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“Offline war alles besser”:
Wider die Glorifizierung des Abschaltens

Der Always-on-Trend sorgt für die Formierung einer losen Gegebenwegung von Menschen, die das Abschalten propagieren. Dabei schießen sie leicht über das Ziel hinaus. Aus guten Ratschlägen wird die Glorifizierung von Trivialem.

OfflineDass die Nutzung der immer vielseitiger einsetzbaren digitalen Gerätschaften, die sich in Form des Smartphones meist 24 Stunden in unserer Reichweite befinden, bei manchen Menschen über die Stränge schlägt und gar krankhafte Züge annehmen kann, ist unbestritten. Als Konsequenz hat sich in letzter Zeit eine lose, heterogene Gegenbewegung gebildet, die das Abschalten propagiert. Die Motive und das Engagement für die Sache variieren stets, die Philosophie aber ist meist die gleiche: Zu viel und zu intensive Präsenz im Netz gehe auf Kosten der Wahrnehmung der Gegenwart und des psychischen Wohlbefindens. Außerdem drohe der “Smartphone-Nacken”.

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Deutschlands wirtschaftliche Zukunft im Digitalzeitalter:
Wieso vernichtende Kritik und große Anerkennung berechtigt sind

Was Internet-Infrastruktur und Netz- und Gründerpolitik angeht, liegt in Deutschland viel im Argen. Doch während wir über die Versäumnisse klagen, sieht der amerikanische Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin ausgerechnet die Bundesrepublik als Vorbild, was Standortfaktoren für eine gelungene Wirtschaft der Zukunft angeht. Es ist nur ein scheinbarer Widerspruch.

3D-Druck gehört zu den Hoffnungsträgern der kommenden Wirtschaftsära

Wir Deutschen gehen bekanntlich hart mit uns und den Entwicklungen im Land ins Gericht. Gerade was den Fortschritt, die Rechtsprechung und die politischen Vorstöße in Bezug auf die Regulierung und Formung der digitalen Welt angeht, liegt auch zweifellos einiges im Argen.

Ich formulierte es im September diplomatisch, als ich konstatierte, dass sich der hiesige Mittelstand auf dem Erfolg von “Made in Germany” ausruht. André Vatter greift in einem aktuellen, emotionalen Text zum Status Quo zu deutlicheren Worten: Die deutsche Digitalpolitik sei nicht das Ergebnis von Dummheit, Ignoranz oder Verbohrtheit, sondern Vorsatz. Seine These: Die ausbleibenden Investionen sind nichts anderes als Subventionen für die “Wirtschaft 1.0”. Er nutzt seine lesenswerte Brandrede auch dafür, einen Überblick über viele der kleinen und großen Missstände zu geben, die derzeit die Zukunftschancen für die deutsche Wirtschaft verschlechtern.

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Venmo, Snapcash und viele Startups:
Warten auf das WhatsApp der mobilen Geldtransfers

In den USA versenden mittlerweile Millionen Menschen untereinander kleinere Geldbeträge per Smartphone. Auch dank vergleichsweise niedriger Einstiegshürden wird der deutsche Markt bald nachziehen.

P2P-GeldtransferApple Pay und andere Dienste zum mobilen Bezahlen werden in Deutschland wohl aufgrund unvorteilhafter Rahmenbedingungen noch eine Weile auf ihren Durchbruch warten müssen. Doch das heißt nicht, dass alle das Smartphone involvierenden Finanzvorgänge hierzulande auf lange Zeit zum Nischendasein verdammt sind. Im Gegenteil. Es spricht einiges dafür, dass sogenannten Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen zwei Personen innerhalb naher Zukunft eine Standardpraxis auch bei hiesigen Smartphone-Nutzern werden. Ich wage die Prognose, dass in einem Jahr ein Anbieter in Deutschland diesen Markt zumindest in der Zielgruppe der jungen Smartphone-Nutzer weitgehend dominiert und mindestens eine Million aktive User vorweisen kann.

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Tweets teilen per Direktnachricht:
Twitters neue kleine Funktion mit großer Bedeutung

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen Chat-Apps, um im kleinen Kreis zu kommunizieren. Mit einem neuen Feature, um Tweets selektiv mit einzelnen Personen zu teilen, signalisiert Twitter Ambitionen, diesese Potenzial erschließen zu wollen.

