Leserbrief an die Werbewoche

Liebe Werbewoche

Heute morgen schmerzte mein Auge. Als ich vor dem Spiegel stand, sah ich, dass es halb zugeschwollen war. Keine Ahnung, wie und warum das passiert ist, vielleicht eine Entzündung. Es hinderte mich aber nicht daran, einen Text bei werbewoche.ch zu lesen, der mir sehr bekannt vorkam. Nicht nur bekannt, nein, es war mir, als hätte ich ihn eigenhändig geschrieben. Doch dem war nicht so, wie ich bei genauerem Hinsehen bemerkte. Autor des Texts war nicht ich, sondern Christian Lüscher. Nur rein zufällig verwendeten wir an der gleichen Stelle das gleiche Bild: Eine richtig schön kreative Version einer Schweizerkarte aus einem Artikel von stern.de. Der Inhalt dagegen war ganz anders. Es ging um DAS Thema der Gegenwart: Horden von deutschen Einwanderern, die alle ins Land drängen und den Schweizern die Jobs wegnehmen wollen.

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Vanitas vanitatum, et omnia vanitas

VanitasZwischen richtig und falsch ist heute oft gar nicht mehr so leicht zu entscheiden. Mindestens ein Fall konnte nun aber in der Vanity Fair auf Seite 259 klar gemacht werden, wo sich die Geschichte der Zeitschrift und ihres Namens findet: “Vanity Fair” heisst “Jahrmarkt der Eitelkeit” und nicht etwa “Jahrmarkt der Eitelkeiten”.

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Wir sind die Maschine

Web 2.0 im Video in 2 Minuten erklärt

Alle schreiben drüber, aber irgendwie scheinen die wenigsten begriffen zu haben, was Web 2.0 ist, oder zumindest, was das Web 2.0 ausmacht. eine hervorragende Zusammenfassung, die auch für (des Englischen mächtige) Laien verständlich ist, hat jetzt Michael Wesch, Asisstenzprofessor für Kultur-Anthropologie an der Kansas State University auf Youtube veröffentlicht. Das Werk hat binnen zweier Wochen die Youtube-Hitaparade gestürmt.

Wesch führt auch die “Gruppe für digitale Ethnograhie” an der KSU, die sich mit den Auswirkungen der Technologie auf zwischenmenschliche Aktionen befasst.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Transatlantische Missverständnisse:
Google verliert in Belgien

Schon vor einigen Wochen gab es mal etwas Aufregung um einen Konflikt zwischen Google und belgischen Zeitungsverlagen. Die Verleger hatten Google der Copyrightverletzung beschuldigt, weil die Suchmaschine Inhalte der Zeitungswebsite auf Google News verlinkt hatte (wie sie das ja in vielen Ländern tut).

Diesem ersten Scharmützel folgte ein ausgewachsener Prozess, den Google nun verloren hat. Die Suchmaschine muss nicht nur alle Inhalte aus Google News und ihrem Cache entfernen, sondern auch noch eine Geldstrafe von 25’000 Euro für jeden Tag zahlen, an dem der rechtswidrige Zustand existierte.

Letzteres dürfte der reiche Suchgigant verschmerzen können, aber ganz offensichtlich wachsen die Bedenken, dass dieses Urteil eine Welle ähnlicher Klagen in anderen Ländern lostreten könnte. In Amerika reibt man sich die Augen und fragt sich, wie ein so kleines Land sich erdreisten kann, die Segnungen des allmächtigen Google hinterfragen zu können.

Meiner Meinung nach sind diese Diskussionen von zwei grundlegenden Missverständnissen geprägt:

  • Online-Werbung spielt in Kontinentaleuropa noch lange nicht die gleiche Rolle wie in den USA oder Grossbritannien. Damit ist auch die Bedeutung der Zeitungswebsites kommerziell geringer, und somit auch der Traffic, der immer mehr von Suchmaschinen getrieben wird, weniger bedeutsam. Amerikanische oder britische Zeitungen wären dumm, eine Suchmaschine zu verklagen, weil viele Zeitungswebsites durch gute Werbeeinnahmen inzwischen ziemlich profitabel sind und ein Grossteil der Besucher per Suchabfrage auf die Seiten gelangt.
  • Je nach Land sind die Zeitungsverlage wirtschaftlich unterschiedlich stark und vermutlich darum auch unterschiedlich klagefreudig. Ärger hat Google bisher vor allem in den frankophonen Ländern gekriegt, wo Zeitungen einen vergleichsweise geringen Teil der totalen Werbeeinnahmen erzielen (Belgien 23%, Frankreich 17%). In Pressehochburgen wie der Schweiz (52% des Werbemarktes geht an Zeitungen), Deutschland (43%) oder Schweden (55%) sehen das die Verlage deutlich gelassener, weil sie um die Stärke ihrer Brands wissen — und das ist auch in Googles Heimmarkt USA ganz ähnlich. Eine starke Zeitungswebsite kann durch zusätzlichen Traffic aus Richtung Suchmaschinen nur gewinnen. Aber bei den schwachen Zeitungsmärkten motiviert eine verzweifelte wirtschaftliche Situation halt eher zu verzweifelten Massnahmen.

