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Uber und Slack:
Zwei Namen, die 2014 prägen

2014 war eindeutig das Jahr von Uber. Doch in letzter Minute scheint es, als muss sich der Beförderungs-Dienst die Ehre, prägend für das Internet-Jahr zu sein, mit einem anderen Anbieter teilen: Slack, der Chatdienst für Teams, erobert seit Monaten in hohem Tempo die Herzen von Startups, Unternehmen, Projektgruppen – und natürlich von Investoren.

Bis vor kurzem sah es so aus, als würde sich der kontroverse Beförderungsdienst Uber mit Leichtigkeit den Status des Technologie-Anbieters sichern, der das Jahr 2014 am nachdrücklichsten geprägt hat. Der von einer kontinuierlichen regionalen Erweiterung angetriebene Aufstieg des Dienstes zeigt sich nicht nur in der Tatsache, dass er anders als zuvor nun Dauer-Stammgast in der globalen Presse ist und in vielen Städten heftig mit lokalen Behörden und der Taxibranche aneinander gerät. Er spiegelt sich auch in einer bis dato in der Branche nicht gekannten Blitz-Vervielfachung der Unternehmensbewertung wider: » weiterlesen

Smartwatchjournalismus:
Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium

Smartwatches sind das neue Gadget, das wir nach dem Willen der Industrie bald immer mit uns führen. Da versteht es sich fast von selbst, dass progressive Medienhäuser hierin ihre große Chance sehen. Bei frühen Angeboten konkurrieren zwei Ansätze; einer davon könnte die Online-Nachrichtenflut endlich erträglicher machen.

Besser einmal genau drüber nachdenken. Bild: Microsoft

Besser einmal genau drüber nachdenken. Bild: Microsoft

Die größten IT-Konzerne der Welt haben sich festgelegt: Das nächste Gadget, das unser aller Leben bereichern soll, findet an unserem Handgelenk Platz. Es sind nicht nur die Jawbones, Nikes, Pebbles und Fitbits, die uns mit Armbändern oder Uhren beglücken wollen. Auch die Samsungs, Lenovos, Apples, Googles und Microsofts dieser Welt loben das Handgelenk als das am längsten vernachlässigte Körperteil aus und haben entsprechende Gadgets vorgestellt.

Da noch nicht abzusehen ist, wie erfolgreich diese junge Produktkategorie wird, herrscht bei den Content-Anbietern derzeit eine Stimmung zwischen Skepsis und Goldgräberstimmung. Passend dazu konkurrieren bei ersten Angeboten zwei altbekannte Ansätze: “Viel hilft viel” und “Weniger ist mehr”. » weiterlesen

IT-Sicherheitsbericht der Telekom:
Abgeordnete fordern den “Aufbau” von europäischen Google-Konkurrenten

Eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Telekom zeigt, dass Abgeordnete und Unternehmens-Entscheider in Deutschland mehrheitlich daran glauben, dass sich europäische Alternativen zu Google und Facebook gezielt zentral aufbauen lassen. Es ist dieses Unverständnis für Marktgegebenheiten, das Europa im internationalen Vergleich der Branche so schwach macht.

Cyber Security Report 2014Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Politiker oder Vorstandschef aus Deutschland in irgendeiner Form gegen US-amerikanische Internetfirmen und ihre befürchtet bedrohliche Dominanz in Europa schießt. Oft schwingt in entsprechenden Ausführungen die Sehnsucht nach erfolgreichen europäischen Konkurrenten zu Google, Facebook und Amazon mit. Gäbe es diese, müsste man nicht zusehen, wie stattdessen Giganten aus Amerika hier massive Gewinne erwirtschaften (und wenig versteuern), und man würde sicherstellen, dass die NSA nicht Daten hiesiger Nutzer auf dem Silbertablett serviert bekäme. So in etwa fallen die Gedankengänge aus, die hinter Rufen nach einem “europäischen Google” stecken.  » weiterlesen

Facebooks Rezept für gelungene Akquisitionen:
Den Gründern weiter das geben, was Gründer wollen

Facebook könnte ein Kunststück vollbringen: die Übernahme erfolgreicher Startups wie Instagram, WhatsApp und Oculus VR, ohne dass diese und ihre Gründer anschließend von der Mutterorganisation komplett vereinnahmt, dominiert und “erdrückt” werden.

