Die beeindruckendsten Webangebote im Jahr 2007

Webangebote 2007Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Jahreswechsel. Webangebote, die bis jetzt nicht durchstarten konnten, werden ihre Blütezeit – so sie denn kommt – voraussichtlich erst 2008 erleben. Grund genug, die vergangenen elf Monate passieren zu lassen und einen Blick auf die Internetangebote zu werfen, die im Jahr 2007 am meisten beeindrucken konnten. Ich habe mir dafür drei Kategorien einfallen lassen: Top-Innovation 2007, Top-Marketing 2007 und Überraschung 2007, jeweils aus internationaler und nationaler Perspektive. Die folgende Auflistung stellt meine ganz persönlichen Favoriten für die Rubriken dar und ist rein subjektiv. Ich würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren eure Kandidaten für die einzelnen Titel nennt und meine Vorschläge diskutiert. » weiterlesen

Quandt-Dokumentation:
Fernsehen mit Wirkung

Die um 30 Minuten erweiterte Fassung des Dokumentarfilms “Das Schweigen der Quandts” läuft am Donnerstag um 21 Uhr im NDR. Unterdessen hat die Familie Quandt auf den Vorwurf, ihr Besitz gründe auf Kollaboration mit den Nazis, reagiert und einen Historiker mit der Aufarbeitung der Firmengeschichte beauftragt.

Das Schweigen der Quandts
Dieses Mal ganz öffentlich: Bild aus dem Trailer

Heimlich, ohne Ankündigung lief Ende September der Dokumentarfilm erst auf dem Hamburger Filmfest und im Fernseh-Spätprogramm. Das Medienecho auf den Film von Eric Friedler und Barbara Siebert war beeindruckend: Fragen zur Rolle der Familie Quandt im Dritten Reich wurden aufgeworfen – und die Filmemacher und der NDR für eine mutige, aufwendige Recherche gelobt. Endlich zeige die ARD mal wieder “Spitzenfernsehen”, schreibt zum Beispiel Bernd Gäbler auf stern.de.

Unterdessen hat die Familie Quandt reagiert und lässt den Historiker Joachim Scholtyseck in den Archiven wühlen. Der Dokumentarfilm hat damit geschafft, was einzelne Autoren und Wissenschaftler vorher nicht erreichen konnten: Er hat geholfen, das Schweigen der Quandts zu brechen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Ein paar weitere Kommentare zum Amazon Kindle

Auch wenn es um den Kindle, den neuen eBook-Reader von Amazon, nicht so viel Aufregung gibt wie damals zum iPhone, hat dieses Produkt doch ziemlich viele emotionale Meinungsäusserungen ausgelöst.

Was mir dabei auffällt, ist vor allem eins: Die meisten Leute mit stark negativen Meinungen besitzen keinen Kindle, haben noch nie einen in natura gesehen und das Gerät dementprechend auch noch nie benutzt.

Bestes Beispiel sind die Kommentare auf Amazons Produktseite zum Kindle: Da gibt es sehr viele “Customer Reviews” mit vernichtender Ein-Stern-Bewertung. Wenn man die Kommentare liest, wird schnell deutlich: All diese Leute…
- finden den Preis viel zu hoch
- hassen das Design (das, wie hier auch schon erwähnt, auf Fotos schlechter aussieht als in natura)
- vermissen irgendwelche Features
- finden DRM verwerflich
- finden eBooks generell doof

Und allen gemeinsam ist ganz offensichtlich, dass sie das Ding noch nie selbst benutzt haben. In nicht wenigen Fällen (etwa der Hälfte) werden ausserdem negative Punkte angeführt, die schlicht und einfach nicht korrekt sind. Hingegen findet man unter den Vier- und Fünf-Stern-Bewertungen lauter Leute, die das Produkt besitzen, teilweise seit Wochen als Betatester benutzt haben und sehr glücklich damit sind. Interessant eigentlich.

