4143 Artikel in der Kategorie Meldungen auf netzwertig.com.

Nach aufgedeckten PR-Texten:
Agentur ist schuld

Das deutsche Wirtschaftsministerium soll eine Agentur dafür bezahlt haben, positive PR im redaktionellen Teil von Zeitungen unterzubringen. Natürlich wird das abgestritten. Die Verantwortung übernimmt die Agentur.

Das Departement von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (“Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen“), BMWi, steht in der Kritik. Wegen dem Gebaren der Mediaagentur Flaskamp, die beauftragt wurde, etwas Imagekampagne zu machen. Flaskamp erklärt das so :

Kommunikation muss effektiv und effizient sein. Dem stimmt vor allem das Wirtschaftsministerium zu. Und deshalb vertraut uns das BMWi seit Anfang 2007.

Damit sie richtig schön effektiv und effizient ist, wurde offenbar beschlossen, nicht nur in den Anzeigenteil vorzustossen, sondern auch in den redaktionellen Teil. Doof nur, dass es Zeitungen gibt, die da nicht mitmachen. Der Kölner Stadtanzeiger beispielsweise. Der sich entschlossen hat, sich dem von Flaskamp offerierten Beispiel nicht anzuschliessen und stattdessen diesen Untergrabungsversuch auf die Pressefreiheit publik zu machen.

» weiterlesen

medienlese – Der Wochenrückblick

Am Ende der abgelaufenen Woche erzählt uns die Süddeutsche Zeitung (dieses Medium, das neulich eine 100-teilige Bildergalerie der 100 besten Biere der Welt auf ihrer Website veröffentlicht hat) etwas über Relevanz. Über die Relevanz der deutschen Blogosphäre, um genau zu sein. Die sei nämlich quasi nicht vorhanden, schlussfolgert behauptet der Autor Johannes Boie, aufbauend auf der ein oder anderen zutreffenden Beobachtung und einem Interview mit dem Soziologen Jan Schmidt, aber davon abgesehen weitgehend ohne Quellenangabe. So können wir leider nicht nachvollziehen, wieso Boie überhaupt auf die Prämisse gekommen ist, dass “die deutsche Blog-Szene eine Alternative zu den etablierten Medien werden” wolle. Und wieso er vergessen hat, dass er für einen anderen Artikel schon mal mit Jan Schmidt gesprochen hat und damals über ihn schrieb:

“Er sagt, die meisten der Netzautoren hätten gar kein Interesse daran, die etablierten Massenmedien abzulösen.”

Schon vergessen, Kollege? Der Artikel in der Süddeutschen erschien übrigens unter dem Titel “Abgebloggt”. Ein spitzenmäßiges Wortspiel, finden wir, die etablierten Medien sind halt einfach sowas von weit vorne.

Zum Glück passierte auch noch Relevantes in der vergangenen Woche.

» weiterlesen

Auch das Wall Street Journal macht sich frei

Gerade erst hat Rupert Murdoch nach mühsamen Verhandlungen den Dow-Jones-Konzern übernommen, da ändert er schon die Onlinestrategie dessen Flaggschiffs.

Das Wall Street Journal nämlich wird in Zukunft kostenlos sein, meldet der Guardian. Murdoch setzt also genauso wie die New York Times auf frei zugängliche Inhalte. Die hatte sich ebenfalls erst dieser Tage entschieden, ihren TimesSelect-Bereich zu öffnen, der bislang nur gegen Bezahlung zu lesen war. Wieder ein Paid-Content-Zaun, der fällt, und das, obwohl gerade das Wall Street Journal immer als das erfolgreiche Beispiel für bezahlte Inhalte im Internet gepriesen wurde.

Ganz überraschend kommt dieser Schritt aber auch nicht: Murdoch, der unvermeidlich als “Medienmogul” attribuiert wird, hatte darüber schon vor der Übernahme in einem Gespräch mit dem Time Magazine spekuliert:

“What if, at the Journal, we spent $100 million a year hiring all the best business journalists in the world? Say 200 of them. And spent some money on establishing the brand but went global ? a great, great newspaper with big, iconic names, outstanding writers, reporters, experts. And then you make it free, online only. No printing plants, no paper, no trucks. How long would it take for the advertising to come? It would be successful, it would work and you’d make … a little bit of money.”

[Korrektur] Die FAZ hat den Guardian-Artikel genauer gelesen als die Süddeutsche Zeitung und ich es getan haben: Definitiv ist noch nichts, sondern Murdoch und seine Manager denken noch nach. Man kann davon ausgehen, dass dem lauten Nachdenken der entsprechende Schritt folgen wird, aber entschieden ist die Sache – anders als oben geschrieben – demnach bislang nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

NYT:
Meinungen bald für alle

Logo TimesselectDie New York Times wird ihr Bezahl-Content-Modell Times Select beenden, hat die New York Post herausgefunden. Ein Modell, das auf den ersten Blick gar nicht so desaströs klingt.

