1737 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Journalismus in der Klemme:
Der schwierige Umgang mit eiligen Meldungen

Das Boston-Attentat hat die Diskussion um Qualitätsjournalismus und Social Media neu entflammt. Als Reaktion ist mit Retwact ein Tool entstanden, mit dem man Falschaussagen auf Twitter korrigieren kann. Doch das grundsätzliche Problem lässt sich mit Werkzeugen allein nicht beheben.

EilmeldungenDer Tech-Journalist Mat Hohan vom Wired Magazin war einer von vielen Autoren, die ihre übereilten und emotionalen öffentlichen Reaktionen kurz nach dem Boston-Attentat im Nachhinein bereuten: Er hatte einen Tweet von Matthiew Keys verbreitet, in dem ein Student fälschlicherweise als zweiter Attentäter identifiziert wurde. Matthiew Keys war nicht irgendwer, sondern der Deputy Social-Media-Editor der Nachrichten-Agentur Thomson Reuters. Die Betonung liegt auf war, denn Reuters hat Keys am 22. April aufgrund seiner Social-Media-Aktionen gefeuert. Einen Tag später veröffentlichte Honan eine Entschuldigung für seinen übereilten Retweetet auf Wired und mahnte ein neues Feature für Twitter an, mit dem sich Falschaussagen korrigieren lassen.

Twitter ist diesem Wunsch bislang nicht nachgekommen, wohl aber der Software Entwickler Stonly Baptiste, der innerhalb von 48 Stunden das Tool Retwact aufgesetzt hat. Retwact hilft dabei, Twitter-User über eine Korrektur zu benachrichtigen, wenn sie einen falschen Tweet per Retweet verbreitet haben. Dazu findet Retwact von einem Account die letzten fünf Tweets mit Retweets und ermöglicht dem Account-Inhaber, eine Mention mit einem Korrekturhinweis an die letzten 100 Retweeter zu verschicken. Über einen Link in der Mention werden die Empfänger auf eine Landingpage geleitet, auf der der Ursprungs-Tweet mit der Korrektur gegenüberstellt wird. Darüber steht die Bitte, die Korrektur zu verbreiten und so die Desinformation möglichst unschädlich zu machen. Die Idee ist zwar relativ simpel, allerdings wurde der Account zumindest kurzfristig von Twitter suspendiert, da das Versenden von massenhaften gleichlautenden Mentions gegen die Terms of Services von Twitter verstößt.  » weiterlesen

Das Ende der SMS:
Aus der Prognose wird Wirklichkeit

2012 wurden erstmals mehr IP-basierte Nachrichten verschickt als SMS. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die SMS in den entwickelten Märkten innerhalb weniger Jahre komplett verschwindet.

SMSPrognosen über den bevorstehenden Tod der SMS gibt es schon seit Jahren. Doch bisher handelte es sich eben nur um Vorhersagen. Nicht mehr länger. Zahlreiche aktuelle Ereignisse belegen, dass die 160-Zeichen-Nachricht gut 20 Jahre nach ihrem offiziellen Debüt endgültig vor der Ablösung durch IP-basierte Kommunikationsformen steht. In wenigen Jahren dürfte sie zumindest in den Industrienationen vollständig aus der Mobilfunklandschaft verschwunden sein.

Das deutlichstes Indiz für eine derartige Entwicklung liefert eine Untersuchung des britischen Marktforschungsunternehmens Informa. Laut dieser wurden 2012 weltweit erstmals mehr Nachrichten über IP-basierte Chatmessenger verschickt als mittels der klassischen SMS. 19,1 Milliarden “Over-The-Top” Messages (OTT) täglich standen 17,6 Milliarden SMS gegenüber. Für Ende 2013 rechnet Informa mit 41 Milliarden OTT-Nachrichten pro Tag und 19,5 Milliarden versendeten SMS täglich. Das Unternehmen geht demnach zwar noch von einem leichten Anstieg des SMS-Volumens aus, vorrangig getrieben von der zunehmenden Handyverbreitung in Entwicklungsländern, sieht das entscheidende Wachstumspotenzial aber im OTT-Segment, also bei IP-basierten Kurznachrichten. » weiterlesen

Monetarisierung ist nicht optional:
Was Startups vom Fall Quote.fm lernen können

Mitte April gaben die Gründer von Quote.fm bekannt, ihr Startup aufgrund Geldmangels abgeben zu müssen. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, die Monetarisierung zu lange aufzuschieben.

