Nachdem ich im Dezember 2006 bei der Second-Life-Niederlassung von Reuters ein paar Fotos gemacht habe, besuchte ich nun das aus mehreren Kugeln bestehende Hauptgebäude auf der Avastar-Insel. Für alle, die es nicht wissen: Der Avastar ist die (bisher noch) gratis auf PDF erscheinende grösste Zeitung im virtuellen Raum des Internet-Computerspiels Second Life. Sie schreibt ausschliesslich über das Geschehen in dieser Parallelwelt. Das Ziel der aus dem Haus Axel Springer (Bild-Zeitung) stammenden Publikation ist, nicht überraschend, Anzeigen zu verkaufen und später Einkünfte durch Einzelverkäufe oder Abonennten zu generieren.
Die aktuelle Ausgabe (#6) widmet sich dem Einfall der Brands und fragt sich, wohin das SL führen wird. Es geht um Proteste gegen das WEF, um den Gewinn eines Dates, das 2000 Linden-$ wert sein soll und viel um Mode. Wie ein Veranstaltungskalender oder der Avastar der Woche findet auch eine Reportage aus der SL-Unterwasserwelt seinen Platz. In einem Inserat offeriert der Avastar SL-Landbesitzern, die einen Avastar-Verkaufsapparat auf ihr Land stellen, Linden-$.
Zufällig besuchte ich die Insel, wie auch schon das Reuters-HQ, an einem Freitagabend, bei Sonnenuntergang. Zu dieser Zeit sind die Büros sehr leer, aber was will das schon heissen in einer globalen virtuellen Welt. Ein Avatar aus Holland, die sich auf der Insel befand, um die News innerhalb des Spiels zu lesen, meinte, der Avastar sei eine sehr gute Zeitung, wenn auch für ihren Geschmack zu sehr auf Klatsch und Mode ausgerichtet. Sie wünschte sich mehr technische News. Das könnte ich auch brauchen, denn was sie mir über ihre Pistole an der Hüfte im Zusammenhang mit Hirnimplantationen erzählte, hab ich nicht verstanden.
Wie auch immer, für ein paar Snapshots haben meine technischen Fähigkeiten gereicht. Hier sind sie:
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Quelle: Blick vom 24.01.2006. Das Bild links zeigt einen Ausschnitt von Seite 19, das rechts einen von Seite 8.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Dass das Internet eine Seuche ist, wissen wir dank Stefan Kornelius. Dank Anette Dowideit (“der iPod von Apple kann keine mp3-Dateien abspielen“) wissen wir nun auch noch, dass es Umsätze vernichtet.
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Der Blick rechnet heute auf Seite 3 aus, was passieren würde, wenn ein FDP-Vorschlag, die Bundessteuer abzuschaffen, umgesetzt würde. Es kommt heraus, dass die tiefen Einkommen dabei verlieren würden. So weit, so gut. Wenn der kleine Mann verliert, kann das eine grosse Boulevardzeitung nicht kalt lassen.
Nur rechnet das der Blick nicht selbst aus, sondern lässt das ausrechnen. Und zwar von SP-Steuerexperte Matthias Manz. So steht es jedenfalls im Blick. Journalist Simon Spengler schreibt:
Für BLICK hat SP-Steuerexperte Matthias Manz nachgerechnet, was das konkret für verschiedene Einkommensklassen bedeutet.
Richtig, denn sieht man sich die Medienmitteilungen der SP Schweiz an, dann findet man dort fast den ganzen Artikel wieder.
Wer nun meint, wenigstens die Grafik zum Beitrag sei von der Zeitung selbst erstellt, sieht sich getäuscht. Sie ist von der SP-Homepage und nur leicht modifiziert. Zum Vergleich beide Grafiken:
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“Deutsche in der Schweiz” ist ein beliebtes und oft verwendetes Thema von Journalisten südlich und nördlich des Rheins (siehe hier und hier). Diese Woche widmet das Schweizer Radio DRS3 einem integrationswilligen Deutschen namens Clemens kulturelle Hilfestellung. Die Serie dauert noch bis Freitag und heisst “Clemens wird Schweizer“.
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Man entschuldige den Titel, aber mir ist der über Stunden im Kopf rumgesponnen, als ich ihn gelesen habe und vielleicht kann ich so diese zweifelhafte Freude jemandem weitergeben. Für alle deutschsprachigen Leser: “Meitli” gleich “Mädchen”. Erfunden hat den griffigen Text die Schweizer Boulevardzeitung Blick am 17.01.2007 auf Seite 20:

Keira Knightley im Bikini am Strand auf Hawaii, «Blick» vom 17. Januar
Gut eine Woche später titelt Blick Online: “Keira klagt wegen Magersucht-Lüge” und schreibt darin, dass Keira Knightley das englische Boulevard-Blatt Daily Mail verklagt hat. Aufgrund von Paparazzi-Bildern unterstellte ihr die Zeitung Essstörungen. Blick Online schreibt:
«Fluch der Karibik»-Star Keira Knightley hat die britische Zeitung «Daily Mail» verklagt, weil diese in einem Artikel angedeutet hatte, dass die 21-jährige wegen ihrer angeblichen Ess-Störung gelogen haben soll. Laut der «BBC» veröffentlichte das Blatt ein Bild der Schauspielerin am Strand mit Anmerkungen über ihr Gewicht und einer Geschichte über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Knightley will nun vor Gericht klarstellen, dass sie keine Lügnerin ist.
