1987 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Experiment “Technik”:
Die Gesellschaft als Labor

Auch wenn es keiner zugibt, ist der Einsatz von Großtechnik immer auch ein Experiment. Denn die Komplexität solcher Techniken ist so hoch, dass niemals alle möglichen Fehlerursachen vorhergesehen werden können. Damit wird die Gesellschaft zum Labor.

LaborUm zu verstehen, warum Technik immer auch einen experimentellen Charakter hat, ist es wichtig, sich über eines ihrer wichtigsten Merkmale klar zu werden: ihre zunehmende Komplexität. Sie hat sich mit Beginn der industriellen Revolution stark in diese Richtung verändert. Die Entwicklung von immer mehr Möglichkeiten hat eine enorm gesteigerte Leistungsvielfalt mit sich gebracht und unseren heutigen Wohlstand erst ermöglicht.

Neben den positiven Folgen hat es aber auch enorme negative Auswirkungen gegeben. Die Reise zu immer mehr Komplexität hat sich als Aufbruch in ein Abenteuer erwiesen, da sie unvermeidlich mit enormen Risiken verbunden ist. Katastrophale Unfälle in Atomkraftwerken führen das drastisch vor Augen, und die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit sind oft beschrieben worden.

Solche Risiken sind nicht auf Dinge wie böse Kapitalisten, mangelnde Planung oder unfähige Politiker zurückzuführen. Vielmehr sind sie unvermeidbar, da es unmöglich ist, sich gegen die Auswirkungen von Technik vollständig abzusichern. Und deshalb ist die Einführung einer neuen Technik immer auch ein Experiment. Nur wenn sie wirklich eingesetzt wird, ist es möglich, alle Folgen zu erkennen. » weiterlesen

Dash:
Was ein Lebensmittel-Onlinekäufer von Amazons neuem Handscanner hält

Mit Dash hat Amazon in den USA einen Handscanner für die einfache Onlinebestellung von Lebensmitteln veröffentlicht. Ob Kunden von dem Gadget tatsächlich Gebrauch machen, ist für den Konzern aber zweitrangig.

Dash

Ende der vergangenen Woche präsentierte Amazon für die Kunden seines in den USA angebotenen Online-Lebensmittel-Angebots Fresh einen WLAN-fähigen Handscanner namens Dash. Zu Anfang war ich unentschlossen, ob es sich bei dem kostenfrei über eine Einladungsliste angebotenen Gadget um eine kleine Revolution oder ein überflüssiges Stück Plastik handelt. Mittlerweile glaube ich, dass nichts davon zutrifft. » weiterlesen

Frontlinie im Kampf um die Netzneutralität:
Niemand braucht die “Spezialdienste” der Netzbetreiber

Der Neid auf die erfolgreichen Internetfirmen bringt die Netzbetreiber dazu, unter dem Vorwand von Innovation “Spezialdienste” als neue Erlösquellen anbieten zu wollen. Doch diese braucht niemand.

internetDas vom EU-Parlament verabschiedete Regulierungspaket für Telekommunikationsanbieter ist, wie kommentiert, ein Grund zur Freude für Anhänger eines freien Internets. Gerade die klare Unterstützung der Durchsetzung von Prinzipien zur Sicherung der Netzneutralität stellt eine gute Nachricht für Bürger sowie die gesamte Internetwirtschaft dar. Allerdings existiert im Verordnungsentwurf in dieser Frage noch eine entscheidende Lücke, wie die Netzaktivisten des Vereins Digitale Gesellschaft monieren: Sie räumt es Zugangsbetreibern ein, sogenannte “Spezialdienste” anzubieten – ohne genau zu definieren, was in diese Kategorie fällt und unter welchen Voraussetzungen diese angeboten werden dürfen. Zwar schließe die Verordnung eine Drosselung oder Blockierung des offenen Internets zugunsten dieser Spezialdienste aus, dennoch bestehe weiterhin die Gefahr eines “Zwei-Klassen-Netzes”, weil einzelne Onlineservices gemäß der aktuellen Regulierung als kostenpflichtige Spezialangebote aus dem offenen Netz ausgegliedert werden könnten.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die Thematik der “Spezialdienste” die Öffentlichkeit und Politik noch einige Zeit beschäftigen. Immerhin verläuft hier nun die Frontlinie zwischen den Vorkämpfern der Netzneutralität und den Providern, die bestrebt sind, abseits der von Verbrauchern gezahlten Gebühren für die Bereitstellung des Internetzugangs neue Erlösquellen zu erschließen. Genau genommen geht es also um die uralte Frage, welche Aufgaben Netzbetreiber übernehmen sollen. Die Vorstellungen hierüber unterscheiden sich markant. » weiterlesen

Nachrichten-Anwendung niiu:
Alte News in neuer App

“Alle für Sie relevanten News in einer iPad-App” verspricht das Berliner Unternehmen niiu und kann das kaum einlösen. Es versucht sich an dem Spagat, Print-Inhalte in die digitale Welt zu überführen.