TwitterBei Twitter kriselt es seit einiger Zeit. Um nicht ganz das Vertrauen der Anleger zu verlieren, kündigte das Unternehmen vor anderthalb Wochen auf einem speziellen Event eine Reihe von auf die Erhöhung des Nutzerwachstums und der Aktivität bestehender User abzielende Produktinitiativen an. Wenige Tage später lässt die Firma Taten folgen: Seit dieser Woche enthält Twitters Suchefunktion sämtliche seit dem Debüt des Dienstes im Jahr 2006 publizierten Tweets. In der Nacht zu Freitag folgte die nächste Neuerung: Anwender der iOS- und Android-App können nun einzelne Tweets direkt aus dem Kontextmenü per Direktnachricht an ausgewählte Personen schicken. TechCrunch kommentiert die Einführung der Funktion mit der Feststellung, dass es sich nicht um einen besonders häufig geäußerten Feature-Wunsch handele. Mag sein. Einer hat sich dieses Feature aber ganz bestimmt gewünscht: meine Wenigkeit. Ich nahm mir im März auch die Freiheit, meinen Wunsch zu begründen und die möglichen Vorzüge aufzuzeigen.

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Ein Plädoyer an Inbox-Verschönerer:
Gebt jetzt nicht auf, ihr seid auf dem richtigen Weg!

Nach dem vereitelten Masterplan zur Abschaffung der E-Mail gab es zuletzt gleich mehrere Versuche, das alte aber notwendige Medium zu verschönern. Trotz kaum restlos überzeugender Ansätze zeigt es sich hier, dass die Entwickler im Prinzip auf dem richtigen Weg sind.

Neuer E-Mail-Ansatz IBM Verse auf einem iPad. Bild: IBM.

Neuer E-Mail-Ansatz IBM Verse auf einem iPad. Bild: IBM.

Thierry Breton, Chef des französischen IT-Systemhauses Atos Origin, sorgte Anfang 2011 für Aufsehen mit dem Wunsch, die E-Mail aus seinem Unternehmen zu verbannen. Möglichst binnen drei Jahren. Ein Jahr später die Bestätigung der Bekräftigung: “Ja, wir schaffen das!”. Mittlerweile sind fast vier Jahre seit Bretons Schlachtruf vergangen und die E-Mail erfreut sich weiterhin hoher (Un)Beliebtheit. Vom deutschen Atos-Sprecher Stefan Pieper las man im September diesen Jahres noch einmal die Parole: “Schafft die E-Mail ab!”. Geschafft habe man das auch unternehmensintern bisher nicht, gibt Pieper in seinem Plädoyer zu, aber man habe die Kommunikation an sich reduziert oder von der E-Mail auf andere Kanäle verlegt.

Während Atos also weiterhin daran festhält, die Kommunikation auf Teufelkommraus von der E-Mail anderswohin zu verlagern, scheint anderenorts ein Umdenken eingesetzt zu haben: An Stelle der Abschaffung der E-Mail steht nun das weitaus moderatere Ziel, die Kommunikation mit der E-Mail zu verbessern. Jüngste Ansätze sind die attraktive E-Mail-App Mailbox, Googles GMail-Ableger Inbox, Microsofts Postfachstaubsauger Clutter und IBMs Mischung aus Mailpostfach und Social Network, Verse. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie schlagen die richtige Richtung ein, doch die endgültige Lösung sind sie nicht. » weiterlesen

Apple Pay:
In Deutschland keine Chance

Die Voraussetzungen für einen Erfolg von Apples neuem Bezahldienst in Deutschland sind sehr schlecht. Wahrscheinlich werden sich die wenigen Interessierten noch einige Jahre gedulden müssen.

Weiterhin sehr wichtig im deutschen Einzelhandel: die Bargeldkasse.

Angesichts der im internationalen Vergleich der Industrieländer ungewöhnlich hohen Bargeldaffinität der Deutschen war von Beginn an klar, dass der hiesige Markt für Apple Pay eine Herausforderung werden würde. Diverse Studien der letzten Zeit legen den Schluss nahe, dass der Bezahldienst es hierzulande tatsächlich extrem schwer haben dürfte.

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Wegweisender Schritt:
Was die neue WhatsApp-Verschlüsselung bedeutet

Die gestern verkündete Einführung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei WhatsApp ist ein Meilenstein. Der unerwartete Vorstoß hat einige wichtige Implikationen.

