1983 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Ortsunabhängiges Arbeiten und Leben:
Wieso digitale Nomaden Nationalstaaten Kopfschmerzen bereiten werden

Noch ist das zeitweilige selbstbestimmte Arbeiten aus und Leben in fernen Ländern ein Privileg weniger. Doch wenn sich dies ändert, werden Nationalstaaten und ihre Funktionsweise vor einer Herausforderung stehen.

Digitale NomadenDas digitale Nomadentum ist noch immer nur ein Nischenphänomen. Die enorme Zahl an Blogs und Onlineinhalten rund um das ortsunabhängige, internetbasierte Arbeiten sagt nicht viel über die tatsächliche Verbreitung dieses Trends aus. Stattdessen muss man davon ausgehen, dass nur wenige selbstständig tätige Menschen überhaupt von dem Privileg Gebrauch machen können, auf freier Entscheidungsbasis von beliebigen Orten der Erde aus ihrem Beruf oder ihren Berufungen nachgehen zu können. Und für die meisten Büroangestellten gilt sowieso eine explizit oder implizit artikulierte Präsenzpflicht.

Doch es gibt Grund zu der Annahme, dass die Zahl der Personen, die sich temporär und ohne offizielle Entsendung von Auftrag- oder Arbeitgeber in anderen Städten oder Ländern niederlässt, privat oder beruflich, als länger andauernder Lebensstil oder einige Monate umfassendes Sabbatical, ansteigen wird. Die Veränderung von Arbeits- und Anstellungsverhältnissen, die fortschreitende Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten virtueller Dienstleistungen und Behördengänge, die Zunahme an internationalen und multikulturellen Liebesbeziehungen sowie die sich stets in massiven Abrufzahlen von Webinhalten zum digitalen Nomadentum niederschlagende Faszination vieler an dem Gedanken, vom Haus in den Bergen oder aus der zwischen zwei Palmen gespannten Hängematte den Lebensunterhalt zu bestreiten, lassen keinen anderen Schluss zu. Zwar blenden solche Klischeebilder die Schattenseiten des ortsunabhängigen Arbeitens vollkommen aus, aber ihre hohe Anziehungskraft kann bei direkter Gegenüberstellung zum Großraumbüro wahrlich nicht verwundern.  » weiterlesen

Forderung nach Ende-zu-Ende-Verschlüsselung:
Facebook, Google und Twitter geraten unter Zugzwang

Übertragene Daten so zu verschlüsseln, dass sie nur Absender und Empfänger einsehen können, gilt als eines der besten Mittel gegen Überwachung. Doch die dominierenden Webfirmen wie Google oder Facebook sträuben sich bislang gegen die Einführung.

Verschlüsselung

Eine der praktikabelsten Methoden, um der Massenüberwachung des digitalen Raums etwas entgegen zu setzen, ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das war eine der Botschaften des gestrigen Live-Stream-Auftritts von Whistleblower Edward Snowden beim South-By-Southwest-Festival im texanischen Austin. Mit dieser Form der Kryptographie, bei der Daten auf Endgeräten anstelle von Servern verschlüsselt werden und dadurch auf dem gesamten Übertragungsweg von Dritten nicht eingesehen werden können, würde die flächendeckende, anlasslose Überwachung für Geheimdienste schwieriger und deutlich teurer werden.

War das Verschlüsselungsverfahren vor einem Jahr nur den wenigsten Usern ein Begriff, haben in den letzten Monaten vor allem auf entsprechenden Mechanismen aufsetzende Smartphone-Messenger dafür gesorgt, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eine gewisse mediale Beachtung erhält. Dienste wie Threema, TextSecure oder Telegram (teilweise) verschlüsseln so, dass nur die Besitzer der Mobiltelefone Mitteilungen ihrer Gesprächspartner lesen können. Selbst die Betreiber wissen nicht, worüber sich Benutzer in den Chats austauschen.

Snowdens Plädoyer für die verschlüsselte Übertragung von Kommunikationsdaten als Gegenmittel zu exzessiver staatlicher Überwachung wirft die Frage auf, wann die Big Player des Internetgeschäfts End-to-End-Kryptierung implementieren. » weiterlesen

Fortgesetzter Wachstumsmotor oder destruktive Kraft:
Über die Frage, was Technologie mit der Welt macht

Bislang wurden technische Sprünge stets von Volkswirtschaften zur Maximierung von Wohlbefinden und Wohlstand genutzt. Heute mehren sich die Stimmen derjenigen, die in Frage stellen, dass weiterhin die effektivste Problemlösung auch die wünschenswerteste ist.

