Burda Digital-Life-Design 08:
“Und nun die Werbe-Pause”

Ursprünglich hieß es “Digital Lifestyle Day”, doch dann wurden es erst zwei und inzwischen sogar drei Tage, auch wenn davon zwei wiederum nur halbe Tage sind. Deshalb wurde die Veranstaltung umbenannt zu “Digital Life Design”. 2008 platzt sie aus allen Nähten.

DLD 08 Schlange W.D.Roth
Wie vor Münchens Nobeldiscos: Teure Autos, Türsteher und eine Warteschlange (Bild: W.D.Roth)

Der DLD war von Anfang an eine Hype-Veranstaltung, auf der sich so manches Interessante fand, insbesondere wenn sich Vortragende öffentlich demaskierten, weil sie dachten, nur unter Gleichgesinnten zu sein.

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Offen oder geschlossen:
Was ist besser für das Community-Wachstum?

Beim Aufbau von Online-Communities und -Plattformen gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Philosophien, was Offenheit angeht: Traditionell wurde meistens versucht, möglichst schnell möglichst viele User zu gewinnen, und das geht natürlich dann am besten, wenn jeder nach Belieben Mitglied werden kann.

Die Web-2.0-Mentalität scheint aber komischerweise weniger Offenheit zu bevorzugen. Hier sieht man sehr häufig Plattformen, die lange Zeit mit geschlossenen Beta-Phasen arbeiten oder sogar vom Geschäftskonzept her nur auf Einladung hin oder für bestimmte Zielgruppen zugänglich sind. Diese limitierten “Invites” für die Mitgliedschaft auf einer noch geschlossenen Website sind darum oft sehr gesucht. Die Betreiber dieser Communities verteilen oft Einladungen paketweise via A-List-Blogger, um weiteres Interesse zu wecken. Und inzwischen gibt es sogar schon Plattformen wie InviteShare, auf denen man Invites tauschen kann.

Für diese Exklusivität gibt es gute Gründe. Erstens vermeidet man Skalierungsprobleme, wenn nicht gleich das ganze Internet, sondern nur ein paar Tausend Beta-User auf die Plattform losstürmen. Ausserdem weckt Exklusivität zusätzliches Interesse. So ist der Mensch halt: Was man nicht haben kann, ist viel spannender. Der bisher wohl grösste Fall von Exklusivzugang war vermutlich Gmail, das sich überhaupt erst vor kurzem für alle User geöffnet hat. Auch Facebook war bis vor einiger Zeit nur für Studenten mit verifizierbarer Uni-Mailadresse nutzbar.

Aber die Frage ist natürlich, ob sich diese Exklusivität am Schluss auch wirklich in geschäftlichen Erfolg umsetzen lässt. Sicher, theoretisch es ist für manches Geschäftsmodell vorteilhaft, eine klar definierte Zielgruppe zu bedienen, aber in vielen Fällen gewinnt am Schluss rohe Masse.

Schauen wir uns doch mal ein paar Beispiele von offenen und geschlossenen Communities bzw. Plattformen an und fragen uns, wer bisher der Sieger ist:

Social Networking
Offen: MySpace
Geschlossen: Facebook (bis vor kurzem), StudiVZ
Sieger (nach Traffic und Umsatz): MySpace. » weiterlesen

Helen aus der Zeitung

Wer ist eigentlich Helen Mirren? Die Schauspielerin im Interview über Image und Identität. Ein Lesetipp.

In der Süddeutschen Zeitung interviewt Alexander Gorkow die britische Schauspielerin Helen Mirren. Dabei ergibt sich eine wundervolle Szene über Selbstbild und Fremdwahrnehmung:

