medienlese – der Wochenrückblick

Viel los in der Schweizer Medienszene zurzeit: Innert kaum einer Woche wurde der Namen einer Gratiszeitung enthüllt (Freitag – News), erschien eine neue Sonntagszeitung (Sonntag – Sonntag) und wird eine vor die Tür zugestellte Gratiszeitung erscheinen (Mittwoch – .ch).

Auch Politiker drängt es zu eigenen Medien. Nach dem Medienminister Moritz Leuenberger, der ein Blog schreibt, folgt nun Justizminister Christoph Blocher mit einem wöchentlichen TV-Update. Damit er nicht mit einer Kamera reden muss, wurde ihm mit Matthias Ackeret ein “Journalist” als Sidekick zur Verfügung gestellt. Matthias Ackeret ist Chefredaktor der Zeitschrift Persönlichhier eine wichtige Meldung aus dem Onlineportal persoenlich.com über ein von ihm geschriebenes Buch. Aber zurück zu Christoph Blocher und seinen nun wöchentlichen Videoblog-Folgen: Was auf den ersten Blick wie eine Homestory bei einem Rentner wirkt, entpuppt sich schnell als inhaltlich nicht uninteressanten Wochenrückblick aus der Sicht eines Ministers. Bei der aktuellen Fixierung der Schweizer Medien und Parteien auf diese eine Person sollten damit einige Zugriffe zu erreichen sein. Was fehlt, ist klar: das Podium. Dann könnten sich die Hände zwischendurch mal abstützen.

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Abmahnr – bequem online abmahnen

abmahnr.gif

Ein bisschen Spaß am Sonntagabend (mit eigentlich ernstem Hintergrund): Abmahnr. via Rivva

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Web 0.0 bei Ringier

Der Begriff Web 0.0 wurde von Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer geschaffen. Er bezeichnet die “Bewegung” einer Generation von Führungskräften, die sich von Berufs wegen auf das Internet einlassen sollte, sich diesem aber verweigert. Es von ihren Mitarbeitern bedienen lässt. Und dennoch Meinungen dazu hat. Ich glaube, Michael Ringier gehört auch dazu. Michael Ringier ist als Chef von Ringier der grösste Verleger der Schweiz. Er setzt weiterhin auf bedrucktes Papier.

Um Michael Ringier zu verstehen, müssen wir erst mal wissen, wie sein Tagesablauf aussieht. Er steht auf, geht ins Büro und liest. Zeitungen und Zeitschriften:

Ich habe morgens immer dieselbe Reihenfolge: zuerst «Blick», dann «Tages-Anzeiger», «NZZ» und dann selektiv ausländische Zeitungen und jede Menge Zeitschriften. Regelmässig kann ich nicht alle lesen, sonst wäre der Tag vorbei.

Was im Internet steht, interessiert ihn nicht, denn “kein Schwein interessiert das“:

Im Internet wird zwar wahrscheinlich mehr kritisiert als in allen Zeitungen zusammen, aber kein Schwein interessiert das. Da gibt es Blogs und persönliche Homepages und weiß der Teufel was. Das findet aber niemand. Und deswegen werden wohl in Zukunft die Zeitung und die Zeitschrift diesen Platz stark für sich beanspruchen.

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Newsquellen:
Komfort geht vor Qualität

Die Unternehmensberatung McKinsey hat in einer neuen Studie das Medienverhalten von US-Konsumenten untersucht, und zwar mit einem besonderen Fokus auf Nachrichtenquellen (Volltext nur gegen Registration; via Bruno Giussani). Die Ergebnisse sind recht bemerkenswert und decken sich mit vielem, was man in letzter Zeit aus anderen Quellen zu diesem Thema gehört hat. Als Vorbehalt sei erwähnt, dass nur die USA abgedeckt wurden, die einen etwas anders strukturierten (z.B. deutlich fernsehlastigeren) Medienmarkt haben als viele europäische Länder.

Zunächst mal stellte sich heraus, dass der Medienkonsum enorm fragmentiert ist. Die meisten Befragten nutzen pro Woche 12 bis 16 verschiedene Newsquellen. Dominierend ist weiterhin das Fernsehen, aber das Internet ist bereits klare Nr. 2, deutlich vor Printmedien. Besonders die fleissigsten News-Konsumenten nutzen das Web sehr stark als Quelle.

