Inhalt war gestern:
Die Contentlieferanten

Dieses Wort hat es in sich. Wer den Begriff Contentlieferanten verwendet, degradiert Autoren nicht selten zu bloßen Erfüllungsgehilfen seiner Anzeigenabteilung.

Content (Bild Keystone)
Content? (Bild Keystone)

Irgendwann in den 90er-Jahren ging es los: Statt von ‘Medieninhalten‘ sprachen Menschen, die sich als besonders hip und nerdig verstanden, plötzlich vom ‘Content’ eines Mediums, womit sie die Text-, Sprach- und Bildinhalte meinten. Und aus Blogs und Wikis wurden ‘Content Management Systeme‘.

Gut – könnte man sagen – das kennen wir ja: Das ist die überdrehte Sprache einer technischen Avantgarde, die sich kein Butterbrot mehr in den Rachen stopfen kann, ohne lauthals von ‘Fingerfood’ zu schwätzen. Dann aber kam das Marketing dahergeschlendert, jene geldnasigen Schnüffels mit den flinken Augen also, die hier, in der Neusprachlichkeit, lukrative Geschäftsmodelle witterten. Denn jedes Wort, das wissen sie schließlich am besten, verändert die Welt. Daher ihr unaufhörliches, marketing-typisches Neu-Babbelonisch, ‘damit nicht gleich ersichtlich sei, wo irgendein Profit dabei‘.

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Magazin-Kunst:
Alles auf einer Seite

Wenn sich Joseph Ernst ein Magazin vornimmt, bleibt nicht viel übrig. Ganze Zeitschriften reduziert der Künstler auf die Werbeanzeigen oder Überschriften einer Ausgabe, die er auf einer einzigen Seite montiert.

One Page Magazine (Bild Joseph Ernst)
One Page Magazine: Nur das Wesentliche (Bilder © Joseph Ernst)

Sieben Magazine hat Joseph Ernst gestaltet – seine Ausgabe der Time zeigt alle Überschriften eines Hefts auf einer Seite versammelt, an der gleichen Position wie im kompletten Heft. Bei National Geographic und Wired sind es alle Werbeanzeigen auf einer Seite, bei Hello! die Namen der Stars und Sternchen.

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NEON.de – gegen den Community-Einheitsbrei

Obwohl die (rein gefühlte) Frequenz in letzter Zeit etwas abgenommen hat, so erreichen uns doch nahezu täglich Meldungen über neu gegründete Communitys. Wirft man dann jedoch einen Blick auf die Seiten, kann man 90 Prozent schnell und ohne weiteres in die Kategorie Facebook-Klon Nr. 1045 einordnen und für immer vergessen. Diese Emsigkeit und Einfalt im Kopieren von neuen Diensten hat im letzten Jahr sogar kurzzeitig dazu geführt, dass Deutschland den Ruf als Kopierer-Nation weg hatte.

Dennoch gibt es hierzulande Communitys, die – vom Radar der Blogosphäre nahezu unbeobachtet – friedlich vor sich hin existieren und trotzdem über durchwegs interessante Funktionen und Konzepte verfügen, die es sich lohnt, genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine solche Community ist NEON.de, die ich deshalb hier mal als Beispiel herauspicken und vorstellen möchte.

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Virale Werbekampagnen:
Wie die Medien auf PR-Aktionen reinfallen

Das Cézanne-Bild auf YouTube, Free Internet, Paris Hilton und der Guru. Drei Beispiele, wie Medien auf PR-Kampagnen reinfallen oder, umgekehrt, wie PR-Aktionen erfolgreich in den Medien lanciert werden.

Spiegel Wissen
Spiegel Wissen wirbt ausversehen mit Claus Kleber – prompt berichten Bild, Süddeutsche und FAZ. Ist das jetzt auch viral?