Helen Mirren: … Wir sind halt nicht nur so, wie wir uns selbst sehen.
Alexander Gorkow: Sondern?
Sondern auch so, wie andere uns sehen. Ich habe das für mich akzeptiert, seitdem geht es mir gut. Irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht nur die Helen bin, die ich im Spiegel sehe – sondern auch die Helen aus dem Bericht in der Zeitung, die mir im ersten Moment sehr fremd ist.
Was? Gilt das für alle Menschen?
Natürlich. Für mich. Für die Agentin draußen auf dem Flur. Für Sie.
Ich bin, was andere in mir sehen? Das ist absolut nicht akzeptabel!
Doch, doch, Sie müssen es akzeptieren! Auch aus der Sicht anderer setzen Sie sich zusammen, nicht nur aus der eigenen. Ich zum Beispiel habe gerade ein Bild von Ihnen, das womöglich nicht dem entspricht, was Sie selbst von sich haben.
Aha.
Ja, ja.
Und was soll ich nun machen?
Einfach akzeptieren, dass Ihre Sicht auf sich selbst nicht die einzige ist. Man nimmt sich selbst dann nicht mehr so wichtig. Das macht das Leben leichter.

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medienlese – der Wochenrückblick

Roger Köppels Kleider, das Inhaltsverzeichnis des Internet, Peter Turi beinahe Preisträger.

Die Kleider des Chefredaktors der Weltwoche, Roger Köppel, scheinen zu interessieren. Nachdem im September 2007 eines seiner Gewänder als Konfirmandenanzug eingestuft wurde, konstatierte der Stylewatcher von wision.ch, dass Köppel innert einem Monat drei mal im selben Anzug in Fernsehsendungen aufgetreten ist. Ob Marie von Ebner-Eschenbach eine Hilfe sein kann? Sie sagte, gemäss zitate.net: “Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders kleiden.”
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Muss man Joost noch immer mögen?

joost.gifDie Zukunft des vor einem Jahr mit viel Aufmerksamkeit gestarteten Internet-TV-Dienstes Joost ist ungewiss. Bis auf einige Negativmeldungen ließ sich in letzter Zeit nicht viel von dem einst so hoffnungsvoll und ambitioniert lancierten Projekt vernehmen. Bei Medienkonvergenz und Silicon Alley Insider gibt es gute Zusammenfassungen der eher bescheidenen Entwicklung von Joost. Auch NewTeeVee macht sich Sorgen um das Projekt der Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis und schlägt fünf Maßnahmen vor, die Joost retten könnten. Wie viele andere war ich zu Beginn der geschlossenen Beta-Phase im Frühjahr 2007 begeistert von der Art, wie Joost Inhalte über eine fernseherähnliche Desktop-Applikation inklusive Programmguide zu mir auf den Bildschirm brachte. Im April veröffentlichte ich zehn Thesen, unter deren Voraussetzung man Joost einfach mögen muss. Die Zeit ist reif, diesen Artikel noch einmal aus der Schublade zu holen und zu schauen, in welchem Licht diese Thesen heute dastehen. » weiterlesen

State of the art:
Akzeptanz im Leser- und Anzeigenmarkt

“Akzeptanz im Leser- und Anzeigenmarkt” ist das Schlagwort, mit dem die Verlage ihren Lesern die als Journalismus verkauften Werbebeilagen andrehen wollen.

Marc Walder im Interview, Screenshot Werbewoche
Unten links der Inhalt (Interview zum SonntagsBlick), oben rechts die Werbung (für den SonntagsBlick)

Jeweils vor Weihnachten ist es wieder soweit. Die Luxusbeilagen der Printprodukte (unsere Beiträge vom 17.11.2006 und vom 24.11.2006) erscheinen und richten sich in einem Glanz, wie Journalismus nur selten verpackt wird, an die Leser. Da sie keine eigenständigen Produkte sind, sondern nur anderen Produkten beiliegen, kann das Leserinteresse an dieser Art von Journalismus kaum nachgewiesen werden. In den Verlagen gibt man sich aber davon überzeugt. Marc Walder vom Schweizer Ringier-Verlag (unter anderem Chefredaktor des SonntagsBlick) spricht in einem kurzen Interview mit der Werbewoche gleich zwei Mal davon:
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Euro-Startup in Gefahr:
Was wird aus Joost?

Joost, das Online-Video-Startup der Skype-Gründer Niklas Zennström and Janus Friis, geriet nach viel positivem Hype diese Woche plötzlich in negative Schlagzeilen. Der Grund: CTO Dirk-Willem van Gulik wurde gefeuert. Und plötzlich brach in der Blogosphäre ein Sturm negativer Meinungen los.