Es ist eine große Überraschung: WhatsApp liefert in seiner neuesten Android-Version eine eingebaute, ab Werk aktivierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit. Der zu Facebook gehörende Chat-Dienst nutzt dazu die Open-Source-Technologie von Open Whisper Systems. Laut Golem gilt diese als “besonders sicher”. In letzter Zeit gab es zwar einen gewissen Trend hin zu Messaging-Apps für Smartphones, bei denen durch die Integration einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur Absender und Empfänger auf eine Nachricht Zugriff haben – nicht Dienstebetreiber oder Dritte. Allerdings weigerten sich die viele hundert Millionen Anwender bei sich versammelnden Marktführer in dem Bereich bisher, entsprechende Features zu aktivieren. Umso bemerkenswerter ist, dass der mit über 600 Millionen aktiven Usern weltweit erfolgreichste Messenger, WhatsApp, nun einen derartigen Schritt wagt.

Im Folgenden beleuchten wir einige der Implikationen und Facetten des Vorstoßes:

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Journalismus und Virtual Reality:
Wenn die Realität wirklich wird

Wenn journalistische Produktionen vom Absender an die Empfänger übermittelt werden, geht immer Kontext verloren. Mit dem Einzug von Virtual Reality in die Medienwelt kann sich das ändern. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Sieht seltsam aus, fühlt sich aber gut an: VR-Headset

Mit der Entstehung der Massenmedien erhielten Menschen erstmals die Möglichkeit, sich relativ unkompliziert und in großer Zahl über das Geschehen außerhalb ihres unmittelbaren Wohnortes zu informieren. Doch die journalistische Berichterstattung über Ereignisse in einer einige hundert Kilometer entfernten Stadt, im Nachbarland oder auf der anderen Seite der Erde leidet bis heute darunter, dass sich bestimmte Vorgänge, Zusammenhänge und Stimmungslagen über die existierenden Medientypen nur unzureichend vermitteln lassen. Lesern, Zuschauern oder Zuhörern werden zwar hinreichend Fakten vermittelt – die tatsächliche Tragweite bleibt aber häufig im Dunkeln. Zu schwer ist das Hineinversetzen in die Protagonisten, in die Kultur, in die Sachverhalte, wenn sich die Begebenheiten außerhalb des eigenen Alltags- und Wahrnehmungsbereichs abspielen. » weiterlesen

Neudefinition des Webs:
Karten sollen Apps und Websites ablösen

Websites, Streams und Apps sind tot, behaupten immer mehr Designer und die Erfinder des mobilen Browsers Wildcard. Karten sollen sich besser für das mobile Zeitalter eignen, egal ob auf Smartphones, Tablets oder Smartwatches. Doch nicht für alles sind Karten die Lösung.

WildCard-Browser: Inhalte als interaktive Karten

WildCard-Browser: Inhalte als interaktive Karten

Vielleicht war es einfach an der Zeit. Wer die neueste Generation von Apples iOS benutzt oder schon in den Genuss eines Updates auf Android 5.0 gekommen ist, dem wird nicht entgangen sein, dass die Designer der Benutzeroberflächen an vielen Stellen eine alte Idee neu belebt haben. Statt durch unförmige Websites oder kilometerlange Streams zu scrollen, sollen uns Karten mundgerechte Portionen für alle gängigen Mobilgeräte servieren.

Dabei geht es nicht nur um Konsum, sondern auch Interaktion. Und Beobachter fragen sich bereits, ob die mittlerweile gute alte App bereits ausgedient hat. Wo bleiben Inhalteanbieter dabei, wenn wir den karten-zentrierten Homescreen oder Sperrbildschirm gar nicht mehr verlassen? Ist das wirklich mehr als nur ein Trend und das Nonplusultra des mobilen Webdesigns? » weiterlesen

Evernote:
Ungewohnte Herausforderungen

Evernote war stets ein Ausnahmeunternehmen unter den kalifornischen Internet-Startups. Doch eigene Versäumnisse, ein sich wandelndes Marktumfeld und die bevorstehenden Börsenpläne zwingen die Firma dazu, sich zu wandeln.

EvernoteLange Zeit galt der kalifornische Notizdienst Evernote aufgrund seiner auf Langfristigkeit ausgelegten “Slow Growth”-Strategie, seines geradlinigen Gründers sowie seiner äußert loyalen und passionierten Kern-Anwenderschaft als Ausnahmeunternehmen im schnelllebigen Startup-Zirkus. Und lange sah es auch so aus, als könnte der Firma aus Mountain View beim Verwirklichen der Pläne des Aufbaus eines “100-jährigen Unternehmens” niemand in die Quere kommen. » weiterlesen