218 Artikel in der Kategorie Specials auf netzwertig.com.

“Offline war alles besser”:
Wider die Glorifizierung des Abschaltens

Der Always-on-Trend sorgt für die Formierung einer losen Gegebenwegung von Menschen, die das Abschalten propagieren. Dabei schießen sie leicht über das Ziel hinaus. Aus guten Ratschlägen wird die Glorifizierung von Trivialem.

OfflineDass die Nutzung der immer vielseitiger einsetzbaren digitalen Gerätschaften, die sich in Form des Smartphones meist 24 Stunden in unserer Reichweite befinden, bei manchen Menschen über die Stränge schlägt und gar krankhafte Züge annehmen kann, ist unbestritten. Als Konsequenz hat sich in letzter Zeit eine lose, heterogene Gegenbewegung gebildet, die das Abschalten propagiert. Die Motive und das Engagement für die Sache variieren stets, die Philosophie aber ist meist die gleiche: Zu viel und zu intensive Präsenz im Netz gehe auf Kosten der Wahrnehmung der Gegenwart und des psychischen Wohlbefindens. Außerdem drohe der “Smartphone-Nacken”.

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Jimdos Erfolg in Japan:
“Wegen eines Website-Baukastens Autogramme zu geben, ist irgendwie verrückt”

Vor fünf Jahren ließen sich die Macher des deutschen Website-Baukastens Jimdo auf ein Experiment ein: Sie schufen mit lokaler Unterstützung einen Ableger in Japan. Dieser entwickelte sich zu einem echten Hit, mit verrückten Nebeneffekten.

Jimdo-Mitgründer Fridtjof Detzner vor Hunderten japanischen Jimdo-Nutzern

Vor einigen Wochen präsentierte mir mein Facebook-Newsfeed ein seltsames Foto: Es zeigte Fridtjof Detzner, einer der drei Gründer des Hamburger Websitebaukasten-Anbieters Jimdo, enthusiastisch vor einigen Hundert in einem großen Saal sitzenden Japanern, die mit strahlenden Gesichtern die Hände in die Höhe streckten. Was war da los?

Bei genauerem Hinschauen erfuhr ich: Das Foto stammte von den Feierlichkeiten des fünfjährigen Bestehens von Jimdo Japan. 2009 gründeten die Norddeutschen in Kooperation mt dem japanischen Telekommunikationsanbieter KDDI einen Ableger im Land der aufgehenden Sonne (unser damaliger Bericht). Das auf dem Foto festgehaltene Ausmaß des jüngsten Jubiläums-Events in Tokio verdeutlicht mehr als Worte, wie erfolgreich sich das Projekt entwickelt hat. » weiterlesen

Alle sind willkommen:
Estland erfindet die virtuelle Staatsbürgerschaft

In den vergangenen fast fünfzehn Jahren hat Estland eine einzigartige Infrastruktur für die elektronische Kommunikation zwischen Behörden, Bürgern und Unternehmen aufgebaut. Jetzt wird diese international geöffnet: Im Dezember führt das baltische Land die weltweit erste virtuelle Staatsbürgerschaft ein.

Für Industrie- und Exportnationen wie Deutschland oder die Schweiz ist die Frage, wie man für Wohlstand sorgt und sich im internationalen Wettbewerb um Geldgeber, Firmen und Fachkräfte durchsetzt, recht einfach beantwortet: Man schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Nachfrage nach den hergestellten Gütern weiter steigt, und dass diese Güter ihren guten Ruf behalten. Kleine Nationen aber, denen es an historisch gewachsenen Leuchtturm-Sektoren des herstellenden Gewerbes oder der Dienstleistungsbranche mit Renommee über die Landesgrenzen hinaus mangelt, müssen weitaus kreativer sein, um sich ihren erfolgreichen Platz in der Welt zu sichern. Estland, der kleine baltische Staat an der Grenze zu Russland, läuft bei diesem Bestreben zur Hochform auf. Denn die nur 1,3 Millionen Einwohner zählende Nation, die sich vom wirtschaftlichen und politischen Selbstverständnis her eng mit den nordischen Ländern verbunden sieht, verwandelt gerade die digitalen Privilegien ihrer Staatsbürgerschaft in ein Exportgut.

