Österreichs neuer TV-Sender braucht Hilfe

Gut abgehangen oder billig produziert: Auf Österreichs neuem Privatsender Austria 9 laufen vor allem Uralt-Serien und Anruf-Shows. Dabei könnte der Fernsehmarkt mehr Wettbewerb gut vertragen – und Formate mit Qualität.

Austria 9?Helft mir doch!?, fleht die junge Blondine in die Kamera und schnalzt nervös mit der Zunge. Trommelwirbel seit drei Minuten. Nach zehn Minuten ruft noch immer niemand an, um das triviale Rätsel aufzulösen und die Chance auf 3000 Euro zu ergreifen. Kameramann und Moderatorin müssen lachen ob der Situation, doch dann kriegt sie noch die Kurve und wiederholt ihr Mantra: Acht Leitungen führen direkt ins Studio, 20 Geldpakete warten, die Chance auf einen fetten Gewinn und alles nur für eine billige Lösung.

Willkommen beim Anruf-Quiz von Austria 9, dem zweiten bundesweiten Privatfernsehsender Österreichs. Gestartet hat der über Satellit und Kabel zu empfangende Kanal am 12.12.2007 um 12 Uhr 12 – und zwar besonders originell und aufregend: nämlich mit einer Call-in-Sendung. Allerdings fast unter der Wahrnehmungsgrenze. Denn hätten nicht einige Zeitungen über den Sendestart berichtet, hätte man nicht einmal über Google die Homepage des Senders gefunden.

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Die bedeutendsten Internet-/Media-Übernahmen 2007

Übernahmen 2007Eine passende Ergänzung meines gestrigen Artikels über Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könnten: HipMojo.com hat eine umfangreiche Zusammenstellung der bedeutendsten Akquisitionen der vergangenen zwölf Monate im Internet- und Onlinemedien-Bereich veröffentlicht. Ein schneller Überblick, wer miteinander angestoßen hat: » weiterlesen

Hans-Ulrich Jörges:
Im Zauberreich der Alphajournalisten

Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten.

Jörges Fans, die sich allwöchentlich zu Hunderten, vielleicht sogar Tausenden, vor dem Internet-Portal seines Magazins drängen, müssen dort allerdings eine strenge Inquisition über sich ergehen lassen. Der Verlag will erst einmal Adresse und Bankverbindung wissen, bevor sie zu den Quellen politischer Weisheit vordringen dürfen. Ein Hans-Ulrich Jörges bleibt Paid Content: Ihn gibt’s nur am Stück für einen Euro.

Medienlese bietet seinen Lesern aus Anlass des Weihnachtsfestes Gelegenheit, einmal einen echten “Zwischenruf” auch ohne Obolus kennenzulernen. Wir haben höchstselbst eine Printausgabe des Stern (Nr. 52/2007) am Kiosk erstanden, um unseren Lesern im Detail zu zeigen, wie wahrer Qualitätsjournalismus sich zum wahren Wort verhält.

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Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könnten

Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könntenAuch im Jahr 2008 wird sich der Trend weg von Desktop-Software hin zu Web-Applikationen fortsetzen. Damit verlagern selbst klassische IT-Unternehmen, die Internetaktivitäten bisher nicht als Teil ihres Kerngeschäftes angesehen haben, den Schwerpunkt in Richtung des Webs – sowohl mit Eigenentwicklungen als auch durch Akquisitionen. Attraktive und noch unabhängige Web-2.0-Dienste wie Twitter, Digg oder Zoho gelten als heiße Übernahmekandidaten. Wer könnte im kommenden Jahr das globale Internetgeschäft ordentlich aufmischen? » weiterlesen

Süddeutscher Verlag verkauft:
Gelungene Überraschung zu Weihnachten?

Noch schnell vor Weihnachten wurde bekannt gegeben, dass der Süddeutsche Verlag nun doch erfolgreich verkauft wurde. Aber nur mehrheitlich, denn 18,75 Prozent der Anteile bleiben bei einem der Alteigentümer. Kehrt nun endlich Ruhe ein – oder geht es jetzt erst richtig los?

Als ich vor einigen Jahren bei einem Objekt des Süddeutschen Verlags anheuerte, dachte ich “endlich mal was Solides”. Endlich mal einen guten Job machen können und nicht ständig darum zittern müssen, ob Objekt oder Verlag das nächste Jahr überleben. Weit gefehlt!

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Niklaus Meienberg (Teil 1):
“Wer will unter die Journalisten?”

Große Geister dürfen erst dann als groß gelten, wenn sie tot sind. Solange sie noch leben, mag kaum jemand die Wahrheit ertragen, die sie äußern. So ging es auch Niklaus Meienberg, der seiner eigenen Art wegen ein Schreiberleben am Rande der Redaktionen zubrachte. Jetzt, 14 Jahre nach seinem Tod, wird er als einer der größten Journalisten gehandelt, den die Schweiz je hatte.

