Lotta in Love Das Drehbuch aus der Kantine

Insidergeschichten übers Fernsehen erzählen, das kann nicht nur Roger Schawinski. Der Drehbuchautor Torsten Dewi hat in seinem Blog eine kleine Serie veröffentlicht, die in fünf Teilen die Geschichte der Pro-Sieben-Telenovela “Lotta in Love” erzählt – von der ersten Idee kurz vor dem Abflug in den Urlaub bis zur fertigen Serie. Das ist erhellend und aufschlussreich und ausgezeichnet geschrieben, so gut, dass man alle fünf Teile hintereinander liest, und so kurz, dass man das auch schafft. Ein Beispiel:

“(…) den Jahreswechsel 2005/06 verbrachte ich im tiefsten Schnee in einem kleinen Konferenzraum über der Kantine des Bavaria-Geländes. Mit den Dramaturgen zusammen arbeiteten wir gewöhnlich bis drei Uhr nachts, und der Hausmeister brachte ab und an einen Bottich Suppe, damit wir nicht zusammen klappten. Es waren die sechs härtesten Arbeitswochen meines Lebens, aber gerade die Intensität machte es leichter, den Fokus zu bewahren. Wir kamen wirklich voran.”

Und jetzt warten wir auf die Blogs und/oder Bücher von all den Schauspielern, Produzenten und Kabelträgern, die noch nichts erzählt haben über den Alltag hinter den Kulissen.

» Torsten Dewi über Lotta in Love: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Deutscher Herbst im Blätterwald

Die Herausforderung dieser Tage: Ein bekanntes Thema gut aufschreiben, einen neuen Dreh finden, nochmal gründlich nachdenken – und auch: Gut verpacken. Wir zeigen vier Editorial-Design-Beispiele.

Vor dreißig Jahren, im September und Oktober 1977, spielte sich der Deutsche Herbst ab. Folglich ist derzeit publizistisch einiges los. Vorgelegt hat die Zeit, die vergangene Woche ein Interview mit Helmut Schmidt aufgemacht hat (“Ich bin in Schuld verstrickt”).

Die Bilder aus dem Deutschen Herbst sind allgegenwärtig, erst im Frühjahr wieder ins kollektive Gedächtnis gerufen während der Kontroverse um die frühzeitige Haftentlassung Christian Klars. Die Fotos zeigen die immer gleichen Szenen, die immer gleichen Personen und das alles auch noch in körnigem schwarz-weiß. Also was tun?

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Welt am Sonntag, 2.9.2007: Dossier (“Deutschlands Drama im Herbst 1977″) mit Infografik

Ins Detail gehen! Die Deutschlandkarte rechts oben weist den Weg: Die Infografik in der Welt am Sonntag zeigt das Gefängnis Stuttgart-Stammheim, wie es sich den Beamten am 18. Oktober 1977 darstellte. Der Aufriss Tote zeigt detailversessen den siebten Stock der Haftanstalt, die toten RAF-Terroristen in den herausgelöst und vergrößert dargestellten Zellen, auf dem Boden klebt noch Blut. Kleine Texte erklären anhand von Gegenständen (“Bett”, “Tatwaffe”), die in der Illustration durch Nummern angezeigt werden, das Ende der Terroristen.

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Zattoo Deutschland startet geschlossene Beta-Phase

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Update: Zattoo Deutschland ist gestartet. zweinull.cc hat Einladungen zur Beta!

Heimlich, still und leise hat der Internet-TV-Anbieter Zattoo die geschlossene Beta-Phase für Deutschland gestartet. Eine begrenzte Zahl an Usern, die in den vergangenen Monaten ihre E-Mail-Adresse auf der Zattoo-Website hinterlassen haben, wurde per Mail zum Testen der Beta-Version eingeladen. Im Zattoo Blog findet sich zur Stunde noch nichts zum Deutschland-Launch. » weiterlesen

IFA 2007 live:
Intensivbetreuung am ZDF-Stand

Am Stand des ZDF kommt man leicht zu Notizblöcken, Gummibärchen und Stiften. Aber nicht so leicht zu einer Information.

Gerade habe ich meine Kamera angesetzt, um die Rentnerschlange vor der Give-Away-Theke zu fotografieren, da spricht mich ein ZDF-Mann an (und verhindert so erfolgreich das Foto – das wohl jederzeit zu wiederholen ist). Von wo ich denn sei und was ich denn suche, will er wissen und schielt auf meinen an der Hose angebrachten Presseausweis. Vermutlich wolle ich ja die auftretenden Stars sehen, oder? Ich sei von der Presse, tue ich wichtig und sag ihm gleich, dass ich mich für die ZDF-Mediathek interessiere. “Aha, aha”, sagt er, und, “kommen sie doch gleich mal mit”. Er führt mich an die Ecke des Give-Away-Stands, an der sowas wie ein Laptop steht.