Recht erstaunlich sind die Kriterien für die Wahl einer bestimmten Quelle:

Mckmedia

Die Bequemlichkeit des Zugangs und die Breite der inhaltlichen Abdeckung wird von den Befragten als wesentlich wichtiger beschrieben als die Qualität der Inhalte. Kein Wunder, dass Internet-basierte Quellen da eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

Auch interessant: Alter, Einkommen und Bildungshintergrund haben einen weniger grossen Einfluss auf das Nutzungsverhalten, als man es vielleicht annehmen könnte. Sehr viel wichtiger ist die grundsätzliche Einstellung zur Wichtigkeit “informiert bleiben zu müssen” und die generelle Haltung zu Medien überhaupt. Wie immer stattete McKinsey die verschiedenen Meinungscluster mit knackigen Namen aus und identifizierte zum Beispiel die “Digital Cynics”, die traditionellen Medien gegenüber skeptisch eingestellt sind und sich lieber über Blogs oder die “Daily Show” informieren.

Diese Ergebnisse werfen ein interessantes Licht auf ein paar Themen, die ich in letzter Zeit hier diskutiert habe: Das spezifische Verhalten der User von Community-Newssites à la Digg scheint typisch für die Zielgruppe der “Digital Cynics” zu sein, die etwa 18% der US-Bevölkerung ausmacht. Wenn man dieser Studie hier glauben darf, bezieht diese Gruppe keineswegs nur ihre Tech-News auf Community-Sites; vielmehr scheinen solche alternativen Kanäle das mediale Zentrum für diese Zielgruppe zu sein.

Die gute Nachricht für die Internet-Strategie von Zeitungsverlegern ist, dass noch ein grosser Teil der Bevölkerung keine bevorzugte Online-Newsquelle hat. Man kann also noch grosse Marktsegmente erobern, und die vertrauten Marken der Zeitungen sind da sicher im Vorteil bei den Late Adopters. Ausserdem sind lokale Nachrichten die wichtigste inhaltliche Kategorie, und da haben Zeitungen traditionell ihre Stärke.

Die schlechte Nachricht ist, dass die inhaltliche Qualität anscheinend kein herausragend wichtiges Kriterium für die Kosumenten ist. Man kann sich aber auch fragen, ob diese relativ geringe Wertschätzung der journalistischen Qualität nicht auch damit zu tun hat, dass die meisten Online-Angebote (und auch viele Zeitungen) ihre wenigen inhaltlichen Juwelen in einem Meer kaum redigierter Agenturmeldungen verstecken. Es ist da für den Kunden oft schwierig, überhaupt echte Qualitätsunterschiede zu finden.

Etwas unklar ist die zukünftige Rolle von reinen Aggregatoren wie Google News. Haben die Verleger, angesichts der Wichtigkeit von Vollständigkeit und Komfort im Urteil der Konsumenten, vielleicht doch recht mit ihrer Ablehnung von Suchmaschinen? Kein Zweifel, Aggregatoren könnten in Zukunft eine zunehmend wichtige erste Anlaufstelle für die Konsumenten sein. Aber offensichtlich ist auch, dass Klagen und inhaltlich eingeschränkte Gegenprojekte nichts helfen werden. Die Medienkonsumenten sind längst mündig und stellen sich ihr News-Menü selbständig aus einer Vielzahl von Quellen zusammen. Gewinnen kann man da nur, wenn man die richtige Mischung aus Komfort und Qualität bietet.

Bei Joost tut sich was:
jetzt mit “richtigen” Filmen

joost.gifInternet-TV in Deutschland macht Fortschritte. Erst vor wenigen Tagen wurde Zattoo offiziell in Deutschland gestartet, und nun gibt es auch eine erfreuliche Meldung vom Frühjahres-Medienliebling Joost. War das bisherige Programmangebot von Joost hierzulande bisher wenig beeindruckend und umfasste hauptsächlich (englischsprachige) Special-Interest-Inhalte, so hat man nun Paramount Pictures ins Boot geholt und bietet damit in Deutschland zum ersten Mal eine Reihe bekannter Filme zum kostenlosen On-Demand-Abruf an. » weiterlesen

Web 2.0-Hype Stecknadel-Nachrichten

Eine neue Webseite setzt auf einen Nachrichten-Weltatlas (ganz wie bei tagesschau.de) und User Generated Content. Wir haben reingeklickt und nachgefragt.

Plebstv ist Readers Edition tritt YouTube trifft Flickr trifft Google Maps, oder direkt aus der Pressemitteilung: ein ?Internetportal für Bürgerjournalisten, das Content-Sharing und Social Networking mit georeferenzierten Daten verbindet?. Alles klar?

