Zwei Kulturen

Journalisten sind Anwälte der Aufklärung, Retter der Entrechteten, Vermittler des Komplexen, Sprachrohre derer, die sonst gar keine Stimme hätten. – - – Ja, Pustekuchen!

Journalisten sind zumeist anonyme Schreiberlinge, die ohne Namensangabe in einem bürokratischen Kauderwelsch, das sie ‘objektivitäts- und faktenorientierte Schreibweise’ nennen, interessegeleitete Thesen zu Papier bringen, wofür sie sich alljährlich auf zahllosen Medienevents wechselseitig lobhudeln dürfen.

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Economist erwartet Blogokratie in der Schweiz

Schweiz Economist 1Die englische Wochenzeitschrift Economist macht jeweils Ende Jahr Vorhersagen für das nächste Jahr. Das Jahr 2008 wird diesmal für 80 Länder (pdf, 1100 kb) und für 15 Wirtschaftszweige (pdf, 680 kb) prophezeit.

Interessant ist, was in der Schweiz zu beobachten sein soll / wird: Die Blogokratie, also die Herrschaft der Blogs. Man müsse erwarten, dass eine Schweizer “Volkskraft” vermehrt online ginge. Weil sie den angeblich hart und online geführten Wahlkampagnen eine Antwort geben wolle.

Schweiz Economist 2

Dafür müssten Blogs allerdings erstmal von den Medien vermehrt als Quellen wahrgenommen werden. Und nicht nur dann, wenn es den eigenen Zwecken dient. Wie Sarah Genner in ihrer Lizenziatsarbeit “Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?” (pdf, 4000 kb) zeigt, sind bisher Faktoren wie Prominenz, Bildungsstand und Geschlecht entscheidend, wer den Kampf um die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit gewinnt.

Bilder: Screenshots economist.com

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

“Prophezeien Sie das Jahr 2007!”

Cash Daily, die Gratis-Wirtschaftszeitung, die kaum jemand kennt, fordert uns auf ihrer Onlinepräsenz auf, das Jahr 2007 zu prophezeien:

cash daily jahresquiz
Screenshot cash.ch/daily, am 29.11.2007

Wer jetzt meint, viel eher sei doch jetzt, Ende November 2007, das Jahr 2008 vorherzusagen, täuscht sich. Es geht um das Jahr 2007. Zu gewinnen waren, wenn man bis zum 31.12.2006 am Quiz teilnahm, diese Preise.

Falls jemand Cash Daily nicht kennt: Die noch junge Gratiszeitung / Multimediaplattform ist das Online-Flaggschiff des Ringier-Verlags. Im September 2006 sagte Verleger Michael Ringier anlässlich der Auftaktparty, Cash Daily sei “ein Stück Zukunft“. Hm.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Schweizer Verleger geben Vollgas und … entscheiden Mitte Dezember

Und hier etwas Denksport: wer entdeckt in den folgenden Statements einen kleinen stilistischen Unterschied?

“This is the new iPod Touch, and it’s availabe TODAY”.
— Steve Jobs, Apple-Chef und angeblich mächtigster Geschäftsmann der Welt, 5.9.2007

“Wir entscheiden Mitte Dezember, ob wir ein Meta-Portal für Regionalzeitungen realisieren wollen.”
— Eine Gruppe von Schweizer Regionalverlegern, 29.11.07

Letztere Ankündigung ist die neuste Episode im anhaltenden Fortsetzungsdrama “Schweizer Verlagshäuser gegen Google News”. Wir erinnern uns: Die Schweizer Verleger finden es nicht gut, dass Google News einfach so die Headlines aus ihren Online-Zeitungen aggregiert, sondern möchten gern selbst daran verdienen. Aus diesem Grund wurde im August die Gründung einer Arbeitsgruppe angekündigt, die prüfen sollte, ob ein gemeinsames Newsportal der Verlage Sinn machen würde. Gehört hat man davon nicht mehr viel, weil inzwischen die dreisten Zürcher aus dem Hause Tamedia (zusammen mit ihren Juniorpartnern aus Basel und Bern) vorgeprescht sind und derzeit ein Online-Newsnetzwerk für ihre Titel vorbereiten.

