medienlese – der Wochenrückblick

Eva Herman, Leonid Breschnew, Liebesbriefe.

Eva Herman dominierte die Woche, weil sie kurz vor Ablauf einer Talksendung verabschiedet und sozusagen herausgeschickt wurde – der Moderator wollte sich mit seinen drei Gästen unterhalten. Reaktionen gab es zuhauf – unter anderem erinnerte man sich an Jehova (1/2). Spreeblick.com analysierte Hermans Aussagen genauenstens in linguistischer Hinsicht. Und über 2500 Kommentare gingen allein auf den welt.de-Artikel “Die öffentliche Hinrichtung der Eva Herman” ein. Mehrere Blogger hielten Eva Herman schlicht für dumm: Ninja Thoughts und Stefan Niggemeier zum Beispiel. Don Dahlmann meinte, sie sei von einer ziemlich umfassenden Schlichtheit beseelt (was aber so auch nicht stimmt). Eine Bloggerin vom Focus fand ihre Thesen “so dumm, dass man an Ihre Bücher sofort mit dem Feuerzeug dran möchte. So ein bisschen anbrennen will”.

Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, der 63jährige Hans-Werner Kilz, verlängerte für ein paar Jahre und sagte: “Wir müssen nach Wegen suchen, die Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen.” Jens Petersen schrieb, er kämpfe “mit dem Vorwurf, seine Redaktion genauso zu führen, wie einst Leonid Breschnew in der Endphase seiner Regierungszeit”.

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Benutzer ist nicht gleich Benutzer:
Warum Facebook nicht das nächste Google ist

Hysterie um Social-Networking-Sites im allgemeinen und Facebook im besonderen hat inzwischen wohl ihren Höhepunkt erreicht.

An einer Konferenz diese Woche im Silicon Valley liessen sich einige “Fachleute” zu ziemlich absurden Aussagen hinreissen: Facebook ist nicht $10 Mia. wert, sondern $100 Mia.! Facebook ist das neue Google! Facebooks API ist die wichtigste IT-Innovation seit der graphischen Benutzeroberfläche!

Dass das alles natürlich Blödsinn ist, versteht sich beinahe von selbst. Und doch: Als diese Woche bekannt wurde, dass Facebooks Zugriffszahlen (wie auch diejenigen von MySpace und anderen) im September deutlich gefallen sind, fanden die sonst so zynischen IT-Journalisten schnell Entschuldigungen dafür, warum das ja gar nicht sein kann. Sollte etwa das Undenkbare passiert und Social Networking, die treibende Kraft der aktuellen Bubble, an eine Wachstumsgrenze gestossen sein? Natürlich nicht. Bald einigte man sich darauf, dass es sich nur um eine saisonale Schwankung handeln kann, weil die ganzen Studis jetzt zu Semesterbeginn gerade mit anderem beschäftigt sind. Oder so. Herbstloch statt Sommerloch, lautet die Theorie.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie extrem unkritisch insbesondere die Fachpresse dem Social-Networking-Phänomen gegenübersteht. Sicher, MySpace, Facebook, StudiVZ und wie sie alle heissen haben beeindruckende Benutzerzahlen und immer noch ein solides Wachstum vorzuweisen. Aber was leider selten gefragt wird: Lassen sich diese Benutzerzahlen auch wirklich kommerziell umsetzen? Oder werden die Social Networks wie Skype enden, als beliebtes Massenphänomen, das aber leider kein Geld abwirft?

