1988 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Debüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot:
Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

In seinem Heimatland Schweden hat der TV-Dienst Magine den wichtigsten Partner verloren und deshalb Deutschland als neuen Fokusmarkt auserkoren. Für hiesige User heißt dies erst einmal: ein Gratis-Angebot, das als Novum selbst die Sender von ProSiebenSat.1 und RTL streamt.

Der aus Schweden stammende TV-Streamingdienst Magine hat nicht unbedingt das hingelegt, was man einen perfekten Start nennen würde. Trotz drei Jahre andauernder Verhandlungen mit den Sendern verzögerte sich die Expansion nach Deutschland. Als dann die geschlossene Beta begann, überzeugte sie nur bedingt. Das Beta-Stadium zog sich abermals deutlich länger hin, als von den Skandinaviern angekündigt. Parallel erlitt das Startup aus Stockholm im Heimatmarkt eine herbe Niederlage, als sich im März der bis dato wichtigste Partner, die Privatsenderkette TV, aus der Kooperation zurückzog. » weiterlesen

Streit-Thema Individualbeförderung:
Warum WunderCar den Konflikt um Uber entspannt beobachtet

Während Uber den geballten Zorn der Taxibranche auf sich zieht, glaubt der Konkurrent WunderCar, mit seinem Konzept weniger Aggressionen zu provozieren. Zudem bedrohe die von dem Startup aus Hamburg vorangetriebene Bewegung eher die Automobilbranche, sagt Gründer Gunnar Froh.

WunderCarDie aktuelle Aufregung um Uber wirft nicht nur die Frage auf, wie myTaxi sich künftig verhalten wird. Auch WunderCar, ein anderes, noch ganz junges Startup aus Deutschland, muss eine Entscheidung treffen, wie es sich angesichts der aufgeheizten Stimmung positioniert. Es könnte zwar versuchen, sich in die derzeit umfassende Medienberichterstattung zum Fall Uber “einzuschleichen”, um ebenfalls von der großen Aufmerksamkeit zu profitieren. Dann allerdings bestünde die Gefahr, dass auch der Dienst aus Hamburg ins Visier des Establishments geraten würde. Vielleicht ist das der Grund, warum die Norddeutschen bislang auf aktive PR mit Anknüpfung zur aktuellen Debatte verzichtet haben.  » weiterlesen

Google Glass als Alltags-Gadget:
Das wird vorläufig nichts

Noch immer versucht Google, seine Datenbrille Glass als Produkt für Alltagsszenarien zu positionieren. Doch dieses Ziel kann sich das Unternehmen erst einmal abschminken.

GlassVor einer Woche hätte ich mir Google Glass zulegen können. Da wurde die ambitionierte Datenbrille nämlich erstmals einen Tag lang frei in den USA verkauft – wo ich mich gerade befinde. Doch ich habe auf den Erwerb des Apparats verzichtet. Erstens sind mir 1.500 Dollar für ein solches Gerät zu teuer. Zweitens versuche ich als Minimalist, die Zahl meiner Gadgets zu verringern, anstatt mir immer mehr Gerätschaften zuzulegen. Insofern kommen für mich Wearables erst dann in Frage, wenn sie meine existierende Digitalausrüstung vollständig ersetzen. Drittens hat der Sehaufsatz bereits vor seinem breiten Marktstart ein ziemlich makelhaftes Image. Google Glass steht für den derzeit besonders in der Gegend um San Francisco und das Silicon Valley eskalierenden Konflikt zwischen der Reichtum anhäufenden Tech-Elite und den “Normalbürgern”, die explodierende Miet- und Lebenshaltungskosten sowie Existenzängste um den Schlaf bringen. » weiterlesen

Das große Entbündeln:
Für jeden Zweck eine eigene App

Social Networks und Clouddienste wie Facebook, Dropbox, LinkedIn und Twitter ändern unisono ihre Strategie und beginnen damit, für besondere Einsatzszenarien separate Apps bereitzustellen. Die Spielregeln des Ökosystems werden neu geschrieben.

AppsDie Webwirtschaft ist trotz aller vorgezeichneten Pfade immer noch für handfeste Überraschungen gut. Was sich gerade rund um die führenden sozialen Netzwerke und an Endkonsumenten gerichteten Clouddienste abspielt, hat vor zwei Jahren wohl niemand geahnt: Anstatt dass sie immer mehr Dienste unter einem Dach vereinen, setzen sie auf die große Entbündelung. Die Devise lautet nicht länger “eine Anwendung für alles”, sondern “für jeden Service eine eigene App”.

