4331 Artikel in der Kategorie Meldungen auf netzwertig.com.

medienlese.com – der Wochenrückblick

Keine Krähen, Abgang verpasst, Geld von Belgien, Schleichwerbung.

Der Schweizer Textkünstler Christoph Geiser (“kein morgen | kein wind | keine krähen | in den ästen | wartet laub | den mond | vergass ich | zwischen den gittern wächst | frost | die steine waren noch warm | als ich starb”, Zuger Tagblatt, 2. Juni 1971) blitzte vor dem Presserat ab mit einer Beschwerde gegen einen Artikel aus dem inzwischen eingestellten Facts. Die implizite Unterstellung, er benütze seine sexuelle Orientierung zur Beschaffung von Fördermitteln, entbehre jeglicher tatsächlichen Grundlage. Der Text von Daniel Arnet nannte sich “Die Subventionskünstler” und nannte die Schweizer Literaturförderung ein dunkles Kapitel. Wer ein Gesuch schreiben könne und Modethemen verwurste, habe alle Chancen, Steuergelder abzusahnen. Talent brauche es kaum.

Der Ringier-Verlag baute einige wenige Stellen ab (“Es besteht ein grosszügiger Sozialplan. Wenn immer möglich werden den Betroffenen intern Stellen angeboten.”) und will ab Februar nicht mehr mit dem Karikaturisten des hauseigenen Boulevardblatts Blick zusammenarbeiten. Der “geniale”, aber “schon beim Tagi völlig überbezahlte Nico mit seinen horrenden Lohnforderungen” habe “wohl den Abgang verpasst” (persoenlich.com Kommentare).

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Schön gestalten “Quotes, pull quotes and sound bites”

Yolanda Zappaterra erklärt auf 210 Seiten mit 370 Abbildungen Editorial design. Das Lehrbuch befasst sich mit der Gestaltung von Printprodukten und der Präsentation von journalistischen Texten – umfassend und aktuell.

Editorial design

Es ist alles in diesem Buch: Editorial design wird anhand von Beispielen erklärt, die Grundbegriffe der Typographen und Layouter werden eingeführt, Branding und Leserführung erläutert. Damit hat Yolanda Zappaterra das konkurrenzlose Lehr- und Nachschlagewerk zum Thema geschrieben.

Auf dem Cover wird ein ?accessible and comprehensive guide to visual journalism – the design of magazines and newspapers? versprochen. Neben einführenden Texte und Definitionen werden zusätzliche Informationen in Infokästen (etwa ?dos and don’ts? von Zeitungsdesign-Guru Mario Garcia oder eine Abhandlung über ?Grids and how they shape design?) und Zeitschriften-Portraits (darunter nischiges wie soDA und Flaunt, aber auch The Guardian) untergebracht.

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Zwei Kulturen

Journalisten sind Anwälte der Aufklärung, Retter der Entrechteten, Vermittler des Komplexen, Sprachrohre derer, die sonst gar keine Stimme hätten. – - – Ja, Pustekuchen!

Journalisten sind zumeist anonyme Schreiberlinge, die ohne Namensangabe in einem bürokratischen Kauderwelsch, das sie ‘objektivitäts- und faktenorientierte Schreibweise’ nennen, interessegeleitete Thesen zu Papier bringen, wofür sie sich alljährlich auf zahllosen Medienevents wechselseitig lobhudeln dürfen.

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Economist erwartet Blogokratie in der Schweiz

Schweiz Economist 1Die englische Wochenzeitschrift Economist macht jeweils Ende Jahr Vorhersagen für das nächste Jahr. Das Jahr 2008 wird diesmal für 80 Länder (pdf, 1100 kb) und für 15 Wirtschaftszweige (pdf, 680 kb) prophezeit.

Interessant ist, was in der Schweiz zu beobachten sein soll / wird: Die Blogokratie, also die Herrschaft der Blogs. Man müsse erwarten, dass eine Schweizer “Volkskraft” vermehrt online ginge. Weil sie den angeblich hart und online geführten Wahlkampagnen eine Antwort geben wolle.

