1987 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Mein Wunsch an @twitter:
Eine Funktion, um Tweets an einzelne Personen zu schicken

Regelmäßig weise ich einzelne Personen gezielt auf Tweets hin, die in meiner Twitter-Timeline auftauchen. Doch oft weiche ich für die Empfehlung auf andere Kanäle oder Konkurrenzprodukte aus. Besser wäre, wenn es dazu innerhalb des Dienstes eine Funktion gäbe.

TwitterMehrmals pro Woche und manchmal sogar mehrfach pro Tag stoße ich in meiner Timeline auf Tweets, die ich unbedingt ausgewählten Personen zugänglich machen möchte. Meist versende ich sie per E-Mail, gelegentlich verschicke ich den Link zum Tweet auch per Facebook-Nachricht. Gerade fiel mir auf, wie seltsam es eigentlich ist, dass mich Twitter zu solchen Umwegen zwingt. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Empfänger dieser manuell von mir geteilten 140-Zeichen-Nachrichten meist selbst aktive Nutzer des Microbloggingdienstes sind. Aus diesem Grund wünsche ich mir von Twitter die Einführung einer nicht öffentlichen “Send Tweet to a follower”-Funktionalität. » weiterlesen

Politik in den USA:
Die größte aller Filterblasen

Filterblasen sind kein auf das Internet beschränktes Phänomen. Auch die verfahrene politische Lage der USA erinnert an eine solche Blase. Im Netz sind Filterblasen relativ leicht zu durchbrechen – wenn man nur möchte.

filterbubbleVor knapp drei Jahren sorgte Eli Parisers Buch “Filterblase” (The Filter Bubble: What the Internet Is Hiding from You) für Aufsehen. Damit prägte der studierte Jurist und Politologe einen Begriff, der seitdem immer dann herangezogen wird, wenn irgendwo in der digitalen Sphäre Menschen mit ähnlicher Weltsicht oder Meinung Gefahr laufen, von konträren Sichtweise nichts mitzubekommen, entweder in Folge algorithmischer Personalisierung (etwa Google-Trefferlisten) oder manueller Kuration (beispielsweise selektiv gefolgte User bei Twitter).

Gerade habe ich ein Buch zu Ende gelesen, das sich in einem Teil ebenfalls mit der Filterblase befasst, ohne diese aber beim Namen zu nennen oder sich spezifisch auf das digitale Leben zu fokussieren. In “The Righteous Mind” von Jonathan Haidt steht stattdessen die polarisierte politische Landschaft der Vereinigten Staaten im Mittelpunkt, wobei diese eigentlich nur als Hilfsmittel dient, um zu erklären, was menschliche Moralvorstellungen beeinflusst und wieso Personen mit ähnlichen Lebensläufen komplett unterschiedliche Weltanschauungen entwickeln können. Ich hatte das Werk bereits vor einigen Wochen kurz erwähnt. Mittlerweile kann ich konstatieren, dass ich inhaltlich und in Sachen Erkenntnisgewinn schon lange nicht mehr derartig viel von einer Lektüre mitgenommen habe. » weiterlesen

Flappy-Bird-Macher Dong Nguyen:
Ein echter Held

Mitten während des Höhepunkts der Hysterie um die Spiele-App Flappy Bird entschloss sich ihr Macher, die Verbreitung der Anwendung aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus zu beenden. Das macht Dong Nguyen zu einem Helden und Vorbild.

Flappy BirdDie Aussicht auf großen Reichtum, die Aggressivität und Systematik, mit der Akteure Märkte einnehmen und Wettbewerber aus dem Geschäft drängen, sowie der fragwürdige Gestalten anlockende hohe Status des Webentrepreneurs hat zur Folge, dass bei vielen die Netzwirtschaft prägenden Entscheidungen Kriterien abseits wirtschaftlicher Faktoren keinen Platz haben.

Mit Julian Assange oder Edward Snowden sind zwar in den letzten Jahren Personen in Erscheinung getreten, die alle anderen persönlichen und monetären Beweggründe ihren Ideale unterordneten. Doch eigentlich kann man beide nicht dem Kreis der klassischen Webwirtschaft zurechnen. Mit Dong Nguyen, dem Macher des Überraschungs-Spielehits Flappy Bird, blickt die Onlinewelt nun aber erneut auf einen Mann mit echten Idealen. » weiterlesen

Frauen erobern Berlins Startup-Szene:
Gründerinnen machen mobil – und in der Schweiz?