Screenshot der niiu-App

Screenshot der niiu-App

Als niiu vor sieben Jahren an den Start ging, war die Grundidee eine individualisierte, gedruckte Tageszeitung. Bei allem Enthusiasmus für die Vorteile und Möglichkeiten digitaler Medien, hat das Medium Papier seine Fans und seine ganz eigenen Vorzüge. Insofern hätte niiu zu einer modernisierten Form der Zeitung werden können, aber die praktischen Probleme bei der Umsetzung der Idee waren dann offenbar doch zu groß: Die Printversion wurde letztlich eingestellt, stattdessen setzte man auf den Hoffnungsträger iPad. Die niiu-App soll das Beste aus klassischer Zeitungs- und Zeitschriftenwelt mit dem digitalen Universum des Tablets zusammenbringen und ist jetzt, unterstützt durch eine frische Finanzierungsrunde für das Startup, in einer neuen Version erschienen. Es gibt dafür sogar ein nachvollziehbares Geschäftsmodell: 12,99 Euro pro Monat sollen die Leser für diesen Service zahlen. niiu wiederum zahlt Lizenzen an die teilnehmenden Verlage. » weiterlesen

Netzneutralität ja, Roamingebühren nein:
Europa, das hast du gut gemacht!

Mit dem Beschluss der Durchsetzung von Netzneutralität und Abschaffung von Roamingebühren setzt die europäische Politik ein Zeichen, das symbolische und praktische Bedeutung für ein geeintes Europa besitzt. Anhänger dieser Idee haben endlich wieder einen Grund zur Freude.

Digitales EuropaIch bin ein Anhänger der europäischen Idee und der damit verbundenen Vorzüge wie der Reisefreiheit und Freizügigkeit, der einheitlichen Währung sowie dem einheitlichen Finanz- und Handelsraum. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass die verschiedenen Kulturen Europas sich einander sehr viel ähnlicher sind, als dies vielen Menschen bewusst ist. Meist merkt man dies nur erst, wenn man einmal längere Zeit den Kontinent verlassen hat. Leider waren die vergangenen Jahre für Menschen mit meiner Sichtweise von der Sorge geprägt, dass all das durch die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise zu Bruch gehen könnte. Nationalismus und Separatismus, die Unterminierung des Schengenabkommens sowie Forderungen nach der Wiedereinführung nationaler Währungen mögen für manche nach einer geeigneten Lösung anmuten, um die Krise zu bewältigen. In meinen Augen jedoch wäre dies als strategische Richtung ein großer Verlust und ein fataler Fehler. » weiterlesen

Statt komplexem Doo nun simple Scanbot-App:
Frank Thelen wandelt auf den Pfaden der 6Wunderkinder

Das ambitionierte Dokumenten-Startup Doo strich kürzlich seine Segel. Doch das Team um Gründer Frank Thelen hat die entwickelte Technologie genutzt und eine Scanner-App für das iPhone veröffentlicht. Dass die Strategie kleiner Brötchen statt riesiger Torten funktionieren kann, haben die Macher von Wunderlist bewiesen.

ScanbotVor einigen Wochen gab das Bonner Startup Doo seinen Traum eines strukturierten Systems zur Aufbewahrung digitaler Dokumente auf. Das Nutzerinteresse für den Dienst, in den zehn Millionen Euro investiert wurden, war schlicht zu gering. Da halfen auch keine großen Ambitionen sowie die Erfahrung des Gründers Frank Thelen. Dieser kündigte aber umgehend an, an neuen Projekten zu arbeiten. Eines davon schickte er gestern offiziell ins Rennen: Scanbot, eine bislang nur für das iPhone, dafür aber von Beginn an in 13 Sprachen angebotene Scanner-App, entwickelt von Teilen des Team, das auch schon an Doo arbeitete. » weiterlesen

250 Millionen Dollar für Uber-Wettbewerber Lyft:
Individual-Beförderung steht vor massivem Wandel

Nach Uber erhält auch der Rivale Lyft eine enorme Summe von Investoren, um mit seiner On-Demand-Transport-App die Welt zu erobern. Für Personen mit hohen Mobilitätsbedürfnissen sind das gute Nachrichten. Das im Vergleich zu den Startups altmodisch wirkende Taxigewerbe dagegen muss sich fürchten.

LyftDie Individualpersonen-Beförderungsbranche steht vor einem massiven Wandel, der vor allem das Taxigewerbe herausfordert. Nein, die Rede ist nicht von smarten Taxivermittlern à la myTaxi, obwohl diese natürlich auch ihren Teil zu den Umwälzungen beitragen. Ganz besonders viel Druck kommt aber von On-Demand-Transportdiensten, die in der Regel gar nicht erst die Services von Taxifahrern in Anspruch nehmen. Tonangebend ist im Augenblick Uber aus San Francisco. Eine großzügige Ausstattung mit insgesamt 300 Millionen Dollar Wagniskapital erlaubt es den Kaliforniern, im Eiltempo in alle Welt zu expandieren. Derzeit können die gewerblichen Chauffeure in Metropolen in 35 Ländern per App spontan bestellt und auch bezahlt werden.

