Selbstreferentialität – der dümmste Vorwurf im Web 2.0

Wenn sich Blogger und Journalisten ineinander verbeißen, dann kommt er mit Sicherheit irgendwann: der wechselseitige Vorwurf der ‘Selbstreferentialität’.

Selbstreferentialität
Wir beziehen uns auf uns

Der Schreiber der FAZ mokiert sich dann über ‘den Blogger, der einen anderen Blogger beim Filmen filmt’ – und er vergisst beim Lachen darüber das parallele Phänomen im eigenen Beritt, wo die BILD-Zeitung für den Abdruck von Frank Schirrmachers hessischer FAZ-Wahlhilfe in ihrem Blatt zwei Seiten freiräumt, wo also der eine Journalist dem anderen Journalisten beim Veröffentlichen noch mehr Öffentlichkeit verschafft. Woraufhin die Blogger nach Herzenslust daherpolemisieren und sich wiederum über die Selbstreferentialität des alten Mediensystems lustig machen. Was die getroffenen Journalisten lauthals zetern lässt, weil ihre ‘Selbstreferentialität’ doch angeblich ‘Seriosität’ und ‘öffentliche Verantwortung’ heißt. Manche sagen dazu allerdings auch ‘Kampagne’. Kurzum: Ohne Selbstreferentialität läuft heute nichts mehr – noch nicht einmal auf Journalistenschulen.

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Puls 4-Sendestart:
Sensationelle Versprechungen

Heute um 18 Uhr startet mit Puls 4 Österreichs viertes landesweites Privatfernsehen. Eine Talkshow mit Natascha Kampusch dient als Aushängeschild für eine bisher offenbar unerfüllbare Mission: gutes und quotenstarkes Privat-TV made in Austria.

Puls4-Senderlogo
Puls 4: Kampusch für die Quote?

Entführungsopfer Natascha Kampusch soll eine Talkshow im Programm des Wiener Privatsenders Puls 4 bekommen. Genau diesen Aufmerksamkeitskick brauchte der vierte private Fernsehkanal Österreichs für seinen landesweiten Sendestart am Montag. Anfang Jänner 2008 entzündete diese Ankündigung ein kleines Leuchtfeuer in den deutschsprachigen Medien. Wochenlange zehrte der Sender von dieser Aufmerksamkeit, und auch in den nächsten Wochen scheint das Interesse für das Talkshow-Experiment mit Kampusch gesichert.

Doch neue österreichische Medienprodukte halten nicht unbedingt immer das, was sie versprechen. Mit Trommelwirbel war auch die Tageszeitung Österreich im September 2006 gestartet – bekanntlich klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung zu diesem Titel weit auseinander. Enttäuscht wurde kürzlich auch, wer sich von Austria 9 gut gemachtes, österreichisches Privat-TV erwartete. Stattdessen gibt es Uraltserien und Anrufshows in Dauerschleife. Schließlich munkelt man schon, dass es sich bei Kampuschs Talkshow auf Puls 4 um einen PR-Gag handelt – behauptet zumindest 20min.ch, das einen besonderen Draht in die Medienwelt der Alpenrepublik vortäuscht. Aber was steckt wirklich hinter den sensationellen Versprechungen von Puls 4?

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Kommt die Internet-Krise 2.0?

Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind derzeit alles andere als erfreulich. Die Banken werden geschüttelt von der Kreditkrise, die Börse fährt Achterbahn. Eine Rezession in den USA gilt als so gut wie sicher, und erfahrungsgemäss breitet sich so eine Krise kurze Zeit später auf Europa und Asien aus. Branchenbeobachter erwarten darum schon bald deutlich härtere Zeiten für Werbe- und Technologieausgaben.

Gleichzeitig werden die Bubble-Meldungen aus dem Silicon Valley ständig noch absurder. Beispiel: Letzte Woche erhielt die Firma Slide.com $55 Mio. frisches Kapital zu einer Bewertung von satten $500 Mio. Dieses Unternehmen produziert nicht etwa, wie man bei diesen Summen denken würde, ein hochkomplexes technologisches Produkt, sondern lustige Widgets und Applikatiönchen für Facebook und MySpace. Die Benutzerzahlen sind beeindruckend, die Umsätze (die dem sehr dünnen Businessmodell nach zu schliessen irgendwo in der Nähe des Nullpunktes liegen) deutlich weniger. Und trotzdem schlucken Investoren willig solche Bewertungen.

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Titelseiten nach der Wahl:
Gähnende Langeweile

Kein klares Wahlergebnis in Hessen und der Redaktionsschluss rückt immer näher: Entsprechend mau sehen heute die Titelblätter der überregionalen Titel aus.

Zeitungstitel am 28. Januar 2008

Bei NewsDesigner ist es schon lange Tradition, nach wichtigen Ereignissen die Aufmacher von Zeitungen zu dokumentieren. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen schafft es vor allem der große Verlierer des Abends auf die Titelseiten. Alles andere ist zu unsicher, kurz vor Mitternacht hat die CDU sogar wieder einen kleinen Vorsprung vor der SPD.

Die hier dokumentierten Titel wurden um Mitternacht von den E-Paper-Angeboten der Zeitungen per Screenshot gemacht. Leider gestattet die Frankfurter Rundschau keine Vorschau auf die Titelseite.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

studiVZ-CEO lässt im FAZ-Interview zahlreiche Katzen aus dem Sack

FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat mit studiVZs Geschäftsführer Marcus Riecke ein Interview geführt und ihm eine Menge überraschender Neuigkeiten entlocken können. In Kürze: » weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

935 unwahre Behauptungen, Premiumblogger, Luegmol.