Nun, wir leben ja zum Glück im Zeitalter der freien Meinungsäusserung. Neben den zahlreichen total substanzlosen Kritiken gibt es durchaus auch gut begründete negative Meinungen. Aber selbst da gehen einige Punkte am Kern der Sache vorbei.

Ganz offensichtlich hat Amazon mit diesem Produkt einiges an Verwirrung ausgelöst. Ich glaube, das hat zwei Gründe: Erstens beherrscht Amazon manipulatives Massenmarketing nicht so gut wie Apple. Und zweitens ist der Kindle in einigen Ansätzen tatsächlich so andersartig, dass er nicht in die üblichen Denkschemen passt. » weiterlesen

Der langsame Tod der Fachzeitschrifen

Was macht man, wenn man die Zeitschrift “AdWeek” herausgibt, aber es sich wirtschaftlich nicht mehr erlauben kann, diese Publikation auch tatsächlich wöchentlich erscheinen zu lassen? Man denkt sich halt irgendwelche Ausreden aus und hebt hervor, wie massiv man doch in die Online-Ausgabe investiert. Ist doch toll, oder?

AdWeek ist eine der etabliertesten Marketing-Fachzeitschriften in den USA, vergleichbar mit W&V in Deutschland oder der Werbewoche in der Schweiz. Nielsen Business Media, Herausgeber von AdWeek, hat gerade angekündigt, dass das Print-Magazin nur noch 36mal im Jahr erscheinen wird, also zu einer 1.44-wöchentlichen Publikation wird. Dafür wird die Online-Ausgabe angeblich ausgebaut. » weiterlesen

Ringier stellt crossmediales bossi auf Ende Jahr wieder ein

Das nur ein halbes Jahr alte Kochmagazin bossi von Ringier wird bereits wieder eingestellt. Es erschien sechsmal jährlich und hatte einen millionenteuren crossmedialen Ansatz.

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Screenshot bossi.ch

Mit den Webaktivitäten des Ringier-Verlags ist es so eine Sache. Sie sind alle schweineteuer (in der Erstellung), nicht immer einfach zu bedienen – und in der Regel nicht besonders erfolgreich. Von Blick Online mal abgesehen – aber diese Website zehrt von der seit den Fünfziger Jahren aufgebauten Marke Blick, die wiederum seit Jahren verwässert wird.

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Amazon Kindle:
eBook-Revolution oder Flop?

Img 1513-1Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines “Kindle” (engl. für “anzünden”). Dieses neue eBook-Lesegerät aus dem Hause Amazon verfolgt ehrgeizige Ziele. Der Online-Buchhändler will damit schlicht und ergreifend die Art und Weise revolutionieren, wie wir Bücher lesen.
Drüben bei Neuerdings.com schreibe ich gerade einen mehrteiligen, ausführlichen Test zum Kindle. So viel sei aber vorweggenommen: Das Gerät ist ganz klar ein Produkt für Early Adopter. Es zeigt enorm viel Potential, hat aber auch noch so manche Schwäche, beispielsweise das zwar nicht unpraktische, aber nicht gerade ansehnliche Design.

Interessanter als die Details sind aber eigentlich die konzeptionellen Prioritäten, die Amazon beim Kindle gesetzt hat. Sie zeigen nämlich deutlich auf, wohin die Reise bei den digitalen Medien geht. Ich bin mir fast sicher, dass wir in ein paar Jahren den Amazon Kindle als ein Pionierprodukt sehen werden, das zwar noch unreif war, aber am Anfang einer grosse Welle stand. Etwa so vielleicht wie der Apple II zum Beginn der PC-Welle. Oder der Rio Diamond bei den MP3-Playern.

Eigentlich ist der Kindle ein kleines Wunder. Vor nicht so langer Zeit hätte sich das noch nach Science Fiction angehört: Ein nur 290 Gramm schweres Gerät in Taschenbuchgrösse, mit dem man von jedem Punkt der Welt aus drahtlos in Sekunden für wenig Geld jedes denkbare Buch und jede denkbare Zeitung abrufen kann. Und fest gespeichert kann man hunderte oder gar tausende von Büchern mit sich herumtragen. Ach ja, und Musik und Hörbücher kann das Ding auch abspielen.