Schweiz Economist 2

Dafür müssten Blogs allerdings erstmal von den Medien vermehrt als Quellen wahrgenommen werden. Und nicht nur dann, wenn es den eigenen Zwecken dient. Wie Sarah Genner in ihrer Lizenziatsarbeit “Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?” (pdf, 4000 kb) zeigt, sind bisher Faktoren wie Prominenz, Bildungsstand und Geschlecht entscheidend, wer den Kampf um die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit gewinnt.

Bilder: Screenshots economist.com

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

“Prophezeien Sie das Jahr 2007!”

Cash Daily, die Gratis-Wirtschaftszeitung, die kaum jemand kennt, fordert uns auf ihrer Onlinepräsenz auf, das Jahr 2007 zu prophezeien:

cash daily jahresquiz
Screenshot cash.ch/daily, am 29.11.2007

Wer jetzt meint, viel eher sei doch jetzt, Ende November 2007, das Jahr 2008 vorherzusagen, täuscht sich. Es geht um das Jahr 2007. Zu gewinnen waren, wenn man bis zum 31.12.2006 am Quiz teilnahm, diese Preise.

Falls jemand Cash Daily nicht kennt: Die noch junge Gratiszeitung / Multimediaplattform ist das Online-Flaggschiff des Ringier-Verlags. Im September 2006 sagte Verleger Michael Ringier anlässlich der Auftaktparty, Cash Daily sei “ein Stück Zukunft“. Hm.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Keine Zensur. Redigatur.

Die Werbewoche hat heute einen guten Tag mit mehreren lesenswerten Beiträgen: Christoph Keese äussert sich zur Zensurdebatte vom Mai, Markus Knöpfli zählt Gratisleser auf der Strasse und Oliver Fahrni erklärt die Medienökologie. Da verweisen wir doch gerne mal gesondert drauf.

- In einem langen Wocheninterview kommt Christoph Keese, Chefredakteur von Welt Online und Welt am Sonntag, nochmals auf das im Mai 2007 gelöschte Posting von Welt am Sonntag-Kommentarchef Alan Posener zurück. Er, der gemäss Werbewoche “als Artist zwischen Print und Online” tanzt, sagt nun dazu:

Ja, ich habe ihn vom Netz genommen, weil ich ihn für unveröffentlichbar hielt. Das aber ist keine Zensur, sondern Redigatur – ein normaler redaktioneller Vorgang. Wesensmerkmal des Bloggens ist, dass der Blogger niemanden fragt, bevor er sendet. Wir hatten – es gibt mittlerweilen ein Fachwort dafür – Brand-Blogs auf der Seite, also Blogs, die unter der Dachmarke Welt.de laufen. Solche Brandblogs müssen aber zur Marke passen. Den fraglichen Text hätte ich in der Zeitung nicht gedruckt – nicht, weil er Diekmann kritisierte, sondern weil er sprachlich und argumentativ nicht unserem Niveau entsprach. Deswegen konnte der Text auch nicht online erscheinen. Übrigens haben wir eine lebhafte, durchaus kritische Debatte über Diekmanns Buch in Zeitung und Internet geführt, aber eben in der Art und Weise, wie eine Qualitätszeitung das tun sollte.

Der Aufschrei damals war gross, aber dass Alan Posener Ende Oktober in drei Teilen einen neuen Versuch gewagt hat (oder dazu verknurrt wurde), Kai Diekmanns Werk auseinanderzunehmen, hat kaum jemand gemerkt (wahrscheinlich, weil niemand Welt Online liest – die können sogar ihr Design überarbeiten, ohne dass es jemand beachten würde…).

