“Alles gratis” — Das psychologische Problem der Internetbranche

Bald ist es dreizehn Jahre her: Im August 1995 ging eine kleine Softwarefirma namens Netscape an die Börse. Dieser Vorgang war ungeheurlich, denn erstmals traute sich eine Firma zum Börsengang, die nur gerade erst gut ein Jahr alt war und nicht nur keinen Gewinn machte, sondern auch noch ihr Hauptprodukt — den Netscape-Brower — gratis verteilte. Trotzdem oder vielleicht gerade wegen dieser Dreistigkeit wurde der IPO zum legendären Erfolg und veränderte die Internet-Branche für immer. Die Dot-Com-Bubble war ein direktes Resultat dieser Ereignisse.

Euro Banknotes-1Gib Dein Produkt gratis ab, war die Philosophie von Netscape, dann wirst Du in kürzester Zeit eine massive Marktdurchdringung erreichen und über andere Kanäle enorme Geldsummen verdienen können. Anfangs schien das auch zu funktionieren, aber nach kurzer Zeit wurde Netscape das Opfer einer anderen Firma, die das Gratis-Spiel noch besser beherrschte: Microsoft.

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FontStruct:
der mutige Schritt eines Onlineshops für Schriftarten

FontstructSchon mal auf der Suche nach einer ausgefallenen Schrift gewesen? Im Netz gibt es zwar zahlreiche Seiten, die Schriftarten zum Download anbieten, aber wer dafür nicht tief in die Tasche greifen oder sich mit einer 0815-Schrift zufrieden geben will, muss unter Umständen lange suchen. Noch schwieriger wird es, wenn man schon genaue Vorstellungen davon hat, wie der darzustellende Text aussehen soll, und einfach keine passende Schriftart findet. In Zukunft kann man in solch einem Fall auf FontStruct ausweichen. Mit dem gerade in einer Beta-Version gestarteten Dienst lassen sich Schriftarten in bester Web-2.0-Manier selbst bauen, auf dem Rechner speichern, mit anderen teilen und – ganz richtig erraten – als Flashanimation in externe Seiten einbetten. » weiterlesen

Tibet-Protest an der Golden Gate-Brücke:
Greenpeace-Methode, reaktiviert

Mit einer generalstabsmässig geplanten Kletteraktion und zwei riesigen Bannern am Wahrzeichen von San Francisco haben Aktivisten gegen Chinas Tibet-Politik protestiert. Das dürfte sie eine Busse von 10’000 pro Mitglied des Teams kosten – ein Klacks im Verhältnis zur News-Sendezeit, die sie dafür kriegten. Das Greenpeace-Prinzip funktioniert noch immer – oder besser denn je.

Free Tibet Golden gate Brücke Protest in San Francisco

Free Tibet Golden gate Brücke Protest in San Francisco


Die Tibet-Aktivisten holten sich mit ihrer Kletteraktion stundenlange Prime-Time mit Extraschaltungen aller TV-Stationen. (ABC 7 SF)

Das Motto der olympischen Spiele “Eine Welt, ein Traum” wandelt sich derzeit für die chinesische Führung in einen Albtraum. Nach den tumultuösen Szenen anlässlich der Fackelläufe in Paris und London haben Tibet-Aktivisten in San Francisco die Welt-Aufmerksamkeit ergattern können, noch bevor das olympische Feuer überhaupt an seinem einzigen Stopp in Nordamerika angelangt ist. Faszinierend daran ist, welch ungeteilte Aufmerksamkeit solche Aktionen fast vierzig Jahre nach den ersten Proteststunts der Greenpeace-Vorläuferorganisationen noch immer erhalten. Die Chronologie der Aktion liest sich wie eine Anleitung fürs PR-Stunts mit maximaler Ausbeute im Jahr 2008:

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Ach? – So geht das!

Besser die teuren Originale statt günstige Generika: Politik und Wirtschaft arbeiten für den Standort sauber Hand in Hand – fehlt nur noch die nötige Berichterstattung.

