Google:
Infrastruktur von der Pike auf

Apropos Google: Falls sich jemand fragt, was all die vielen brillianten Ingenieure da den ganzen Tag lang machen, wenn sie schon so selten marktführende Produkte hinkriegen:

Die New York Times hat einen interessanten Artikel (Registierung erforderlich) über Googles extrem skalierbare und ausfallsichere Infrastruktur. Bekanntlich sind Googles Online-Dienste praktisch nie down und fast immer extrem schnell. Einzige erwähnenswerte Ausnahmen waren bisher ein paar Ausfälle bei Gmail.

Diese Betriebssicherheit kommt nicht von ungefähr, sondern hat mit Googles massiv paralleler Rechnerinfrastruktur zu tun. Das Grundprinzip ist, dass man relativ billige Komponenten einsetzt, die ruhig gelegentlich ausfallen dürfen, weil andere Maschinen redundant Daten halten und Funktionen übernehmen können. Google hat eine so niedrige Erwartung an die Zuverlässigkeit einzelner Maschinen, dass die Server nicht mit Schrauben, sondern mit Klettverschlüssen im Rack befestigt werden. Und Google kauft Komponenten nicht einfach von der Stange, sondern baut vieles selbst. Man überlegt sich gar, eigene Chips zu entwickeln, die auf die besonderen Anforderungen der Google-Anwendungen optimiert sind. Ausserdem gehört auch Basissoftware dazu, die beispielsweise das Schreiben von massiv parallelen Anwendungen erheblich erleichtert.

Das alles ist mehr als “L’art pour l’art”, sondern bringt einen grossen Kostenvorteil gegenüber der Konkurrenz, nach Schätzungen einiger Analysten bis zu 30%. Ganz offensichtlich ist es Googles wichtigstes Ziel, eine Infrastruktur hinzustellen, die weit mehr kann als Suchanfragen zu beantworten und Pay-per-Click-Werbung zu verwalten.

Bleibt nur die Frage, welche wirklich spektakulären Anwendungen daraus irgendwann mal folgen werden…

PressDisplay:
E-Paper on Steroids

Regelmässigen Lesern dieses Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich vorsichtig formuliert nicht gerade zu den grössten Anhängern von e-Paper-Lösungen gehöre. Meistens sind diese digitalen 1:1-Kopien von Zeitungen in jeder Hinsicht unpraktisch und unbrauchbar, von mediengerechter Umsetzung keine Spur.

Was aber nun der Anbieter PressDisplay in seiner gerade veröffentlichten neuen Produktversion 3.0 anbietet, könnte sogar mich umstimmen. Wie bisher bietet PressDisplay eine Auswahl von über 300 Zeitungen aus 60 Ländern an. Aus dem deutschen Sprachraum sind zum Beispiel das Handelsblatt, die Süddeutsche Zeitung, der Tagesanzeiger oder der Standard mit dabei. Für relativ wenig Geld ($9.

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Tablet PC:
Auch in Vista nicht besser

Interessante Ergänzung zu meinem Beitrag von neulich über die Sackgasse, in der sich Microsoft Tablet-PC-Konzept befindet: Rob Bushway von Gottabemobile.com schreibt einen ziemlich vernichtenden Artikel über die Tablet-Unterstützung im neuen Windows Vista. Er ist extrem enttäuscht darüber, dass zwar an ein paar Details gearbeitet wurde, dass aber die Integration der Ink-Funktionen noch immer nicht konsequent durchgezogen wurde. Seine Folgerung: Microsoft hat das Thema Tablet-PC für die nächsten 5 Jahre versemmelt. Und dieses Urteil stammt wohlgemerkt von einem Autor, der sonst auch noch die bescheidensten Versuche von Microsoft (à la UMPC) toll findet.

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Fröhliches Experimentieren beim Holtzbrinck-Verlag

Die meisten Zeitungsverlage stehen dem Phänomen Internet weiterhin etwas ratlos oder gar ausgesprochen abwehrend gegenüber. Dass eine Zeitung eine vernünftige Website mit aktuellen Inhalten haben sollte, hat sich inzwischen mehrheitlich rumgesprochen, aber ansonsten herrscht vielerorts ins Digitale umgesetzte Tote-Bäume-Nostalgie in der Form erfolgloser e-Paper-Ausgaben vor.