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Einkaufsparadies in Watte gepackt:
Die Psychologie hinter Amazons schrecklich-schönem Fire TV

Während viele TV-Streaming-Lösungen in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind, hat Amazon beim Fire TV den Fokus auf eine besonders angenehme Bedienung gelegt. Das Einkaufen dort soll uns Spaß machen – was Amazon gleichermaßen zu Gute kommt. Ein Erfahrungsbericht nach drei Wochen mit dem Gerät.

Amazon Fire TV

Amazon Fire TV

Für drei Wochen hatte ich kürzlich das Amazon Fire TV im Test – und war am Ende der Testdauer so traurig wie ein Kleinkind, dem man sein Schaukelpferd weggenommen hat. Was war denn da nur los? Sonstige Lösungen, um Content aus dem Netz auf den Fernseher zu holen, hatten mich bisher eher weniger begeistert.

Inzwischen weiß ich: Amazon Fire TV ist das Schaukelpferd für Erwachsene. Der Online-Retailer hat für seine TV-Box ein Shopping-Paradies geschaffen, in dem man unter bunten Regenbogen zu den Einhörnern geführt wird. Dass man gutes Geld dafür bezahlt, fällt dabei kaum auf. Ich wollte herausfinden, welche Tricks Amazon dabei angewendet hat und welche Shopping-Tricks wahrscheinlich bald die Runde machen.
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Verwalter ohne Visionen:
Warum ich politikverdrossen bin

Gesellschaften und Volkswirtschaften stehen im Computer- und Internetzeitalter vor Herausforderungen und Chancen von enormer Tragweite. Leider mangelt es der Politik an Visionären, um die entscheidenden Weichen zu stellen. Das macht politikverdrossen.

politiker150Vor 22 Jahren wurde “Politikverdrossenheit” zum Wort des Jahres gewählt. Seitdem ist das in breiten Teilen der Gesellschaft vorhandene Desinteresse an und fehlende Vertrauen in Politik und ihre Akteure ein Dauerthema. Besonders der Jugend wird mangelnde Begeisterungsfähigkeit für traditionelle Parteipolitik nachgesagt. Das gilt für Deutschland ebenso wie für die Schweiz oder die USA.

Auch ich würde mich heute als politikverdrossen bezeichnen. Je länger ich mich mit den auf uns zukommenden, durch die globale Computerisierung ausgelösten Veränderungen beschäftige, desto deutlicher wird für mich, dass die Politik in weiten Teilen unfähig ist, auf diese Revolution – ich finde den Begriff hier durchaus angemessen – zu reagieren.  » weiterlesen

LaterPay:
Wie ein Startup mit Geduld und Langfristigkeit die Monetarisierung von Inhalten verändern will

Vor sechs Monaten feierte das Münchner Startup LaterPay mit seinem Micropayment-Dienst für Kreateure von Online-Inhalten sein Debüt. Im Gegensatz zur verbreiteten Konvention in der Digitalwirtschaft, wo alles ganz schnell gehen muss, baut das Unternehmen auf Langfristigkeit. Erste Erfolge gibt es zu vermelden.

LaterPayIm Frühjahr öffnete das Münchner Startup LaterPay die Pforten zu seinem Pay-Per-Use-Bezahlsystem für Blogger, Verlage, Spiele-Entwickler und andere Kreateure von Onlinecontent. Auf den ersten Blick mag das Unternehmen schlicht wie ein weiterer, mehr oder weniger einfallsreicher Versuch wirken, den ewigen Verlags- und Journalisten-Traum des Paid Content doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Und da heute, sechs Monate nach dem Debüt, noch nicht jede tonangebende Website in Deutschland mit LaterPay-Bezahlfunktionalität ausgestattet ist, mögen manche Ungeduldige geneigt sein, bereits das Konzept in Frage zu stellen. Doch unterhält man sich mit Gründer und CEO Cosmin-Gabriel Ene über den Stand der Dinge, wird deutlich, dass man es bei LaterPay mit einem Unternehmen zu tun hat, dessen Strategie und Philosophie auf Langfristigkeit basieren – und auch nur so funktionieren können.  » weiterlesen

Bali wird zum Startup-Mekka:
Unternehmensgründung im Paradies

Die Unternehmensgründung ist harte Arbeit. Daher kann es sinnvoll sein, wenigstens ein angenehmes Ambiente zu wählen. Eine Option: Bali. Andrea Loubier, CEO des auf der indonesischen Insel angesiedelten Startups Mailbird, sieht viele Vorteile.

