Hugo Stamm und seine Leser

Wenn die Popularität eines Blogs mit der Anzahl von Kommentaren zu Blogbeiträgen gemessen wird, dann ist das eher unscheinbare und unbekannte Blog von Hugo Stamm auf den Seiten des Tages-Anzeigers wahrscheinlich eines der wichtigsten Blogs im deutschsprachigen Raum. Jeder Beitrag erntet 200-300 Kommentare, die kein Spam sind (jedenfalls nicht im klassischen Sinn). Hugo Stamm ist Redaktor der Zeitung und der bekannteste Sektenexperte in der Schweiz.

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Scarlett im Märchenland

Blick Online Aufmacher am 29.01.2006, 16 Uhr:

Blick Scarlett

Heute Online Aufmacher am 29.01.2006, 16 Uhr:

heute Scarlett

Die beiden Printprodukte sind übrigens aus dem gleichen Verlag, Ringier. Die Annahme, dass zwei Produkte zwingend mehr Vielfalt mit sich bringen als eines, ist hiermit widerlegt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Sexy Links im Blick

Blick Sex

Das ist ein Ausschnitt von Blick Online, dem Onlineportal der stärksten Schweizer Zeitung. Über Geschmack lässt sich streiten oder auch nicht, aber dass die Leser ausgerechnet von einer Frau vor einer fleischfarbenen Tapete zum hauseigenen Erotikportal (“Ressort Erotik“) geführt werden, ist nur schwer nachvollziehbar. Der Finger auf der Zunge weckt bei mir ausserdem nur Assoziationen, die nichts mit Erotik zu tun haben. Nach dem Banner für den Swissair-Prozess der nächste Hammer: Ein Link zu einem exklusiven Making-Of-Video mit der Schweizer Top-Tennisspielerin Patty Schnyder.

Wer auch immer das anzieht, als Mann bin ich davon nicht betroffen. Die Zielgruppe Frau kann auch nicht gemeint sein. Für wer also sind diese Links? Vielleicht bin ich nostalgisch, aber in solchen Momenten wünsche ich mir die abgeschafften Seite-3-Girls zurück. Von mir aus auch politisch korrekt abgewechselt mit Seite-3-Boys.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Klaus Schwab stellt die Avatar-Frage

An der Focus-Party am World Economic Forum trifft Jeff Jarvis von buzzmachine.com auf einen aufgedrehten Hubert Burda, der allen “the greatest beauty Germany ever created” Claudia Schiffer vorstellt. Dann hält WEF-Gründer und Organisator Klaus Schwab eine kultverdächtige Ansprache an die Medien. Das ganze Video hier auf youtube.com.

Er sagt (soweit ich das verstanden habe – Berichtigungen erwünscht):

You are from the media and so many people from the media are here. So I really want to know whether you have captured the spirit of Davos changing power equation in the Web 2.0-world. Who of you has his avatar? Raise your hands – and the others go out. Because you are not ready for what we are doing in Davos. And if you don’t know what an avatar is – ask my wife. I have to tell you: She was rigorously opposed to me to create my avatar in Second Life. You may go to Second Life to see me. So I created my avatar. I got a call from her. She said: “I want to have also an avatar.” – So I said: “Why?”. She said: “I just looked at your avatar and you look 20 years younger. So I want also to have one.”

Auf flickr.com im Vergleich: Klaus Schwab als Avatar und in echt.

(via buzzmachine)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Avastar Island Second Life Screenshots

Nachdem ich im Dezember 2006 bei der Second-Life-Niederlassung von Reuters ein paar Fotos gemacht habe, besuchte ich nun das aus mehreren Kugeln bestehende Hauptgebäude auf der Avastar-Insel. Für alle, die es nicht wissen: Der Avastar ist die (bisher noch) gratis auf PDF erscheinende grösste Zeitung im virtuellen Raum des Internet-Computerspiels Second Life. Sie schreibt ausschliesslich über das Geschehen in dieser Parallelwelt. Das Ziel der aus dem Haus Axel Springer (Bild-Zeitung) stammenden Publikation ist, nicht überraschend, Anzeigen zu verkaufen und später Einkünfte durch Einzelverkäufe oder Abonennten zu generieren.

Die aktuelle Ausgabe (#6) widmet sich dem Einfall der Brands und fragt sich, wohin das SL führen wird. Es geht um Proteste gegen das WEF, um den Gewinn eines Dates, das 2000 Linden-$ wert sein soll und viel um Mode. Wie ein Veranstaltungskalender oder der Avastar der Woche findet auch eine Reportage aus der SL-Unterwasserwelt seinen Platz. In einem Inserat offeriert der Avastar SL-Landbesitzern, die einen Avastar-Verkaufsapparat auf ihr Land stellen, Linden-$.

