Trend:
deutsche Tech-Blogs werden professionell

Während im englischsprachigen Internet professionelles, hauptberufliches Bloggen schon seit einiger Zeit nichts Ungewöhnliches mehr ist und sich damit sogar richtig Geld verdienen lässt, werden im deutschsprachigen Raum nach wie vor die meisten Tech-Blogs (und natürlich auch alle anderen) als Hobby neben dem eigentlichen Beruf betrieben. Das hat den Vorteil einer völligen Unabhängigkeit und den Nachteil, dass nur stark begrenzte Zeit zum Bloggen (inklusive Newsbeschaffung) zur Verfügung steht. Der hiesige Internetmarkt ist bedeutend kleiner als der englisch-nordamerikanische, was Werbe- und Sponsoringumsätze deutscher, österreichischer oder schweizerischer Blogs niemals in die Dimensionen von TechCrunch & Co bringen wird. Das es aber auch hier Potential für hintergründige, analytische und investigative Profi-Tech-Blogs gibt, daran braucht nicht gezweifelt werden. Klassische Onlinemagazine und -zeitungen lassen hier mit wenigen Ausnahmen thematisch eine große Lücke. » weiterlesen

Last.fm scrobbelt Radiosender der BBC

Last.fmSchön zu sehen, dass sich bei Last.fm doch noch etwas bewegt. Eine Kooperation des Social Music Networks mit der BBC macht es möglich, dass ab sofort verschiedene Radiosender des öffentlich-rechtlichen Medienanbieters über Last.fm “gescrobbelt” werden (Last.fm-Slang für das Protokollieren von User-Playlisten). Wie auf den Profilseiten eines jeden Last.fm-Nutzers kann man verfolgen, welche Titel zuletzt im BBC-Radio gespielt wurden und welche Songs und Interpreten über einen längeren Zeitraum hinweg besonders populär waren. Die protokollierten Daten der beteiligten BBC-Stationen reichen bis zum Frühjahr diesen Jahres. Die Top-3-Bands auf BBC Radio 1 seitdem: The Killers mit 556 gespielten Titeln, Razorlight mit 539 und Arctic Monkeys mit 530. » weiterlesen

“OpenSocial”:
Jetzt geht der Networking-Spass erst richtig los

Es lag schon länger in der Luft, aber der Zeitpunkt und der Umfang der Ankündigung überrascht doch: Google will unter dem Projektnamen “OpenSocial” eine offene Programmierschnittstelle (API) für Social Networks vorstellen. Über das standardisierte API sollen Profilinformationen, Kontaktnetze und Aktivitätsströme für externe Applikationen zugänglich werden.

Mit anderen Worten: Damit werden kleine Zusatzapplikationen, wie sie auf Facebook und MySpace so populär sind, plötzlich standardisiert für alle möglichen Social-Network-Sites nutzbar. Ausserdem verspricht das Konzept, den Austausch von Kontaktinfos zwischen verschiedenen Netzwerken erheblich zu erleichtern.

Erstaunlich ist die umfangreiche Riege der Partner, die Google für dieses Vorhaben bereits gewinnen konnte: Mit Xing, LinkedIn, Friendster, Hi5, Plaxo, Ning und natürlich Orkut sind praktisch alle namhaften internationalen Netzwerke ausser den Marktführern Facebook, MySpace und Bebo mit dabei. Auf der Seite der Applikations- und Widgetentwickler sind die Grossen wie RockYou, Slide und iLike mit im Boot. Interessant sind auch die Enterprise-Partner Salesforce.com und Oracle.

Lustig ist auch der Zeitpunkt der Ankündigung: Google beeilte sich offenbar mit seinem Announcement sehr, obwohl OpenSocial scheinbar noch nicht so richtig fertig ist. Facebook will nächste Woche nämlich seine Social-Network-Werbeplattform vorstellen, die sich jetzt plötzlich erheblich weniger beeindruckend anhört. Was für ein Zufall. Wie war das noch mit “Don’t be evil”?

Ohne Zweifel wird dieser neue Standard, so er sich denn durchsetzen kann, ziemlich massive Auswirkungen auf die Social-Network-Szene haben:

- Für MySpace und Facebook steigt der Druck extrem, sich auch für den Standard zu öffnen. Die Situation ist eine ähnliche wie für AOL und Compuserve damals beim Aufkommen des Web. Gegen ein völlig offenes Netz sieht jede noch so gute geschlossene Plattform ziemlich alt aus, und die User merken das auch schnell.
Eine solche allgemeine Öffnung hat aber fast immer die Konsequenz, dass die führenden Plattformen an Bedeutung verlieren. Siehe wiederum Compuserve (tot) und AOL (auf dem steil absteigenden Ast).

