2122 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Google Glass:
Warum die ambitionierte Datenbrille zu scheitern droht

Um die einst heiß diskutierte Datenbrille Google Glass ist es in den letzten Monaten auffallend ruhig geworden. Es drängt sich der Verdacht auf: Das Unternehmen war mit seiner Idee etliche Jahre zu früh. Auch bei der Umsetzung gab es einige Probleme. Eine Bestandsaufnahme.

google-glass

Etwas mehr als zweieinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass Google sein „Project Glass“ der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Eine lange Zeitspanne, in der die Idee erst bejubelt wurde, dann viel Kritik bekam, sich letztlich Enttäuschung verbreitete – bis nun weitgehend Stille eingekehrt ist. Nur allzu deutlich wurde das auf der Keynote zur hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O in diesem Jahr: In zweieinhalb Stunden kam Google Glass nicht ein einziges Mal vor. Selbst im Zusammenhang mit Android Wear wurde es nicht erwähnt. Noch zwei Jahre zuvor hatte eine so aufwändige wie letztlich inhaltsleere Google-Glass-Demo diese Keynote beherrscht.

Weiteres Indiz: Nachdem die ersten Exemplare der sündhaft teuren „Google Glass Explorer Edition“ erhältlich gewesen waren, hatte man das Gerät zumindest in der Techcommunity laufend gesehen. Auch in San Francisco war es nicht ungewöhnlich, auf offener Straße Google Glass-Trägern zu begegnen. Inzwischen aber ist die Datenbrille auch in der Westküsten-Metropole praktisch aus dem Stadtbild verschwundn. Fast unnötig zu erwähnen, dass kein Google-Mitarbeiter auf der Google-I/O-Bühne das Gerät im Gesicht hatte. » weiterlesen

Schädliche Ideologie des Wettbewerbs:
Wieso Peter Thiel Monopole verteidigt

Politiker, Unternehmer und der Volksmund scheinen sich einig zu sein: Konkurrenz belebt das Geschäft. Der renommierte Technologie-Unternehmer und Investor Peter Thiel glaubt, dass Volkswirtschaften sich mit diesem Dogma die Zukunft verbauen.

Die besten Fachbücher sind die, bei denen es den Autoren gelingt, die Perspektiven der Leser zu grundsätzlichen Fragen zu verändern und als unerschütterlich geltende “Wahrheiten” mit schlagfertigen Argumenten anzuzweifeln. Peter Thiel, dem ikonenhaften Silicon-Valley-Entrepreneur und Investor mit deutschen Wurzeln, vollbringt dieses Kunststück in seinem neuen handlichen Buch “Zero to One” gleich mehrfach. Besonders bei einem Aspekt schafft es der für seine großen Ziele und polarisierenden Feststellungen bekannte Unternehmer, zum Nachdenken anzuregen: das dogmatische Streben nach Konkurrenz und Wettbewerb, das die meisten modernen Wirtschaftssysteme kennzeichnet. In Deutschland wird dies durch die bekannte Floskel “Konkurrenz belebt das Geschäft” verkörpert und von Generation zu Generation weitergereicht. » weiterlesen

Highspeed WLAN statt Pay TV:
Hotels sollten um die Airbnb-Generation kämpfen

Damit Hotels nicht immer mehr junge, technologieaffine Reisende als Kunden an Unterkunfts-Plattformen wie Airbnb verlieren, sollten sie ihre Angebote attraktiver für Gäste machen, die Konnektivität und eine gute Umgebung zum kombinierten Arbeiten und Entspannen mehr schätzen als Pay-TV, Pagen und Fünf-Gänge-Menüs.

HotelIch liebe Hotels. Im Gegensatz zu den meisten Menschen, denen ich in meinem beruflichen und privaten Alltag begegne, zieht mich wenig in über Airbnb und ähnliche Plattformen vermittelte Unterkünfte. Ich schätze einfach zu sehr das saubere, (idealerweise) elegante Ambiente eines netten Boutique-Hotels, und bin in den vergangenen Monaten und Jahren auch zu dem Schluss gekommen, dass sich mit etwas Geduld, Recherche-Erfahrung und Wissen über Preisdynamiken und Buchungsmechanismen oft komfortable, moderne Hotelzimmer buchen lassen, deren Raten locker mit Airbnb & Co mithalten können.

