Presserat will auch online rügen

Der Deutsche Presserat hat sich im vergangenen Jahr mit 945 Beschwerden beschäftigt, aus denen 36 öffentliche und sechs nicht-öffentliche Rügen hervorgegangen sind. Das meldete das Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle der gedruckten Medien am Mittwoch in Berlin.

Auf der Jahrespressekonferenz wandte sich Geschäftsführer Lutz Tillmanns gegen den Gesetzentwurf zur Online-Durchsuchung und zur Vorratsdatenspeicherung. Durch die Aushöhlung des Informantenschutzes sei die Pressefreiheit gefährdet.

In Zukunft wolle man sich auch mit auch Online-Medien beschäftigen, sagte Fried von Bismarck, Sprecher des Presserats und Verlagsleiter des Spiegel-Verlags, dem Berliner Tagesspiegel. Großes Thema des vergangenen Jahres sei Schleichwerbung gewesen, hier herrsche eine große Unsicherheit in den Redaktionen. Der Presserat plane eine “praktische Handreichung” zum Thema, sagte Bismarck.

Presserat: Erteilte Rügen

Grafik von medienlese.com mit Daten von Wikipedia und dem Deutschen Presserat

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Das grosse Schulterklopfen

Im Springer-Verlag waren sie noch vor kurzem Chefredakteure der Welt und von Bild, Roger Köppel und Kai Diekmann. Während Köppel die Weltwoche gekauft hat, ist Diekmann noch immer Herr über die Inhalte der grössten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Buch “Der grosse Selbstbetrug” war Anlass für ein Gespräch der beiden an der Frankfurter Buchmesse.

Was man der Weltwoche anrechnen muss, ist, dass heute auf Seite 14 im eigenen Blatt dieser Lead steht:

Die Weltwoche ist eine konsequente Blocher-Plattform. Weil bei der Konkurrenz niemand aus dem Mittelmass herausragt, kann Roger Köppel die Themen setzen.

Geschrieben hat den Text mit dem Titel “Monotonie des Chorgesangs” Ex-Sat.1-Boss Roger Schawinski. Er meint auch, auf das Erfolgsrezept dieses Blatts gekommen zu sein:

(…) findet sich in der Weltwoche für jede Mainstream-These eine Gegenthese, die von einem irgendwo aufgestöberten Wissenschaftler vorgetragen wird.

In der Kritik eingebaut ist aber gleichzeitig auch das Lob für Besitzer und Chefredaktor Roger Köppel, den er den “leidenschaftlichsten, unerschrockensten, fleissigsten Journalisten des Landes” nennt, “mit einer fulminanten Schreibe” und einem “beachtlichen, breitgefächerten thematischen Background”. So liest sich der Text des sporadischen Weltwoche-Mitarbeiters schon etwas anders.

Dieser Köppel also redet mit Diekmann. Entstanden ist ein frisches Gespräch («Linke Verständnisfolklore»), dem man sofort abnimmt, dass es genauso geführt wurde.

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Was macht eigentlich… Last.fm?

Last.fmDie Konkurrenz im Web 2.0 ist groß. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht mehrere ähnliche Anbieter um die Aufmerksamkeit und Zeit der Nutzer kämpfen. Es sollte daher für jeden auf eine große Nutzerschaft ausgerichteten Dienst oberste Priorität sein, seinen Namen und sein Produkt bekannt zu machen und es möglichst dauerhaft im Gespräch zu halten. Last.fm, das weltweit größte Social Music Network, macht dies nicht. Nachdem der Dienst mit Sitz in London Ende Mai diesen Jahres für 280 Millionen Dollar vom US-Medienkonzern CBS übernommen wurde, hat man nicht mehr viel von ihm gehört. » weiterlesen

Was das Suchverhalten über Länder und ihre Bewohner verrät

Suchmaschinennutzer in verschiedenen Ländern haben bei ihrer Suche unterschiedliche Präferenzen. Dass in Deutschland abgesehen von der Sprache andere Begriffe besonders häufig recherchiert werden als in Mexiko oder Pakistan, leuchtet ein. Yahoo! News hat mit Hilfe von Google Trends die Popularität ausgewählter Suchbegriffe in unterschiedlichen Ländern untersucht. Hier das Ergebnis, dass einige Klischees bestätigt, aber auch ein paar Überraschungen beinhaltet. Interpretieren sollte die Resultate jeder selbst. » weiterlesen

Cervelat und Schawinski im Tages-Anzeiger

Konsequentes Blattmachen im Tages-Anzeiger: “Ode an den Cervelat” und die Cervelatprominenz-Geschichte “Schawinski gönnt sich ein Hallenbad” (online beide nicht verfügbar) stehen auf derselben Seite 11 der heutigen Ausgabe:

Tages-Anzeiger S11 2007-10-18

Tages-Anzeiger S11 Schawinski 2007-10-18 unkenntlich

Ein Blick oder eine Schweizer Illustrierte hätten natürlich noch mehr daraus gemacht. “Schawinski: Luxusströmung am Zürichberg”, “Das Fernsehen machte mein Knie kaputt – jetzt nur noch Radio und Hallenbad” und natürlich das unvermeidliche: “Schawinskis Nachbar: Meiner ist viel grösser!”