Da natürlich nationale Zeitungsverlage einen erheblich grösseren politischen und gesellschaftlichen Einfluss in ihrem Heimland haben als eine amerikanische Suchmaschine, steht Google im Fall weiterer Klagen nicht gerade gut da. Es wäre darum sicher am besten für Google, aktiv das Gespräch mit den Verlagen zu suchen.

Details mit Unterschieden

Ob ein kurzer Strich oben oder unten angesetzt wird, kann etwas 1000mal anderes bedeuten. Die qualitätsbewusste Onlineredaktion der NZZ hat den kleinen Fehler auf dem Titel schon nach einer Stunde eingesehen und geändert.

nzz ubs

nzz ubs

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Die erste Vanity Fair zum Letzten

Da ich nur vernichtende Kritiken über die neue deutsche Ausgabe von Vanity Fair gelesen habe, wollte ich wissen, wie schlimm sie wirklich ist. Die Zeitschriftenhändlerin schaute ganz lange auf den Preis, dann auf mich, als sei ich dafür verantwortlich und dann wieder auf den Preis. Sie sagte: Die kostet 2 Franken. Das hab ich dann bezahlt.

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Karten zeichnen mit stern.de

SchweizDieses Bild findet man bei stern.de. Es begleitet einen Beitrag über One-Night-Stands in Zermatt (der Teaser führt in die Irre, es geht lediglich um Einmalübernachtungen in Iglus). Zermatt ist bekanntlich in der Schweiz, auch wenn ich Mühe hätte, auf der nebenstehenden Karte die genaue Lage einzuzeichnen. Und über die Schweiz schreiben deutsche Online-Medien furchtbar gerne freundliche Texte, zum Beispiel sueddeutsche.de, inklusive allen wichtigen touristischen Informationen und Telefonnummern. Ich bin mir sicher, Zermatt Tourismus hätte einen selbstverfassten Text nicht besser schreiben können.

Zurück zur Karte. Es ist natürlich lobenswert, wenn stern.de seine Karten selbst zeichnet, aber das Resultat sieht dann doch ziemlich anders aus als die meisten anderen Karten der Schweiz (hier ein Beispiel zum Gegenvergleich). Nicht dass ich es besser könnte, aber diese westliche Ausbuchtung im Tessin habe ich noch nie gesehen. Bern ist für meinen Geschmack etwas sehr nordwestlich und während der deutschlandnahe Bodensee auf die Karte darf, ist der flächenmässig grössere Genfersee nicht eingezeichnet. Aber genug gelästert, besser als CNN 2001 oder 2005 ist das noch längst.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

medienlese – der Wochenrückblick

Die Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers, Das Magazin, druckte exklusiv Auszüge aus dem Tagebuch der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja. Da der Text nicht online ist und das Magazin im Ausland nicht erhältlich, werden das mal wieder nur Bewohner der Schweiz lesen können. Online hingegen ist die Antwort von Michèle Roten auf einen Leserbrief einer “ehemaligen deutschen Frau”, die sich über die Aussage “Deutsche Frauen sind geile Säue” geärgert hat und nun ihre Juristentochter und den Blick einschalten will. Als Strafe für die gute Antwort wurde sie bereits am Dienstag in der Fernsehsendung Club von Moderatorin Christine Maier auf ihren nervösen Fuss hingewiesen. Die deutsche Ausgabe von Vanity Fair ist erstmals erschienen und niemand schrieb darüber eine Lobeshymne. Stattdessen wurden schon im Editorial Fehler gefunden, man fand Werbung anstelle der journalistischen Inhalte und weder Till Schweiger noch sein Zicklein konnten verhindern, dass die Hochglanzpostille verrissen wurde. Deutsche Blogger stellten Aufnahmen ins Internet, auf denen die gewaltsame Zerstörung eines Hefts zu sehen war. Arthur Sulzberger Jr., Herausgeber der New York Times, sagte, er wisse nicht, ob sie die Zeitung in fünf Jahren immer noch ausdrucken würden, und, wissen sie was, es ist ihm auch egal. Sacha Lobo, digitaler Bohèmist mit origineller Frisur, war in eine Talkshow eingeladen und lernte dort, dass man sich wild bewegen und schreien muss, um von den Kameras wahrgenommen zu werden. Er schrieb auf spreeblick.de einen schönen Satz über Sahra Wagenknecht: “Aber ihr meckeriger, anschuldigender Ton ist bei egal welchem Inhalt so schwer verdaulich wie ein kinderkopfgrosser Klumpen aus einem Steinmehl-Heizöl-Gemisch.”

