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Showrooming:
Kein Fluch sondern ein Retter des Einzelhandels

Die zunehmende Neigung der Konsumenten, Güter im Internet und nicht im Geschäft um die Ecke zu kaufen, muss nicht zwangsläufig zu verödenden Innenstädten führen. Showrooms ohne Möglichkeit zur Direktmitnahme von Produkten könnten sich als Retter für die Branche erweisen.

Geschäft

Prophezeiungen darüber, wie die Zukunft aussehen wird und welche Technologien in einigen Jahren unseren Alltag prägen werden, sind traditionell fehleranfällig. Als am sichersten erweisen sich die Vorhersagen, die sich auf hinreichend existierende Daten stützen – die sich damit also gewisserweise schon halbwegs bewahrheitet haben. Das betrifft etwa die Prognose des Niedergangs von Tageszeitungen. Oder auch das langsame Sterben des stationären Handels, das sich vor allem durch Insolvenzen etablierter Handelsketten und das ungebrochene Wachstum des E-Commerce bei parallel deutlich geringerer Zunahme des Gesamtmarktes ankündigt.

Ein mit der Veränderung des Handels einhergehendes Phänomen ist das sogenannte “Showrooming”. Darunter versteht man die Begutachtung von Produkten durch Konsumenten im Ladengeschäft mit anschließendem Online-Kauf. Was für Verbraucher (informierte Kaufentscheidung) und Webshops (reduzierte Retourenrate) Vorteile bringt, bereit den meisten stationären Geschäften verständlicherweise Kopfschmerzen. Denn ihnen entgehen die Umsätze, die sie zum Überleben brauchen. Laut einer aktuellen Untersuchung von Tradedoubler entschlossen sich 22 Prozent der Europäer, die in einem Geschäft per Smartphone zu Waren recherchierten, für den späteren Online-Erwerb. 20 Prozent verzichteten ganz auf einen Kauf und weitere 20 Prozent schlugen in einem anderen physischen Geschäft zu. Nur 19 Prozent erwarben ein Produkt an Ort und Stelle. In einer britischen Umfrage zeigte sich, dass fast die Hälfte der Verbraucher Showrooming praktizieren. » weiterlesen

Netzneutralität:
Was fettiges Essen, Zigaretten und die Internet-Überholspur gemeinsam haben

Heute weiß jeder Mensch, dass Zigaretten und fettiges Essen langfristig unangenehme Folgen haben können. Konsumenten müssen auf ähnliche Weise über die negativen Konsequenzen der von Providern forcierten Aufhebung der Netzneutralität aufgeklärt werden.

Zigaretten

Als ich vor einigen Tagen zwei klitzekleine “Erfolge” für die Netzneutralität kommentierte, überkam mich während das Schreibens ein schlechtes Gewissen: Da saß ich nun und zeigte mich erfreut darüber, dass Nutzer des deutschen Mobilfunkanbieters Base beim nicht gerade bandbreitenschonenden TV-Streaming über Zattoo im Rahmen der angekündigten Kooperation zwischen beiden Diensten kein Traffic-Sonderkontingent eingeräumt bekommen. Für Base-Kunden bedeutet dies, dass sie je nach Tarif nach maximal einigen Stunden des Fernsehschauens über die mobile Datenverbindung ihr monatliches Trafficvolumen verbraucht haben und den Rest des Monats im Schneckentempo durch das Netz kriechen müssen.

Aus Sicht der Kunden des Mobilfunkproviders wäre es selbstredend viel attraktiver, wenn die beim Streaming über Zattoo generierte Datenmenge nicht auf das Datenvolumen angerechnet würde. So verhält es sich beispielsweise im Rahmen der Zusammenarbeit von Spotify mit einigen Netzbetreibern.