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Oliver Gehrs fordert eine Weltwoche für Deutschland

Eben habe ich mir den endlos langen Vortrag von Mitteboy und Dummy-Macher Oliver Gehrs am Medienforum Mittweida (5.-7.11.07) angeschaut, der zwar schon drei Wochen im Netz steht, aber das was er sagt, ist aktuell genug, um es auch jetzt noch anzuschauen.

Link: sevenload.com

Nach einer Stunde und elf Minuten im Video fordert Gehrs, der offenbar die Grünen wählt, auch für Deutschland ein Wochenblatt, das tatsächlich auch selbst aktuelle Themen aufgreift und sich nicht nur an dem orientiert, was die anderen schreiben und alles auf den Mainstream runterbricht:

Ich würde zum Beispiel gerne so ein Blatt in Deutschland haben wie die Weltwoche. In der Schweiz, natürlich nicht nach diesem politischen Rechtsruck in der Schweiz, die ist ja von diesem Roger Köppel, auch ein Wahnsinniger, übernommen worden, der Welt-Chefredakteur war und der die jetzt da so auf Blocher-Kurs trimmt. Aber was ich meine, ist, wenn ihr die Weltwoche kennt oder euch mal kauft – das ist ein Blatt, ein Wochenblatt, das ist nicht so mega-dick, muss es auch gar nicht sein. Das wählt seine Geschichten aus, das macht nicht das volle Programm, sondern die machen auch Sachen so, die woanders irgendwie nicht stehen. Man muss ja nicht wie die, zum Beispiel, Nahtoderfahrungen auf den Titel, aber auch, warum nicht? Guckt sie euch mal an, ich find, so ein Blatt, das dann auch noch sehr deutlich ist in seiner Formsprache, sehr “jetzig”, wie manche sagen, sehr jetzig.

Das würde auch Deutschland gut zu Gesicht stehen und ich glaube auch, dass das hier Erfolg hätte. Und ich glaube, dass es aus unserer Ecke kommen muss. » weiterlesen

Im Test:
SLM – Das Second Life Magazin

Geben wir es doch zu: Auf ein Magazin zu Second Life haben wir schon ewig gewartet. Jetzt liegt eine erste Ausgabe vor.

SLM - Second Life Magazin

Im Test die Ausgabe 12/2007.

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Stellt diese Laufschrift ab!

Menschen sind Gewohnheitstiere. Einige von ihnen beschweren sich sogar über eine Laufschrift, in der steht, dass ihr TV-Gerät bald nicht mehr funktionieren wird.

Sie sind ein Sklave Ihrer Gewohnheiten

So berichtet es Peter Traxler in der gestrigen NZZ am Sonntag. Heute, am 26.11.2007, soll Tausenden das Fernseh-Blackout drohen, weil sie es verpasst haben, trotz einer seit Monaten laufenden, breit angelegten Aufklärungskampagne von der analogen Antenne auf die digitale Antenne zu wechseln. Die Änderung war frühzeitig angekündigt und “seit Anfang Oktober läuft seit Anfang Oktober ununterbrochen eine Schrift über den Bildschirm, die auf die Deadline am 26. November hinweist”.

Doch:

Statt umzusteigen hätten sich viele Zuschauer über die Laufschrift beschwert.

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Der Sonntagstaucher:
Sonntags in den Feuilletons

Seit dem überregionalen Start der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« Ende 2001 hat der Sonntagszeitungs-Markt an Qualität und Dynamik gewonnen. Weil es für ihn bisher noch keinen regelmäßigen Übersichtsdienst gibt, gehen medienlese.com (Ronnie Grob, Florian Steglich) und Der Umblätterer (Frank Fischer, Marc Reichwein) in einer einmaligen konzertierten Aktion mit gutem Beispiel voran. Das Ganze geschieht im Stil des Perlentauchers, den wir von hier aus herzlich grüßen. Wahrscheinlich muss nur noch die lange geplante »Süddeutsche am Sonntag« an den Start gehen, bevor der Perlentaucher auch am Sonntag nicht mehr um eine Feuilleton-Rundschau herumkommt. Wir freuen uns darauf.
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