Die Readerscan-Methode hat Auswirkungen auf den Alltag in den Zeitungen, Zeitschriften und ihren Online-Portalen. Wir machen vier Beispiele.
In der Ausgabe 02+03/2007 des Schweizer Journalist, pardon, der Schweizer Journalistin, schreibt Jonas Wydler über die Auswertung der Readerscan-Methode bei der Coopzeitung und bei der Tribune de Genève. Readerscan, das ist ein vom Schweizer Medienforscher Carlo Imboden entwickelter Handscanner, mit dem man Einstiegs- und Ausstiegspunkt in die Artikel einer Publikation markiert. Die Daten werden an eine Datenbank
übermittelt und noch am gleichen Tag können Auswertungen über Beachtungsquote (Anteil der Leser, die den Text beginnen) und Durchlesequote (Anteil der Leser, die bis zum Ende eines Texts gelangen) eingesehen werden.
Readerscan ist nicht etwa billig (eine Untersuchung kostet die Coopzeitung beispielsweise 250’000 Franken), aber beliebt. In der Schweiz gehört der Blick zu Imbodens Kunden, in Deutschland sollen es knapp dreissig Zeitungen sein, wie Stefan Niggemeier in einem Artikel vom April 2006 schreibt. Es sind dort einige Ergebnisse nachzulesen, die sich ganz gut decken mit der Auswertung von Coopzeitung und Tribune de Genève.
So heisst es im Schweizer Journalist unter dem Titel “Was wirklich gelesen wird”:
Der Grundtenor lautet etwa: Die Leserschaft wünscht Informationen über das Geschehen der Welt, vorzugsweise Themen aus der Vorabend-Tagesschau, neu aufbereitet. Daher werden häufiger lange Artikel gelesen als angenommen. Dagegen finden Lokalsport, Regionalseiten und konventionelle Kulturberichterstattung kaum Aufmerksamkeit. Auch wer hinter den Artikeln steht, geht am Leser vorbei – ob Agenturmeldung oder renommierter Journalist. Genauso wie der Leser keine Spielereien im Titel goutiert. Ansonsten wurden viele journalistische Handwerksregeln bestätigt: Bilder und Grafiken sollten einen direkten Bezug zum Thema haben und interessante Aufmacher verhelfen dem weniger Interessanten zu mehr Beachtung.
Kommt uns das bekannt vor? Mir schon. Wir machen vier im Medienalltag beobachtete Beispiele mit jeweils einem einführenden Zitat aus dem Artikel im Schweizer Journalist:
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Dieser Tage habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich das Besondere an StudiVZ? 1,8 Millionen registrierte Nutzer allein auf der deutschsprachigen Plattform – dafür muss es doch einen besonderen Grund geben? Um diesen herauszufinden, habe ich mich nun auch angemeldet, um einfach mal ein bisschen zu stöbern. Und ich habe eine Erkenntnis gewonnen: Es muss die Einfachkeit, die Textbasiertheit, das Fehlen jedweder revolutionärer Techniken und Funktionen sein, was StudiVZ zu diesem Erfolg verholfen hat.
Sowohl die Startseite als auch sämtliche Mitgliederseiten hätten schon Teil einer Community aus dem Jahr 2000 gewesen sein können. Und wären schon damals nicht innovativ gewesen. Es gibt keine Flash-Gimmicks, abgesehen von den dafür vorgesehen Bereichen keine Fotos und Bilder, und eigentlich rein gar nichts, was einen überraschen könnte. Man sucht danach, aber man findet nichts.
Und genau genommen kann man nicht einmal von textbasierter Darstellung sprechen, denn selbst Text gibt es nicht mehr als nötig. Das, was dann aber doch zu lesen ist, bedient sich einer äußerst einfachen, teilweise teeniehaften Sprache. Gesucht wird mit der “Super-Suche”, das Postfach heißt “Nachrichtendienst” und Kommaregeln werden nicht immer genau genommen.
