Jetzt mal wissenschaftlich:
Verdrängt Online die gedruckte Zeitung?

In der Zeitungsbranche werden schon seit Jahren zwei Fragen heiss diskutiert: Sind die Online-Ausgaben einer Zeitung eine Ergänzung zum gedruckten Blatt, oder kannibalisiert Online die Print-Ausgabe einfach? Und sollten Verlage Geld verlangen für ihre Online-Ausgaben oder lieber alles gratis weggeben und an den Werbeeinnahmen verdienen?

Eine neue Studie der Graduate School of Business der University of Chicago beleuchtet diese Fragestellungen aus einer empirischen Perspektive und zeigt dabei einige interessante Mechanismen auf. Der Autor, Matthew Gentzkow, untersuchte Leserdaten der Washington Post. Diese Zeitung ist sowohl in Print wie auch Online (<a href="http://www. » weiterlesen

Auf Augenhöhe?

Trouvaillen sind kleine Dinge, auf die man stößt, ohne sie gesucht zu haben. Das gilt zum Beispiel für das folgende Zitat:

“Der Leser ist nicht ein Idiot, der es Grunde gar nicht wert ist, von so auserwählten Hohepriestern wie unseren Redakteuren angesprochen zu werden, sondern er ist ein normaler Mensch mit Zweifeln, einer gewissen Wißbegierde und einem dringenden Bedürfnis zu lachen oder wenigstens sich nicht zu langweilen. Und die Leute, die man angreift, sind nie dumm, erbärmlich und verächtlich, sondern einfach anders, aber meist ebenbürtig. Es kommt letzten Endes darauf hinaus, daß man sich in einer Zeitung nicht anders benimmt als den Leuten gegenüber, mit denen man zusammen an einem Tisch sitzt”.

Kundige haben es erraten, das Zitat ist von Marion Gräfin Dönhoff, es stammt aus ihrem Briefwechsel mit Gerd Bucerius (Siedler Verlag, 2003, S. 27).

» weiterlesen

Exklusiv:
Demographie der deutschen Facebook-Nutzer

facebook_logo.gifDer englischsprachige Blog AllFacebook.com hat auf eine Möglichkeit hingewiesen, mit der sich bisher nicht veröffentlichte demographische Daten über Facebook-Nutzer aus einem bestimmten Land gewinnen lassen. Dazu wird die Funktion “Flyers Pro” genutzt, mit der man innerhalb der Plattform Anzeigen auf Klickpreisbasis schalten kann. Teil der Anzeigenbuchung ist die genaue Festlegung der Zielgruppe, die später die Werbemaßnahme sehen soll. Zahlreiche Filtermöglichkeiten existieren, die jeweils die maximal erreichbare Nutzerzahl innerhalb eines Landes anzeigen. Die zugrunde liegenden Daten basieren auf den Informationen, die User in ihrem Profil angegeben haben.

Ich habe ein wenig mit den Filterfunktionen herumgespielt und folgende, bisher unveröffentlichte Angaben zur Demographie der deutschen Facebook-Nutzer mit Stand 20. Oktober 2007 14:00 Uhr protokolliert: » weiterlesen

weblins Avatare werden zu Social-Network-Botschaftern

weblinAuf eine interessante Neuerung verweist die Avatar-Community weblin heute in einer Pressemitteilung. Weblin ist eine kostenlose Software, die User beim Surfen im Netz als kleine Avatare im Browser darstellt. Weblin-Anwender, die sich gleichzeitig auf der selben Website befinden, können so miteinander kommunizieren. Der von der Hamburger zweitgeist GmbH entwickelte Dienst hat sich in den letzten Monaten zu einem der heißesten deutschen Web-Startups entwickelt und bereits einige internationale Auszeichnungen und Nominierungen erhalten. » weiterlesen

Presserat will auch online rügen

Der Deutsche Presserat hat sich im vergangenen Jahr mit 945 Beschwerden beschäftigt, aus denen 36 öffentliche und sechs nicht-öffentliche Rügen hervorgegangen sind. Das meldete das Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle der gedruckten Medien am Mittwoch in Berlin.

Auf der Jahrespressekonferenz wandte sich Geschäftsführer Lutz Tillmanns gegen den Gesetzentwurf zur Online-Durchsuchung und zur Vorratsdatenspeicherung. Durch die Aushöhlung des Informantenschutzes sei die Pressefreiheit gefährdet.

In Zukunft wolle man sich auch mit auch Online-Medien beschäftigen, sagte Fried von Bismarck, Sprecher des Presserats und Verlagsleiter des Spiegel-Verlags, dem Berliner Tagesspiegel. Großes Thema des vergangenen Jahres sei Schleichwerbung gewesen, hier herrsche eine große Unsicherheit in den Redaktionen. Der Presserat plane eine “praktische Handreichung” zum Thema, sagte Bismarck.