Einer meiner absoluten Lieblingsdienste der letzten Jahre ist, wie regelmäßige Leserinnen und Leser wissen werden, Quote.fm. Ich verwende die Anwendung des Hamburger Startups sowohl als Später-Lesen-Service für von mir im Netz gefundene, längere Artikel als auch als Discovery-Werkzeug, um von anderen Nutzern empfohlene, lesenswerte Onlinetexte zu entdecken. Als täglicher Nutzer war ich durchaus leicht geschockt, als ich Mitte April im Quote.fm-Blog über den Abgang der Gründer lesen musste – auch wenn ich in den Monaten zuvor schon ein wenig das Gefühl bekommen hatte, dass die Weiterentwicklung und auch die Außenkommunikation des jungen Unternehmens ins Stocken geraten war.

Weil es den Gründern Marcel Wichmann, Martin Wolf und Philipp Waldhauer nicht gelungen war, eine notwendige Finanzierungsrunde abzuschließen, seien sie gezwungen, ihren Dienst abzugeben. Eine Weiterführung im Teilzeitmodus sei keine Alternative, da sie dies laut eigener Aussage nicht mit ihren hohen Qualitätsstandards vereinbaren können würden. Erfreulicherweise hatten sie aber auch eine gute Nachricht: Die ebenfalls aus Hamburg stammende Kommunikationsagentur Elbdudler wird Quote.fm weiterbetreiben. Sie war es auch, die den drei jungen Norddeutschen mit einer Seed-Runde in nicht genannter Höhe das notwendige Startkapital verschaffte – und jetzt augenscheinlich zwar nicht weiter in das bestehende Gründer-Team investieren, aber das Projekt immerhin nicht ganz aufgeben möchte. » weiterlesen

Zweiter Frühling:
Das unerwartete Comeback von Bluetooth

Lange Zeit galt Bluetooth als Übertragungsstandard ohne Zukunft. Doch heute ist es relevanter denn je und wird von immer mehr Internetanbietern und Herstellern unterstützt.

BluetoothManche Technologien vollbringen innerhalb kürzester Zeit den Sprung vom Experiment zur Lösung für die Masse. Andere hingegen existieren für eine Dekade in zwar nicht unbedingt kleinen, aber wenig beachteten Nischen, erleben dann jedoch trotz konkurrierender Systeme einen verspäteten zweiten Frühling. So etwa Bluetooth, der in den 90er Jahren entwickelte Industriestandard zur Datenübertragung, dem trotz zahlreicher Implementierungen seit jeher ein leicht eingestaubtes, wenig schmeichelhaftes Images anhaftet. Denkt man bei WLAN an Flexibilität, Produktivität und das digitale Zeitalter, assozierte zumindest ich Bluetooth bisher eher mit Taxi- und LKW-Fahrern, die via Headset mit ihrem in einer Gürteltasche befindlichen Handy telefonieren.

Doch als ich mir vor einiger Zeit eine Jambox von Jawbone zulegte, lernte ich den Datenübertragungsstandard zu lieben. Wie viele andere tragbare Lautsprecher verbindet sich die Jambox mit einer beliebigen, Bluetooth unterstützenden Musikquelle, etwa einem Smartphone oder Tablet. Im Gegensatz zu Drahtloslautsprechern, die per WLAN mit Songs versorgt werden, funktioniert dies auch an Orten, wo kein WLAN vorhanden ist – meines Erachtens nach der entscheidende Vorteil der Bluetooth-Lösung. Ein anderer Pluspunkt von Bluetooth: Es benötigt weniger Energie als WLAN und schont somit die Akkus mobiler Geräte. Sofern man die Musik nicht per Wifi aus dem Web streamt. » weiterlesen

Das Netz und die News-Blase:
Nachrichten werden überbewertet

Erfolgreiche Menschen sind informierte Menschen, erst recht in der Internetbranche. Doch Nachrichten werden überbewertet.