Zufällig besuchte ich die Insel, wie auch schon das Reuters-HQ, an einem Freitagabend, bei Sonnenuntergang. Zu dieser Zeit sind die Büros sehr leer, aber was will das schon heissen in einer globalen virtuellen Welt. Ein Avatar aus Holland, die sich auf der Insel befand, um die News innerhalb des Spiels zu lesen, meinte, der Avastar sei eine sehr gute Zeitung, wenn auch für ihren Geschmack zu sehr auf Klatsch und Mode ausgerichtet. Sie wünschte sich mehr technische News. Das könnte ich auch brauchen, denn was sie mir über ihre Pistole an der Hüfte im Zusammenhang mit Hirnimplantationen erzählte, hab ich nicht verstanden.

Wie auch immer, für ein paar Snapshots haben meine technischen Fähigkeiten gereicht. Hier sind sie:

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Werbung oder Inhalt?

IMG 2069

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IMG 2071

IMG 2071

Quelle: Blick vom 24.01.2006. Das Bild links zeigt einen Ausschnitt von Seite 19, das rechts einen von Seite 8.

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Schreck Internet

Dass das Internet eine Seuche ist, wissen wir dank Stefan Kornelius. Dank Anette Dowideit (“der iPod von Apple kann keine mp3-Dateien abspielen“) wissen wir nun auch noch, dass es Umsätze vernichtet.

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SP-Experten beim Blick

Der Blick rechnet heute auf Seite 3 aus, was passieren würde, wenn ein FDP-Vorschlag, die Bundessteuer abzuschaffen, umgesetzt würde. Es kommt heraus, dass die tiefen Einkommen dabei verlieren würden. So weit, so gut. Wenn der kleine Mann verliert, kann das eine grosse Boulevardzeitung nicht kalt lassen.

Nur rechnet das der Blick nicht selbst aus, sondern lässt das ausrechnen. Und zwar von SP-Steuerexperte Matthias Manz. So steht es jedenfalls im Blick. Journalist Simon Spengler schreibt:

Für BLICK hat SP-Steuerexperte Matthias Manz nachgerechnet, was das konkret für verschiedene Einkommensklassen bedeutet.

Richtig, denn sieht man sich die Medienmitteilungen der SP Schweiz an, dann findet man dort fast den ganzen Artikel wieder.

Wer nun meint, wenigstens die Grafik zum Beitrag sei von der Zeitung selbst erstellt, sieht sich getäuscht. Sie ist von der SP-Homepage und nur leicht modifiziert. Zum Vergleich beide Grafiken:

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Superschweizer dank DRS3

“Deutsche in der Schweiz” ist ein beliebtes und oft verwendetes Thema von Journalisten südlich und nördlich des Rheins (siehe hier und hier). Diese Woche widmet das Schweizer Radio DRS3 einem integrationswilligen Deutschen namens Clemens kulturelle Hilfestellung. Die Serie dauert noch bis Freitag und heisst “Clemens wird Schweizer“.

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Klapper-Meitli Keira Knightley

Man entschuldige den Titel, aber mir ist der über Stunden im Kopf rumgesponnen, als ich ihn gelesen habe und vielleicht kann ich so diese zweifelhafte Freude jemandem weitergeben. Für alle deutschsprachigen Leser: “Meitli” gleich “Mädchen”. Erfunden hat den griffigen Text die Schweizer Boulevardzeitung Blick am 17.01.2007 auf Seite 20:

Keira Knightley im Bikini
Keira Knightley im Bikini am Strand auf Hawaii, «Blick» vom 17. Januar

Gut eine Woche später titelt Blick Online: “Keira klagt wegen Magersucht-Lüge” und schreibt darin, dass Keira Knightley das englische Boulevard-Blatt Daily Mail verklagt hat. Aufgrund von Paparazzi-Bildern unterstellte ihr die Zeitung Essstörungen. Blick Online schreibt:

«Fluch der Karibik»-Star Keira Knightley hat die britische Zeitung «Daily Mail» verklagt, weil diese in einem Artikel angedeutet hatte, dass die 21-jährige wegen ihrer angeblichen Ess-Störung gelogen haben soll. Laut der «BBC» veröffentlichte das Blatt ein Bild der Schauspielerin am Strand mit Anmerkungen über ihr Gewicht und einer Geschichte über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Knightley will nun vor Gericht klarstellen, dass sie keine Lügnerin ist.

Der Blick schreibt nichts über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Er schreibt aber auch nicht, dass die gleichen Bilder mit dem gleichen Anspielungen auf Essstörungen in der eigenen Zeitung erschienen sind. Der Verdacht, dass die Story abgeschrieben und entschärft wurde, liegt jedoch nahe. Müsste man Frau Knightley nahelegen, ihre Klage auszuweiten?

Der von etablierten Medien gegen Weblogs oft ausgesprochene Vorwurf ist ja, dass Blogs nur voneinander abschreiben. Wenn es auch oft so ist – man kann ihn zurückgeben. Heute titelt der Blick nämlich über zwei Bildern und einem Kurztext auf Seite 17: “Stoibers Sturz bald als Film”. Das konnte man bereits am 21.01.2007 in der Bild am Sonntag lesen. Und wie das Bildblog schreibt, kann man sowas alle zwei Jahre.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.