ORF:
Lahme TV-Ente in Not

Sinkende Einschaltquoten, eine missglückte Programmreform und jetzt erhöht der ORF auch noch die Rundfunkgebühren: Langsam aber sicher schlittert der öffentlich-rechtliche Sender in die Krise. Während Defizite in Millionenhöhe drohen, sucht ORF-Boss Alexander Wrabetz sein Heil in höheren Gebühren und Personaleinsparungen. Um den ORF zu retten, meinen Experten und Medienmanager, braucht es allerdings radikale Reformen.

Lahme Ente ORF?
Ist die Ente müde? (Bild [M] cc:maessive)

Seit Samstag ist es beschlossene Sache: Um 1,30 Euro im Monat steigt die ORF-Gebühr ab Juni 2008. Hart erkämpften musste sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz dieses Plus von 9,4 Prozent. Doch trotz sinkender Einschaltquoten fiel die Entscheidung im Stiftungsrat, dem Aufsichts- und Kontrollorgan des österreichischen Rundfunks, schließlich klar für die Gebührenerhöhung aus – mit 16 Ja- zu 12 Nein-Stimmen (bei zwei Enthaltungen).

Zahlreiche Experten und ehemalige Medienmanager fordern seit Monaten mehr Geld für den ORF. Die österreichischen Gebührenzahler allerdings sind wenig begeistert vom zusätzlichen Obolus. Zum Ärgern sind weniger die zusätzlichen 1,30 Euro pro Monat, sondern vielmehr die Negativschlagzeilen der letzen Monate, welche der ORF am laufenden Band produzierte. So können im Zuge der Umstellung auf Digital-TV 153.000 Haushalte den ORF nicht mehr empfangen. Wer sich einen neuen Decoder kauft, muss rund 40 Euro dafür berappen. Und nach der misslungenen ?größten Programmreform aller Zeiten? wollen rund 400.000 Menschen das neue Programm überhaupt nicht mehr sehen (siehe Marktanteil 2007). Eine Erhöhung der Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu diesem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, das ruft bei Vielen Unmut hervor.

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simfy:
mit Desktop-Uploader der Konkurrenz voraus

simfyDienste, die das kostenlose Speichern der eigenen Musiksammlung im Netz ermöglichen, gibt es mittlerweile viele. Deezer und Musana aus Frankreich, Ezmo aus Norwegen, MediaMaster aus den USA und simfy aus Deutschland (siehe unser Launch-Bericht) sind einige der Anbieter, die Internetnutzer davon überzeugen wollen, dass ihr MP3-Archiv (zumindest als Backup) ins Netz gehört, nicht (ausschließlich) auf die lokale Festplatte. Als regelmäßiger Benutzer verschiedener Rechner ist das ein Konzept, was mir sehr zusagt und von dem ich schön geträumt habe, als schnelle Breitbandanschlüsse für User sowie Datenverkehr im Terrabytebereich und flexibles Hosting für Anbieter noch ein Vermögen kosteten. Trotz aller Freude über die verbesserte Situation gibt es allerdings auch heute noch mindestens einen Aspekt, der sich als Hemmschuh für den Durchbruch in den Internet-Massenmarkt erweist: Der Uploadprozess. » weiterlesen

Kartenwechsel bei Premiere bestätigt:
Die nächste Runde im Schwarzseherkampf

Nicht nur ARD und ZDF jammern über nichtzahlende Zuschauer – auch dem Pay-TV geht es nicht besser. Das von Premiere verwendete Verschlüsselungsverfahren Nagravision ist in der gegenwärtig benutzten Variante anscheinend nicht mehr dicht zu bekommen – also gibt es bald mal wieder neue Karten.

Früher war es Ehrgeiz der Hacker, den bösen Leo Kirch auszutricksen, was sie motivierte, das Pay-TV Premiere zu hacken. Wenn man selbst ein gültiges Abonnement hat, ist das nicht mal strafbar. Andernfalls allerdings sehr, denn es gibt ein spezielles EU-Gesetz, Spitzname “Lex Leo”, das das Umgehen von Pay-TV-Verschlüsselungen unter weit höhere Strafen stellt, als es bei DRM, im Kino aufgenommenen Filmen und Tauschbörsen der Fall ist. Ertappte Karten-Hacker haben durchaus mit Knast zu rechnen, hier ist es keine reine Drohgebärde.

Premiere-Verschlüsselung

Premiere-Verschlüsselung


Gar nicht so einfach, an die Premiere-Programme zu kommen – für zahlende Kunden…

Heute ist es nicht mal mehr der böse Georg Kofler, den man auf dem Kieker haben könnte, da er nicht mehr Premiere leitet; auch gilt das Programm – im Gegensatz zur Anfangszeit von Kofler – als ziemlich uninteressant. Doch das Interesse an “Gehacktem” läßt deshalb nicht nach.

