Online Office:
Adobe Top, Microsoft Flop

Am 20. September stellte ich die Frage, wer angesichts der zunehmenden Popularität von Online-Textverarbeitung den Web-Office-Anbieter Zoho kaufen könnte. Am Rande erwähnte ich einige weitere Dienste in diesem Bereich, unter anderem auch Buzzword. Gestern wurde bekannt, dass Adobe das Unternehmen hinter Buzzword übernimmt und sich damit nach Google (Google Docs) und Yahoo (Zimbra) ein weiterer Technologiegigant seinen Anteil am erwartet großen Kuchen der Online-Office- bzw. Online-Software-Services sichern möchte. » weiterlesen

eBay im Sinkflug, Zennström tritt zurück:
Was wird aus Skype?

So schnell kann’s gehen im Internet-Business: Gerade noch war die allgegenwärtige Auktionsplattform eBay der unangefochtene König des eCommerce. Viele waren der Meinung, dass eBay nicht nur Online-Verkäufe, sondern die ganze Weltwirtschaft revolutioniert hat bzw. noch revolutionieren wird.

Ein paar Monate später sieht es schon wesentlich düsterer aus: eBays Besucherzahlen zumindest in den USA befinden sich im Sinkflug. Im Januar benutzten noch 80.7 Mio. User die Plattform, im August waren es noch 79.7 Mio. — während gleichzeitig die Zahlen der Konkurrenz deutlich stiegen. eBay musste gar Platz 5 im amerikanischen Ranking an Fox Interactive (u.a. MySpace) abgegeben.

Die Experten rätseln über die Gründe: Hat eBay den Anschluss verpasst und hätte früher ins Social Networking einsteigen sollen (denn mit seinen unzähligen treuen Usern wäre eBay da hervorragend positioniert gewesen)? Hätte man die antiquitiert wirkende Website früher auffrischen sollen? Oder sind die User einfach auktionsmüde geworden und kaufen sich lieber wieder was auf konventionellem Weg?

Und jetzt auch das noch: Heute ist Niklas Zennström zurückgetreten, der Gründer und bisherige CEO des von eBay vor zwei Jahren aufgekauften Internet-Telefonieanbieters Skype. Zennström wird sein Ausscheiden bei Skype (ausser in finanzieller Hinsicht) wohl kaum gross stören, er ist sowieso schon lange voll bei seinem neuen Startup engagiert, der Video-Plattform Joost.

Skype hatte es in letzter Zeit nicht leicht. Einem massiven Systemausfall im August folgen nun offenbar enttäuschende Geschäftszahlen. Die ursprünglichen Skype-Gründer und -Investoren bekommen vom Earn-Out, der zum Zeitpunkt der Akquisition auf maximal $1.7 Mia. festgelegt wurde, nur $530 Mio. Immer noch nett, aber weit von den erhofften Resultaten entfernt. eBay macht ausserdem eine Abschreibung von $1.4 Mia. auf Skype, fast 2/3 des ursprünglichen Cash-Kaufpreises. Die genauen Umsatzzahlen für Skype hat eBay noch nicht bekanntgegeben, aber man darf angesichts der Umstände davon ausgehen, dass sie nicht schön sein werden.

Wenn eBay da nicht aufpasst, könnte Skype in die Geschichte eingehen als typische Bubble-Firma: Viele User, viel Begeisterung, hohe Bewertung, aber leider kein Businessmodell, das dazu passt. Disruption ist prima. Aber wenn man sein Hauptprodukt gratis weggibt, bleibt immer die Frage, wie man am Schluss als Firma überlebt. Das mussten schon Netscape und unzählige Web-1.0-Firmen erleben.

“Ethik 2.0″ – Braucht Online-Journalismus neue Regeln?

Für gedruckte Presseerzeugnisse gilt der Pressekodex: Eine Zeitung oder Zeitschrift, die sich “danebenbenimmt” und bei der Berichterstattung unethisch arbeitet, kann vom Presserat eine Rüge erhalten. Doch wie ist es im WWW? Sind dort neue “Spielregeln” erforderlich?

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Paradox, wenn eine Online-Veranstaltung ausgerechnet in der “Print-Academy Heidelberg” stattfindet… (Bild: W.D.Roth)

Bei Online wird alles anders, so dachte man einst. In mancher Hinsicht stimmt dies. So kann man für journalistische Online-Angebote bislang nicht besonders erfolgreich Geld verlangen. Andererseits genießt Online längst höchste Aufmerksamkeit, was auch der Grund dafür ist, dass dieser Bericht über eine Online-Veranstaltung des Deutschen Journalistenverbands hier auf Medienlese.com erscheint und nicht etwa im gedruckten Verbandsorgan. Ungeachtet der Ansicht des 1. Landesvorsitzenden des DJV Baden-Württemberg Karl Geibel:

Journalisten sehen Blogs nicht als vertrauenswürdiges Medium an

Der dritte Kongress der Reihe Besser online ging unter dem Stichwort Ethik 2.0 primär der Frage nach, ob im Web andere, neue Regeln für Journalismus und Qualität gelten als auf totem Baum. Schließlich agieren die Online-Ableger etablierter Printmedien oft auf qualitativ niedrigerem Niveau, zeigen klickstark Boulevard und Busen, wo das Stammmedium eigentlich auf ernste Politik- und Wirtschafts-Themen setzt. Geht online also alles, oder herrscht Wildwest und es sind neue Regeln erforderlich?

