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Urnengang im digitalen Zeitalter:
Die Qual der Wahl

Eine deutsche Studie fand heraus, dass sich der Zugang zu Breitbandinternet tendenziell negativ auf die Wahlbeteiligung auswirkt. Die genauen Gründe wurden in der Studie nicht geklärt und so bietet die Feststellung Anlass zur Spekulation.

WahlenÜblicherweise werden leere Wahlversprechen, wenig charismatische Politiker und fragwürdige politische Entscheidungen als Gründe einer allerorts sinkenden Wahlbeteiligung genannt. Dennoch will eine im Sommer veröffentlichte Studie zusätzlich dazu in Deutschland einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen sinkender Wahlbeteiligung und der Verfügbarkeit von Internet hergestellt haben.

Im Wesentlichen erläutern die Autoren von „E-lections: Voting Behavior and the Internet“ (PDF), Oliver Falck, Robert Gold und Stephan Heblich, das Ergebnis ihrer Studie so: Das Internet werde deutlich öfter für Unterhaltungskonsum als für politische Informationsbeschaffung genutzt und verdränge das bisher prominenteste politische Informationsmedium, das Fernsehen. Im Unterschied zum Internet wird man dort in einer Art Frontalunterricht adressiert: Auf den meisten Sendern gibt es zu fixen Zeiten Nachrichten. Das Ansehen selbiger ist ein seit Beginn der Fernsehgeschichte eingeübtes Ritual, einst bestand das Programm der Fernsehanstalten aus nicht viel mehr als Nachrichten. Das Internet ist hingegen auf Interaktivität statt Belehrung ausgelegt und lässt dem Nutzer die Wahl, wann und insbesondere wie Nachrichten konsumiert werden. » weiterlesen

Dringend gesucht:
Alternativen zur Werbefinanzierung

Mit kostenlos angebotenen Diensten und Informationen kann man zwar schnell viel Reichweite erzielen. Doch zunehmend dämmert Nutzern und Lesern, welche Nachteile das mit sich bringt. Es wird Zeit, dass es mehr Experimente mit Alternativen gibt.

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„Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Diesen Fehler werden wir nicht korrigieren können.“ So hatte sich vor nun über fünf Jahren „Bild“-Chef Kai Diekmann geäußert. Was er damit meinte: Er und seine Kollegen hatten ihre Inhalte über Jahre hinweg freiwillig an die Leser verschenkt und bekamen das nicht so einfach wieder zurückgedreht.

Lange Zeit galt  „kostenlos“ als der beste Preis im Netz. Der Grund: Man kann darüber Reichweite erzielen, die dann im Nachhinein in Geld verwandelt werden soll. Werbebanner sind hier vielfach das Mittel der Wahl, oftmals ausgeliefert über große Werbevermarkter. Das funktioniert zwar bisweilen gut. Inzwischen macht sich aber die Erkenntnis breit: Das gilt nur für eine beschränkte Zahl an Angeboten und für bestimmte Formen von Diensten und Inhalten – ob es nun um Nachrichten, Social Networks oder Apps geht. Auch die Nutzer merken: Es ist zwar erst einmal eine schöne Sache, etwas geschenkt zu bekommen. Nur gibt es dafür stets einen Haken.  » weiterlesen

Eskapaden der Technologiebranche:
Warum es gut ist, mit Zynismus sparsam umzugehen

Die Technologiewirtschaft ist heutzutage so angreifbar wie lange nicht mehr. Doch so sehr abwegige Startup-Ideen und die Fixierung auf nur inkrementelle Verbesserungen zu zynischen Bemerkungen animieren – an vielen weniger beachteten Fronten arbeiten Entrepreneure und Ingenieure daran, die Lebensqualität und -umstände von Menschen aus aller Welt zu verbessern. Das wird gerne vergessen.