60sWir reisen ins Jahr 1964 in eine beliebige westdeutsche Großstadt. Das Wirtschaftswunder lässt blühende Landschaften entstehen und den Wohlstand der Bevölkerung rasant anwachsen. In den Flaniermeilen reihen sich Geschäfte aneinander, voll mit Konsumgütern, von denen Bürger zwei Dekaden zuvor nur träumen konnten. Musik erwirbt man im Plattenshop, Lektüre zum Versinken und Entspannen im Buchladen, und auch sonst existieren Spezialgeschäfte für alle nur erdenklichen Interessen und Notwendigkeiten. Das ein oder andere Kaufhaus bietet sogar alles unter einem Dach an. Der Boom sorgt für eine explosionsartige Zunahme der Arbeitsplätze. Weil sich nur wenige Prozesse effektiv automatisieren lassen, avancieren Handel, Service, Gastronomie und Produktion zu Jobmaschinen. Wer mit Verwandten, Freunden oder Kollegen in anderen Orten kommunizieren möchte und es sich leisten kann, nutzt das mit hohen Gebühren verbundene Telefon. Ansonsten ist der Brief das ideale Mittel zur Kommunikation über längere Entfernungen.

Die Verfahren, die vor 50 Jahren zum Einsatz kamen, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu stillen, stellten die jeweils bestmöglichen und effektivsten Lösungen dar. Und das galt eigentlich schon immer. Zumindest in der jüngeren Menschheitsgeschichte wurde das jeweils technologisch und logistisch Praktikable stets vollständig ausgeschöpft, um Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen. Die Herangehensweise, die zu einem beliebigen Zeitpunkt die besten Ergebnisse zur Lösung eines spezifischen Sachverhalts, Problems oder Bedürfnisses versprach, kam auch – zumeist begleitet von gewissen politischen und rechtlichen Regulierungen zur Verhindung ungewollter Nebenwirkungen – zum Einsatz. Man könnte es so ausdrücken: Die beste, sinnvollste und von aktuellsten technischen Innovationen Gebrauch machende Methode zur Ausführung einer beliebigen Konsum-, Wertschöpfungs- oder Kommunikationsfunktion galt auch als die gesamtgesellschaftlich attraktivste. » weiterlesen

Telegram:
Was man über den WhatsApp-Rivalen des “russischen Mark Zuckerberg” wissen sollte

Der Chat-Messenger Telegram ist ein absoluter Shooting-Star. Doch seine Macher, die Brüder Pavel und Nikolai Durov, lassen Transparenz vermissen, und ihre App ist weniger sicher als behauptet. Wie seriös ist der Dienst eigentlich?

TelegramDiverse Smartphone-Messenger profitieren derzeit vom Unmut einiger WhatsApp-Nutzer über die Akquisition durch Facebook. Eines besonderen Beliebtheitszuwachses erfreut sich Telegram, ein Chat-Service auf Open-Source-Basis, der wie berichtet in Dutzenden Ländern die Spitzenplätze der App-Charts belegt. Doch angesichts einiger die Seriosität und den versprochenen hohen Sicherheitsstandard in Frage stellender, von der Masse aber ignorierter Aspekte scheint es fast, als wiederhole sich mit Telegram die Geschichte von WhatsApp. Das wäre ironisch, ist es doch die Unzufriedenheit über den Verlauf der Dinge mit WhatsApp, die Millionen Nutzer gerade nach neuen Messengern Ausschau halten lässt.

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Das Internet ist kein Spielzeug mehr:
Wer über Technologie berichtet, trägt Verantwortung

Die Zeiten, in denen das Internet und digitale Technologie vor allem ein Spielzeug waren, sind vorbei. Mittlerweile geht es um die Zukunft unserer Gesellschaft – und um viele Milliarden. Wer über diese Themen berichtet, trägt eine ziemliche Verantwortung.

SpielzeugDas Internet und verwandte Technologien sind nicht mehr die Spielzeuge von einst, die Interessierte in kindliche Begeisterungsstürme ausbrechen ließen. Heute ist das Netz der Motor der Welt.