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Quicktime statt Flash:
Videoportal Dailymotion startet iPhone-Version

DailymotionGerade erreichte mich eine interessante Meldung von Dailymotion. Das aus Frankreich stammende und in vielen lokalisierten Versionen verfügbare Videoportal hat unter iphone.dailymotion.com eine für das iPhone angepasste Version seiner Seite online gestellt. Da der Safari-Browser des iPhones keine Flash-Technologie unterstützt, war die Nutzung von Videoportalen für iPhone-Nutzer mit Ausnahme der integrierten YouTube-Applikation bisher nicht möglich. Dailymotion umgeht das Problem, indem alle Videos in Apples Quicktime-Format konvertiert werden. Mit der iPhone-Version steht der gesamte Videokatalog von Dailymotion über die Suchefunktion zur Verfügung. Zudem werden einige ausgewählte Clips in verschiedenen Kategorien gelistet. Ich habe leider kein iPhone und kann es daher nicht testen, würde mich aber über einen Erfahrungsbericht in den Kommentaren freuen. » weiterlesen

Keine Zensur. Redigatur.

Die Werbewoche hat heute einen guten Tag mit mehreren lesenswerten Beiträgen: Christoph Keese äussert sich zur Zensurdebatte vom Mai, Markus Knöpfli zählt Gratisleser auf der Strasse und Oliver Fahrni erklärt die Medienökologie. Da verweisen wir doch gerne mal gesondert drauf.

- In einem langen Wocheninterview kommt Christoph Keese, Chefredakteur von Welt Online und Welt am Sonntag, nochmals auf das im Mai 2007 gelöschte Posting von Welt am Sonntag-Kommentarchef Alan Posener zurück. Er, der gemäss Werbewoche “als Artist zwischen Print und Online” tanzt, sagt nun dazu:

Ja, ich habe ihn vom Netz genommen, weil ich ihn für unveröffentlichbar hielt. Das aber ist keine Zensur, sondern Redigatur – ein normaler redaktioneller Vorgang. Wesensmerkmal des Bloggens ist, dass der Blogger niemanden fragt, bevor er sendet. Wir hatten – es gibt mittlerweilen ein Fachwort dafür – Brand-Blogs auf der Seite, also Blogs, die unter der Dachmarke Welt.de laufen. Solche Brandblogs müssen aber zur Marke passen. Den fraglichen Text hätte ich in der Zeitung nicht gedruckt – nicht, weil er Diekmann kritisierte, sondern weil er sprachlich und argumentativ nicht unserem Niveau entsprach. Deswegen konnte der Text auch nicht online erscheinen. Übrigens haben wir eine lebhafte, durchaus kritische Debatte über Diekmanns Buch in Zeitung und Internet geführt, aber eben in der Art und Weise, wie eine Qualitätszeitung das tun sollte.

Der Aufschrei damals war gross, aber dass Alan Posener Ende Oktober in drei Teilen einen neuen Versuch gewagt hat (oder dazu verknurrt wurde), Kai Diekmanns Werk auseinanderzunehmen, hat kaum jemand gemerkt (wahrscheinlich, weil niemand Welt Online liest – die können sogar ihr Design überarbeiten, ohne dass es jemand beachten würde…).

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Presseclipping 2.0 mit Google News, blogato und Yahoo Pipes

Presseclipping 2.0Informiert zu sein, ist wichtig. Egal ob man Unternehmer (online wie offline), Presse- bzw. Marketingverantwortlicher, Journalist, Blogger oder einfach nur ein am Tagesgeschehen interessierter Bürger ist – NICHT zu wissen, was es Neues zum individuellen Fach- bzw. Spezialgebiet gibt, kann man sich heute kaum noch leisten. Das Netz bietet verschiedene Wege, um schnell und effizient relevante, notwendige und schwer auffindbare Informationen auf dem goldenen Teller serviert zu bekommen. Presseclipping 2.0 sozusagen. Im Folgenden möchte ich kurz vorstellen, welches perfekte Trio Google News, blogato und Yahoo Pipes abgeben und wie mit einer Kombination dieser Dienste eine aktive und umständliche Beschaffung themenspezifischer Meldungen für immer der Vergangenheit angehört. » weiterlesen

Oliver Gehrs fordert eine Weltwoche für Deutschland

Eben habe ich mir den endlos langen Vortrag von Mitteboy und Dummy-Macher Oliver Gehrs am Medienforum Mittweida (5.-7.11.07) angeschaut, der zwar schon drei Wochen im Netz steht, aber das was er sagt, ist aktuell genug, um es auch jetzt noch anzuschauen.