Doch trotz meiner eindeutigen Präferenz blicken viele Hoteliers misstrauisch auf den Trend zur Miete von Privat- und Ferienwohnungen anstatt von standardisierten, oft unpersönlichen Hotelzimmern. Kein Wunder, sind es doch besonders junge, solvente Innenstadt-Bewohner und ortsunabhängig arbeitende Freelancer und Professionals, die vermehrt über eine Onlineplattform vermittelte, mit viel Flair behaftete Ferien-/Privat-Wohnungen einem Hotel verziehen.  » weiterlesen

Urnengang im digitalen Zeitalter:
Die Qual der Wahl

Eine deutsche Studie fand heraus, dass sich der Zugang zu Breitbandinternet tendenziell negativ auf die Wahlbeteiligung auswirkt. Die genauen Gründe wurden in der Studie nicht geklärt und so bietet die Feststellung Anlass zur Spekulation.

WahlenÜblicherweise werden leere Wahlversprechen, wenig charismatische Politiker und fragwürdige politische Entscheidungen als Gründe einer allerorts sinkenden Wahlbeteiligung genannt. Dennoch will eine im Sommer veröffentlichte Studie zusätzlich dazu in Deutschland einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen sinkender Wahlbeteiligung und der Verfügbarkeit von Internet hergestellt haben.

Im Wesentlichen erläutern die Autoren von „E-lections: Voting Behavior and the Internet“ (PDF), Oliver Falck, Robert Gold und Stephan Heblich, das Ergebnis ihrer Studie so: Das Internet werde deutlich öfter für Unterhaltungskonsum als für politische Informationsbeschaffung genutzt und verdränge das bisher prominenteste politische Informationsmedium, das Fernsehen. Im Unterschied zum Internet wird man dort in einer Art Frontalunterricht adressiert: Auf den meisten Sendern gibt es zu fixen Zeiten Nachrichten. Das Ansehen selbiger ist ein seit Beginn der Fernsehgeschichte eingeübtes Ritual, einst bestand das Programm der Fernsehanstalten aus nicht viel mehr als Nachrichten. Das Internet ist hingegen auf Interaktivität statt Belehrung ausgelegt und lässt dem Nutzer die Wahl, wann und insbesondere wie Nachrichten konsumiert werden. » weiterlesen

Dringend gesucht:
Alternativen zur Werbefinanzierung

Mit kostenlos angebotenen Diensten und Informationen kann man zwar schnell viel Reichweite erzielen. Doch zunehmend dämmert Nutzern und Lesern, welche Nachteile das mit sich bringt. Es wird Zeit, dass es mehr Experimente mit Alternativen gibt.

symbolfoto-geld

„Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Diesen Fehler werden wir nicht korrigieren können.“ So hatte sich vor nun über fünf Jahren „Bild“-Chef Kai Diekmann geäußert. Was er damit meinte: Er und seine Kollegen hatten ihre Inhalte über Jahre hinweg freiwillig an die Leser verschenkt und bekamen das nicht so einfach wieder zurückgedreht.

Lange Zeit galt  „kostenlos“ als der beste Preis im Netz. Der Grund: Man kann darüber Reichweite erzielen, die dann im Nachhinein in Geld verwandelt werden soll. Werbebanner sind hier vielfach das Mittel der Wahl, oftmals ausgeliefert über große Werbevermarkter. Das funktioniert zwar bisweilen gut. Inzwischen macht sich aber die Erkenntnis breit: Das gilt nur für eine beschränkte Zahl an Angeboten und für bestimmte Formen von Diensten und Inhalten – ob es nun um Nachrichten, Social Networks oder Apps geht. Auch die Nutzer merken: Es ist zwar erst einmal eine schöne Sache, etwas geschenkt zu bekommen. Nur gibt es dafür stets einen Haken.  » weiterlesen

