Der Kampf der Gratiszeitungen

In der Schweiz buhlen bald fünf Gratiszeitungen um Leser und Nichtleser. Die Herausgeber jubeln über wirtschaftlichen Erfolg und halten das Konzept für ein Zukunftsmodell. Im österreichischen Graz hingegen gingen zwei solche Blätter im Konkurrenzkampf unter. Ein Vergleich.

Von Markus Kirchsteiger

Während in der Schweiz bald fünf Gratiszeitungen um die Aufmerksamkeit der Schweizer ringen , hielt sich ok, die erste kostenlose Grazer Tageszeitung, lediglich rund ein Jahr am Markt. Anfang Juli 2007 wurde ok nun gleichzeitig mit dem Konkurrenten heute eingestellt. Als ok auf den Markt gekommen war, hatte heute in wenigen Wochen eine Grazer Ausgabe hochgezogen. Jetzt ist das Match um Leser und Nichtleser vorzeitig beendet worden.

Große Erfolge verzeichnen Gratiszeitungen in der Schweiz. Obwohl die Auflagenzahlen sinken, können 20 Minuten, .ch und Co. zulegen und zwar auf Kosten von Boulevard-Kaufzeitungen wie Blick. Das Konzept der Gratiszeitungen ist einfach: Das Wichtigste des Tages in kurzen und prägnanten Sätzen gibt es kostenlos für eine urbane, junge Leserschaft.

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Spotify:
Neuer Musikdienst stellt alles andere in den Schatten

SpotifyIn den vergangenen Monaten hatte ich einige junge, viel versprechende Musikdienste vorgestellt. Doch aus Schweden kommt mit Spotify ein neuer Anbieter, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Während sich viele der in letzter Zeit gestarteten Dienste ausschließlich auf die User konzentrieren und Urheberrechtsfragen eher stiefmütterlich behandeln, möchte Spotify nicht nur Nutzern einen revolutionären Musikstreaming-Service bieten, sondern gleichzeitig die Interessen der Musikindustrie und Rechteinhaber berücksichtigen und alle Beteiligten in ein Boot holen. Ein kompliziertes Unterfangen, aber nicht unmöglich. » weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

Gottschalk besucht Knut, Gott enttäuscht, Herisauer Zeitung nicht eingestellt.

Thomas Gottschalk besuchte Knut und überreichte dem Zoologischen Garten einen Scheck über 40.000 Euro. So war es auf dem Portal der des Tagesspiegels zu sehen. Später die Woche erzürnte ein anderer Tagesspiegel-Artikel mit dem Titel “Hi Freaks” Markus Beckedahl von netzpolitik.org. Ein Journalist, der “ganz lustig sein” wollte, schrieb dumme “Polemik unterhalb des Bild-Levels”. Beckedahl empfand den Text “als bewusste Verleumdung, üble Nachrede, Rufschädigung”. Kommentar #2 empfahl: “Aber ehrlich, ich würde sofort einen Strafantrag wg. Verleumdung und übler Nachrede stellen. Evtl. ist sogar Beleidung drin.”

Cash Daily, eines der Vorzeige-Internetprojekte aus dem Ringier-Verlag, schrieb im Blick (da es im Livepaper von Cash Daily niemand gefunden hätte): “Ziel darf nicht sein, auf dem Internet überhaupt nicht auffindbar zu sein. Solche Leute wirken im digitalen Zeitalter sogar suspekt.”

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Bugmenot.com:
praktisch aber vielleicht nicht für jeden

Auf manch einer populären Website wird man als User zur kostenlosen Registrierung aufgefordert, um Zugang zu allen Bereichen und Funktionen zu erhalten. Einige Onlineausgaben von Tageszeitungen und Magazinen machen das so, aber auch Videoportale und andere Plattformen, die auf User Generated Content setzen. Die Unternehmen versprechen sich davon zusätzliche Nutzerinformationen für Marketingzwecke. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein User eigene Inhalte beisteuert, größer, wenn er sowieso schon registriert ist. » weiterlesen

Große Aufregung um kleine Änderungen bei der FAZ

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bleibt sich treu, weil der Leser das so will. Trotzdem entfallen Bildverbot auf der Titelseite und Frakturzwang bei Kommentar und Leitartikel – und schon schreiben die Medienseiten von Revolution.