Mir wurde während der Anfertigung des besagten Textes deutlich, wieso man sich im Kampf für Netzneutralität in der Vergangenheit nicht auf die tatkräftige Unterstützung durch Otto-Normal-Verbraucher verlassen konnte und weshalb sich dies auch in Zukunft kaum ändern dürfte: Für Kunden bieten von Zugangsanbietern forcierte Brüche mit der Netzneutralität kurzfristig große Verlockungen. » weiterlesen

Déjà-vu:
Löschung von Google-Links ist die neue Verpixelung

Datenschützer jubeln, Medien liefern Tipps zur Vorgehensweise, und Tausende wollen unbequeme Links aus den Google-Resultaten löschen lassen. Alles erinnert an das Theater um die Verpixelung von Häusern bei Google Street View vor vier Jahren.

VerpixelungEnde der vergangenen Woche hat Google als Reaktion auf das EuGh-Urteil zur Löschung von Suchergebnissen ein Onlineformular eingerichtet, über das Nutzer die Entfernung einzelner Links aus den Resultatlisten (SERPs) beantragen können. Innerhalb eines Tages seien 12.000 derartige Anliegen bei dem Internetunternehmen eingegangen, heißt es. Google will das Verfahren in den nächsten Monaten gemeinsam mit Datenschutzbehörden und anderen Stellen verfeinern.

Wie auch immer es weitergeht: Die Aufregung und die Reaktionen auf das Urteil sowie der vermeintliche Ansturm auf das Formular erinnern an die Farce rund um die Verpixelung von Häuser-Fotos bei Google Street View. » weiterlesen

Disruption um jeden Preis:
Der Aufstieg der Aggro-Entrepreneure

Einige der mächtigsten Internetfirmen der Welt werden von egozentrischen, rücksichtslosen oder anderweitig “problematischen” Persönlichkeiten angeführt. Ihr gnadenloses Vorgehen tangiert Millionen Menschen.

Aggro-Entrepreneur

Viele der Technologieunternehmen, die mit Hilfe des Internets innerhalb weniger Jahre aus winzigen Ideen enorme Milliardenprojekte machen, beeinflussen durch ihre Dienste und die ausgelösten marktstrukturellen Veränderungen das Leben von Millionen Menschen, rund um den Globus. Diese Firmen schaffen Arbeitsplätze, sie zerstören aber auch Stellen (beim Wettbewerb). Sie nehmen Einfluss auf die Politik, beteiligen sich an Lobbyprojekten, kooperieren mit Behörden und Geheimdiensten und exportieren ihre firmeninternen Werte und Philosophien in Form von Richtlinien und Geschäftsbedingungen in die ganze Welt. Ein wenig sind diese Firmen wie globale Staaten. Wie Staaten mit autoritären Herrschern. Bei einigen der Unternehmenslenker handelt es sich um Personen mit zweifelhaften Charakterzügen. » weiterlesen

Automatisierung:
Die Roboter kommen, doch Politiker sprechen noch immer von Arbeitsplatzschaffung

Das Beförderungs-Startup Uber will auf mittlere Sicht selbstfahrende Autos einsetzen. Amazon verzehnfacht in diesem Jahr die Zahl der Roboter in seinen Versandzentren. Maschinen nehmen Menschen die Arbeit weg – doch Politik und Volkswirtschaft sind überhaupt nicht vorbereitet.

RoboterAn der Frage, inwieweit die fortschreitende Automatisierung im Endeffekt mehr Jobs zerstört, als durch Informationstechnologie geschaffen werden, entzünden sich leicht Konflikte, bei denen unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen. Bedenkt man, dass ein Job letztendlich nichts anderes darstellt als eine Tätigkeit, die der (partiellen) Existenzsicherung dient, so scheint relativ klar, dass es auch in Zukunft genug Arbeit geben wird – denn irgendwas werden Menschen mit ihrer durch das flächendeckende Ersetzen von heutigen Stellen durch Maschinen freigewordenen Zeit anfangen müssen – und anfangen wollen.