Das war jetzt aber eben gerade etwas Fiction. Die Realität sieht im Moment noch ein klein wenig nüchterner aus: Das EVDO-Funknetz des Kindle funktioniert im Moment nur in den USA, und auch da nicht überall. Bisher sind im Amazon-Shop etwa 90’000 Titel für den Kindle erhältlich, fast alle davon in Englisch. Zeitungen und Magazine gibt es erst ein paar wenige (aber immerhin die FAZ, die New York Times und das Wall Street Journal), und Blog-Abos kosten eine kleine Gebühr. Die Speicherkapazität ist auf etwa 200 Titel begrenzt. Der eingebaute Webbrowser und der MP3-Player sind recht rudimentär. Und der E-Ink-Screen lässt auch noch viele Wünsche offen. Aber das sind letztlich technische Details, die in ein oder zwei Produktgeneration erheblich verbessert sein werden.

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Bitte eine Tasse Kaffee und die Morgenzeitung.

Viel wichtiger ist etwas, was Amazon fundamental anders macht als die bisherigen E-Book-Anbieter: Radikale Einfachheit. Dank der eingebauten Drahtlos-Verbindung kann man sich mit dem Kindle einfach und spontan Bücher und andere Dokumente kaufen, ohne sich (wie selbst noch beim iPod) mit PC-Software und der entsprechenden Gerätesynchronisation herumschlagen zu müssen. Der Kindle funktioniert einfach so, direkt aus der Schachtel. Er ist ein eigenständiges Konsumprodukt, kein PC-Peripheriegerät. Im Vergleich dazu waren bisherige e-Book-Systeme byzantinisch kompliziert.

Vergleichen wir mal die Schritte, die bisher für den Erwerb eines eBooks bei Microsoft (mit einem Windows-Mobile-PDA) nötig waren und wie das mit dem Kindle geht.

Microsoft Reader:
1. Reader-Software herunterladen.
2. Reader-Software auf dem PC installieren.
3. Microsoft Passport-Account anlegen.
4. PC als autorisiertes Device registrieren.
5. Online-Shop finden, der MS-Reader-kompatible Bücher verkauft.
6. Buch per Webbrowser bestellen (aus einer Auswahl von ca. 30’000 Titeln).
7. Software auf dem PDA installieren.
8. PDA als autorisiertes Device registrieren.
9. Fehlermeldung! Nochmal zurück zu Schritt 7.
10. Buch auf den PDA kopieren.
11. Reader-Software auf dem PDA starten.
12. Lesen.

Amazon Kindle:
1. Auspacken.
2. Einschalten.
3. Buch direkt auf dem Gerät bestellen (aus einer Auswahl von ca. 90’000 Titeln).
4. Lesen.

Da der Kindle für den User vorkonfiguriert versendet wird, ist tatsächlich kein weiterer Schritt nötig, keine Konfiguration irgendwelcher Art. Das ist tatsächlich eine kleine Revolution. Insofern hat der Kindle mit all den bisher gescheiterten eBook-Readern nur wenig zu tun.

Trotzdem, natürlich stehen dem Kindle noch manche Hürden im Weg. Der Preis von derzeit $399 für das Basisgerät ist klar zu hoch für den Massenmarkt. Aber es ist zu hoffen, dass dieses Konzept trotzdem Erfolg haben wird. Es wäre ein gewaltiger Schritt für die Medienwelt.