In Europas Startup-Hauptstadt Berlin machen zurzeit vor allem die Gründerinnen von sich reden – mit erfolgreichen Startups, neuen Ideen und charmanten Initiativen wie etwa Geekettes. Frauen erobern die Startup-Szene in Berlin und wollen nicht länger den Männer die Gestaltung der Zukunft überlassen. Doch wie steht es um Frauen in Schweizer Startups?

GeekettesFrauen sind in der Startup-Szene noch immer eine Ausnahme. Die Gestaltung des Internets und die Gründung von Tech-Unternehmen sind von Männern dominiert. Bei Konferenzen, Startup-Treffen und Workshops fallen die wenigen Frauen auf, einige Startups stellen absichtlich keine Frauen ein, weil sie die Programmierer von der Arbeit ablenken würden. Dazu kommt das Klischee, Frauen hätten keine Ahnung, wenn es um Technologie geht. All diese Klischees werden in der Berliner Startup-Szene nun gerade gewaltig über den Haufen geworfen: In den Medien werden zurzeit vor allem erfolgreiche Gründerinnen porträtiert, zahlreiche Startups heuern Frauen an und neue Initiativen wollen mehr Frauen zur Gründung ihres eigenen Unternehmens ermutigen.

Gründerinnen machen bei Geekettes mobil

Eine dieser Gruppe junger Startup-Gründerinnen nennt sich Geekettes. Founderin Jessica Erickson hat mittlerweile über 500 Frauen aus Startups für diese Gemeinschaft gewonnen. Der Name kommt von Geeks, Computerfreaks, also Geekettes. Ihre Mission: Sie will angehende und etablierte Tech-Innovatoren begeistern und sie für die Entwicklung, das Design und die Führung von Web-Startups oder auch allgemein Jungunternehmen gewinnen. Dazu führen sie Mentorship-Programme durch, organisieren Workshops und Netzwerk-Events in Berlin, aber auch in New York, London oder Maastricht.

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Ortsunabhängiges Arbeiten und Leben:
Wieso digitale Nomaden Nationalstaaten Kopfschmerzen bereiten werden

Noch ist das zeitweilige selbstbestimmte Arbeiten aus und Leben in fernen Ländern ein Privileg weniger. Doch wenn sich dies ändert, werden Nationalstaaten und ihre Funktionsweise vor einer Herausforderung stehen.

Digitale NomadenDas digitale Nomadentum ist noch immer nur ein Nischenphänomen. Die enorme Zahl an Blogs und Onlineinhalten rund um das ortsunabhängige, internetbasierte Arbeiten sagt nicht viel über die tatsächliche Verbreitung dieses Trends aus. Stattdessen muss man davon ausgehen, dass nur wenige selbstständig tätige Menschen überhaupt von dem Privileg Gebrauch machen können, auf freier Entscheidungsbasis von beliebigen Orten der Erde aus ihrem Beruf oder ihren Berufungen nachgehen zu können. Und für die meisten Büroangestellten gilt sowieso eine explizit oder implizit artikulierte Präsenzpflicht.

Doch es gibt Grund zu der Annahme, dass die Zahl der Personen, die sich temporär und ohne offizielle Entsendung von Auftrag- oder Arbeitgeber in anderen Städten oder Ländern niederlässt, privat oder beruflich, als länger andauernder Lebensstil oder einige Monate umfassendes Sabbatical, ansteigen wird. Die Veränderung von Arbeits- und Anstellungsverhältnissen, die fortschreitende Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten virtueller Dienstleistungen und Behördengänge, die Zunahme an internationalen und multikulturellen Liebesbeziehungen sowie die sich stets in massiven Abrufzahlen von Webinhalten zum digitalen Nomadentum niederschlagende Faszination vieler an dem Gedanken, vom Haus in den Bergen oder aus der zwischen zwei Palmen gespannten Hängematte den Lebensunterhalt zu bestreiten, lassen keinen anderen Schluss zu. Zwar blenden solche Klischeebilder die Schattenseiten des ortsunabhängigen Arbeitens vollkommen aus, aber ihre hohe Anziehungskraft kann bei direkter Gegenüberstellung zum Großraumbüro wahrlich nicht verwundern.  » weiterlesen

Forderung nach Ende-zu-Ende-Verschlüsselung:
Facebook, Google und Twitter geraten unter Zugzwang

Übertragene Daten so zu verschlüsseln, dass sie nur Absender und Empfänger einsehen können, gilt als eines der besten Mittel gegen Überwachung. Doch die dominierenden Webfirmen wie Google oder Facebook sträuben sich bislang gegen die Einführung.

