Sony beerdigt seinen proprietären Online-Musikladen

Am Rande der IFA in Berlin machte Sony eine Ankündigung, die vielleicht etwas unerwartet kommt, aber kaum überrascht: Connect, der Online-Musikladen des japanischen Elektronikgiganten, wird demnächst geschlossen.

Sony hatte diesen Verkaufskanal vor gut zwei Jahren gestartet. Schon damals konnte man sich über die Strategie nur wundern: Connect verkaufte Musiktitel in einem Format, das nur Sony-Geräte abspielen konnten. Das machte Marktführer Apple zwar nicht viel anders, aber als Marktführer (mit einem MP3-Player-Marktanteil über 70%) kann man sich das eben eher erlauben.

Stattdessen wird Sony jetzt, wie alle Nicht-Apple-Anbieter, auf Microsofts Windows-Media-Format setzen und den Gerätekäufern “erlauben”, auch Content von anderen Online-Stores herunterzuladen.

Es ist beinahe schon bewundernswert, wie Sony hier schon wieder den Anschluss verpasst: Denn dieser Schritt kommt wohlgemerkt in einem Moment, da die Branche beginnt, auf kopierschutzfreie Formate umzuschwenken. Apple, Walmart und bald auch Amazon.com bieten bereits DRM-freie Musik an, während sich Sony wieder mal zielsicher hinter den fahrenden Zug wirft und auf vorgestrige Konzepte setzt.

Wohlgemerkt: Ich halte Sony weiterhin für einen exzellenten Hersteller von elektronischen Geräten, vor allem im Video- und PC-Bereich. Aber es ist schon beinahe tragisch, wie die Japaner im Content-Bereich einen strategischen Fehler nach dem anderen begehen. Dass Sony-Videokameras praktisch nur mit Sony-Zubehör funktionieren, mag für Konsumenten ja noch knapp akzeptabel sein. Aber dieses Prinzip auch auf die Inhalte zu übertragen, ist nun wirklich absurd. Und offensichtlich extrem erfolglos.
Da wirkt Sonys heutige Ankündigung, dass man jetzt auch bei Online-Filmdownloads gross einsteigen will, beinahe schon amüsant. Da werden sich Apple und alle anderen bestehenden Anbieter aber sicher fürchten — zumal Sony als Geheimwaffe lediglich die an äusserst dünnen Verkaufszahlen leidende Playstation 3 in die Schlacht werfen kann.

Andererseits: Warten wir’s mal ab. Bisher hat niemand wirklich die Erfolgsformel für Videodownloads geknackt, was nicht zuletzt an den Filmstudios liegt, deren ängstliches Handeln letztlich nur die Piraterie fördert. Aber Sony als Besitzerin eines Filmstudios wird da auch kaum in der Lage sein, die Branche vereint zum Erfolg zu führen. Den führenden Filmstudios scheinen ihre Rivalitäten wichtiger zu sein als das proaktive Erschliessen neuer Märkte.

Zeitungsdämmerung

?Der Unterschied macht den Unterschied’, sagt Gregory Bateson. Eine schlichte kognitive Wahrheit, denn die menschliche Wahrnehmung funktioniert durch Differenzbildung: In einer Menge fällt uns jenes Gesicht auf, das sich durch seine Schönheit oder Hässlichkeit abhebt, in einem Wald bemerken wir nicht die einzelnen Bäume, sondern die Lichtung. Wie aber ist es heute in der Zeitungslandschaft?

Von Klaus Jarchow

Früher kaufte ich fünf, sechs Zeitungen, wenn ich informiert sein wollte. Weil die ideologischen Ansätze alle verschieden waren, weil jede Redaktion ihre Texte selber strickte, weil es noch ein eigenes Korrespondentennetz gab, weil die mediale Welt damals so multiperspektivisch war, wie es heute eigentlich nur noch die Blogosphäre ist. Gegenwärtig sind am Bahnhofskiosk die Titulaturen der Blätter zwar noch verschieden, die Überschriften und Texte aber haben sich immer mehr angeglichen.

Google News, der vielgefürchtete neue Mediendienst, führt für diese These den schönsten Beweis, weil er quasi alle Medienangebote in ihrer Gleichförmigkeit auf einem einzigen Bildschirm sammelt – am schönsten dann, wenn man die Suche ?unter Einbeziehung der übersprungenen Ergebnisse wiederholt‘.

