4318 Artikel in der Kategorie Meldungen auf netzwertig.com.

Österreich:
Das hochgelobte, schreierische Kind

Über ein Jahr ist Österreich nun auf dem Markt. Die neue Tageszeitung von Marketinggenie Wolfgang Fellner hat den Markt kräftig aufgerüttelt und sieht sich auf Platz zwei hinter dem Platzhirschen Kronen Zeitung. Eine genauere Betrachtung der Zahlen liefert allerdings kein so eindeutiges Bild. Klar ist hingegen, dass Österreich nur wenig mit seriösem Journalismus zu tun hat.

Als der 14-jährige Wolfgang Fellner 1968 die Erstausgabe des Rennbahn Express verteilte, seine erste Zeitung mit einer kolportierten Auflage von zehn Stück, waren die Inhalte noch unambitioniert: Lokales Geschehen, Fußball, ein Kreuzworträtsel und das Inserat eines lokalen Friseurs sollen die sechs Seiten des Blattes ausgefüllt haben, das – wie einfallsreich – nach der Salzburger Rennbahnsiedlung benannt war, wo Fellner wohnte. Fast 40 Jahre und zahlreiche höchst erfolgreiche Neugründungen (News, TV-Media, Format) später, machte sich Fellner an die Erfüllung eines Lebenstraums: Die Gründung einer Tageszeitung.

Diese erschien am 1. September 2006 unter dem wieder sehr kreativen Namen Österreich und sollte alles bieten, was nach Meinung des Herausgebers und Chefredakteurs auf dem stark konzentrierten Tageszeitungsmarkt (17 Tageszeitungen) bisher gefehlt hatte. Also hämmerte Fellner kräftig auf die Werbetrommeln ein und überschüttete das Land mit einer Werbekampagne, die ebenso dramatisch und marktschreierisch daherkam wie die neue Zeitung.

Zu einem Diskontpreis von nur 50 Cent sollte man nicht nur eine Zeitung bekommen, sondern gleich fünf in einer. Und das ging so:

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Quandt-Dokumentation:
Fernsehen mit Wirkung

Die um 30 Minuten erweiterte Fassung des Dokumentarfilms “Das Schweigen der Quandts” läuft am Donnerstag um 21 Uhr im NDR. Unterdessen hat die Familie Quandt auf den Vorwurf, ihr Besitz gründe auf Kollaboration mit den Nazis, reagiert und einen Historiker mit der Aufarbeitung der Firmengeschichte beauftragt.

Das Schweigen der Quandts
Dieses Mal ganz öffentlich: Bild aus dem Trailer

Heimlich, ohne Ankündigung lief Ende September der Dokumentarfilm erst auf dem Hamburger Filmfest und im Fernseh-Spätprogramm. Das Medienecho auf den Film von Eric Friedler und Barbara Siebert war beeindruckend: Fragen zur Rolle der Familie Quandt im Dritten Reich wurden aufgeworfen – und die Filmemacher und der NDR für eine mutige, aufwendige Recherche gelobt. Endlich zeige die ARD mal wieder “Spitzenfernsehen”, schreibt zum Beispiel Bernd Gäbler auf stern.de.

Unterdessen hat die Familie Quandt reagiert und lässt den Historiker Joachim Scholtyseck in den Archiven wühlen. Der Dokumentarfilm hat damit geschafft, was einzelne Autoren und Wissenschaftler vorher nicht erreichen konnten: Er hat geholfen, das Schweigen der Quandts zu brechen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Ringier stellt crossmediales bossi auf Ende Jahr wieder ein

Das nur ein halbes Jahr alte Kochmagazin bossi von Ringier wird bereits wieder eingestellt. Es erschien sechsmal jährlich und hatte einen millionenteuren crossmedialen Ansatz.

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Screenshot bossi.ch

Mit den Webaktivitäten des Ringier-Verlags ist es so eine Sache. Sie sind alle schweineteuer (in der Erstellung), nicht immer einfach zu bedienen – und in der Regel nicht besonders erfolgreich. Von Blick Online mal abgesehen – aber diese Website zehrt von der seit den Fünfziger Jahren aufgebauten Marke Blick, die wiederum seit Jahren verwässert wird.