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Filmvorschau:
Quintett sucht Säge für Afghanistaneinsatz

Hunger auf Popcorn? Falls nicht: Die Filme, die morgen in den Kinos anlaufen, machen auch ohne Spaß. Und könnten unterschiedlicher nicht sein. medienlese.com hat für Euch drei Streifen ausgesucht.

Politischer ?Ladykiller? trifft ?Pretty Woman?

Charlie Wilson
Politisches Kino, das Spaß macht (Bild: Universal)

Hollywood scheint unbelehrbar. Und das ist auch gut so. Obwohl politisches Kino (siehe ?Von Löwen und Lämmern?) floppte, schenkt uns Universal nun ?Der Krieg des Charlie Wilson?. Und hofft, dass Tom Hanks und Julia Roberts genug Starpotenzial bieten, um die wahre Geschichte aus den Achtzigern mit Neuzeit zu füllen.

Im Zentrum der Erzählung steht der amerikanische Kongressabgeordnete Charlie Wilson. Ein waschechter Weiberheld. Whirlpools, Koks und Nutten. Als nun die Sowjets Afghanistan angreifen und Charlie auf die engagierte Milliardärin Joanne Herring (Julia Roberts) trifft, ist der Stoff für eine Hollywoodverfilmung perfekt. Er steigert das Budget für geheime Aktionen von fünf Millionen auf fünfhundert.

Fazit: Der Kino-Tipp dieser Woche. Angenehm leicht erzählt, unterhaltsam und hochkarätig besetzt. Die Mischung für einen Polit-Film, der funktionieren sollte.

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Journalisten-Selbstkritik:
Ein Versuch, immerhin

Frank A. Meyer, “Konzern-Chefjournalist” im Ringier-Verlag, hat eine Handvoll Journalisten in die Sendung “SonntagsBlick Standpunkte” eingeladen, um zusammen etwas selbstkritisch zu sein. Wie fast immer bei freier Rede sind interessante Aussagen zustande gekommen. Wir liefern die besten Zitate aus der Sendung.

Wie aus der Schweiz zu hören ist, lässt sich Frank A. Meyer (Ringier-Verlag, Stabsstelle ohne konkrete Aufgaben, siehe Grafik) seit einigen Wochen im hauseigenen SonntagsBlick wöchentlich von Marc Walder (Ringier-Verlag, Chefredaktor SonntagsBlick, Redaktionsdirektor Zeitungen) befragen. Angelehnt an die wöchentliche Zigarette zwischen Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt im Zeit Magazin Leben heisst die Rubrik “Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer”.

Journalisten-Runde

Wer das als royale Geste missverstanden hat, wird nun von Frank A. Meyer geläutert. In den SonntagsBlick-Standpunkten (Video, 57:19 Minuten) diskutiert er mit

- Lutz Hachmeister, Kommunikationswissenschaftler und Buchautor
- Jürgen Busche, Journalist, Cicero
- Constantin Seibt, Journalist, Tages-Anzeiger
- Markus Spillmann, Chefredaktor, NZZ

und entlockt so der durchaus hochkarätigen Runde einige interessante Aussagen.

Wir haben einige Zitate daraus versammelt. Den wichtigsten und besten Satz des Abends wollen wir aber unverzüglich bringen: “Entscheidend am Ende ist die Frage: Sind wir fähig als Journalisten, auch künftig Qualität zu bieten, auf den Trägern, auf den Informationskanälen, die unsere Kunden, nämlich die Leserinnen und Leser, auch konsumieren wollen.”
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Das mobile Web ist endlich da – bei mir jedenfalls

mobile WebJahr für Jahr wird die mobile Internetnutzung (neben anderen) als der nächste heiße Trend im Web bezeichnet. Doch so richtig abheben konnte das Surfen mit dem Handy oder Smartphone in Europa bisher nicht. Seit zwei Wochen habe ich privat eine erschwingliche, mobile UMTS-Datenflatrate und siehe da: Schlagartig eröffnet sich mir eine Welt, die ich vorher nur aus den besagten Trend-Prognosen kannte. Plötzlich ist die intensive Nutzung des Internets vom Mobiltelefon aus (und wir sprechen nicht über E-Mail und Websuche) für mich ein aktuelles und spannendes Thema, in das es sich lohnt, Zeit zu investieren, um die besten Dienste und Lösungen für das Surfen, Kommunizieren und Networking von unterwegs zu entdecken. » weiterlesen

“Bloggen für Millionen” und andere Zahlenspielchen

“Bloggen für Millionen”, schreibt der Tagesspiegel heute (bei uns in 6 vor 9) über einen Artikel über ‘Geldverdienen mit Blogs’. Eine siebenstellige Zahl taucht dann nur noch einmal im Text auf, und da bezeichnet sie das obere Ende der Schätzungen über den Umsatz des US-Gadgetblogs Gizmodo – aber daran wollen wir uns nicht stören.

