Formate im Internet “Zeigen, was man machen kann”

Das Interview-Magazin Folge ist anders: In aufwendig produzierten Filmen werden Persönlichkeiten vorgestellt. Interviewgäste und Macher haben sichtlich Spaß daran.

Mit großem Brimborium werden auf der IFA gerade neue Onlineplattformen präsentiert – auf denen dann doch nur die bekannten Sendungen laufen. Währenddessen schneidet Frerk Lintz an der vierten Ausgabe des Interview-Magazins Folge, fünfzehn Minuten lange Filme, die es im Internet zu sehen gibt.

Schauspieler Axel Prahl, Radiomoderator Klaus Fiehe, Designer Mario Lombardo und der Koch Otto Pfeiffer werden in den ersten vier Ausgaben vorgestellt, in einer Mischung aus Interview und dokumentarischen Aufnahmen. Mit bis zu drei Kameras ist das kleine Team unterwegs, aus vielen Stunden Rohmaterial werden die Filme in Final Cut Pro montiert. Dabei wird viel Wert gelegt auf gut eingerichtete, schöne Bilder. Das kann dauern, “lieber länger brauchen und Arbeit investieren, als schnell und huddelig”, sagt Lintz. Dafür unterscheiden sich die Interviews von allem, was es in Deutschland online gibt.

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Folge #2, Axel Prahl: Charismatiker des Alltags, Superstar der kleinen Gesten

“Das dollste Ding auf dem Planeten” » weiterlesen

Deutsches Facebook-Netzwerk wächst erstmals um 1000 Nutzer pro Tag

facebook_logo.gifZum ersten Mal ist das Facebook-Netzwerk “Germany” innerhalb eines Tages um 1000 Mitglieder gewachsen. Waren am gestrigen Donnerstag gegen 13:00 Uhr 65.800 Nutzer im Deutschland-Netzwerk eingetragen, so betrug die Mitgliederzahl heute zur selben Zeit 66.800. Der durchschnittliche Zuwachs in den vergangenen Wochen lag bei rund 500 Usern täglich. Jeder Facebook-Nutzer kann einem beliebigen nationalen Netzwerk beitreten (muss dies aber nicht). Zwar sind nicht alle der 66.800 User im Germany-Network in Deutschland zu Hause. Auf der anderen Seite hat sich nicht jeder Nutzer aus Deutschland im entsprechenden Netzwerk angemeldet. Die Mitgliederzahl der nationalen Netzwerke gibt somit keine Aussage über die absolute Zahl an Facebook-Usern in einem bestimmten Land, ist aber ein geeigneter Trendmesser. » weiterlesen

Reality-Show mit Natascha Kampusch

Die Flucht von Natascha Kampusch vor einem Jahr war für viele ein Wunder: Nach acht Jahren erzählt eine clevere und schlagfertige junge Frau von ihrem Martyrium und will mit ihrer Bekanntheit Entführungsopfern helfen. Das Interesse der Öffentlichkeit an ihrem Fall, den Medien sensationslüstern ausgeschlachtet haben, hat inzwischen zwar abgenommen. Doch ohne Rücksicht auf Ethik und Moral inszenieren einige Medien weiterhin eine Reality-Show mit Natascha Kampusch in der Hauptrolle.

Von Markus Kirchsteiger

Ein Jahr nach ihrer Flucht tritt Natascha Kampusch erneut an die Öffentlichkeit. In einem Interview (YouTube; oder hier zum Nachlesen) mit dem ORF-Journalisten Christoph Feuerstein erzählt die junge Frau, wie sie ihr neues Leben in Freiheit nach ihrer achtjährigen Gefangenschaft verbracht hat.

Knapp eine Million Zuseher in Österreich, fast zweieinhalb Millionen in Deutschland schauten zu. Auf RTL war das ein Marktanteil von 12,5 Prozent. So sehr die ersten Tage nach ihrer Flucht die Betroffenheit der Menschen geweckt haben – das Thema Natascha Kampusch und wie es aufbereitet wird nervt mittlerweile bereits viele. Dennoch geraten nicht nur Boulevardjournalisten, Zeitungsherausgeber und Buchautoren gerade ein Jahr danach in Versuchung, aus dem Fall Kampusch eine Cashcow zu machen. So veröffentlichte Natascha Kampuschs Mutter, Brigitte Sirny, vor kurzem ein Buch über die vergangenen neun Jahre.
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Bushs Justizministerium attackiert Netz-Neutralität

Das US Departement of Justice, Präsident Bushs Justizministerium, hat sich öffentlich gegen die Netz-Neutralität ausgesprochen. Das Prinzip, wonach Netzwerkfirmen und Telcos jegliche Internet-Daten zu den gleichen Tarifen weiterleiten müssen, behindere “die Entwicklung des Internets”.