Er zeigt darauf und fragt mich, ob ich sowas schon mal gesehen habe. Naja, schon, sage ich. “Na dann wissen sie sicher auch, wie sie damit umzugehen haben” und drückt mir einen Stift in die Hand. Ich bin etwas verwirrt, er aber gar nicht. Er nimmt den Stift wieder und drückt etwas damit auf dem Bildschirm rum. Das sei nur eine kleine Umfrage und man könne so, tipp, tipp, Fragen beantworten.

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Demnächst in Ihrem Briefkasten:
“Die Post”?

Die Deutsche Post liebäugelt mit dem Einstieg ins Zeitungsgeschäft, schrieb gestern die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Eine Gratiszeitung sei in Vorbereitung. Das wäre ein Frontalangriff auf die Bild-Zeitung – ist aber vielleicht auch nur eine Drohkulisse.

Das Projekt sei so weit entwickelt, dass die Gratiszeitung in kürzester Zeit auf den Markt kommen könnte, so die FAS.

“Die Inhalte der Zeitung sind geklärt, die Vertriebsmacht hat die Deutsche Post sowieso – ihre Briefträger fahren Tag für Tag zu jedem Briefkasten in Deutschland. Selbst eine Millionenauflage könnte daher einigermaßen günstig an den Leser gebracht werden.”

Man kann sich ausmalen – und man wird es sich im Springer-Hochhaus in Berlin vorstellen können -, was es für die Bild-Zeitung bedeuten würde, wenn jeder Haushalt in Deutschland jeden Vormittag eine kostenlose Zeitung im Briefkasten liegen hätte.

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Medienblogcharts 8/07:
Der August brachte Bewegung

An jedem ersten Montag im Monat erscheinen hier die medienlese-Medienblogcharts: Die Top 50 der Medienblogs in deutscher Sprache.

Es gab die ein oder andere Verschiebung im August – denn nicht alle Medienblogs fielen in ein Sommerloch.

Ein Stühlerücken sahen wir diesmal ganz vorne, wo sich Indiskretion Ehrensache an der Blogbar vorbei auf Platz drei schob und auch SIXTUS einen Rang gut machen konnte – er sitzt jetzt quasi neben sich und belegt mit seinem Privatblog und seinem Elektrischen Reporter die Plätze 5 und 6 der Liste.

Um gleich sieben Plätze nach oben kletterte das Swiss Metablog (auf Rang 27), und Newcomer Trice, den wir vor einem Monat erst als Mitglied der Top 50 vorstellten, schoss von 43 auf 35 (wir wollten bereits einen Spielertransfer in die Wege leiten). Die Beobachtungen zur Medienkonvergenz sind der Absteiger des Monats, was allerdings daran liegt, dass Andreas’ Blog seit Mitte Juli hier bei Blogwerk und unter neuem URL erscheint und das Feld darum von hinten neu aufrollen muss.

Die kompletten Top 50:

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medienlese – der Wochenrückblick

Kaum dachte der Verband Schweizer Presse (aktuelle Kampagne: Wa du wolle? Du finde!) öffentlich darüber nach, wie man auch so etwas Erfolgreiches wie Google News machen könnte, gab Google bekannt, keine Umwege mehr über Online-Portale machen zu wollen, sondern direkt auf Informationen von Nachrichtenagenturen zuzugreifen. VSP-Präsidiumsmitglied Norbert Neininger sagte persoenlich.com: “Wir sind der Meinung, dass Google mit seinem Newsdienst das Urheberrecht verletzt und unlauteren Wettbewerb betreibt”. Es gäbe “einen harten und einen weichen Weg”, dagegen vorzugehen, also Klage oder der Versuch einer Kopie. Google dagegen gibt an, diesen Schritt zu machen, da viele Online-Portale so oder so nur Agenturmeldungen umformulieren und sieht diesen Schritt als einen in Richtung “original content“. Wie es in einem Verlegerverband zu und her gehen kann, enthüllte Andreas Göldi. Ein bekannter Verlagsmanager sagte ihm, als er auf Details einer möglichen Internet-Plattform und den damit verbundenen Kundennutzen zu sprechen kommen wollte: “Herr Göldi, hier geht es nicht um Kunden.“.

