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Nach drei Wochen im täglichen Einsatz:
Facebooks seelenlose Paper-App

Auf den ersten Blick wirkt Facebooks neue mobile App Paper wie ein Siegertyp. Doch bei längerer Nutzung zeigt sich: Der Anwendung fehlt eine Persönlichkeit.

PaperAls Facebook Anfang Februar seine mit Spannung erwartete mobile iPhone-App Paper für Nutzer mit einem US-App-Store-Konto freischaltete, unterzog ich die Anwendung sofort einem ersten Test. Und weil der erste Eindruck positiv war, entschloss ich mich, für einige Zeit ganz auf den Einsatz von Facebooks bisheriger App zu verzichten und stattdessen Paper zu verwenden. Damit mir die Gewohnheit keinen Strich durch die Rechnung machen würde, platzierte ich Papers App-Icon an der Stelle auf meinem Smartphone, an der zuvor Facebook zu finden war. Heute, genau drei Wochen, nachdem ich Paper zu meinem primären Tool für den Zugriff auf meinen Facebook-Newsfeed auserkor, möchte ich ein Fazit ziehen. Es fällt weniger lobend aus, als ich dies zum Debüt der App vermutet hätte. » weiterlesen

Riesenerfolg ohne US-Marktdominanz:
Der WhatsApp-Deal verändert die Weltsicht der Silicon-Valley-Strippenzieher

WhatsApp hat im Hinblick auf die finanziellen Rahmenbedingungen der Übernahme durch Facebook mehr erreicht als jedes andere Internet-Startup zuvor. Und das ausgerechnet mit einer Strategie, die den sonst als am wichtigsten geltenden US-Markt ignorierte.

Der Megadeal zwischen WhatsApp und Facebook hielt gleich mehrere Überraschungen bereit.

Zum Ersten überraschte der gigantische Preis von 19 Milliarden Dollar (inklusive Aktienoptionen für die Gründer). Manche Beobachter halten ihn für gerechtfertigt, andere stellen ihn in Frage. Im Vorfeld jedoch hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine derartig massive Summe locker machen würde, um den beliebten, aber als Geldmaschine auf Jahre hin ungeeigneten Chat-Anbieter ins eigene Haus zu holen.

Eine zweite Überraschung ist der Zeitpunkt der Akquisition. Zuckerbergs Interesse an WhatsApp war zwar schon seit über einem Jahr ein offenes Geheimnis. Doch WhatsApp-CEO Jan Koum hatte in der Vergangenheit immer wieder und durchaus glaubwürdig beteuert, nicht verkaufen zu wollen. Auch drangen im Vorfeld des Deals keinerlei Gerüchte über Gespräche an die Öffentlichkeit. Insofern kamen die ersten Tweets, die am Mittwochabend deutscher Zeit die Kunde verbreiteten, fast wie aus dem Nichts. Dass Facebook sich doch noch mit Snapchat einigen würden, erschien eigentlich wahrscheinlicher.

US-Branchenkenner ignorierten WhatsApp

Die dritte Überraschung betrifft US-amerikanische Branchenkenner und Technologiejournalisten. Für diese kam Facebooks aggressiver Vorstoß nämlich auch deshalb unerwartet, weil sie sich überhaupt nicht über die Bedeutung im Klaren waren, die WhatsApp im mobilen Alltag vieler hundert Millionen Menschen rund um den Globus besitzt.  » weiterlesen

Boom der Hardware-Startups:
Gründer haben keine Lust mehr, US-Weberfolge zu klonen

Die Zahl der Startups aus Deutschland und Europa, die sich der Entwicklung von smarten Geräten verschreiben, wächst stetig. Die aktuellen Crowdfunding-Erfolge zweier deutscher Projekte unterstreichen das Potenzial dieses Sektors.