Schauen wir uns mal ein paar Zahlen an: Weder Facebook noch MySpace geben offizielle Umsatzzahlen bekannt, aber die derzeit glaubwürdigsten Schätzungen sind $150 Mio. Jahresumsatz für Facebook und $800 Mio. für MySpace für das Jahr 2007. Nehmen wir des weiteren die Zahl der Unique Visitors in den USA, und zwar mit dem August als angenommenen Jahresdurchschnitt (MySpace 68.4 Mio., Facebook 33.7 Mio.). Dann koennen wir wunderbar den Umsatz pro Visitor ausrechnen — eine nicht wasserdichte, aber doch sehr aussagekräftige Kennzahl. Und machen wir das doch auch mal fuer ein paar andere Internet-Schwergewichte. Die Ergebnisse sind interessant:

Umsatz (letzte 4 Quartale) pro Unique Visitor (nur USA, August 2007, gem. ComScore):
- Facebook: $4.45
- MySpace: $11.70
- CNET: $12.33
- Yahoo: $49.17
- eBay: $84.94
- Google: $104.48
- Amazon: $226.14

Nun, mir ist klar, dass ich da Äpfel mit Orangen und Bananen vergleiche, weil diese Firmen unterschiedliche Geschäftsmodelle haben, auf einem ganz anderen Punkt in ihrer Entwicklung stehen usw. Aber: Dass Facebook gerade mal 4% des Umsatzes pro Visitor von Google und gar nur 2% dessen von Amazon macht, ist schon ziemlich bemerkenswert. Und das sollte die Begeisterung um die grossartigen Benutzerzahlen doch erheblich dämpfen.

Und hier die Theorie dazu: Diese Sites leben alle von Werbung und/oder Transaktionen. Wie viel Geld man aus einem Visitor herausholen kann, entscheidet sich sehr wesentlich danach, wie nahe an einer geldwerten Transaktion der Visitor steht, wenn er die Site besucht, eine Werbeeinblendung sieht oder eine Aktion auf der Site durchführt.

Konkreter: Wer die Homepage von Amazon oder eBay aufruft, tut das vermutlich nicht zur reinen Unterhaltung, sondern in der Absicht, sich was zu kaufen. Wer auf Google nach “Digitalkamera” sucht, will vermutlich bald eine solche erwerben. Das ist also alles sehr transaktionsnahe. Hingegen: Wer auf Facebook oder MySpace eine Bannwerbung sieht, ignoriert die fast sicher und spielt lieber weiter mit seinen Online-Freunden.

Oder graphisch dargestellt:

Werbetypen 14Oct07.001

Nicht alle Werbung ist gleich. Manche Formen (wie eben Google Adwords oder ein Angebot auf einer eCommerce-Site) sind extrem transaktionsnah und darum wertvoll. Bei anderen (z.B. Werbung auf themenspezifischen Blogs oder die kontextsensitiven Google Adsense-Einblendungen auf Contentsites) steht eine Transaktion nicht im Vordergrund, könnte aber angeregt werden. Aber bei einigen (wie z.B. Bannern auf Social-Networking-Sites) hat der User eine so klar andere Absicht im Zeitpunkt der Benutzung, dass jede Werbeeinblendung mit grösster Wahrscheinlichkeit ins Leere läuft. Hinzu kommt, dass auch der Zielgruppenfokus aus Sicht der Werbetreibenen gerade bei Social-Networking-Sites ziemlich unscharf ist. Klar, man findet dort fast nur Leute, die zur berühmten “werberelevanten Zielgruppe” (14-49 Jahre) gehören, aber das ist auch schon alles.

Um fair zu sein: Die Social-Networking-Sites tun derzeit viel, um diese Situation zu verbessern. Sie experimentieren mit Werbetargeting aufgrund von Verhaltensmustern, bieten alternative Werbeformen (wie Sponsoring) an oder gehen lukrative Partnerschaften ein. Es kann gut sein, dass diese Anstrengungen zu einer erfolgreicheren “Monetarisierung” der User-Massen führen wird. Und immerhin hätten diese Sites auch eine relativ gute Ausgangslage, um ihren vielen Usern andere Leistungen zu verkaufen, die vielleicht besser kommerzialisierbar sind.

