Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Es ist Klimadebatte in der FAZ. Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat dort einen Text veröffentlicht, in dem er sich die sogenannten Klimaskeptiker vornimmt und den Medien Desinformation in Sachen Klimawandel vorwirft.

Und die Angegriffenen wehren sich: Dirk Maxeiner, Wolf Lotter, Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Josef Reichholf und Wolfram Weimer, wiederum in der FAZ. Das Dokument der Verteidigung ist allerdings aggressiv und auch sonst eine eher schwache Replik, voll mit lauten Begriffen und Floskeln, bei denen man unwillkürlich skeptisch wird, wie Stefan Niggemeier zutreffend anmerkt.

Nun ist auch Rahmstorfs Text nicht frei von solchen Stellen. Er endet zum Beispiel mit einem Satz, bei dem ich ebenfalls von einer Sekunde auf die andere misstrauisch werde:

“Wir alle, vor allem aber unsere Kinder und Enkel, könnten dafür einen hohen Preis bezahlen.”

Danach kann man ja nichts mehr erwidern, oder? Weiter oben im Artikel heißt es:

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Konsumenten wollen relevante Werbung, auch im Fernsehen

Interessanter Artikel in der BusinessWeek: TiVo, der in den USA führende Hersteller von digitalen Videorekordern (DVR) wertet regelmässig aus, welche Werbespots die TiVo-Benutzer überspringen und welche sie sich trotz dieser Möglichkeit trotzdem anschauen. Die Ergebnisse sind ziemlich glaubwürdig, weil sie nicht auf Umfragen beruhen, sondern auf dem realen Verhalten von 20’000 TiVo-Haushalten.

Die überraschende Erkenntnis: Die Leute schauen sich nicht etwa die kreativen Wunderwerke aus den führenden Werbeagenturen an, sondern oft recht bescheiden gemachte, aber sehr zielgerichtete Spots. Unter den führenden dabei sind etwa Infomercials für Fitnessgeräte und Mietmöbel sowie Werbung für Traumstrände in der Dominikanischen Republik oder gar für Steuerberatung. Eher in dieser Liste zu erwarten waren natürlich die Spots für die Restaurantkette “Hooters”, die für ihre, äh, besonders freundliche Bedienung bekannt ist. Aber preisgekrönte, Cannes-Löwen-gewinnende Werbefilme aus der Kreativecke sucht man in der Liste vergeblich.

Nun weiss man ja, dass der grosse Erfolg von Google nicht zuletzt darauf beruht, dass die Suchmaschine ihre Werbeeinblendungen nicht einfach an den Meistbietenden verkauft, sondern auf Relevanz achtet. Welche Werbelinks auf einer Google-Resultatseite zuoberst erscheinen, hat nicht zuletzt damit zu tun, wie nutzenstiftend der jeweilige Hinweis für den User sein dürfte. Das hat zur Folge, dass Google viele Werbeklicks kriegt und damit viel Umsatz macht.

Offensichtlich scheint dieses Prinzip auch in anderen Medien seine Berechtigung zu haben. Die Konsumenten schauen sich am liebsten Werbung an, die sie in einem konkreten Bedürfnis anspricht und nicht einfach schön, lustig oder unterhaltsam ist. Wer hätte das gedacht?

Falls sich solche Resultate weiter erhärten sollten, kann man sich schon mal auf viel Unruhe in der Werbebranche freuen. Werber sehen sich ja gern als Künstler/Entertainer/Psychologen und beziehen mehr persönliche Befriedigung aus Kreativitätspreisen als aus der Tatsache, dass sie ihren Kunden zu höheren Umsätzen verhelfen (falls sie das überhaupt schaffen — das kann man ja zum Glück nicht so genau messen). Generationen von Werbern haben ihre Kunden mühsam dazu erzogen, dass diese an den Wert von Kreativität glauben und die hierfür nötigen fetten Budgets für spassige Drehs an exotischen Orten bewilligen.