Aber immerhin. Dass der Tages-Anzeiger die Bauausschreibungen im Tagblatt auf Promi-News scannt, ist mal ein Anfang.

Update vom 23.10.2007: Auf meine Anfrage vom 18.10.2007 hin bat mich die Tamedia heute, den zweiten Ausriss unkenntlich zu machen. pho

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

“Goopple”:
Die Zukunft des Personal Computing?

Nick Carr gehört zu einer seltenen Sorte von Fachjournalist: Er sagt oft Dinge, die eigentlich in der Luft liegen, in erfrischend klarer und direkter Art. Vor Jahren empörte sein Artikel “IT Doesn’t Matter” die IT-Prominenz, weil Carr dreisterweise behauptete, dass Informationstechnologie längst kein strategischer Heilsbringer mehr, sondern ganz normale geschäftliche Basisinfrastruktur ist. Dem würden inzwischen gar nicht mehr viele widersprechen.

Sein neuster Artikel beschäftigt sich wieder mal mit der Zukunft der Computerei. Und seine Behauptung ist ebenso interessant wie potentiell kontrovers: Google und Apple, so Carr, basteln im Hintergrund zusammen am PC der Zukunft. Auf selbigem wird (natürlich) Mac OS X laufen, er wird sehr billig ($199 oder so) und energieeffizient sein, und er wird voll in Googles gigantische Dateninfrastruktur in der “Internet-Wolke” eingebunden sein. Applikationen, Content, Softwareupdates, Backups — das alles wird automatisch aus Googles Datenwolke geliefert und wird mit dem schicken Apple-Frontend nutzbar sein.

Diese Spekulation macht natürlich gleich auf mehreren Ebenen Sinn: Dass Apple die Firma mit den derzeit besten Frontend-Fähigkeiten ist, stellt wohl spätestens seit dem iPhone kaum noch jemand in Frage. Und Googles Dominanz im Internet, ermöglicht unter anderem durch seine enorme Serverinfrastruktur, ist ebenso unbestritten. Die beiden Firmen würden sich also ideal ergänzen.

Institutionell sind sie schon längst verbunden. Google-Chef Eric Schmidt sitzt in Apples Board of Directors. Intels CEO Paul Otellini, seit Apples Umbau auf Intel-Chips der vielleicht wichtigste Partner des Mac-Herstellers, sitzt bei Google im Board. Und: Apple-Verwaltungsrat und Nobelpreis-/Oscar-/Emmy-Gewinner Al Gore ist schon lange ein wichtiger Berater (und Grossaktionär) von Google.

Bis auf die Google-Maps-Version und Youtube-Integration im iPhone war bisher die Zusammenarbeit auf Produktebene noch nicht sehr offensichtlich, aber es gibt erste Signale, dass die Firmen tatsächlich eine engere Kooperation testen. In der neusten Version von Apples Videoschnittprogramm iMovie können fertige Clips mit nur einem Mausklick auf die Videoplattform YouTube hochgeladen werden (die bekanntlich zu Google gehört), und auf Apples Webbrowser Safari ist Google die einzige vorkonfigurierte Suchmaschine. Alternativen zu diesen Voreinstellungen gibt es in beiden Programmen nicht. Ist das ein Vorgeschmack auf mehr “Goopple”-Produkte?

Eine engere Zusammenarbeit mit einer gemeinsamen Hardware/Software-Kombination würde strategisch enorm viel Sinn machen. Google spielt, wenn man den Gerüchten glauben darf, schon länger mit der Idee eines eigenen Betriebssystems, Billig-PCs und/oder Mobiltelefons. Der Konzern muss über das heutige werbebasierte Geschäftsmodell hinaus in anderen Gebieten wachsen, wenn er seine enorme Börsenbewertung rechtfertigen will. Mit einer Apple-Allianz würde man sich auf einen Schlag in die technisch beste und derzeit am schnellsten wachsende Produktfamilie einkaufen, statt selber bei Null anfangen zu müssen. Und Apple hat es trotz iPod-Dominanz nicht geschafft, bei Internetdiensten zu einem wichtigen Player zu werden. Eine bessere Partnerschaft als mit Google kann man sich da kaum denken. Selbst unternehmenskulturell würden Googles eher geheimniskrämerische Ingenieurskultur und Apples oft fast schon sektiererischer Produktfanatismus gut zusammenpassen. Ach ja, und beide Firmen haben natürlich einen gemeinsamen Erzfeind: Microsoft.

