2077 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Forderung nach weltweiter Linklöschung:
EU-Datenschützer wollen die Büchse der Pandora öffnen

Die aktuelle Löschpraxis im Umgang mit dem Recht auf Vergessen ist ineffektiv. Doch anstatt die Sinnlosigkeit der Regelung zu erkennen, wollen Datenschützer alles noch schlimmer machen.

Wäre dies hier der Postillon, dann würde dieser Artikel vielleicht mit einer Geschichte über ein umstrittenes autoritäres Oberhaupt eines kleinen Inselstaats beginnen, das Google aus irgendeinem absurden Grund zur Entfernung aller Wikipedia-Einträge aus den Suchergebnissen der lokalen Suche zwingt. Weil die Inselbewohner über ausländische Google-Versionen und die Nutzung von VPNs noch immer Wikipedia-Links in den SERPs vorfinden, fordert der Herrscher über 27.000 Bürger das US-Internetunternehmen nun auf, die Verweise zu der Enzyklopädie weltweit aus den Ergebnisseiten zu löschen. Also auch für google.com und google.

Doch wir sind hier nicht beim Postillon. Daher folgen Tatsachen: Wie Golem unter Berufung auf die britische Financial Times (Registrierung erforderlich) berichtet, kommt der Wunsch nach einer weltweiten Löschung von Suchresultaten nicht von einer Südseeinsel. Stattdessen stammt er von europäischen Datenschützern. Auch geht es ihnen nicht um die Entfernung der Wikipedia (noch nicht) sondern um Einträge, die im Rahmen des “Rechts auf Vergessen” seit kurzem bei den europäischen Google-Versionen entfernt werden. » weiterlesen

Israel-Gaza-Konflikt im Netz:
Heute schon unbeherrscht und auf niedrigstem Niveau gestritten?

Der Israel-Gaza-Konflikt polarisiert die Kommentarspalten im Netz. Speziell dann, wenn unter Pseudonym diskutiert wird. Wieso verspüren erwachsene Menschen den Drang, richtig die Sau rauslassen zu müssen, wenn niemand sie erkennt?

Dem Konflikt zwischen Israel und Palestina kann niemand entkommen, der Zeit in sozialen Medien verbringt. Seit dem Aufflammen der Gewalt fällt es vielen Menschen schwer, ihre Empörung und ihre Parteinahme für die eine oder andere Seite für sich zu behalten. Hitzige Debatten sind die Folge; bei Twitter, Facebook und in den Kommentarspalten von Nachrichtenangeboten und Blogs.

Besonders leicht aus dem Ruder geraten die Diskussionen dort, wo Meinungsäußerungen unter frei wählbaren Pseudonymen veröffentlich werden, also nicht unmittelbar einer speziellen Person zuzuordnen sind. Das Thema polarisiert dermaßen, dass der Wille, die Contenance zu behalten, mitunter bei der ersten gefühlten Provokation aufgegeben wird. Sofern er überhaupt vorhanden war. » weiterlesen

Bewertung von Uber:
Die Kraft und Bedeutung von Netzwerken wird unterschätzt

Wieviel Uber wirklich wert ist, kann niemand genau sagen. Gerne unterschätzt wird in Analysen aber die unternehmerische Kraft und Bedeutung von Netzwerken.

uberDie massive Bewertung des Beförderungsdienstes Uber – die zuletzt bei wahrlich mächtigen 18,2 Milliarden Dollar gelegen haben soll – veranlasst viele Beobachter zu ausgiebigen Spekulationen darüber, ob dies in irgendeiner Form gerechtfertigt sein kann.

Nicht selten wird dabei eine Eigenheit des Unternehmenskonzepts als besondere Schwäche dargestellt, nämlich dass Uber keinen eigenen Fuhrpark habe, sondern Limousinen-Anbieter sowie Privatpersonen als Fahrer anheuere. Gerne folgt im Zuge einer solche Argumentation ein Vergleich mit einem Old-Economy-Unternehmen mit vergleichbarer Marktkapitalisierung, um die angebliche Absurdität der Investorenerwartungen aufzuzeigen.