Der Zugriff auf die Inhalte erfolgt entweder über Stecknadeln auf einer großen Karte (Google Maps) oder über die Auflistung der acht Nachrichtensparten. Innerhalb derer gibt es wiederum eine Liste mit allen erdenklichen Beiträgen oder eine Auswahl der ?Top Stories?. Geplant sind außerdem ?Channels?.

plebstv

So wird ein Reuters-Video über die MTV Music Awards angezeigt. Im Hintergrund ist ein Satellitenbild von Las Vegas zu sehen

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Verleger gegen Google News:
Die Antwort

Mein Beitrag von neulich über die Konflikte der Schweizer Verleger mit Google News hat auch in den Printmedien einen Niederschlag gefunden: Die Zeitschrift “Werbewoche” fragte mich an, einen Gastkommentar zu schreiben, der neulich auch tatsächlich publiziert wurde (in der Printversion sogar mit Bild!).

Die Redaktion liess mich ausserdem wissen, dass man einen Verleger suche, der eine Antwort verfassen sollte. Nun, einen schreibwilligen Verleger hat man leider (und vielleicht bezeichnenderweise) nicht gefunden, aber diese Woche wurde die indirekte Replik auf meinen Beitrag publiziert, verfasst von Josefa Haas, Leiterin des Medieninstituts.

Das Medieninstitut ist die Ausbildungsstätte des Verbands Schweizer Presse, und insofern ist Frau Haas als dessen Leiterin natürlich ausgezeichnet positioniert, die Meinung der Print-Branche wiederzugeben. In ihrer gerade erschienenen, sehr eloquenten Kolumne — da sieht man noch, welche Branche das Schreibhandwerk wirklich beherrscht — schreibt sie:

“Beim Aufbau von sogenannten Partnerschaften mit Win-Win-Situationen verhandelt der Konzern [Google] individuell. Dadurch werden die Anbieter von Inhalten unter Konkurrenzdruck gesetzt: Wer kann schneller die besseren Bedingungen aushandeln? Für die vielen, die darum feilschen, dass sie einen Teil der Erträge erhalten, bleibt jedoch eine Gemeinsamkeit: Der Verhandlungspartner am anderen Tischende ist immer der gleiche.

Go with the flow, lass dich treiben, empfehlen Internetspezialisten. Widerstand ist unnötig, aber auch unmöglich, wird suggeriert. Schmidt spricht gerne von Partnerschaft. In einer fairen Partnerschaft beeinflussen jedoch beide Seiten den Gang der Dinge.”

Nun ja, die internationale Geschäftswelt hat es halt so an sich, dass die stärkere Partei die Regeln bestimmt. Und da Google nun mal die dominierende Suchmaschinenfirma ist, überrascht es wohl kaum, dass das Unternehmen seine starke Position in Verhandlungen ausspielt.

Dass die Medienbranche das unfair findet, ist ziemlich ironisch. Ich habe vor Jahren als kleiner Internetunternehmer mehrmals das eher zweifelhafte Vergnügen gehabt, mit alteingesessenen Verlagen über Partnerschaften zu verhandeln. Immer liessen einen die Medienhäuser ziemlich schnell spüren, dass sie in ihrer Region die dominierende Kraft sind und es absolut nicht nötig haben, mit jedem dahergelaufenen Internet-Unternehmen zu kooperieren. Und wenn überhaupt, dann zu ihren Bedingungen.

Frau Haas’ Beitrag zeigt auf, wie tief das Misstrauen der Verleger gegenüber Google und dem Internet generell sitzt und wie diffus diese Skepsis gleichzeitig ist. Sie schreibt aus der Perspektive einer Branche, die seit Jahrzehnten Dominanz gewohnt ist und nicht damit umgehen kann, dass in einem wichtigen Bereich plötzlich jemand anders am längeren Hebel sitzt. Schadenfreude ist da nicht angebracht, aber man würde den Verlegern schon eine etwas realistischere Einschätzung der Lage und entsprechend angepasste Strategien wünschen.

Weiter schreibt Frau Haas:

“Zwar sieht [Google-CEO] Schmidt seine Leistung darin, den Zugang zu Information weltweit zu ermöglichen und damit Transparenz zu schaffen. Sucht man jedoch detaillierte Informationen, stösst man auf verschlossene Türen.
[...]
Doch welche Daten wie abrufbar sind, weiss niemand. Wo die Server stehen, ist ein Geschäftsgeheimnis.”