Erwähnenswerte Ausnahmen gibt es gerade im deutschsprachigen Europa nur wenige. In der Schweiz hat es der Ringier-Verlag geschafft, sich mit ein paar teilweise gar preisgekrönten Blogging-Initiativen und ersten Anfängen von Bürgerjournalismus zu profilieren. Tamedia ist vor allem bei den Kleinanzeigenplattformen recht gut unterwegs, macht aber bei den journalistischen Produkten wenig Innovatives. » weiterlesen

Auch bei Google ist nicht alles rosig

Da wir’s hier gerade von Microsofts aktuellen Problemen hatten: Auch beim scheinbar unschlagbaren Such-König Google ist gelegentlich mal Sand im Getriebe.

Wie BusinessWeek richtigerweise schreibt, ist Google bisher kommerziell gesehen eigentlich ein One-Hit-Wonder. Natürlich ist die Suchmaschine extrem dominant, und natürlich ist das darauf aufbauende AdWords-Programm kommerziell sensationell erfolgreich. Aber was ist da sonst noch?

Googles neue Produkte kriegen immer sehr viel Aufmerksamkeit, weil es in Insider- und Pressekreisen als schick gilt, Google gut zu finden. Neustes Beispiel ist der Launch des Zahlungssystems Google Checkout, das von einigen Kommentaroren schon zum (wahlweise) PayPal-/E-Bay-/Amazon-/Yahoo-Shopping-Killer hochstilisiert wurde.

Dass der Innovationsgehalt vieler neuer Google-Produkte hoch ist, ist gar keine Frage (auch wenn es ein paar erstaunlich üble Ausnahmen gibt). Offensichtlich tut sich die Firma aber schwer, aus interessanten Beta-Produkten kommerziell wirklich erfolgreiche Angebote zu entwickeln. Die Liste der Produkte, die Google zwar anbietet, aber in denen es weit weg von einer Marktführerschaft ist, ist äusserst lang:

  • Social Networking: Orkut spielt so gut wie keine Rolle
  • Photo Sharing: Konkurrent Flickr hat das Rennen gegen Picasa klar gewonnen
  • Shopping: Von Froogle spricht kaum noch jemand.
  • Karten: Google Maps liegt immer noch hinter MapQuest zurück
  • Blog-Suche: Kein Vergleich zu Technorati
  • Instant Messaing: Google Talk liegt weit abgeschlagen hinter Skype, MSN Messenger, Yahoo, AIM, …
  • Finanzinformationen: Google Finance hat bisher weder Yahoo noch sonst jemandem spürbar User abgenommen
  • Do-it-yourself-Homepages: Google Page Creator ist zu wenig, zu spät
  • Web-Mail: Gmail ist natürlich klar der Favorit der Internet-Elite, aber die Masse macht E-Mail bei Yahoo oder Hotmail
  • RSS: Google Reader bleibt ein Nischenprodukt
  • Classifieds: Google Base ist eine prima Idee, hat aber bisher im Markt nicht wirklich was bewegt
  • Blog-Hosting: Blogger.com war mal führend, wird aber von anderen Konkurrenten immer mehr abgehängt
  • Video: Das Rennen gegen YouTube hat Google Video zumindest für den Moment verloren

…und die Liste liesse sich noch verlängern.

Man könnte den Eindruck kriegen, dass es bei Google die Mentalität “Von Insidern, für Insider” gibt. Man macht Produkte für eine innovationsfreudige Elite und ignoriert den Massenmarkt weitgehend. Diese Denkweise ist auch beispielsweise gewissen Computer-Herstellern nicht ganz fremd, und da sprechen die Marktanteile auch für sich.

Nun sind elitäre Produkte ja nichts Schlechtes. Die ganze Luxusgüterindustrie baut z.B. darauf auf, gerade eben nicht den Massenmarkt anzusprechen. Aber das funktioniert nur dann, wenn man von den wenigen Käufern sehr viel höhere Preise kassieren kann.

Und genau da zeigt sich das potentiell riesige Problem für Google: Man verdient bisher das Geld mit Werbung, und praktisch nur mit Werbung. Auch wenn AdWords raffinierter funktionieren als klassische Werberormen, basiert der Erfolg jeder Form von Werbung darauf, dass man eine grosse, weit gefächerte Zielgruppe ansprechen kann. Das ist mit solchen Nischenprodukten offensichtlich nicht möglich. Gebühren kann Google von seinen Benutzern kaum verlangen, denn erstens haben sich selbige jetzt schon daran gewöhnt, dass alles gratis ist, und zweitens verlangt auch die Konkurrenz meistens kein Geld.

So völlig anders als bei Microsoft präsentiert sich also die Situation bei Google nicht: Auch hier ist eine Firma, die ein extrem profitables Marktsegment nach Belieben dominiert, aber es bisher nicht schafft, auch in anderen Feldern ein profitables Geschäft zu entwickeln. Kurzfristig ist das nicht tragisch, aber langfristig kann das sehr gefährlich werden.