selfie220In Anbetracht der Fülle von Me-Too-Apps rund um Fotos, Social Networking und Selbstdarstellung sowie des anhaltenden “Lazy-Tech”-Booms, der gerade mit einem frisch gestarteten US-Lieferdienst für Bargeld seinen neuen tragischen Höhepunkt erreicht, ist die Verlockung groß, in Zynismus über die scheinbar stagnierende Entwicklung des Technologiesektors zu verfallen. Diese Stimmung verringert sich nicht gerade, wenn man bedenkt, wie in vielen Teilen der Welt Menschen durch Armut, politische Konflikte, gesundheitliche Missstände oder Naturkatastrophen nicht einmal ihre Grundbedürfnisse stillen können und kaum von den Möglichkeiten profitieren, die uns heute zur Verfügung stehen.  » weiterlesen

Die Blasen-Debatte und das IPO-Fenster:
Börsenfieber vor dem möglichen Sturm

Die Internetbranche erlebt derzeit eine Welle von Börsengängen. Das lauter werdende Gerede über das Vorhandensein einer womöglich bald platzenden Blase setzt Firmen unter Druck, schnell zu handeln.

Alibaba zeigt: Zeitpunkt für IPO ist gut

Lange nicht mehr haben sich so viele Schlüsselfiguren der Internetbranche bedenklich über die aktuelle Lage des Wirtschaftszweigs geäußert. Mal mehr, mal weniger leise köchelt die Debatte über eine eventuell vorhandene Überhitzung des Marktes, ausgelöst durch zu viel in ihn fließendes Kapital und sich in XXL-Bewertungen widerspiegelnde überzogene Erwartungen, zwar seit einigen Jahren vor sich hin. Doch mittlerweile offenbaren selbst überzeugte Optimisten unter den Investoren Zweifel daran, wie lange sich die Aufwärtsspirale und das ausufernde Geldverbrennen bei manchen Firmen noch fortsetzen lässt.

Da niemand tatsächlich in die Zukunft schauen kann, bleiben Mutmaßungen über ein bevorstehendes Platzen der Blase so lange nichts als Mutmaßungen, bis das prognostizierte Ereignis eintritt.

Allein das ständige Gerede über Blasen hat aber mindestens eine konkrete Auswirkung, die ungeachtet des Eintreffens oder Nichteintreffens eines “Crashs” das Handeln von Onlinefirmen beeinflusst: Wer Börsenpläne hegt, wird sich dazu animiert fühlen, diese unbedingt vor einer plötzlich eintretenden Abkühlung zu verwirklichen.  » weiterlesen

Rocket Internet:
Mit der Bestätigung deutscher Klischees zu internationaler Anerkennung

Wurde es anfänglich maximal belächelt, hat sich Rocket Internet mittlerweile auch international Anerkennung und Respekt erarbeitet. Das Unternehmen wird durch seinen medial intensiv bewachten Aufstieg zum Botschafter der hiesigen Webwirtschaft – und erfüllt dabei auf fast schon komische Weise die Klischees, die man sich so in der Welt über Deutsche erzählt.

Im Zuge seines Börsengangs sowie des IPO seines Flaggsschiff-Projekts Zalando hat die Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet kürzlich ein Promotion-Video veröffentlicht (auch eingebettet am Ende dieses Artikels). In gut sieben Minuten erklärt die Firma darin ihre Strategie, systematisch und mit berauschender Geschwindigkeit und ausgeklügelter Planbarkeit rund um den Globus bewährte Onlinekonzepte hochzuziehen.

Besonders an dem Imagefilm ist, wie er die deutsche Herkunft und alle damit verbundenen kulturellen Assoziationen auf eine subtile Weise in den Mittelpunkt stellt und bei Zuschauern in der Wahrnehmung verankert: Viele der Protagonisten, die in dem englischsprachigen Video zu Wort kommen, fallen durch ihre heftigen deutschen Akzente auf. Allen voran natürlich Rocket Internets geistiger Vater und primärer Antreiber, Oliver Samwer, der für seine harte deutsche Aussprache und sein “holpriges Englisch” bekannt ist. Neben Samwer äußern sich diverse weitere Führungskräfte aus der Rocket-Riege. Bei manchen von ihnen reicht eine Sekunde, um ihre Herkunft aus Deutschland zu “erraten”.  » weiterlesen

Internetwirtschaft:
Deutschland braucht Megafunds mit rein deutschem Fokus

Die Internetwirtschaft Deutschlands und Europas muss sich gegen die kraftvollen, milliardenschweren Akteure des Silicon Valley sowie gegen die wachsenden Giganten aus Fernost behaupten. Ohne umfangreiche VC-Funds, die sich ausschließlich auf den hiesigen Markt konzentrieren, wird dies schwer.

