Medienblogcharts 12/07:
Das hört ja gut auf…

Weiter gehts mit den Linkverlusten: Auch im letzten Monat des Jahres 2007 zeigten die Linkzahlen der Top 50 deutschsprachigen Medienblogs in eine Richtung: Nach unten.

Naja. Man soll sich nicht zu sehr auf Listen verlassen, mahnen uns die Frauen völlig zu Recht: Diese Schwanzvergleiche sagen doch eigentlich gar nichts aus… Nun, die Vergleiche vielleicht nicht, aber möglicherweise die absoluten Zahlen. Im Fall der Medienblogcharts, die wir seit bald einem Jahr monatlich erheben, sagen sie:

Die Deutsche Blogosphäre verlinkt immer weniger.

Oder sagen sie möglicherweise:

Es gibt immer weniger Blogs

? Oder ganz einfach:

Blogregistriersuchmaschinenanbieter Technorati ist unzuverlässig und am Ende

? Nun, wir wären Journalisten, wenn wir aus den nur in der zeitlichen Relativität deutbaren Zahlenbergen eine absolute Aussage zusammenbasteln würden. Tun wir aber nicht, wir machen unbeirrt weiter mit den Vergleichen und ärgern uns ein klein wenig:

» weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

Die volle Wahlfreiheit, der Blogger als Schwein, gute Vorsätze.

Deutschlands Medienwoche war geprägt von einer Debatte um Jugendkriminalität. Weil es in Frankfurt, in München, Berlin und nochmal München zu Gewalttaten in U-Bahnen kam, kümmerten sich die Medien (und dann auch noch die Politik) fast ausschliesslich um diese Fragen. Auf bild.de konnte man dazu Stellung beziehen und entscheiden, was mit den Gewalttätern passieren soll. Abschieben? Wegschliessen? Umerziehen? Vorbildlich auch, dass bild.de ihren Usern die volle Wahlfreiheit liess. Wer wollte, konnte für alle drei Optionen gleichzeitig sein. Was wieder mal beweist, wie sinnlos Umfragen im Internet oft sind.

Die NZZ las ein offenbar schlechtes Journalismus-Lehrbuch über Videojournalismus. SRM. nervte sich über “die Mogelpackung”: “Von herkömmlichem Fernsehjournalismus unterscheidet er [der Videojournalismus] sich vor allem darin, dass der Journalist zu einer Art eierlegender Wollmilchsau mutiert, die nahezu alles kann – er ist zunächst Reporter, Kameramann und Tontechniker und dann auch noch sein eigener Redaktor und Cutter.” Dass das Buch nicht gut ist, kann ja sein, allerdings ist diese angeblich eierlegende Wollmilchsau keine Unmöglichkeit. Einige Blogger beweisen bereits, dass sie solche Schweine sein können.

» weiterlesen

Xing:
Premium-Mitglieder sind jetzt wieder King

Xing LogoNachdem alles so aussah, als würde das Business Social Network Xing nach dem Einführen von Werbung auf der Plattform und dem erst nachträglich erfolgten Hinzufügen einer Opt-Out-Möglichkeit für Premium-Mitglieder die Profile von zehntausenden Premium-Usern als Werbeträger verwenden können, sorgen die Hamburger doch noch einmal für eine Überraschung: In einer Unternehmensmitteilung wurde heute verkündet, dass auf den Profilen von zahlenden Mitgliedern ab sofort prinzipiell keine Anzeigen mehr platziert werden, auch nicht für Basis-Mitglieder, die Xing kostenlos nutzen:

Die XING-Plattform ist somit für alle Premium-Mitglieder werbefrei. Dies betrifft sowohl die eigene Profilseite als auch die Nutzung der XING-Plattform an sich. Basis-Mitglieder sehen Werbeeinblendungen auf der Startseite, den Profilseiten von anderen Basis-Mitgliedern, den Such- und den Suchergebnisseiten sowie weiteren Seiten. » weiterlesen

Erziehungscamp für Max und Moritz

Die Rheinische Post feiert Wilhelm Busch – und vergibt die Chance auf einen passenden Kommentar zur Debatte um “Erziehungscamps” und “Warnschussarrest”.

?Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!? Gemeint sind damit zur Abwechslung nicht jugendliche U-Bahn-Schläger sondern Max und Moritz. Jene beiden Lausbuben aus Wilhelm Buschs bitterböser Bildergeschichte, die erst ihren Opfern grandiose Streiche spielen, dann aber erwischt, zu Mehl gemahlen und Gänsen zum Fraß vorgeworfen werden.

Rheinische Post 5. Januar
Rheinische Post am 5. Januar

» weiterlesen

Das Zeitalter des offenen, hackbaren Gadgets

Basteln war schon immer eine Leidenschaft der Menschheit. In steinzeitlicher Umgebung war der Drang zum Erfinden neuer Dinge vermutlich sogar eine Voraussetzung zum Überleben. Ob Modelleisenbahn, Strickdecken, getunte Autos oder MySpace-Seiten: Der moderne Mensch kanalisiert seine kreativen Instinkte gern in Selbstgemachtem. Das macht nicht nur Spass, sondern ist auch eine Form von Persönlichkeitsäusserung.