Der Blick schreibt nichts über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Er schreibt aber auch nicht, dass die gleichen Bilder mit dem gleichen Anspielungen auf Essstörungen in der eigenen Zeitung erschienen sind. Der Verdacht, dass die Story abgeschrieben und entschärft wurde, liegt jedoch nahe. Müsste man Frau Knightley nahelegen, ihre Klage auszuweiten?
Der von etablierten Medien gegen Weblogs oft ausgesprochene Vorwurf ist ja, dass Blogs nur voneinander abschreiben. Wenn es auch oft so ist – man kann ihn zurückgeben. Heute titelt der Blick nämlich über zwei Bildern und einem Kurztext auf Seite 17: “Stoibers Sturz bald als Film”. Das konnte man bereits am 21.01.2007 in der Bild am Sonntag lesen. Und wie das Bildblog schreibt, kann man sowas alle zwei Jahre.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Gleich allen hiesigen Medien informiert auch das Schweizer Fernsehen täglich aus der Stadthalle Bülach, wo noch bis zum 09.03.2007 der Zusammenbruch der Swissair juristisch aufgearbeitet wird. Wie Tagesschau-Chefredaktor Ueli Haldimann in seinem Blog schreibt, wird die Berichterstattung einerseits durch einen vor dem Gerichtssaal rumlungernden “Prozessbeobachter” mit Kameramann durchgeführt, der Einschätzungen und Interviews macht, andererseits durch eine im Gerichtssaal sitzende Journalistin, die mit einem Laptop ausgestattet ist (der online ist!) und das Geschehen und die Aussagen protokolliert (Übersicht hier).
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Heute haben wir zwei Texte über Web 2.0 verlinkt, auf die wir nun näher eingehen.
Gero von Randow warnt im Text “Leben im Netz” zwar vor Weltflucht und unbekümmerter Preisgabe der Privatspähre, sieht aber ein, dass sich das Leben geändert hat und etwas Elementares, er zieht als Vergleich die Markt- und Versammlungsplätze der Antike herbei, seine zeitgenössische Form gefunden hat. Er thematisiert die Befürchtungen, die jedem neuen Medium entgegenschlagen und nimmt dabei die Einführung der Schrift, der Zeitungen und der Telefone als Beispiel.
Während Gero von Randow durchscheinen lässt, dass das Web 2.0 auch gute Seiten haben könnte, sieht Rudolf Maresch, Autor, Publizist und Kritiker, übrigens pünktlich zum einjährigen Jubiläum der “Klowände im Internet“, im Text “Die Bühnen des Mobs und der Wichtigtuer” kaum positives.
Dabei ist er selbst längst im Web 2.0 angekommen. Unter rudolf-maresch.de/index.php findet sich ein ganz normales Blog, in dem sogar kommentiert werden darf. Dort werden aktuelle Mainstreamthemen wie der Fall Seehofer besprochen, es werden Leser auf wunderschöne Interviews aufmerksam gemacht und wie wir alle kämpft auch er gegen Kommentarspam. Er teilt sogar seinen (wie ich meine guten) Musikgeschmack mit der Welt.
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Wie die NZZ heute berichtet, hat die Surselva romontscha, ein Verein für die Erhaltung und Förderung der rätoromanischen Sprache und Kultur, bekanntgegeben, nächste Woche bei der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen die Weltwoche und ihren Autor Urs Paul Engeler Klage einzureichen.
Grund dafür ist dieser Artikel, in dem Engeler konstatiert, dass rätoromanisch nicht mehr die vierte, sondern unterdessen die zehnte Landessprache der Schweiz ist. Er attestiert den rund 35’000 diese als erste Sprache Sprechenden bzw. ihren Vertretern (0.48% der Bevölkerung) Subventionsjagd und prophezeit, die Fördergelder würden die aussterbende Sprache noch überleben.
Im Lead zum Artikel werden die Worte “räuberisch” und “erpresserisch” verwendet, was die Surselva romontscha als ein Verstoss gegen das Schweizer Antirassismusgesetz sieht.
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Auf Seite 8 berichtet der Blick heute über ein Mail, das am Dienstagnachmittag um 15:04 Uhr auf der Onlineredaktion eintraf. Der Absender: ciriaco.sforza at fcl.ch. Inhalt: ein geharnischter Leserbrief “mit bitterbösen Worten” an Blick Online, in dem sich ein Ciriaco Sforza “über die jüngste Berichterstattung zu seiner Person beklagt”.
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