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Medienblogcharts 9/07:
Verlinkungstendenz:
Negativ

An jedem ersten Montag im Monat erscheinen hier die medienlese-Medienblogcharts: Die Top 50 der Medienblogs in deutscher Sprache. Im September zeigt die Verlinkungstendenz steil nach unten: Die meisten Top-Blogs haben massiv Querverweise verloren.

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Verlinkungsgewinne und -verluste der Top 50 Medienblogs im September: Nur zehn Blogs legten zu, die meisten andern verloren massiv an Aufmerksamkeit.

Es ist ein Schlachtfeld: Mit wenigen Ausnahmen – darunter medienlese.com – haben praktisch alle Medienblogs im September massive Einbussen an Verlinkungen von andern Blogs hinnehmen müssen. Der flaue Blogsommer hat sich nachträglich in den Technorati-Rängen bemerkbar gemacht, jetzt, wo die deutlich spärlicheren Verlinkungen sich in der Statistik niederschlagen. Die kollektive Bilanz aller Top-50 Medienblogs im deutschsprachigen Raum beträgt minus 177 Drittblog-Verlinkungen.

Grade mal zehn der Top 50 Medienblogs konnten zwischen Kalenderwoche 35 und Kalenderwoche 39 weitere Drittblogs auf sich aufmerksam machen und erhielten von diesen zusätzliche Links – allen voran das “Swiss Metablog” mit 67 neuen Verlinkungen und einem Sprung von Rang 27 auf Rang 19 der Charts; auf dem zweiten Platz der Gewinner liegt medienlese.com mit Linksetzungen aus 45 neuen Blogs, was uns allerdings, hart an der Grenze zu den TopTen, nur einen Rang auf 13 vorwärts bringt.

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Gastbeitrag:
Der Stand des Web 2.0 in Japan

Das Web 2.0 in JapanHeute gibt es zum ersten Mal einen Gastbeitrag bei zweinull.cc. Serkan Toto, Deutscher mit türkischen Wurzeln, schreibt im Moment in Tokyo an seiner Doktorarbeit in Betriebswirtschaft. Er spricht fließend Japanisch und beschäftigt sich intensiv mit der japanischen Internet- und Web-2.0-Szene, deren Entwicklung er in seinem Blog Tokyotronic beleuchtet und analysiert. Für zweinull.cc gibt Serkan einen Einblick in das, was im Land der aufgehenden Sonne im Moment unter dem Label Web 2.0 abläuft.

Der aktuelle Stand des Web 2.0 in Japan

Japan genießt weltweit einen Ruf als absolutes Technologie-Mekka. Da scheint es umso verwunderlicher, dass abgesehen von Videospielen bisher nur wenige Anwendungen aus dem Software- und Internetbereich ihren Weg in den Westen gefunden haben. » weiterlesen

“Das Schweigen der Quandts”

Das Vermögen der Quandts, eine der reichsten Unternehmerfamilien in Deutschland, soll auch aus fragwürdiger Zusammenarbeit mit den Nazis stammen. Dass in Fabriken Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, so die NDR-Dokumentation “Das Schweigen der Quandts”, möchte die Familie weder kommentieren noch aufarbeiten.

Sonntag, 23:30 Uhr. Nicht Inge Meysel kommt im Ersten, wie es die Programmzeitschriften eigentlich voraussagen. Stattdessen läuft die Dokumentation “Das Schweigen der Quandts”. In der NDR-Produktion, die am Nachmittag auf dem Hamburger Filmfest uraufgeführt wurde, wird die Rolle der Akkumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft (AFA) und anderer Unternehmen Günther Quandts im Dritten Reich kritisch beleuchtet – und wie die Familie mit dem schweren Erbe heute umgeht: Schweigen.

Fünf Jahre haben Autor Eric Friedler und Barbara Siebert recherchiert. Puzzleartig fügten sich dabei die Informationen aus verschiedenen Archiven zusammen, verdichteten sich viele kleine Hinweise zu einer erdrückenden Faktenlage. Neben Historikern kommen in der Dokumentation auch Zeitzeugen zu Wort: Ehemalige Zwangsarbeiter, die für Quandts Unternehmen arbeiten mussten.

Nach der Aufführung auf dem Hamburger Filmfest bekamen Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Fiktion und Unterhaltung, und Eric Friedler viel Applaus. Sie haben eine packende Dokumentation präsentiert, aufwendig und gut produziert. Ein Film, der viele der Anwesenden sprachlos macht – und in den kommenden Tagen sicher einiges an medialer Aufmerksamkeit erhalten wird. Auf die einstündige Fassung soll eine um 30 Minuten erweiterte Version folgen, zu der es dann auch Pressearbeit geben soll.