Bei elektronischen Geräten (abgesehen vom Über-Universalgerät PC) waren diesem Drang freilich bisher enge Grenzen gesetzt. Videorekorder, Mobiltelefone, Kameras, Stereoanlagen, MP3-Player — all diese Geräte kauft man als fertige Produkte, die sich ohne grossen Aufwand so gut wie gar nicht verändern und auf eigene Bedürfnisse anpassen lassen. Im Gegenteil: Manche Hersteller haben sogar enorme Fähigkeiten darin entwickelt, die Käufer von der Veränderung der Geräte abzuhalten. Als Beispiel sei nur der anhaltende Rüstungswettlauf zwischen Apple und den veränderungswilligen iPhone-Hackern genannt. Auch Router-Hersteller Cisco war nicht glücklich, als Hacker dank neuer (Open Source-)Firmware einem 60-Dollar-WLAN-Router plötzlich die Fähigkeiten eines zehnfach teureren Geräts verliehen und gibt sich seither alle Mühe, dieses unerhörte Treiben zu unterbinden.

» weiterlesen

Niklaus Meienberg (Teil 4):
“Gefühle beim Öffnen der täglichen Post”

Heute erhält man Kommentare, doch früher erhielt man richtige Post – und dabei war nicht immer nur Papier, sondern manchmal auch Fäkalien im Glas. Niklaus Meienberg schildert seine Gefühle beim Erhalt dieser Rückmeldungen.

“Gefühle beim Öffnen der täglichen Post und Hinweis auf das ‘Interstellar Gas Experiment’ (Ein Tagebuch)”, so heisst der gesamte Titel des Artikels, der sich zwischen den Seiten 74 bis 85 im Sammelband Reportagen I entspinnt. Gleich zu Beginn wird ein Beispiel eines Leserbriefs, wie ihn Meienberg erhielt, erwähnt. Die durchaus witzige Zuschrift lautet so:

» weiterlesen

Über die Schwierigkeit, im Web 2.0 unpopuläre Entscheidungen zu treffen

ProtestDreimal innerhalb von zwei Monaten haben Veränderungen bei großen Social Networks für Nutzerproteste gesorgt und den jeweiligen Anbieter schließlich teilweise einlenken lassen. Den Anfang machte im November Facebook mit dem Start seines Werbesystems “Beacon”. Knapp vier Wochen lang gab es für Beacon, das auf Facebook-Partnerseiten durchgeführte Aktionen im Facebook-Newsfeed anzeigt, keine Möglichkeit des generellen Deaktivierens. Erst nachdem sich zehntausende User in Protestgruppen formierten und das Thema umfangreich von US-amerikanischen und internationalen Blogs und Onlinemedien aufgegriffen wurde, gab Facebook-CEO Mark Zuckerberg nach, entschuldigte sich und ließ eine Funktion hinzufügen, mit der Facebook-Benutzer Beacon ausschalten können. » weiterlesen

Helmut Markwort:
Es gibt nichts Gutes, außer Litotes

Fingerfood für Mittelständler: Focus-Chefredakteur Helmut Markwort schreibt ein öffentliches Tagebuch. In seinem aktuellen Kommentar zur Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn spielt er virtuos mit den Fakten.

Helmut Markwort
Focus-Chef Helmut Markwort auf dem Münchner Mediengipfel ’04 (Bild: Keystone)

“Auf jeder Feier begegnest du dem Meier!” – dieser Satz wäre für einen Betroffenen nicht gerade schmeichelhaft. “Keine Feier ohne Meier!” aber, das ist – ganz abgesehen vom werblicheren Schmiss – schon ein anderer Schuh: Aus Meier, dem Unvermeidlichen, wurde Meier, der Unverzichtbare. Verantwortlich dafür ist die ‘Litotes’ oder die ‘doppelte Verneinung’.

Allerdings kann diese Redepirouette auch eine ganze Menge Blödsinn anrichten, weil sie ‘wahre Verhältnisse’ durch ihre logische Kreisbewegung verwirrt, obwohl sie nach den zwei Negationen wieder auf dem gleichen Punkt zu landen scheint.

Hier ein konstruiertes Beispiel aus der spekulativen Geschichtsschreibung: “Ohne den Führer gäbe es keine demokratische Bundesrepublik”.

» weiterlesen

Grenzen austesten, Protest abwarten, Zugeständnis machen:
diesmal Xing

Xing LogoWie vor zwei Monaten angekündigt, hat das Business Network Xing mit der Vermarktung seiner Plattform begonnen. Nach den Nutzerprotesten rund um Facebooks Werbeprogramm Beacon und studiVZs AGB-Änderung bezüglich personalisierter Werbung wirkt das, was bei Xing gerade passiert, wie ein Déjá-vu: Wieder testet ein Social Network seine Grenzen aus (in diesem Fall: Gratis-Mitgliedern angezeigte Werbung auf den Profilen von Premium-Mitgliedern, teilweise für Konkurrenzfirmen), wieder kommt es zum Protest der einiger Benutzer, und wieder wird anschließend vom Social Network ein Schritt zurückgerudert (in diesem Fall: Opt-Out-Möglichkeit für Premium-Mitglieder, so dass keine Werbung mehr auf ihren Profilen erscheint). Wer an der ausführlichen Story interessiert ist, kann sie hier, hier oder hier nachlesen. » weiterlesen

Im Test:
Micky Maus

Auch die Micky Maus geht mit der Zeit: Micky fährt Snowboard und Dagobert will Dotcom-Unternehmen aufkaufen.

Micky Maus Titel

Im Test: Ausgabe 1/2008, 29.12.2007.

» weiterlesen

  • Sponsoren