2152 Artikel in der Kategorie Analysen auf netzwertig.com.

Netzfirmen und die Daten der Nutzer:
Ubers pädagogisches Beispiel für die Überwachungsgesellschaft

Ubers skandalöser Umgang mit kritischen Journalisten hat etwas Gutes: Er führt auf ganz simple Weise vor, was es für Individuen bedeuten kann, in einer Überwachungsgesellschaft zu leben.

ÜberwachungSpätestens seit Snowden weiß jeder, was zuvor schon mit einer kurzen Reflexion zu vermuten war: Das Internet bringt weitreichende Möglichkeiten der Massenüberwachung mit, von denen auch Gebrauch gemacht wird. Doch trotz der Vielzahl an konkreten Details bleibt es für die meisten Bürger bei einem diffusen Gefühl der zwar vorstellbaren, aber scheinbar harmlosen Beobachtung durch Behörden und Unternehmen. Zudem habe man ja “nichts zu verbergen”. Dank der jüngsten Aufregung um ethisch fragwürdige Praktiken des Beförderungsdienstes Uber im Umgang mit Journalisten aber wird nun für den Otto-Normal-Menschen sehr viel greifbarer, was die Totalüberwachung des Alltags ganz praktisch für Konsequenzen haben kann. » weiterlesen

Neue schwierige Zeiten für den Internetriesen:
Google braucht keine Zerschlagung, Herausforderungen gibt es genug

EU-Pläne zur Entflechtung von Google scheinen vorläufig schlechte Chancen auf eine Umsetzung zu haben. Und das ist wohl besser so. Denn noch nie in der Geschichte von Google sah sich das Unternehmen mit so vielen Herausforderungen und Baustellen konfrontiert.

Nicht alles läuft derzeit optimal für Google

Aus der laut Medienberichten angeblich vom Europaparlament geplanten Zerschlagung oder Entflechtung von Google wird vorläufig wohl doch erst einmal nichts. Selbst EU-Digitalkommissar Günther Oettinger schließt dies aus. Dennoch dürfte die Debatte über das Vorhandensein einer schädlichen marktbeherrschenden Stellung des Unternehmens damit nicht vom Tisch sein. Einige führende Medienkonzerne mit dem erklärten Feindbild Google werden schon dafür sorgen, dass das Thema weiterhin aktuell bleibt.

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Geld-App Swish:
Wie Schwedens Banken gemeinsam das Smartphone erobern

Ein Beispiel aus Schweden zeigt, dass selbst das oft gescholtene Establishment im Onlinebereich erfolgreich sein kann: Dort haben die großen Banken mit Swish gemeinsam eine App zum schnellen mobilen Überweisen etabliert. Mit Plänen zur Erhebung von Gebühren könnten sie die geschaffenen Markteinstiegsbarrieren aber kaputt machen.

Als ich in der vergangenen Woche prognostizierte, dass mobile Peer-to-Peer-Überweisungen auch in Deutschland demnächst ihren Durchbruch erleben werden, führte ich als eine Option an, dass die in Deutschland aktiven Banken sich für einen entsprechenden Dienst zusammenschließen könnten. Auf diese Weise würden sie sicherstellen, den Markt nicht den großen US-Giganten zu überlassen. Ob es dazu kommt und inwieweit ein derartiges Unterfangen irgendwelche Chancen hätte, steht in den Sternen. Ein Blick nach Skandinavien zeigt aber, dass die Idee funktionieren kann. In Schweden nämlich hat eine gemeinsam von den führenden Finanzinstituten des Landes entwickelte P2P-App namens Swish innerhalb von zwei Jahren eine gewaltige Verbreitung erreicht und sich als Quasi-Standard für schnelle elektronische Geldtransfers per Smartphone etabliert.

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Werbefreier Genuss mit Google Contributor und Co:
Der verzweifelte Versuch, einen besser AdBlocker zu lancieren

Bezahlschranken und Werbefinanzierung sind bei Lesern unbeliebt und für Online-Magazine selten lukrativ. Eine alte Idee, die Google mit Contributor gerade aufgreift, soll die Lösung sein. Doch Leser mit Werbung derart zu nerven, dass sie lieber freiwillig zahlen, kann nicht die Antwort auf das grassierende Finanzierungsproblem sein.

Google Contributor

Google Contributor

Schonst du meine Nerven, dann gebe ich dir Geld dafür: Das ist ein Kundenwunsch, mit dem Google in den USA mit dem neuen Dienst Contributor an den Start gegangen ist. Für ein bis drei Dollar im Monat blendet Google auf teilnehmenden Seiten wie Mashable.com, ScienceDaily und The Onion die Werbung aus und statt dessen eine Dankesmeldung ein. Auf mobilen Seiten soll die Werbung ganz verschwinden. Erste Beobachter sehen in Contributor eine Art Mischung aus einem freundlichen AdBlocker und dem freiwilligen Spendendienst Flattr. Inhalte-Anbieter wittern bereits Morgenluft: endliche eine vernünftige Einnahmeform abseits der unbeliebten Display-Werbung?

Die Idee ist nicht ganz neu, und auch wenn sie auf den ersten Blick einen fairen Eindruck hinterlässt, wird schnell klar, dass hier auch nur gerettet werden soll, was kaum noch zu retten ist. In der Vergangenheit haben ähnliche Versuche meist nur mit Zwang funktioniert und sich gegenüber Freemium-Modellen als die unbeliebtere Lösung herausgestellt. » weiterlesen

“Offline war alles besser”:
Wider die Glorifizierung des Abschaltens

Der Always-on-Trend sorgt für die Formierung einer losen Gegebenwegung von Menschen, die das Abschalten propagieren. Dabei schießen sie leicht über das Ziel hinaus. Aus guten Ratschlägen wird die Glorifizierung von Trivialem.