Die Regierung von US-Präsident Bush sah sich mit einer Studie konfrontiert, die ihr bescheinigte, 935 “unwahre Behauptungen” gemacht zu haben, um den Einmarsch in den Irak rechtzufertigen. Schuld sind aber auch die Medien. Lee Hamilton, früherer Vorsitzender der Irak-Komission des Kongresses, gemäss tagesschau.de: “Die allermeisten Medien haben den Krieg regelrecht bejubelt, dabei ist es ihre Aufgabe, jede öffentliche Äußerung auf den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das haben sie nicht getan.”

Beim Schweizer Lokalsender Telebasel stellte der Chef höchstpersönlich seinen Sender aus – aus Versehen. Eigentlich wollte er “die Klimaanlage ausschalten, die ihrer lauten Geräusche wegen die Redaktion störte. Statt der Klimaanlage erwischte Surbeck aber den Generalschalter von Telebasel.”
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Burda Digital-Life-Design 08:
Netzwerken, bis die Stimme versagt

Wo bleibt nur der Abschlußbericht vom Burda DLD 08? Nein, ich bin im Gegensatz zu einigen Kollegen nicht erkrankt. Aber trotzdem sprachlos, pardon: stimmlos geworden.

Burda DLD Party Bayrischer Hof W.D.Roth
“Boah, ist das schön bunt hier!” – “Na klar, das ist ja auch die Party der Bunten!” (Bild: W.D.Roth)

Der Burda DLD 08 ist nun schon einige Tage hier, der Abschlussbericht fehlte aber noch. Das hatte zweierlei Gründe: Zunächst war in den Tagen des DLD 08 und der nachfolgenden CeBIT Preview etliches liegen geblieben, dass zunächst erledigt werden musste. Außerdem verstand mich aber auch mein Computer nicht mehr, weil ich heiser war – ein typisches Erkennungszeichen aller DLD-08-Teilnehmer spätestens ab dem zweiten Tag.

Schließlich geht man auf eine solche Veranstaltung nicht nur, um sich schöne bunte Powerpoints reinzuziehen und in den Vorträgen laut zu schnarchen. Durch die Zeitverschiebung bei den Teilnehmern aus den USA, aus dem nahen oder fernen Osten bedingt war nach erfolgreich erkämpftem Sitzplatz das prompte Einschlafen der Gäste keinesfalls ein seltener Anblick, wobei sich die Damen mitunter zumindest noch an einer starken Männerschulter anlehnen konnten.

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Gut gespielt:
Facebook baut aggressiv Developer-Plattform aus

Dass ich kein grosser Fan von Facebook bin, ist regelmässigen Lesern dieses Blogs nicht neu. Und ich glaube weiterhin, dass diese Social-Networking-Plattform grundsätzlich überschätzt wird.

Aber: Facebook hat weiterhin die mit Abstand am besten geplante und ausgeführte Plattform-Strategie in diesem Marktsegment. Dem gegenüber nehmen sich die anderen Mitspieler wie blutige Anfänger aus (Google, Plaxo) oder sind noch gar nicht erst auf dem Spielfeld aufgetaucht (MySpace, StudiVZ, XING). Auch wenn man sich über den Sinn der meisten Facebook-Applikationen (Schafe werfen, anyone?) streiten kann, hat Facebook doch die breiteste und erfolgreichste Entwicklercommunity für allerlei lustige Zusatzmodule angezogen. » weiterlesen

Ein Ehrentor für die Musikindustrie

Die am Musikgeschehen interessierte Internetgemeinde ist sich einig – in diesem Jahr wird das bisherige Geschäftsmodell der Plattenfirmen, Musik teuer zu verkaufen und dabei gleichzeitig die Kontrolle über die Verwendung der von den Kunden erstandenen Alben und Songs behalten zu wollen, endgültig durch neue, alternative Monetarisierungsformen abgelöst. Digitalisierung, allgegenwärtige Internetverfügbarkeit und das individualisierte Mitmach-Web sorgten besonders in den vergangenen Monaten für grundlegende Umwälzungen im Musikgeschäft. Während die Zahl der weltweiten Tonträgerverkäufe weiter sinkt, wird im Netz, dem in Zukunft wichtigsten Distributionskanal für Musik, heftig mit neuen Vertriebsvarianten experimentiert. » weiterlesen

Im Test:
Die Weltwoche

Die Weltwoche hat in den letzten Jahren den Grossteil der Leser- und Schreiberschaft ausgetauscht, den inhaltlichen Kurs verändert, den Besitzer gewechselt und zwei Konkurrenten verloren. Wir lesen das Magazin zu Politik, Wirtschaft und Geselltschaft.

Weltwoche-Cover

Seit die Schweizer Wochenzeitung im Jahr 2002 von sperrigem Zeitungspapier auf elegantes Magazinformat umgestellt wurde, ist einiges passiert – wir testen: Ausgabe 3/2008, 17.1.2008.

Allgemeiner Eindruck

Eine Blondine mit grossen Brüsten vornedrauf? Das muss was für Männer sein, denkt man sich. Gemacht wird das Blatt jedenfalls hauptsächlich von Männern, in dieser Ausgabe sind nur 4 oder 5 aller Artikel von Frauen geschrieben, davon einer auf einer Doppelseite, alle anderen müssen unter einer Seite bleiben. Thomas Widmer hingegen breitet auf einer Doppelseite die Vor- und Nachteile der aktuellen Miss Schweiz, Amanda Ammann aus. Das klingt dann so in den ersten Zeilen:

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