Die große Herausforderung stellt die Übergangsphase dar. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen im großen Stil Arbeitsplätze abbauen, die sich dank Effizienzzugewinnen, Robotern und künstlicher Intelligenz automatisieren lassen, während jedoch die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie die Kompetenzen der Arbeitnehmer nicht an die neue Situation angepasst sind. Sowohl die Massenarbeitslosigkeit in vielen ändern Europas als auch der seit Jahren in den USA zu beobachtende wirtschaftliche Aufschwung ohne die damit traditionell einhergehende Belebung am Arbeitsmarkt deuten darauf hin, dass wir uns seit einiger Zeit in einer derartigen Periode befinden. In den USA sind laut einer Studie ganze 47 Prozent der Stellen “gefährdet”, automatisiert zu werden. » weiterlesen

Musikstreaming:
Was Spotifys Nutzerzahlen über die Chancen der Konkurrenten verraten

Spotify gab in der vergangenen Woche nach langer Zeit wieder aktualisierte Nutzerzahlen bekannt. Sie belegen abermals das gemächliche Wachstum. Wenn der Marktführer schon Schwierigkeiten bei der Akquisition von Anwendern hat, dann muss es den kleineren Rivalen ziemlich schlecht gehen.

JukeboxWie lange werden sich die zahlreichen Musik-On-Demand-Dienste, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Internetboden hervorschossen, noch halten können? Wahrscheinlich nicht mehr sonderlich lange. Die in der vergangenen Woche von Spotify kommunizierten “Meilensteine” unterstreichen abermals die erheblichen Herausforderungen für Dienste in diesem Segment.

Zehn Millionen Anwender besitzen mittlerweile ein kostenpflichtiges Abo bei dem Marktführer im On-Demand-Segment – ein Viertel der Gesamtzahl von nun “über 40 Millionen” Nutzern. Zwischen März 2013 und Mai 2014 hat das in Schweden gegründete Unternehmen die Zahl der  Abonnenten von sechs auf zehn Millionen steigern können. 14 Monate, um vier Millionen User zur Zahlung von rund zehn Euro pro Monat für unbegrenztes Musikstreaming von Millionen Songs zu bewegen, ist nicht sonderlich beeindruckend. Im November 2011 sprachen die Nordeuropäer von 2,5 Millionen Bezahlkunden. Spotify benötigte also ganze zweieinhalb Jahre, um 7,5 Millionen Abonnenten zu akquirieren. Und das, obwohl der Dienst heute in 61 Ländern präsent ist, im Vergleich zu nur rund einem knappen Dutzend Ende 2011. » weiterlesen

Das vernetzte Haus:
Wenn Apple und Google ernst machen, beginnt eine neue Ära

Apple plant eine Smart-Home-Plattform, Google soll nach Nest abermals ein Startup in dem Bereich kaufen wollen. Sollten die zwei Firmen mit dem vernetzten Haus ernst machen, dann beginnt nach einem Jahrzehnt der Träumerei eine neue Ära.

Smart Home

Seit einer Ewigkeit steht die Vision des intelligenten Hauses im Raum. Doch passiert ist bislang abgesehen von einigen Startup-Projekten mit begrenzter Durchschlagskraft wenig. Auch der smarte Kühlschrank, eine der Paradedisziplinen des Smart Home, bleibt vor allem ein Traum ohne signifikante Fortschritte in der Praxis. Erfahrungsgemäß ist für die Realisierung von technischen Visionen wie dem vernetzten Haus notwendig, dass Giganten der IT-Branche ihr Gewicht hinter die Etablierung entsprechender Dienste werfen. Mit ihrem Know-how und ihrer Marketingkraft kann aus einer die Fantasie anregenden Idee am ehesten Wirklichkeit werden. Momentan mehren sich die Anzeichen, dass große Konzerne das Smart Home endlich massentauglich machen wollen. » weiterlesen

Fünf-Jahres-Vergleich:
Die Digitalökonomie hat sich stark verändert

Manchmal wirkt es, als sei die Evolution der Technologiebranche vorgezeichnet, geprägt von einer Manifestation gewisser Anbieter und Philosophien. Doch ein Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Dem ist nicht so.

Jeder hat schon einmal alte Bekannte wiedergetroffen, die sich äußerlich extrem verändert haben. Fragt man in derartigen Situationen Menschen, die mit besagten Personen regelmäßig Kontakt haben, dann werden sie die Transformation womöglich gar nicht wahrgenommen haben. Für sie fielen die gefühlten Unterschiede von Treffen zu Treffen aufgrund der geringen Abstände dazwischen minimal aus.