Das Internet wurde da schon lange als lästiger Störenfried wahrgenommen, weil es messbar machte, wie die Leute tatsächlich auf Werbung reagieren. Aber das war ja zum Glück nur im verhältnismässig kleinen Ghetto der Online-Werbung, die man immer noch als Sonderfall abstempeln konnte. Wenn aber nun Daten aus der richtigen Welt auch noch die Party in der Königsdisziplin Fernsehwerbung verderben, hört der Spass aber auf. Denn wer wird schon Werber, weil er gerne langweilige Infomercials macht? Wo kommen wir denn da hin, wenn alle Werbekunden nur noch Effizienz verlangen?

Exklusiv:
50 Einladungen zur Beta-Version von Zattoo

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Wie berichtet, hat der Internet-TV-Dienst Zattoo gerade seine geschlossene Beta-Phase für Deutschland gestartet. Eine Beta-Invitation erhalten haben bisher lediglich eine ausgewählte Zahl an Usern, die sich in den vergangenen Monaten auf der Zattoo-Website angemeldet hat.

Als erster und bisher einziger Blog hat zweinull.cc Einladungen für die deutsche Version von Zattoo! » weiterlesen

Weltwoche und SVP Unheilige Allianz gestärkt

Am 30.06.2007 fragten wir uns, ob die Weltwoche noch als unabhängiges Blatt bezeichnet werden könne, wenn der stellvertretende Chefredaktor zusammen mit einem bekannten Parteiexponenten Interviews führt.

Am 12.07.2007 konnten wir feststellen, dass Ex-Welt-Chefredaktor Roger Köppel kein Problem damit hat (auch wenn dieses Vorgehen ein Einzelfall blieb) und die Kritik daran als das Geplärre einer Dorfmusik sieht.

Heute sahen wir im Weblog infamy eine Ankündigung eines Referats von “Herrn Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche“:

Roger Köppel

Update am 05.09.2007, 9:10 Uhr, Stellungnahme von Roger Köppel.

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IFA 2007 live:
Die Mediatheken von ARD und ZDF

Das ZDF hat schon länger eine (und zur IFA eine neue Version davon herausgegeben), die ARD wird ihre noch dieses Jahr online stellen: eine Mediathek. Wir haben uns an den IFA-Ständen dazu beraten lassen.

IMG 4879Zuerst von der ARD. Eine freundliche junge Frau empfängt mich stehend an einem in die Wand eingelassenen Bildschirm. Inhalt: Ein Browser mit der neuen ARD -Mediathek, ohne Befehlszeile und ohne anderes Drumrum. Ich klicke etwas rum, sie gibt mir Infos. Noch dieses Jahr soll die Mediathek online gehen, täglich produziert wird sie bereits. Man wolle noch ein paar Bugs ausschliessen, bis man online gehe. Nein, diese Mediathek sei eine Eigenentwicklung, mit der vom ZDF habe sie nichts zu tun. Auch wenn sie auf dem Blick ähnlich aussieht.

Man merkt schon: Geld spielt bei der ARD nicht wirklich eine Rolle. Man hat es und man gibt es auch aus. Schon beim Eintritt in die Halle bekommt man ein etwas sakrales Gefühl. Alles so gross da, bei der ARD :

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Stockender Verkehr im Netz – doch wer ist schuld?

Was haben Dienste wie Joost, YouTube oder Deezer gemeinsam? Sie bringe die Datenleitungen zum Glühen. Mit der zunehmenden Verbreitung schneller Internetzugänge sowie der Entwicklung neuer Web-Technologien bieten immer mehr Internetanbieter überall auf der Welt multimediale Inhalte an. Viele zum Streaming, manche zum Download, aber immer handelt es sich um Daten beachtlichen Ausmaßes, die besonders in der Summe signifikant ins Gewicht fallen. Die Belastung der weltweiten Internetleitungen durch Videos, Musik und andere trafficintensive Inhalte hat in den letzten Wochen zu intensiven Diskussionen geführt. Vor allem Internetprovider würden sich gerne von den Verursachern der enormen Datenlasten – also den Video-/Audio-Dienste und Web-2.0-Angeboten – den Datendurchsatz bezahlen lassen. Andere wiederum sehen die Gefahr, dass all die datenintensiven Inhalte das Netz verstopfen und es in Notfällen nicht mehr richtig genutzt werden kann. Während die Frage der Netzneutralität vermutlich noch eine Weile ungelöst bleiben wird und ich darauf auch nicht weiter eingehen möchte, so ist selbst für die Nutzer multimedialer Webangebote noch lange nicht alles perfekt. » weiterlesen

