Was möchte der Medienkonsument? (III)

Wie in den Folgen I und II fragen wir uns, wie es um das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage von Medien und ihren Konsumenten steht. Heute im Fokus: Nicht ausgesprochene Zitate und willkürliche Kürzungen bei Interviews in Printmedien.

Bei einem ungeschnittenen TV-Interview ist es klar. Da sitzt die Person, der Blick der Kamera ruht auf dem Kopf und das gesprochene Wort kann den Lippenbewegungen zugeordnet werden. Es kommt ein Gefühl von Authentizität auf, was neue Mittel der Technik zwar sicher bald in Frage stellen werden, doch trotzdem kann man ziemlich überzeugt sein, einem echten Menschen mit eigenen Aussagen beizuwohnen.

Übernimmt die Aufzeichnung dieser Aussagen ein Journalist oder eine Journalistin, um sie in Buchstaben umzuwandeln, so geht ein Teil dieser Sicherheit verloren. Es bleibt dem Medienkonsumenten nichts anderes übrig, als Vertrauen in jene Menschen zu legen, welche die Aussagen bearbeiten. Und darauf zu hoffen, dass diese das möglichst exakt und wahrheitsgetreu tun.

Doch dem ist nicht immer so. Interviews werden gekürzt, verändert, gestaltet und übersetzt. Ein Beispiel aus den sogenannten Qualitätsmedien:

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Luxus als Beilage

IMG 1677Wer kennt das nicht? Kauft man eine Zeitung, verwendet man die ersten paar Sekunden vor dem Lesen mit dem Herausschütteln von Werbebeilagen. Ein Vorgang, der immer länger dauert und den Altpapierstapel wachsen lässt. Da ist der Stellenanzeiger, da ist der Kader-Stellenanzeiger und da sind die Beilagen der Weihnachtsindustrie.

Das NZZ Folio zum Thema Shopping legte vor, die NZZ, die Weltwoche und die Sonntagszeitung folgten (die Titelbilder oben rechts). In einer Woche erschienen also drei zum Verwechseln ähnliche Werbebeilagen mit etwas redaktionellem Teil, die kaum auf den inständigen Wunsch der Leser, sondern eher zur weiterhin guten Zusammenarbeit mit den Anzeigekunden entstanden sind.

Warum verwechselbar? Weil es in allen drei Beilagen nur um eines geht: Luxus. Und das wiederum ist Thema, weil es einer IMG 1689der wenigen Bereiche ist, in dem die Werber noch Zuwachsmöglichkeiten sehen in der gesättigten Schweiz. Dass damit auch noch Geld zu verdienen sein könnte, hat die Weltwoche begriffen. Sie legt das “Extraheft” den Abonnenten zwar freundlicherweise kostenlos bei, der Käufer am Kiosk aber muss dafür stolze 3 Franken und 70 Rappen hinlegen. Damit er es nicht verpasst, liegt es gut erkennbar in einer Showbox.

Geht also hin und kauft alle die Uhren und all den Schmuck, die euch beim Blättern der Seiten entgegenspringen. Dass man nicht nur eine Uhr tragen kann, beweist Xenia Tchoumitcheva in der Sonntagszeitung . Sie trägt deren sechs an den Armen und dazu eine an einer Halskette.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

OJ Simpson’s Bestseller-Geständnis

Der Ex-Schauspieler, der seine Frau nicht ermordet hat, lässt sich über sein Buch “Falls ich es getan hätte” interviewen.

Am 30. November soll OJ Simpsons Buch in den Handel kommen (“If I did it”), und bereits spekuliert Amerika, was den des Mordes freigesprochenen Sportler / Schauspieler dazu bewogen haben könnte, ein derart konfuses Buch zu veröffentlichen.

Die eine Hälfte ist überzeugt, dass der Mann ganz einfach spinnt. Die andere denkt, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Und alle bestellen sofort online.

OJ’s Werk liegt in diesem Moment auf Rang 32 der Verkaufsliste von Amazon.com – ausschliesslich via Vorbestellungen – passend zwischen einem Ehe-Ratgeber und einem Kochbuch.

Schlimmer noch als das Buch scheint aber das einzige Interview, das der gesellschaftlich geächtete Simpson dem TV-Sender Fox (aus dem Hause Murdoch) gewährte. Befragt wird er darin übrigens von Judith Regan. Sie ist – was für ein Zufall! – die Herausgeberin des Buchs. Bunt vor Neid, springt die Regenbogenpresse mit Hasstiraden auf ihren Frontseiten auf den rollenden Mega-Verkaufszug auf.

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Venture Capital und Unternehmertum:
Selbstzweifel schaden nicht

Noch eine Fussnote zu der Web-2.0-Startup-Veranstaltung, über die ich im vorhergehenden Beitrag berichtet habe:

Zum Schluss diskutierten die Podiumsteilnehmer darüber, was die Region Boston machen kann, um ihren dramatischen Rückstand in Sachen Venture Capital und Unternehmensgründungen aufzuholen.

