“Lustig oder dumm?”

Das Thema lässt Blick nicht mehr los: nach der Ausländerwoche, in der nach dem deutlichen Ergebnis der Stimmbürger an den Wahlurnen eine Serie über Ausländer in der Schweiz lanciert wurde, versteckt sich die Zeitung nun wieder lieber hinter Aussagen und Aktionen klassischer Aushängeschilder. Nach den SVP-Politikern Blocher, Mörgeli und Maurer darf nun auch mal wieder ein alter und treuer Blick-Nachrichtenlieferant auf den Titel: Jürg Scherrer, Polizeidirektor von Biel, rechter Hardliner seit Jahrzehnten, sieht aus, als würde er in eine Tischbomben-Tröte blasen, doch der Text dazu sagt was anderes: “Polizei-Direktor frisst Minarett“. Daneben die Frage: “Lustig oder dumm?”. Gute Frage.

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Dienstleistungen für Classifieds:
Neue Startups

Vor bald zehn Monaten habe ich hier mal einen längeren Artikel darüber geschrieben, wie man in Zukunft mit Classifieds (Rubrikenanzeigen) noch Geld verdienen kann. Damals habe ich behauptet, dass die Publikation solcher Anzeigen mit der Zeit gratis sein wird und man primär an Dienstleistungen verdienen kann, die Transaktionskosten reduzieren und die Effektivität verbessern.

In den USA sind jetzt bereits mehrere Startup-Firmen aufgetaucht, die genau das tun: Sie helfen den Anzeigenkunden, ihre Online-Classifieds zu gestalten und auf mehreren Plattformen zu publizieren. Allerdings gibt es da noch viel Raum für Verbesserungen, weil die Dienstleistungen noch zu wenig weit gehen.

Mehr dazu <a href="http://onconvergence.typepad.com/on_convergence/2006/10/the_classifieds. » weiterlesen

Emerging Technologies Conference am MIT:
“Online Application Wars”

An der Emerging Technologies Conference am MIT (siehe vorhergehenden Beitrag) gab es unter anderem auch eine interessante Podiumsdiskussion zum Thema “Krieg der Online-Applikationen”. Ganz so schlimm wie der Titel vermuten liesse, ist es mit der Rivalität in diesem noch frischen Marktsegment allerdings auch wieder nicht, aber der Wettbewerbskampf scheint sich schon langsam aufzuheizen.

Alex Bard von Goowy Media sprach über die Webtop-Applikationen seiner Firma. Goowy versucht im Prinzip, die Funktionalität eines normalen Windows-Desktops mit Flash-basierten Applikationen nachzubauen. Der Funktionsumfang ist schon recht ansehnlich: E-Mail, Kalender, RSS-Reader, Filesharing und sogar ein paar Games sind schon vorhanden. Grössere Applikationen à la Spreadsheets fehlen aber noch.

37signals-Chef Jason Fried erläuterte, warum er den So-einfach-wie-möglich-Ansatz, den seine Firma für ihre webbasierten Applikationen verfolgt, für überlegen hält. 37signals bietet mit Basecamp, Backpack oder Campfire nützliche Projektmanagement-Anwendungen für die “Fortune 5’000’000″ an, wie Fried das formulierte. Seine Firma arbeite lieber mit kleinen Kunden zusammen, meinte Fried, weil Grossfirmen träge, faul und unflexibel seien. Zum Schlagwort “Monetization” hatte Fried eine ebenso erfrischend einfache Haltung: “You monetize things by charging for them.” 37signals verlangt Abo-Gebühren für die Benutzung ihrer Produkte und ist mit inzwischen 500’000 Usern schon erstaunlich erfolgreich.

Der wohl erfolgreichste Anbieter von web-basierten Applikationen ist Salesforce.com mit seiner Linie von abonnierbaren CRM-Anwendungen. Kürzlich hat Salesforce.com seine AppExchange-Plattform vorgestellt, mit der Drittfirmen zusätzlich Anwendungsmodule für die CRM-Lösung entwickeln können. Salesforce.com-Partnermanager Adam Gross sah durch solche Angebote eine Renaissance der Applikationsentwicklung anbrechen. Für die Entwickler wird es durch webbasierte Plattformen extrem einfach, neue Produkte zu bauen und an eine grosse Kundengruppe zu vertreiben. Die Innovationen der letzten 10 Jahre in der IT seien sowieso nicht mehr von Microsoft, Oracle oder SAP gekommen, meinte Gross, sondern fast ausschliesslich von web-orientierten Firmen.

Google war vertreten durch Paul Rademacher, den beinahe legendären Programmierer des wohl ersten populären “Mash-ups” Housingmaps.com. Rademacher sagte, Google hätte mit Google Maps das Spiel bei den kartenbasierten Applikationen schon zwei Mal komplett verändert: Einmal mit einer der ersten AJAX-basierten Benutzeroberflächen und dann mit der Öffnung der APIs für Drittanbieter. Es sei klar Googles Ziel, so Rademacher, ein Ökosystem von Entwicklern um Googles Webplattform herum zu entwickeln. Aber auch Google wisse nicht wirklich, wo die Reise hingeht, meinte er, man experimentiere darum bewusst mit ganz verschiedenen Ansätzen. Seine Langfristprognose: Der Browser als eigenständige Applikation wird verschwinden, weil webbasierte Anwendungen so selbstverständlich werden, dass sie voll ins Betriebssystem eingebunden werden. War das vielleicht ein Hinweis auf Googles künftige Pläne in diesem Bereich?