Facebook machte den Anfang und bietet mittlerweile neben der Haupt-App verschiedene Special-Interest-Anwendungen, von Instagram und WhatsApp über Paper bis Messenger. Wie ernst es CEO Mark Zuckerberg mit der Multi-App-Strategie ist, zeigt der Plan, die Chatfunktion komplett aus der Original-Applikation zu entfernen. Auch der Cloudpoinier Dropbox verfolgt den Ansatz verschiedener, durch eine einheitliche Nutzerverwaltung zusammengehaltener Apps, die jeweils für ein bestimmtes Anwendungsszenario die beste User Experience bieten sollen. LinkedIn sieht ebenfalls viel Potenzial darin, bestimmte Services auszulagern. Mit Pulse, LinkedIn Contacts und Cardmunch bietet das Geschäftsnetzwerk bereits einige Standalone-Apps. Ein bis zwei weitere sollen 2014 folgen. Selbst Twitter folgt dem Trend – mit Vine betreibt der Microblogginganbieter eine Video-App. Zudem versuchte er sich an einer eigenen Musik-App – diese allerdings wurde wegen ausbleibendem Erfolg schon wieder eingestellt. Aber es dürfte nicht lange dauern, bis der Zwitscherdienst die nächste separate App veröffentlicht. Twitter News vielleicht?! » weiterlesen

Uber und die Taxibranche:
Wie myTaxi unfreiwillig zum Verteidiger des Establishments wird

Ungewohnte Situation für myTaxi aus Hamburg: Weil die Taxibranche mit Uber ein neues Feindbild hat, wird der innovative Dienst der Norddeutschen plötzlich zum Vertreter und Verteidiger des Establishments.

myTaxiDas US-Beförderungsstartup Uber hat mit der im vergangenen Jahr eingeleiteten Expansion nach Berlin in ein Wespennest gestochen. Lokale Taxiunternehmer beobachten den Neuling argwöhnisch, weil dieser “taxiähnliche” Dienstleistungen anbietet, ohne die dafür gemäß Personenbeförderungsgesetz notwendige Erlaubnis vorweisen zu können. Mit einer kürzlich vom Taxiunternehmer Richard Leipold erwirkten einstweiligen Verfügung droht den Kaliforniern, die mittlerweile in Metropolen von 35 Ländern die spontane Bestellung von Limousinen und kleineren Fahrzeugen inklusive Chauffeur anbieten, ein vorläufiger Stopp der Berlin-Aktivitäten – auch wenn Uber in der Spreestadt erst einmal weitermachen und “alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ausschöpfen” will, um die Verfügung anzufechten. » weiterlesen

Offener Brief an Eric Schmidt:
Die Ängste von Springer-Chef Mathias Döpfner

In einem offenen Brief in der FAZ schildert Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner seine Befürchtungen im Bezug auf die Macht und Abhängigkeit von Google. Er spricht einige wichtige Dinge an – und ruft in Erinnerung, warum neben der Sorge über Google auch die über den Verlagslobbyismus angebracht ist.

Mathias Döpfner

Es gibt vieles, was man an Google kritisieren kann. Die (verdiente, aber dennoch problematische) unglaubliche Dominanz in einigen Märkten, die daraus resultierende subtile Meinungsmacht (Stichwort Personalisierung und Filterblase), die äußerst progressive Haltung zum Thema Datenschutz, die fehlende Empathie des Managements, das jedem User aufgezwungene Google+ oder die schleichende Abkehr von offenen Standards wären einige Beispiele. Googles Erfolg ist erstklassigen Produkten und der Befriedigung von Userbedürfnissen geschuldet, wirft aber dennoch die Frage auf, ob dem ungebrochenen Aufstieg des Konzerns überhaupt noch irgendetwas entgegengesetzt werden kann. Und was passiert, wenn die Antwort darauf “nein” lautet. Vor einem Jahr hatte ich das ungewöhnliche Dilemma mit der Aussage zusammengefasst, dass Google zu gut für diese Welt sei. » weiterlesen

Alte Strukturen kollidieren mit neuen Technologien:
6 Thesen für eine moderne Dienstleistungsgesellschaft

Viele Prozesse zur Buchung und Inanspruchnahme von Dienstleistungen hinken dem theoretisch technisch Möglichen noch weit hinterher – auch weil sich die Vertreter bisheriger Strukturen gegen einen Wandel stemmen. Es wäre besser, sich der Modernisierung zu öffnen. Konsumenten haben dies verdient.