Um das in die richtige Perspektive zu rücken: In Boston wurde Venture Capital erfunden (buchstäblich). In der Region werden jedes Jahr (letzte Daten von 2005) etwa $2.3 Milliarden. an Venture Capital investiert, weltweit ist nur Silicon Valley grösser (allerdings deutlich).

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Web 2.0 Startups:
Billiger Software basteln dank Open Source

Dank Open Source-Komponenten ist es enorm viel billiger und einfacher geworden, ein Internet- oder Software-Startup zu gründen. Das war der Grundtenor an einer Veranstaltung zum Thema “Software 2.0″, die gestern vom MIT Enterprise Forum durchgeführt wurde.

Zunächst sprach Venture Capitalist Jim Matheson von Flagship Ventures darüber, wie stark sich derzeit die VC-Szene aufgrund dieser Entwicklungen verändert. Traditionell sind die VC-Firmen darauf eingerichtet, einer jungen Firma schon in einer ersten Finanzierungsrunde $3 Mio. oder mehr zu geben. Nur so funktioniert das Businessmodell der immer grösser werdenden VC-Fonds. Doch die Web-2.0-Softwarefirmen von heute brauchen längst nicht so viel Kapital. Im Gegenteil, oft kann es für die Firmenentwicklung schädlich sein, über zu viel Geld zu verfügen, denn mit dem Geld kommt auch der Wachstumsdruck, und das vielleicht im falschen Moment.

Anschliessend präsentierten drei Startup-Gründer ihre Firmen und erzählten über ihre Erfahrungen.

Doug Wyatt von SiteAdvisor hat seine Firma gerade an Sicherheitsspezialist McAfee verkauft (für eine zweistellige Millionensumme, war dem Kontext zu entnehmen), und das, ohne je einen Dollar Umsatz gemacht zu haben. Die Software prüft während des Surfens, ob eine besuchte Website unbedenklich ist oder ob Viren, Spyware und andere Übel lauern. Die Firma gab nie was für Werbung aus, sondern vermarktete ihr Beta-Produkt ausschliesslich über Blogs. Die Software wurde stark auf Open-Source-Elementen aufgebaut; die umfangreiche Datenbank von Websites machen den eigentlichen Wert der Firma aus. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Daten manchmal wichtiger sein können als Funktionalität

Moussie Shore, ehemals einer der Chefdesigner von Lotus Notes, ist der Gründer von Zingku, einem Startup im Mobile-Bereich. Ehrlich gesagt habe ich noch nicht ganz verstanden, was das Ding eigentlich macht, aber da die Zielgruppe 16-28 Jahre alt ist, muss ich das ja auch nicht unbedingt. Moussie erzählte, dass die ziemlich komplexe Softwarelösung, auf der die Site aufgebaut ist, fast ausschliesslich aus fertigen Open-Source-Komponenten gebaut wurde. Der eigene Code beschränkt sich auf etwa 76’000 Zeilen, davon ist nur ein Drittel wirklich einzigartig. Das reicht aber, um Kapital anzuziehen: Zingku erhielt gerade eine erste Tranche Venture Capital. Zuvor hatten die drei Gründer das Produkt in ihrer Freizeit entwickelt, zu Totalkosten von gerade mal $5’890 (davon 34% für Starbucks-Kaffee). Interessanterweise standen die Entwickler in fast pausenlosem Kontakt (per Skype natürlich) mit einer Fokusgruppe aus Teenagern, die jedes neue Feature sofort testeten.

Joshua Walker von CityVoter erzählte schliesslich darüber, wie seine Firma User-generated Content auch für traditionelle Medienkonzerne verdaubar machen will. CityVoter erlaubt es den Einwohnern einer Stadt, über Restaurants, Geschäfte oder Kinos abzustimmen und so den oder die besten jeder Kategorie zu küren. Um das so entstehende Verzeichnis herum wird natürlich fleissig Werbung verkauft. CityVoter hat nach Pilotversuchen mit lokalen Fernsehstationen jetzt Verträge mit den Grossverlagen Hearst und Gannett geschlossen und will die Lösung USA-weit ausrollen. Auch CityVoter wurde im Eilzugstempo gebaut: Nach einer ersten nebenberuflich absolvierten Phase brauchten die Gründer gerade mal sechs Monate bis zur ersten VC-Runde und noch einmal einen Monat mehr bis zum ersten grossen Kundenvertrag.