Ich kann nicht anders, als mir an den Kopf zu greifen: Bushs Truppe richtet weiterhin unkorrigierbare Schäden an, und niemand scheint die Kraft zu haben, sie zu stoppen. Der jüngste Streich liest sich, als ob Grössen wie At&T und andere das Justizdepartement gekauft und zu ihrem Sprachrohr gemacht hätten: Der Vorschlag einer regulierten Netz-Neutralität, gewissermassen ein Wegerecht für jegliche Internet-Daten, behindere die Entwicklung des Internet, erklärt das Justizministerium in völliger Verdrehung der Argumentation, die just für diese Neutralität spricht. Die Netzanbieter sollen nach Ansicht des Department of Justice (DOJ) das Recht haben, unterschiedliche Tarife für unterschiedliche schnell weitergeleitete Daten zu verrechnen – und das DOJ argumentiert dabei laut Presseagenturen allen Ernstes mit Beispielen aus der Paket- und Briefpost, wo es ja auch unterschiedliche schnelle Services zu verschiedenen Tarifen gebe.

Eine Regulierung, argumentiert das DOJ, könnte Firmen von Investitionen in Infrastruktur abhalten und so die Entwicklung des Internet bremsen.

Experten sehen das genau umgekehrt. » weiterlesen

studiVZ-Klon vergräbt Fahne auf höchstem Berg der Türkei

studentsnberg.jpgEindrucksvolle Überschrift, oder? Und sie hält, was sie verspricht. Der studiVZ-Klon StudentSN (der damit natürlich im weiteren Sinne auch ein Facebook-Klon ist) weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, dass eines der Mitglieder mit 70 anderen Bergsteigern den höchsten Berg der Türkei (5.317 Meter hoch) erklommen und dort symbolisch eine studentSN-Fahne begraben hat. Die Aktion soll ein Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel setzen. Zitat des Bergsteigers: “Wenn wir mit der Umwelt gut umgehen, dann werden wir die Fahne nie wieder zu Gesicht bekommen.” » weiterlesen

Publiziert und vergessen

Ein schöner Text zum Thema “Breaking News” erschien neulich im O’Reilly-Radar. Der Autor, Dale Dougherty, äußert darin seinen Wunsch nach News-Webseiten, die ihm nicht nur den aktuellsten Stand eines Ereignisses in einem einzigen, ab und zu aktualisierten Artikel zeigen, sondern auch die Entwicklung einer Story im Zeitverlauf.

Das wäre online natürlich kein Problem, und ab und zu sieht man solche Timelines ja auch. Häufiger ist allerdings immer noch das komplette Gegenteil – so wie aktuell bei taz.de zu sehen. Dort ist ein Artikel wohl aus der Druckausgabe vom 03.09.2007 zu lesen, der sich mit den Drittsendelizenzen bei Sat.1 beschäftigt, über die sich der ehemalige Sat.1-Manager Roger Schawinski eher unfreundlich geäußert hat. Sein Vorwurf: Die Lizenzen würden nach medienpolitischem Klüngel vergeben – und die Sendungen, zu deren Ausstrahlung die Sender verpflichtet sind, für völlig überzogene Preise verkauft. Der taz-Artikel endet so:

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“T-Online hat über 50 Web-2.0-Portale evaluiert” – Kai Tietjen von Mister Wong im Interview

misterwong.gifViel ist in letzter Zeit passiert beim Social-Bookmarking-Portal Mister Wong. Für Gesprächsstoff sorgte die Diskussion um den Namen und das umstrittene Logo, die Internationalisierung und der Start der US-Version sowie zuletzt auch die Kooperation mit T-Online. Kai Tietjen, Gründer und Geschäftsführer von Mister Wong, hat sich Zeit für ein kurzes Interview genommen. » weiterlesen

iPhone, iPod Touch und Google Phone:
Spannende Zeiten bei den Mobilgeräten

200709051922Apples Ankündigung der neuen iPod-Linie heute dürfte wieder mal viel Bewegung in die mobile Multimedia-Welt bringen. Neben den aufgefrischten traditionellen iPods bringt der neue iPod Touch das Beste der iPhone-Technologie in den Medienplayer-Markt: Den beeindruckenden Touchscreen und die intuitive Benutzeroberfläche. Ausserdem ist das neue Topmodell mit WiFi und dem leistungsfähigen Safari-Browser ausgerüstet und tritt damit in direkte Konkurrenz zu den meisten PDAs und Internet-Tablets wie dem Nokia N800.