Licht aus bei Black Fluorine – war es jemals an?

blackfluorine.gifAnfang Oktober berichtete ich über einen neuen Internet-TV-Anbieter namens Black Fluorine, der mit großen Worten einen revolutionären Videodienst ankündigte. Auf seiner Website gab sich Black Fluorine geheimnisvoll und offenbarte nur stückchenweise, was den Benutzern geboten werden soll. Unter anderem wollte man die Mitschnitte aller relevanter Fernsehsender plus einer umfrangreichen Videodatenbank rund um die Uhr auf Abruf verfügbar machen, mit einer Community kombinieren und bereits zum Start 250.000 Mitglieder haben. Ich bezeichnete das Projekt als ambitioniertestes Vorhaben im Jahr 2007 und stellte in Aussicht, dass Black Fluorine entweder zu einer Internet-TV-Sensation oder einer großen Luftnummer werden könnte. » weiterlesen

Alles ausser Hochdeutsch

Become a fan of zweinull.cc – bei Facebook

Facebook PageEine beachtliche Zahl der zweinull.cc-Leser hat einen Facebook-Account. Die dortige Gruppe von zweinull.cc zählt bereits 61 Mitglieder. Allerdings ist die Funktionalität von Gruppen recht begrenzt. Abhilfe schaffen Facebook Pages. Seit gestern ist zweinull.cc mit einer eigenen Seite bei dem Social Network vertreten. Facebook Pages bieten nicht nur eine größere Funktionsvielfalt, sondern ermöglichen auch das Hinzufügen von Applikationen. Zudem sind bestimmte Teile einer Seite für User ohne Facebook-Account zugänglich und werden von Suchmaschinen indexiert.

Wer möchte, darf sich jetzt also bei Facebook als Fan von zweinull.cc outen. Zu unserer Facebook Page geht es hier, anschließend müsst ihr nur auf “Become a fan” klicken. An Applikationen habe ich bisher lediglich einen RSS-Reader integriert, der zweinull.cc-Posts verlinkt. Wer weitere sinnvolle Vorschläge hat, immer her damit (im Moment können noch nicht alle Apps zu Facebook Pages hinzugefügt werden). Im “schlechtesten” Fall drückt ihr eure Sympathie zu zweinull.cc aus, im besten Fall entsteht eine zusätzliche Plattform zum Austauch und zur Diskussion über aktuelle Web-2.0- und Facebook-Themen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Haptische Erotik auf der Titanic

Es ist schon etwas her, aber ich möchte nochmal auf diesen Bericht von den Münchner Medientagen zurückkommen. Als ich sie genau durchlas, kam mir der Begriff “Titanic” in den Sinn. Eine Parabel.

Schiff Printprodukt Internet

Das alte Holzschiff heisst Printprodukt und die lachenden und tanzenden Gäste drauf heissen Zeitungsverleger. Die Printprodukt ist ein grosses, ein schwerfälliges Schiff mit einem streng reglementierten Zugang, den man in der Regel nur durch jahrelanges Studium oder durch sehr gute Beziehungen erhält. Es fährt eher langsam, hat gigantische Druckerpressen an Bord und ist, jedenfalls in Teilen, die ab und zu geputzt und als neu verkauft werden, über 200 Jahre alt. In den letzten Jahren wurde das Schiff von vielen Leuten verlassen. Weil sie es nicht mehr schick genug fanden. Weil sie sich von Offizieren schikaniert fühlten. Weil sie meinten, nicht mehr genug zu verdienen. Oder weil sie schlicht nicht mehr gebraucht wurden. Die Printprodukt ändert seit Jahren kaum seinen Kurs. Sie fährt geradeaus.

Nebenan wird ein neues, ein flottes Schiff gebaut. Es heisst Internet, ist für fast alle frei zugänglich und sieht jeden Tag neu aus. Es tummeln sich viele junge Leute drauf, von denen zwar keiner den Anschein macht, etwas vernünftiges zu tun, die sich aber gegenseitig helfen und inspirieren. Obwohl jeder was Eigenes im Sinn hat, wächst die Internet , denn alle auf dem Schiff sind miteinander vernetzt und bauen ständig daran rum. Wohin das Schiff fährt, kann man gar nicht so genau sagen, denn immer wenn man meint, man wüsste es, dann merkt man, dass man sich getäuscht hat. Allerdings kümmert sich auf dem Schiff gar niemand darum, wohin es fährt. Es fährt einfach irgendwohin und alle drauf finden das gut.

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