Natürlich kann man Google berechtigterweise Intransparenz vorwerfen, aber das ist ein ziemlich starkes Stück aus Richtung einer Branche, die an Kartellisierung grenzende Marktmacht-Strategien praktisch erfunden hat. In den meisten Regionen der Schweiz (und anderer Länder) dominiert inzwischen ein einziges Medienunternehmen praktisch alle traditionellen Medien. Dass der Steuerzahler zudem durch reduzierte Mehrwertsteuersätze und verbilligte Posttarife für Zeitungszustellung die immer noch ansehnlichen Gewinne der Verlage mitfinanziert, ist da nur eine störende Tatsache von vielen (über die in der Presse natürlich eher selten kritisch berichtet wird). Meines Wissens kriegen Internet-Suchmaschinen keine vergleichbaren Vergünstigungen.

Die Schlussfolgerung meines ursprünglichen Beitrags ändert sich nicht: Die Verlage müssen akzeptieren, dass die Online-Welt deutlich anders funktioniert als ihr traditionelles Umfeld. Mehr Kundenorientierung und eine Strategie, die echte Werte schafft, sind der einzige Weg zum Erfolg. Nur über böse Suchmaschinen zu lamentieren, hilft wirklich nicht weiter.

Noch eine Bemerkung am Rande: Beide Seiten verstehen die Welt der anderen offenbar immer noch nicht gut, und das reflektiert sich in der Sprache. Es ist möglicherweise bezeichnend, dass offenbar weder Frau Haas noch die Redaktion der “Werbewoche” wissen, wie man den hochtechnischen Begriff “Algorithmus” richtig schreibt. Kleiner Tipp: Auch Fremdwörter kann man googeln… :-)

Wenn einem Social Network die Nutzer weglaufen

lunarstorm.gifEin interessantes Phänomen ist derzeit in Schweden zu beobachten. Wie das IT-Magazin Computer Sweden berichtet, verlieren zwei der größten Jugend-Communities des Landes, LunarStorm und playahead, dramatisch an Nutzern. Besonders für LunarStorm, das am 1. Januar 2000 ins Netz ging und als eine der weltweit ersten Online Communities überhaupt gilt, geht es in rasendem Tempo bergab. Noch 2005 besuchten fast 1,5 Millionen User pro Woche die hauptsächlich bei Teenagern beliebte Plattform, mittlerweile sind es 50 Prozent weniger. Wie auch immer man zu Alexas Reichweitenstatistik stehen mag – der Abwärtstrend ist eindeutig und stellt das über drei Jahre hinweg durch scheinbar unbegrenztes Wachstum verwöhnte Unternehmen vor eine völlig neue Situation, die sich unter ungünstigen Umständen zu einem regelrechten Existenzkampf entwickeln kann. » weiterlesen

Die eigenartigen Strategien der Zeitungswelt

Interessantes tut sich in der Suchmaschinenbranche, wie man folgender Meldung entnehmen kann:

Google kündigt neue Suchmaschine an
Google, der Marktführer bei Internet-Suchmaschinen, kündigte heute die Lancierung einer neuen Suchmaschine unter dem Namen ‘Look’ an, die parallel zur bisherigen Google-Site betrieben werden soll. Das neue Angebot, das Ende Jahr auf dem Markt erscheinen wird, soll über praktisch identische Funktionalität wie die bisherige Google-Suche verfügen, aber ein leicht anderes Layout aufweisen und 12 statt 10 Suchresultate pro Seite anzeigen. Google wird das neue Angebot in Zusammenarbeit mit Canuckster.com betreiben, der führenden regionalen Suchmaschine in Kanada. ‘Mit diesem neuen Angebot werden wir unsere Marktführerschaft bei Suchmaschinen weiter ausbauen’, sagte Google-CEO Eric Schmidt.

Diese Produkteinführung wird von vielen Analysten als Reaktion auf die Ankündigung der kalifornischen Startup-Firma Cuill.com interpretiert, demnächst mit einer eigenen Suchmaschine auf den Markt zu kommen. Cuill.com wurde von ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet.

Keine Angst, Google ist nicht verrückt geworden. Diese ziemlich absurd erscheinende Meldung habe ich natürlich frei erfunden.

Aber sie ist inspiriert von der neusten Ankündigung aus der Schweizer Pressewelt: Die Verlage Tamedia, Espace Media (zu Tamedia gehörend) und Basler Zeitung wollen die neue Gratiszeitung “News” im Schweizer Markt lancieren (Details drüben bei Medienlese). Dass dies eine Gegenmassnahme gegen die bald erscheinende neue Gratiszeitung “.ch” ist, wird gar nicht erst bestritten.