Eskapaden der Technologiebranche:
Warum es gut ist, mit Zynismus sparsam umzugehen

Die Technologiewirtschaft ist heutzutage so angreifbar wie lange nicht mehr. Doch so sehr abwegige Startup-Ideen und die Fixierung auf nur inkrementelle Verbesserungen zu zynischen Bemerkungen animieren – an vielen weniger beachteten Fronten arbeiten Entrepreneure und Ingenieure daran, die Lebensqualität und -umstände von Menschen aus aller Welt zu verbessern. Das wird gerne vergessen.

selfie220In Anbetracht der Fülle von Me-Too-Apps rund um Fotos, Social Networking und Selbstdarstellung sowie des anhaltenden “Lazy-Tech”-Booms, der gerade mit einem frisch gestarteten US-Lieferdienst für Bargeld seinen neuen tragischen Höhepunkt erreicht, ist die Verlockung groß, in Zynismus über die scheinbar stagnierende Entwicklung des Technologiesektors zu verfallen. Diese Stimmung verringert sich nicht gerade, wenn man bedenkt, wie in vielen Teilen der Welt Menschen durch Armut, politische Konflikte, gesundheitliche Missstände oder Naturkatastrophen nicht einmal ihre Grundbedürfnisse stillen können und kaum von den Möglichkeiten profitieren, die uns heute zur Verfügung stehen.  » weiterlesen

Die Blasen-Debatte und das IPO-Fenster:
Börsenfieber vor dem möglichen Sturm

Die Internetbranche erlebt derzeit eine Welle von Börsengängen. Das lauter werdende Gerede über das Vorhandensein einer womöglich bald platzenden Blase setzt Firmen unter Druck, schnell zu handeln.

Alibaba zeigt: Zeitpunkt für IPO ist gut

Lange nicht mehr haben sich so viele Schlüsselfiguren der Internetbranche bedenklich über die aktuelle Lage des Wirtschaftszweigs geäußert. Mal mehr, mal weniger leise köchelt die Debatte über eine eventuell vorhandene Überhitzung des Marktes, ausgelöst durch zu viel in ihn fließendes Kapital und sich in XXL-Bewertungen widerspiegelnde überzogene Erwartungen, zwar seit einigen Jahren vor sich hin. Doch mittlerweile offenbaren selbst überzeugte Optimisten unter den Investoren Zweifel daran, wie lange sich die Aufwärtsspirale und das ausufernde Geldverbrennen bei manchen Firmen noch fortsetzen lässt.

Da niemand tatsächlich in die Zukunft schauen kann, bleiben Mutmaßungen über ein bevorstehendes Platzen der Blase so lange nichts als Mutmaßungen, bis das prognostizierte Ereignis eintritt.

Allein das ständige Gerede über Blasen hat aber mindestens eine konkrete Auswirkung, die ungeachtet des Eintreffens oder Nichteintreffens eines “Crashs” das Handeln von Onlinefirmen beeinflusst: Wer Börsenpläne hegt, wird sich dazu animiert fühlen, diese unbedingt vor einer plötzlich eintretenden Abkühlung zu verwirklichen.  » weiterlesen

Rocket Internet:
Mit der Bestätigung deutscher Klischees zu internationaler Anerkennung

Wurde es anfänglich maximal belächelt, hat sich Rocket Internet mittlerweile auch international Anerkennung und Respekt erarbeitet. Das Unternehmen wird durch seinen medial intensiv bewachten Aufstieg zum Botschafter der hiesigen Webwirtschaft – und erfüllt dabei auf fast schon komische Weise die Klischees, die man sich so in der Welt über Deutsche erzählt.

Im Zuge seines Börsengangs sowie des IPO seines Flaggsschiff-Projekts Zalando hat die Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet kürzlich ein Promotion-Video veröffentlicht (auch eingebettet am Ende dieses Artikels). In gut sieben Minuten erklärt die Firma darin ihre Strategie, systematisch und mit berauschender Geschwindigkeit und ausgeklügelter Planbarkeit rund um den Globus bewährte Onlinekonzepte hochzuziehen.

