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Krautreporter-Debatte:
Doch, Journalismus im Netz ist kaputt

Das Journalismusprojekt Krautreporter hat sich mit der Behauptung, dass Online-Journalismus kaputt sei, einige Feinde gemacht. Strategisch mag das falsch gewesen sein. Die Feststellung an sich ist es aber nicht.

NewsAm Freitagabend endet die Crowdfunding-Kampagne des schlagzeilenträchtigen – und hinsichtlich der Umsetzung umstrittenen – Journalismusprojekts Krautreporter. Dass sich bis dahin noch 5.000 Abonnenten mit der Bereitschaft finden, 60 Euro für das erste Jahr vorzustrecken, ist eher unwahrscheinlich. Die Gründe für das absehbare Verfehlen des Ziels fasste Christian Jakubetz am Dienstag in einem Blogbeitrag gut zusammen.

In einem entscheidenden Aspekt, der wenig mit den Krautreportern zu tun, möchte ich Jakubetz aber widersprechen. Er stört sich an der von den Krautreportern in ihrer Kommunikation recht deutlich betonten Parole, dass der Online-Journalismus kaputt sei, und dass sie dies ändern wollen. Sicherlich kann man darüber streiten, ob sich die Initiatoren des Projekts mit dieser Positionierung einen Gefallen getan haben. Anders als Jakubetz finde ich die These vom kaputten Online-Journalismus aber nicht so abwegig. » weiterlesen

Watchever-Gerüchte:
Netflix-Start wirft seinen Schatten voraus

Trotz einiger Erfolgsmeldungen ziehen über dem Video-on-Demand-Dienst Watchever dunkle Wolken auf. Gerüchte über Verkaufspläne sowie gar eine Schließung machen die Runde. Die Muttergesellschaft Vivendi könnte sich vor einem direkten Wettbewerb mit Netflix drücken wollen.

Dass der bevorstehende Deutschlandstart von Netflix für die hierzulande bereits präsenten Akteure im On-Demand-Filmsegment eine Herausforderung wird, daran gibt es wenig Zweifel. Zwar wird es dem US-Anbieter nicht leicht fallen, sich in Sachen Content signifikant von den Kontrahenten abzuheben. Dennoch ist davon auszugehen, dass die global etablierte Marke, die vorzügliche finanzielle Ausstattung und die über Jahre aufgebaute Expertise in Sachen Skalierung, Usability und Rechtepoker sich letztlich für Netflix als ein erheblicher Konkurrenzvorteil erweist.

Eine aktuelle Meldung zur Zukunft des hierzulande seit gut anderthalb Jahren verfügbaren Abodienstes Watchever überrascht aber trotzdem: Heise Online berichtet über eine Meldung der fanzösischen Finanz-Zeitschrift “Les Échos”, nach der die Watchever-Betreiberin, der französische Mediengigant Vivendi, einen Verkauf des VoD-Dienstes plant. Grund seien unter anderem hohe Verluste. 66 Millionen Euro verschlangen der Betrieb und das Marketing des Dienstes im vergangenen Jahr. Laut Heise erwirtschaftete der Service 12 Millionen Euro Umsatz. Im ersten Quartal 2014 soll der Verlust bei 21 Millionen Euro gelegen haben. » weiterlesen

Fußball-Weltmeisterschaft 2014:
Meine erste WM ohne TV-Anschluss

Die Zeiten, in denen man eine Fußball-Weltmeisterschaft nur mit einem Fernsehanschluss ernsthaft verfolgen konnte, sind vorbei: Schnelle Leitungen und leistungsfähige, legale Streamingdienste ermöglichen auch “Cord Cuttern” vollen Fußballgenuss. Mit einigen Einschränkungen.

