Das Zeitalter des offenen, hackbaren Gadgets

Basteln war schon immer eine Leidenschaft der Menschheit. In steinzeitlicher Umgebung war der Drang zum Erfinden neuer Dinge vermutlich sogar eine Voraussetzung zum Überleben. Ob Modelleisenbahn, Strickdecken, getunte Autos oder MySpace-Seiten: Der moderne Mensch kanalisiert seine kreativen Instinkte gern in Selbstgemachtem. Das macht nicht nur Spass, sondern ist auch eine Form von Persönlichkeitsäusserung.

Bei elektronischen Geräten (abgesehen vom Über-Universalgerät PC) waren diesem Drang freilich bisher enge Grenzen gesetzt. Videorekorder, Mobiltelefone, Kameras, Stereoanlagen, MP3-Player — all diese Geräte kauft man als fertige Produkte, die sich ohne grossen Aufwand so gut wie gar nicht verändern und auf eigene Bedürfnisse anpassen lassen. Im Gegenteil: Manche Hersteller haben sogar enorme Fähigkeiten darin entwickelt, die Käufer von der Veränderung der Geräte abzuhalten. Als Beispiel sei nur der anhaltende Rüstungswettlauf zwischen Apple und den veränderungswilligen iPhone-Hackern genannt. Auch Router-Hersteller Cisco war nicht glücklich, als Hacker dank neuer (Open Source-)Firmware einem 60-Dollar-WLAN-Router plötzlich die Fähigkeiten eines zehnfach teureren Geräts verliehen und gibt sich seither alle Mühe, dieses unerhörte Treiben zu unterbinden.

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Niklaus Meienberg (Teil 4):
“Gefühle beim Öffnen der täglichen Post”

Heute erhält man Kommentare, doch früher erhielt man richtige Post – und dabei war nicht immer nur Papier, sondern manchmal auch Fäkalien im Glas. Niklaus Meienberg schildert seine Gefühle beim Erhalt dieser Rückmeldungen.

“Gefühle beim Öffnen der täglichen Post und Hinweis auf das ‘Interstellar Gas Experiment’ (Ein Tagebuch)”, so heisst der gesamte Titel des Artikels, der sich zwischen den Seiten 74 bis 85 im Sammelband Reportagen I entspinnt. Gleich zu Beginn wird ein Beispiel eines Leserbriefs, wie ihn Meienberg erhielt, erwähnt. Die durchaus witzige Zuschrift lautet so:

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Über die Schwierigkeit, im Web 2.0 unpopuläre Entscheidungen zu treffen

ProtestDreimal innerhalb von zwei Monaten haben Veränderungen bei großen Social Networks für Nutzerproteste gesorgt und den jeweiligen Anbieter schließlich teilweise einlenken lassen. Den Anfang machte im November Facebook mit dem Start seines Werbesystems “Beacon”. Knapp vier Wochen lang gab es für Beacon, das auf Facebook-Partnerseiten durchgeführte Aktionen im Facebook-Newsfeed anzeigt, keine Möglichkeit des generellen Deaktivierens. Erst nachdem sich zehntausende User in Protestgruppen formierten und das Thema umfangreich von US-amerikanischen und internationalen Blogs und Onlinemedien aufgegriffen wurde, gab Facebook-CEO Mark Zuckerberg nach, entschuldigte sich und ließ eine Funktion hinzufügen, mit der Facebook-Benutzer Beacon ausschalten können. » weiterlesen

Helmut Markwort:
Es gibt nichts Gutes, außer Litotes

Fingerfood für Mittelständler: Focus-Chefredakteur Helmut Markwort schreibt ein öffentliches Tagebuch. In seinem aktuellen Kommentar zur Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn spielt er virtuos mit den Fakten.

Helmut Markwort
Focus-Chef Helmut Markwort auf dem Münchner Mediengipfel ’04 (Bild: Keystone)

“Auf jeder Feier begegnest du dem Meier!” – dieser Satz wäre für einen Betroffenen nicht gerade schmeichelhaft. “Keine Feier ohne Meier!” aber, das ist – ganz abgesehen vom werblicheren Schmiss – schon ein anderer Schuh: Aus Meier, dem Unvermeidlichen, wurde Meier, der Unverzichtbare. Verantwortlich dafür ist die ‘Litotes’ oder die ‘doppelte Verneinung’.

Allerdings kann diese Redepirouette auch eine ganze Menge Blödsinn anrichten, weil sie ‘wahre Verhältnisse’ durch ihre logische Kreisbewegung verwirrt, obwohl sie nach den zwei Negationen wieder auf dem gleichen Punkt zu landen scheint.

Hier ein konstruiertes Beispiel aus der spekulativen Geschichtsschreibung: “Ohne den Führer gäbe es keine demokratische Bundesrepublik”.

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Grenzen austesten, Protest abwarten, Zugeständnis machen:
diesmal Xing

Xing LogoWie vor zwei Monaten angekündigt, hat das Business Network Xing mit der Vermarktung seiner Plattform begonnen. Nach den Nutzerprotesten rund um Facebooks Werbeprogramm Beacon und studiVZs AGB-Änderung bezüglich personalisierter Werbung wirkt das, was bei Xing gerade passiert, wie ein Déjá-vu: Wieder testet ein Social Network seine Grenzen aus (in diesem Fall: Gratis-Mitgliedern angezeigte Werbung auf den Profilen von Premium-Mitgliedern, teilweise für Konkurrenzfirmen), wieder kommt es zum Protest der einiger Benutzer, und wieder wird anschließend vom Social Network ein Schritt zurückgerudert (in diesem Fall: Opt-Out-Möglichkeit für Premium-Mitglieder, so dass keine Werbung mehr auf ihren Profilen erscheint). Wer an der ausführlichen Story interessiert ist, kann sie hier, hier oder hier nachlesen. » weiterlesen

Im Test:
Micky Maus

Auch die Micky Maus geht mit der Zeit: Micky fährt Snowboard und Dagobert will Dotcom-Unternehmen aufkaufen.

