Aktienmarkt:
Ein verlorenes Jahrzehnt?

Die Internet-Bubble der Jahrtausendwende war in vielerlei Hinsicht eine besondere Zeit. Unter anderem brachte sie das Zocken mit Aktien nach Europa. Enorm viele Leute hatten anno 1999 plötzlich einen Account bei einem Billigbroker und spekulierten, was das Zeug hielt. Und natürlich war das Erwachen in vielen Fällen ziemlich böse. Aber, so hört man ja immer, wenn man Aktien lang genug hält, wird alles wieder gut. Langfristig kann man fast nicht anders, als mit Aktieninvestments Geld zu verdienen, wenn man nur genug Geduld mitbringt.

Aber vielleicht ist das nicht immer so. In einem seltenen Anfall von langfristgem Denken schreibt heute das Wall Street Journal, dass die letzten knapp zehn Jahre am Aktienmarkt eigentlich eine “Lost Decade” waren, ein verlorenes Jahrzehnt. Denn, so das WSJ, der Standars & Poors-Aktienindex steht nach viel Auf und Ab heute etwa wieder da, wo er im April 1999 stand.

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NZZ rezensiert «Blogwerk-Jahrbuch» Fluch des Blogreflexes?

Es hat funktioniert. Im letzten November hatten wir beschlossen, ein «Blogwerk Jahrbuch 2007» mit den besten Blogwerk-Beiträgen des vergangenen Jahres herauszugeben. Auf Papier, denn unsere Überlegung war: So besteht eine grössere Chance, dass auch Journalisten und Werber es lesen.

Vor Weihnachten haben wir es versandt; auf den Verteiler habe ich unbekannterweise auch Stefan Betschon, Ressortleiter «Medien und Informatik» bei der NZZ genommen. Und tatsächlich, schon nach drei Monaten hat er es gelesen und publiziert in der Ausgabe von gestern die Replik. (Das ist wohl der übliche Vorlauf bei der NZZ für alles, was nicht tagesaktuell ist; der Blogger-Artikel von Matthias Daum, für den ich Mitte Januar interviewt wurde und Anfang Februar die Zitate autorisiert habe, ist auch noch nicht erschienen. Ist allerdings nicht für das Medien-Ressort.)

Betschon nennt seine Betrachtungen originellerweise Web 2.0. Vom Leistungsdruck, dass diese Überschrift einen weiten Fokus verspricht, befreit sich der Autor sogleich mit etwas Ironiegeschwurbel, bei dem man nicht genau versteht, worauf er hinaus will, sowie etwas am unpassenden Ort angebrachtem Typografie-Detailwissen. Vielleicht kommt das ja in der gedruckten Zeitung gut. In der wird man im übrigen auch nicht abgelenkt dadurch, dass der Text durchbrochen ist von einem grossen, quadratischen Banner, das wechselweise für eine Fluglinie oder «Schnäppchen bei Neckermann» wirbt. (Ja, Blogwerk hat auch Banner, aber nicht in der Mitte des Lauftexts.)

Nach dem Geblinke geht’s aber endlich los mit dem Inhalt.
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Auslandsberichterstattung:
Wen interessiert’s schon

Über welche Länder steht etwas in der Zeitung? Worüber berichtet die New York Times, woher die Sun? Worüber die Blogosphäre? Aus diesen Daten haben Nicolas Kayser-Bril und Gilles Bruno eine Infografik erstellt.

Screenshot observatoiredesmedias.com
Screenshot

Die Nähe macht’s, und je weiter weg ein Ereignis stattfindet, desto größer, verheerender muss es für die Berichterstattung sein. Warum es eine Nachricht in ein Medium schafft, versucht die Wissenschaft anhand der Nachrichtenfaktoren zu erklären. Denn diese journalistische Binsenweisheit lässt sich nicht nur “fühlen”, sondern auch empirisch überprüfen. Genau das hat Nicolas Kayser-Bril in seiner Dissertation getan, indem er online verfügbare Artikel verschiedener Zeitungen auf das Land der Berichterstattung untersucht hat.

Zusammen mit Gilles Bruno hat er aus den Daten außerdem eine interaktive Weltkarte erstellt. Das Ergebnis wird auf der Seite L?Observatoire des médias gezeigt. Herausgekommen ist eine kleine Flash-Anwendung, in der die Staaten der Erde entsprechend ihres Vorkommens in der Berichterstattung verschiedener Zeitungen größer oder kleiner dargestellt werden:

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iPhone:
Versorgungsengpässe und Politikskandale

Das iPhone bleibt weiterhin das schillerndste unter den Mobiltelefonen und erfreut sich ganz offensichtlich weiterhin grosser Beliebtheit:

Aus New York meldet die Huffington Post, dass in den Apple Stores der ganzen Stadt keine iPhones mehr erhältlich sind. Das dürfte weniger mit einer plötzlichen Beliebtheitssteigerung in den USA zu tun haben als mit den Horden ladenplündernder Shopping-Europäer, die mit ihren harten Euros unter anderem alles aufkaufen, was ein Apple-Logo trägt. Kein Wunder, bei den Preisunterschieden, immerhin spart man pro 8 GB-Modell satte $225 gegenüber dem Euro-Preis. Europa dürfte also weiterhin gut mit gehackten Ami-iPhones versorgt werden.

Anderswo setzen prominente Politiker gar ihre Karriere für ein bisschen iPhone-Spass aufs Spiel. » weiterlesen

Bannerwerbung grösser als Radio

Apropos Verschiebungen in der Werbelandschaft: In den USA hat gerade die Bannerwerbung (auch als Display Ads bezeichnet) 2007 erstmals das Radio als Werbemedium überholt (via paidcontent.org). 7.6% der Werbegelder wurden für Online-Banner ausgegeben. Die Studie berücksichtigte hierbei keine Suchmaschinenwerbung.