BaliEin Startup zu gründen, heißt gemeinhin, über Jahre einen Großteil der wachen Stunden in das zu entwickelnde und zu vermarktende Produkt zu investieren. Für Hobbys, Freunde und Familie bleibt in der Regel nur wenig Zeit – speziell in der Anfangsphase, in der sich Gründer noch um die meisten Aufgaben und Probleme selbst kümmern. Doch ein solches Opfer zu erbringen, bedeutet nicht, sich ganz von den Annehmlichkeiten des Lebens verabschieden zu müssen. Eine Option, um das Dasein des Internet-Entrepreneurs angenehm zu gestalten, ist die Ansiedlung in einem tropischen Paradies wie Bali. » weiterlesen

Schädliche Ideologie des Wettbewerbs:
Wieso Peter Thiel Monopole verteidigt

Politiker, Unternehmer und der Volksmund scheinen sich einig zu sein: Konkurrenz belebt das Geschäft. Der renommierte Technologie-Unternehmer und Investor Peter Thiel glaubt, dass Volkswirtschaften sich mit diesem Dogma die Zukunft verbauen.

Die besten Fachbücher sind die, bei denen es den Autoren gelingt, die Perspektiven der Leser zu grundsätzlichen Fragen zu verändern und als unerschütterlich geltende “Wahrheiten” mit schlagfertigen Argumenten anzuzweifeln. Peter Thiel, dem ikonenhaften Silicon-Valley-Entrepreneur und Investor mit deutschen Wurzeln, vollbringt dieses Kunststück in seinem neuen handlichen Buch “Zero to One” gleich mehrfach. Besonders bei einem Aspekt schafft es der für seine großen Ziele und polarisierenden Feststellungen bekannte Unternehmer, zum Nachdenken anzuregen: das dogmatische Streben nach Konkurrenz und Wettbewerb, das die meisten modernen Wirtschaftssysteme kennzeichnet. In Deutschland wird dies durch die bekannte Floskel “Konkurrenz belebt das Geschäft” verkörpert und von Generation zu Generation weitergereicht. » weiterlesen

Hongkong:
Von Phablets, Smartcards und der praktischen Nähe zur “Werkbank der Welt”

In Hongkong treffen westliche und fernöstliche Kultur aufeinander. Die Stadt präsentiert sich technologiefreundlich – und lockt internationale Startups mit der Nähe zu den chinesischen Hardware-Produktionsstätten wenige Kilometer entfernt.

HongkongIn den vergangenen anderthalb Wochen hielt ich mich in Hongkong auf. Asiatische Megametropolen sind für technologie-interessierte Personen immer besonders attraktive Reiseziele und hochspannende Beobachtungsobjekte. Denn eine ausgeprägte Affinität für neue Verfahren in Kombination mit anderen kulturellen und historischen Einflüssen garantieren informative und inspirierende Eindrücke. Im Folgenden möchte ich einige Erkenntnisse, Beobachtungen und Erfahrungen festhalten, die ich von meinem Besuch am Geburtsort von Jackie Chan mitnehme, und die im Kontext der Digitalisierung und mitunter auch für Startups und Webakteure hierzulande von Bedeutung sein können. » weiterlesen

Joel Kaczmarek:
“Ich habe die Samwers erst spät kontaktiert, um Maulkörbe zu vermeiden”

Anderthalb Jahre hat Joel Kaczmarek an seinem Buch über die Gebrüder Samwer gearbeitet. Im Interview gibt er Einblicke in seine Vorgehensweise und erzählt, wie die Samwers auf sein Werk reagierten.

In der vergangenen Woche brachte der Blogger und Journalist Joel Kaczmarek sein lesenswertes Buch über die Samwer-Brüder auf den Markt. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Kaczmarek eine Auszeit vom schnellen Publizieren im Netz nahm und sich stattdessen über ein Jahr lang der aufwändigen, kein stetiges Leser-Feedback beinhaltenden Arbeit an einem Buch widmete? Noch dazu über Unternehmer, die berühmt-berüchtigt für ihre zurückgezogene Art sind, wodurch eine besonders mühselige, vielgliedrige Informationsbeschaffung erforderlich sein würde? Und wie verlief der Prozess? Wir haben ihn gefragt. » weiterlesen