Muss Google sich möglicherweise irgendwann doch noch in die Niederungen des Massenmarktes hinunterbegeben, wo “Beta” kein aufregendes Label für Innovation ist, sondern ein Grund für Verunsicherung? Muss Google irgendwann die legendär leere Homepage mit ein paar Hinweisen auf andere Google-Produkte vollkleistern, wie Yahoo das schon lange mit Erfolg tut? Oder muss Google gar dereinst damit anfangen, neue Kunden mit — gasp — klassischer Werbung für sich zu gewinnen?

Microsoft in Schwierigkeiten?

Keine leichte Zeit für Microsoft: Die Produktverspätungen häufen sich, nicht nur zum x-ten Mal bei Windows Vista, sondern — wie heute bekannt wurde — auch noch für die nächste Version von Office. Das lang erhoffte neue Filesystem WinFS wird definitiv nicht erscheinen, weder in Vista noch als eigenständiges Produkt. Prominente Mitarbeiter verlassen die Firma, nach Oberblogger Scoble jetzt auch noch Chef-Evangelist Vic Gundotra. Der UMPC ist ein Flop.

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YouTube überholt MTV und macht gemeinsame Sache mit NBC

Merkwürdiges passiert im Land der Bewegtbilder: Die führende Videosite YouTube steigert ihre Benutzerzahlen so schnell, dass sich gestandene Fernsehsender zu einer Kooperation genötigt fühlen. NBC, das vor Wochen noch YouTube zur Entfernung von aus “Saturday Night Live” geklauten Clips zwang, schliesst eine Partnerschaft mit dem User-Generated-Video-Leader. Die neuen NBC-Sendungen sollen auf YouTube promoted werden, und im Gegenzug bekommt die Website Werbeplatz im Fernsehen. Beide Parteien versprechen sich dadurch natürlich wachsende Popularität ihrer jeweiligen Angebote und dadurch viele Werbedollars.

Warum sich NBC darauf einlässt, obwohl der auf YouTube angebotene Content vorsichtig gesagt » weiterlesen

Gliffy:
Visio-Clone im Browser

Auch wenn Web 2.0-Anwendungen manchmal noch so ihre Probleme haben: Es ist schon absolut verblüffend, was man im Browser schon an Funktionalität bieten kann.

Neuster Beweis dafür ist Gliffy, eine neue Online-Diagrammapplikation, die in OpenLaszlo geschrieben ist (wird auf Client-Seite als Flash-Applikation ausgeführt). Die Macher von Gliffy geben sich gar nicht erst gross Mühe zu verbergen, dass sie vor allem die Anwendungsfelder von Microsoft Visio im Auge haben. Das User-Interface ist praktisch deckungsgleich mit Visio. Mit wenigen Mausklicks kann man sich hübsche Diagramme zusammenstellen, auf dem Gliffy-Server abspeichern und selbstverständlich — ist ja schliesslich Web 2.

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MySpace:
Europäische Expansion und Ärger für Google

Das Phänomen MySpace.com erhält in den amerikanischen Medien weiterhin grosse Aufmerksamkeit. Die Selbstdarstellungsplattform für (primär) jugendliche User, kürzlich gekauft von Rupert Murdochs Medienimperium, wird in letzter Zeit vor allem wegen der teilweise jugendgefährdenden Inhalte angegriffen, die in einigen der Millionen von Profilen publiziert werden.

MySpace verspricht natürlich hoch und heilig, diesem Problem mit allen verfügbaren Mitteln begegnen zu wollen. Man fragt sich aber, ob es der Firma damit wirklich ernst ist, denn ein Teil des Reizes für die Teenies besteht natürlich auch darin, dass man schon nach wenigen Klicks auf (echten oder gefälschten) Profilen irgendwelcher Porno-Starlets landet — worüber sich dann natürlich die Eltern aufregen, was die Kids aber nur noch mehr zu Benutzung animiert usw. » weiterlesen

Schweiz hält den Weltrekord…

…und zwar im Subventionieren der Landwirtschaft. Das behauptet zumindest ein neuer Bericht der OECD, der im Juli erscheinen wird. Mehr dazu kann man im Blog von Nobelpreisträger Gary Becker lesen:

“The beautiful views of cows and sheep on the very green Swiss mountains are courtesy of the Swiss government that pays farmers generously to keep these animals grazing on the mountains.”

68% des Einkommens der Schweizer Landwirtschaft stammt demnach aus Subventionen. 14.092 Milliarden Franken wird der Spass 2007 kosten.

Das heisst: Die selbständige Schweizer Softwarebranche kann mit ihren 7.5 Mia. Fr. » weiterlesen