- Die grossen Widget-Anbieter wie Slide und RockYou profitieren kurzfristig durch die zusätzliche Reichweite, aber erhalten mittelfristig enorm viel neue Konkurrenz. Schon für die relativ geschlossene Facebook-Plattform gibt es inzwischen zehntausende von Anwendungen. Wie wird die Entwickleraktivität erst aussehen für eine viel offenere Welt?
Bisher hatten die grossen Anbieter den Vorteil, dass sie sich auskannten mit den verschiedenen APIs und die nötige Infrastruktur bereitstellen konnten. Aber dieser Vorsprung wird durch ein standardisiertes API sehr viel weniger relevant.

- Microsoft hat sich mit seinem Facebook-Investment wieder mal hinter den fahrenden Zug geworfen. Ich erinnere mich noch gern zurück an Microsofts Präsentation am World Wide Web Forum anno 1995, als der Produktmanager des originalen (total geschlossenen) Microsoft Network den Anwesenden erklärte, dass MSN zweifelsfrei bald wichtiger sein werde als das Web. Zum Glück kam es anders. Hier ist es wieder so: Microsoft hat gerade wieder viel in ein geschlossenes Netz investiert, nämlich in Facebook, statt sich für Offenheit einzusetzen. Warum kommen solche offenen Standards eigentlich nie aus Redmond?

- Der Fokus des Wettbewerbs verschiebt sich vom Plattform-Betrieb zur Konsolidierung. Kontext ist King, nicht mehr Content. Wiederum die Analogie zum Aufkommen des Webs: Gewonnen haben der offenen Welt des Webs die “Wegweiser” Google und Yahoo, nicht die Content-Anbieter. Und natürlich fühlt sich Google berufen, auch bei den Social Networks zu grossen Konsolidator zu werden. Mit diesem Schachzug stehen die Chancen nicht mal schlecht, dass dem Suchmaschinenriesen das gelingen wird, nachdem er im Aufbau eines eigenen Social Networks ziemlich unerfolgreich war.

UPDATE: Googles Börsenkurs hat heute, wohl nicht zuletzt wegen dieser Ankündigung, erstmals die Grenze von 700 Dollar überschritten. Damit ist Google jetzt die fünftwertvollste Firma in den USA hinter Exxon, GE, Microsoft, AT&T, aber noch vor Procter & Gamble, Bank of America und Citigroup. Procter & Gamble macht übrigens etwa gleich viel Reingewinn wie Google Umsatz macht. Bubble, anyone?

UPDATE 2: Jetzt wird’s aber wirklich eng für Facebook: Mit MySpace, Bebo und Six Apart treten jetzt der allergrösste und zwei relevante weitere Top-Player der Open-Social-Allianz bei. Angeblich hat Google schon länger mit MySpace an diesem Thema gearbeitet.

OpenSocial:
Google verbündet internationale Social Networks – auch Xing

Die Frequenz der Ankündigungen großer Social Networks (inklusive Google) zur Öffnung ihrer jeweiligen Plattform für externe Applikationen hat in den letzten Tagen und Wochen stetig zugenommen. Wer regelmäßig englischsprachige Tech-Blogs verfolgt, liest derzeit fast täglich von neuen Ideen und Vorhaben, mit denen einzelne Anbieter ihre Dienste öffnen (und damit eine Konkurrenz zu Facebooks Entwickerlplattform auf die Beine stellen) möchten. Vorreiter dieses Vorhabens ist – wen wundert’s – Google. Nachdem bisher hauptsächlich leere Ankündigungen und Gerüchte die Runde machten, werden Googles Pläne nun offensichtlich konkreter – zumindest wenn man TechCrunchs neuestem “Scoop” glauben darf. » weiterlesen

Erdbeben! Breaking News! Aktueller Bürgerjournalismus

Wenn Medien statt auf Recherchen auf Material ihrer Zuschauer setzen, gerät das Nachrichtenwesen rasch zur Parodie seiner selbst. Vor allem, wenn jedermann das Ereignis am eigenen Leib erfahren hat. Ein (fast) Live-Bericht vom aktuellen “South Bay-Erdbeben” in Kalifornien.