Wäre so ein preiswerter Google-Apple-PC mit schönem Userinterface und vollintegrierten Internetdiensten eine echte Alternative zur herrschenden Windows-Dominanz? Nun, für Konsumenten, Selbständige und Kleinunternehmen ohne Zweifel. Es gibt in diesen Segmenten schon heute kaum noch einen guten Grund, sich die unnötige Komplexität eines Windows-PCs anzutun. Ein schlüsselfertiges, hochintegriertes Produkt, das auch noch von zwei hochangesehenen Firmen hergestellt wird, würde vermutlich vielen den endgültigen Anstoss zum Wechsel geben. Etwas anders sieht es für grössere Unternehmen aus: Da ist die installierte Basis oft so gross (und schwerfällig), dass ein Plattformwechsel enorme Kosten auslösen würde. Und ausserdem haben die meisten Firmen immer noch ein (Vertrauens-)Problem damit, ihre Daten ausserhalb der Unternehmensmauern zu speichern, auch wenn das ökonomisch vermutlich schon lange mehr Sinn machen würde.

In einer Hinsicht wäre eine “Goopple”-Plattform gegenüber dem Microsoft-Status-Quo wohl kaum eine Verbesserung: Offenheit. Apple und Google sind ausgesprochen intransparent operierende Firmen, die ihre Partner öfters mal nicht gerade besonders gut behandeln. Ein Erfolg so einer Allianz wäre also vielleicht nur die Ablösung eines Monopols durch ein neues. Etwa so, wie damals beim letzten Generationenwechsel Microsoft das IBM-Quasimonopol abgelöst hat.

Startup verhilft Stempel zu neuem Ruhm – Fabian Sauter von Gleeme im Interview

GleemeGleeme bietet Nutzern die Möglichkeit, kostenlos ein Profil anzulegen und zu ihren Accounts bei anderen Web-2.0-Diensten und Instant Messengern zu verlinken. Wer will, kann den Gleeme-Taschenstempel erstehen und damit seine Gleeme ID anderen Personen auf die Hand oder den Arm stempeln. Über die Eingabe der ID auf Gleemes Website gelangt diese Person dann zum Profil des Stempelbesitzers. Ausgedacht haben sich das Konzept die drei Studenten Fabian, Florian und Marco. Fabian Sauter, einer der drei Gründer, stellt sich im Interview meinen neugierigen Fragen. » weiterlesen

Hans Leyendecker zu Journalismus und Weblogs

Hans Leyendecker, die Lichtfigur des deutschen Recherchierjournalismus, hat sich in einem Audiointerview an der Frankfurter Buchmesse überraschend für Medien-Watchblogs ausgesprochen. Grundsätzlich steht er dem Internet aber kritisch gegenüber. Er nimmt Vorverachtung wahr und “Leute, die zum Teil antidemokratisch sind”.

Hans LeyendeckerÜber Hans Leyendecker schrieben wir zuletzt, als er, so erzählte es jedenfalls Roger Schawinski, eine Kritik über dessen neues Buch schrieb, ohne es überhaupt gelesen zu haben. Aber das ist ein Detail, an den Verdiensten von Leyendecker gibt es kaum was zu kritteln.

In einem Interview am Rande der Frankfurter Buchmesse redete er fast eine halbe Stunde (Audiodatei bei boersenblatt.net, 26:54 Minuten) mit einem ungenannten Herrn vom Literaturcafé.

Ich habe die mir interessant erscheinenden Teile abgetippt und was mir besonders lesenswert erschien, gefettet geboldet dick gemacht auf auffällige Art verändert:

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Über 100 Social Networks aus Deutschland

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2008

Mehr als jeder zweite Internetanwender aus Deutschland nutzt bisher keine Social Networks. Ein enormer Markt, auf dem sich gleichzeitig eine unüberschaubare und stetig wachsende Zahl an Anbietern tummelt. Ich habe ein wenig recherchiert und eine Liste mit 100+ Social Networks aus Deutschland erstellt. Diese ist keineswegs komplett, was schon aufgrund der schwierigen Abgrenzung zu Foren, Chats und anderen sozialen Web-2.0-Dienste mit Community-Komponenten nahezu unmöglich ist. Die Liste enthält aber die meisten bekannten und nutzerstarken Social Networks. » weiterlesen

Medienkritik mit Haaren

Beim sonnabendlichen Bummel über den örtlichen Flohmarkt stolperte ich über einen gut gefüllten Karton mit alten Ausgaben der Zeitschrift Konkret – und über das “endgültige Titelbild”.

konkret1980

Konkret am 28. August 1980: Farbbericht vom Fahrrad-Boom

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