Ein YouTube-Video zeigt zwei vermummte Figuren, die ein gestohlenes Bild an die Wand hängen – die Medien berichten, dann stellt sich heraus, dass es sich um Werbung handelt. Eine Website gibt vor, sich für Free Internet einzusetzen und sammelt sogar Unterschriften – Blogs und Medien berichten, dann stellt sich heraus, dass es sich um eine Werbeaktion handelt. Eine Hotelerbin geht mit einem Schauspieler spazieren – die Medien berichten darüber, dann stellt sich heraus, dass es sich um eine Promoaktion für eine TV-Sendung handelt.

Gibt es überhaupt noch Neuigkeiten, deren Verbreitung nicht im Interesse einzelner ist? Wir erläutern die drei Beispiele genauer und ziehen ein Fazit.
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Satellitenchaos bei der ARD:
Qualitätsangriff auf die Bildschirme

Die ARD führt einen weiteren Transponder für DVB-S – digitales Satellitenfernsehen – ein, um die übertragbaren Bitraten zu erhöhen. Leider wird bei einigen Zuschauern der Bildschirm ab Juni schwarz bleiben.

Satellitenempfänger (Bild Keystone)
Wo funkt’s? (Bild Keystone)

RTL, 9Live & Co. können aufatmen: Die Programmqualität ist mit der von der ARD ausgerufenen sogenannten Qualitätsoffensive (Offensive: milit. Angriff) nicht gemeint, nicht sie sind also Ziel der Attacke, sondern die ARD selbst, genauer: die Sendetechnik. Ein neuer Satellitentransponder soll ab dem nächsten Mittwoch, dem 19. März 2008, mehr Bandbreite bringen und damit die auf den großen Flachbildschirmen mittlerweile sichtbare “Kästchenbildung” des Digitalfernsehens reduzieren.

Das ist erfreulich. Mancher könnte allerdings ab Juni ein ganz kästchen- und auch inhaltsfreies Bild erhalten, so er Eins Extra, Eins Festival, Eins Plus, Arte, Phoenix oder Radio Bremen TV sehen will. Auch BR-alpha wird umgestellt, doch wird hier erst ein Jahr später der heutige Kanal abgeschaltet.

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Nachrichten-Konkurrenz um 20 Uhr:
Vielen Dank, Peter

Die “Sat.1 Nachrichten” greifen die heilige Fernsehtante “Tagesschau” an. medienlese.com hat sich die Jungfernsendung angeschaut.

Peter Limbourg (Bild Keystone)
Peter Limbourg: Optisch glaubwürdige Schläfen? (Bild Keystone)

20 Uhr, Tagesschau. Eine Institution. Und an dieser will Sat.1 künftig rütteln. Die “Sat.1 Nachrichten” werden von jetzt 18:30 Uhr auf 20 Uhr verschoben. Wie die “Tagesschau” wird die Informationsleistung des Berliner Privatsenders 15 Minuten in Anspruch nehmen.

Sat.1 nennt zwei Gründe für die News-Offensive: Laut Geschäftsführer Torsten Rossmann sind die Nachrichten um 18:30 Uhr und das folgende Boulevard-Magazin hinderlich für die Quote. Die bis 18 Uhr 30 aufgebauten Marktanteile beim werberelevanten Publikum (9,2 Prozent im Februar) sinken um bis zu zwei Prozent, sobald die Information kommt.
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Wohn-Communities im Rampenlicht der Massenmedien

FernseherWährend die große Mehrheit junger Web-Startups in Deutschland um jeden Neunutzer kämpft und sich gerade im angesagten Markt der Social Networks eine mutmaßlich hohe Zahl der Anbieter mit Mitgliederzahlen im unteren vierstelligen Bereich zufrieden geben muss, haben Wohn-Communities derzeit ganz andere Probleme: Sie erleben einen hauptsächlich durch Fernsehberichte verursachten Besucheransturm, der die Server der noch jungen Seiten solebich.de und Zimmerschau vor eine echte Herausforderung stellt. solebich.de startete im März 2007 als ucinteriors.com und wurde im Februar diesen Jahres einem Relaunch unterzogen, der auch den neuen Namen mit sich brachte. Laut Daniel Eichhorn, bei der Community für die Presse zuständig, verzeichnete man seit Februar fast eine Million Seitenaufrufe und zahlreiche Presseanfragen. Vorläufiger Höhepunkt war am letzten Mittwoch eine Erwähnung der Seite bei den regelmäßig mit Spitzenquoten gesegneten Hauptnachrichten von RTL, RTL Aktuell. Allein durch diese Austrahlung konnte man knapp 1.500 neue Mitglieder hinzugewinnen. » weiterlesen