Immerhin haben zuletzt knapp 220.000 Abonnenten monatlich 7,95 $ (oder jährlich 49,95 $) bezahlt, um die Artikel (vor allem Kolumnen und Kommentare, aber auch das Archiv zurück bis ins Jahr 1851) bei Times Select lesen zu können. Aber offenbar wiegen die Argumente der größeren Leserschaft, der Erreichbarkeit für Suchmaschinen und der größeren Zahl möglicher Werbeeinblendungen mittlerweile schwerer.

Kein Wunder, meint Scott Karp von Publishing2.com in einer sehr plausiblen Analyse: Im Internet seien so viele kostenlose Inhalte verfügbar, dass “Paid Content” in der Regel nicht mehr attraktiv sei. Und zwar nicht unbedingt erstklassige, professionelle Inhalte, sondern “lediglich” solche, die gut genug sind, um das Informations- oder Unterhaltungsbedürfnis der Nutzer zu befriedigen. Und das dürfte der Knackpunkt sein. Natürlich ist die Vielzahl der Blogs, Podcasts etcetera im Zweifelsfall nicht so “gut” wie der Output einer Vollredaktion, das wird in den nicht tot zu kriegenden Blogs-versus-Journalismus-Diskussionen oft genug betont. Aber das “Gut genug” genügt eben in sehr vielen Fällen. Möglicherweise ist also genau das noch fataler für die eingezäunten Mediengärten, denn die Konkurrenz ist dadurch übermächtig und das Qualitätsbewusstsein im Sinken.

Möglicherweise. Die Gegenthese ist, dass durch das große Angebot an “Gut-genug-Content” das Bedürfnis nach erstklassigem Inhalt steigt; die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Die Zeit steigern ihre Auflagen, vielleicht ein Beleg. Dass sich mit zuletzt kress.de, jetzt der New York Times und demnächst auch Spiegel Online aber viele gegen die Barrieren entscheiden, spricht die andere Sprache.

» Zur Analyse von Publishing2.com

[via hackr.de]

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Im Test:
blond

Ist das blond magazin nur was für Blonde? Wir haben es getestet.

blond

Im Test die Ausgabe 08/2007.

» weiterlesen

Schweizer Fernsehen im Online-Videogeschäft

Die Schweizer Rundfunkgesellschaft SRG lanciert “Video on demand” online. Derzeit im Angebot: Vier (4) Dokumentationen, eine (1)Animation, ein (1) Kurz- und fünf (5!) Spielfilme. Und das alles sehr bequem (hüstel).

Tja, das wars denn auch schon. Fünf deutschsprachige Spielfilme finden sich auf dem grossartig angekündigten Schweizer Video-On-Demand-Portal der SRG. Eine gloriose “Idée Suisse”, das. Vor allem auch die Lancierung in der Webdomäne des Schweizer Farbfernsehens: Die Gebührenzahler werden sich freuen, beim Staatsbetrieb jetzt die von ihm mit seinen Abgaben kofinanzierten Filme gegen nochmalige Bezahlung herunterladen zu dürfen – bei einer per “Digital Rights Management” auf 48 Stunden beschränkten Abspieldauer. Und einem grossartigen, nur Windows-fähigen Bezahlsystem. Siehe Bildroman unten:

» weiterlesen

Weltwoche ohne Werbung?

Die aktuelle Weltwoche hat kaum Werbung drin. An was liegt das?

Menno, dachte ich, ist die Weltwoche diese Woche aber dünn, als ich sie Freitag aus dem Briefkasten holte. Apropos Briefkasten: Unter Berliner Briefkästen steht jeweils eine rechteckige Box, in die man all den die Printprodukte begleitenden Verbraucherinformationen gleich entsorgen kann, wenn man sich nicht dafür interessiert. Eine grossartige Lösung – es entsteht so kein von Papier übersätes Treppenhaus und niemand muss, wie in der Schweiz, Berge von unbestellten Alpha-Kadermärkten und Regionalwochenzeitungen bündeln und im Keller horten.

Aber wieso ist denn die neben der WOZ einzig verbliebene sich politischen und gesellschaftlichen Themen widmende Schweizer Wochenpublikation so dünn? Weil sie fast ohne bezahlte Verbraucherinformationen auskommt. Wir listen auf, was in der Ausgabe 31/2007 an Werbung drin ist:

» weiterlesen

Medienblogcharts 7/07:
Drei neue in den Charts

An jedem ersten Montag im Monat erscheinen hier die medienlese-Medienblogcharts: Die Top-50 der Medienblogs in deutscher Sprache.