Rainer Meyer war in drei Teilen auf netzeitung.de und sagte dort, er möchte nicht sein wie Don Alphonso. Ausserdem würde er Gründertypen keinen Cent anvertrauen und will, dass PR aufs Maul bekommt. Immer wieder. Seine teilweise auf Medienrecht spezialisierte Juristenfamilie freut sich auf etwaige Klagen. Das NZZ Folio war in Teheran und fand heraus, dass dort Popmusik, Alkohol, Homosexualität und sich in der Öffentlichkeit küssen illegal sind und bei Vergehen dagegen mit Peitschenhieben gerechnet werden muss. Der E-Mail-Verkehr hingegen sei unkontrolliert und Magazine wie Spiegel oder Newsweek nicht verboten. Rupert Murdoch sagte, er amüsiere sich derart gut – er möchte einfach für immer leben.

Jetzt.de durfte lernen, dass Rotaugen total auf Zwiebackmehl abfahren und dass Kartoffelbrei viel langsamer verdaut wird, wenn man sich vorher 30ml Olivenöl reinzieht während die Weltwoche fernsehseriensüchtige Menschen besuchte, die nach dem “Weggucken aller Vorräte” verzweifelt sind, weil sie nun wieder miteinander reden müssen. Gion Mathis Cavelty enthüllte ein paar Seiten weiter hinten, dass Wickie ein Junge ist. In einer Szene, in der er mit zwei Robben nackt im Meer bade, sei eindeutig etwas zu sehen, was er vorsichtig als “Riesenapparat” bezeichnen würde. Güzin Kar fragte sich, wer einen einhodigen Mann spielen will und in einem nicht leicht verständlichen Text der NZZ rügte Professor Otfried Jarren die Medien, besser zu kommunizieren. In der F.A.Z. wurden Laternen per SMS eingeschaltet und der Blick wertete eine eigene Online-Umfrage als Volkswillen und fragte sich, ob der Fussball-Nationaltrainer nach einer Niederlage in einem Freundschaftsspiel noch weiter tragbar sei. Die Jungle World las im Erotikmagazin Feigenblatt ein angeblich interessantes Interview mit der Prostituierten Lolette, die den Beruf erst mit 49 Jahren ergriffen und dadurch ihre manisch-depressive Erkrankung bewältigt hat. Klaus J. Stöhlker grämte sich über die glanzlose Verabschiedung des langjährigen NZZ-Chefredaktors Hugo Bütler derweil der Sonntagsblick YouTube-Videos schauen ging und aus der Erfahrung schloss, dass unsere Politiker Lachnummern sind. “Unglaublich, dass so ein Trottel Präsident der Schweiz ist”, kommentierte ein Zuschauer.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Amerika, Du hast es besser? Technologieunternehmertum in den USA und Europa

Das World Wide Web, MP3, Skype (also Peer-to-Peer VoIP), Linux: Diese vier Schlüsselinnovationen haben eines gemeinsam: Sie wurden in Europa erfunden, aber das Geld verdienen damit heute primär amerikanische Konzerne, und zwar fast ausnahmslos relativ junge Firmen wie Microsoft, Google, eBay, Amazon und Yahoo. Und das bestätigt scheinbar wieder mal das alte Vorurteil, dass die Europäer vielleicht oft die besseren Forscher, die Amerikaner aber eindeutig die besseren Unternehmer sind.

Warum ist das so? Ich verbringe jetzt schon gut acht Monate hier in Boston am MIT, einem der Zentren amerikanischen Technologieunternehmertums. Vor dem Hintergrund der Einsichten hier vor Ort und meiner europäischen Erfahrungen als Mitgründer einer Internetfirma möchte ich mal ein paar Thesen darüber aufstellen, was in Amerika anders ist für Leute, die eine Firma gründen wollen. » weiterlesen

Windows Vista und der kognitive Overload

Endlich habe ich jetzt mal Zeit gefunden, die finale Version von Windows Vista zu installieren. Meine letzten Vista-Experimente sind schon länger her, und seither hat sich nochmal viel getan. Ich muss sagen: in den meisten Aspekten bin ich positiv überrascht. Aber lange nicht in allen.

Als Versuchskaninchen musste mein Mac Mini herhalten, der per Boot Camp eine zweite Partition mit Vista Enterprise verpasst kriegte. Entgegen aller Befürchtungen verlief die Installation verblüffend problemlos. Keinerlei Fehlermeldungen oder Hardwareprobleme waren zu beklagen, nur das Scrollrad der drahtlosen Mighty Mouse wird komischerweise nicht erkannt.

Die Performance war die nächste Überraschung: Obwohl mein Mac Mini mit nur einem halben Gigabyte RAM und einem 1.83 GHz Core-Duo-Prozessor nicht gerade traumhaft ausgestattet ist, läuft Vista recht flott. » weiterlesen