Thomas Grota ist Investment Director bei T-Venture, dem Venture Capital Arm der Deutschen Telekom AG. Mehr zum Autor am Ende des Artikels.

In den letzten Wochen haben mich verschiedene Journalisten, Gründer und Investoren gefragt, welcher eine Aspekt sich meiner Meinung nach ändern müsste, damit es in der deutschen Internetwirtschaft mehr Gewinner geben könnte als heute.

Meine Antwort war zwar simpel, jedoch hat sie bei manchen für Verwunderung gesorgt: Deutschland braucht Megafunds, die einen reinen Fokus auf Deutschland haben.

Der Investmentschwerpunkt könnte auch auf weiteren europäischen Ländern liegen, jedoch müssten dann noch viel größere Kapitalmengen für diese Gesamtzahl an Ländern zur Verfügung stehen. Das Modell lässt sich entsprechend mit genügend Kapital auf ganz Europa ausweiten. Was in einem Land funktioniert, wird auch für ganz Europa gelten. Es liegt also kein nationaler Hintergedanke in dieser Schlussfolgerung. Dekliniert man dieses Modell erst einmal für die stärkste Wirtschaftsnation in Europa durch, kann man es im Anschluss auf die anderen Ländern ausdehnen. Der einzige limitierende Faktor bleibt die verfügbare Kapitalmenge.  » weiterlesen

Crowdfunding:
Die Plattformen müssen ihre Nutzer besser schützen

Kickstarter, Indiegogo und andere bieten faszinierende Chancen für Gründer, sind aber ebenso Bühne für Betrug und Selbstüberschätzung. Die Plattformen tun bislang zu wenig, um ihre Nutzer zu schützen.

Startseite von Indiegogo

Startseite von Indiegogo

 

Indiegogo und Kickstarter haben das Prinzip Crowdfunding groß gemacht: Es sind Plattformen, bei denen Erfinder und Gründungswillige auf Unterstützer, Geldgeber und potenzielle Kunden treffen. Das Prinzip: Die Macher stellen ihre Projektidee vor und bitten bei den Nutzern um Geld. Diese bekommen im Gegenzug eine Belohnung, bei Hardware-Projekten wird oftmals das fertige Gerät zu einem Sonderpreis und vor dem offiziellen Marktstart versprochen.

Es gibt in diesem Bereich Erfolge wie die Pebble Smartwatch, aber auch etliche Projekte, die niemals ihre Versprechen erfüllen konnten. Manchmal hatten die Gründer den Mund zu voll genommen, manchmal haben sie sich verkalkuliert, manchmal spielte ihnen ein unvorhergesehenes technisches Problem einen Streich und manchmal hatten sie vielleicht niemals vor, wirklich ein Produkt auszuliefern. » weiterlesen

Die ökonomischen Effekte von Streaming:
Die Musikwirtschaft hat Grund zu Optimismus

In der öffentliche Debatte wird Musikstreaming meist als ökonomisch unattraktiv charakterisiert. Doch befreit man sich von gewissen Vorstellungen darüber, wie die Wertschöpfung mit Musik ablaufen muss, dann besteht Grund zu viel Optimismus.