Es ist Sommer, und in den Blogcharts tut sich wenig: Auf den vordersten Rängen der Blogwerk-Medienblogcharts tummeln sich die üblichen verdächtigen und bewegen sich kaum. Stefan Niggemeier konnte zwar kräftig Links zulegen, aber auf seinen zweiten Rang hat das keinen Einfluss – das Bildblog liegt zu weit vorn.

Aber weiter hinten tut sich was:

Rang Vm. Blog Blogs +/-
45 (44) denQuer 49 -
46 (50) medienwissenschaft 49 6
47 (52) Werkkanon 47 6
48 (51) Trice 46 4
49 (47) websehen 45 -
50 (54) Corporate Publishing Lounge 43 5
51 (46) netzausfall 43 -5
52 (48) netzjournalismus.de 41 -2
53 (53) Die Zeit – Meckern 39 -
54 (58) kress 39 4
55 (49) Blattkritik.ch 37 -6

Neu in die hier publizierten Ränge vorgestossen sind der Werkkanon, Trice und die Corporate Publishing Lounge. Sie haben netzausfall, netzjournalismus und die schweizer Blattkritik aus der Liste verstossen.

Den grössten Gewinn hat der Medienblogger von Rang 34 auf 27 geschafft. Die kompletten Top-50:

» weiterlesen

medienlese – der Wochenrückblick

Die deutsche Bundesregierung warnte ihre Bürger vor dem gefährlichen W-Lan (das gemäss Messungen nur ein Zwanzigstel der Strahlung eines Handys absondert und nur ein Tausendstel der Stahlung einer Mobilfunkantenne – mehr hier). Elton John wollte das Internet niederreissen. Oder zumindest für fünf Jahre schliessen. Der Chefredakteur der “Oakland Post”, ein militanter Anhänger der Schwarzenbewegung, wurde auf offener Strasse erschossen. Ein Blogger von infamy fand ein selbst gemachtes Bild in der Gratiszeitung Heute wieder und fragte sich, warum. Der ehemals stellvertretende Drogenbeauftragte des Zürcher Sozialamts und nunmehrige SonntagsBlick-Reporter Beat Kraushaar stellte einen 10-Punkte-Plan gegen Sozialhilfebetrug auf.

Zwei Forscher der Universität Köln entkräfteten das Vorurteil, dass Privatsender eher von “bildungsfernen Schichten” gesehen würden. Die Programmwahl lasse mitnichten auf den Bildungsstand schließen. Auch die Behauptung des Historikers Paul Nolte, mit der Etablierung von Sendern wie RTL und Sat.1 sei ein spezielles “Unterschichtenfernsehen” entstanden, sei nicht länger haltbar. Mehr dazu bei zeit.de .

Mario Sixtus hörte böse Zungen, die behaupten würden, dass Kriegsberichterstatter “den ganzen Tag in der Hotelbar CNN schauen, um dann abends, während der Schalte vom Hoteldach (Rauchfahnen im Hintergrund und so), höchst Dramatisches in die Kamera zu sprechen”. Die Rheinische Post enthüllte endlich die nackte Wahrheit: Warum sich Frauen ausziehen und erfolglose Anleger, die den Börsentipps des Moderators Markus Frick trauten, überlegten sich, ihn zu verklagen. Der Blick fragte sich, ob ein Flugzeug-Crash unterhaltend sei und ein Protest von Jägern gegen eine Folge des tschechischen Abendmännchens wurde abgewiesen. Und ich verabschiede mich für eine Woche in die komplett internetfreien Ferien. Ganz ohne Beiträge bleibt deshalb medienlese.com aber nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Maulwurf-Reporterin muss fliehen

Nicht sonderlich raffiniert stellte sich eine Produzentin der Sendung “Dateline” des US-Networks NBC an der Hacker-Konferenz “Defcon” in Las Vegas an: Sie wollte inkognito recherchieren, wurde enttarnt und musste in einer dramatischen Szene fliehen.

So können Karrieren enden: Wer mit wallraff’schen Methoden vorgehen will, sollte sich gut tarnen – und sich vielleicht als Objekt seiner Undercover-Aktion nicht unbedingt die besten Hacker der Welt aussuchen. Sonst kann es sein, dass sich die Kameras ihm zuwenden und er (oder vielmehr sie) zum Gespött der Welt wird.

Michelle Madigan, eine associate Produzentin von NBCs “Aufdeck”-Sendung “Dateline” (berühmt-berüchtigt für Lockvogel-Aktionen mit als Kindern auftretenden Chatteilnehmern, die Pädophile in Häuser locken, wo sie vor laufender Kamera zuerst interviewt und dann verhaftet werden), wollte an der in Las Vegas stattfindenden “Defcon”-Hacker-Konferenz einen Beitrag über die Verbandelung von Regierungsagenten mit der Hackerszene recherchieren.

» weiterlesen