Ohne digitale Technologie geht nichts mehr. Und die Firmen, die einst, frisch aus den Garagen gekrochen, unsere Fantasie anregten, gehören heute zum milliardenschweren Establishment. Ihre Visionen sind nicht verschwunden. Doch ihre Macht, die Zwänge der Wirtschaft sowie die Bedürfnisse von Geldgebern und Aktionären erfordern es von ihnen, ohne Rücksicht auf Ideale zu agieren. Nicht Bosheit treibt sie an, sondern das System. Es herrscht purer Pragmatismus: Ob Kooperationen mit Geheimdiensten, Aufweichung der Netzneutralität, Verletzungen des Datenschutzes, Aufkäufe zum Nachteil von Anwendern, massive Steuervermeidung oder aggressiver Lobbyismus – was in den Augen der Technologiegiganten sein muss, muss eben sein.

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Das Ende des Roaming-Ärgers:
Ich habe die Zukunft gesehen

Hohe Roaminggebühren sind ein Ärgernis, das auch durch die Vörstöße der EU nicht ganz beseitigt wird. In den USA bietet T-Mobile unterdessen einen Tarif an, der einen Blick in eine Zukunft gestattet, in der Ländergrenzen nicht mehr die Onlinekommunikation einschränken.

RoamingIch habe gerade die Zukunft gesehen: Ich reiste in ein anderes Land und konnte dort ohne Wechsel der SIM-Karte über ein lokales Mobilfunknetz kostenfrei im Internet surfen. Ohne dass ich dafür bei meinem Provider ein spezielles Roamingpaket buchen musste. Ohne dass mir im Nachhinein für meine Webzugriffe zusätzliche Gebühren in Rechnung gestellt werden. Ohne dass ich meine Nutzung extrem einschränken muss, um nicht frühzeitig ein lächerlich niedriges Trafficlimit zu überschreiten. Und ohne dass ich für den Vertrag, der mir dies ermöglicht, mehr zahlen muss als für die Prepaid-Karte des selben Anbieters. » weiterlesen

Nach drei Wochen im täglichen Einsatz:
Facebooks seelenlose Paper-App

Auf den ersten Blick wirkt Facebooks neue mobile App Paper wie ein Siegertyp. Doch bei längerer Nutzung zeigt sich: Der Anwendung fehlt eine Persönlichkeit.

PaperAls Facebook Anfang Februar seine mit Spannung erwartete mobile iPhone-App Paper für Nutzer mit einem US-App-Store-Konto freischaltete, unterzog ich die Anwendung sofort einem ersten Test. Und weil der erste Eindruck positiv war, entschloss ich mich, für einige Zeit ganz auf den Einsatz von Facebooks bisheriger App zu verzichten und stattdessen Paper zu verwenden. Damit mir die Gewohnheit keinen Strich durch die Rechnung machen würde, platzierte ich Papers App-Icon an der Stelle auf meinem Smartphone, an der zuvor Facebook zu finden war. Heute, genau drei Wochen, nachdem ich Paper zu meinem primären Tool für den Zugriff auf meinen Facebook-Newsfeed auserkor, möchte ich ein Fazit ziehen. Es fällt weniger lobend aus, als ich dies zum Debüt der App vermutet hätte. » weiterlesen

Riesenerfolg ohne US-Marktdominanz:
Der WhatsApp-Deal verändert die Weltsicht der Silicon-Valley-Strippenzieher

WhatsApp hat im Hinblick auf die finanziellen Rahmenbedingungen der Übernahme durch Facebook mehr erreicht als jedes andere Internet-Startup zuvor. Und das ausgerechnet mit einer Strategie, die den sonst als am wichtigsten geltenden US-Markt ignorierte.

Der Megadeal zwischen WhatsApp und Facebook hielt gleich mehrere Überraschungen bereit.

Zum Ersten überraschte der gigantische Preis von 19 Milliarden Dollar (inklusive Aktienoptionen für die Gründer). Manche Beobachter halten ihn für gerechtfertigt, andere stellen ihn in Frage. Im Vorfeld jedoch hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine derartig massive Summe locker machen würde, um den beliebten, aber als Geldmaschine auf Jahre hin ungeeigneten Chat-Anbieter ins eigene Haus zu holen.