Die jüngsten Äußerungen von Herbert Grönemeyer zum Thema Musikstreaming sowie einige Kommentare zu unserem Artikel zeigen nicht nur, dass nach wie vor Uneinigkeit darüber besteht, ob Streaming aus Sicht der Künstler und Branchenvertreter primär eine Marketing- oder eine Umsatzfunktion zukommt. Es wird in der Debatte auch noch ein anderer Konflikt deutlich, der auf eine aus dem analogen Zeitalter stammende Denkweise zurückzuführen ist: Anstatt dass der Gesamtumsatz oder der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz einer sich wandelnden Branche als vorrangige Erfolgsindikatoren herangezogen werden, versteifen sich Kritiker des aktuellen Wandels auf schiefe Vergleiche zwischen einstigen Power-Käufer-Erlösen und heutigen, scheinbar bescheidenen Umsätzen aus Streaming.  » weiterlesen

Plattformen und die “Sharing Economy”:
Warum die Vermittlungsgebühren sinken müssen

Das Geschäftsmodell einschlägiger Dienstleistungs-und On-Demand-Service-Plattformen basiert darauf, Auftragsarbeiter flexibel und bedarfsorientiert einzusetzen und zehn bis 20 Prozent der Umsätze als Vermittlungsgebühr einzubehalten. Zunehmende Konflikte rund um dieses Konzept illustrieren jedoch, dass eine derartige Provisionshöhe auf Dauer viel zu hoch ist.

ProvisionenDie Online- und Offline-Welt wachsen zusammen, immer mehr Firmen und Startups agieren in beiden Sphären parallel. Oft kombinieren sie digitale Marktplatz- und Plattformaspekte mit im “realen” Leben ausgeführten Dienstleistungen wie etwa Lieferservices, Putzdienste, Beförderungsvorgänge oder die temporäre Bereitstellung von Unterkünften.

Während derartige Ansätze für Konsumenten und Menschen auf der Suche nach Nebeneinkommen eine Reihe von Vorteilen mitbringen, besitzen sie eine Schattenseite, die in jüngster Zeit verstärkt in den Fokus der öffentliche Debatte gerät: Viele der physischen Services, die von derartigen Onlineangeboten vermittelt werden, setzen nicht auf festangestellte Arbeitskräfte sondern beschäftigen Personen, die quasi-selbstständig tätig sind. Das Resultat sind Beschäftigungsverhältnisse ohne die bei Festanstellungen gesetzlich geregelten Sozial-, Urlaubs- und Sicherheitsleistungen. Kritiker und Betroffene sehe darin eine Rückkehr zu den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen des frühen Industriezeitalters. Sascha Lobo bezeichnete das Phänomen jüngst kritisch als “Plattform-Kapitalismus”. » weiterlesen

Visitenkarten:
Eine “Erfolgsgeschichte” des Widerstands gegen Technologie

In einer Zeit, in der jeder Mensch ein Smartphone mit sich herumträgt, erscheinen Visitenkarten wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Doch an ihrer Popularität und Akzeptanz als Standard des Kontaktaustauschs hat sich bis heute trotz zahlreicher Startup-Vorstöße wenig geändert.

VisitenkarteDie derzeit sehr in den Medien präsente Taxibranche gehört zu den Bereichen des analogen Lebens, deren Vertreter den bisher intensivsten Widerstand gegen “Eindringlinge” aus dem Internetsektor leisten. Um die bisherigen Konventionen und Strukturen dieses Gewerbes aufzubrechen, müssen die neuen Akteure selbst auf faule Tricks und aggressivstes Geschäftsgebaren setzen.

Die Frage, ob es überhaupt einen anderen Alltagsbereich gibt, in dem Jungfirmen aus dem Netz auf so massive Herausforderungen treffen wie im Individualbeförderungs-Segment, könnte man fast mit “nein” beantworten. Doch in mindestens einer anderen Sparte tun sich Protagonisten aus dem Web noch schwerer – und das ohne ein über Jahrzehnte entstandenes Kartell, das sich ihnen mit aller Kraft in den Weg stellt: Ich spreche von Anbietern, die versuchen, die Visitenkarte zu ersetzen. Seit einer gefühlten Ewigkeit kann man Startups zu diesem Thema kommen und gehen sehen – doch auch 2014 ist die Visitenkarten-Übergabe ein elementarer Bestandteil von Besprechungen, Veranstaltungen und geschäftlichen Zusammentreffen. » weiterlesen