Verschlüsselung

Eine der praktikabelsten Methoden, um der Massenüberwachung des digitalen Raums etwas entgegen zu setzen, ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das war eine der Botschaften des gestrigen Live-Stream-Auftritts von Whistleblower Edward Snowden beim South-By-Southwest-Festival im texanischen Austin. Mit dieser Form der Kryptographie, bei der Daten auf Endgeräten anstelle von Servern verschlüsselt werden und dadurch auf dem gesamten Übertragungsweg von Dritten nicht eingesehen werden können, würde die flächendeckende, anlasslose Überwachung für Geheimdienste schwieriger und deutlich teurer werden.

War das Verschlüsselungsverfahren vor einem Jahr nur den wenigsten Usern ein Begriff, haben in den letzten Monaten vor allem auf entsprechenden Mechanismen aufsetzende Smartphone-Messenger dafür gesorgt, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eine gewisse mediale Beachtung erhält. Dienste wie Threema, TextSecure oder Telegram (teilweise) verschlüsseln so, dass nur die Besitzer der Mobiltelefone Mitteilungen ihrer Gesprächspartner lesen können. Selbst die Betreiber wissen nicht, worüber sich Benutzer in den Chats austauschen.

Snowdens Plädoyer für die verschlüsselte Übertragung von Kommunikationsdaten als Gegenmittel zu exzessiver staatlicher Überwachung wirft die Frage auf, wann die Big Player des Internetgeschäfts End-to-End-Kryptierung implementieren. » weiterlesen

Fortgesetzter Wachstumsmotor oder destruktive Kraft:
Über die Frage, was Technologie mit der Welt macht

Bislang wurden technische Sprünge stets von Volkswirtschaften zur Maximierung von Wohlbefinden und Wohlstand genutzt. Heute mehren sich die Stimmen derjenigen, die in Frage stellen, dass weiterhin die effektivste Problemlösung auch die wünschenswerteste ist.

60sWir reisen ins Jahr 1964 in eine beliebige westdeutsche Großstadt. Das Wirtschaftswunder lässt blühende Landschaften entstehen und den Wohlstand der Bevölkerung rasant anwachsen. In den Flaniermeilen reihen sich Geschäfte aneinander, voll mit Konsumgütern, von denen Bürger zwei Dekaden zuvor nur träumen konnten. Musik erwirbt man im Plattenshop, Lektüre zum Versinken und Entspannen im Buchladen, und auch sonst existieren Spezialgeschäfte für alle nur erdenklichen Interessen und Notwendigkeiten. Das ein oder andere Kaufhaus bietet sogar alles unter einem Dach an. Der Boom sorgt für eine explosionsartige Zunahme der Arbeitsplätze. Weil sich nur wenige Prozesse effektiv automatisieren lassen, avancieren Handel, Service, Gastronomie und Produktion zu Jobmaschinen. Wer mit Verwandten, Freunden oder Kollegen in anderen Orten kommunizieren möchte und es sich leisten kann, nutzt das mit hohen Gebühren verbundene Telefon. Ansonsten ist der Brief das ideale Mittel zur Kommunikation über längere Entfernungen.

