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18-Milliarden-Dollar-Startup:
Wie Uber Taxiverbänden davonfährt

Uber sammelt 1,2 Milliarden Dollar ein und wird mit 18,2 Milliarden Dollar bewertet. Eine bessere Taxi-App, die keiner nutzt? Wer das glaubt, kann sich getrost an den Bahnhof setzen und zusehen, wie der Zug abfährt.

AutoGrundsätzlich müssen wir einen Fakt festhalten, um zu begreifen, warum viele Deutsche Uber nicht verstehen: Deutschland, der bisher größte unerschlossene Markt für Uber, funktioniert anders, als zum Beispiel San Francisco, wo der Unternehmen 2009 gegründet wurde. Wer dort mal versucht hat abends ein Taxi zu ergattern, sieht schnell ein, weshalb Uber in der “City by Bay” Potential hat. In Deutschland ist das anders: Taxis, und zwar mit einem höheren Sicherheitstandard als jede amerikanische Klapperkiste, gibt es an jeder Ecke. Außerdem fahren viele Menschen Fahrrad und profitieren von einem sehr guten Nahverkehrnetzwerk.

Trotzdem: Geplant ist, dass Uber noch dieses Jahr in sechs bis sieben weiteren Städten den Kunden die Türen aufhält. » weiterlesen

Lebensmitteleinkauf im Internet:
Supermarkt-Ketten in Gefahr

Auch wenn deutsche Verbraucher noch immer zögern, werden Supermärkte irgendwann im großen Stil ins Netz ziehen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich auch im Lebensmittel-Einzelhandel die “traditionelle” Verdrängung einheimischer Akteure durch Internetgiganten wiederholen könnte.

E-FoodWir reisen in das Jahr 2020. Nach langem Zögern habem sich auch die meisten Deutschen für den Online-Lebensmitteleinkauf geöffnet, angetrieben von immer bequemeren Benutzeroberflächen, günstigen Preisen, komfortablen, schnellen Lieferungen sowie der Erkenntnis, dass selbst der Erwerb von Frischeartikeln in der Regel zur vollsten Zufriedenheit erfolgt. Doch während sich die Verbraucher über die neuen Freiheiten freuen und den Gang durch die Supermärkte mit ihren hoch aufgestapelten, auf Abnehmer hoffenden Waren plötzlich als archaischen Prozess ansehen, zeichnen sich auf der Stirn von Führungskräften der lokalen Lebensmittelketten tiefe Sorgenfalten ab. Denn im E-Food-Geschäft dominieren nicht sie, sondern die IT-Mischkonzerne aus den USA. Amazon, eBay, Google. Ganze 66 Prozent des in Deutschland erwirtschafteten Umsatzes wird über die Riesen aus Übersee abgewickelt. Den ehemaligen Marktführern aus der Supermarkt-Ära – Edeka, Rewe, Metro und Co – brechen in ihrem Kernsegment die Erlöse weg. Auch ihre in der jüngsten Vergangenheit mit ansehnlichen Investitionen gestärkten Online-Lieferdienste konnten diesen Trend bislang nicht stoppen. » weiterlesen

Kennenlern-App Lovoo:
Wie ein Dresdner Startup ohne Investoren zum Millionenerfolg wurde

Jeden Monat wächst der mobile Kennenlern-Dienst Lovoo um eine Million Nutzer und erwirtschaftet über eine Million Euro Umsatz. Ganz ohne externes Kapital, dafür aber mit viel Geduld und Produktfokus hat sich das Startup in eine Position gebracht, in der vieles möglich scheint.

LovooAktuell sorgen zwei ernstzunehmende, auf den mobilen Einsatz fokussierte Kennenlern-Dienste mit einer internationalen Ausrichtung und ansehnlichen Wachstumszahlen für Aufmerksamkeit: Einmal der aus Los Angeles stammende Service Tinder, der mit rasanten Zuwächsen und einer hochsimplen, innovativen Benutzeroberfläche viele andere App-Konzepte inspiriert, und auf der anderen Seite das kleinere deutsche Startup Lovoo. Hinter der App aus Dresden steckt eine bemerkenswerte, unkonventionelle Erfolgsgeschichte. » weiterlesen

Foursquare und Swarm:
Eine Entbündelung allein macht noch keinen Erfolg

Die Aufteilung in zwei Apps sollte Foursquare mehr Schärfe verleihen. Doch leider hat der Schritt dem Dienst auch die Seele genommen.