Presserat: Erteilte Rügen

Grafik von medienlese.com mit Daten von Wikipedia und dem Deutschen Presserat

» weiterlesen

Das grosse Schulterklopfen

Im Springer-Verlag waren sie noch vor kurzem Chefredakteure der Welt und von Bild, Roger Köppel und Kai Diekmann. Während Köppel die Weltwoche gekauft hat, ist Diekmann noch immer Herr über die Inhalte der grössten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Buch “Der grosse Selbstbetrug” war Anlass für ein Gespräch der beiden an der Frankfurter Buchmesse.

Was man der Weltwoche anrechnen muss, ist, dass heute auf Seite 14 im eigenen Blatt dieser Lead steht:

Die Weltwoche ist eine konsequente Blocher-Plattform. Weil bei der Konkurrenz niemand aus dem Mittelmass herausragt, kann Roger Köppel die Themen setzen.

Geschrieben hat den Text mit dem Titel “Monotonie des Chorgesangs” Ex-Sat.1-Boss Roger Schawinski. Er meint auch, auf das Erfolgsrezept dieses Blatts gekommen zu sein:

(…) findet sich in der Weltwoche für jede Mainstream-These eine Gegenthese, die von einem irgendwo aufgestöberten Wissenschaftler vorgetragen wird.

In der Kritik eingebaut ist aber gleichzeitig auch das Lob für Besitzer und Chefredaktor Roger Köppel, den er den “leidenschaftlichsten, unerschrockensten, fleissigsten Journalisten des Landes” nennt, “mit einer fulminanten Schreibe” und einem “beachtlichen, breitgefächerten thematischen Background”. So liest sich der Text des sporadischen Weltwoche-Mitarbeiters schon etwas anders.

Dieser Köppel also redet mit Diekmann. Entstanden ist ein frisches Gespräch («Linke Verständnisfolklore»), dem man sofort abnimmt, dass es genauso geführt wurde.

» weiterlesen

Was macht eigentlich… Last.fm?

Last.fmDie Konkurrenz im Web 2.0 ist groß. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht mehrere ähnliche Anbieter um die Aufmerksamkeit und Zeit der Nutzer kämpfen. Es sollte daher für jeden auf eine große Nutzerschaft ausgerichteten Dienst oberste Priorität sein, seinen Namen und sein Produkt bekannt zu machen und es möglichst dauerhaft im Gespräch zu halten. Last.fm, das weltweit größte Social Music Network, macht dies nicht. Nachdem der Dienst mit Sitz in London Ende Mai diesen Jahres für 280 Millionen Dollar vom US-Medienkonzern CBS übernommen wurde, hat man nicht mehr viel von ihm gehört. » weiterlesen

Was das Suchverhalten über Länder und ihre Bewohner verrät

Suchmaschinennutzer in verschiedenen Ländern haben bei ihrer Suche unterschiedliche Präferenzen. Dass in Deutschland abgesehen von der Sprache andere Begriffe besonders häufig recherchiert werden als in Mexiko oder Pakistan, leuchtet ein. Yahoo! News hat mit Hilfe von Google Trends die Popularität ausgewählter Suchbegriffe in unterschiedlichen Ländern untersucht. Hier das Ergebnis, dass einige Klischees bestätigt, aber auch ein paar Überraschungen beinhaltet. Interpretieren sollte die Resultate jeder selbst. » weiterlesen

Cervelat und Schawinski im Tages-Anzeiger

Konsequentes Blattmachen im Tages-Anzeiger: “Ode an den Cervelat” und die Cervelatprominenz-Geschichte “Schawinski gönnt sich ein Hallenbad” (online beide nicht verfügbar) stehen auf derselben Seite 11 der heutigen Ausgabe:

Tages-Anzeiger S11 2007-10-18

Tages-Anzeiger S11 Schawinski 2007-10-18 unkenntlich

Ein Blick oder eine Schweizer Illustrierte hätten natürlich noch mehr daraus gemacht. “Schawinski: Luxusströmung am Zürichberg”, “Das Fernsehen machte mein Knie kaputt – jetzt nur noch Radio und Hallenbad” und natürlich das unvermeidliche: “Schawinskis Nachbar: Meiner ist viel grösser!”

Aber immerhin. Dass der Tages-Anzeiger die Bauausschreibungen im Tagblatt auf Promi-News scannt, ist mal ein Anfang.

Update vom 23.10.2007: Auf meine Anfrage vom 18.10.2007 hin bat mich die Tamedia heute, den zweiten Ausriss unkenntlich zu machen. pho

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

“Goopple”:
Die Zukunft des Personal Computing?

Nick Carr gehört zu einer seltenen Sorte von Fachjournalist: Er sagt oft Dinge, die eigentlich in der Luft liegen, in erfrischend klarer und direkter Art. Vor Jahren empörte sein Artikel “IT Doesn’t Matter” die IT-Prominenz, weil Carr dreisterweise behauptete, dass Informationstechnologie längst kein strategischer Heilsbringer mehr, sondern ganz normale geschäftliche Basisinfrastruktur ist. Dem würden inzwischen gar nicht mehr viele widersprechen.