So heißt es etwa in diesem Beitrag bei Spiegel Online zum gestern bekannt gewordenen Verbot von UberPop in Hamburg: “Damit wird das Unternehmen, das selbst über keine eigene Flotte verfügt, in etwa so hoch bewertet wie die Autovermietung Hertz.” » weiterlesen

Amazons E-Book-Umsätze:
Selfpublishing fordert führende Buchverlage heraus, und das ist gut

Milliardenschwere Buchverlage beklagen sich über Amazons erpresserische Verhandlungstaktiken. Dem Konflikt zugrunde liegt ein erheblicher, maßgeblich von Amazon ausgelöster Bedeutungsverlust der alteingesessenen Branchenakteure im E-Book-Markt. Aus Sicht von Konsumenten und Autoren ist diese Entwicklung gar nicht schlecht.

BuchSeit einigen Wochen eskaliert ein Konflikt zwischen führenden Buchverlagen und Amazon. Einige schwergewichtige Vertreter bezichtigen Amazon der Erpressung. Der Onlinehändler verzögere gezielt die Auslieferung gedruckter Bücher, um sich bessere Konditionen und Rabatte zu erzwingen. In den USA sind derartige Vorwürfe unter anderem vom Verlag Hachette zu hören. In Europa fühlt sich das schwedische Medienhaus Bonnier von Amazon unrechtmäßig unter Druck gesetzt. Zuletzt reichte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wegen des in seinen Augen zweifelhaften Geschäftsgebarens beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen Amazon ein. » weiterlesen

Der Unterschied zwischen dem Silicon Valley und der Welt:
“Alle raten einem immer, eine Firma zu gründen”

Viele Regionen und Technologie-Cluster versuchen, dem Silicon Valley nachzueifern. Doch solange nicht Unternehmertum als ultimative Lösung in allen Lebenslagen gesehen wird, kann daraus nichts werden.

ValleySeit mindestens einem Jahrzehnt debattieren Protagonisten der deutschen Internetwirtschaft über die Frage, wie man hierzulande die Dynamik und Erfolge des Silicon Valley nachahmen kann. Mit dem, was dazu gesagt und geschrieben wurde, lassen sich dicke Bücher füllen. An etablierten oder angestrebten Gründer-Hotspots in anderen Ländern beschäftigt man sich mit der gleichen Frage.

Gründe, warum das Silicon Valley zusammen mit der angrenzenden Metropole San Francisco so einmalig und in dieser Form nicht kopierbar ist, gibt es freilich viele. Doch anstatt dazu Aufsätze zu schreiben, reicht es im Prinzip, auf diesen am Wochenende erschienenen TechCrunch-Artikel zu verweisen. Es geht um ein Phänomen, welches für Europäper so fremd und unvorstellbar ist wie der Gedanke, das ganze Jahr in kurzer Hose und Flipflops durch die Gegend zu laufen: Wer im Valley in eine Lebenskrise rutscht, ein Beziehungsende miterlebt, gelangweilt ist oder gerade einen Job verloren hat, hört stets die Empfehlung, ein Unternehmen zu gründen. » weiterlesen

Zusammenprall:
Das Netz trifft auf eine Welt voller Quatsch und Illusionen

Viele alltägliche Grundannahmen, Geschäftspraktiken und Bräuche entpuppen sich bei genauerem Hinschauen als Quatsch, historische Unfälle oder pure Illusion. Im Netzzeitalter werden mehr Menschen mit dieser Realität konfrontiert.

Diamant

Das Internet verändert die Welt und das Leben ihrer Bewohner auf vielfältige Weise. Ein ganz besonders bemerkenswerter Effekt ist, wie die digitale Vernetzung Normen, Konventionen und Traditionen in Frage stellt. Die Art, wie Wirtschaftssysteme, Wertschöpfungsketten und Gesellschaften in der analogen Ära funktionierten, erscheint plötzlich nicht mehr alternativlos. Vorgänge und Annahmen, die bislang als das “Normale” galten, zeigen Anzeichen historischer Unfälle.