Wer sich wie ich schon ein iPhone gekauft hat, darf sich über die massive Preissenkung bei Apples Mobiltelefon ärgern. Nach gerade mal zwei Monaten den Preis um $200 (also einen Drittel) zu reduzieren, ist schon ein starkes Stück. Andererseits: Das waren dann halt $3 pro Tag Early-Adopter-Gebühr. War’s das wert? Ja, eigentlich schon. Aber vielleicht hätte ich für die vielen Demos, die ich in dieser Zeit geben musste, doch Eintritt verlangen sollen…

Mit den gesenkten Anschaffungskosten tritt das iPhone jetzt auch preislich auf Augenhöhe gegen BlackBerry, Treo und HTC-Geräte an. Die Börse interpretierte das heute noch kritisch, und es kann natürlich gut sein, dass Apple mit den Verkaufszahlen bisher nicht so zufrieden war, wie man das immer noch vorgibt. Aber viele, denen das Gerät bisher zu teuer war, dürften jetzt wohl schwach werden. Und das kann dem ganzen Smartphone-Markt nur gut tun. Ich kenne diverse Leute, die noch nie ein Smartphone hatten, aber sich die Anschaffung eines iPhone überlegen. Und wer mal so ein High-End-Gerät hatte, geht bei der nächsten Generation kaum zurück auf ein simples Telefon. Das dürfte dieses ganze Marktsegment ausweiten. Ob Apple am Schluss dabei der grosse Gewinner sein wird, bleibt hingegen weiterhin abzuwarten.

In dem Zusammenhang ist auch interessant, dass sich die Gerüchte rund um Googles angeblich in Vorbereitung befindliches “GPhone” zunehmend erhärten. Ich wäre da theoretisch an der Quelle, denn das Entwicklungsteam sitzt hier angeblich im gleichen Gebäude wie ich, gleich beim MIT um die Ecke, nur zwei Stockwerke tiefer. Aber den netten jungen Leuten, die immer im fröhlich in Google-Farben beleuchteten siebten Stock aus dem Auszug aussteigen, ist nichts zu entlocken.

Gerüchtehalber soll das GPhone ein eigenes, voll auf Linux und Java basierendes Betriebsystem aufweisen und — wenig überraschend — vor allem die diversen Google-Dienste in optimaler Qualität anbieten. Wenn die glaubwürdigeren Gerüchte auch nur zur Hälfte stimmen, könnte das Gerät in irgendeiner Form schon bald auf den Markt kommen und dürfte die Latte in Hinblick auf mobile Funktionalität um einiges höher legen. Und es soll angeblich nicht wie das iPhone auf einen einzigen Operator begrenzt sein, sondern mit jedem (GSM?-)Netz laufen.

Was beiden Entwicklungen gemeinsam ist: Hier versuchen zwei renommierte, einflussreiche, markenstarke Firmen, den Mobilfunkmarkt deutlich zu verändern. Beide versuchen auf ihre Art, die Spielregeln zu durchbrechen, die die Mobilfunkanbieter gerne weiterhin durchsetzen würden. Apple hat mit den Telefonfirmen Deals ausgehandelt, die ihresgleichen suchen, und die neuen Produktankündigungen zeigen deutlich, dass Steve Jobs die Grenze zwischen Medienplayer und Kommunikationsgerät bewusst weiter aufweichen will. Fehlt nur noch die VoIP-Software auf den Geräten. Und Google geht bekanntlich sowieso immer gern seinen eigenen Weg. Innovationen hinsichtlich Technologie und Businessmodell (mit mobiler Werbung?) dürften zu erwarten sein, wenn das Gphone wirklich kommt.

An eins muss man sich aber erinnern: Auch Microsoft trat vor Jahren mit ähnlichen Ambitionen an und wurde von den Mobilfunkanbietern weitgehend ausgebremst. Heute findet Windows Mobile zwar immer mehr Verbreitung, aber die Geräte folgen brav den etablierten Regeln, und viel Geld verdient Microsoft weiterhin nicht an der Sache. Bleibt zu hoffen, dass Apple und Google etwas erfolgreicher sein werden.

Fragen wir doch jemanden, der sich damit auskennt.