Micky Maus Titel

Im Test: Ausgabe 1/2008, 29.12.2007.

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Und noch ein Facebook-Fehltritt

Eigentlich denkt man ja, dass Startups gegenüber Grossunternehmen zumindest einen grossen Vorteil haben: Sie sind klein und nicht so hierarchisch, und daher können sie sich typischerweise intelligenter verhalten. Statt Bürokratie dominiert Flexibilität.

Das scheint allerdings nicht für Facebook zu gelten. Das Social-Network-Startup hält die Kadenz seiner Fehltritte auch im neuen Jahr hoch: Nach allerlei Skandälchen hinsichtlich der neuen Werbeformen auf Facebook noch in den letzten Wochen hat sich Mark Zuckerbergs Firma heute erfolgreich damit blamiert, A-List-Blogger Robert Scoble von der Website zu verbannen. Die ganze amerikanische Blogosphäre ist in Aufruhr, und natürlich gibt es auch schon die eine oder andere “Rettet Scoble”-Supportgruppe — auf Facebook, versteht sich. » weiterlesen

Slopsbox:
Pirate Bay startet praktisches Tool für Web-2.0-Freunde

SlopsboxAuf das von The Pirate Bay im Mai 2007 angekündigte Videoportal müssen wir zwar noch immer warten, aber auch so wird deutlich, dass der berühmt-berüchtigte BitTorrent-Tracker aus Schweden sein Tätigkeitsfeld vergrößern möchte: Mashable weist auf Pirate Bays neues Projekt Slopsbox hin, mit dem sich schnell und einfach Wegwerf-E-Mail-Adressen erstellen lassen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern wie Spambox muss bei Slopsbox die Wegwerf-Adresse nicht erst manuell generiert werden, bevor sie funktioniert. Stattdessen stellt Slopsbox eine Reihe von Domains bereit, die mit einem beliebigen Aliasnamen plus @-Zeichen sofort einsetzbar sind. » weiterlesen

6 über 2008

Traditionelle Medienkonzerne gehören auch 2008 zu den grossen Verlieren, und zwar schlimmer denn je
(medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
“Sorry, aber weder die Musik-, noch die Film-, noch die Zeitungs-, noch die Fernsehbranche haben 2007 irgendeinen Hinweis darauf gegeben, dass sie digitale Medien verstehen und eine brauchbare Strategie für den Umgang mit diesem Phänomen haben.”

Die Trends des Jahres 2008 – Versuch einer Vorhersage
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
“Diese Berufsstandsbeamten, für die ich mich als Journalist schämen muss, werden leider auch im neuen Jahr nicht verstummen – im Gegenteil. Ihre Angriffe werden heftiger werden, sollte die Konjunktur kippen – und dafür spricht viel.”

Orakel 2008
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
“Für Schlagzeilen dürfte die Musikindustrie sorgen. Es sieht ganz so aus, als ob dort die Probleme mit den Künstlern größer werden, als die mit den Käufern.”

Ins Nichts
(blogbar.de, Don Alphonso)
“2008 wird das Jahr der Exits. Ich vermute mal, dass bekanntere Blogger vermehrt nach Chancen suchen werden, schnellstmöglich umzusteigen, sich als Berater andienen oder nach Aufträgen für Verwandtes suchen. Damit noch etwas kommt, wenn man begriffen hat, dass nichts mehr kommt.”

Wird 2008 zum Jahr der Privatsphäre?
(mrtopf.de/blog)
“Wenn etwas das Thema 2008 werden kann, dann sicher die Privatphäre, denn es brodelt an vielen Stellen. Manche Themen sind heute schon aktuell und werden ins neue Jahr getragen werden, andere Dinge sind noch nicht akut, könnten es aber dennoch werden.”

“In 2008, a 100 Percent Chance of Alarm
(nytimes.com, John Tierney)
In 2008, your television will bring you image after frightening image of natural havoc linked to global warming. You will be told that such bizarre weather must be a sign of dangerous climate change ? and that these images are a mere preview of what?s in store unless we act quickly to cool the planet.”

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Annus horribilis für Zeitungsaktien:
Die Disruption schlägt zu

Wie neulich schon mal beschrieben: Wer Geld an der Börse machen will, sollte derzeit vermutlich nicht in Aktien von Zeitungskonzernen investieren.

Eine Analyse von “Newsosaur” Alan D. Mutter für den amerikanischen Markt zeigt aber erst auf, wie gross das Problem wirklich ist. 2007 verloren die börsennotierten amerikanischen Zeitungsunternehmen nicht weniger als 26% ihres Wertes — oder total die Kleinigkeit von $11 Milliarden. Über die letzten drei Jahre gerechnet summiert sich die Kapitalvernichtung sogar auf volle $23 Milliarden oder einen Wertverlust von 42%. Das wohlgemerkt in einer Zeitspanne, in der die Konjunktur brummte und der Gesamtmarkt um mehr als 20% anstieg. Einzige Ausnahme waren die Aktien von Dow Jones (Herausgeberin des Wall Street Journal), deren Preis im Übernahmekampf mit Rupert Murdoch hochgetrieben wurde.

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