Jetzt aber ist der Film erst mal draußen – ein echter Coup für die ARD. Viel bekannt gegeben wurde im Vorfeld nicht. Im Programm des Filmfestes fehlten Angaben zu Autoren und zum Namen der Unternehmerfamilie, die im Mittelpunkt der Doku steht, völlig. Ähnlich gut getarnt versteckt sich die Sendung im ARD-Programm hinter Inge Meysel. Angst haben die Macher trotzdem nicht: Der Film sei schließlich sauber recherchiert. Friedler wünscht sich für die ehemaligen Zwangsarbeiter und Geschädigten, dass die Familie Quandt die Geschichte ihrer Unternehmen anerkennen und hofft auf unabhängige Aufarbeitung.

Nachtrag 1.10.2007, 9 Uhr:

Beschreibung im Programm des Hamburger Filmfests:

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medienlese – der Wochenrückblick

Der Blick offerierte seinen Lesern einen in drei Altersklassen aufgeteilten Test, um herauszufinden, ob sie vielleicht Idioten sind. Frage 1: “Arbeiten Sie in einem Büro mit Töggelikasten oder Pingpong-Tisch?” Frage 5: “Hattest oder hast du eine Vokuhila-Frisur?”. Frage 8: “Frau: Zwingen Sie ihn dazu?”. Die Auswertung ging so: “Mussten Sie in Ihrer Altersklasse mehr als vier Mal «Ja» antworten? Uiuiui. Bei Ihnen ist Hopfen und Malz fast verloren.” Dafür wurde aber gleich auch Lebenshilfe offeriert. Punkt 7: “Nehmen Sie diesen Test nicht zu ernst – Sie sind kein Idiot, schliesslich lesen Sie Blick Online. :-)”.

Richtig schöne Bildergalerien gab es diese Woche. Eine, die sich “Love is in the air” nannte. Und eine, die sich “So schön war?s beim Fernsehpreis” nannte.

Wir lieferten zwar 50 Zitate diese Woche, aber bild.de zeigte schnell mal, wie man das richtig macht und schrieb über den Abgang von eines CSU-Politikers: “Unter stehenden Innovationen verlies Edmund Stoiber das Rednerpult“.

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Es ist sehr viel Liste

Listen gehen gut. Nick Hornby hat es in seinem Buch “High Fidelity” treffend für Musik aufgeschrieben, bei Digg landen Webseiten mit Listen auf den ersten Plätzen. Eigentlich ist ja per se schon sehr viel Liste in einem Kinomagazin: Die Liste der Neustarts. Die Liste der Filme im Heft. Die gebündelt auftretenden Kurzbesprechungen. Es geht mehr, und die Cinema zeigt, wie.

cinemaoktober07

Auf der Titelseite schon 41 Bilder: Ordentlich was los in der Cinema (Ausgabe Oktober 2007)

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Xing relauncht Profilseiten – ansprechend!

Xing LogoDas deutsche Business Network Xing hat die Profilseiten der Mitglieder neu gestaltet. Allen enthaltenen Informationen wie Personenangaben, Berufserfahrung, Ausbildung und Kontaktdaten wurde erheblich mehr Platz spendiert und sie können nun direkt vom Profil aus editiert werden. Besonders ins Augen fällt die überarbeitete Kategorie “Berufserfahrung”, die nun sehr viel mehr an einen echten Lebenslauf erinnert und die Karrierestationen des jeweiligen Mitglieds stärker in den Vordergrund rückt. » weiterlesen

Sorry Jürg! Sorry Thomas! Sorry Leser!

Blick und SonntagsBlick erzählen gerne, dass sie sich von den Gratiszeitungen dadurch abheben, weil sie als unerschrockene Rechercheure gesellschaftliche Missstände aufdecken. Dafür sei die riesige Redaktion da. Und darum muss man auch Geld für ihre Produkte bezahlen. Aber ist das auch wahr? Die Fälle Thomas Matter, Jürg Maurer und die Fax-Affäre deuten auf ein Nein hin.

Schauen wir zuerst die heutige Blick-Titelseite an:

Blick Titel Samstag Jürg Maurer
Screenshot blick.ch

Jürg Maurer? Das ist “der frechste Pensionskassenverwalter der Schweiz“, der Ferien macht “wie ein Hollywood-Star”. So schrieb es Sandro Brotz am 19.08.2006 im SonntagsBlick.

Sandro Brotz? Das ist der Journalist, der zusammen mit Beat Jost die “Fax-Affäre” zu einem grossen Luftballon aufblies, der dann aber jämmerlich platzte. Der mit seinem unterdessen gefeuerten Recherchepartner ein in der eigenen Zeitung vorgestelltes Buch verkauft, das die Story, die gar keine Story ist, zum Thema hat (hier ein Interview mit den beiden aus der Gewerkschaftszeitung Comedia Magazin, Mai 2006). Der, wie Beat Jost und der unterdessen ebenfalls entlassene SonntagsBlick-Chefredaktor Christoph Grenacher auch, 20.000 Schweizer Franken “Schmerzensgeld” erhielt, weil er zu Unrecht vor ein Militärgericht zitiert wurde.

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