Schliesslich war auch noch Amazon.com in der Runde dabei, repräsentiert durch Adam Selipsky, der für “Developer Relations” zuständig ist. Amazon biete seine neuen Webservices darum offensiv an, so Selipsky, weil man vielen Developern bei der Lösung alltäglicher Infrastrukturprobleme helfen wolle und so teilhaben könne an der Innovationswelle, die die Web-Community derzeit erlebt. Wie man damit Geld verdienen könne, wisse man auch noch nicht so genau, sagte er, aber “somewhere in there will be a good business for us”. Das grösste technische Problem bei Amazons Webservices ist die natürliche Latency der Internet-Kommunikation, die beispielsweise webbasierte Speicherdienste nicht für jede Anwendung brauchbar machen. Darum gehöre die Zukunft möglicherweise hybriden Applikationen, meinte Selipsky.

Microsoft war zwar zu dem Panel eingeladen worden, stellte aber keinen Vertreter. Die Teilnehmer waren auch nicht gerade gut auf den Riesen aus Redmond zu sprechen, und insbesondere die Entwickler beklagten sich über die fehlende Stabilität des Internet Explorer.

Über eins waren sich die Teilnehmer aber einig: Webbasierte Anwendungen werden traditionelle Betriebssysteme keineswegs ersetzen, sondern in immer grösseren Bereichen ergänzen. Die Grenzen zwischen Desktop und Web verschwimmen immer mehr, und jede dieser Welten kann man zunehmend dafür einsetzen, wofür sie sich am besten eignet. Weil webbasierte Applikationen aber so einfach auszurollen sind, verschiebt sich das Gleichgewicht der Kräfte weg von IT-Abteilungen und grossen Softwarekonzernen hin zum Enduser und auch zu flexiblen kleinen Softwarefirmen. Eine wichtige Rolle kommt dabei aber möglicherweise den Internet-Riesen à la Google oder Amazon zu, die solide Basisinfrastruktur für die Nutzung durch andere betreiben.

Emerging Technologies Conference am MIT:
Amazon mutiert zur Infrastrukturfirma

Diese Woche fand hier am MIT in Boston die Emerging Technologies Conference der MIT-Hauszeitschrift Technology Review statt. Die Sprecherliste war durchaus illuster: Amazon-Chef Chef Bezos, AOL-CEO Jonathan Miller und diverse weitere Prominente aus der Online-Szene und anderen Technologiebereichen waren da. Die meisten Beiträge sind übrigens beim Technology Review online als MP3 oder Vlog abrufbar.

Jeff Bezos kennt man ja normalerweise als quirligen Verkäufer, diesmal wirkte er aber dem Umfeld entsprechend ziemlich nüchtern und “nerdig”. Er sprach nicht darüber, wie man am besten Bücher online verkauft, sondern über Amazons neue Webservices, die bisher ausschliesslich für Entwickler offen stehen.

Schon länger bietet Amazon ja offene Web-APIs zum Produktkatalog und zu seinen E-Commerce-Funktionalitäten an. Neu sind aber Dienste, die sehr generische Funktionalitäten abdecken und Amazons massive Server-Infrastruktur nutzen (nach eigenen Angaben hat Amazon bisher mehr als $2 Mia. in Technologie investiert):

S3 (Simple Storage Service) ist im Prinzip eine effiziente Datenablage im Netz. Die User dieses Dienstes können per API beliebige Datenobjekte auf Amazons Serverfarmen abspeichern und zahlen dafür ein paar Cents an Gebühren. Der Fotoservice Smugmug ist einer der ersten User. Noch interessanter ist EC2 (Elastic Compute Cloud): Hier kann man sich einen virtuellen Linux-Server mieten und zahlt lediglich 10 cents pro CPU-Stunde, keine Einrichtungskosten und keine monatlichen Gebühren. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Vom einfachen Webhosting bis zu virtuellen Testumgebungen für massiv parallele Serveranwendungen ist alles denkbar (und laut Bezos auch schon ausprobiert worden).

“We build muck so you don’t have to” fasste Bezos die Motivation für diese Dienste zusammen. Web-Startups verbringen seiner Erfahrung nach etwa 70% ihres Geldes und ihrer Zeit darauf, grundlegende Infrastruktur zu bauen. Das sollte nicht so sein findet Bezos. Stattdessen sollte auch “the kid in the college dorm room” in der Lage sein, eine Web-Anwendung mit massiver Serverinfrastruktur zu fahren, und zwar sofort und für wenig Geld.

Für Amazon stellt das keine grosse interne Änderung dar, sagte Bezos, weil man die ganze Infrastruktur sowieso betreiben muss. Aber das bleibt natürlich abzuwarten, denn falls diese Dienste wirklich sehr erfolgreich werden, verändert sich für Amazon das Geschäft potentiell schon recht stark.

