medienlese – der Wochenrückblick

Poschi auf der Flucht, Presseschau statt Morgengebete, Brüste in der Schwangerschaft.

Ulf Poschardt, leidenschaftlicher Autofahrer und Verachter von VW-Käfer-fahrenden Klimamoralisten, hatte eine schlechte Woche. Zuerst wurde er als Chefredakteur der Zeitschrift Vanity Fair, für die für gut ein Jahr geleitet hatte, gefeuert freiwillig gegangen, dann schüttete eine Rapperin ihm in einer Fernsehsendung überraschend ein Glas Wasser ins Gesicht, nachdem er sie zuvor offenbar Nervensäge genannt hatte. Poschardt verliess darauf die Sendung, nicht ohne einen Knicks zu machen. Ein Handgemenge wäre wohl angemessener gewesen.

Der Perlentaucher staunte über die Süddeutsche Zeitung. Willi Winkler schrieb dort: “Auch der von einigen anstelle eines Morgengebets aufgesuchte InternetDigest Perlentaucher ist unterkomplex, wie es die menschliche Software erlaubt: die anonymen Bergwerker, die im Morgengrauen die Feuilletons ausweiden und dabei auch noch gewichten sollen, sie können die Artikel im besten Fall kurz beriechen, aber in dem dafür vorgesehenen Halbsatz nur selten angemessen wiedergeben.” Der Perlentaucher dazu: “(Und wir dachten immer, die SZ verklagt uns, weil wir zu viel von ihrem Inhalt wiedergeben!)”
» weiterlesen

Sonntagszeitung weiß:
Inhalt kommt durch die Haarfarbe

Drin ist, was drauf ist: Davon ist auch die Sonntagszeitung überzeugt und beglückt ihre Leser mit einem Text über Frauen mit helleren und dunkleren Haaren, der nicht nur sinnfrei, sondern auch diskriminierend ist.

21 Jahre gibt es nun die Sonntagszeitung. Sie war der Pionier in der Schweiz, denn bis zum 11.01.1987 erschienen in diesem Land keine Druckerzeugnisse am heiligen Tag [Korrektur: ausser dem SonntagsBlick, siehe Kommentare]. Inzwischen kämpft sie gegen drei Konkurrenten um Inhalte, und sieht sich als “ein Mix aus relevanten News und intelligenter Unterhaltung“.

Klar, Sonntag will man ausspannen und auch mal leichte Lektüre. Beim Werk von Bettina Weber handelt es sich jedoch um eine einzige grosse Oberflächlichkeit.

» weiterlesen

Schleichende Papierlosigkeit

Als ich neulich die Koffer für die übliche weihnachtliche Verwandtenbesuch-Rundreise packte, fiel mir plötzlich etwas auf: Ich packte keine papierbasierten Informationsträger ein. Gar keine. Null.

Bücher? Lese ich seit einigen Wochen fast nur noch auf dem Amazon Kindle, was gerade auf Reisen besonders praktisch ist. Zeitschriften? Kaufe ich mir eigentlich nur noch am Flughafen, um die “Schalten Sie jetzt bitte alle elekronischen Geräte”-Phase zu überbrücken. Gedruckte Zeitungen? Please. News gibt es aus dem RSS-Reader und auf dem iPhone.

Tatsächlich, bei der Rückschau fiel mir auf, wie sich Papier langsam aber sicher weitgehend aus meinem Medienkonsum verabschiedet hat. Mein letztes Zeitungsabo habe ich vor bald eineinhalb Jahren gekündigt, und ich habe es keinen Tag vermisst. » weiterlesen

Ekliger Sexismus gekürt

Die Leser des textilarmen und weitgehend geistfreien Männermagazins FHM haben abgestimmt – ermittelt wurde nicht nur der beste Film, der eine Nacktszene vertragen hätte, sondern auch die beste Schleichwerbung in einem Film.