DienstleistungenWenn man ein wenig durch die Welt reist und dabei die Augen offen hält, fällt einem eines auf: Gelegentlich stößt man auf Prozesse, die an einem Ort besonders gut und zeitgemäß gelöst sind, oft aber auf solche, die ausgesprochen umständlich ablaufen. Deutschland bildet hier keine Ausnahme. Veraltete Gesetze, fehlende technische Infrastruktur sowie aus Zeiten der Industriegesellschaft übernommene Normen und Konventionen verhindern allzuoft die für Beteiligte optimalsten Abläufe. An dieser Stelle möchte ich mich auf einige Erkenntnisse konzentrieren, die daraus im Laufe der Zeit erwachsen sind: Thesen für die Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft.

1. Die einfachste und effizienteste Lösung für ein Problem ist in der Regel die beste, schnellste, und sie gehört meist zu den kostengünstigsten Optionen. Eine simple Dienstleistung mit wenigen Handgriffen per Smartphone zu buchen/zu veranlassen, ist einer langwierigen Abwicklung per Telefon oder Fax mit darauffolgender manueller Weiterbearbeitung grundsätzlich überlegen.

2. Veraltetete Gesetze, die der Umsetzung der besten Lösung im Wege stehen, müssen auf die höhe der Zeit geholt werden. Ein Bespiel: Für Fahrzeuge mit Chauffeur werden gemäß aktueller Regelung auf der rechten Seite mindestens zwei Türen vorausgesetzt, wodurch der Einsatz von Smarts in diesem Segment erschwert wird. Dabei würde die Allgemeinheit klar davon profitieren, wenn sich Passagiere mit spritsparenden Minifahrzeugen statt großer Limousinen durch die Gegend fahren ließen.

3. Arbeitsplatzerhalt ist kein geeignetes Argument für den Beibehalt von suboptimalen Vorgängen. Verbraucher verdienen bestmögliche, zeitsparende und korrekte Leistungen, nicht mangelhafte Abläufe, die sie Geld, Zeit und Nerven kosten, und die nur deshalb nicht überarbeitet werden, weil eine Lobby sich unter Zuhilfenahme einer eingestaubten Rechtslage dagegen versperrt. In den unterschiedlichen Phasen der Wirtschaftsgeschichte gingen immer Arbeitsplätze verloren, und es entstanden parallel immer wieder neue. Dieser natürliche Prozess mag kurzzeitig schmerzhaft sein, führte aber im Endeffekt stets zu einer Verbesserung der Zustände.

4. Staatlicher Protektionismus für alte, ineffiziente Strukturen sollte maximal als Übergangslösung eingesetzt werden, um den Veränderungsprozess einer Branche verträglicher zu gestalten. Dabei dürfen die Bedürfnisse der Kunden nie aus dem Blick verloren werden. Ihnen künstlich, etwa durch destruktive gesetzliche Intervenierung, Steine in den Weg zu legen, nur um das eigene Geschäftsmodell zu retten, ist falsch.

5. Jede Verzögerung der Entwicklung, jede gesetzlich zementierte Beibehaltung des Status Quo und jede protektionistische Maßnahme wird den Wandel nur bremsen, aber nicht dauerhaft aufhalten.

6. Die zu beobachtenden Veränderungen bei Anstellungsverhältnissen und sozialen Sicherungsnetzen im Dienstleistungsbereich sowie die Effekte der das Dienstleistungsgewerbe verändernden Sharing Economy und der daraus resultierenden Neudefinition von “Arbeit” erfordern konstruktives, lösungsorientiertes politisches Handeln. Alternative Absicherungsmodelle wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen mögen sich als nicht praktikabel herausstellen. Dazu müssten sie jedoch erst einmal ernsthaft auf hoher politischer Ebene evaluiert und im besten Fall in einem begrenzten Szenario getestet werden. /mw

(Grafik: bureaucrat – cartoon, Shutterstock)

Von Eric Schmidt bis Marc Andreessen:
Wenn Tech-Koryphäen die Zukunft vorherzusagen versuchen

Wenn Schwergewichte aus der Internet- und Technologiebranche in die Glaskugel blicken, bekommen sie viel Aufmerksamkeit. Doch man sollte ihre Worte nicht zu ernst nehmen.