Das täuscht aber kaum darüber hinweg, dass die Social-Networking-Sites einfach durch ihre essentiellen Eigenschaften und die typischen Benutzungsmuster ihrer User an Grenzen stossen werden. Darum: Auch mit noch so vielen Usern werden Facebook oder MySpace niemals so lukrativ wie Google oder eBay werden.

Politikerzitate bewerten – eine Paradedisziplin des Web 2.0

Sich über Politiker zu beklagen, ist für viele Menschen fast ein Grundbedürfnis wie das nach Essen und Schlaf. Solange es keine funktionierende Gesellschaftsform gibt, die ohne Regierung und Politik auskommt, wird sich dies auch nicht ändern. Webseiten, die Internetnutzern die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu Politikern kund zu tun, sind damit eine ziemlich sichere Bank. Das haben Marc Fuehnen und Max Schulze aus Berlin erkannt und mit Die Politiker eine nette Web-2.0-Plattform auf die Beine gestellt, bei der User Zitate von Politikern eintragen und bewerten. » weiterlesen

Live:
Miss-Schweiz-Wahl 2007

Gastautor: Der unmündige Leser

Guten Abend

Es ist Wahl-Herbst in der Schweiz. An der Olma in St. Gallen werden heute die Kühe prämiert und in der MaagMusicHall in Zürich die Miss-Schweiz-Kandidatinnen.

Die Medienlese gewährt mir heute Abend freundlicherweise Gastrecht. Ich berichte live vom Sofa über die Miss Schweiz Wahl 2007. Ebenfalls anwesend sind einige Freunde und Freundinnen, ein Käsefondue und diverse Alkoholika.

20.21 Uhr: Es geht los. Die 16 Kandidatinnen werden mit einer Choreographie vorgestellt, die abgesehen von den sexy Kleidern eher der Parade einer Jugendmusik-Kapelle gleicht.

20.25 Uhr: Multitalent Sven Epiney begrüsst das Publikum eloquent in den vier Landesprachen und stellt die Jury vor. Auch das Publikum darf mitwählen. Derweil serviert bei uns der Gastgeber das Käsefondue Moitié-Moitié.
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Vorankündigung:
Pendlerblogger bloggt Miss-Schweiz-Wahl live

Während meines Wissens weder Miss Österreich noch Miss Deutschland eine grössere Bedeutung haben, haben die Medien der kleinen und promiarmen Schweiz die jährlichen Wahlen zu einer Miss und zu einem Mister Schweiz zu einem Event gemacht, der es nach mehreren Jahren intensiver Berichterstattung über das gesamte Jahr hinweg zu (zumindest gefühlter) Bedeutung gebracht hat.

Für uns bloggt heute ein Gastautor live von der Wahl, der vielen als einer der Schreiber des Ende 2006 verblichenen 20Minuten-Watchblogs Pendlerblog in Erinnerung ist: Der unmündige Leser.

Wir freuen uns auf den Gastbeitrag. Wegen der langen Pseudonymgeschichte unseres Gastautors werden wir ihn auch bei uns unter Pseudonym bloggen lassen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

orkut:
Googles unterschätztes Social Network

Nach dem gestrigen Beitrag zu Googles Quasi-Monopol gibt es heute noch einmal etwas zum Thema Google, genauer gesagt zu dessen Social Network orkut. futurezone.ORF.at hat in einem kompakten und informativen Artikel treffend die Entwicklung des hierzulande wenig bekannten sozialen Netzwerks aus dem Hause Google beschrieben. Die Kurzfassung: Einige Jahre führte orkut ein Schattendasein, hat sich seit 2006 aber in verschiedenen Regionen der Erde zur meist besuchten Community gemausert und könnte in Zukunft für MySpace und Facebook zu einer bedrohlichen Konkurrenz werden. » weiterlesen