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Lotta in Love Das Drehbuch aus der Kantine

Insidergeschichten übers Fernsehen erzählen, das kann nicht nur Roger Schawinski. Der Drehbuchautor Torsten Dewi hat in seinem Blog eine kleine Serie veröffentlicht, die in fünf Teilen die Geschichte der Pro-Sieben-Telenovela “Lotta in Love” erzählt – von der ersten Idee kurz vor dem Abflug in den Urlaub bis zur fertigen Serie. Das ist erhellend und aufschlussreich und ausgezeichnet geschrieben, so gut, dass man alle fünf Teile hintereinander liest, und so kurz, dass man das auch schafft. Ein Beispiel:

“(…) den Jahreswechsel 2005/06 verbrachte ich im tiefsten Schnee in einem kleinen Konferenzraum über der Kantine des Bavaria-Geländes. Mit den Dramaturgen zusammen arbeiteten wir gewöhnlich bis drei Uhr nachts, und der Hausmeister brachte ab und an einen Bottich Suppe, damit wir nicht zusammen klappten. Es waren die sechs härtesten Arbeitswochen meines Lebens, aber gerade die Intensität machte es leichter, den Fokus zu bewahren. Wir kamen wirklich voran.”

Und jetzt warten wir auf die Blogs und/oder Bücher von all den Schauspielern, Produzenten und Kabelträgern, die noch nichts erzählt haben über den Alltag hinter den Kulissen.

» Torsten Dewi über Lotta in Love: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Deutscher Herbst im Blätterwald

Die Herausforderung dieser Tage: Ein bekanntes Thema gut aufschreiben, einen neuen Dreh finden, nochmal gründlich nachdenken – und auch: Gut verpacken. Wir zeigen vier Editorial-Design-Beispiele.

Vor dreißig Jahren, im September und Oktober 1977, spielte sich der Deutsche Herbst ab. Folglich ist derzeit publizistisch einiges los. Vorgelegt hat die Zeit, die vergangene Woche ein Interview mit Helmut Schmidt aufgemacht hat (“Ich bin in Schuld verstrickt”).

Die Bilder aus dem Deutschen Herbst sind allgegenwärtig, erst im Frühjahr wieder ins kollektive Gedächtnis gerufen während der Kontroverse um die frühzeitige Haftentlassung Christian Klars. Die Fotos zeigen die immer gleichen Szenen, die immer gleichen Personen und das alles auch noch in körnigem schwarz-weiß. Also was tun?

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Welt am Sonntag, 2.9.2007: Dossier (“Deutschlands Drama im Herbst 1977″) mit Infografik

Ins Detail gehen! Die Deutschlandkarte rechts oben weist den Weg: Die Infografik in der Welt am Sonntag zeigt das Gefängnis Stuttgart-Stammheim, wie es sich den Beamten am 18. Oktober 1977 darstellte. Der Aufriss Tote zeigt detailversessen den siebten Stock der Haftanstalt, die toten RAF-Terroristen in den herausgelöst und vergrößert dargestellten Zellen, auf dem Boden klebt noch Blut. Kleine Texte erklären anhand von Gegenständen (“Bett”, “Tatwaffe”), die in der Illustration durch Nummern angezeigt werden, das Ende der Terroristen.

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Zattoo Deutschland startet geschlossene Beta-Phase

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Update: Zattoo Deutschland ist gestartet. zweinull.cc hat Einladungen zur Beta!

Heimlich, still und leise hat der Internet-TV-Anbieter Zattoo die geschlossene Beta-Phase für Deutschland gestartet. Eine begrenzte Zahl an Usern, die in den vergangenen Monaten ihre E-Mail-Adresse auf der Zattoo-Website hinterlassen haben, wurde per Mail zum Testen der Beta-Version eingeladen. Im Zattoo Blog findet sich zur Stunde noch nichts zum Deutschland-Launch. » weiterlesen

IFA 2007 live:
Intensivbetreuung am ZDF-Stand

Am Stand des ZDF kommt man leicht zu Notizblöcken, Gummibärchen und Stiften. Aber nicht so leicht zu einer Information.

Gerade habe ich meine Kamera angesetzt, um die Rentnerschlange vor der Give-Away-Theke zu fotografieren, da spricht mich ein ZDF-Mann an (und verhindert so erfolgreich das Foto – das wohl jederzeit zu wiederholen ist). Von wo ich denn sei und was ich denn suche, will er wissen und schielt auf meinen an der Hose angebrachten Presseausweis. Vermutlich wolle ich ja die auftretenden Stars sehen, oder? Ich sei von der Presse, tue ich wichtig und sag ihm gleich, dass ich mich für die ZDF-Mediathek interessiere. “Aha, aha”, sagt er, und, “kommen sie doch gleich mal mit”. Er führt mich an die Ecke des Give-Away-Stands, an der sowas wie ein Laptop steht.