Die Verfahren, die vor 50 Jahren zum Einsatz kamen, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu stillen, stellten die jeweils bestmöglichen und effektivsten Lösungen dar. Und das galt eigentlich schon immer. Zumindest in der jüngeren Menschheitsgeschichte wurde das jeweils technologisch und logistisch Praktikable stets vollständig ausgeschöpft, um Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen. Die Herangehensweise, die zu einem beliebigen Zeitpunkt die besten Ergebnisse zur Lösung eines spezifischen Sachverhalts, Problems oder Bedürfnisses versprach, kam auch – zumeist begleitet von gewissen politischen und rechtlichen Regulierungen zur Verhindung ungewollter Nebenwirkungen – zum Einsatz. Man könnte es so ausdrücken: Die beste, sinnvollste und von aktuellsten technischen Innovationen Gebrauch machende Methode zur Ausführung einer beliebigen Konsum-, Wertschöpfungs- oder Kommunikationsfunktion galt auch als die gesamtgesellschaftlich attraktivste. » weiterlesen

Telegram:
Was man über den WhatsApp-Rivalen des “russischen Mark Zuckerberg” wissen sollte

Der Chat-Messenger Telegram ist ein absoluter Shooting-Star. Doch seine Macher, die Brüder Pavel und Nikolai Durov, lassen Transparenz vermissen, und ihre App ist weniger sicher als behauptet. Wie seriös ist der Dienst eigentlich?

TelegramDiverse Smartphone-Messenger profitieren derzeit vom Unmut einiger WhatsApp-Nutzer über die Akquisition durch Facebook. Eines besonderen Beliebtheitszuwachses erfreut sich Telegram, ein Chat-Service auf Open-Source-Basis, der wie berichtet in Dutzenden Ländern die Spitzenplätze der App-Charts belegt. Doch angesichts einiger die Seriosität und den versprochenen hohen Sicherheitsstandard in Frage stellender, von der Masse aber ignorierter Aspekte scheint es fast, als wiederhole sich mit Telegram die Geschichte von WhatsApp. Das wäre ironisch, ist es doch die Unzufriedenheit über den Verlauf der Dinge mit WhatsApp, die Millionen Nutzer gerade nach neuen Messengern Ausschau halten lässt.

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Das Internet ist kein Spielzeug mehr:
Wer über Technologie berichtet, trägt Verantwortung

Die Zeiten, in denen das Internet und digitale Technologie vor allem ein Spielzeug waren, sind vorbei. Mittlerweile geht es um die Zukunft unserer Gesellschaft – und um viele Milliarden. Wer über diese Themen berichtet, trägt eine ziemliche Verantwortung.

SpielzeugDas Internet und verwandte Technologien sind nicht mehr die Spielzeuge von einst, die Interessierte in kindliche Begeisterungsstürme ausbrechen ließen. Heute ist das Netz der Motor der Welt.

Ohne digitale Technologie geht nichts mehr. Und die Firmen, die einst, frisch aus den Garagen gekrochen, unsere Fantasie anregten, gehören heute zum milliardenschweren Establishment. Ihre Visionen sind nicht verschwunden. Doch ihre Macht, die Zwänge der Wirtschaft sowie die Bedürfnisse von Geldgebern und Aktionären erfordern es von ihnen, ohne Rücksicht auf Ideale zu agieren. Nicht Bosheit treibt sie an, sondern das System. Es herrscht purer Pragmatismus: Ob Kooperationen mit Geheimdiensten, Aufweichung der Netzneutralität, Verletzungen des Datenschutzes, Aufkäufe zum Nachteil von Anwendern, massive Steuervermeidung oder aggressiver Lobbyismus – was in den Augen der Technologiegiganten sein muss, muss eben sein.

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Das Ende des Roaming-Ärgers:
Ich habe die Zukunft gesehen

Hohe Roaminggebühren sind ein Ärgernis, das auch durch die Vörstöße der EU nicht ganz beseitigt wird. In den USA bietet T-Mobile unterdessen einen Tarif an, der einen Blick in eine Zukunft gestattet, in der Ländergrenzen nicht mehr die Onlinekommunikation einschränken.

RoamingIch habe gerade die Zukunft gesehen: Ich reiste in ein anderes Land und konnte dort ohne Wechsel der SIM-Karte über ein lokales Mobilfunknetz kostenfrei im Internet surfen. Ohne dass ich dafür bei meinem Provider ein spezielles Roamingpaket buchen musste. Ohne dass mir im Nachhinein für meine Webzugriffe zusätzliche Gebühren in Rechnung gestellt werden. Ohne dass ich meine Nutzung extrem einschränken muss, um nicht frühzeitig ein lächerlich niedriges Trafficlimit zu überschreiten. Und ohne dass ich für den Vertrag, der mir dies ermöglicht, mehr zahlen muss als für die Prepaid-Karte des selben Anbieters. » weiterlesen