FußballDie Fußballweltmeisterschaft 2014 steht vor der Tür. Für mich bedeutet sie dieses Mal ein Novum: Erstmals steht mir während der gesamten Laufzeit des Turniers kein linearer Fernsehanschluss zur Verfügung, um die Spiele anzuschauen. Vor zwölf Jahren wäre das einer kleinen Katastrophe gleichgekommen (sofern man es für angemessen hält, für die fehlende Möglichkeit zum Fußballgucken diesen drastischen Begriff zu verwenden). Glücklicherweise haben sich die Vorzeichen geändert und als ausschließlich über eine Internetverbindung verfügender Nutzer ist man nicht mehr darauf angewiesen, über schlechte Leitungen und obskure Peer-to-Peer-Dienste verpixelte Live-Streams chinesischer TV-Sender anzuschauen. » weiterlesen

Googles autonomes Fahrzeug:
Die Zukunft des Automobils, aber nicht die Zukunft der Mobilität

Aus technischer Sicht sind selbstfahrende Autos wie der von Google vorgestellte Prototyp eine echte Innovation. Als Mobilitätskonzept aber stellen sie lediglich alten Wein in neuen Schläuchen dar.

Selbstfahrendes AutoMobilität gehört zu den zahlreichen Bereichen des Alltags, die erst 20 Jahre nach dem Debüt des kommerziellen Internets die Konsequenzen dieser Technologie richtig zu spüren bekommen. Kaum noch zu überblicken ist die Zahl der Ansätze und Ideen, die von etablierten Branchengrößen, Technologiegiganten und Startups derzeit in Angriff genommen werden, und die von den Möglichkeiten der Digitalisierung Gebrauch machen, um Mobilität effizienter, bequemer und umweltverträglicher zu gestalten.

Googles selbstfahrendes Auto gehört hierbei zur Speerspitze dieser “Bewegung”. Zwar dürfte der kürzlich vorgestellte knuffige Prototyp wohl kaum das Zeug zum Verkaufshit haben. Mittelfristig werden es aber sicher auch autonome Fahrzeuge auf die Straße schaffen, die nicht aussehen, als würden jeden Augenblick 12 Clowns aussteigen. Auch Autohersteller wie Tesla, Volvo, Audi und Toyota verfolgen Pläne, Kfz-Besitzer von der Notwendigkeit zur Steuerung ihres Fahrzeugs zu befreien. » weiterlesen

Vernetztes Haus:
Apples HomeKit ist kein Erfolgsgarant, aber die bislang kraftvollste Initiative

Apples Framework für das intelligente Haus, HomeKit, hat gute Voraussetzungen, das smarte Heim endlich salonfähig zu machen. Eine Garantie für Erfolg gibt es nicht. Vieles hängt davon ab, ob sich Gadget-Hersteller ködern lassen – und ob es Apple wirklich ernst ist.

HomeKitAls Apple auf seiner Entwicklerkonferenz in der vergangenen Woche die Smart-Home-Plattform HomeKit präsentierte, war das keine Überraschung: Eine entsprechende Meldung machte bereits im Vorfeld ihre Runde durch die Presse. Nun, einige Tage nach der offiziellen Ankündigung, bleibt erst einmal offen, inwieweit HomeKit, das als Teil von iOS 8 im Herbst veröffentlich wird, sich zu einem Turbolader für das intelligente Heim entwickeln kann. Vieles hängt davon ab, ob Hersteller von smarten Haushaltsgeräten und Gadgets Apples HomeKit-APIs unterstützen werden.

Das ist durchaus wahrscheinlich. Denn sie können davon ausgehen, dass der Computerhersteller die neuen Möglichkeiten zur Steuerung des Hauses über Apps in seinem Marketing hervorheben wird. Wenn dies geschieht, dürfen die Hersteller von vernetzten Glühbirnen, Waagen, Steckdosen und Klimaanlagen auf eine erhöhte Nachfrage hoffen. Genau deren Fehlen gehörte bislang zu den entscheidenden Hindernissen, was den Aufstieg des Smart Homes anging: Für Konsumenten mangelt es an Anreizen, sich ernsthaft mit dem Theme auseinanderzusetzen und Geld in Geräte zu investieren. Mit einem (oder zwei) Giganten, die in die Bekanntmachung des Themas investieren, würde sich all dies sehr wahrscheinlich ändern. » weiterlesen

18-Milliarden-Dollar-Startup:
Wie Uber Taxiverbänden davonfährt

Uber sammelt 1,2 Milliarden Dollar ein und wird mit 18,2 Milliarden Dollar bewertet. Eine bessere Taxi-App, die keiner nutzt? Wer das glaubt, kann sich getrost an den Bahnhof setzen und zusehen, wie der Zug abfährt.