SwarmIch habe mir über zwei Wochen Zeit gegeben, um mich mit Foursquares neuer Social-Networking-App Swarm und der Tatsache anzufreunden, dass der Check-In und die Interaktion mit meinen Kontakten nun nicht mehr über die Primär-App läuft. Zu Anfang genoss ich noch das Gefühl der Spannung und Vorfreude auf die groß angekündigte Anwendung. Doch – wie so oft bei neuen Apps – trat schnell Ernüchterung ein. Und jetzt ist die Zeit für ein Urteil reif: Die Aufsplittung von Foursquare in zwei verschiedene Services wirkt auf mich wie eine Verschlechterung.

Jedes Mal, wenn ich Swarm öffne, um einen Check-In zu praktizieren, begleitet mich das seltsame Gefühl, dass dieser Prozess in die originale Anwendung gehört und aus dieser unnötigerweise herausgerissen wurde. Auch einen halben Monat nach dem Debüt. Die Trennung von Location-Empfehlungen und sozialen Features mag für die Foursquare-Macher auf dem Papier sinnvoll erscheinen. In der Praxis fühlt sie sich fremd und unnatürlich an – speziell wenn man beide Aspekte parallel verwendet und ständig zwischen den zwei Apps hin- und herwechseln muss.  » weiterlesen

Showrooming:
Kein Fluch sondern ein Retter des Einzelhandels

Die zunehmende Neigung der Konsumenten, Güter im Internet und nicht im Geschäft um die Ecke zu kaufen, muss nicht zwangsläufig zu verödenden Innenstädten führen. Showrooms ohne Möglichkeit zur Direktmitnahme von Produkten könnten sich als Retter für die Branche erweisen.

Geschäft

Prophezeiungen darüber, wie die Zukunft aussehen wird und welche Technologien in einigen Jahren unseren Alltag prägen werden, sind traditionell fehleranfällig. Als am sichersten erweisen sich die Vorhersagen, die sich auf hinreichend existierende Daten stützen – die sich damit also gewisserweise schon halbwegs bewahrheitet haben. Das betrifft etwa die Prognose des Niedergangs von Tageszeitungen. Oder auch das langsame Sterben des stationären Handels, das sich vor allem durch Insolvenzen etablierter Handelsketten und das ungebrochene Wachstum des E-Commerce bei parallel deutlich geringerer Zunahme des Gesamtmarktes ankündigt.

Ein mit der Veränderung des Handels einhergehendes Phänomen ist das sogenannte “Showrooming”. Darunter versteht man die Begutachtung von Produkten durch Konsumenten im Ladengeschäft mit anschließendem Online-Kauf. Was für Verbraucher (informierte Kaufentscheidung) und Webshops (reduzierte Retourenrate) Vorteile bringt, bereit den meisten stationären Geschäften verständlicherweise Kopfschmerzen. Denn ihnen entgehen die Umsätze, die sie zum Überleben brauchen. Laut einer aktuellen Untersuchung von Tradedoubler entschlossen sich 22 Prozent der Europäer, die in einem Geschäft per Smartphone zu Waren recherchierten, für den späteren Online-Erwerb. 20 Prozent verzichteten ganz auf einen Kauf und weitere 20 Prozent schlugen in einem anderen physischen Geschäft zu. Nur 19 Prozent erwarben ein Produkt an Ort und Stelle. In einer britischen Umfrage zeigte sich, dass fast die Hälfte der Verbraucher Showrooming praktizieren. » weiterlesen

Netzneutralität:
Was fettiges Essen, Zigaretten und die Internet-Überholspur gemeinsam haben

Heute weiß jeder Mensch, dass Zigaretten und fettiges Essen langfristig unangenehme Folgen haben können. Konsumenten müssen auf ähnliche Weise über die negativen Konsequenzen der von Providern forcierten Aufhebung der Netzneutralität aufgeklärt werden.

