Sind Makromedien lernfähig?

Ein Blog – das Mikromedium schlechthin – lebt und stirbt mit seinem Schreiber (oder seiner Schreiberin). Dessen Weltsicht und dessen Stil sind es, mit denen er – oder sie – Leser gewinnt. Könnte unter diesen Umständen die Anwendung auf den real existierenden Journalismus irgendwelchen Sinn machen?

Eindeutig sind diese Weblogs Medien, die freiwillig gelesen werden. Und zwar keineswegs wegen ihres Aktualitätsgehalts oder ihrer Recherchetiefe. Nur selten treffen wir auf einen Blogger aus Birma, der uns mit Vor-Ort-Bildern versorgt. In den meisten Fällen geben Blogger bloß ihren Senf zur existierenden Agenda hinzu. Dann sind es der individuelle Stil, der Witz und der Charakter des bloggenden Alter Egos, die für den Zuspruch sorgen.

Betrachten wir die Blogs versuchsweise als Vorbild, dann hieße die zwingende Folgerung für den Journalismus, dass er ebenfalls stärker ‘personenzentriert’ oder auch ‘schriftstellerisch’ verfahren muss, statt ein obsolet gewordenes Objektivitätsideal noch länger so zu polieren, wie der Rentner seinen Opel Kadett. Die ‘Marke’ einer Zeitung, das wären unter heutigen Umständen gewissermaßen ‘die Namen, die sie im Schilde führt’.

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Google über $200 Mia. wert

Apropos Google: Vor wenigen Minuten hat Googles Aktienkurs die Grenze von $640.90 überstiegen, und damit ist die Suchmaschine jetzt die Kleinigkeit von $200 Milliarden wert.

Goog200

Mit gewisser Beruhigung stelle ich allerdings fest, dass das Bruttoinlandprodukt der Schweiz immer noch fast doppelt so gross ist, nämlich $377 Mia. Eine unfreundliche Übernahme ist also nicht so bald zu erwarten, obwohl Google in Zürich verdächtig viele Leute anstellt.

Ein paar weitere Vergleichswerte: $200 Mia., das ist…

- mehr als das BIP von Portugal
- mehr als Oracle und SAP zusammen wert sind
- beinahe so viel, wie Apple und Dell zusammen wert sind
- fast zehnmal so viel wie der Börsenwert von Swisscom und etwa 2.3 mal so viel wie der der Deutschen Telekom
- etwa das, was der Irakkrieg in 20 Monaten kostet
- etwas weniger als 10% der totalen Staatsverschuldung der Bundesrepublik Deutschland

… und das alles für eine kleine Suchbox und ein seit acht Jahren nicht mehr geändertes Seitenlayout. Erstaunlich.

Seht her, junge Leser

fpf

Titelseiten am Dienstag (9.10.2007)

Ein Nachtrag zu den kleinen Änderungen bei der FAZ: Die Ausgabe vom Dienstag scheint die Foto-kritischen Leser beruhigen zu wollen. Alte Menschen geistern durch den Raum (Foto von Matthias Horn). Ein ordentliches Bild, das den Zustand der Greisen in der Gesellschaft treffend illustrieren mag – aber auf der Titelseite blass und beliebig bleibt. Traurige alte Menschen auf konservativer Zeitung: Junge Leser ködert das nicht.

Die erste Tugend eines Bildes ist es, ein Fest für das Auge zu sein.

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“Lachen Sie für Punkt CH!”

Das Schweizer Fernsehen fragt:

Wird mit dem digitalen Fernsehen alles besser? Entscheiden Sie selbst.

Und stellt zur Beantwortung dieser Frage ein Video aus dem hauseigenen Satiremagazin auf YouTube, das sich, etwas verwirrend, da seit bald einem Monat eine tägliche Gratiszeitung unter genau gleichem Namen herausgegeben wird, “punkt.ch – Digitales Fernsehen” nennt.

(youtube.com)

Wer sowas lustig finden möchte, wird immerhin mit 200 Franken (ca. 120 Euro) entlöhnt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Verwandt.de auf dem Weg zum Exit?

verwandt.gifDer Online-Stammbaum- und Hobby-Ahnenforschungsdienst Verwandt.de gehört zu den erfolgreichsten deutschen Web-2.0-Dienste im Jahr 2007. Innerhalb von nur wenigen Monaten haben die Gründer Daniel Grözinger und Sven Schmidt der Seite eine beachtliche Bekanntheit im “Internet-Mainstream” verschafft und dank ausgezeichneter PR-Arbeit dafür kaum Geld in die Hand nehmen müssen (die einzige mir bekannte Werbemaßnahme war der Versuch einer Banner-Kampagne bei studiVZ. Möglicherweise gibt es aber noch weitere.). Mittlerweile enthalten die Stammbäume vier Millionen von Nutzern eingetragene Personenprofile. Am Dienstag gab Verwandt.de eine Kooperation mit dem Familienportal familie.de bekannt. Ab sofort wird Verwandt.de dort integriert. Laut Pressemitteilung ist “eine weitergehende Zusammenarbeit in Planung”. » weiterlesen

Nochmal genauer:
Ist Google ein Monopolist?

Mein Beitrag “Wie kann man Google schlagen?” hat einiges an Reaktionen hervorgerufen, unter anderem den Hinweis, dass Google beispielsweise in Deutschland einigen Quellen zufolge bereits fast 90% Marktanteil unter den Suchmaschinen geniesst. Wie kann man angesichts solcher Zahlen behaupten, dass Google kein Monopolist ist?