Erdbeben San Francisco
Schadenbild nach dem 5.6-Erdbeben vom Dienstagabend: Breaking News der Bürgerjournalisten zur Primetime.

Es war das schwerste Erdbeben seit dem “mittelgrossen” von Loma Prieta im Jahr 1989 in der San Francisco Bay Area: Das Beben der Stärke 5.6 und einigen Sekunden Dauer kurz nach 20 Uhr am Dienstagabend ist das Medienthema in der Region der Bucht um San Francisco.

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Die Rolle von Einfachheit

Wenn — wie so oft in der Internet-Branche — über das Erfolgsgeheimnis von Google diskutiert wird, kriegt man oft zu hören, dass die Suchmaschine ihre Dominanz dem geheimnisvollen PageRank-Algorithmus zu verdanken hat. Dank diesem sind Googles Suchresultate deutlich besser, darum hatte das Google das beste Produkt und konnte sich durchsetzen, obwohl die Firma erst sehr spät in den Markt eintrat. Eine reine Frage von überlegener Technologie also.

Wirklich?

Zwei Gründe, warum das vermutlich nicht stimmt:

1. Die Funktionsweise von PageRank wurde schon 1998 publiziert und war damit in den Grundzügen der Konkurrenz bekannt. Es gibt PageRank-Implementationen sogar als Open Source, und trotz Patentschutz konnte die Konkurrenz schon bald vergleichbar gute Rankingalgorithmen produzieren. Yahoos Resultate sind längst etwa gleich gut oder gar besser, aber das interessiert irgendwie keinen. » weiterlesen

Frank Schirrmachers Welt …

… überfordert mich intellektuell. Wie überhaupt das ewige Internet-Bashing, das unsere Alpha-Journalisten betreiben. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sie Johann-ohne-Land-Gefühle entwickeln. Natürlich verlieren durch den Zuwachs der Online-Medien die Holzmedien kontinuierlich an Relevanz. Deshalb aber wahllos mit dem Knüppel der Pauschalisierung herumzudräuen, wie der FAZ-Herausgeber in seinem Hausmedium und dann in der ‘Süddeutschen Zeitung’, das lässt mich am Qualitätsjournalismus zweifeln, an dessen Hagiographie sie doch alle wie ein emsiges Kaffeekränzchen häkeln.

Wenn ich über Journalisten oder Medien schreibe, dann sage ich – wie auch in diesem Fall – ‘Frank Schirrmacher’ oder auch mal pauschaler die ‘FAZ’, aber ich sage nicht ‘die Zeitungen’ oder ‘die Journalisten’. So viel Konzilianz und Differenzierungsvermögen fallen vice versa wiederum einem Frank Schirrmacher schwer, obwohl er doch just den Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprache erhielt und er sich auch deshalb hier zu Wort meldet.

In schöner Regelmäßigkeit ist in seinem Text von DEM “World Wide Web”, DEM “Internet” oder DEN “Blogs” die Rede, von einer furchtbaren, gleichgeschalteten, namenlosen Welt voller Dreck und Schlamm. Ein medialer Sumpf, wo das analphabetische “Nicht- oder Fastnichtmehrlesen” regiert, wo “pornographischer und gewalttätiger Extremismus” aus allen Löchern quillt, wo auch immer er, der große Qualitätsjournalist, seine Sonde in den Morast bohrt:

Wir riskieren die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren – wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen.

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Anarchie – Die Schattenseite des Facebook-Booms

facebook_logo.gifNahezu 50 Millionen Menschen weltweit sind aktive Facebook-Anwender, gut die Hälfte davon Nordamerikaner. Die andere Hälfte der User kommt aus einer Vielzahl von Ländern dieser Erde, ohne dass Facebook dort jemals auch nur einen Cent in Werbemaßnahmen gesteckt hat. Der Dienst wird zur Zeit noch komplett vom Unternehmenssitz im kalifornischen Palo Alto betrieben. Internationale (und europäische) Büros gibt es bisher offiziell nicht (für die geplante Londoner Europazentrale werden gerade Mitarbeiter gesucht). » weiterlesen

Tages-Anzeiger, BaZ, BZ, News e.a.:
Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen Online-News-Netzwerk

Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen News-Netzwerks, das der Tages-Anzeiger zusammen mit der BaZ und der BZ aufzieht und im Frühling 2008 launchen will.