Eric Schmidt

Googles ehemaliger CEO und derzeitiger Verwaltungsratschef Eric Schmidt ist für seine kühnen Prognosen bekannt. Mal liegt er richtig, mal nicht. Sein wohl “berühmtester” Irrtum war die selbstbewusste Prophezeiung im Dezember 2011, dass im Sommer 2012 die Mehrzahl der in den Läden stehenden Fernsehgeräte mit der Google-TV-Software-Plattform ausgerüstet sein würde. Dazu kam es nie, denn aus dem ambitionierten TV-Projekte wurde ein Flop.

Der Patzer von Schmidt ist ein Lehrstück dafür, dass die von Firmenlenkern und Branchenkoryphäen gerne praktizierte Kunst der vollmundigen Vorhersagen grundsätzlich mit viel Vorsicht betrachtet werden muss. Erst recht deshalb, weil der Mensch darauf programmiert zu sein scheint, den Worten eines Schwergewichts aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft eine besondere Bedeutung zuzumessen, ohne ihre Motive zu hinterfragen. Und so landen die Prophezeiungen von Schmidt und anderen im Rampenlicht stehenden Unternehmern und Bossen aus der Technologiewelt meist besonders prominent in den Schlagzeilen. » weiterlesen

Das neue digitale Medienökosystem:
Reichweite kann jeder

Überall sprießen Medienangebote aus dem Internetboden, die innerhalb von kürzester Zeit Millionen Menschen erreichen. Dies zu bewerkstelligen, war noch nie einfacher.

SharingBislang war mir die Onlinepublikation Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) nur durch gelegentlich auftauchende Verlinkungen beim Aggregator Rivva ein Begriff – und fällt mir dort immer besonders wegen des sperrigen und mit einem Bindestrich geizenden Namens auf. Dass es sich bei dem Angebot um ein mittlerweile 15 feste Mitarbeiter beschäftigendes Medienstartup mit einer monatlichen Reichweite von zwei Millionen Lesern handelt, darüber wurde ich erst durch diese Kurzvorstellung des Elektrischen Reporters aufmerksam. DWN sehe Wirtschaft “als ein buntes Thema” und versuche, “Wirtschaft für jeden verständlich zu machen”, sagt Verlagsleiter Christoph Hermann in dem Porträt. Was er damit meint: Hysterie, Empörung und Pessimismus. So lassen sich die Inhalte der DWN am treffendsten beschreiben. Gute Neuigkeiten oder Optimismus findet man bei dem Portal grundsätzlich nicht. Trotz oder gerade deshalb sind die DWN ein absoluter und den Zahlen nach zu urteilen ernstzunehmender Newcomer. Hermann und seine Kollegen profitieren von den perfekten Voraussetzungen, die das soziale Netz für das schnelle Hochziehen von Klickraketen bietet. » weiterlesen

Bedrohung oder nicht:
Warum es sinnvoll ist, sich über den Niedergang des mobilen Webs Sorgen zu machen

Ist die Popularität mobiler Apps und das parallele Desinteresse für mobile Websites langfristig eine Bedrohung für das freie Internet oder nicht? Egal welche Position man in dieser Debatte vertritt, empfiehlt es sich, potenzielle Gefahren anzuerkennen. Denn ausnahmsweise haben Optimisten nichts zu gewinnen.

AppsDer bekannte Entrepreneur und Investor Chris Dixon hat mit einem Beitrag über den Niedergang des mobilen Webs im Zuge der Dominanz nativer Apps eine Debatte ausgelöst, an der sich diverse Meinungsmacher und Beobachter mal mit Zustimmung, mal Widerspruch beteiligen. Während sich die Diskussion teilweise um Semantik dreht, etwa was überhaupt als “mobiles Web” zu verstehen sei, steckt dahinter eine wichtige Frage, nämlich was passieren würde, sollte die Nutzung des Internets nur noch über von Gatekeepern kontrollierte native Applikationen erfolgen. Die aktuellen Nutzungsmuster deuten klar auf einen solchen Trend hin, dürfen allerdings nicht überbewertet werden, solange jeder Besitzer eines mobilen Geräts uneingeschränkten Zugriff auf das browserbasierte Web hat. Was die Optimisten meiner Meinung nach aber überschätzen, ist die Beständigkeit des aktuellen, eine Wahlmöglichkeit zwischen browserbasierten Websites und nativen Apps beinhaltenden Szenarios. » weiterlesen