Eine zweite Überraschung ist der Zeitpunkt der Akquisition. Zuckerbergs Interesse an WhatsApp war zwar schon seit über einem Jahr ein offenes Geheimnis. Doch WhatsApp-CEO Jan Koum hatte in der Vergangenheit immer wieder und durchaus glaubwürdig beteuert, nicht verkaufen zu wollen. Auch drangen im Vorfeld des Deals keinerlei Gerüchte über Gespräche an die Öffentlichkeit. Insofern kamen die ersten Tweets, die am Mittwochabend deutscher Zeit die Kunde verbreiteten, fast wie aus dem Nichts. Dass Facebook sich doch noch mit Snapchat einigen würden, erschien eigentlich wahrscheinlicher.

US-Branchenkenner ignorierten WhatsApp

Die dritte Überraschung betrifft US-amerikanische Branchenkenner und Technologiejournalisten. Für diese kam Facebooks aggressiver Vorstoß nämlich auch deshalb unerwartet, weil sie sich überhaupt nicht über die Bedeutung im Klaren waren, die WhatsApp im mobilen Alltag vieler hundert Millionen Menschen rund um den Globus besitzt.  » weiterlesen

Boom der Hardware-Startups:
Gründer haben keine Lust mehr, US-Weberfolge zu klonen

Die Zahl der Startups aus Deutschland und Europa, die sich der Entwicklung von smarten Geräten verschreiben, wächst stetig. Die aktuellen Crowdfunding-Erfolge zweier deutscher Projekte unterstreichen das Potenzial dieses Sektors.

Bragi

Hardware-Startups sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Und wie: Ende vergangenen Jahres berichteten wir über 13 Tech-Jungfirmen aus Deutschland, die an smarten Geräten tüfteln. Gemeinhin fallen in diese Kategorie alle Apparate, die über WLAN oder Bluetooth mit PCs, Tablets oder Smartphones kommunizieren können. In der Vergangenheit scheuten sich viele Gründer vor mit diesen Unterfangen zusammenhängenden Investments. Doch veränderte Rahmenbedingungen und der technische Fortschritt haben die Ausgangslage für Garagen-Gründer und Ihresgleichen deutlich verbessert. Mit der jüngst angekündigten Milliardenübernahme des US-Gadget-Startups Nest durch Google erhielt der Sektor gerade abermals eine Validierung, die sich hoffentlich positiv auf die Investitionsbereitschaft von Geldgebern auswirkt.

Auch in anderen Ländern Europas zeigen Entrepreneure verstärkten Glauben daran, mit innovativen, vernetzen Gadgets neue Märkte erschließen zu können. Der gerade viel Beachtung findende Trend der “Wearables” sowie das Dauerthema “Internet der Dinge” dienen als Inspiration und Motivation. Robin Wauters hat beim paneuropäischen Techblog.eu in einem Beitrag ganze 50 Hardware Startups aus Europa zusammengetragen. Allerdings beschränkt sich Wauters nicht nur auf Anbieter aus dem Bereich der Smart Devices sondern berücksichtigt auch einige “klassische” Gadgets ohne Netz-DNA. Dennoch zeigt die Liste, dass sich eine regelrechte europäische Hardware-Revolution abzeichnet, und dass in früher Entstehungsphase befindliche Firmen aus Deutschland bei dieser eine wichtige Rolle einnehmen.

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Neues Dokumenten-Startup:
Organize.me will alles besser machen als Doo

Nur Tage, nachdem die Dokumenten-App Doo ihren Rückzug erklärt hat, startet unter dem Dach von Tomorrow Focus ein neues Startup mit der gleichen Idee. Doch ob unfreiwillig oder nicht: Organize.me präsentiert sich organisatorisch offener als das Gegenteil von Doo.

Das Timing überrascht: Am späten Freitagnachmittag vergangener Woche strich Doo die Segel. Gut 7 Millionen Euro Investitionskapital haben für die Bonner nicht gereicht, um mehr als 300.000 Nutzer von der Notwendigkeit der Dokumenten-App zu überzeugen. Nur drei Tage später meldet Focus Online überraschend den Start eines neuen Dokumenten-Startups, das von der eigenen Konzernmutter herausgegeben wird: Unter dem Dach der Tomorrow Focus AG versucht Organize.me sein Glück.

Die App will das papierlose Büro auf den Weg bringen, der zentrale Speicher für alle Dokumente sein, elektronische wie papierne Dokumente via automatischer Integration und Scan in einer Ablage integrieren, logisch vertaggen und durchsuchbar machen. Wollte Doo nicht genau das auch? Ja, und doch könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. » weiterlesen

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