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Haptische Erotik auf der Titanic

Es ist schon etwas her, aber ich möchte nochmal auf diesen Bericht von den Münchner Medientagen zurückkommen. Als ich sie genau durchlas, kam mir der Begriff “Titanic” in den Sinn. Eine Parabel.

Schiff Printprodukt Internet

Das alte Holzschiff heisst Printprodukt und die lachenden und tanzenden Gäste drauf heissen Zeitungsverleger. Die Printprodukt ist ein grosses, ein schwerfälliges Schiff mit einem streng reglementierten Zugang, den man in der Regel nur durch jahrelanges Studium oder durch sehr gute Beziehungen erhält. Es fährt eher langsam, hat gigantische Druckerpressen an Bord und ist, jedenfalls in Teilen, die ab und zu geputzt und als neu verkauft werden, über 200 Jahre alt. In den letzten Jahren wurde das Schiff von vielen Leuten verlassen. Weil sie es nicht mehr schick genug fanden. Weil sie sich von Offizieren schikaniert fühlten. Weil sie meinten, nicht mehr genug zu verdienen. Oder weil sie schlicht nicht mehr gebraucht wurden. Die Printprodukt ändert seit Jahren kaum seinen Kurs. Sie fährt geradeaus.

Nebenan wird ein neues, ein flottes Schiff gebaut. Es heisst Internet, ist für fast alle frei zugänglich und sieht jeden Tag neu aus. Es tummeln sich viele junge Leute drauf, von denen zwar keiner den Anschein macht, etwas vernünftiges zu tun, die sich aber gegenseitig helfen und inspirieren. Obwohl jeder was Eigenes im Sinn hat, wächst die Internet , denn alle auf dem Schiff sind miteinander vernetzt und bauen ständig daran rum. Wohin das Schiff fährt, kann man gar nicht so genau sagen, denn immer wenn man meint, man wüsste es, dann merkt man, dass man sich getäuscht hat. Allerdings kümmert sich auf dem Schiff gar niemand darum, wohin es fährt. Es fährt einfach irgendwohin und alle drauf finden das gut.

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FAZ.net-Relaunch Zwiespältige Zweispaltigkeit

Das Internet-Heim der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde renoviert, herausgekommen ist eine biedere Mischung aus sueddeutsche.de und Spiegel Online. Art Director Matthias Ballmann über den “überraschend unentschlossenen” Relaunch von FAZ.net.

Ballmann / FAZ.net
Matthias Ballmann ist freier Art Director für Print- und Onlineprodukte
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“Wem gehört das Internet?”:
20 Jahre alternative Online-Geschichte

Wem gehört das Internet?“, so fragte ein Kongreß in München anläßlich des 20-jährigen Bestehens der ehemaligen Mailbox Link-M. Denen, die es einst groß gemacht haben, jedenfalls schon lange nicht mehr, doch das war auch nie ihr Ziel.

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Padeluun und Rena Tangens – heute bekannt für ihre Kritik an unkontrollierter Datenerfassung und -speicherung, mit Aktionen und Veröffentlichungen gegen RFID, Vorratsdatenspeicherung und die Organisation des Big Brother Awards Deutschland, doch schon im Mailbox-Zeitalter mit der Bionic-Mailbox online .(Bild: W.D.Roth)

Es klingt aus heutiger Sicht kurios: Alternative, “rot-grün-bunte” Datennetzenetze? Waren in Deutschland doch “Grüne” und auch “Rote” doch eher als Technikfeinde bekannt, nur “Braune” machten und machen bis heute immer wieder mit rechtsradikalen Online-Aktivitäten von sich reden und sind neben Online-Pornos ein willkommenes Argument, eine Netz-Zensur und ein vom Rest des WWW abgekoppeltes “Deutschnet” einzuführen.

Doch die Geschichte der Online-Bewegung verlief anders. In den frühen Jahren, in denen technisch interessierte “Spinner” die ersten Datennetze aufbauten und dafür oft genug mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, weil sie die noch verbotenen amerikanischen Modems mit Wählfähigkeit statt langsamer 300-Baud-Akustikkoppler verwendeten, war ein gewisses politisches Engagement und eine Abneigung gegen die Behörden zwar nicht Voraussetzung, aber spätestens nach der ersten Hausdurchsuchung eine fast zwangsläufige Folge der digitalen Aktivitäten.