Bragi

Hardware-Startups sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Und wie: Ende vergangenen Jahres berichteten wir über 13 Tech-Jungfirmen aus Deutschland, die an smarten Geräten tüfteln. Gemeinhin fallen in diese Kategorie alle Apparate, die über WLAN oder Bluetooth mit PCs, Tablets oder Smartphones kommunizieren können. In der Vergangenheit scheuten sich viele Gründer vor mit diesen Unterfangen zusammenhängenden Investments. Doch veränderte Rahmenbedingungen und der technische Fortschritt haben die Ausgangslage für Garagen-Gründer und Ihresgleichen deutlich verbessert. Mit der jüngst angekündigten Milliardenübernahme des US-Gadget-Startups Nest durch Google erhielt der Sektor gerade abermals eine Validierung, die sich hoffentlich positiv auf die Investitionsbereitschaft von Geldgebern auswirkt.

Auch in anderen Ländern Europas zeigen Entrepreneure verstärkten Glauben daran, mit innovativen, vernetzen Gadgets neue Märkte erschließen zu können. Der gerade viel Beachtung findende Trend der “Wearables” sowie das Dauerthema “Internet der Dinge” dienen als Inspiration und Motivation. Robin Wauters hat beim paneuropäischen Techblog.eu in einem Beitrag ganze 50 Hardware Startups aus Europa zusammengetragen. Allerdings beschränkt sich Wauters nicht nur auf Anbieter aus dem Bereich der Smart Devices sondern berücksichtigt auch einige “klassische” Gadgets ohne Netz-DNA. Dennoch zeigt die Liste, dass sich eine regelrechte europäische Hardware-Revolution abzeichnet, und dass in früher Entstehungsphase befindliche Firmen aus Deutschland bei dieser eine wichtige Rolle einnehmen.

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Neues Dokumenten-Startup:
Organize.me will alles besser machen als Doo

Nur Tage, nachdem die Dokumenten-App Doo ihren Rückzug erklärt hat, startet unter dem Dach von Tomorrow Focus ein neues Startup mit der gleichen Idee. Doch ob unfreiwillig oder nicht: Organize.me präsentiert sich organisatorisch offener als das Gegenteil von Doo.

Das Timing überrascht: Am späten Freitagnachmittag vergangener Woche strich Doo die Segel. Gut 7 Millionen Euro Investitionskapital haben für die Bonner nicht gereicht, um mehr als 300.000 Nutzer von der Notwendigkeit der Dokumenten-App zu überzeugen. Nur drei Tage später meldet Focus Online überraschend den Start eines neuen Dokumenten-Startups, das von der eigenen Konzernmutter herausgegeben wird: Unter dem Dach der Tomorrow Focus AG versucht Organize.me sein Glück.

Die App will das papierlose Büro auf den Weg bringen, der zentrale Speicher für alle Dokumente sein, elektronische wie papierne Dokumente via automatischer Integration und Scan in einer Ablage integrieren, logisch vertaggen und durchsuchbar machen. Wollte Doo nicht genau das auch? Ja, und doch könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. » weiterlesen

Netflix:
Ein neuer globaler Internetgigant wächst heran

In Nordamerika ist Netflix schon jetzt eine feste Größe im Internetgeschäft. Doch die Erfolgsgeschichte des Videostreaming-Pioniers ist noch lange nicht zu Ende. Wahrscheinlich fängt sie gerade erst an.

netflix_logoGestern berichtete ich über das Massenereignis, zu dem die Fortsetzung des Netflix-Serienhits House of Cards in den USA avancierte. Heute möchte ich genauer beleuchten, warum ich die Entwicklung rund um den kalifornischen Videodienst Netflix für so wegweisend halte. Meine persönliche Annahme ist, dass das Unternehmen in Zukunft in der selben Liga spielen wird wie die heutigen “Big Five” des Internets, nämlich Apple, Google, Amazon, Facebook, and Microsoft.