AutoGrundsätzlich müssen wir einen Fakt festhalten, um zu begreifen, warum viele Deutsche Uber nicht verstehen: Deutschland, der bisher größte unerschlossene Markt für Uber, funktioniert anders, als zum Beispiel San Francisco, wo der Unternehmen 2009 gegründet wurde. Wer dort mal versucht hat abends ein Taxi zu ergattern, sieht schnell ein, weshalb Uber in der “City by Bay” Potential hat. In Deutschland ist das anders: Taxis, und zwar mit einem höheren Sicherheitstandard als jede amerikanische Klapperkiste, gibt es an jeder Ecke. Außerdem fahren viele Menschen Fahrrad und profitieren von einem sehr guten Nahverkehrnetzwerk.

Trotzdem: Geplant ist, dass Uber noch dieses Jahr in sechs bis sieben weiteren Städten den Kunden die Türen aufhält. » weiterlesen

Lebensmitteleinkauf im Internet:
Supermarkt-Ketten in Gefahr

Auch wenn deutsche Verbraucher noch immer zögern, werden Supermärkte irgendwann im großen Stil ins Netz ziehen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich auch im Lebensmittel-Einzelhandel die “traditionelle” Verdrängung einheimischer Akteure durch Internetgiganten wiederholen könnte.

E-FoodWir reisen in das Jahr 2020. Nach langem Zögern habem sich auch die meisten Deutschen für den Online-Lebensmitteleinkauf geöffnet, angetrieben von immer bequemeren Benutzeroberflächen, günstigen Preisen, komfortablen, schnellen Lieferungen sowie der Erkenntnis, dass selbst der Erwerb von Frischeartikeln in der Regel zur vollsten Zufriedenheit erfolgt. Doch während sich die Verbraucher über die neuen Freiheiten freuen und den Gang durch die Supermärkte mit ihren hoch aufgestapelten, auf Abnehmer hoffenden Waren plötzlich als archaischen Prozess ansehen, zeichnen sich auf der Stirn von Führungskräften der lokalen Lebensmittelketten tiefe Sorgenfalten ab. Denn im E-Food-Geschäft dominieren nicht sie, sondern die IT-Mischkonzerne aus den USA. Amazon, eBay, Google. Ganze 66 Prozent des in Deutschland erwirtschafteten Umsatzes wird über die Riesen aus Übersee abgewickelt. Den ehemaligen Marktführern aus der Supermarkt-Ära – Edeka, Rewe, Metro und Co – brechen in ihrem Kernsegment die Erlöse weg. Auch ihre in der jüngsten Vergangenheit mit ansehnlichen Investitionen gestärkten Online-Lieferdienste konnten diesen Trend bislang nicht stoppen. » weiterlesen

Kennenlern-App Lovoo:
Wie ein Dresdner Startup ohne Investoren zum Millionenerfolg wurde

Jeden Monat wächst der mobile Kennenlern-Dienst Lovoo um eine Million Nutzer und erwirtschaftet über eine Million Euro Umsatz. Ganz ohne externes Kapital, dafür aber mit viel Geduld und Produktfokus hat sich das Startup in eine Position gebracht, in der vieles möglich scheint.