Besonders an dem Imagefilm ist, wie er die deutsche Herkunft und alle damit verbundenen kulturellen Assoziationen auf eine subtile Weise in den Mittelpunkt stellt und bei Zuschauern in der Wahrnehmung verankert: Viele der Protagonisten, die in dem englischsprachigen Video zu Wort kommen, fallen durch ihre heftigen deutschen Akzente auf. Allen voran natürlich Rocket Internets geistiger Vater und primärer Antreiber, Oliver Samwer, der für seine harte deutsche Aussprache und sein “holpriges Englisch” bekannt ist. Neben Samwer äußern sich diverse weitere Führungskräfte aus der Rocket-Riege. Bei manchen von ihnen reicht eine Sekunde, um ihre Herkunft aus Deutschland zu “erraten”.  » weiterlesen

Internetwirtschaft:
Deutschland braucht Megafunds mit rein deutschem Fokus

Die Internetwirtschaft Deutschlands und Europas muss sich gegen die kraftvollen, milliardenschweren Akteure des Silicon Valley sowie gegen die wachsenden Giganten aus Fernost behaupten. Ohne umfangreiche VC-Funds, die sich ausschließlich auf den hiesigen Markt konzentrieren, wird dies schwer.

Thomas Grota ist Investment Director bei T-Venture, dem Venture Capital Arm der Deutschen Telekom AG. Mehr zum Autor am Ende des Artikels.

In den letzten Wochen haben mich verschiedene Journalisten, Gründer und Investoren gefragt, welcher eine Aspekt sich meiner Meinung nach ändern müsste, damit es in der deutschen Internetwirtschaft mehr Gewinner geben könnte als heute.

Meine Antwort war zwar simpel, jedoch hat sie bei manchen für Verwunderung gesorgt: Deutschland braucht Megafunds, die einen reinen Fokus auf Deutschland haben.

Der Investmentschwerpunkt könnte auch auf weiteren europäischen Ländern liegen, jedoch müssten dann noch viel größere Kapitalmengen für diese Gesamtzahl an Ländern zur Verfügung stehen. Das Modell lässt sich entsprechend mit genügend Kapital auf ganz Europa ausweiten. Was in einem Land funktioniert, wird auch für ganz Europa gelten. Es liegt also kein nationaler Hintergedanke in dieser Schlussfolgerung. Dekliniert man dieses Modell erst einmal für die stärkste Wirtschaftsnation in Europa durch, kann man es im Anschluss auf die anderen Ländern ausdehnen. Der einzige limitierende Faktor bleibt die verfügbare Kapitalmenge.  » weiterlesen

Crowdfunding:
Die Plattformen müssen ihre Nutzer besser schützen

Kickstarter, Indiegogo und andere bieten faszinierende Chancen für Gründer, sind aber ebenso Bühne für Betrug und Selbstüberschätzung. Die Plattformen tun bislang zu wenig, um ihre Nutzer zu schützen.

Startseite von Indiegogo

Startseite von Indiegogo

 

Indiegogo und Kickstarter haben das Prinzip Crowdfunding groß gemacht: Es sind Plattformen, bei denen Erfinder und Gründungswillige auf Unterstützer, Geldgeber und potenzielle Kunden treffen. Das Prinzip: Die Macher stellen ihre Projektidee vor und bitten bei den Nutzern um Geld. Diese bekommen im Gegenzug eine Belohnung, bei Hardware-Projekten wird oftmals das fertige Gerät zu einem Sonderpreis und vor dem offiziellen Marktstart versprochen.

Es gibt in diesem Bereich Erfolge wie die Pebble Smartwatch, aber auch etliche Projekte, die niemals ihre Versprechen erfüllen konnten. Manchmal hatten die Gründer den Mund zu voll genommen, manchmal haben sie sich verkalkuliert, manchmal spielte ihnen ein unvorhergesehenes technisches Problem einen Streich und manchmal hatten sie vielleicht niemals vor, wirklich ein Produkt auszuliefern. » weiterlesen