In einem Kommentar zu meinem gestrigen Beitrag wurde ich gefragt, wo meine kritische Haltung geblieben sei. Diese ist natürlich nicht verloren gegangen. Ich sehe aber derartig viele Missstände im aktuellen TV- und Filmmarkt (hier schön zusammengefasst), dass ich schlicht dankbar darüber bin, wenn ein risikofreudiger, innovativer Anbieter des Internetzeitalters der Branche und ihren durch jahrzehntelangen Erfolg bequem gewordenen Protagonisten ordentlich einheizt. Selbst wenn der Aufstieg von Netflix wie jede Verschiebung von Kräfteverhältnissen in Wirtschaftssektoren nicht nur positive Folgen haben wird. Kurz- bis mittelfristig aber sehe ich die Vorteile aus Zuschauersicht deutlich überwiegen. » weiterlesen

Vom “Plugin” zum Motor des Alltags:
Startups stellen mit dem Internet die “Offline”-Wirtschaft auf den Kopf

20 Jahre lang war das kommerzielle Internet vor allem eine praktische Hilfestellung. Jetzt verwandeln Startups es in den Motor für alles. Mit weitreichenden Folgen für viele Wirtschaftszweige.

Startup“Das Thema Kommunikation ist durch. In nächster Zeit wird es vor allem darum gehen, Logistik der realen Welt mit einem digitalen ‘Layer’ zu überziehen”. So beschrieb jüngst ein Webunternehmer im Gespräch sehr treffend die aktuell in der Internet- und Startupbranche zu beobachtende Schwerpunktverlagerung. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der soziale Netzwerke, Kommunikationsdienste und Chat-Apps im Fokus hunderter Gründer standen, ist dieses Terrain zumindest einigermaßen abgegrast.

Stattdessen konzentrieren sich Entrepreneure darauf, die bislang von der Digitalisierung nur am Rande tangierten Wirtschaftszweige der “Offline”-Welt auf den Kopf zu stellen. War digitale Technologie bislang für Menschen eine zusätzliche Hilfe, um den etablierten Strukturen und Prozessen folgenden Alltag zu handhaben, stellen immer mehr Startups eben diesen Grundstrukturen über technologiegestütze Ansätze in Frage und versuchen sich an einer kompletten Neudefinition. » weiterlesen

“House of Cards” Staffel 2:
Netflix-Seriendebüt wird zum wegweisenden Massenereignis

Der Wirbel um den Start der zweiten Staffel der Netflix-Serie “House of Cards” war so groß, dass sogar ein Zusammenbruch des Internets befürchtet wurde. Wir werden gerade Zeuge eines radikalen Wandels der TV-Branche.

House of Cards

Früher haben sich die Leute wochenlang auf das Kinodebüt eines Blockbusters gefreut und sind alle am ersten Tag in die Filmhäuser gestürmt. Heute erhält dieses Phänomen keine große Beachtung mehr, selbst wenn das erste Wochenende für neue Streifen noch immer eine große Bedeutung hat. Die Aufmerksamkeit von Unterhaltungswilligen und Branchenmedien gilt aber heutzutage in erster Linie dem Start neuer Serienstaffeln. Ganz besonders dann, wenn Hollywood-Schreck Netflix eine seiner Exklusivproduktionen auf die Öffentlichkeit loslässt.

Genau das geschah am Freitagabend, als der Videostreamingdienst aus dem kalifornischen Los Gatos die zweite Staffel des mehrfach preisgekrönten Politikdramas House of Cards scharf schaltete. Seitdem stehen sämtliche 13 Folgen der Produktion für 44 Millionen Netflix-Abonnenten in 41 Ländern zum On-Demand-Abruf bereit, ideal für ausdauernde “Binge Viewer”. » weiterlesen

Ende des Traums vom papierlosen Büro:
Doo gibt auf und startet neu

Das Bonner Dokumenten-Startup Doo hat heute Nachmittag das Ende vom bisherigen Geschäftskonzept und gleichzeitig einen Neustart angekündigt. Mit der Idee eines strukturierten Dokumenten-Systems zur Aufbewahrung ist man, wie alle Player auf dem Markt, gescheitert.

Verabschiedung und Neuanfang von Doo

Verabschiedung und Neuanfang von Doo

Sie waren einst angetreten, um das papierlose Büro wahr werden zu lassen, doch mittlerweile zeigt sich, dass keins der zuletzt mit dieser Mission angetretenen deutschen Startups mit dieser Vision Erfolg hatte. Zumindest nicht im ersten Schritt. Smarchive benannte sich in Gini um, brachte erst drei Jahre nach dem Start eine schlankere App heraus und will sich nun auf ein eigenes Ökosystem konzentrieren. Doctape startete als Dropbox-Alternative mit automatischer Medienkonvertierung neu. Um fileee wurde es zuletzt ruhig und auch Doo hat jetzt die Notbremse gezogen.