Die gesamte Seite wirkt unschuldig, uninnovativ und simpel. Und wir lernen: Genau das ist offenbar das Mittel zum Erfolg! Simple as Google, simple as StudiVZ. Bei den Machern der gerade mit Venturekapital von Bertelsmann gelaunchten Community Bloomstreet hat man davon offensichtlich noch nichts gehört.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
FAZ.net bringt ein interessantes Interview mit dem Internet-Unternehmer Oliver Samwer, in welchem er unter anderem sagt, dass wir uns mit Web 2.0 nicht in einer Blase, sondern einer aggressive Wachstumsphase befinden. Das Interview gibt es hier.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
Unter http://unddu.de/ will das Karlsruher Unternehmen web.de ab 19. April eine neue Web 2.0-Plattform lancieren. Ersten Informationen zufolge handelt es sich hierbei um ein Kontaktportal á la StudiVZ oder Xing, das jedoch im Gegensatz zu diesen nicht auf bestimmte Personenkreise zugeschnitten sein soll. Jeder Benutzer kann dabei entscheiden, wer Zugriff auf seine Seiten haben soll.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
Ich kann es nicht genau erkennen, aber es sind geschätzte 87% aller befragten Journalisten und Journalistinnen von Tageszeitungen, die “beruflich” Blogs lesen. Das ist doch eine ganze Menge. Das ganze Slide findet sich hier, auf Seite 9.
Nun gut, man muss dabei die Rücklaufquote von 10% (170 Antworten auf 1700 verschickte Anfragen) beachten. Personen, die nicht wussten, was ein Blog ist, haben bei dieser Umfrage vermutlich eher nicht mitgemacht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Nach dem schwedischen Aussenminister Carl Bildt hat nun auch der Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger ein Blog eröffnet. Und das, ganz wie Otto Normalverbraucher, bei blueblog.ch, einem kostenlosen Schweizer Bloganbieter der Bluewin. Der Minister für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (und damit Medienminister) hat zwar mit moritzleuenberger.ch eine eigene Domain, doch die leitet weiter zum offiziellen Auftritt seines Departements UVEK.
Um die vielen zu erwartenden Kommentare im Blog zu regeln, ist bereits ein Konzept ausgearbeitet. Dort heisst es unter anderem:
Kommentare werden nicht umgehend veröffentlicht, sondern von einem meiner Mitarbeiter gelesen.
Beiträge und Kommentare geben jeweils die persönliche Meinung der Verfasserin, des Verfassers wieder. Es handelt sich nicht um amtliche Veröffentlichungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft; es wird keinerlei Gewähr geleistet.
Verlinkt sind noch keine anderen Blogs, aber vielleicht kommt das ja noch. Das erste Posting widmet sich der noch nicht umgesetzten CO2-Abgabe und sieht vielversprechend aus. Das Setzen von Hyperlinks scheint er, anders als kleinreport.ch, bei dem wir uns als Quellenlieferant der Meldung freundlich bedanken, zu beherrschen.
Ich finde es grossartig, dass sich Politiker nun direkt an das Volk wenden und sich auf direktes Feedback einlassen. Es werden sich so vermutlich auch Leute äussern, die keine Podiumsgespräche besuchen und nicht an politischen Veranstaltungen das Wort ergreifen. Und die Blogleser können einen Politiker mal von einer anderen Seite kennenlernen. Wie sehr sich der Minister auf Debatten einlassen wird, werden wir in Zukunft – vielleicht ziehen andere Politiker nach, mit denen er dann die Klingen kreuzen kann. Wir wünschen viel Glück und dem Blog ein langes Leben.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Viacom, Produzentin von populären TV-Shows wie “The daily show”, verklagt YouTube auf eine Milliarde – mit Aussichten auf Erfolg.
Es ist nicht ausgestanden: nach dem Kauf von YouTube durch Google herrschte in der Industrie die Meinung vor, der Suchgigant werde sich mit Hollywood rasch auf ein paar Abkommen über die Verteilung von copyrightgeschütztem Material einigen und die Gebühren dafür aus der Portokasse berappen. In etlichen Fällen ist das auch gelungen.
Viacom, Produktionsfirma einiger äusserst populärer (und auf Youtube hunderttausendfach als Clips veröffentlichten) Sendungen, hat zunächst nicht gemuckt und auf den eigenen Seiten eine Art Konkurrenz zu YouTube lanciert.
Aber jetzt hat Viacom YouTube und deren Mutterfirma Google auf eine Milliarde Dollar verklagt. Die Firma verlangt, dass YouTube inskünftig das gepostete Material auf Copyright überprüft und beruft sich auf den Digital Millenium Copyright Act DMCA – jenes Gesetz aus dem Jahr 1997, das schon Napster das Genick gebrochen hat.