FHM-Cover

Mit einer Pressemitteilung werden derzeit die Redaktionen auf die FHM-Awards hingewiesen. Kein Thema für unser seriöses Medienblog, wäre da nicht die Kategorie “beste Schleichwerbung in einem Film”. Darauf springen wir natürlich an, genau unser Thema!

Weil FHM-User aufmerksam sind, gibt’s auch die Kategorie “Beste Schleichwerbung in einem Film”. Die Firma Nokia schaffte es durch “Die Simpsons – Der Film” auf Platz eins. 20 Prozent fiel die Präsenz der Finnen auf. In “Transformers” fuhr der Chevrolet Camaro auffallend oft durchs Bild – mit 18 Prozent kommt er auf Platz zwei. Die Konkurrenz von VW Touareg in “Das Bourne Ultimatum” gefiel 14 Prozent – Platz drei.

…verkündet die Pressemitteilung. Was für eine Idee! Gebt den Medienredakteuren Futter, erfreut ihre Gemüter, gebt ihnen die Gelegenheit, mal etwas über die Nackedei-Zeitschrift zu schreiben. Zitieren dürfen wir aus den Ranglisten auch, aber nur, wenn wir das Cover der aktuellen Ausgabe zeigen.

» weiterlesen

Songbeat bringt SeeqPods Musiksuchmaschine auf den Desktop

SongbeatSeeqPod kennen sicher die meisten von euch. Der beliebte Dienst durchsucht das Netz nach Musikdateien und bietet eine funktionelle Flash-Oberfläche, um die gefunden Titel anzuhören und mit anderen zu teilen (siehe Review). Wie für eine Applikation im Web-2.0-Zeitalter üblich, stellt SeeqPod eine Schnittstelle bereit, mit der externe Anwendungen auf die Funktionen des Dienstes zugreifen können. Songbeat ist ein neues Tool, das genau dies macht und SeeqPods Suchmaschine als schlanken Musik-Player auf den Windows-Desktop bringt (eine Mac-Version ist angekündigt). Damit schwimmt Songbeat zwar gegen den Strom – immerhin gewinnt mit dem Web 2.0 browserbasierte Online-Software verstärkt an Bedeutung – beim massenkompatiblen Thema Musik ist das aber keine schlechte Strategie. Für viele Anwender liegt der Schritt, zum Musikhören statt Winamp oder iTunes ein anderes lokales Programm zu starten, näher, als dafür den Browser zu öffnen und eine Website zu besuchen. » weiterlesen

Verband Schweizer Presse:
Faxen!

Wo von der Erotik und Haptik des Papiers geschwärmt wird, da wird auch noch gefaxt. Kommunikation 2008 mit dem Verband Schweizer Presse ist ein wahres Vergnügen, allerdings nur, wenn man nicht selbst davon betroffen ist.

Fax Verband Schweizer Presse
Screenshot schweizerpresse.ch

Der Verband Schweizer Presse ist ein lustiger Verein. Im September 2007 sagte der aktuelle Verbandspräsident, der Südostschweizer Verleger Hanspeter Lebrument, Google fürchte sich vor der Schweizer Presse. Mit etwas “Nachhilfeunterricht” werde Google “auf die Welt kommen”.

» weiterlesen

Europolitan hat den studiVZ-Durchblick

studiVZSeit Mittwoch greifen studiVZs neue Geschäftsbedinungen, die etliche Klauseln bezüglich personalisierter Werbung enthalten. Wer die AGB bis zum 9. Januar nicht akzeptierte, wurde von der Nutzung des größten deutschen Social Networks ausgespert und hat noch bis zum 31. März diesen Jahres Zeit, den geänderten Bedingungen zuzustimmen – ansonsten wird der Account gelöscht. Das Thema sorgte seit der Ankündigung Mitte Dezember für zahlreiche Schlagzeilen bei nahezu allen etablierten Onlinemedien. Selten allerdings wurde die Problematik wirklich sachlich und korrekt erfasst bzw. dargestellt, was in der Öffentlichkeit zu einem verzerrten Bild der Situation führte. » weiterlesen

Küblböcks Kakerlaken:
RTL dschungelt wieder

Die dritte Staffel von “Ich bin ein Star – holt mich hier raus” steht in den Startlöchern. Grund genug für medienlese.com, sich Klamauk und Kandidaten etwas genauer anzuschauen.