Ich glaube, man kann durchaus. Man kann die Frage aus zwei Perspektiven behandlen, und zwar einer juristischen und einer ökonomischen (Warnung: Ich bin weder Jurist noch Mikroökonom, aber hab an der Uni in beiden Fächern einigermassen aufgepasst und erlaube mir darum eine semi-qualifizierte Amateurmeinung):

Zuerst zur ökonomischen Perspektive: Ökonomen bezeichnen als Monopolisten eine Firma, die eine so überragend starke Marktstellung hat, dass sie ihre Preise nur aufgrund der Nachfrage, nicht aber wie sonst in einer Marktwirtschaft unter Berücksichtigung der Konkurrenz festlegen kann. » weiterlesen

“Das Autobahn-Argument!”

Eklat in der Sendung “Kerner”, gestern abend im ZDF. Weil Senta Berger die Gesprächsrunde zu verlassen drohte, sah sich der Moderator dazu gezwungen, Eva Herman rausschicken. Dabei war das Thema vergleichsweise harmlos: Familienpolitik.

Es ist schon eine Strafe, sich eine Sendung mit Johannes Baptist Kerner anschauen zu müssen. Die wahre Strafe ist aber, sich diese Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen zu müssen, die zwar hochaufgelöst und supercool daherkommt, aber mit hin- und herspulen grösste Mühe hat und mindestens fünf Mal abstürzt. Einmal geht mitten im Film einfach der Browser zu.

ZDF Screenshot
Screenshot zdf.de

Die Sendung lief so ab. Zuerst die Begrüssung der Gäste. Dann wurde Eva Herman mit den Zitaten konfrontiert, die ihr den Job beim NDR gekostet haben. Darauf erklärte ein Professor aus dem Publikum, was genau das Frauenbild in der Hitler-Zeit war. Ein gemäss Kerner ausgewiesener und anerkannter Experte für historische Fragen, der ihr eine “Verschwörungs-Pathologie” unterstellt, weil sie sie RTL dafür kritisiert, die Bänder der Pressekonferenz, die ihre Entlassung provoziert haben, nicht herauszugeben.

Es geht hin und her, es wird debattiert, wie genau Frauen und Kinder in der heutigen Zeit glücklich werden. Als das Gespräch auf den Begriff “Gleichschaltung” kommt (der, wie der Historiker erklärt, ein klar nationalsozialistischer ist), sagt Eva Herman, sichtlich genervt, dass sie über die gesamte Sendung über angegriffen wird:

Sie müssen nur Google eingeben und dann können sie jede Zeitung durchgehen. Welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat. Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf.

Der Historiker ruft:

Das Autobahn-Argument!

Margarethe Schreinemakers sagt:

Es kann nicht sein. Das kann nicht sein, was du hier sagst. Tut mir leid. Egal, wer hier auch immer applaudiert, es tut mir leid. Nein. Das kannst du so nicht sagen. Es geht nicht.

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Deutsche User Schlusslicht bei Social-Network-Nutzung

Der Online-Marktforschungsspezialist comScore beschäftigt sich in einem neuen Bericht mit der Social-Network-Nutzung in Großbritannien. Die Briten sind äußerst aktive Anwender von sozialen Netzwerken. 77,9 Prozent aller Internetnutzer auf der Insel waren im August 2007 Mitglied in mindestens einer Community. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, untersuchte comScore auch die Reichweite von Social Networks in den anderen großen Ländern Europas. Das Ergebnis: Neben Großbritannien haben soziale Netzwerke auch in Frankreich, Spanien und Italien einen höheren Stellenwert als in Deutschland. 61,5 Prozent der Spanier sowie knapp die Hälfte der Franzosen und Italiener mit Internetzugang sind in einem Social Network registriert. Die Community-Anbieter hierzulande erreichten im August 46,9 Prozent aller hiesigen Internetnutzer. » weiterlesen

Google kauft Twitter-Konkurrent Jaiku

Google erwirbt den aus Finnland stammenden Twitter-Konkurrenten Jaiku. Über die Kaufsumme wurde nichts bekannt. Folgendes Statement der beiden Jaiku-Gründer findet sich auf ihrer Website:

Exciting news, Jaiku is joining Google! While it’s too soon to comment on specific plans, we look forward to working with our new friends at Google over the coming months to expand in ways we hope you’ll find interesting and useful. Our engineers are excited to be working together and enthusiastic developers lead to great innovation. We look forward to accomplishing great things together. In order to focus on innovation instead of scaling, we have decided to close new user sign-ups for now. » weiterlesen

Leser-Reporter:
Wer zahlt wie gut?

Was macht man, wenn man aus dem Fenster blickt und Pete Doherty, Britney Spears und Prinz William nackt im eigenen Garten Joints rauchen? Man guckt wieder weg. Oder man macht Fotos und ruft die Boulevardpresse. Wer aber zahlt wie gut?

“Die Armee der arschgeweihtragenden Leser-Reporter ist die schlimmste Guerilla unserer Zeit.” So werden sie eingestuft, die Produzenten von Inhalten ohne Ausweis. Ungeachtet dieser Kritik machen sie weiter und versorgen, wie auch die professionellen Anbieter, die Welt mit zum Teil zweifelhaften Inhalten. Während früher die Ehre, den eigenen Hinweis oder Namen oder sein eigenes Bild in der Zeitung sehen zu können, ausgereicht hat für eine kostenlose Übergabe von Inhalten, wollen seit Neustem immer mehr Leser Geld dafür. Weil sie wissen, dass damit noch mehr Geld zu machen ist.

Deshalb haben einige Portale damit begonnen, Leser-Inhalte, die sie attraktiv finden, einheitlich zu bezahlen. Wir haben aufgelistet, wieviel es für was gibt und was der Haken dabei ist.

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