Niklaus Meienberg
Niklaus Meienberg 1983 in Zürich (Foto: Keystone)

Wer Meienbergs Text “Wer will unter die Journalisten – eine Berufsberatung 1972″ heute liest, merkt schnell, dass sich, was die Abschottung des Berufsstandes der Journalisten gegenüber Neulingen in 35 Jahren nicht viel geändert hat. Wie schrieb es Bernd Graff von der Süddeutschen Zeitung? “Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen.” Dabei garantiert es doch das Grundgesetz, dass jeder Idiot Journalist werden darf (Stefan Niggemeier in der taz).

Niklaus Meienberg schrieb dazu, nachzulesen im Sammelband “Reportagen I“:

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medienlese – der Wochenrückblick

Süddeutsche verkauft, Kiewel gefeuert, erste Pin-Töchter insolvent und Zeit-Archiv geöffnet

Verkauft: Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) übernimmt weitere Anteile am Süddeutschen Verlag und damit der Süddeutschen Zeitung. Ende Februar 2008 soll die SWMH 81,25 Prozent am Verlag und damit am “Marktführer unter den überregionalen Zeitungen” (Tagesspiegel) besitzen. Zur SWMH gehören diverse Regionalzeitungen. “Nur der ungleich bekanntere Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland”, schreibt Georg Merck in der FAS. Dort gibt es auch eine vereinfachte Darstellung der Beteiligungsverhältnisse, mehr über die SWMH beim Manager Magazin.

Gefeuert: ZDF und MDR trennen sich von Moderatorin Andrea Kiewel, nachdem ein PR-Vertrag mit der Firma Weight Watchers bekannt wurde. Bereits seit 2001, so der Spiegel, sei Kiewel im Dienst der Gewichtsabnehmer unterwegs. Die Zusammenarbeit habe sie aber später ihrem Arbeitgeber verschwiegen, so auch einen Vertrag vom November 2006. Ihre Botschaft von Diät-Erfolgen brachte sie unter anderem in den Sendungen “Kerner” und “Riverboat” unter. Im Januar warb sie auch in der Sendung “Lafer! Lichter! Lecker!”, das ZDF sendete versehentlich am Donnerstag eine Wiederholung. Als wäre das nicht schon peinlich genug, muss Kiewel nun ertragen, wie die Bild-Zeitung über sie und ihr Privatleben herzieht (kein Link, deswegen).

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Mucelli:
stylische Applikation für spontanen Musikgenuss

MucelliDas Jahr 2007 war geprägt vom Entstehen zahlreicher Webangebote zum Speichern, Hören und Teilen von Musik (siehe unsere Reviews zu Deezer, Ezmo, MediaMaster, MuViBee, SeeqPod, simfy, Songza und Spotify). Nun, zum Jahresende, trauen sich auch die ersten deutschen Anbieter auf dieses rechtlich noch immer etwas glatte Parkett. Vor einer Woche startete simfy seine öffentliche Beta-Phase, und am Freitag erreichte mich eine Mail von Mucelli, einer neuen Charts- und Musiksuchmaschine aus Berlin. » weiterlesen

Holtzbrinck liebt Schüler und startet Tutoria

TutoriaDie Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat offenbar großen Gefallen an der Zielgruppe der Schüler und Studierenden gefunden. Nach der Komplettübernahme von studiVZ, der Gründung von schülerVZ und dem Investment in Bookya, einem Büchermarktplatz für Studenten, wurde mit Tutoria gerade eine neue, auf Schüler ausgerichtete Plattform gestartet. Tutoria ist ein Dienst, der Fach-Experten mit jungen Leuten zusammenbringt, die Nachhilfe benötigen. Lernende, die über die Seite einen passenden Tutor gefunden habe, laden ihr Guthaben auf und können anschließend damit Nachhilfestunden buchen. Einen Teil der Vergütung zwackt sich Tutoria als Provision ab, der Rest geht an den Tutor. Detaillierte Angaben zu Preisen oder Provisionen für Tutoria sind auf der Seite im Augenblick noch nicht zu finden. » weiterlesen

Was passiert, wenn Startup-Gründungen zu wenig kosten

Aktualisiert

Startup-GründungenDie Politiker, eine Community, bei der Nutzer Politikerzitate bewerten konnten, scheint ihr Dasein im Netz bereits nach zwei Monaten beendet zu haben. Beim Aufrufen der Domain bekommen Besucher im Moment (21. Dezember 15:10 Uhr) lediglich eine Willkommensmeldung der Serversoftware zu Gesicht. Die im Google Cache gespeicherte Version vom Montag zeigt eine Statusmeldung, die verspricht, die Seite würde nach dem Wochenende wieder online gehen. Dies hat ganz offensichtlich nicht geklappt. Die Politiker startete Mitte Oktober und machte auf mich den Eindruck eines sinnvollen und unterhaltsamen Web-2.0-Angebotes. » weiterlesen

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