben. Internationale (und europäische) Büros gibt es bisher offiziell nicht (für die geplante Londoner Europazentrale werden gerade Mitarbeiter gesucht). » weiterlesen

Tages-Anzeiger, BaZ, BZ, News e.a.:
Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen Online-News-Netzwerk

Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen News-Netzwerks, das der Tages-Anzeiger zusammen mit der BaZ und der BZ aufzieht und im Frühling 2008 launchen will.

Am 14. September 2007 wurde das neue Online-News-Netzwerk von Tamedia, Basler Zeitung und Berner Zeitung (der Winterthurer Landbote und die Thurgauer Zeitung sitzen auch mit im randvollen Boot) offiziell angekündigt. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen allerdings schon seit Monaten; vor allem wurde im In- und Ausland nach einer Redaktionsleitung gesucht, die den vielen Projektparteien genehm ist.

Nun greift man auf eine naheliegende, weil konzerninterne Lösung zurück, die trotzdem eine Überraschung ist. Chefredaktor des neuen News-Netzwerks wird Peter Wälty, bisheriger Leiter der Online-Redaktion von 20 Minuten.

Peter Wälty hat einen eindrücklichen Leistungsausweis als jemand, der weiss, wie man Traffic holt. Seit dem Redesign im Februar 2006 haben sich die Zugriffszahlen von 20minuten.ch um ein Mehrfaches gesteigert (nachvollziehbar via NET-Metrix ist “nur” der Anstieg von 50 Millionen Page Impressions im November 2006 auf über 70 Millionen heute).

Wältys Website steht dabei für die unbedingte Orientierung am Geschmack des Publikums. Mit der von ihm konzipierten Eigenentwicklung des in der Szene berühmten grünen Monitors sieht die Online-Redaktion im Fünf-Minuten-Takt, wie oft jeder Artikel angeklickt wird. Was nicht performed, ist schnell buchstäblich weg vom Fenster. Bildergalerien en masse und Umfragen zu jedem möglichen und unmöglichen Thema runden die PI-Bolzerei ab und bringen 20minuten.ch heute sensationelle 11 Page Impressions pro Visit.

Trotzdem hat Peter Wälty ein grosses Ziel nicht erreicht. Im Februar 2006 sagte er zu persoenlich.com: “Wir können nicht anders als früher oder später den Blick zu überholen.”

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Schon bald NZZpunkt.ch?

Am Samstag schrieb die Finanz und Wirtschaft: “Auch die NZZ liebäugelt mit eigener Gratiszeitung” (online nicht verfügbar), und dass Martin Hitz das in seinem Medienspiegel zum Schreien findet, heisst natürlich nicht, dass es nicht stimmen könnte.

Im Artikel betont die NZZ zwar noch, dass es eigentlich keinen Handlungsbedarf gäbe:

«Die NZZ-Gruppe steht grundsätzlich nicht in der Defensive, denn nicht jede Neulancierung wird zum Erfolg», urteilt Alfred Hümmerich, seit sechs Monaten Gruppenleitungsvorsitzender des mit 227 Betriebsjahren traditionsreichen Zürcher Verlagshauses. «Wir sind inzwischen am Medienmarkt so breit aufgestellt, dass uns verschiedene Möglichkeiten der Weiterentwicklung offen stehen.» (FuW vom 27.10.2007)

“Wir sind total in Panik” sagt man ja auch selten vor und während Verkaufsverhandlungen.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird gemutmasst, dass es .ch sein könnte, für das die NZZ sich interessiert – angesichts der Tatsache, dass 20 Minuten der Tamedia gehört und heute zu Ringier keine wirklich atemberaubende Schlussfolgerung.

Heute morgen hörten wir aus dem Zürcher Seefeld-Quartier, dass offenbar erste Gespräche zwischen .ch-Gründer Sacha Wigdorovits und Hümmerich (kein Foto, aber coole URL bei der NZZ: independent=true) bereits stattgefunden haben.

Dabei wurde der Start von .ch allgemein als eher harzig wahrgenommen. “Ganz nettes Heft – falls man es zufällig irgendwo findet”, scheint der Tenor zu sein. Eine Google-Suche nach .ch distribution wigdorovits führt auch schon zu beeindruckenden 313 Treffern. Und natürlich verbirgt sich hinter jedem blauen Link die Zusicherung, man habe alles im Griff, und die paar Probleme mit verschwundenen Ständern seien völlig normal. Ist der “strategische Fit” nun, dass der NZZ-Verlag das Ständerklauproblem besser in den Griff bekommt?

Zugleich hört man, die ersten .ch-Journalisten bewerben sich schon wieder bei anderen Zürcher Medienhäusern. Ob das nun an den verschwundenen Notenständern liegt oder an der NZZ oder an etwas anderem, ist zur Stunde noch nicht bekannt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

ComBOTS versendet letzte Mail an seine (wenigen) Nutzer

combots.gifBereits Ende September wurde angekündigt, dass ComBOTS, das gefloppte Kommunikations-Tool der ehmaligen WEB.DE AG, eingestellt wird. Heute erhielten die wenigen ComBOTS-Nutzer die vermutlich letzte Mail des Dienstes: » weiterlesen

Internes Bloggen:
e-touch bei Cablecom

Beim Schweizer Kabelnetzbetreiber und Internetanbieter Cablecom wird intern gebloggt. Am Zürcher Blogcamp wurde nach einem halben Jahr eine Zwischenbilanz gezogen.