Er zeigt darauf und fragt mich, ob ich sowas schon mal gesehen habe. Naja, schon, sage ich. “Na dann wissen sie sicher auch, wie sie damit umzugehen haben” und drückt mir einen Stift in die Hand. Ich bin etwas verwirrt, er aber gar nicht. Er nimmt den Stift wieder und drückt etwas damit auf dem Bildschirm rum. Das sei nur eine kleine Umfrage und man könne so, tipp, tipp, Fragen beantworten.

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Demnächst in Ihrem Briefkasten:
“Die Post”?

Die Deutsche Post liebäugelt mit dem Einstieg ins Zeitungsgeschäft, schrieb gestern die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Eine Gratiszeitung sei in Vorbereitung. Das wäre ein Frontalangriff auf die Bild-Zeitung – ist aber vielleicht auch nur eine Drohkulisse.

Das Projekt sei so weit entwickelt, dass die Gratiszeitung in kürzester Zeit auf den Markt kommen könnte, so die FAS.

“Die Inhalte der Zeitung sind geklärt, die Vertriebsmacht hat die Deutsche Post sowieso – ihre Briefträger fahren Tag für Tag zu jedem Briefkasten in Deutschland. Selbst eine Millionenauflage könnte daher einigermaßen günstig an den Leser gebracht werden.”

Man kann sich ausmalen – und man wird es sich im Springer-Hochhaus in Berlin vorstellen können -, was es für die Bild-Zeitung bedeuten würde, wenn jeder Haushalt in Deutschland jeden Vormittag eine kostenlose Zeitung im Briefkasten liegen hätte.

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Medienblogcharts 8/07:
Der August brachte Bewegung

An jedem ersten Montag im Monat erscheinen hier die medienlese-Medienblogcharts: Die Top 50 der Medienblogs in deutscher Sprache.

Es gab die ein oder andere Verschiebung im August – denn nicht alle Medienblogs fielen in ein Sommerloch.

Ein Stühlerücken sahen wir diesmal ganz vorne, wo sich Indiskretion Ehrensache an der Blogbar vorbei auf Platz drei schob und auch SIXTUS einen Rang gut machen konnte – er sitzt jetzt quasi neben sich und belegt mit seinem Privatblog und seinem Elektrischen Reporter die Plätze 5 und 6 der Liste.

Um gleich sieben Plätze nach oben kletterte das Swiss Metablog (auf Rang 27), und Newcomer Trice, den wir vor einem Monat erst als Mitglied der Top 50 vorstellten, schoss von 43 auf 35 (wir wollten bereits einen Spielertransfer in die Wege leiten). Die Beobachtungen zur Medienkonvergenz sind der Absteiger des Monats, was allerdings daran liegt, dass Andreas’ Blog seit Mitte Juli hier bei Blogwerk und unter neuem URL erscheint und das Feld darum von hinten neu aufrollen muss.

Die kompletten Top 50:

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medienlese – der Wochenrückblick

Kaum dachte der Verband Schweizer Presse (aktuelle Kampagne: Wa du wolle? Du finde!) öffentlich darüber nach, wie man auch so etwas Erfolgreiches wie Google News machen könnte, gab Google bekannt, keine Umwege mehr über Online-Portale machen zu wollen, sondern direkt auf Informationen von Nachrichtenagenturen zuzugreifen. VSP-Präsidiumsmitglied Norbert Neininger sagte persoenlich.com: “Wir sind der Meinung, dass Google mit seinem Newsdienst das Urheberrecht verletzt und unlauteren Wettbewerb betreibt”. Es gäbe “einen harten und einen weichen Weg”, dagegen vorzugehen, also Klage oder der Versuch einer Kopie. Google dagegen gibt an, diesen Schritt zu machen, da viele Online-Portale so oder so nur Agenturmeldungen umformulieren und sieht diesen Schritt als einen in Richtung “original content“. Wie es in einem Verlegerverband zu und her gehen kann, enthüllte Andreas Göldi. Ein bekannter Verlagsmanager sagte ihm, als er auf Details einer möglichen Internet-Plattform und den damit verbundenen Kundennutzen zu sprechen kommen wollte: “Herr Göldi, hier geht es nicht um Kunden.“.

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justaloud:
Musikshop mit User Generated Prices

justaloud.gifSeit gestern ist die neue Internet-Musikplattform justaloud mit Sitz in Stuttgart offiziell online. Bei dem von den Machern des Social-Shopping-Portals edelight betriebenen Dienst können Künstler kostenlos und unkompliziert Musik verkaufen. Der Preis für einen Titel richtet sich nach dessen Popularität. Jeder Song startet als kostenloser Download. Je häufiger er gekauft wird, desto höher steigt sein Preis. Musiker erhalten ab dem ersten Verkauf 85 Prozent des Gewinns, der Rest geht an justaloud. » weiterlesen

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