Die Auflage sinkt, man passt sich an, die Stammleser sind ohnmächtig vor Wut und Verzweiflung. Kulturrevolution, Blattreform, neues Layout: So steht es auf den Medienseiten allerorten zum vorsichtigen Facelift der FAZ. Nur zaghaft findet Erwähnung, dass das so neu und aufregend dann doch nicht ist. Sicher, die Zeitung sieht aufgeräumter und moderner aus. Ein großer Schritt für die FAZ, aber nur ein kleiner Schritt auf die Leser zu. Noch immer zum Beispiel das typische überbordende Riesenformat, nicht wirklich kompatibel mit dem Alltag.

Die einhellige Meinung zur neuen alten FAZ: Luftiger und lesbarer. Panische Angst schiebt man hingegen vor den Stammlesern, für die stellvertretend die paar Fanatiker aus Internet-Foren herangezogen werden, die mit Veränderung so überhaupt nicht umgehen können. Warum die gedruckte Tageszeitung eine Zukunft hat – oder eben nicht – wird allerdings nicht gefragt. Unsere Medienlese:

faz neu

Titelseite der FAZ am Tag eins nach der Kulturrevolution (6.10.2007)

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Die tägliche Dosis Web-2.0-Startups

Web-2.0-Startups
Auch wenn ich für die nächsten Monate mit einem leichten Abflauen der Gründerwelle im Web rechne, so wird es weiterhin neue, innovative Dienste geben, die die (ausschließliche) Entwicklungsphase verlassen und sich den Internetnutzern präsentieren. Neben zahlreichen Blogs, die die Web-2.0-Entwicklung beobachten und analysieren, existieren diverse Seiten, die sich komplett der Listung neu gestarteter Onlinedienste widmen. » weiterlesen

Wie kann man Google schlagen?

Das Thema scheint eine endlose Faszination auszuüben, nicht nur auf die Internet-Industrie, sondern inzwischen auch auf die Medienbranche: Wie kann man den übermächtig und allgegenwärtig scheinenden Internetriesen Google schlagen?

Einige denken, dass das ja nicht so schwierig sein kann (“Google hat Angst vor uns” — Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Presse), andere (wie z.B. Microsoft) investieren fleissig, und viele machen sich strategische Gedanken und kommen auf klare Empfehlungen (“So setzt man Google in vier Zügen schachmatt“). Alles gut und schön. Aber oft sind die Rezepte verblüffend naiv und die Analysen nicht von viel Sachkenntnis getrübt. Kein Wunder, dass sich Google da noch ziemlich sicher fühlen kann.

Ein paar Beobachtungen zu typischen Aussagen:

1. “Google ist ein Monopolist.”

Auch wenn besonders die Medienhäuser Google immer gern als bösen Monopolisten darstellen, ist Google objektiv nur Marktführer in gewissen Segmenten, aber keineswegs so dominant, wie man denken könnte. » weiterlesen

Warum ich Skype nicht mehr missen möchte

SkypeSkype hat es momentan nicht leicht. Der bekannte VoIP-Dienst scheint sich nicht nur zum Sorgenkind seines Besitzers eBay entwickelt zu haben, sondern ihm wird von einigen Medien angesichts der zunehmenden Verbreitung von Telefonflatrates und zahlreichen Konkurrenzangeboten bereits ein Verlust an Relevanz nachgesagt. Ob Skype bei den Usern tatsächlich an Bedeutung verliert oder sich manch ein Redakteur lediglich zu solchen Feststellungen hat hinreißen lassen, um das Bild des untergehenden Tankers zu zeichnen, weiß ich nicht. Aus meinem Alltag jedenfalls ist Skype nicht mehr wegzudenken und Galaxien davon entfernt, durch eine Alternative ersetzt zu werden. » weiterlesen

Medienminister verteidigt Piero

Unerwartete Unterstützung für Piero Esteriore, der die Nacht im Gefängnis verbracht hat und dem “wegen mutmasslicher Gefährdung von Leben bis zu drei Jahren Knast” drohen.

Der Schweizer Medienminister und Blogger Moritz Leuenberger kann “das Vorgehen von Piero Esteriore verstehen“. Das jedenfalls berichtet 20minuten.ch:

«Ich kann das Vorgehen von Piero Esteriore verstehen», sagte Leuenberger vor seinem Porträt stehend und nahm damit die Geschichte des gefallenen Ex-Musicstars und seiner gestrigen Amokfahrt ins Ringiergebäude auf. Mit diesem Mitgefühl hatte niemand gerechnet. Doch Leuenberger legte vor den verdutzten Anwesenden gleich Kohle nach. Er habe Verständnis für das, was der Italienische Sänger gemacht hat. Aber er, Leuenberger, würde nicht selber ins Gebäude fahren, sondern dies durch seinen Chauffeur machen lassen, der draussen vor dem Walchetor warte. Rumms!

