Wir sind Knut

Wir können ihn doch auch nicht mehr sehen: Knut, den pelzgewordenen Auflagen- und Quoten-Hit des Medienjahres 2007. Weitere Highlights aus der kunterbunten Medienwelt in unserem vollkommen unvollkommenen Jahresrückblick.

Von Markus Kirchsteiger, Ronnie Grob und Ole Reißmann

knut.jpg
Hallo, kleiner Eisbär! (Bild: Jens Koßmagk, cc)

Januar

Holtzbrinck gruschelt, ähm, kauft das StudiVZ. Nur konsequent: Früher machten Zeitungen mit Auto- und Stellenanzeigen ihr Geschäft, die sind aber längst ins Internet abgewandert. Jetzt muss das Geld woanders herkommen. Damit sich die geschätzten 80 Millionen Euro Kaufpreis für die Online-Community rechnen, strickt StudiVZ an den Datenschutzbestimmungen. Personalisierte Werbung soll die Kasse zum klingen bringen.

Februar

Mit Til Schweiger und einem Lämmchen auf dem Cover startete Vanity Fair am 7. Februar in Deutschland. Was angekündigt war als geistig und journalistisch hochstehendes Wochenmagazin für die Movers and Shakers, entpuppte sich als Hochglanz-Klatschheft ohne besonderen Tiefgang. Die Auflage allerdings ist gar nicht so schlecht, wie von den vielen Spöttern behauptet.

» weiterlesen

6 vor 2008

NUHR 2007 – Der Jahresrückblick
(zdf.de, Dieter Nuhr, Video, 60 Minuten)
Dieter Nuhr schaute zum Abschluss des Jahres 2007 in ironisch-witziger Art auf die Höhepunkte des Jahres und präsentierte seinen persönlichen Jahresrückblick am 27. Dezember, 23.15 Uhr im ZDF.

Richling als Köhler
(youtube.com, Video, 7:33 Minuten)
Neujahrsansprache des Bundespräsidenten aus dem Scheibenwischer Jahresrueckblick von Ende 2007.

Batz Headroom, das war das Jahr!
(nochetwassalz.de, Video, 9:15 Minuten)
Max Headroom reloaded.

Der Extra3-Jahresrückblick 2007
(youtube.com, Video, 3:24 Minuten)
“Udo, ein Onkel von Problembär Bruno, wandert illegal nach Deutschland ein und beginnt eine Affäre mit Karin Stoiber…”

Augenblicke
(focus.de)
Die Reportagebilder des Jahres.

So arg war’s nicht
(welt.de, Juli Zeh)
Das Jahr 2007. Doch es ruhe sanft. Eine Jahresendlitanei in einem Atemzug und einem Satz.


Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an medienlese bei blogwerk punkt com.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

medienlese – der Wochenrückblick

Polyp Google, Altpapier für Tote.

Google als grausame und allesverschlingende Krake zu sehen ist offenbar ein beliebtes Bild, jedenfalls auf deutschschweizer Redaktionen. Nach Heute und der Sonntagszeitung stellte nun auch das Magazin das Unternehmen als glitschigen Polyp dar, dessen Riesenhaftigkeit und Fürchterlichkeit in der Dunkelheit der Tiefe des Datenmeeres nicht recht abzusehen ist. Dazu ists eine neue Konkurrenz, die die etablierten Verlagen um ihre traditionellen Werbeeinnahmen fürchten lässt. Aber das wird sicher nicht der Grund sein, warum die Firma so dargestellt wird.

K. Latsch vom Zürcher Presseverein konnte die Altpapierflut trotz eifrigem Bemühen nicht aufhalten. Trotz mehrfacher Abbestellung kriegt Latsch das Migros-Magazin (ehemals Brückenbauer) sowohl für sich, für seine verstorbene Mutter und für seine verstorbene Grossmutter.