Zigaretten

Als ich vor einigen Tagen zwei klitzekleine “Erfolge” für die Netzneutralität kommentierte, überkam mich während das Schreibens ein schlechtes Gewissen: Da saß ich nun und zeigte mich erfreut darüber, dass Nutzer des deutschen Mobilfunkanbieters Base beim nicht gerade bandbreitenschonenden TV-Streaming über Zattoo im Rahmen der angekündigten Kooperation zwischen beiden Diensten kein Traffic-Sonderkontingent eingeräumt bekommen. Für Base-Kunden bedeutet dies, dass sie je nach Tarif nach maximal einigen Stunden des Fernsehschauens über die mobile Datenverbindung ihr monatliches Trafficvolumen verbraucht haben und den Rest des Monats im Schneckentempo durch das Netz kriechen müssen.

Aus Sicht der Kunden des Mobilfunkproviders wäre es selbstredend viel attraktiver, wenn die beim Streaming über Zattoo generierte Datenmenge nicht auf das Datenvolumen angerechnet würde. So verhält es sich beispielsweise im Rahmen der Zusammenarbeit von Spotify mit einigen Netzbetreibern.

Mir wurde während der Anfertigung des besagten Textes deutlich, wieso man sich im Kampf für Netzneutralität in der Vergangenheit nicht auf die tatkräftige Unterstützung durch Otto-Normal-Verbraucher verlassen konnte und weshalb sich dies auch in Zukunft kaum ändern dürfte: Für Kunden bieten von Zugangsanbietern forcierte Brüche mit der Netzneutralität kurzfristig große Verlockungen. » weiterlesen

Déjà-vu:
Löschung von Google-Links ist die neue Verpixelung

Datenschützer jubeln, Medien liefern Tipps zur Vorgehensweise, und Tausende wollen unbequeme Links aus den Google-Resultaten löschen lassen. Alles erinnert an das Theater um die Verpixelung von Häusern bei Google Street View vor vier Jahren.

VerpixelungEnde der vergangenen Woche hat Google als Reaktion auf das EuGh-Urteil zur Löschung von Suchergebnissen ein Onlineformular eingerichtet, über das Nutzer die Entfernung einzelner Links aus den Resultatlisten (SERPs) beantragen können. Innerhalb eines Tages seien 12.000 derartige Anliegen bei dem Internetunternehmen eingegangen, heißt es. Google will das Verfahren in den nächsten Monaten gemeinsam mit Datenschutzbehörden und anderen Stellen verfeinern.

Wie auch immer es weitergeht: Die Aufregung und die Reaktionen auf das Urteil sowie der vermeintliche Ansturm auf das Formular erinnern an die Farce rund um die Verpixelung von Häuser-Fotos bei Google Street View. » weiterlesen

Disruption um jeden Preis:
Der Aufstieg der Aggro-Entrepreneure

Einige der mächtigsten Internetfirmen der Welt werden von egozentrischen, rücksichtslosen oder anderweitig “problematischen” Persönlichkeiten angeführt. Ihr gnadenloses Vorgehen tangiert Millionen Menschen.

Aggro-Entrepreneur

Viele der Technologieunternehmen, die mit Hilfe des Internets innerhalb weniger Jahre aus winzigen Ideen enorme Milliardenprojekte machen, beeinflussen durch ihre Dienste und die ausgelösten marktstrukturellen Veränderungen das Leben von Millionen Menschen, rund um den Globus. Diese Firmen schaffen Arbeitsplätze, sie zerstören aber auch Stellen (beim Wettbewerb). Sie nehmen Einfluss auf die Politik, beteiligen sich an Lobbyprojekten, kooperieren mit Behörden und Geheimdiensten und exportieren ihre firmeninternen Werte und Philosophien in Form von Richtlinien und Geschäftsbedingungen in die ganze Welt. Ein wenig sind diese Firmen wie globale Staaten. Wie Staaten mit autoritären Herrschern. Bei einigen der Unternehmenslenker handelt es sich um Personen mit zweifelhaften Charakterzügen. » weiterlesen