Ein ‘Büro für Rathausgespräche’ meldet uns, dass sich “alle Gesundheitsexperten einig [seien]: Das GKV-System ist vor die Wand gefahren“. Da möchte man dann doch schon wissen, was das für ein Büro sei, wo so großtönend sich so viel Expertise versemmelt versammelt. Dieses virtuelle Büro ist leider noch ‘under construction‘, die Besatzung aber ist schon aktiv.

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Medienblogcharts 3/08:
Ein Jahr Blogcharts

Zwölf Ausgaben Medienblogcharts: Kaum Veränderungen in den Top 50 der Medienblogs in deutscher Sprache im Vergleich zum Vormonat. Nichts los in Bloghausen – und im Vergleich zur ersten Ausgabe?

Am 1. Mai 2007 haben wir hier auf medienlese.com mit den Medienblogcharts angefangen – damals wie heute ist das Bildblog das meistverlinkte deutschsprachige Medienblog. Auf den vorderen Plätzen hat sich seitdem nicht viel getan. Unter den ersten 15 ist hat es genau eine Veränderung gegeben: Die Beobachtungen zur Medienkonvergenz, eine Schwester-Seite von uns hier auf Blogwerk, hat Alexander Svenssons Wortfeld auf Platz 17 gedrängt. Was natürlich alles andere als dramatisch ist, zumal wir die 15 hier nur gewählt haben, weil medienlese.com vor elf Monaten auf Rang 15 stand. Addiert man die Anzahl der Verlinkungen, kommt man auf 7934 vor elf Monaten und im Vergleich zu jetzt 6785. Ein paar Links weniger also, Stagnation im oberen Bloggerfeld.

Auf Anregung des Autors ist in dieser Ausgabe das Qualitätsblog Journalistenschredder von ugugu mit berücksichtigt.

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Blog till you drop

Bloggen ist harte Arbeit – mit allen Risiken und Nebenwirkungen, inklusive Blogger-Burnout und Posting-Panik-Attacken. Schon werden zwei Todesfälle auf extremen Blog-Stress zurückgeführt.

Schon mal an eine Fototapete gedacht? (Bild Keystone)

Schon mal an eine Fototapete gedacht? (Bild Keystone)


Eine Fototapete hilft auch nicht (Bild Keystone)

Die New York Times widmet sich aktuell dem lebensbedrohlichen Sress, dem sich Blogger aussetzen: “In Web World of 24/7 Stress, Writers Blog Till They Drop.” Wer ein erfolgreiches, bekanntes Blog betreibe oder für eines arbeite, setze sich oftmals rund um die Uhr großem physischen und emotionalen Stress aus, heißt es im Artikel. Ausgestattet mit Blackberry und Notebook seien sie ständig auf der Suche nach bloggenswerten Nachrichten im Informations-Fluss. Haben sie schließlich etwas gefunden, heißt es auch noch schnell und originell sein – damit nicht ein anderer Blogger ein paar Millisekunden schneller ist und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schreiben für Klicks kann anstrengend sein: Wer allein auf diesen Maßstab setzt, bekommt objektives Feedback in Echtzeit.

They work long hours, often to exhaustion. Many are paid by the piece ? not garments, but blog posts. This is the digital-era sweatshop. You may know it by a different name: home. [...] bloggers complain of weight loss or gain, sleep disorders, exhaustion and other maladies born of the nonstop strain of producing for a news and information cycle that is as always-on as the Internet.