» weiterlesen

Alles Kinderporno oder was? “Himmlische” Jagdszenen in Deutschland

Ist das Internet böse? Suchen alle Surfer von morgens bis abends nur nach Schweinkram? Das K-Wort ist jedenfalls immer dazu gut, die allgemeine Empörung auszunutzen, um Onlinedurchsuchung, Polizeirazzien und die Beschlagnahmung von Servern durchzusetzen. Und die Presse spielt mit.

Bis 1995 war ein Internetzugang für Nicht-Studenten viel zu teuer: Der Hobby-Onliner ging über Mailboxen und Mailboxnetze wie FIDO online. Die wurden wiederum von anderen Hobby-Onlinern finanziert und am Leben erhalten – die Nutzung war, von den Telefonkosten abgesehen, kostenlos, und das völlig ohne Werbung!

Doch was nichts kostet, da muss ja etwas faul dran sein. Dachte sich jedenfalls die Münchner Kriminalpolizei. Dort war eine neue Abteilung für Computerkriminalität gegründet worden, die nun endlich einmal Erfolge vorweisen musste. Also schlug man im Morgengrauen zu:

» weiterlesen

Angeklickt und abgesurft:
Medienlese 2007

Wir blicken zurück und präsentieren Euch zum Jahresabschluss die bestgeklickten Texte und heißesten Diskussionen. Außerdem haben wir im Verlauf des Jahres einige Zeitschriften getestet und Bücher gelesen. Und “in Listen” machen wir auch…

Die bestgeklickten Medienlese-Texte 2007

  1. Klapper-Meitli Keira Knightley
    Die Schweizer Boulevardzeitung Blick bescherte uns mit dieser Bildunterschrift – die uns Anlass zu Kritik gab – Klickrekorde.
  2. Die 50 besten Zitate übers Internet
    Wir haben in den Archiven gekramt und dokumentiert, was Politiker, Journalisten und Unternehmer zum Internet sagen… Nichts für schwache Nerven!
  3. Kai-Diekmann-Fotoroman in der Titanic
    Penis. Penis. Penis.
  4. Beat Breu narrt Tele Züri mit PR-Aktion
    Breu macht Schleichwerbung für Wunder-Wässerchen – und später stellt sich auch noch heraus, dass es sich eher um Natronlauge als um einen Jungbrunnen handelt.
  5. “Das Schweigen der Quandts”
    Ohne Ankündigung lief eines Abends diese Dokumention im Ersten. Wir waren wenige Stunden zuvor auf der Premiere beim Hamburger Filmfest.

» weiterlesen

Musikalische Zeitreise mit Yamelo – Wow!

YameloKaum zu glauben: Zwei Tage vor dem Jahreswechsel stoße ich auf eine Applikation, die es innerhalb weniger Minuten in meine imaginäre Hitliste der coolsten Web-2.0-Dienste des Jahres 2007 schafft: Yamelo ist ein neuer Musikservice, dessen Slogan “Brings back melodies” Programm ist. Bei Yamelo können Nutzer auf einer Zeitleiste ein Jahr und einen Monat wählen und sich anschließend Musikvideos anzeigen lassen, die zu diesem Zeitpunkt gerade angesagt waren. Derzeit ermöglicht Yamelo eine solche musikalische Zeitreise bis zum Januar 1965. Neben den zum ausgewählten Datum passenden Musikvideos wird eine umfangreiche Tagcloud mit im jeweiligen Jahr besonders beliebten Interpreten angezeigt. Ein Klick auf einen Namen liefert eine Liste verfügbarer Clips dieser Band. » weiterlesen

Gute Filme über Journalisten

Nicht schon wieder “Citizen Kane”: Fünf garantiert gute Filme über Journalisten und Journalismus und Hinweise auf vier Kandidaten, die es (noch) nicht auf die Liste geschafft haben.

journalistenfilme1.png

1. The Insider (1999)
Reporter Bergman überredet einen Insider der Zigaretten-Industrie in der CBS-Sendung “60 Minutes” auszupacken. Erst gibt es Ärger mit dem mächtigen Konzern, dann mit den Managern des Fernsehsenders: “Are you a businessman? Or are you a news man?” Ein ruhiger, bedrückender Film in Doku-Optik. Al Pacino und Russel Crowe spielen fantastisch, Michael Mann führte Regie. Dazu Musik von Lisa Gerrard, Pieter Bourke und Massive Attack. Hier ein Trailer.