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medienlese – der Wochenrückblick

Häschenwitze, Web2.0 Gral, Unschuld, Ho-Ho-Ho!

EILMELDUNG: Stefan Aust verläßt TITANIC” – titelte das Nachrichtenmagazin Titanic über den Abgang ihres Chefredakteurs. Als Nachfolger im Gespräch seien “Helmut Markwort (‘Die hundert besten Häschenwitze’) und Helmut Lotti (‘Es fährt ein Schiff nach nirgendwo’)”. Das ist natürlich Blödsinn, denn es waren die Gesellschafter des SPIEGEL-Verlags, die einvernehmlich auf Initiative der Mitarbeiter KG beschlossen, den Vertrag von Stefan Aust nicht zu verlängern. Über seine Zukunft werden derweil bereits Wetten abgeschlossen.

Nicht verwetten, aber ersteigern kann man eine Flasche Apollinaris-Wasser, an der Web-2.0-Mensch Tim O’Reilly an der Web-2.0-Expo in Berlin seine Lippen netzte. Aktuelles Gebot: 25,50 Euro.

NZZ-Chefredakor Markus Spillmann machte sich Gedanken, ob er in deutscher Sprache weiterhin Leser erreichen kann. In seiner eigenen Zeitung wurde er so zitiert, indirekt: “Man müsse sich ernsthaft Gedanken machen, wie man eine an sich qualitätsaffine Kundschaft, die nicht in Deutsch kommuniziere, erreichen könne.”

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Fernsehen aus der Zeitschrift

Um sich von der Billigkonkurrenz abzugrenzen setzt TV Movie auf frische Optik und angepasste Heftstruktur. Soweit keine Nachricht, wären da nicht die ?Promotionen?, Anzeigen im redaktionellen Layout.

Mehr als neun Millionen verkaufte Hefte jeden Monat: Noch stellen Fernsehzeitschriften das größte Segment im Zeitschriftenmarkt. Gleichzeitig sinken die Auflagen und Umsätze vieler einzelner Titel, denn immer neue Hefte drängen auf den übersättigten Markt. Zuletzt eine ganze Ramschkiste billiger Heftchen im Taschenbuch-Format. Den Verdrängungswettbewerb der Klonkrieger spürt man auch bei der TV Movie. Im ersten Quartal wurde ein Umsatzrückgang um 2 Millionen Euro verzeichnet, im November landete das Blatt bei kress unter den Top-5-Verlierern.
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Im Test:
Maxi

Ist Maxi eine Zeitschrift für Dicke? Wir haben sie getestet.

Maxi

Im Test die Ausgabe 12/2007.

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Die Digitalisierung des Radios

Das Fernsehen ist inzwischen flächendeckend digitalisiert, ob terrestrisch oder über Satellit. Beim Radio war man schon viel eher technisch bereit. Doch erst jetzt wird es ernst.

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DAB-Kofferradio im 70er-Jahre-Retrodesign (Bild: W.D.Roth)

Das Radio gilt immer als der kleine Bruder des Fernsehens, denn es bringt weniger Gebühren, obwohl die Benutzungszeit in Minuten am Tag höher ist. Im Gegensatz zum Fernsehen, bei dem die Programmvielfalt den Zuschauer über Satellit auch ohne Analog-Abschaltungen in die digitale Empfangswelt lockte, konnte man sich beim Radio bislang nicht über die optimale Digitalisierung einigen.

An der führt prinzipiell jedoch auch hier kein Weg vorbei: einerseits sind digitale Abstrahlungen kostengünstiger und mit höherer Übertragungsqualität realisierbar, andererseits ist es seitens der EU seit Jahren beschlossene Sache, dass die analogen Kanäle auch terrestrisch irgendwann abgeschaltet werden sollen. Allerdings sicher noch nicht im Jahr 2015, so wie ursprünglich geplant. Und die ARD will ja nun die Digitalisierung generell vorantreiben.

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