BlaseIn den vergangenen anderthalb Wochen befand ich mich auf einem kleinen Roadtrip mit Freunden und versuchte, weitestgehend dem Verhalten zu entsprechen, das man gemeinhin als “Urlaub” bezeichnet: nämlich nicht zu arbeiten. Größtenteils gelang mir dies auch. Die Artikel unter meinem Namen waren vorproduziert, den Blick in das E-Mail-Postfach beschränkte ich auf wenige Minuten täglich und auch dem Konsum meiner RSS-Feeds widmete ich deutlich weniger Zeit als sonst üblich. Ganz wollte ich mich von der Nachrichtenlange innerhalb der Webbranche jedoch nicht abkoppeln. Erstens ist es als Branchenbeobachter meines Erachtens nach essentiell, über die großen und kleinen Ereignisse innerhalb des Sektors informiert zu sein – Wissen, welches man nach der Rückkehr in den Arbeitsalltag für Artikel benötigt – und zweitens macht es auch ganz einfach viel Spaß. Denn wie bei vielen leidenschaftlichen Bloggern, Tech-Journalisten und sonstigen Berichterstattern ist der Blick auf das Netzgeschehen für mich nicht nur Beruf, sondern auch Hobby. Allerdings muss ich gestehen: Lange nicht mehr empfand ich es als so ernüchternd und teilweise langweilig, während meiner kurzen “Auszeit” die Berichte rund um das Treiben innerhalb der Webszene zu lesen. » weiterlesen

Social Music:
Twitter Music und Spotify machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten

Musiktipps mit den besten Freunden zu teilen, war einst Volkssport im Social Web. Mittlerweile ist das erstaunlich schwierig geworden. Die Sperrung vieler Videos auf YouTube ist nur eine Seite der Medaille: Musikdienste vernachlässigen ihre sozialen Funktionen.

Twitter #music

Twitter #music

Bisher sehe ich im neuen Spotify nicht gerade eine Killer-App. CEO Daniel Ek hat die neue Version in einer großen Präsentation im Dezember angepriesen und dabei das neue Follower-Prinzip vorgestellt. Man kann seinen Freunden und Künstlern wie Bruno Mars folgen. Wenn Mars oder ein anderer Künstler eine neue Single auf dem Markt hat, kann man sich darüber benachrichtigen lassen. Die neue Daft-Punk-Single wurde mir auf diesem Wege empfohlen, was ich ganz nett fand. Das war es aber auch im Prinzip schon mit den neuen sozialen Funktionen.

“Social Web” – für wie viele Dienste ist dieser Begriff benutzt worden. Social ist praktisch alles, wo wir mit Freunden interagieren können. Genau das ist aber bei Spotify und anderen Diensten nach wie vor schwer. Ich kann Freunden zwar folgen; ihnen einen Song zu empfehlen, ist aber nach wie vor eine Funktion, die in einem Unterpunkt des Kontextmenüs versteckt ist. Nachlesen, was sie im Moment hören, kann ich nun etwas schlechter über den neuerdings überfrachten Feed in der rechten Seitenleiste auf Spotify. Mich etwa in das Eintunen in das, was sie hören, kann ich nicht.
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Neue Mobilität:
Fernbusse und neue Verkehrskonzepte bringen heile Welt der Bahn in Unordnung

Seit Jahren boomen Mitfahrzentralen, Ticketgemeinschaften und Carpools. Alle Initiativen dienen dem Zweck, Reisen deutlich billiger machen. Fernbusse werden nun die heile Welt der Deutschen Bahn in Unordnung bringen.

Fernbusse

Fernbusse

Die Meldungen über innovative Verkehrskonzepte werden zahlreicher in letzter Zeit. In der vergangenen Woche etwa startete Fahrtenfuchs, eine Meta-Suchmaschine für Fernbusse in Deutschland. Möglich geworden ist dies, weil Anfang des Jahres das Monopol der Deutschen Bahn auf Fernverbindungen fiel. Seitdem eifern gleich mehrere Busunternehmen wie DeinBus, MeinFernbus, FlixBus oder City2City darum, der Bahn auf Fernverkehrsstrecken Kunden abzujagen. Schon seit Jahren bedienen auch Anbieter wie Eurolines Fernverkehrsstrecken für Busse im europäischen Großraum und darunter auch Deutschland. Die Bahn hat Konkurrenz bekommen, und das nicht zu knapp.
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F1eld startet neu:
Wie man Menschen aus der Umgebung überzeugt, sich gegenseitig kennenzulernen

Fünf Monate nach dem Start legt der Location Based Chat f1eld in dieser Woche einen Neustart hin. Statt eines hyperlokalen Chats soll die App Menschen eines Einzugsgebiet nun über gemeinsame Diskussionsthemen zusammenbringen. Das Thema Location bleibt für Gründer ein schwieriges Unterfangen.