In einer Mail, die das Bonner Startup heute verschickte, kündigte das Team um die drei Gründer Frank Thelen, Marc Sieberger und Alex Koch den Abschied von der Dokumenten-App ab. Allerdings nicht vom Startup-Business und auch nicht von Doo selbst. Das Unternehmen soll als Cloud-Lösung mit neuen Diensten weiter machen. Welche, das will man in den nächsten Wochen bekannt geben.
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“Freunde finden”-Funktion in Apps:
Die Wahl ist schwieriger als gedacht

Ein Kontaktabgleich mit sozialen Netzwerken ist für junge Apps mit kommunikativer Komponente ein idealer Weg, um Nutzer schnell mit “Freunden” zusammenzubringen. Doch die Wahl der “Provider” – ob Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn – will gut überlegt sein.

Freunde findenWenn Mobile Startups mit begrenzten Ressourcen ihr Produkt entwickeln, stellt sich ihnen meist die schwierige Frage nach der Plattform, auf die sie sich zuerst fokussieren sollen: iOS oder Android? Doch die Macher von Anwendungen, bei denen es um die Interaktion zwischen Nutzern geht, stehen oft noch vor einer weiteren grundlegenden Problematik: welche externen sozialen Netzwerke für den Freundeabgleich sie integrieren sollten. Virtuelle Geisterstädte begeistern niemand, weshalb die Verknüpfung mit Facebook, Twitter und Co ein äußerst sinnvoller Weg ist, um User einer neuen App umgehend zeigen zu können, welche ihrer Web-Kontakte ebenfalls schon dabei sind.

Wie groß die Wirkung dessen auf die User Experience sein kann, zeigte der gestrige Vergleich zwischen den zwei Vielflieger-Anwendungen Flying und Mileways. Flying erlaubt den Kontaktabgleich mit Twitter, Facebook und sogar Xing. Die Chance, dass User auf diese Weise einige ihrer Online-Freunde oder Bekannten finden, welche die jeweilige App ebenfalls schon verwenden, ist da relativ groß. Bei mir war Twitter mit Abstand der ergiebigste “Kontaktvermittler”. Mehr als ein Dutzend der von mir abonnierten Twitter-User fand ich bei Flying durch den Sync mit der Microbloggingplattform. Facebook-Freunde bei Flying, auf die ich nicht zuvor schon per Twitter gestoßen war, gab es so gut wie keine. » weiterlesen

Netzneutralität und Massenüberwachung:
Die Freiheit verschwindet schleichend

Die Beschneidung des Internets geschieht nicht von heute auf morgen, sondern schleichend. Effektiv gegensteuern kann man aber nur, solange die Bedrohungsszenarien noch abstrakt und theoretisch sind. Danach wird es sehr schwer.

Big BrotherWenn Netzaktivisten und Anhänger eines freien Internets im Bekanntenkreis oder in der Öffentlichkeit ihre Standpunkte vertreten, erleben sie oft Reaktionen, die so gar nicht zu der von ihnen skizzierten Gefahrenlage passen. Relativierungen, Gleichgültigkeit oder gar eine Belächelung der Aussagen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Der Grund dafür könnte natürlich sein, dass die Risikobeschreibungen weit ab von jeglicher Realität liegen und dem Hirn eines offenbar paranoiden Verschwörungstheoretikers entstammen. Häufig ist die uninteressierte oder gar ablehnende Haltung der Zuhörer allerdings auf das mangelnde Bewusstsein darüber zurückzuführen, dass gegen drohende Einschränkungen der Netzfreiheit nur so lange effektiv und in legitimen Bahnen etwas unternommen werden kann, wie die Bedrohungsszenarien abstrakter und theoretischer Natur sind. Sobald sie in voller Blüte von jedem im eigenen Alltag erlebt werden können, ist es in der Regel zu spät; ein Zurück gibt es dann nicht mehr. » weiterlesen