Was mindestens seit dem Beginn des Industriezeitalters eine Selbstverständlichkeit war, wirkt heute dank des wissenschaftlichen, technischen und intellektuellen Fortschritts überholt und ineffektiv. Doch regelmäßig wird deutlich: Der Mensch tut sich extrem schwer damit, die existierenden Strukturen und die das Zusammenleben und Wirtschaften regelnden Übereinkünfte an die neue Realität anzupassen. Anders ausgedrückt: Die Technologie prescht voran und die Gesellschaft hinkt mit halbem Tempo hinterher, zerrissen zwischen dem Wunsch nach Optimierung sowie Behebung von Missständen und dem nach Erhalt des zwar nicht perfekten, aber wenigstens vertrauten und für alte Gatekeeper lukrativen Status Quo.

Aaron Swartz, Programmierer-Talent, Mitgründer von Reddit und politischer Aktivist, gehörte zu den Menschen, die frühzeitig erkannten, wie das Internet die bestehende Ordnung in Frage stellt. Sein Leben, das mit einem tragischen Suizid im Alter von 26 Jahren endete, wurde gerade in einer sehenswerten Dokumentation verfilmt (YouTube-Link). » weiterlesen

Digitales Zeitalter:
Wie das Internet unsere Identität beeinflusst und verändert

Die Gegner des ausgeprägten Trends zum Leben und Arbeiten im Internet wettern schon seit Jahren: Das Internet lenkt ab, verschlechtert unsere Konzentrationsfähigkeit, lässt unsere reale Identität verschwimmen, wenn nicht sogar verschwinden. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter des technologischen Fortschritts und der globalen Vernetzung. Für viele Menschen sind beide Positionen fühlbar.

InternetDas Internet verändert unsere Identität und Realität und konstruiert diese gleichzeitig neu, denn ohne dieses Medium gäbe es viele alltägliche Dinge und Möglichkeiten gar nicht. Stundenlanges kostenfreies Skypen mit der besten Freundin in Neuseeland, über die Live-Cam das Wetter in Tokyo checken oder unzählige Online-Kurse besuchen, um einen Abschluss zu erlangen, ohne jemals ein Hochschulgebäude von innen gesehen zu haben (so genannte Massive Open Online Courses – MOOC). Durchschnittlich verbringen die Deutschen außerhalb ihrer Arbeitszeit 169 Minuten pro Woche im Netz72 Prozent der Befragten geben an, dass sie „zielgerichtet bestimmte Angebote/ Informationen suchen“ und 44 Prozent, dass sie vor allem „einfach so im Internet surfen“. » weiterlesen

Drei Jahre später und mitten im Sommerloch:
Google+ entfernt den Klarnamenzwang

Vor Jahren stand der Klarnamenzwang von Google+ in der Kritik. Heute, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Zukunft des Dienstes unsicherer denn je ist, entfernt Google die Begrenzungen.

Unerwartet hat Google für Google+-Benutzerkonten den Klarnamenzwang sowie bisherige Verifizierungsmodalitäten für Pseudonyme abgeschafft. Ab sofort sind Nutzer bei der Wahl ihrer Namensangaben im Profil völlig frei, wie in einem Google+-Post verkündet wird.