Blogger (cc:Jacob Bøtter)
Problogger: Kohle für Klicks (Bild cc:Jacob Bøtter)

Auch der Grundthese des Textes, dass eine Vermarktung von Fachblogs einfacher scheint als die von Gemischtwarenläden, ist nicht zu widersprechen. Dann allerdings wird es leider doch wieder haarig:

“Jüngster prominenter Etatgewinn ist Bildblog.”

Das schreibt die Autorin über den Blogvermarkter Adical, und Adical darf natürlich bei diesem Thema nicht fehlen, auch wenn viele Beobachter aus der Blogosphäre wohl Vollauslastung, zumindest aber sichtbar mehr Kampagnen erwartet haben. Nur: Diesen “Etatgewinn” meldete Adical schon im Mai 2007, ganz so jung ist er also nicht mehr. Und gab es überhaupt noch einen weiteren “Etatgewinn” seitdem?

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PDF mit Kontext-Anzeigen:
Wieder Werbung in Büchern?

Gratiszeitungen, Free-TV und jetzt auch kostenlose Bücher? Kevin Kellys Buch “True Films” gibt es als Datei, Werbung inklusive.

True Films
Das Buch gibt es als PDF auf der Seite des Autors

Drüben bei Wortfeld hat Alexander Svensson auf das PDF-Buch von Kevin Kelly hingewiesen. In “True Films” präsentiert Kelly über 200 Dokumentarfilme. Das Interessante daran ist nicht nur die Auswahl an spannenden, gut erzählten Geschichten, sondern das Vertriebsmodell.

Denn der Download des Buchs ist kostenlos, Geld verdient Kelly mit kontextabhängiger Werbung, die der Adobe Acrobat Reader neben dem Dokument einblendet. Wenn man denn der fragenden Bitte nach einer Internet-Verbindung zum Werbe-Download zugestimmt hat. Und wenn man denn nicht ein anderes Programm als Acrobat verwendet, um das Dokument anzusehen. Auf einem Mac, der PDF-Dateien gerne mit dem Programm “Preview” öffnet, gibt’s keine Werbung zu sehen.

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Titten, Tiere, Tränen, Tote:
Brav im Boulevard

Mit kurzem Röckchen auf der Jagd: Kerstin Dombrowski hat ein Buch über ihre Arbeit als Boulevard-Journalistin geschrieben.

Titten, Tiere, Tränen, Tote

Zehn Jahre im Boulevard. Erst die Bild-Zeitung, dann Privatfernsehen. “So , jetzt reicht’s”, fängt Kerstin Dombrowski ihre Abrechnung an. Denn sie rechnet ab, vor allem mit sich selber. Beschreibt eher unaufgeregt und ohne großen Überbau ganz einfach und direkt, wie das so war bei Bild, Sat.1 und RTL.

Wie man als junger Mensch mit 22 Jahren in die Maschinerie gerät, wie das Boulevard-Geschäft funktioniert, wie man selber darin funktionieren kann und so zur “charakterschwachen Bild-Reporterin” werden kann – wie sie eine geworden war.

Das Buch ist eine einzig große Bestätigung: Was immer man über Boulevard-Medien denken kann, wenn man nur ein wenig Einblick in den Journalismus hat, wird hier bestätigt. Das liest sich flott herunter, bietet aber leider wenig Überraschungen. Vor allem schlägt sich Dombrowski nicht schlecht bei ihrer Arbeit, hat ein paar Krisen, ein paar Zweifel bei der Arbeit, aber dann geht es immer irgendwie weiter.

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Das neue lokalisten:
ein bisschen wie Facebook in Grün

lokalistenSeit einigen Stunden ist die neue Version von lokalisten online, eines der größten Social Networks in Deutschland. Wie bereits angekündigt, bietet das besonders im Münchner Raum populäre Netzwerk mit dem Relaunch einige technische Neuerungen, die sich mittlerweile zum Standard bei Web-2.0-Communities entwickelt haben: einen Newsfeed, modular aufgebaute Home- und Profilseiten mit verschiebbaren Elementen, die bei Bedarf geschlossen werden können, sowie – und auch das ist offensichtlich fast schon State of the Art – einen Seitenaufbau, der in unterschiedlichem Ausmaß an Facebook erinnert. Besonders die Start- und Profilseite können Ähnlichkeiten mit dem populären Social Network aus Palo Alto nicht von der Hand weisen. » weiterlesen

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