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justaloud:
Musikshop mit User Generated Prices

justaloud.gifSeit gestern ist die neue Internet-Musikplattform justaloud mit Sitz in Stuttgart offiziell online. Bei dem von den Machern des Social-Shopping-Portals edelight betriebenen Dienst können Künstler kostenlos und unkompliziert Musik verkaufen. Der Preis für einen Titel richtet sich nach dessen Popularität. Jeder Song startet als kostenloser Download. Je häufiger er gekauft wird, desto höher steigt sein Preis. Musiker erhalten ab dem ersten Verkauf 85 Prozent des Gewinns, der Rest geht an justaloud. » weiterlesen

Portal-Schwergewicht startet Social Network meineleute.de

meineleutede.gifEin weiteres deutsches Internet-Schwergewicht steigt in den umkämpften Markt der Social Networks ein: Vor wenigen Tagen hat die allesklar.com AG ihre Community meineleute.de online gebracht. Ähnlich wie die beiden Portale meinestadt.de und allesklar.de hat auch die Neugründung eine stark lokale Ausrichtung und sieht sich als Weiterentwicklung der bisherigen Produkte. Nach der Anmeldung, bei der man seine Adresse angeben muss (“Um Dir Gewinnspielpreise ohne Verzögerung zu schicken, benötigen wir auch Deine Straße und Hausnummer.”), erwartet den Nutzer ein solides Social Network mit den üblichen Funktionen wie Blogs, Foren, Gruppen, Messaging und Mitglieder-Suche. Auch das Hochladen und Betrachten von Fotos und Videos ist möglich. In den auf der Profilseite befindlichen “Städte-Lebenslauf” trägt man ein, wo man derzeit heimisch ist und in welchen Orten man bereits gewohnt hat. » weiterlesen

Agenturmeldungen direkt auf Google News:
Schlecht für Medienhäuser?

Und schon wieder eine Meldung zu Google News: In den USA, Kanada und Grossbritannien hat der Suchmaschinengigant begonnen, auf seiner Newswebsite direkt die Meldungen von Nachrichtenagenturen zu publizieren. Bisher bestand Google News ja nur aus Links zu den Artikeln von Zeitungen und anderen Medien, aber jetzt werden erstmals Inhalte direkt ab der Quelle angeboten.

Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass das eine Reaktion auf die Kritik an Google News von Zeitungsverlegern aus allen möglichen Ländern sein könnte. Viele Verleger, zuletzt der Verband Schweizer Presse, fordern finanzielle Entschädigung von Google für die Verlinkung ihres Contents.

Google begründet den Schritt damit, dass man erstens den Usern eine weitere Perspektive auf die Originalmeldungen geben möchte und dass zweitens viele Zeitungsartikel sowieso nur aus kaum veränderten Agenturmeldungen bestehen. Und tatsächlich, wer sich einmal die Mühe macht, ein Dutzend typischer Meldungen zum gleichen Thema zu vergleichen, sieht schnell, dass sich die Eigenleistung vieler Medienwebsites oft auf relativ unbedeutende Kürzungen und Umformulierungen beschränkt. Da kann man wirklich auch gleich die Agenturmeldung lesen.

Ist dieser Schritt nun positiv oder negativ für die Medienhäuser? Google findet’s natürlich gut:

“This change will provide more room on Google News for publishers’ most highly valued content: original content. Previously, some of this content could be harder to find on Google News, and as a result of this change, you’ll have easier access to more of this content, and publishers will likely receive more traffic to their original content.”

Realistisch betrachtet dürfte sich der Traffic für die Zeitungswebsites damit aber spürbar reduzieren, was natürlich unschön ist, weil inzwischen etwa ein Viertel des Traffics auf Zeitungswebsites von Suchmaschinen kommt. Dafür kann es durchaus sein, dass das eine oder andere journalistische Juwel wirklich prominenter platziert wird und so die Marke des jeweiligen Mediums stärkt.

Vermutlich sind die Konsequenzen dieser Massnahme aber weitreichender: Google signalisiert den Verlegern damit, dass sie durchaus austauschbar sind. Eine erfolgreiche Newswebsite kann man sehr gut auch nur mit Agenturmeldungen und eingekauften Videos betreiben, wie US-Marktführer Yahoo News es seit Jahren vormacht. Wenn die Verleger nicht damit zufrieden sind, dass Google ihnen Traffic bringt, kann Google auch anders.

Noch wichtiger: Dieser Schritt könnte eine Vorbereitung für die längst überällige Kommerzialisierung des bisher werbefreien Google News sein. Bisher konnten sich die Verleger damit trösten, dass Google mit seiner Newswebsite wenigstens kein Geld verdient. Wenn Google das ändern will (und davon kann man wohl ausgehen), wird es ein Vorteil sein, auf einen grossen Stock selbst gehosteter Inhalte zurückgreifen zu können und die Links zu Zeitungswebsites nur als Garnitur zu führen. Damit wird es Google erheblich leichter fallen, die Produkte konfrontativer Medienhäuser ganz aus dem Suchindex zu werfen.

Vielleicht wünschen sich die Zeitungsverlage in ein paar Jahren wehmütig die gute alte Zeit anno 2007 zurück, als sie noch so schön viel Internet-Traffic von Suchmaschinen bekommen haben. Wer seinen Platz im Internet-Ökosystem nicht kennt und akzeptiert, muss vielleicht bald mit totaler Marginalisierung leben.

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