Sein neuster Artikel beschäftigt sich wieder mal mit der Zukunft der Computerei. Und seine Behauptung ist ebenso interessant wie potentiell kontrovers: Google und Apple, so Carr, basteln im Hintergrund zusammen am PC der Zukunft. Auf selbigem wird (natürlich) Mac OS X laufen, er wird sehr billig ($199 oder so) und energieeffizient sein, und er wird voll in Googles gigantische Dateninfrastruktur in der “Internet-Wolke” eingebunden sein. Applikationen, Content, Softwareupdates, Backups — das alles wird automatisch aus Googles Datenwolke geliefert und wird mit dem schicken Apple-Frontend nutzbar sein.

Diese Spekulation macht natürlich gleich auf mehreren Ebenen Sinn: Dass Apple die Firma mit den derzeit besten Frontend-Fähigkeiten ist, stellt wohl spätestens seit dem iPhone kaum noch jemand in Frage. Und Googles Dominanz im Internet, ermöglicht unter anderem durch seine enorme Serverinfrastruktur, ist ebenso unbestritten. Die beiden Firmen würden sich also ideal ergänzen.

Institutionell sind sie schon längst verbunden. Google-Chef Eric Schmidt sitzt in Apples Board of Directors. Intels CEO Paul Otellini, seit Apples Umbau auf Intel-Chips der vielleicht wichtigste Partner des Mac-Herstellers, sitzt bei Google im Board. Und: Apple-Verwaltungsrat und Nobelpreis-/Oscar-/Emmy-Gewinner Al Gore ist schon lange ein wichtiger Berater (und Grossaktionär) von Google.

Bis auf die Google-Maps-Version und Youtube-Integration im iPhone war bisher die Zusammenarbeit auf Produktebene noch nicht sehr offensichtlich, aber es gibt erste Signale, dass die Firmen tatsächlich eine engere Kooperation testen. In der neusten Version von Apples Videoschnittprogramm iMovie können fertige Clips mit nur einem Mausklick auf die Videoplattform YouTube hochgeladen werden (die bekanntlich zu Google gehört), und auf Apples Webbrowser Safari ist Google die einzige vorkonfigurierte Suchmaschine. Alternativen zu diesen Voreinstellungen gibt es in beiden Programmen nicht. Ist das ein Vorgeschmack auf mehr “Goopple”-Produkte?

Eine engere Zusammenarbeit mit einer gemeinsamen Hardware/Software-Kombination würde strategisch enorm viel Sinn machen. Google spielt, wenn man den Gerüchten glauben darf, schon länger mit der Idee eines eigenen Betriebssystems, Billig-PCs und/oder Mobiltelefons. Der Konzern muss über das heutige werbebasierte Geschäftsmodell hinaus in anderen Gebieten wachsen, wenn er seine enorme Börsenbewertung rechtfertigen will. Mit einer Apple-Allianz würde man sich auf einen Schlag in die technisch beste und derzeit am schnellsten wachsende Produktfamilie einkaufen, statt selber bei Null anfangen zu müssen. Und Apple hat es trotz iPod-Dominanz nicht geschafft, bei Internetdiensten zu einem wichtigen Player zu werden. Eine bessere Partnerschaft als mit Google kann man sich da kaum denken. Selbst unternehmenskulturell würden Googles eher geheimniskrämerische Ingenieurskultur und Apples oft fast schon sektiererischer Produktfanatismus gut zusammenpassen. Ach ja, und beide Firmen haben natürlich einen gemeinsamen Erzfeind: Microsoft.

Wäre so ein preiswerter Google-Apple-PC mit schönem Userinterface und vollintegrierten Internetdiensten eine echte Alternative zur herrschenden Windows-Dominanz? Nun, für Konsumenten, Selbständige und Kleinunternehmen ohne Zweifel. Es gibt in diesen Segmenten schon heute kaum noch einen guten Grund, sich die unnötige Komplexität eines Windows-PCs anzutun. Ein schlüsselfertiges, hochintegriertes Produkt, das auch noch von zwei hochangesehenen Firmen hergestellt wird, würde vermutlich vielen den endgültigen Anstoss zum Wechsel geben. Etwas anders sieht es für grössere Unternehmen aus: Da ist die installierte Basis oft so gross (und schwerfällig), dass ein Plattformwechsel enorme Kosten auslösen würde. Und ausserdem haben die meisten Firmen immer noch ein (Vertrauens-)Problem damit, ihre Daten ausserhalb der Unternehmensmauern zu speichern, auch wenn das ökonomisch vermutlich schon lange mehr Sinn machen würde.

In einer Hinsicht wäre eine “Goopple”-Plattform gegenüber dem Microsoft-Status-Quo wohl kaum eine Verbesserung: Offenheit. Apple und Google sind ausgesprochen intransparent operierende Firmen, die ihre Partner öfters mal nicht gerade besonders gut behandeln. Ein Erfolg so einer Allianz wäre also vielleicht nur die Ablösung eines Monopols durch ein neues. Etwa so, wie damals beim letzten Generationenwechsel Microsoft das IBM-Quasimonopol abgelöst hat.

  • Sponsoren