Damit werben nun bereits bald vier kostenlose Zeitungen (20 Minuten, heute, .ch, News) um die Aufmerksamkeit des Pendlers. Interessanterweise erscheint die deutlich führende Gratiszeitung “20 Minuten” auch bereits im Hause Tamedia. Warum man sich nun im eigenen Haus selbst Konkurrenz machen will, wurde bisher nicht so ganz klar erläutert.

Natürlich würden die Verleger solche Produkte nie ohne eine klare Differenzierung auf den Markt bringen: Die bisherigen Gratiszeitungen sind für sehr kurze Texte bekannt, wohingegen “News” angeblich mehr Substanz bieten will, also dem Layout der Nullnummer nach zu schliessen vermutlich bis zu einem Satz mehr pro Meldung.

Ausserdem ist die Zielgruppe völlig anders. “News” spricht laut Pressemitteilung “eine junge, urbane und kaufkräftige Leserschaft” an, während “20 Minuten” sich laut Produktseite an “junge, urbane Pendler mit guter Bildung und überdurchschnittlichem Einkommensniveau” wendet. Klarer könnte der Unterschied wohl kaum sein. Zudem werden die Verteilboxen voraussichtlich in einer anderen Farbe gestrichen. Welche Farbe die “News”-Boxen verwenden werden, wurde aber aus strategischen Gründen noch nicht bekanntgegeben. Zweifelsfrei wird man aber dem Grau von “.ch” und dem Grün von “heute” eine aggressiv positionierte Alternative entgegensetzen.

Nun, im Ernst: Die Strategien der Verlegerwelt sind schon nicht immer so einfach nachzuvollziehen. Nachdem sich Gratiszeitungen als Erfolg herausgestellt haben, jagen alle dieses Konzept und überfluten den Markt mit fast identischen Produkten, die sich gegenseitig das Wasser abgraben. Dabei weiss man aus vielen internationalen Beispielen recht gut, dass pro städtischem Grossraum kaum mehr als eine solche Zeitung wirtschaftlich überlebensfähig ist. In Zürich hatten wir das Spiel vor Jahren schon mal, jetzt gehen alle in eine neue, wohl sehr kostspielige Runde.

Tamedia will mit dem neuen Produkt natürlich wohl primär das demnächst startende “.ch” abblocken. Hinter “.ch” stehen auch noch Leute, auf die man in der Verlegerszene aus verschiedenen Gründen nicht gut zu sprechen ist, und solche persönlichen Faktoren haben meiner Erfahrung nach bei solchen Strategien einen grösseren Einfluss, als man annehmen könnte.

Klar, dass Tamedia ihr bisheriges Erfolgsprodukt lieber selber kannibalisiert, als das einem Konkurrenten zu überlassen, ist durchaus nachzuvollziehen. Aber was man bisher von “News” gesehen hat, lässt nicht gerade auf ein Produkt schliessen, das die Presselandschaft mit neuen Ideen erheblich bereichern würde. Die Leser bekommen nicht wirklich mehr Auswahl, sondern nur mehr vom gleichen Einheitsbrei.

Zu erwartendes Resultat: Geld werden beide, “News” und “.ch”, nicht verdienen, und am Schluss stellt sich nur die Frage, wem als erstes die Luft ausgeht. Dass nach kurzer Zeit beide Produkte wieder vom Markt verschwinden werden, ist nicht auszuschliessen. Und damit hat die Zeitungsszene dann erfolgreich wieder ein paar Dutzend Millionen Franken verlocht, die man zum Beispiel auch in vorausschauende Online-Projekte hätte investieren können…

Neue Gratiszeitung:
«News» kommt am 3. Dezember

Die vierte Schweizer Gratiszeitung soll am 3. Dezember zum ersten Mal erscheinen – auf jeden Fall aber noch vor Ende des Jahres. Das verrieten die drei beteiligten Medienhäuser heute auf einer Pressekonferenz in Zürich.

Wie medienlese.com-Leser bereits gestern abend um 19.05 Uhr erfuhren, wird die neue Gratiszeitung News heißen und jeweils mit dem Namen und Logo einer der drei Zeitungen geschmückt werden, die sich für den neuen Titel zusammengetan haben: Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Berner Zeitung.

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Die Eckdaten der News:
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