Link: sevenload.com

Nach einer Stunde und elf Minuten im Video fordert Gehrs, der offenbar die Grünen wählt, auch für Deutschland ein Wochenblatt, das tatsächlich auch selbst aktuelle Themen aufgreift und sich nicht nur an dem orientiert, was die anderen schreiben und alles auf den Mainstream runterbricht:

Ich würde zum Beispiel gerne so ein Blatt in Deutschland haben wie die Weltwoche. In der Schweiz, natürlich nicht nach diesem politischen Rechtsruck in der Schweiz, die ist ja von diesem Roger Köppel, auch ein Wahnsinniger, übernommen worden, der Welt-Chefredakteur war und der die jetzt da so auf Blocher-Kurs trimmt. Aber was ich meine, ist, wenn ihr die Weltwoche kennt oder euch mal kauft – das ist ein Blatt, ein Wochenblatt, das ist nicht so mega-dick, muss es auch gar nicht sein. Das wählt seine Geschichten aus, das macht nicht das volle Programm, sondern die machen auch Sachen so, die woanders irgendwie nicht stehen. Man muss ja nicht wie die, zum Beispiel, Nahtoderfahrungen auf den Titel, aber auch, warum nicht? Guckt sie euch mal an, ich find, so ein Blatt, das dann auch noch sehr deutlich ist in seiner Formsprache, sehr “jetzig”, wie manche sagen, sehr jetzig.

Das würde auch Deutschland gut zu Gesicht stehen und ich glaube auch, dass das hier Erfolg hätte. Und ich glaube, dass es aus unserer Ecke kommen muss. » weiterlesen

Erste deutschen OpenSocial-Applikation kommt von moviemates

moviematesmoviemates, eine Film-Community, die vor kurzem in den Kommentaren zu diesem Beitrag von einem Leser hervorgehoben wurde, gibt heute in einer Pressemitteilung bekannt, die erste deutsche OpenSocial-Applikation veröffentlicht zu haben. Als Beispiel wird eine Implementierung bei Ning vorgestellt. Die dort integrierte moviemates-Applikation zeigt ausgewählte Lieblingsfilme und Lieblingsschauspieler des Profilinhabers. Filme können innerhalb der Applikation von anderen Ning-Nutzern bewertet und rezensiert werden, eine Registrierung bei moviemates ist dafür nicht notwendig. Während die von moviemates “OpenSocial Gadget” getaufte Entwicklung nichts Weltbewegendes bietet (wie überhaupt die wenigsten Widgets und Applikationen), so gebührt der Seite der Ruhm als Early Adopter unter den deutschen Internetangeboten. Es gab zwar die ein oder andere Ankündigung bezüglich OpenSocial-Vorhaben, aber meines Wissens nach ist moviemates tatsächlich der erste Dienst, der eine vorzeigbare Applikation zu bieten hat. Glückwunsch.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Warum es der Musikbranche schlecht geht

Bekanntlich geht es den Plattenfirmen (oder wie immer man diese Unternehmen heutzutage nennt) ziemlich schlecht. Die CD-Verkäufe gehen weiterhin massiv zurück, und die zukünftig wichtigsten Online-Vertriebskanäle sind fest in der Hand von Apple und vielen, vielen Raubkopierern. Und weiterhin hat man nicht den Eindruck, dass die Branche eine klare Vorstellung davon hat, wie sie ihre Zukunft gestalten will.

Morris und Paris HiltonDa fragt man sich natürlich schon, wie es so weit kommen konnte. Ein paar interessante Einblicke gibt ein Artikel im neuen Wired. Doug Morris, CEO des grössten weltgrössten Musikkonzerns Universal Music Group, gibt darin Einblicke in sein Denken (Morris ist die Person rechts im Bild. Das links ist eine Angestellte der Konkurrenz). Um es vorwegzunehmen: Er bringt dem digitalen Zeitalter nicht viel Sympathie entgegen.

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