20Minuten Medienstories
Screenshot 20minuten.ch

Gestern: Piero Esteriore crasht mit einem Mercedes ins Ringier-Haus

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Ist es wirklich billiger geworden, ein Startup aufzubauen?

In einem wieder mal exzellenten Artikel schreibt Businessangel Paul Graham über die möglichen Konsequenzen der Tatsache, dass man heute für sehr wenig Geld ein Startup anfangen kann. Viel mehr Leute werden das in Zukunft tun, meint Graham, und das wird viele Dinge ändern: Finanzierungsmodelle, Akquisitionsprozesse, das typische Profil von Firmengründern, Wettbewerbsstrukturen und letztlich gar das Bildungssystem.

Nur: Die Grundprämisse des Artikels (dass Startups eben heute billiger zu machen sind) wird gar nicht erst erläutert oder hinterfragt. Da stellt man sich nach der Lektüre dieser sehr weitreichenden Prognosen schon die Frage, ob das einfach so vollumfänglich stimmt.

Zunächst: Grahams Angel-Fonds “Y Combinator” finanziert fast ausschliesslich konsumentenorientierte Web-Startups, und darauf beziehen sich seine Aussagen natürlich auch. Und sicher ist es richtig, dass eine junge Web-Firma heute mit erheblich weniger Kapital auskommen kann als noch vor zehn Jahren. Die Hardware (billige Linux-Boxen), die Softwareinfrastruktur (fast alles als Open Source erhältlich) und Netz-Bandbreite sind um mindestens einen Faktor 10-15 billiger als noch am Start der Web-1.0-Welle. Da können Jungunternehmer auch von der Studentenbude aus schon einen respektablen Webdienst aufbauen, ohne auf externes Kapital zurückgreifen zu müssen.

Nur: Wie sieht es mit dem späteren Wachstum aus? Ist das auch so billig zu haben?

Ganz so scheint es nicht zu sein. Die Stars der Web-2.0-Szene haben praktisch alle substantielle Venture-Capital-Investments erhalten, um ihr Wachstum zu finanzieren. Ein paar Beispiele:

-Facebook: $37.5 Mio.
-Digg: $10 Mio.
-Youtube: mindestens $11.5 Mio.
-Twitter: Unbekannter Betrag zwischen $1 und 5 Mio.

Klar, es gibt auch Beispiele für schnelle Exits von Firmen, die nur mit ein wenig Angel-Geld finanziert waren, aber das ist klar die Ausnahme, und die Deals sind meistens auch ziemlich klein.

Mit anderen Worten: Auch bei Web-Startups kann man heute zwar sehr klein anfangen, muss für echtes Wachstum aber meistens doch an die grossen Geldtöpfe rankommen. Und damit sind dann die angeblichen revolutionären Effekte von Billig-Startups plötzlich nicht mehr so bedeutend.

Oh, und bevor wir’s vergessen: Es gibt auch noch andere Branchen als Internet, wo man Startups machen kann. Und da sind die Kosten bei weitem nicht in einem so grossen Ausmass gefallen, dass man von einer Revolution in den unternehmerischen Prozessen sprechen könnte.

Klar, Finanzdienstleister, Biotech- und Nanotech-Firmen, Medienhäuser, Unternehmen der Energietechnik und selbst Handelshäuser profitieren alle von fallenden IT-Kosten. Aber IT ist in all diesen Branchen nur einer von vielen Input-Faktoren, und längst nicht der wichtigste. Ein Biotech-Startup von der Idee bis zum vermarktungsreifen Medikament zu bringen, kostet immer noch dutzende oder gar hunderte von Millionen an Risikokapital. Das funktioniert dann definitiv nicht mehr als Studentenfirma.

Kein Zweifel: Im Web-Sektor werden wir dank der niedrigen Einstiegskosten weiterhin eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Startups sehen, und das ist auch gut so. Es wird schneller und mit weniger Risiko möglich, viele Ideen auszuprobieren, aus denen sich die besten herauskristallisieren. So manches kleine Startup wird auch unabhängig bleiben können und auf einem guten Niveau Profite für seine Gründer abwerfen. Aber in die höchste Liga zu kommen, ist weiterhin teuer und risikoreich.

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