Instagram-Gründer Syström (links) im Gespräch it Kara Swisher

Im Kampf um die Vorherrschaft in der globalen Internetwirtschaft sind Zukäufe eines der wichtigsten Mittel für die Giganten des Onlinegeschäfts. Was Akquisitionen vielversprechender Startups angeht, bewies vor allem Facebook in jüngster Zeit ein sehr gutes Händchen. Mit Instagram, WhatsApp und Oculus VR hat das soziale Netzwerk in den vergangen zwei Jahren drei Firmen übernommen, die als große Hoffnungsträger in ihren Segmenten gelten. Firmen, die zum Zeitpunkt der Deals jeweils über gute Voraussetzungen verfügten, um als unabhängige Unternehmen eigenständig zu wachsen. Sowohl Jan Koum, Gründer von WhatsApp, als auch Palmer Luckey, Gründer von Oculus VR, sprachen sich kurz vor ihren jeweiligen Einigungen mit Facebook explizit gegen Exits aus. Und doch gelang es Facebook-Chef Mark Zuckerberg, die enorme Chancen vor sich sehenden Entrepreneure zur Aufgabe ihrer Unabhängigkeit zu bewegen.  » weiterlesen

Preisgabe von Wissen und Erfahrungen:
Ein Plädoyer dafür, mehr Informationen zu teilen

Auch heute, trotz aller digitalen Möglichkeiten, behalten viele Menschen persönliche Erfahrungen und gewonnene Informationen für sich. Würden wir uns mehr öffnen, hätte dies Vorteile für alle.

Informationen teilen

Ich habe einige gute, langjährige Freunde, bei denen ich manchmal Monate oder gar Jahre nicht weiß, wie es ihnen geht, sofern ich sie nicht anrufe. Denn sie sind im Netz nahezu unsichtbar. Sie publizieren nichts auf Facebook, sie bloggen nicht, sie twittern nicht, sie betreiben keine Website. Sie sind das, was manchmal Social-Media-Muffel genannt wird.

Für mich ist dies ein Verhalten, das mir fernliegt. Mein eigenes Mitteilungsbedürfnis ist ziemlich hoch. Wahrscheinlich habe ich deshalb auch 2007 mit dem Bloggen angefangen – und nicht mehr aufgehört. Ich poste gerne Linkempfehlungen bei einschlägigen Social-Media-Portalen. Ich kommentiere Orte bei Foursquare. Ich bewerte Hotels bei Tripadvisor. Ich teile für gut befundene Musik bei SoundCloud. Ich habe schon ab und an Ratschläge und Tipps in Gesundheits-, Beziehungs-, Technologie-, Musik- und Lifestyle-Foren gegeben.  » weiterlesen

Chronisches Schwächeln ohne Aussicht auf Genesung:
Twitters Strategie ist gescheitert

Twitters Geschäftsmodell basiert auf der Voraussetzung massiver Nutzerzahlen. Dass daraus aber nichts wird, ist nicht länger nur eine Tendenz, sondern eine Tatsache. Lange kann das nicht gut gehen. Mit der Entwickler-Plattform Fabric versuchen sich die Kalifornier an einem Befreiungsschlag.

Twitter

Twitter ist gescheitert. Diese Behauptung klingt natürlich erst einmal knallig. Millionen langjährige, regelmäßige Nutzer des Dienstes – zu denen ich auch gehöre – dürften einer solchen Aussage impulsartig sofort widersprechen wollen. Doch abseits der persönlichen Sympathien für den 2006 gestarteten Microbloggingservice, die sich aus dem bei gezielter, zum persönlichen Berufs- oder Interessenfeld passender Nutzung entstehenden Mehrwert ergeben, hat das Unternehmen aus San Francisco sein vor einigen Jahren definiertes Ziel einer erfolgreichen Positionierung als ernstzunehmender Facebook-Konkurrent nicht erreicht. Das Kalkül, Twitter irgendwo links oder rechts (man weiß es nicht so genau) des riesigen sozialen Netzwerks zu positionieren, aber analog zu dem “Wettbewerber” über permanente Reichweitensteigerungen viel Geld durch Werbevermarktung zu verdienen, geht nicht auf. » weiterlesen

Medien-Startups aus Deutschland:
Mit Sobooks und Krautreporter bewegt sich endlich was

Lange Zeit mussten Beobachter der deutschen Digital-Medienwirtschaft sehnsüchtig auf Amerika und die dort in großer Zahl entstehenden Journalismus- und Publishing-Startups schauen. Mit Sobooks und Krautreporter gibt es endlich auch hierzulande entsprechende Vorstöße mit echter “Internet-DNA”.

Der deutsche Diskurs über digitale Innovation im Medien- und Publishing-Bereich sah in den letzten Jahren ungefähr so aus: Einschlägig bekannte Medienblogger sowie technologieaffine und damit “wissende” Meinungsführer beklagten mit Blick auf zahlreiche einfallsreiche Ansätze in den USA, dass sich hierzulande in diese Richtung nichts bewegt.

