Monika Piel:”Paukenschlag umsonst gesetzt”

Die ARD merkt, dass die Tour de France auch nach ihrer medienwirksamen moralischen Handlung weitergeht. Die zukünftige Haltung der Öffentlich-Rechtlichen wird zu reden geben.

“In Wahrheit gibt es nur Verlierer” und “die vermasselte Tour”. So wurde die Realität gestern Abend in den Tagesthemen, der Abendinformationssendung der ARD (Video, 29:16 Minuten), beschrieben. Man beklagte sich auch, dass andere deutsche Medien, private, nicht die eigenen Moralvorstellungen teilen. Der Sprecher sagte:

Die Tour, sie geht weiter, auch nach dem Ausstieg von ARD und ZDF. Dass die Bekämpfung von Doping ein mühsames Geschäft ist, wurde heute nur allzu deutlich. Nicht einmal die Medien ziehen an einem Strang.

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6 zum Tour-de-France-Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen

“Deutsche Sender wie verängstigte Touristen” | “Deutsche Heuchelei” von ARD und ZDF
(welt.de) | (handelsblatt.de)
Die internationale Presseschau.

Meinungsdoping bei Franz Josef Wagner
(bildblog.de)
Franz Josef Wagner kritisiert in seiner “Bild”-Kolumne ARD und ZDF im Zusammenhang mit der Tour de France.

Medienmacht contra Moral – SAT 1 springt in die Lücke von ARD und ZDF
(ondemand-mp3.dradio.de, Audio, 8:54 Minuten)
Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Jo Gröbel, Direktor des Deutschen Digitalen Instituts Berlin.

Eurosport verdreifacht Tour-Einschaltquoten
(netzeitung.de)
Der Tour-Boykott von ARD und ZDF hat auch einen Gewinner: Der Sender Eurosport. Viele Radsportanhänger schauen nun dort das Radrennen.

Das Reinheitsgebot
(tagesspiegel.de, Malte Lehming)
Im Sport, dem Leistungssport zumal, wird seit jeher gedopt. Wer erwischt wird, scheidet aus. So läuft das Spiel. Warum das Thema Doping eine deutsche Obsession ist, die andere Völker verwundert.

Einbildung der Ausblender
(faz.net, Jörg Hahn)
Das Fernsehen ist als Dopingrichter ungeeignet.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kaufen statt kopieren

techcrunch_inviteshare.gifErfolgreiche Webangebote werden gerne kopiert. Das es auch anders geht, zeigt TechCrunch. Der stark frequentierte und mit Investorengeldern finanzierte US-Blog wollte eine Community starten, bei der Einladungen zu in der Beta-Phase befindlichen Webdiensten getauscht werden sollten. Doch mit InviteShare kam ein anderer Dienst dem TechCrunch-Team zuvor. Statt mit der Entwicklung eines eigenen Angebots fortzufahren, entschied man sich, InviteShare, das mittlerweile bei einer Onlineauktion zum Verkauf stand, kurzerhand zu übernehmen. Kurios: TechCrunch hatte einige Tage zuvor über die Seite berichtet und sie in Web-2.0-Kreisen bekannt gemacht. TechCrunchs Chefredakteur Michael Arrington hält es für wahrscheinlich, dass man damit letztlich den Auktionspreis in die Höhe getrieben hat. Gut, dass rund um das Silicon Valley Geld in diesen Monaten eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Sat.1 schnappt sich die Tour

Der Fernsehsender Sat.1 macht das Beste aus dem Entscheid der Öffentlich-Rechtlichen, die Tour de France nicht weiter zu verfolgen, und überträgt sie per sofort auf dem eigenen Sender.

Heute morgen hab ich geguckt, wie die ARD- und ZDF-Entscheide bei ihrem Publikum angekommen sind. Während fast zwei Drittel der ARD-Leser mit dem Entscheid unzufrieden sind, halten sich die ZDF-Leser etwa die Waage.

ARD Tour de France Ausstieg UmfrageZDF Tour de France Ausstieg Umfrage

Heute abend dann war die ARD-Umfrage verschwunden und die ZDF-Umfrage genau hälftig.

Inzwischen wurde die freigewordene Lücke dankbar von Sat.1 besetzt, die heute um 15 Uhr mit ihrer Live-Übertragung begann (da war auf der Sat.1-Homepage noch nichts zu lesen von Radsport). Sueddeutsche.de hat den Start der Übertragung livegebloggt.

Sat.1 kann nun ablenken von der Einstellung ihrer Mittags-Shows, die Nachrichtenmagazine genannt wurden (was, mir unverständlich, viele vor den Kopf gestossen hat).

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Das kleine Boulevard-Quiz

Nehmen wir mal an, Sie kennen die Schweizer Medienszene nicht und müssten nun raten. Die Ausgangslage ist folgendermassen.

Das eine Bild ist ein Screenshot aus dem Online-Portal der stärksten Schweizer Boulevardzeitung Blick (vergleichbar mit der deutschen Bild).

Das andere Bild ist ein Screenshot aus dem Online-Portal der regelmässig zu den besten und seriösesten Zeitungen der Welt gewählten Neuen Zürcher Zeitung (vergleichbar mit der deutschen F.A.Z. oder der Süddeutschen Zeitung).

Welcher Screenshot gehört zu welchem Portal? Lassen Sie sich nicht von der Schriftarten und -grössen verwirren!