Zurück zur Jugend

Aus Karriere wird wieder Junge Karriere – nach zwei Jahren unter verkürztem Namen heißt das Jobmagazin für Studenten und Berufseinsteiger aus dem Handelsblatt-Verlag wieder wie vorher. Erneuertes Layout und die wöchentliche Beilage Perspektiven im Handelsblatt gibt’s dazu.

karrierejung

Karriere wird jung: Cover vor und nach dem Redesign

Die deutsche Hochschullandschaft ist im Umbruch und knapp zwei Millionen Studenten suchen Orientierung: Allein Karriere hat nach IVW-Zahlen eine Auflage von fast 150.000 und konnte den Einzelverkauf um 40% steigern (diese 40% sind allerdings nur 10.024 Hefte). Dazu kommen Angebote wie das neue Zeit Campus und nicht zuletzt Neon – trotz kostenloser Campuspresse wie Unicum, aud!max oder Focus Campus.

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Demokratie-Alarm

Politik, wir machen ein Quiz. Raten sie das Land, um das in den folgenden Zitaten geht. Ein Tipp: So weit weg ist es nicht.

Artikel 1: spiegel.de

Demokratie am Rande des Nervenzusammenbruchs: Das Land ist außer Rand und Band, die Stimmung alarmiert bis konsterniert. Dem rechten Durchmarsch von xxx und seiner xxx scheint sich niemand in den Weg stellen zu können – weder Demokraten noch Antidemokraten.

Artikel 2: spiegel.de

Der aggressive Wahlkampf (…) hat das Land in ein Tollhaus verwandelt. Die Truppe um xxx hetzt so offen gegen Ausländer, dass die Uno den Rassismus anprangert.

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Google der Quasi-Monopolist

Andreas Göldi erläutert im Blog Medienkonvergenz, warum Google nicht als Monopolist bezeichnet werden kann. Er zieht dafür sowohl die ökonomische als auch die juristische Perspektive des Monopolbegriffs heran, nennt gängige Definitionen und Monopol-Indikatoren der Wirtschaftswissenschaft und des Kartellrechts und belegt eindeutig und nachvollziehbar, warum Google aus keiner der beiden Sichtweisen ein monopolistisches Handeln, also ein Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung, vorzuwerfen ist. Während ich seine Analyse als solche für völlig korrekt halte, so wird in meinen Augen diese sehr klassische, “quadratische” Sichtweise auf das Treiben des Internetkonzerns den Zusammenhängen des globalen Internets und dessen Wirtschaft nicht gerecht und erzählt damit nicht die ganze Wahrheit. » weiterlesen

“Die FIFA – Macht und Machenschaften im Weltfußball”

Eine ARD-Dokumentation will sich mit dem Weltfussballverband FIFA beschäftigen. Da sich aber alle Beteiligten in Schweigen hüllen, steht der Präsident im Zentrum, Sepp Blatter. Neues bietet die Recherche kaum.

Fünf Jahre wurde recherchiert für “Das Schweigen der Quandts“, zwei Jahre für “Die FIFA – Macht und Machenschaften im Weltfußball“. Wir schauten zu und bloggten mit.

22:50: Die Sendung sollte beginnen, doch es laufen die Tagesthemen. Nicht mal die festen Sendeplätze sind feste Sendeplätze.

23:00: Das Wetter. Hochnebel.

23:04: Die Sendung beginnt mit Bildern der Weltmeisterschaft und Sepp Blatter, der meint, dass der Fussball eine bessere Welt schaffen sollte.

23:06: Gemäss Aussage eines Funktionärs hat Sepp Blatter die Weltmeisterschaften erfunden hat. War er denn 1930 schon auf der Welt? (Nein.)

23:07: Ein Gegensatz: Die FIFA wird als prunkvoller Verein präsentiert, Blatter aber präsentiere sich als der “Anwalt der Unterprivilegierten”.

23:08: Jedes Land, egal wie klein, erhält jährlich 250.000 Dollar von der Fifa. Ganz schön viel.

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