Cablecom, das ist die Firma mit dem grottenschlechten Kundendienst und die Firma, die beliebte Sender aus dem Kabelnetz zieht, damit sie ihr Produkt cablecom digital tv verkaufen kann. Soweit das gängige Vorurteil. Bei Cablecom habe man jedoch aus den Fehlern gelernt und reagiert.

Leila SummaLeila Summa , Head New Media Communications bei der Cablecom, sagt:

Cablecom hat eine bewegte Zeit hinter sich in den letzten sieben Jahren: Wir sind oft als Pionier vorausgegangen und haben verschiedene neue Produkte lanciert. Diese Veränderungungen und das enorme Kundenwachstum stellten uns intern vor neue Probleme und neue Kommunikations- und Kollaborationsbedürfnisse – die es zu lösen gilt.

Im Rahmen des BlogCampSwitzerland 2.0 in Zürich vergangenen Samstag präsentierte sie nun zusammen mit Stefan Bucher, wie intern mit Kommunikation umgegangen wird. Der Ursprung der Idee der neuen Intranet-Plattform, “e-touch”, dem elektronischen Berühungspunkt von und für Mitarbeitende, liegt darin, dass man den Fokus vermehrt auf die Kundenzufriedenheit und -bindung setzen will. Und dies steht in engem Zusammenhang zur Loyalität des Mitarbeiters. Das eine bedingt das andere.

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Seit Mai dieses Jahres sind zur Verbesserung der internen Kommunikation interne Weblogs da, ein Auftrag, der von CEO Rudolf Fischer (PDF) persönlich an Leila Summa gegeben wurde. Die Weblogs haben bisher weder alles durcheinandergebracht, noch konnte die interne Post oder das Mailsystem abgeschafft werden. Aber sie haben schon einiges verändert.

Leila Summa hatte bisher mit Bloggen nichts zu tun und war nur eine passive Blogleserin. Sie fasste aber ein Ziel: Bei Cablecom ein zeitgemässes IntraWeb 2.0 einzuführen.

Bei der Einführung der internen Blogs gab es zu Beginn verschiedene Vorurteile zu bewältigen:

Cablecom internes bloggen 5

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12 Jahre alter Online-Witz in der NZZ am Sonntag

Gestern war in der NZZ am Sonntag ein Artikel ?Jetzt gehen sie wieder: Das Klima für Deutsche wird rauer. Die Ersten packen ihre Koffer und ziehen zermürbt nach Deutschland zurück.?

Der Artikel war mit einem Textkasten versehen über “10 Dinge, die Ausländern in der Schweiz auffallen”.

NZZaS Auslaender-in-der-Schweiz 2007-10-28

NZZaS Auslaender-in-der-Schweiz 2007-10-28


NZZ am Sonntag vom 28. Oktober 2007 mit Artikel “Jetzt gehen sie wieder”

Wie früh in der Schweiz auch am Wochenende aufgestanden wird.

Dass niemand reklamiert, auch wenn er nur einmal im Monat waschen kann.

Dass kein Schweizer begreift, wie man ausser im Winter Fondue essen kann.

Dass Schweizer sich immer anständig anziehen, auch zum Milchholen.

Dass die ganze Schweiz es offenbar für völlig normal hält, dass es wegen Bauarbeiten jeden Sommer zu Verkehrsstaus kommt.

Dass es einen nach einem halben Jahr in der Schweiz auch zu stören beginnt, wenn der Nachbar nach zehn noch die Toilettenspülung betätigt.

Dass Schweizer Partys spätestens um halb zwölf schon zu Ende sind.

Dass Schweizer Gastgeber schon während der Party wieder mit Aufräumen beginnen.

Dass Schweizer Gastgeber erwarten, dass die Gäste beim Abwasch helfen.

Dass Schweizer Spontanität super finden – solange sie geplant ist.

Internet-Veteranen kommt diese Liste bekannt vor, denn sie kursierte in längerer Form schon vor ewigen Zeiten per E-Mail. Ich habe sie während meines Studiums sicher zehnmal von verschiedenen Leuten erhalten, die alle gerade dachten, sie sei neu.

Im Jahr 2000 übernahm dann Alan Hodgkinson auf seiner Website die Verantwortung für die Liste: “I confess, it was me. I wrote this with my friend Nils in 1995.”

Dass die Liste 12 Jahre alt ist, ändert nichts daran, dass sie immer noch witzig ist. Eine Quellenangabe hätte ich aber angemessen gefunden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Wird schülerVZ bald Holtzbrincks neuer Star?

studiVZ und schülerVZAuf die selbe Art und mit der selben Geschwindigkeit, wie StudiVZ zwischen Sommer 2006 und Sommer 2007 nahezu alle Studierenden Deutschlands zu Mitgliedern machte, breitet sich auch Holtzbrincks jüngerer Spross, schülerVZ, in seiner Zielgruppe aus. Im August 2007 konnte man nach nur fünf Monaten des Bestehens bereits eine Million Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vermelden, mittlerweile dürften es noch einige Hundertausend mehr sein. Während studiVZ in einer Reifephase angekommen ist, in der zwar die Mitgliederzahlen noch steigen, aber die ursprüngliche Kernzielgruppe Studierende fast komplett erschlossen wurde, hat schülerVZ noch einen großen, unbearbeiteten Markt vor sich. » weiterlesen

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