Open Source ist ein exzellentes Hilfsmittel, darüber waren sich alle Firmengründer einig, aber die einzigartige Idee muss man immer noch selber haben. Obwohl man dank Open Source viel Zeit und Kosten sparen und an Professionalität gewinnen kann, ist dieser neue Entwicklungsprozess nicht ohne Tücken. Man muss sich seine Softwareentwickler gut aussuchen, denn nicht jeder hat die richtige Mentalität, um die richtigen Komponenten im Netz zu finden und einzubauen.

Ebenso einig waren sich alle Teilnehmer darüber, dass das alte Venture-Capital-Modell dringend revisionsbedürftig ist. Ein Firmengründer, der nebenberuflich im Starbucks ein interessantes Produkt zusammennageln kann, braucht keine Millionen an Kapital und ist schon gar nicht bereit, gleich in der ersten Runde 20% oder mehr seiner Firma an Venture Capitalists abzugeben.

weltwoche.ch mit Umfrage-Problemen

Nachdem die letzte Umfrage auf weltwoche.ch, “Ist US-Präsident Bush im Irak gescheitert?” ein klares Ergebnis von 96.6% Stimmen von Teilnehmern, die mit “Weiss nicht.” abgestimmt haben, ergeben hat, lautet die Frage diese Woche: “Sollten die Umfrage-Manipulationen bei www.weltwoche.ch strafrechtlich verfolgt werden?“.

Leider kann man unter den vier Antwortmöglichkeiten nur zwischen drei Varianten von Nein und einem Unentschieden wählen. Also mir fehlt da ein beherztes “Im Zweifelsfall verklagen” oder ein “Ja, aber nur mit den besten Anwälten”. Doch solche tendenziösen Umfragen kennen wir ja auch von anderen Medienwebsites, zum Beispiel von workzeitung.ch.

Ich kann weltwoche.ch nur empfehlen, die Abstimmung kostenpflichtig zu machen. Fünf Punkte, die dafürsprechen:

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Jobs liebt das Wort “Boom”. Und Lebowski?

Hier findet sich ein eher uninspirierter Zusammenschnitt der letzten dreihundertsiebenunsechzig Macworlds, anlässlich derer Steve Jobs auf der Bühne “Boom!” sagte.

“rmoisescot” hat sich einen Haufen Arbeit gemacht, aber irgendwie erreicht das youtube-Filmchen einfach nicht die Dichte, den Rythmus und den Witz der Kürzest-Fassung des Hollywood-Kultfilms “the Big Lebowski”.

Unbedingt empfehlenswert (abgesehen von ein paar nicht jugendfreien Ausdrücken. Genau genommen, einem einzigen.) 134 Sekunden pures Vergnügen, hervorragend editiert.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Gadgetkompetenz bei welt.de

In einem am 15.11.2006 erschienenen Beitrag behauptet Anette Dowideit, dass der iPod von Apple keine mp3-Dateien abspielen kann. Ausserdem könne das Gerät nur mit einem “Spezial”-USB-Kabel an den Rechner angeschlossen werden, das mit Absicht in kein anderes Gerät passe.

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Aufruhr in Second Life:
CopyBot kopiert Gegenstände

Heisse Titelgeschichte des virtuellen Reuter-Büros in Second Life: Ein Programm vernichtet reale Werte in der Cyberwelt.

Grosse Aufregung in der virtuellen Welt der MUD (Multi-User-Dimension) “Second Life”, die erst kürzlich nach einem New York Times Artikel in allen (realen) Blättern als das nächste grosse Ding gefeiert wird: Die Parallel-Ökonomie, in der täglich für hunderttausende von US-Dollars nicht existierende Ländereien und Gegenstände gehandelt werden, hat ein Krebsgeschwür. Ein OpenSource-Programm erlaubt es, jegliche Gegenstände in der Cyberwelt zu kopieren, wie das (reale) Reuters-Büro in der virtuellen Welt berichtet. Das ist deshalb äusserst problematisch, weil das “Spiel” tatsächlich eine Art Parallelwelt darstellt, in der mit echtem Geld virtuelle Dinge gehandelt werden, die andere erschaffen haben.

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Bild findet Fehler

Nach dem gestrigen Aufruf der Bild-Zeitung an die Leser, gefundene Fehler in der Wikipedia einzusenden, ist nun der erste gefunden. Die Schlagzeile lautet: “Dieter Thomas Heck in Internet-Lexikon beleidigt“.

Es handelt sich dabei um typische Fälle von Vandalismus, die in der Regel schnell behoben werden, im betreffenden Fall innerhalb von einer Stunde. Wer die Details wissen möchte, kann sich die verschiedenen Versionen des Wikipedia-Artikels ansehen. Ein Vergleich zwischen der Version heute um 11 Uhr und der vom 4.11.2006 zeigt, dass sich am Text kaum etwas geändert hat. Wir nehmen natürlich an, dass die Vandalen nicht in der Bild-Redaktion zu suchen sind.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.