Deutschsprachiges Facebook:
bisher kein Ansturm deutscher Nutzer

facebook_logo.gifDas, was wir bereits vermutet haben, scheint einzutreten: Der Start der deutschsprachigen Facebook-Version hat sich bisher nur bedingt auf die Nutzerzahlen ausgewirkt. Innerhalb von zwei Wochen nach dem Launch von facebook.de gewann das deutsche Netzwerk knapp 20.000 Mitglieder hinzu (von 350.000 am 03. März auf knapp 370.000 am heutigen Tag). In den 14 Tagen davor waren es rund 13.000 neue Mitglieder. Die relativ geringe Differenz von 7.000 Usern in zwei Wochen (500 pro Tag) kann als über den Daumen gepeiltes Wachstum betrachtet werden, das in Folge des Deutschlandstarts generiert wurde. Eine Mitgliedschaft im Ländernetzwerk ist zwar nicht obligatorisch, hat sich aber für die Analyse des Nutzerwachtum als verlässlicher Indikator erwiesen. Es verdichten sich damit die Anzeichen dafür, dass es Facebook in Deutschland aufgrund der starken Konkurrenz und kräftiger Netzwerkeffekte im Bereich der Social Networks für die Altersgruppe von 14 bis 39 Jahren schwer haben wird, schnell organisch zu wachsen. » weiterlesen

Musik, Medien, Minuten

Wir haben wieder Videoformate im Netz gefunden, die wir Euch gerne vorstellen möchten.

Schatten

Schatten auf Berlin: Die dreckigen, unangenehmen Seiten der Großstadt zeigen 20 Studenten der Fachhochschule Salzburg in kurzen Videoclips. Der dreckige Gegenentwurf zur aktuellen Berlinkampagne in durchgestylten Bildern. Nicht immer ganz unverkrampft und nicht immer ganz klischeefrei – dafür sieht’s meist gut aus und ist mutig. Das Material ist unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht und darf kopiert und verändert werden.

Neben kurzen, inszenierten Filmen gibt es längere Reportagen. Zum Beispiel über ein leerstehendes Parkhaus im Problemkiez, in dem lauter kleine Projekte existieren. Gärten, Grills und Nachbarschaftsfeste, ohne großartige Unterstützung der Stadt. Zitat aus dem Film: “Wer tut was für die Armen? Ich finde die Situation ziemlich schlimm für eine Großstadt, hallo?!”

Tipp: “Saufende Jugend”

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medienlese – der Wochenrückblick

KleinBloggersdorfer, Patenkind Nirmala, Facebook-Sperre bei CS.

Teile der deutschsprachigen Bloggerszene hegten publizistische Gedanken, die über das Schreiben eines privaten Blogs hinausgingen. Jochen Hoff, am 12.03.2008: “Virtuell und als Wochenzeitung im Print. Dienstag ist der Tag der ‘Virtuell Times’ oder meinetwegen auch jeder andere Wochentag. Das Biest kann meinetwegen auch KleinBloggerdorfer Anzeiger heißen. Aber anfangen sollten wir. Mit dem Denken zuerst und dem sammeln von Menschen. Im Herbst sollte die Idee rund sein, im Winter die Technik rund gemacht werden und dann den ersten Januar als Starttag. Das wäre machbar.” Und Don Alphonso, am 07.03.2008: “Wisst ihr, Freunde der Blasmusik, ich trage mich ja selber ab und an mit dem Gedanken, was aufzuziehen. Ich hätte das Medium, die Zielgruppe, den Markt und die Region. Und ich denke mir immer: Ach ne, warum, muss eigentlich nicht sein, ich kann auch anders. Obwohl mir viele Leute in den Ohren liegen, es zu probieren. (…)”
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