Der Herbst 2014 markiert deshalb einen kleinen, aber nicht unwichtigen Wendepunkt. Denn innerhalb kürzester Zeit sind in diesem Bereich zwei ehrgeizige Projekte aus Deutschland an den Start gegangen, die eine ausgewiesene “Digital-DNA” besitzen und die mutmaßlich nur wenig von dem Ballast mit sich herumschleppen, der den hiesigen General-Interest-Häusern beim kreativen Denken in neuen Bahnen im Wege steht: In der vergangenen Woche ging bei Krautreporter der Vorhang hoch. Wenige Tage zuvor feierte Sobooks seine Premiere.  » weiterlesen

Beteiligung an Startup-Hoffnungsträger Blendle:
Axel Springer, wieso machst du es uns so schwer?

Während die maßgeblich vom Medienkonzern Axel Springer verantwortetete Farce um das Leistungsschutzrecht immer neue Tiefpunkte erreicht, setzt das Unternehmen mit einer Beteiligung am vielgelobten Startup Blendle seine andere, weitaus konstruktivere Digitalstrategie fort. Wenn es doch einfacher wäre, sich über solche Vorstöße zu freuen.

Das Medienunternehmen Axel Springer macht es mir als Freund des Netzes und einer von menschlichen Werten getragenen Demokratie wahrlich nicht leicht.

Auf der einen Seite verhält sich der Konzern als führende Triebkraft hinter dem Leistungsschutzrecht konträr zu den Philosophien, die das freie Netz zu dem gemacht haben, was es heute ist. Zudem positioniert er sich bei seinen Flaggschiff-Medienprodukten Bild und Welt redaktionell auf eine Art, die aufgrund ihrer Polterhaftigkeit und Eindimensionalität oft schwer zu verdauen ist.  » weiterlesen

Tablets only:
Das Smartphone stirbt aus

Hersteller wollen Smartphones, Tablets und Phablets langfristig unter einer einzigen Kategorie zusammenfassen. Nur um das zu erreichen, müssten sie das Einhand-Smartphone eigentlich nicht aussterben lassen. Doch dahin geht unzweifelhaft der Trend.

Google Nexus 9 und Nexus 6. Das "Kleine" im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen.

Google Nexus 9 und Nexus 6. Das “Kleine” im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen.

HTC hat jüngst den Vogel abgeschossen. Das Desire 820 Mini des taiwanischen IT-Herstellers hat ein 5,0-Zoll-Display, ist kaum mit einer Hand zu bedienen, soll aber trotzdem als Mini-Smartphone herhalten – weil es ein wenig kleiner ist als das 5,5 Zoll große Desire 820. “Normale” Smartphones, so der Gedanke der Hersteller, haben heute also 5-Zoll-Displays und mehr.

Smartphones sind sie damit eigentlich nicht mehr. Es liegt in der Definition des Anbieters, doch alles, was sich nicht mehr mit einer Hand bedienen lässt, müsste aus Gründen der Abgrenzung eigentlich in die Kategorie Tablet fallen. Lediglich die Bauweise variiert und gaukelt dem Nutzer zwischen 5,0 und 7,0 Zoll ein Smartphone vor, zwei Hände oder zumindest einen Stylus braucht man für die Bedienung aber eigentlich immer. Wenn nun aber bald alles mindestens 5,0 Zoll groß ist, wozu braucht es dann eigentlich noch unterschiedliche Kategorien? » weiterlesen

Gelangweilt trotz Smartphones:
Keine Panik, die Wiederentdeckung der Ruhe kommt ganz von alleine

Während Aussteiger die rar gewordene Langeweile als seltenes Gut preisen und Medienjunkies die Dauerbeschallung durch Smartphones beklagen, ließe sich beiden Lagern auch schlicht zu mehr Geduld raten: Einfach abwarten, die Ruhe kommt ganz von selbst.

Alleinsein muss nicht schrecklich sein.

Alleinsein muss nicht schrecklich sein.

In meinem letzten Urlaub verbrachte ich zwei Nächte in einem Kloster. Ich würde nun gerne erzählen, dass ich dort zu Gott oder innerer Ruhe gefunden hätte. Dem war aber leider nicht so.

Vielleicht lag es schlicht daran, dass das Kloster sich mehr als Touristenherberge verstand. Es hing kein Kreuz über meiner Zimmertür, keine Bibel befand sich in der Nachttischschublade. An der Rezeption bot man mir eine WLAN-Flatrate für 4 Euro am Tag an. Im Erdgeschoss lockte ein fantastisches Restaurant Menschen von nah und fern mit regionalen Spezialitäten zu erschwinglichen Preisen und ließ auch abends keine echte Einsamkeit aufkommen. Der einzige Mönch, den ich dort tatsächlich antraf, war im Café der Klosteranlage gerade an der dreigruppigen Espressomaschine damit beschäftigt, dem Mann vor mir in der Schlange seinen Vanilla Latte mit aufgeschäumter Sojamilch zu kredenzen. » weiterlesen