Nun wäre das nicht schlimm, wenn diese betreffenden Blogger nicht ziemlich prominent und sachkundig wären. Mathew Ingram beispielsweise fragte als erster: “Is Joost headed for the deadpool?“. TechCrunch meint, dass Joost dieses Jahr wohl nicht überleben wird. Und Videoblog-Pionier Andrew Baron beschrieb, wie Joost zuerst die Aufnahme seines sehr populären Videopodcasts “Rocketboom” ablehnte, die beliebte Show dann aber plötzlich ohne Nachfrage doch noch integrierte. Das deutet doch auf das eine oder andere Managementproblem bei Joost hin.

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OpenID dank Yahoo und Google im Aufwind

OpenIDOpenSocial, DataPortability, OpenID – Initiativen und Aktionen mit dem Ziel eines offeneren bzw. leichter zugänglichen Webs sind mehr als angesagt. Während OpenSocial bisher noch nicht richtig in Gang gekommen ist und DataPortability im Moment nur ein theoretisches Konstrukt darstellt, ist das Konzept von OpenID (ein Login für viele Seiten) bereits Realität und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Zwei aktuelle Ankündigungen könnten für OpenID den endgültigen Durchbruch bedeuten: Ab dem 30. Januar können die 250 Millionen Yahoo-Mitglieder ihre Benutzerkonten in OpenID-Konten umwandeln und sich damit bei anderen Seiten einloggen, die OpenID unterstützen. Gestern dann die nächste erfreuliche Meldung für OpenID-Befürworter: Googles Blogdienst Blogger fungiert ab sofort als OpenID-Provider. Blogger-User können die Adresse ihres Blogs nach einer Aktivierung auf draft.blogger.com als OpenID-Login verwenden. » weiterlesen

Blogosphäre:
Hackordnung 2.0

Sind Blogger oder Journalisten die besseren Hackbrettmalträtierer? Und was ist mit den unsäglichen Verrätern, die gleich beides sind? Fragen, die die Welt bewegen. Oder zumindest die Zeit. Nein? Na dann zumindest die Blogger.

Hackordnung in der deutschen Blogosphäre
Link zu peterkroener.de

Wer allerdings nicht die Zeit, den Willen oder die Fähigkeit hat, sich durch lange Traktate zu lesen, jetzt irritiert nach einem Blatt namens Willen oder Fähigkeit sucht und ohnehin eher Bild-Zeitungen bevorzugt, dem kann die Frage “Stehe ich oben oder unten?” nun mit einem Bild statt tausend Worten beantwortet werden:

Christian Hayungs hat zusammen mit Peter Kröner eine Grafik der eigentlich doch gar nicht existenten (und deshalb auch rächtshraiptekknisch nicht so wirklich faßbaren) Blogoshpäre erstellt, mit der sogar Journalisten Blogger Linkhuren verstehen, wo sie in der Werteordnung 2.0 angesiedelt sind.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Archive offen:
Wissen ist mächtig

Die Archive von Focus und Zeit stehen kostenlos im Netz, der Spiegel folgt im Frühjahr. Neben mehr Werbeplätzen schaffen sich die Verlage so auch ein höheres Ansehen: Ihre Inhalte werden durchsucht, verlinkt und zitiert.

Focus Bürger-King
Wissen, was wichtig war: Helmut Kohl, der Bürger-King (Focus 34/1994)

Die Texte aus 15 Jahren Focus sind im Archiv kostenlos abrufbar. Bilder und vor allem Infografiken, für deren inflationären Einsatz das Nachrichtenmagazin sich einen Ruf erworben hat, haben es nicht mit in die digitale Verfügbarkeit geschafft. Währenddessen kosten die Artikel in Datenbanken immer noch zwischen 1,37 und 2,60 Euro (siehe Tabelle).

Bei der New York Times stellte man fest, dass Besucher immer mehr über Suchmaschinen und Blogs direkt Zugriff auf einzelne Artikel suchten. Bis zum September 2007 führte das nur selten zum gewünschten Text, das Angebot der Zeitung versteckte sich hinter einem “pay wall”. Wer auf die Angebote zugreifen wollten, musste bezahlen.

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