Automatisierung:
Die Roboter kommen, doch Politiker sprechen noch immer von Arbeitsplatzschaffung

Das Beförderungs-Startup Uber will auf mittlere Sicht selbstfahrende Autos einsetzen. Amazon verzehnfacht in diesem Jahr die Zahl der Roboter in seinen Versandzentren. Maschinen nehmen Menschen die Arbeit weg – doch Politik und Volkswirtschaft sind überhaupt nicht vorbereitet.

RoboterAn der Frage, inwieweit die fortschreitende Automatisierung im Endeffekt mehr Jobs zerstört, als durch Informationstechnologie geschaffen werden, entzünden sich leicht Konflikte, bei denen unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen. Bedenkt man, dass ein Job letztendlich nichts anderes darstellt als eine Tätigkeit, die der (partiellen) Existenzsicherung dient, so scheint relativ klar, dass es auch in Zukunft genug Arbeit geben wird – denn irgendwas werden Menschen mit ihrer durch das flächendeckende Ersetzen von heutigen Stellen durch Maschinen freigewordenen Zeit anfangen müssen – und anfangen wollen.

Die große Herausforderung stellt die Übergangsphase dar. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen im großen Stil Arbeitsplätze abbauen, die sich dank Effizienzzugewinnen, Robotern und künstlicher Intelligenz automatisieren lassen, während jedoch die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie die Kompetenzen der Arbeitnehmer nicht an die neue Situation angepasst sind. Sowohl die Massenarbeitslosigkeit in vielen ändern Europas als auch der seit Jahren in den USA zu beobachtende wirtschaftliche Aufschwung ohne die damit traditionell einhergehende Belebung am Arbeitsmarkt deuten darauf hin, dass wir uns seit einiger Zeit in einer derartigen Periode befinden. In den USA sind laut einer Studie ganze 47 Prozent der Stellen “gefährdet”, automatisiert zu werden. » weiterlesen

Musikstreaming:
Was Spotifys Nutzerzahlen über die Chancen der Konkurrenten verraten

Spotify gab in der vergangenen Woche nach langer Zeit wieder aktualisierte Nutzerzahlen bekannt. Sie belegen abermals das gemächliche Wachstum. Wenn der Marktführer schon Schwierigkeiten bei der Akquisition von Anwendern hat, dann muss es den kleineren Rivalen ziemlich schlecht gehen.

JukeboxWie lange werden sich die zahlreichen Musik-On-Demand-Dienste, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Internetboden hervorschossen, noch halten können? Wahrscheinlich nicht mehr sonderlich lange. Die in der vergangenen Woche von Spotify kommunizierten “Meilensteine” unterstreichen abermals die erheblichen Herausforderungen für Dienste in diesem Segment.

Zehn Millionen Anwender besitzen mittlerweile ein kostenpflichtiges Abo bei dem Marktführer im On-Demand-Segment – ein Viertel der Gesamtzahl von nun “über 40 Millionen” Nutzern. Zwischen März 2013 und Mai 2014 hat das in Schweden gegründete Unternehmen die Zahl der  Abonnenten von sechs auf zehn Millionen steigern können. 14 Monate, um vier Millionen User zur Zahlung von rund zehn Euro pro Monat für unbegrenztes Musikstreaming von Millionen Songs zu bewegen, ist nicht sonderlich beeindruckend. Im November 2011 sprachen die Nordeuropäer von 2,5 Millionen Bezahlkunden. Spotify benötigte also ganze zweieinhalb Jahre, um 7,5 Millionen Abonnenten zu akquirieren. Und das, obwohl der Dienst heute in 61 Ländern präsent ist, im Vergleich zu nur rund einem knappen Dutzend Ende 2011. » weiterlesen