Da Bannerwerbung nur etwa gut einen Drittel des gesamten Online-Kuchens ausmacht, heisst das wohl auch, dass der gesamte Online-Bereich inklusive Suchmaschinen-, E-Mail- und Affiliate-Marketing sowie Online-Kleinanzeigen inzwischen gerade dran ist, auch die Zeitungswerbung (17.7% in den USA) zu überholen.

In Europa müssen wir auf solche Verhältnisse wohl noch etwas warten.

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Werbung wirkt doch:
DVR-Haushalte kaufen weniger Zeug

Seit einigen Jahren befindet sich die Werbebranche in milder Panik angesichts der neumodischen digitalen Videorecorder (DVR). Mit diesen Geräten können die Zuschauer nämlich komfortabel Werbeblöcke in aufgezeichneten TV-Sendungen überspringen und müssen sich daher weniger Werbebotschaften aussetzen.

Bisher war wenig bekannt darüber, ob das auch wirklich einen Effekt auf das Konsumverhalten haben würde. Aber eine gerade abgeschlossene dreijährige Studie der Firma Information Resources zeigt, dass DVR-Haushalte tatsächlich weniger Produkte der von im Fernsehen beworbenen Marken kaufen.

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Yahoo, die OpenSocial Foundation und eine Windows Live Contacts API

opensocial.gifIm Jahr 2008 vergeht kaum noch eine Woche, in der nicht eines der führenden Internetunternehmen einen weiteren Schritt in Richtung eines (ansatzweise) offeneren Netzes macht oder ankündigt. Heute sorgten gleich drei Meldungen dieser Art für Aufmerksamkeit. Zum einen gab Yahoo offiziell seinen Beitritt zu Googles OpenSocial-Initiative bekannt. Was auch immer die Beweggründe sind – das Web-Urgestein legt damit Microsoft, das Yahoo kaufen möchte, weitere Steine in den Weg. Immerhin würden die Redmonder nach einer Übernahme an einem Projekt beteiligt sein, das vom Erzrivalen Google forciert wird. Und nicht nur das: Ebenfalls verkündet wurde die Gründung der OpenSocial Foundation, einer nicht gewinnorientierten Organisation, die die Verbreitung und Weiterentwicklung von OpenSocial vorantreiben soll. Gründungsmitglieder sind Google, MySpace und Yahoo. » weiterlesen

Entspannen im Informationszeitalter – ein (un)lösbares Problem

strand.jpgNicht nur, aber gerade für am Webgeschehen interessierte Menschen ist es essenziell, informiert zu sein. Der Internet- und Gründerboom, die zunehmende internationale Vernetzung und das Auftauchen unzähliger Onlinemagazine und Blogs rund um das Web 2.0 sorgen dafür, dass es weder an Meldungen noch an Quellen mangelt. Für viele wissbegierige Internetfans ist ein RSS-Reader der tägliche Begleiter, um nationale und internationale, professionelle wie private Feeds im Auge zu behalten und stets einen aktuellen, ausgewogenen und umfassenden Überblick über die Nachrichtenlage im Netz zu haben. Was sich im normalen Alltag mit einer Prise Selbstdisziplin und einem ordentlichen Zeitmanagement problemlos erledigen lässt, kann im und speziell nach einem Urlaub zur echten Herausforderung werden. » weiterlesen

Neue Leserzahlen:
Ringier und NZZ verlieren

Ausser den Gratiszeitungen verlieren fast alle Printprodukte an Lesern, das zeigen die aktuellen Zahlen der Schweizer Presse. Besonders im Hintertreffen: Die Traditionsverlage Ringier und NZZ.

Frontseite 20min.ch vom 25.03.2008
Screenshot 20min.ch

Kommen wir doch zuerst zu den Gewinnern, den Gratiszeitungen: Der Branchenleader 20 Minuten steigerte seine Leserzahlen um 2.3% und titelte heute auf seinem Onlineangebot: “20 Minuten: Doppelt so viele Leser wie Blick“. Das ist beinahe wahr, denn während 20 Minuten 1.244.000 Leser ausweisen konnte, schaffte es der ehemalige König des Boulevards, der Blick, nur noch auf 672.000 Leser. Doch es geht noch schlimmer:

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Wir haben uns vertan

Wired hat sich grundlegend geirrt – und gibt die falsche Einschätzung heute, mehr als zehn Jahre später, unumwunden zu: “We Were Wrong”. Leider ist so eine transparente und ehrliche Berichterstattung noch die Ausnahme.

Wired was wrong (Screenshot wired.com)
Wired was wrong (Screenshot)

Es war 1997, die Computerfirma Apple stand am Abgrund – da gab Wired, das nerdige amerikanische Technologieheft, der maroden Firma ein paar Tipps mit auf den Weg. Schließlich wussten die Redakteure ganz genau, was eine erfolgreiche Firma im Silicon Valley ausmacht. Gönnerhaft schrieben sie auf, wie Apple in Zukunft Geschäfte machen sollte.

Der zwischenzeitlich geschasste Apple-Gründer Steve Jobs war gerade zurück auf dem Chefsessel. Er tat das genaue Gegenteil von dem, was Wired ihm geraten hatte. Äußerst erfolgreich. Wired lag vollkommen daneben – und kann das Jahre später, anlässlich einer großen Geschichte über den Erfolg von Apple, auch augenzwinkernd zugeben:
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