NZZ Show Humer Vasella Artikel

Blick Humer Vasella Artikel

Mit einem Klick aufs Bild kann man den Artikel lesen. Zum Vergleich ähnliche Meldungen bei 20min.ch, tagesanzeiger.ch, baz.ch, swissinfo.org.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Xing öffnet sich für Drittanbieter – macht das Sinn?

xing.gifNach MySpace und LinkedIn hat nun auch Xing angekündigt, seine Seite in Kürze für externe Anbieter zu öffnen. Das berichtete das Handelsblatt gestern in seiner Onlineausgabe. Xing erhofft sich offenbar, mit diesem Schritt einen ähnlichen Erfolg zu erzielen wie Facebook. Das Social Network verzeichnet zwei Monate nach dem Start seiner Entwicklerplattform mehr als 2000 Applikationen anderer Anbieter sowie einen enormen Popularitätsschub. Doch es stellt sich die Frage, ob dieser Schritt für Xing tatsächlich sinnvoll ist. » weiterlesen

Twitter-Gründer Evan Williams:
“Die Schönheit von Twitter liegt in seiner Einfachheit”

twitter.gifDer 2006 gestartete Microblogging-Dienst Twitter bleibt weiterhin im Gespräch. Erst gestern kursierten Medienberichte, nach denen viele Unternehmen ihre Marketing-Aktivitäten in der virtuellen Welt Second Life einstellen und nun lieber mit Twitter experimentieren würden. In einem interessanten Interview mit Technology Review erklärt der Twitter-Gründer Evan Williams (der Blogger.com ins Netz brachte und später an Google verkaufte) den Nutzen des Microbloggings. Er macht klar, dass gerade die Einfachkeit des Dienstes Twitters großer Vorzug ist. Williams plaudert über populäre Tools wie Twitterific und Twitter Vision und gibt Informationen über die zukünftige Strategie preis. Das Thema “Twitter-Klone”, von denen es bekanntlich eine ganze Schar gibt, kommt leider nicht zur Sprache. Hier geht es zum Interview.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Sieg der Moralisten:
Öffentlich-rechtliches Aus für die Tour de France

Mitten in der Tour de France stoppen ARD und ZDF ihre Berichterstattung. Auf den Kanälen, die man zwangsläufig bezahlt, ist per sofort nichts mehr über das wichtigste Radrennen der Welt zu erfahren. Wer noch nicht schon längst auf Eurosport umgeschaltet hat, wird es jetzt tun. Und vermutlich nie mehr zurückkehren.

Dafür also zahlt man Gebühren: Für die moralische Hoheit der öffentlich-rechtlichen Sender. Mir nichts dir nichts steigen sie wegen einem Fahrer mit erhöhtem Testosterongehalt mitten in einer Etappe aus. Im Live-Ticker der ARD konnte man das so nachlesen:

13:58 Die Verfolgergruppe rückt Burghardt (TMO) auf den Pelz, beide trennen noch 50 Sekunden.

14:03 Liebe Radsportfreunde!
Aus gegebenem Anlass (Fall Patrik Sinkewitz) wird die Berichterstattung von der Tour de France 2007 zunächst ausgesetzt, bis die Vorwürfe gegen Sinkewitz geklärt sind.
Wir danken für Ihr Interesse!
A bientôt, ihr tour.ARD.de-Team

Meine Damen und Herren, es ist Ihnen wahrscheinlich egal, aber: Ich bin verärgert. Verärgert über die Arroganz, die mir, der ich mich als Fan der Tour de France bezeichne, entgegengebracht wird. Ich interessiere mich für die Radsport-Berichterstattung und nicht für die Doping-Berichterstattung.

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Facebook-Epidemie im hohen Norden

facebook_logo.gifIch wohne und arbeite derzeit in Stockholm. Die Schweden sind ein dem Internet sehr aufgeschlossenes Volk. Das Land mit neun Millionen Einwohnern liegt im weltweiten Vergleich unter den Spitzenländern hinsichtlich der Anzahl prozentualer Internetnutzer und auch in Bezug auf die Breitbandpenetration. Schweden lieben ihre zahlreichen schwedischsprachigen Webangebote, sind aber gleichzeitig offen für internationale Dienste. Da von Jung bis Alt die meisten Menschen gutes oder sehr gutes Englisch sprechen, stellt das Nichtvorhandensein einer schwedischen Sprachversion in der Regel kein Problem dar. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Facebook in Schweden eine große Anhängerschaft gewinnen konnte. Doch welche Ausmaße der Facebook-Hype hier in den letzten Wochen angenommen hat, ist schon beeindruckend. » weiterlesen

“Gratiszeitungen habe ich selbst nicht wirklich ernst genommen”

Der Schweizer Verleger Michael Ringier wird auf fast zwei Seiten vom deutschen Spiegel interviewt.

Michael Ringier

250’000 Gemüseschäler (vielleicht dieser hier?) habe das Ringier-Produkt Betty Bossi bereits verkauft, sagt Michael Ringier zum Schluss des Interviews mit dem Spiegel (online nicht oder noch nicht verfügbar). Damit habe er mehr verdient als mit so manchem Magazin. Worauf der Spiegel (Isabell Hülsen und Thomas Schulz) entgegnet: “Das klingt eher nach einer Kapitulationserklärung des Journalismus.”

Aber weit gefehlt. Michael Ringier ist Journalismus ein Anliegen:

(…) Hier haben wir eine andere Kultur. Wir diskutieren jeden Tag intensiv über Journalismus. So etwas aufzugeben ist schwer.

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