Aber Amamzon bleibt nicht hier stehen, sondern arbeitet bereits an neuen Diensten: Als nächstes will man seine Versandlogistik mit dem Dienst “Fulfillment by Amazon” öffnen. Kleine Händler (die Amazon schon seit langem als virtuellen Marktplatz nutzen) können ihre Waren ans Amazon-Lagerhaus schicken, und dort wird dann der Versand an einzelne Kunden organisiert. Und natürlich verdient Amazon an jedem Vorgang ein paar Cents.

Im Interview sagte Jeff Bezos, dass auch in der Zukunft der weit überwiegende Teil der Verkäufe über physische Läden stattfinden wird. Diese natürliche Begrenzung des e-Commerce-Geschäfts will Amazon offenbar dadurch umgehen, jetzt frühzeitig eine breite Palette an anderen Leistungen aufzubauen.

Ferien mit Politikern

Manchmal passt alles so gut zusammen. Was man gestern in der Weltwoche-Medienkolumne (online nicht frei verfügbar) von Kurt W. Zimmermann gelesen hat, nämlich die freundlich-friedliche Koexistenz von Journalisten und Politikern in Kameraderie, findet man heute im Blick bebildert vor. “Buonos Dias aus Flims” heisst die Bildstrecke der heutigen Ausgabe im Ressort BlickPolitik auf Seite 6. Untertitel: “Der Käfer öffnet sein privates Fotoalbum”.

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Ausländerwoche beim Blick

Zum Ausländer-Report im Blick (jetzt auch online) wird wenig geschrieben. Einige läsen zwar lieber einen Schulmädchenreport, doch die meisten betrifft es nicht, weil sie den Blick nur lesen, wenn er herumliegt. Das machen nämlich alle, wie mir kürzlich versichert wurde.

Nach mehreren Wochen Wahlkampf gegen das Asyl- und Ausländergesetz und der darauffolgenden Niederlage eröffnete Chefredaktor Werner de Schepper diese Woche mit einem unglaublich opportunistischen “Referendum war linke Zwängerei”. Sie scheint ganz dem Ausländer in der Schweiz gewidmet:

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Blick:
Wende in Ausländerfragen

In den Jahren 1980 bis 1986, als Peter Übersax Chefredaktor des Blicks war, galt die Schweizer Boulevardzeitung als echtes Revolverblatt, mit viel Sex & Crime und einer ausländerfeindlichen Haltung. Nach dieser Ära wandelte sich das der Blick nach und nach in eine Zeitung mit “linksbürgerlicher Ausrichtung” (Wikipedia), der Boulevard verschob sich nach links (Kommentar bei Blattkritik).

Nun versucht der Blick offenbar, das von Peter Übersax geforderte “gesunde Volksempfinden” umzusetzen und kündigt in der heutigen Ausgabe “Der grosse Ausländerreport” an, eine Serie von noch unbekannter Länge, die bis sicher Samstag dauern wird.

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automatisierte Medienkritik

Printmedien im Internet werden immer mehr gelesen, gleichzeitig wächst die Kontrolle darüber. Einhergehend mit vielen neuen Watchblogs und Medienblogs spriessen nun in England die ersten Tools dazu.

John Leach hat so eins programmiert. Es nennt sich Newssniffer, teilt sich zurzeit in zwei Teile auf und hat sich der Überwachung der britischen Zeitungs-Websites BBC und Guardian verschrieben:

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TA-Media mit Hattrick

Wie Branchendienst persoenlich.com vermeldet, lässt das Schweizer Medienunternehmen TA-Media seit August dieses Jahres den Internetverkehr seiner Mitarbeiter überwachen. Grund dafür waren offenbar exzessive Nutzungen arbeitsfremder Sites wie hattrick.org, ein Online-Spiel, das nach eigener Erfahrung nur durch ständige Überwachung der virtuellen Fussballer sowie des angeschlossenen, nach dem Ebay-Prinzip funktionierenden Transfermarkts zum Erfolg führt.

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Heute, der neue Journalismus

Im Vorfeld seiner baldigen Bildschirmpräsenz stellte sich der hier erwähnte und von Heute als Egomane angekündigte MvH am 13.9.2006 per Chat der interessierten Öffentlichkeit (das Protokoll der Begegnung mit den Lesern ist online nachzulesen). Es ist darin zu erfahren, dass er neben seiner omnipräsenten Sonnenbrille auch noch eine richtig schöne andere Brille hat. Von mir kriegt er dafür ganz ernsthaft einen Style-Award, auch wenn er mich im Videoclip erinnerte an diesen silbergrauhaarigen Moderator mit den kleinen Äuglein, der bei einem deutschen Privatfernsehsender eine Show moderierte, in der es um Geld, Erfolg oder Adel ging, was weder ihn noch sonst jemand interessieren sollte, denn was soll das schon sagen, wenn einem nicht mal der Name einfällt. Wie er am Schluss des Chats zugab, überraschte ihn das hohe Niveau der an ihn gestellten Fragen, was Aufschluss geben könnte über seine Haltung zu Heute-Lesern.

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