LovooAktuell sorgen zwei ernstzunehmende, auf den mobilen Einsatz fokussierte Kennenlern-Dienste mit einer internationalen Ausrichtung und ansehnlichen Wachstumszahlen für Aufmerksamkeit: Einmal der aus Los Angeles stammende Service Tinder, der mit rasanten Zuwächsen und einer hochsimplen, innovativen Benutzeroberfläche viele andere App-Konzepte inspiriert, und auf der anderen Seite das kleinere deutsche Startup Lovoo. Hinter der App aus Dresden steckt eine bemerkenswerte, unkonventionelle Erfolgsgeschichte. » weiterlesen

Foursquare und Swarm:
Eine Entbündelung allein macht noch keinen Erfolg

Die Aufteilung in zwei Apps sollte Foursquare mehr Schärfe verleihen. Doch leider hat der Schritt dem Dienst auch die Seele genommen.

SwarmIch habe mir über zwei Wochen Zeit gegeben, um mich mit Foursquares neuer Social-Networking-App Swarm und der Tatsache anzufreunden, dass der Check-In und die Interaktion mit meinen Kontakten nun nicht mehr über die Primär-App läuft. Zu Anfang genoss ich noch das Gefühl der Spannung und Vorfreude auf die groß angekündigte Anwendung. Doch – wie so oft bei neuen Apps – trat schnell Ernüchterung ein. Und jetzt ist die Zeit für ein Urteil reif: Die Aufsplittung von Foursquare in zwei verschiedene Services wirkt auf mich wie eine Verschlechterung.

Jedes Mal, wenn ich Swarm öffne, um einen Check-In zu praktizieren, begleitet mich das seltsame Gefühl, dass dieser Prozess in die originale Anwendung gehört und aus dieser unnötigerweise herausgerissen wurde. Auch einen halben Monat nach dem Debüt. Die Trennung von Location-Empfehlungen und sozialen Features mag für die Foursquare-Macher auf dem Papier sinnvoll erscheinen. In der Praxis fühlt sie sich fremd und unnatürlich an – speziell wenn man beide Aspekte parallel verwendet und ständig zwischen den zwei Apps hin- und herwechseln muss.  » weiterlesen

Showrooming:
Kein Fluch sondern ein Retter des Einzelhandels

Die zunehmende Neigung der Konsumenten, Güter im Internet und nicht im Geschäft um die Ecke zu kaufen, muss nicht zwangsläufig zu verödenden Innenstädten führen. Showrooms ohne Möglichkeit zur Direktmitnahme von Produkten könnten sich als Retter für die Branche erweisen.

Geschäft

Prophezeiungen darüber, wie die Zukunft aussehen wird und welche Technologien in einigen Jahren unseren Alltag prägen werden, sind traditionell fehleranfällig. Als am sichersten erweisen sich die Vorhersagen, die sich auf hinreichend existierende Daten stützen – die sich damit also gewisserweise schon halbwegs bewahrheitet haben. Das betrifft etwa die Prognose des Niedergangs von Tageszeitungen. Oder auch das langsame Sterben des stationären Handels, das sich vor allem durch Insolvenzen etablierter Handelsketten und das ungebrochene Wachstum des E-Commerce bei parallel deutlich geringerer Zunahme des Gesamtmarktes ankündigt.

Ein mit der Veränderung des Handels einhergehendes Phänomen ist das sogenannte “Showrooming”. Darunter versteht man die Begutachtung von Produkten durch Konsumenten im Ladengeschäft mit anschließendem Online-Kauf. Was für Verbraucher (informierte Kaufentscheidung) und Webshops (reduzierte Retourenrate) Vorteile bringt, bereit den meisten stationären Geschäften verständlicherweise Kopfschmerzen. Denn ihnen entgehen die Umsätze, die sie zum Überleben brauchen. Laut einer aktuellen Untersuchung von Tradedoubler entschlossen sich 22 Prozent der Europäer, die in einem Geschäft per Smartphone zu Waren recherchierten, für den späteren Online-Erwerb. 20 Prozent verzichteten ganz auf einen Kauf und weitere 20 Prozent schlugen in einem anderen physischen Geschäft zu. Nur 19 Prozent erwarben ein Produkt an Ort und Stelle. In einer britischen Umfrage zeigte sich, dass fast die Hälfte der Verbraucher Showrooming praktizieren. » weiterlesen