Doch selbst wenn Ubers Service aus Sicht von bisherigen Taxi-Vielfahrern sehr innovativ und komfortabel sein mag, benötigt der gerade neu entstehende Markt Wettbewerb – und zwar nicht nur durch primär national agierende Anbieter im Hochpreis-Limousinensegment wie etwa die deutschen Services Blacklane und myDriver. Wichtiger ist das Vorhandensein eines Konkurrenten, der ebenbürtig und ähnlich expansiv ist. » weiterlesen

Facebook:
Der größte schlechte Kompromiss der Internetgeschichte

Facebook hat ein unglaublich kompliziertes, kaum noch zu handhabendes Spannungsfeld aus Interessen der unterschiedlichen Plattformteilnehmer geschaffen. Das Resultat sind dauerhaft schlechte Kompromisse. Lange kann das nicht gut gehen.

FacebookWie so oft zuvor hat Facebook wieder einmal den Unmut eines Unternehmens hervorgerufen, das sich auf der Plattform benachteiligt fühlt. Der US-Speisenvermittler Eat24 echauffiert sich darüber, dass seit den jüngsten Änderungen am Algorithmus des Newsfeeds weniger Eat24-Fans die Beiträge des Unternehmens in ihren Streams zu sehen bekommen. Als ich die Berichte dazu laß, mich an zurückliegende Konflikte zwischen bei dem sozialen Netzwerk präsenten Firmen und Facebook erinnerte und dann auf die (treffende) Feststellung von Mathew Ingram stieß, dass Facebook sich permanent in einem Spannungsfeld aus Steuerung gemäß Instruktionen der Nutzer, Relevanzbestrebungen und der Berücksichtigung der Interessen von Werbekunden befinde, wirkte die gesamte Situation auf mich plötzlich unheimlich absurd: » weiterlesen

Nach Google nun Techblogs:
Die Sabotage von RSS schreitet voran

Bekannte, die Internetwirtschaft thematisierende Fachmedien wie TechCrunch, deutsche-startups.de und Gründerszene sind kürzlich dazu übergegangen, in ihren RSS-Feeds Artikel nur noch anzureissen, anstatt in voller Länge darzustellen. Damit schaden sie sich selbst.

Kompletter RSS-Feeds (links) vs gekürzter Feed

Nachdem Google mit der Schließung des wichtigsten RSS-Readers im Sommer 2013 deutlich machte, dass es nicht mehr länger hinter dem bewährten Format zur komfortablen Verbreitung von Nachrichten und anderen Onlineinhalten steht, setzen nun einige Fachmedien der Technologiebranche die Sabotage von RSS fort: In den vergangenen Wochen haben mehrere Techblogs, die ich aus beruflichem Interesse regelmäßig verfolge, ihre RSS-Feeds gekürzt. Anstatt dass die vollständigen Beiträge von TechCrunch, deutsche-startups.de und Gründerszene in meinem RSS-Reader Feedly beziehungsweise Mr. Reader erscheinen, tauchen von diesen Sites nur noch Artikelanrisse mit den ersten Zeilen der jeweiligen Texte auf. » weiterlesen

Internationalen Wettbewerb unterschätzt:
Die deutsche Medienriesen und ihre gefloppten sozialen Netzwerke

Deutschlands Medienriesen ist das Kunststück gelungen, ihre während der Web-2.0-Euphorie für vergleichsweise viel Geld gekauften sozialen Netzwerken allesamt gegen die Wand zu fahren. Ihr großer Fehler war der Glaube, dass Ländergrenzen im Social Web auf Dauer eine Rolle spielen.

studiVZ

Die RTL-Gruppe will sich also von ihrem 2009 übernommenen sozialen Netwerk wer-kennt-wen.de (wkw) trennen. Auch mit einem Relaunch vor einigen Monaten ließ sich der kontinuierliche Verlust von Seitenaufrufen nicht stoppen.

Damit kann man mit Gewissheit konstatieren, dass die drei einstmals bedeutsamsten deutschen Social Networks für Privatanwender allesamt von ihren Besitzern gegen die Wand gefahren wurden. Holtzbrinck war nicht in der Lage, dem Abstieg der VZ-Netzwerke etwas entgegenzusetzen, ProSiebenSat.1. musste beim Niedergang seines ebenfalls im Zuge des Web-2.0-Hypes gekauften Dienstes lokalisten zusehen, und RTL konnte nichts dagegen machen, dass es für wkw genauso dynamisch abwärts ging, wie das Angebot zuvor bestimmte Regionen Deutschlands mit viel Kraft einnahm.

Ohne Schadenfreude ist festzustellen, dass die deutschen Medienkonzerne vollständig dabei versagt haben, etwas Nachhaltiges aus ihren Millionenakquisitionen zu machen. » weiterlesen