» weiterlesen

Van Rossums “Tagesshow”:
Hier sind die Links

Tagesshow

Über die Tagesschau-Kritik von Walter van Rossum berichtet heute die Frankfurter Rundschau (Hans-Hermann Kotte: “Diese Suppe soll die Welt sein?”):

“Tagesshow” lautet der Titel des neuen Buches, das auf einem Hörfunk-Feature des Deutschlandfunks beruht und das ähnlich lustig ist wie die “Christiansen”- Schelte.

Und obwohl Chefredakteur Uwe Vorkötter unlängst ankündigte, die Frankfurter Rundschau werde “auch im Netz in eine andere Dimension wachsen”, fehlt leider der Hinweis auf die Internet-Seite des Deutschlandfunks. Im Info-Kasten wird einzig das Buch erwähnt, leider nicht die Radiosendung. Beim Deutschlandfunk gibt es das Hörfunk-Feature als MP3 (41 Minuten) und als Manuskript. Denn was Hans-Hermann Kotte schreibt, klingt interessant:

Und so poltert van Rossum los, kritisiert die “Simulation demokratischer Öffentlichkeit” und “irre Sprachregelungen” im “Premiumbereich der Affirmation”.

Im Tagesschau-Blog poltert Kai Gniffke zurück. “Sollte ich jetzt noch was Inhaltliches zu dem Feature schreiben? Ach was – lesen Sie selbst. Es tut richtig weh.” Dem können wir uns nur anschließen. Van Rossums Polemik hilft, eine Haltung zur “Tagesschau” und ihrer Rolle anzunehmen. Ob man dabei der Kritik ganz oder auch nur in Teilen folgt, ist dabei erstmal egal.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Facebooks Internationalisierung:
User sollen übersetzen

facebook_logo.gifDer ursprünglich noch für dieses Jahr geplante Start diverser Sprachversionen von Facebook wird unter anderem wegen komplexer Datenschutzfragen erst 2008 stattfinden. Offensichtlich möchte man das Vorhaben jetzt aber ernsthaft angehen: Ein spanischer Blogger ist auf eine neue Facebook-Applikation namens “Translations” aufmerksam geworden, mit der User bei der Internationalisierung von Facebook mithelfen können. Mitglieder, die die Applikation installiert haben, übermitteln vorgegebene Texte in ihrer jeweiligen Landessprache. Sämtliche auf diesem Weg gesammelten Übersetzungen werden anschließend von anderen bewertet. So entscheidet sich, welche Texte am Ende tatsächlich von Facebook verwendet werden. » weiterlesen

Niklaus Meienberg (Teil 2):
“Von unserem Pariser Korrespondenten”

Korrespondenten liefern oft kaum mehr, als man selbst vor dem Fernsehgerät erfahren könnte. Niklaus Meienberg beschreibt das Leben eines Pariser Mitarbeiters.

Niklaus Meienberg
Niklaus Meienberg:Am Rande der Redaktionen (Bild: Keystone)

Niklaus Meienberg lebte einige Zeit in Paris und bekam dort unter anderem die Studentenunruhen im Jahr 1968 mit. Dazu gleich ein erstes Zitat aus dem Text (Reportagen I, Seite 22 bis 28). Meienberg fragt sich, wer denn überhaupt noch rausgeht, um zum Beispiel “einen Artikel über Willkür und Allmacht der französischen Polizei” zu liefern und antwortet gleich selbst. Es seien “nicht jene gepflegten Herren, welche noch nie erlebten, wie man nach einer friedlichen Demonstration zusammengedroschen” werde “und wie man auf den Kommissariaten behandelt wird”.

» weiterlesen

  • Sponsoren