Lisa Bund
Lisa Bund (Bild RTL)

Als Pseudo-Prominente oder (in Anlehnung an B-Movie) B-Prominente – in der Schweiz auch Cervelatprominente – werden in der Alltagssprache solche Personen bezeichnet, die durch öffentliche Skandale, spektakuläre Fernsehauftritte oder andere Ereignisse – häufig nur für kurze Zeit – schlagzeilenträchtiges Aufsehen erregen, ohne dabei auch Ansehen zu gewinnen.

Womit wir schon im tiefsten Dschungel deutscher Aufschnittsprominenz wären, genauer im australischen Dschungel. Dem Drehort von ?Ich bin ein Star – Holt mich hier raus?. Heute Abend um 22.15 Uhr zeigt RTL nach vier Jahren Pause die dritte Staffel der Trash-Show mit Sonja Zietlow und Dirk Bach. Sintflutartige Unwetter hin, tausende von den Fluten eingeschlossene Menschen her. ?Land unter in Australien. Das RTL-Dschungelcamp steht noch, doch die Straßen rundherum sind überflutet und mit viel Pech regnet es sich jetzt erst so richtig ein?, lässt uns RTL.de wissen. Wer mitmacht, wurde bis kurz vor Sendebeginn geheim gehalten. Man wollte vermeiden, dass die Kandidaten sich absprechen. Jetzt ist es raus.

» weiterlesen

Sieben Thesen zum Journalismus

Ein Patt bei dieser Diskussion zwischen Bloggern und Journalisten – das war zu erwarten. Dass allerdings nicht einmal über die Ausgangssituation Einigkeit erzielt werden konnte, dass Weghören zur Königsdisziplin wurde, das war weniger zu erwarten. Ein offensichtlich notwendiger Nachtrag zur Mediensituation von Klaus Jarchow.

Sieben Thesen zum Journalismus

Herrgott, sie stehen mitten in einer Medienrevolution – und sie merken es nicht! Die Diskussion zum Journalismus im Web 2.0, veranstaltet vom DJV am Donnerstag, dem 11. Januar, ließ mich einigermaßen ratlos zurück (Aufzeichnung hier). Ratlos deshalb, weil ich mir das Unwissen gewisser Mitglieder der journalistischen Zunft nicht so groß vorgestellt hätte. Vielleicht aber waren es auch nur besonders vorsintflutliche Exemplare, die jetzt den guten, alten Presserat, der schon bei den Holzmedien nicht funktionierte, als Qualitätsinstrument ins Netz transferieren möchten.

Eine Kurzkritik des Abends, bevor es an die Thesen geht: Generell redeten die Blogger links vom Moderator und die Steinzeit-Fraktion rechts vom Moderator aneinander vorbei (erste Ablaufschilderungen gibt es hier und hier und hier). Da hatten wir links Don Alphonso, Thomas Knüwer und Michaela May, die ebenso freundlich wie vergeblich versuchten, den Herren vom Druckgewerbe klar zu machen, dass die fehlende Recherchetiefe und mangelnde Qualität doch in den Printmedien zum Dauerzustand würde, wofür es handfeste ökonomische Gründe gäbe, die auch bei einer immer renditegeileren Verlagsseite zu suchen seien, und dass die Blogs also – im Gegenzug – eher als eine Art qualitatives Korrektiv wirken würden. Blogs seien unter anderem eben auch eine Folge defizitärer Altmedien.

» weiterlesen

“Your medium is dying!”

Jetzt macht sich auch noch Nelson von den Simpsons lustig über die Printbranche. Seht selbst!

(youtube.com, Video, 0:19 Minuten)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

  • Sponsoren