Überraschend ist der Schritt, weil die Debatte über Sinn und Unsinn der Erforderlichkeit des Klarnamens bei Google+ schon drei Jahre zurückliegt. Damals befand sich die kurz zuvor eingeführte, alle Google Dienste vernetzende “soziale Ebene” für den Internetgiganten gewisserweise noch im Aufwind. Zumindest waren Google und leidenschaftliche Nutzer des Social Networks voller Hoffnung. » weiterlesen

“Superkräfte”:
Wer programmieren kann, formt sich die Welt

Programmieren zu lernen, ist heutzutage ein populärer Karriere-Ratschlag, getrieben von IT-Fachkräftemangel und der Vorstellung, dass Jobs in Zukunft entsprechende Kenntnisse voraussetzen. Ein weiteres Argument sollte aber nicht ignoriert werden: Wer weiß, wie man Code schreibt, kann Ideen, Konzepte und Fantasien einfach selbst umsetzen.

Coding“Jeder Mensch sollte Programmieren lernen”. So lautet eine in mal mehr, mal weniger abgeminderter Form, manchmal bestimmte Berufsgruppen in den Fokus stellende, häufig zu hörende Empfehlung. Ein Parole, die natürlich nicht ohne Widerspruch bleibt. Konsens herrscht aber insoweit, als dass für Kinder, Schüler und Menschen in bestimmten Professionen – wie Journalisten – die Vermittlung beziehungsweise Aneignung von Programmier- und IT-Kenntnissen heute als besonders wichtig gilt.

Triebkräfte hinter dem lauten Ruf nach Programmierkenntnissen als Element der künftigen Allgemeinbildung sind sowohl der verbreitete IT-Fachkräftemangel bei Firmen als auch sozial- und gesellschaftspolitische Bedenken, dass im künftigen Arbeitsmarkt nur bestehen können wird, wer in der Lage ist, Maschinen Anweisungen zu geben.

Ein anderer Faktor wird in der Argumentation dagegen häufig vernachlässigt, könnte aber im Endeffekt eine besonders effektive Wirkung haben: Er resultiert aus der Frage, wie sich Volkswirtschaften und Gesellschaften entwickeln und Individuen selbstverwirklichen würden, wären viele in der Lage, Code zu schreiben. » weiterlesen

payleven und die Kooperation mit PayPal:
Keine Angst vor Kannibalisierung

Der Berliner Anbieter eines mobilen Kartenlesegeräts, payleven, macht gemeinsame Sache mit PayPal. Händler und Gastronomen können über payleven kontaktlose PayPal-Zahlungen entgegennehmen. Das zu Rocket Internet gehörende Startup zeigt, dass es vor Kannibalisierung keine Angst hat.

paylevenpayleven, das von Rocket Internet vorangetriebene Fintech-Startup aus Berlin, das Privatpersonen, Händler und Kleinunternehmen mit einem mobilen Geldkarten-Lesegerät ausstattet, ist schon länger ein Sonderling innerhalb der Samwer-Copycat-Schmiede: Während die Philosophie des Inkubators es ist, erfolgreiche Webkonzepte aus den USA mittels eines perfektionierten Systems in möglichst vielen Märkten nachzubauen, fielen payleven häufiger mit originellen und innovativen Vorstößen auf. payleven agiert in der von einer Vielzahl von Startups bevölkerten Kategorie mobiler Cardreader eher als Innovationsführer statt als Nachahmer.

Dieser Linie bleibt der Dienst auch im Jahr 2014 treu: Gestern gaben die Hauptstädter eine Zusammenarbeit mit der eBay-Tochter PayPal bekannt – unseres Wissens nach ein Novum in dem Segment. Im Rahmen der Kooperation werden Nutzer des Kartenlesers von payleven in die Lage versetzt, neben Kartenzahlungen auch kontaktlose Zahlungen per Smartphone zu akzeptieren. Voraussetzung ist, dass Kunden die PayPal-App auf ihrem iOS- oder Android-Gerät installiert haben und im jeweiligen Geschäft vor dem Bezahlvorgang per PayPal “einchecken”. In Folge des Check-Ins erscheint das PayPal-Profilbild des jeweiligen Kunden in der Payleven-App des Ladenpersonals. Durch den “Gesichtsabgleich” verifizieren diese, dass es sich um die gleiche Person handelt, und autorisieren die Transaktion. » weiterlesen