Am 14. September 2007 wurde das neue Online-News-Netzwerk von Tamedia, Basler Zeitung und Berner Zeitung (der Winterthurer Landbote und die Thurgauer Zeitung sitzen auch mit im randvollen Boot) offiziell angekündigt. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen allerdings schon seit Monaten; vor allem wurde im In- und Ausland nach einer Redaktionsleitung gesucht, die den vielen Projektparteien genehm ist.

Nun greift man auf eine naheliegende, weil konzerninterne Lösung zurück, die trotzdem eine Überraschung ist. Chefredaktor des neuen News-Netzwerks wird Peter Wälty, bisheriger Leiter der Online-Redaktion von 20 Minuten.

Peter Wälty hat einen eindrücklichen Leistungsausweis als jemand, der weiss, wie man Traffic holt. Seit dem Redesign im Februar 2006 haben sich die Zugriffszahlen von 20minuten.ch um ein Mehrfaches gesteigert (nachvollziehbar via NET-Metrix ist “nur” der Anstieg von 50 Millionen Page Impressions im November 2006 auf über 70 Millionen heute).

Wältys Website steht dabei für die unbedingte Orientierung am Geschmack des Publikums. Mit der von ihm konzipierten Eigenentwicklung des in der Szene berühmten grünen Monitors sieht die Online-Redaktion im Fünf-Minuten-Takt, wie oft jeder Artikel angeklickt wird. Was nicht performed, ist schnell buchstäblich weg vom Fenster. Bildergalerien en masse und Umfragen zu jedem möglichen und unmöglichen Thema runden die PI-Bolzerei ab und bringen 20minuten.ch heute sensationelle 11 Page Impressions pro Visit.

Trotzdem hat Peter Wälty ein grosses Ziel nicht erreicht. Im Februar 2006 sagte er zu persoenlich.com: “Wir können nicht anders als früher oder später den Blick zu überholen.”

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Schon bald NZZpunkt.ch?

Am Samstag schrieb die Finanz und Wirtschaft: “Auch die NZZ liebäugelt mit eigener Gratiszeitung” (online nicht verfügbar), und dass Martin Hitz das in seinem Medienspiegel zum Schreien findet, heisst natürlich nicht, dass es nicht stimmen könnte.

Im Artikel betont die NZZ zwar noch, dass es eigentlich keinen Handlungsbedarf gäbe:

«Die NZZ-Gruppe steht grundsätzlich nicht in der Defensive, denn nicht jede Neulancierung wird zum Erfolg», urteilt Alfred Hümmerich, seit sechs Monaten Gruppenleitungsvorsitzender des mit 227 Betriebsjahren traditionsreichen Zürcher Verlagshauses. «Wir sind inzwischen am Medienmarkt so breit aufgestellt, dass uns verschiedene Möglichkeiten der Weiterentwicklung offen stehen.» (FuW vom 27.10.2007)

“Wir sind total in Panik” sagt man ja auch selten vor und während Verkaufsverhandlungen.

Im weiteren Verlauf des Artikels wird gemutmasst, dass es .ch sein könnte, für das die NZZ sich interessiert – angesichts der Tatsache, dass 20 Minuten der Tamedia gehört und heute zu Ringier keine wirklich atemberaubende Schlussfolgerung.

Heute morgen hörten wir aus dem Zürcher Seefeld-Quartier, dass offenbar erste Gespräche zwischen .ch-Gründer Sacha Wigdorovits und Hümmerich (kein Foto, aber coole URL bei der NZZ: independent=true) bereits stattgefunden haben.

Dabei wurde der Start von .ch allgemein als eher harzig wahrgenommen. “Ganz nettes Heft – falls man es zufällig irgendwo findet”, scheint der Tenor zu sein. Eine Google-Suche nach .ch distribution wigdorovits führt auch schon zu beeindruckenden 313 Treffern. Und natürlich verbirgt sich hinter jedem blauen Link die Zusicherung, man habe alles im Griff, und die paar Probleme mit verschwundenen Ständern seien völlig normal. Ist der “strategische Fit” nun, dass der NZZ-Verlag das Ständerklauproblem besser in den Griff bekommt?

Zugleich hört man, die ersten .ch-Journalisten bewerben sich schon wieder bei anderen Zürcher Medienhäusern. Ob das nun an den verschwundenen Notenständern liegt oder an der NZZ oder an etwas anderem, ist zur Stunde noch nicht bekannt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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