Sony beerdigt seinen proprietären Online-Musikladen

Am Rande der IFA in Berlin machte Sony eine Ankündigung, die vielleicht etwas unerwartet kommt, aber kaum überrascht: Connect, der Online-Musikladen des japanischen Elektronikgiganten, wird demnächst geschlossen.

Sony hatte diesen Verkaufskanal vor gut zwei Jahren gestartet. Schon damals konnte man sich über die Strategie nur wundern: Connect verkaufte Musiktitel in einem Format, das nur Sony-Geräte abspielen konnten. Das machte Marktführer Apple zwar nicht viel anders, aber als Marktführer (mit einem MP3-Player-Marktanteil über 70%) kann man sich das eben eher erlauben.

Stattdessen wird Sony jetzt, wie alle Nicht-Apple-Anbieter, auf Microsofts Windows-Media-Format setzen und den Gerätekäufern “erlauben”, auch Content von anderen Online-Stores herunterzuladen.

Es ist beinahe schon bewundernswert, wie Sony hier schon wieder den Anschluss verpasst: Denn dieser Schritt kommt wohlgemerkt in einem Moment, da die Branche beginnt, auf kopierschutzfreie Formate umzuschwenken. Apple, Walmart und bald auch Amazon.com bieten bereits DRM-freie Musik an, während sich Sony wieder mal zielsicher hinter den fahrenden Zug wirft und auf vorgestrige Konzepte setzt.

Wohlgemerkt: Ich halte Sony weiterhin für einen exzellenten Hersteller von elektronischen Geräten, vor allem im Video- und PC-Bereich. Aber es ist schon beinahe tragisch, wie die Japaner im Content-Bereich einen strategischen Fehler nach dem anderen begehen. Dass Sony-Videokameras praktisch nur mit Sony-Zubehör funktionieren, mag für Konsumenten ja noch knapp akzeptabel sein. Aber dieses Prinzip auch auf die Inhalte zu übertragen, ist nun wirklich absurd. Und offensichtlich extrem erfolglos.
Da wirkt Sonys heutige Ankündigung, dass man jetzt auch bei Online-Filmdownloads gross einsteigen will, beinahe schon amüsant. Da werden sich Apple und alle anderen bestehenden Anbieter aber sicher fürchten — zumal Sony als Geheimwaffe lediglich die an äusserst dünnen Verkaufszahlen leidende Playstation 3 in die Schlacht werfen kann.

Andererseits: Warten wir’s mal ab. Bisher hat niemand wirklich die Erfolgsformel für Videodownloads geknackt, was nicht zuletzt an den Filmstudios liegt, deren ängstliches Handeln letztlich nur die Piraterie fördert. Aber Sony als Besitzerin eines Filmstudios wird da auch kaum in der Lage sein, die Branche vereint zum Erfolg zu führen. Den führenden Filmstudios scheinen ihre Rivalitäten wichtiger zu sein als das proaktive Erschliessen neuer Märkte.

Zeitungsdämmerung

?Der Unterschied macht den Unterschied’, sagt Gregory Bateson. Eine schlichte kognitive Wahrheit, denn die menschliche Wahrnehmung funktioniert durch Differenzbildung: In einer Menge fällt uns jenes Gesicht auf, das sich durch seine Schönheit oder Hässlichkeit abhebt, in einem Wald bemerken wir nicht die einzelnen Bäume, sondern die Lichtung. Wie aber ist es heute in der Zeitungslandschaft?