Cnet kommt jetzt in einer Analyse zum Schluss, dass dies durchaus auch YouTube blühen könnte. Denn schon Napster hat sich auf den Absatz 512 berufen, der Webhostern eine Schonfrist einräumt und sie vond er Haftung ausnimmt, wenn sie aufgrund von Hinweisen urheberrechtlich geschütztes Material sofort löschen – und Napster hat dennoch verloren.
Der kleine Unterschied besteht darin, dass den verurteilten Dateitausch-Diensten bisher vorgeworfen wurde, sie legten es darauf an, urheberrechtlich geschütztes Material zugänglich zu machen. Die rettung für Youtube könnte darin bestehen, dass grosse Teile seines Angebots aus Amateur-Material der teilnehmer bestehen und “raubkopierte” TV-Clips zwar die populärste, aber nicht die umfangreichste Kategorie der Plattform ausmachen.
Neckisches Detail am Rande: Dieser Clip aus Southpark, veröffentlicht auf Comedycentral. Man beachte den Dialog ab 1:19… Zweites neckisches Detail: Suche nach “Southpark” auf YouTube
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Die Kolumne Zora Off der Abendzeitung Heute, eine der bestplatzierten Kolumnen in den Schweizer Medien, ist öffentlich ausgeschrieben. Ob es wirklich 211’000 Leser sind, die deine täglich 15 – 20 Zeilen lesen würden, kommt ganz darauf an, ob nur das Blog auf Heute Online angeboten wird oder ob der prominente Platz auf der hintersten Seite der Printausgabe dazu kommt.
Viele, die diese Kolumne schon einmal gelesen haben, werden sich sicher sein, das besser zu machen. Aber so einfach ist es nicht, vor allem, weil man von Montag bis Freitag was halbwegs schlaues schreiben muss – ein unter Bloggern bestens bekanntes Problem. Was meinst du? Bist du auch der bessere tägliche Kolumnist, die bessere tägliche Kolumnistin? Wer bloss soll diesen schönen Platz kriegen? Klaus J. Stöhlker? Güzin Kar? Du?
Update am 13.03.2007, 19:15 Uhr: Es geht nun offenbar doch weiter mit Zora Off. Und damit auch mit den unzähligen unglaubwürdigen Reisen und Sexgeschichten. Falls jemand in dieser Kolumne eine Zeile erlebtes, ungefaktes, echtes Leben findet – ich würde sie gerne lesen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Neue Medienanbieter drängen allenthalben auf den Markt. Eine von der NZZ zitierte Studie spricht von gar von epochalen Veränderungen im Journalismus (was man, by the way, vom gross angekündigten Relaunch der Printausgabe der zitierenden Zeitung bisher so nicht behaupten kann).
So zum Beispiel das Verbrauchermagazin Titanic-TV, das sich gemäss eigenen Angaben an Angepasste und Mitläufer richtet und seine Zuseher mit der ersten Ausgabe etwas verwirrte. Die zweite Ausgabe ist nun aber von ganz anderem Kaliber. Erik Weihönig, angeblich Verleger und Inhaber des Faktenmagazins Titanic, präsentiert einen eingekauften Beitrag. Mit dabei: M. A. Numminen. Sehen Sie selbst:
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Prima Artikel im Serviceteil Bund “Zürich und Region” vom Tagesanzeiger.

Der interessierte Leser erfährt zum einen, dass die Preise auf dem Strassenstrich wegen des “gestiegenen Konkurrenzdrucks” offenbar Verhandlungssache sind…

…und wenn er sich zu wenig auskennt, um den Strassenstrich zu finden, erhält er auch noch einen Stadtplan. Online ist der Artikel nicht verfügbar, sonst hätte man noch einen Link zu Google Maps oder map.search.ch setzen können. Ist ja letztlich gut, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, dass jemand ein bisschen Werbung macht.
Die andere Hälfte des Artikels umfasst boulevardeske Geschichten von den schlimmsten Erlebnissen der Mädchen (“Kopf in Schraubzwinge gesteckt” als Zwischentitel, “Einmal wurde sie vom eigenen Vater angesprochen” als Bildunterschrift).
Traurige Sache, in mehrerer Hinsicht.

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