Es ist Klimadebatte in der FAZ. Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat dort einen Text veröffentlicht, in dem er sich die sogenannten Klimaskeptiker vornimmt und den Medien Desinformation in Sachen Klimawandel vorwirft.

Und die Angegriffenen wehren sich: Dirk Maxeiner, Wolf Lotter, Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Josef Reichholf und Wolfram Weimer, wiederum in der FAZ. Das Dokument der Verteidigung ist allerdings aggressiv und auch sonst eine eher schwache Replik, voll mit lauten Begriffen und Floskeln, bei denen man unwillkürlich skeptisch wird, wie Stefan Niggemeier zutreffend anmerkt.

Nun ist auch Rahmstorfs Text nicht frei von solchen Stellen. Er endet zum Beispiel mit einem Satz, bei dem ich ebenfalls von einer Sekunde auf die andere misstrauisch werde:

“Wir alle, vor allem aber unsere Kinder und Enkel, könnten dafür einen hohen Preis bezahlen.”

Danach kann man ja nichts mehr erwidern, oder? Weiter oben im Artikel heißt es:

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Konsumenten wollen relevante Werbung, auch im Fernsehen

Interessanter Artikel in der BusinessWeek: TiVo, der in den USA führende Hersteller von digitalen Videorekordern (DVR) wertet regelmässig aus, welche Werbespots die TiVo-Benutzer überspringen und welche sie sich trotz dieser Möglichkeit trotzdem anschauen. Die Ergebnisse sind ziemlich glaubwürdig, weil sie nicht auf Umfragen beruhen, sondern auf dem realen Verhalten von 20’000 TiVo-Haushalten.

Die überraschende Erkenntnis: Die Leute schauen sich nicht etwa die kreativen Wunderwerke aus den führenden Werbeagenturen an, sondern oft recht bescheiden gemachte, aber sehr zielgerichtete Spots. Unter den führenden dabei sind etwa Infomercials für Fitnessgeräte und Mietmöbel sowie Werbung für Traumstrände in der Dominikanischen Republik oder gar für Steuerberatung. Eher in dieser Liste zu erwarten waren natürlich die Spots für die Restaurantkette “Hooters”, die für ihre, äh, besonders freundliche Bedienung bekannt ist. Aber preisgekrönte, Cannes-Löwen-gewinnende Werbefilme aus der Kreativecke sucht man in der Liste vergeblich.

Nun weiss man ja, dass der grosse Erfolg von Google nicht zuletzt darauf beruht, dass die Suchmaschine ihre Werbeeinblendungen nicht einfach an den Meistbietenden verkauft, sondern auf Relevanz achtet. Welche Werbelinks auf einer Google-Resultatseite zuoberst erscheinen, hat nicht zuletzt damit zu tun, wie nutzenstiftend der jeweilige Hinweis für den User sein dürfte. Das hat zur Folge, dass Google viele Werbeklicks kriegt und damit viel Umsatz macht.

Offensichtlich scheint dieses Prinzip auch in anderen Medien seine Berechtigung zu haben. Die Konsumenten schauen sich am liebsten Werbung an, die sie in einem konkreten Bedürfnis anspricht und nicht einfach schön, lustig oder unterhaltsam ist. Wer hätte das gedacht?

Falls sich solche Resultate weiter erhärten sollten, kann man sich schon mal auf viel Unruhe in der Werbebranche freuen. Werber sehen sich ja gern als Künstler/Entertainer/Psychologen und beziehen mehr persönliche Befriedigung aus Kreativitätspreisen als aus der Tatsache, dass sie ihren Kunden zu höheren Umsätzen verhelfen (falls sie das überhaupt schaffen — das kann man ja zum Glück nicht so genau messen). Generationen von Werbern haben ihre Kunden mühsam dazu erzogen, dass diese an den Wert von Kreativität glauben und die hierfür nötigen fetten Budgets für spassige Drehs an exotischen Orten bewilligen.

Das Internet wurde da schon lange als lästiger Störenfried wahrgenommen, weil es messbar machte, wie die Leute tatsächlich auf Werbung reagieren. Aber das war ja zum Glück nur im verhältnismässig kleinen Ghetto der Online-Werbung, die man immer noch als Sonderfall abstempeln konnte. Wenn aber nun Daten aus der richtigen Welt auch noch die Party in der Königsdisziplin Fernsehwerbung verderben, hört der Spass aber auf. Denn wer wird schon Werber, weil er gerne langweilige Infomercials macht? Wo kommen wir denn da hin, wenn alle Werbekunden nur noch Effizienz verlangen?

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