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Facebook launcht Instant Messenger – zweiter Frühling für das Social Network?

facebook_logo.gifFacebooks bereits seit einiger Zeit angekündigte Chat-Funktion ist offensichtlich im Anmarsch. Inside Facebook sicherte sich den Scoop und zeigt Screenshots des neuen Features, welches angeblich gestern für Mitglieder einiger Netzwerke gelauncht wurde und in den nächsten Tagen nach und nach allen Facebook-Nutzern zur Verfügung stehen wird. Facebook Chat ist im Prinzip wie ein Instant Messenger, der Echtzeit-Konversationen mit seinen Facebook-Kontakten ermöglicht. Laut Inside Facebook wird grundsätzlich am unteren Rand jeder Facebook-Seite eine Chatleiste eingeblendet. Diese informiert darüber, welche Freunde online sind. Neue Nachrichten werden mit einer roten Sprechblase angezeigt. Ein Klick auf selbige öffnet das AJAX-basierte Chatfenster, in dem man nun fröhlich kommunizieren kann. » weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

Kritische Masse, digitale Elite, Markus Bleckebach.

Unter dem Motto “die kritische Masse” fand zum zweiten Mal in Berlin die Konferenz re:publica statt. Nicht nur der Ort war der Gleiche, sondern auch auf den Podien sassen oft die gleichen Leute wie im Jahr zuvor, die dann auch oft noch die gleichen Themen wie im Jahr zuvor behandelten. Für Benedikt Köhler beispielsweise war vieles selbstgefällig, ihm fehlte die Kontroverse und der Blick in die Zukunft: “Es ist schon etwas merkwürdig: Einerseits neigen die Blogger dazu, sich als Gegenveranstaltung darzustellen. Andererseits ist aber jeder zur PR in eigener Sache unterwegs.” Über die kritische Masse vermochte immerhin dieser per SMS verschickte und an der SMS-Wand hinter dem Podium im grossen Saal publizierte Beitrag aufzuklären.
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Facebook schiebt Applikations-Spam Riegel vor

facebook_logo.gifFragt man aktive Facebook-Mitglieder, was sie am meisten an der Plattform stört, so gehören Klagen über “Application-Spam” zu den am häufigsten genannten Kritikpunkten. Dass Facebook-Freunde einen mit Einladungen zu teilweise nutzlosen Applikationen bombardieren, kann sich je nach Anzahl und “Experimentierfreudigkeit” der Kontakte zu einer richtigen Plage entwickeln. Meist sind es nur einige wenige Personen aus der Kontaktliste, die für den nicht abreißenden Strom an Einladungen verantwortlich sind. Mit einer neuen Funktion lässt sich diesem Problem nun leicht ein Riegel vorschieben: Ab sofort findet sich unter jeder Applikations-Einladung eine Option, mit der man zukünftige Installationsaufforderungen von dieser Person blockieren kann. Wer sich die Mühe macht und bei seinen “Problemkontakten” dieses Feature benutzt, für den ist das leidige Thema Applikations-Spam vermutlich für immer passé. » weiterlesen

Das Joost-Drama

Warum das viel gepriesene Programm Zattoo nur Fernsehen von gestern ist und Joost allen Unkenrufen zum Trotz eine glorreiche Zukunft bevorsteht.

Candy Crib auf Joost
Candy Crib auf Joost: So sieht’s aus

Die Technik ist längst vorhanden. Flüssige Bilder in guter Auflösung über das Internet. Für Millionen von Zuschauern. Sendungen auf Abruf, “on demand”, mit Pausetaste. Sogar Live-Sendungen sind mittlerweile möglich. Seit einem Jahr existiert mit Joost eine hervorragende technische Plattform. Gratis, finanziert über Werbung (die sich, dem Internet sei Dank, sogar personalisieren ließe).

Allein bei den Programmbesitzern und Rechteverwaltern ist die freudige Kunde vom Fernsehen der Zukunft anscheinend immer noch nicht angekommen. Deswegen sieht das Joost-Programm auch noch reichlich pubertär aus: Sexy Clips, Cartoons, Musik. Statt auf die zuschauerfreundliche Peer-to-peer Lösung der Skype-Macher Niklas Zennström und Janus Friis setzen sie lieber auf eigene Entwicklungen, warten erstmal ab oder probieren höchstens Zattoo aus.

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