Von Klaus Jarchow

Früher kaufte ich fünf, sechs Zeitungen, wenn ich informiert sein wollte. Weil die ideologischen Ansätze alle verschieden waren, weil jede Redaktion ihre Texte selber strickte, weil es noch ein eigenes Korrespondentennetz gab, weil die mediale Welt damals so multiperspektivisch war, wie es heute eigentlich nur noch die Blogosphäre ist. Gegenwärtig sind am Bahnhofskiosk die Titulaturen der Blätter zwar noch verschieden, die Überschriften und Texte aber haben sich immer mehr angeglichen.

Google News, der vielgefürchtete neue Mediendienst, führt für diese These den schönsten Beweis, weil er quasi alle Medienangebote in ihrer Gleichförmigkeit auf einem einzigen Bildschirm sammelt – am schönsten dann, wenn man die Suche ?unter Einbeziehung der übersprungenen Ergebnisse wiederholt‘.

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Lotta in Love Das Drehbuch aus der Kantine

Insidergeschichten übers Fernsehen erzählen, das kann nicht nur Roger Schawinski. Der Drehbuchautor Torsten Dewi hat in seinem Blog eine kleine Serie veröffentlicht, die in fünf Teilen die Geschichte der Pro-Sieben-Telenovela “Lotta in Love” erzählt – von der ersten Idee kurz vor dem Abflug in den Urlaub bis zur fertigen Serie. Das ist erhellend und aufschlussreich und ausgezeichnet geschrieben, so gut, dass man alle fünf Teile hintereinander liest, und so kurz, dass man das auch schafft. Ein Beispiel:

“(…) den Jahreswechsel 2005/06 verbrachte ich im tiefsten Schnee in einem kleinen Konferenzraum über der Kantine des Bavaria-Geländes. Mit den Dramaturgen zusammen arbeiteten wir gewöhnlich bis drei Uhr nachts, und der Hausmeister brachte ab und an einen Bottich Suppe, damit wir nicht zusammen klappten. Es waren die sechs härtesten Arbeitswochen meines Lebens, aber gerade die Intensität machte es leichter, den Fokus zu bewahren. Wir kamen wirklich voran.”

Und jetzt warten wir auf die Blogs und/oder Bücher von all den Schauspielern, Produzenten und Kabelträgern, die noch nichts erzählt haben über den Alltag hinter den Kulissen.

» Torsten Dewi über Lotta in Love: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Deutscher Herbst im Blätterwald

Die Herausforderung dieser Tage: Ein bekanntes Thema gut aufschreiben, einen neuen Dreh finden, nochmal gründlich nachdenken – und auch: Gut verpacken. Wir zeigen vier Editorial-Design-Beispiele.

Vor dreißig Jahren, im September und Oktober 1977, spielte sich der Deutsche Herbst ab. Folglich ist derzeit publizistisch einiges los. Vorgelegt hat die Zeit, die vergangene Woche ein Interview mit Helmut Schmidt aufgemacht hat (“Ich bin in Schuld verstrickt”).

Die Bilder aus dem Deutschen Herbst sind allgegenwärtig, erst im Frühjahr wieder ins kollektive Gedächtnis gerufen während der Kontroverse um die frühzeitige Haftentlassung Christian Klars. Die Fotos zeigen die immer gleichen Szenen, die immer gleichen Personen und das alles auch noch in körnigem schwarz-weiß. Also was tun?

raf was infografik2

Welt am Sonntag, 2.9.2007: Dossier (“Deutschlands Drama im Herbst 1977″) mit Infografik

Ins Detail gehen! Die Deutschlandkarte rechts oben weist den Weg: Die Infografik in der Welt am Sonntag zeigt das Gefängnis Stuttgart-Stammheim, wie es sich den Beamten am 18. Oktober 1977 darstellte. Der Aufriss Tote zeigt detailversessen den siebten Stock der Haftanstalt, die toten RAF-Terroristen in den herausgelöst und vergrößert dargestellten Zellen, auf dem Boden klebt noch Blut. Kleine Texte erklären anhand von Gegenständen (“Bett”, “Tatwaffe”), die in der Illustration durch Nummern angezeigt werden, das Ende der Terroristen.

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