Ich glaube, wer im Jahr 2010 auf eine einsame Insel ohne Strom und Internet gezogen wäre und jetzt in die moderne Zivilisation zurückkehrt, der würde genau den beschriebenen Effekt erleben: Grundphilosophien und -annahmen der damaligen Webwirtschaft sind heute nicht mehr die gleichen. Jemand, der den graduellen Prozess aber stetig beobachtet, mag die Tragweite des Wandels lange Zeit kaum mitbekommen. » weiterlesen

Distriubutionskanal Internet:
Über die Zukunft von Netflix & Co

Streamingangebote gibt es in Deutschland einige. Dennoch scheinen viele aus dem Häuschen zu sein, weil Netflix anklopft. Aber es wird nicht nur für Netflix und die Konkurrenz knifflig werden, sondern auch für die Fernseh- und Filmproduzenten. Alle sitzen in dem gleichen Boot – das sich durch die Engen und Weiten des Distributionskanals Internet manövrieren muss.

NetflixDie Nachricht, dass Netflix jetzt nach Deutschland kommt, schlug vergangene Woche bei den Medien ein wie eine Bombe. Nicht nur jede Newssite berichtete darüber. Das Thema wurde auch über die Social Networks flächendeckend kommentiert. Die meisten Nutzer scheinen hocherfreut.

In Deutschland haben wir bereits ähnliche Formate, zum Beispiel Watchever, das, laut dessen CEO Stefan Schulz, ganz gut läuft (auch wenn das Unternehmen keine Zahlen verrät).

Wodurch sich die diversen Anbieter unterscheiden, macht die Sache interessant. Nehmen wir zuerst den Preis: » weiterlesen

Server-Startup kündigt zweite Schwarmfinanzierung an:
Protonet kombiniert Vorbestellungen mit Beteiligung

Nachdem das aus Hamburg stammende Server-Startup Protonet Ende 2012 gute Erfahrungen mit Crowdinvesting machte, startet es in Kürze eine zweite Finanzierungsrunde. Dabei kombiniert es die Vorbestellung der Hardware mit dem Erwerb von Unternehmensanteilen. Dies könnte zum Vorbild für die kommerziell orientierte Schwarmfinanzierung der Zukunft werden.

ProtonetAls das Hamburger Hardware-Startup Protonet Ende 2012 eine Crowdfinanzierungsrunde für seine als “einfachster Server der Welt” bezeichnete Protonet-Box begann, dauerte es gerade mal 48 Minuten, bis das Maximalziel von 200.000 Euro erreicht wurde. In anderen Worten: Die Kampagne war ein voller Erfolg. Seitdem entwickelt sich das Unternehmen um die Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum dem Anschein nach recht gut. Die orange-farbene Box ging im Sommer 2013 in den Verkauf. Es gab öffentliches Lob, ein Auszeichnung als Startup des Jahres sowie Berichte zu einer Sicherheitslücke – duchaus ein Attest für Relevanz ist, denn Sicherheitslücken werden in der Regel nur dann medial aufgegriffen, wenn ein Interesse der Öffentlichkeit besteht. Nach Angaben des Startups kommt die Protonext-Box derzeit bei 250 Unternehmen zum Einsatz. 400 Geräte sollen 2014 abgesetzt werden.

Ein Jahr nach dem Verkaufsdebüt der zwei Server-Schwestern “Carla” und “Carlita” wollen die Norddeutschen nun die nächste Phase ihrer Private-Cloud-Strategie zünden: Mit Maya soll eine weitere Box auf den Markt gebracht werden, die sich in Sachen Preis und Leistung unterhalb der existierenden Modelle ansiedelt. Ein “Personal Server zu Laptop-Preisen”, so lautet die Selbstbeschreibung. Zur Verwirklichung dieses Plans greift das Startup abermals auf das bewährte Crowdinvestingmodell zurück – und wählt dafür einen sehr interessanten Ansatz. » weiterlesen