F1eldIch habe Kai Tietjen mit der Frage provoziert, ob die Welt wirklich darauf gewartet hat: eine App, mit der ich die Menschen in meiner Umgebung über einen Chat kennenlernen kann. Seine Antwort: Inschallah. “Auf Twitter hat auch keiner gewartet. Wenn es einen Nerv trifft, wird es angenommen, wenn nicht, eingestellt oder an Burda verkauft.” Was die erste Version seiner App f1eld angeht, gibt sich Tietjen selbstkritisch. Technisch habe sie nicht einwandfrei funktioniert, Nutzer hätten die App für falsche Zwecke genutzt, viele hätten die App danach gar nicht mehr aufgesucht.

F1eld 2.0 soll anders sein: Diskussionen sind jetzt thematisch geordnet, statt alleine über die geografische Komponente. Sport, Lifestyle, Liebe, Mitfahrgelegenheiten – für alle Anlässe bietet f1eld nun Themenkanäle. Die Idee, so Tietjen, sei Social Discovery: die Menschen in der Gegend über gemeinsame Interessen kennenzulernen. Das geht weiterhin mit der hohen Herausforderung einher, dass ein solcher Dienst erst interessant wird, wenn die kritische Masse erreicht ist. Deswegen will man f1eld zunächst für größere Städte bewerben.
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Kritik richtig dosieren:
Warum wir eine neue Diskussionskultur brauchen

Proteststürme in sozialen Netzen sind Alltag geworden, weswegen viele Opfer zunehmend professionell und gelassen darauf reagieren. Es wird Zeit, dass die Kritiker sich dem anschließen.

Discussion_FlickrEs steht an der Tagesordnung, dass Unternehmen, die etwas Umstrittenes tun, in sozialen Netzwerken in die Schusslinie geraten. Sie reagierten darauf bereits mit einer Joboffensive für Social Media Manager; ein Großteil wird deswegen mittlerweile von Netzprofis vor dem Schlimmsten bewahrt. Auch Personen des öffentlichen Lebens trifft es immer wieder, in jüngster Zeit etwa die Politikerin Claudia Roth und die Fußballer Rafael van der Vaart und Nils Petersen. Politiker und Profisportler sind Medienprofis und reagieren wie immer mehr Normalsterbliche zunehmend gelassen und zuvorkommend auf Kritik. Warum können sich dann nicht auch die Kritiker etwas zurücknehmen?

Fußball-Kommentator Bela Rethy wurde jüngst nach Kommentaren bei einem Fußballspiel von einigen unbedachten Twitterern Alkoholismus vorgeworfen. Van der Vaart erhielt auf seiner Facebook-Seite persönliche Beschimpfungen, als bekannt wurde, dass er nach der Trennung von seiner Frau ein Verhältnis mit deren bester Freundin eingegangen war. Die teils sehr persönlichen Kommentare reichten von “Geschmackloser, as… Holländer!” bis “Schämen solltest du dich, du bist so dermaßen krank”. Es gibt aber auch erste Anzeichen, dass viele Kritiken an Schärfe nachgelassen haben, wie das Beispiel des Fußballers Nils Petersen zeigt.
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Killerfunktion verboten:
Twitter untersagt Flattr Spenden für einzelne Tweets

Twitter verbietet dem Mikrospendendienst Flattr seit heute die Möglichkeit, Tweets zu flattern und dem Urheber damit eine Spende zukommen zu lassen. Das ist deswegen schade, weil Flattr damit die erste echte mögliche Killerfunktion genommen wird.

flattr110Der Mikrospendendienst Flattr hat es Zeit seines Lebens nicht leicht, die kritische Masse zu erreichen. Dass Twitter die Schweden nun von der zunehmend geschlossenen Plattform verbannt, ist ein weiterer Rückschlag, auch wenn er nicht überraschend kommt. Flattr wird das überleben, allerdings verschwindet damit eine der cleversten Funktionen, die das Spendentool in seiner dreijährigen Geschichte ins Leben gerufen hatte.
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