OfflineDass die Nutzung der immer vielseitiger einsetzbaren digitalen Gerätschaften, die sich in Form des Smartphones meist 24 Stunden in unserer Reichweite befinden, bei manchen Menschen über die Stränge schlägt und gar krankhafte Züge annehmen kann, ist unbestritten. Als Konsequenz hat sich in letzter Zeit eine lose, heterogene Gegenbewegung gebildet, die das Abschalten propagiert. Die Motive und das Engagement für die Sache variieren stets, die Philosophie aber ist meist die gleiche: Zu viel und zu intensive Präsenz im Netz gehe auf Kosten der Wahrnehmung der Gegenwart und des psychischen Wohlbefindens. Außerdem drohe der “Smartphone-Nacken”.

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Deutschlands wirtschaftliche Zukunft im Digitalzeitalter:
Wieso vernichtende Kritik und große Anerkennung berechtigt sind

Was Internet-Infrastruktur und Netz- und Gründerpolitik angeht, liegt in Deutschland viel im Argen. Doch während wir über die Versäumnisse klagen, sieht der amerikanische Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin ausgerechnet die Bundesrepublik als Vorbild, was Standortfaktoren für eine gelungene Wirtschaft der Zukunft angeht. Es ist nur ein scheinbarer Widerspruch.

3D-Druck gehört zu den Hoffnungsträgern der kommenden Wirtschaftsära

Wir Deutschen gehen bekanntlich hart mit uns und den Entwicklungen im Land ins Gericht. Gerade was den Fortschritt, die Rechtsprechung und die politischen Vorstöße in Bezug auf die Regulierung und Formung der digitalen Welt angeht, liegt auch zweifellos einiges im Argen.

Ich formulierte es im September diplomatisch, als ich konstatierte, dass sich der hiesige Mittelstand auf dem Erfolg von “Made in Germany” ausruht. André Vatter greift in einem aktuellen, emotionalen Text zum Status Quo zu deutlicheren Worten: Die deutsche Digitalpolitik sei nicht das Ergebnis von Dummheit, Ignoranz oder Verbohrtheit, sondern Vorsatz. Seine These: Die ausbleibenden Investionen sind nichts anderes als Subventionen für die “Wirtschaft 1.0”. Er nutzt seine lesenswerte Brandrede auch dafür, einen Überblick über viele der kleinen und großen Missstände zu geben, die derzeit die Zukunftschancen für die deutsche Wirtschaft verschlechtern.

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Venmo, Snapcash und viele Startups:
Warten auf das WhatsApp der mobilen Geldtransfers

In den USA versenden mittlerweile Millionen Menschen untereinander kleinere Geldbeträge per Smartphone. Auch dank vergleichsweise niedriger Einstiegshürden wird der deutsche Markt bald nachziehen.

P2P-GeldtransferApple Pay und andere Dienste zum mobilen Bezahlen werden in Deutschland wohl aufgrund unvorteilhafter Rahmenbedingungen noch eine Weile auf ihren Durchbruch warten müssen. Doch das heißt nicht, dass alle das Smartphone involvierenden Finanzvorgänge hierzulande auf lange Zeit zum Nischendasein verdammt sind. Im Gegenteil. Es spricht einiges dafür, dass sogenannten Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen zwei Personen innerhalb naher Zukunft eine Standardpraxis auch bei hiesigen Smartphone-Nutzern werden. Ich wage die Prognose, dass in einem Jahr ein Anbieter in Deutschland diesen Markt zumindest in der Zielgruppe der jungen Smartphone-Nutzer weitgehend dominiert und mindestens eine Million aktive User vorweisen kann.

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Tweets teilen per Direktnachricht:
Twitters neue kleine Funktion mit großer Bedeutung

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen Chat-Apps, um im kleinen Kreis zu kommunizieren. Mit einem neuen Feature, um Tweets selektiv mit einzelnen Personen zu teilen, signalisiert Twitter Ambitionen, diesese Potenzial erschließen zu wollen.

TwitterBei Twitter kriselt es seit einiger Zeit. Um nicht ganz das Vertrauen der Anleger zu verlieren, kündigte das Unternehmen vor anderthalb Wochen auf einem speziellen Event eine Reihe von auf die Erhöhung des Nutzerwachstums und der Aktivität bestehender User abzielende Produktinitiativen an. Wenige Tage später lässt die Firma Taten folgen: Seit dieser Woche enthält Twitters Suchefunktion sämtliche seit dem Debüt des Dienstes im Jahr 2006 publizierten Tweets. In der Nacht zu Freitag folgte die nächste Neuerung: Anwender der iOS- und Android-App können nun einzelne Tweets direkt aus dem Kontextmenü per Direktnachricht an ausgewählte Personen schicken. TechCrunch kommentiert die Einführung der Funktion mit der Feststellung, dass es sich nicht um einen besonders häufig geäußerten Feature-Wunsch handele. Mag sein. Einer hat sich dieses Feature aber ganz bestimmt gewünscht: meine Wenigkeit. Ich nahm mir im März auch die Freiheit, meinen Wunsch zu begründen und die möglichen Vorzüge aufzuzeigen.

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Ein Plädoyer an Inbox-Verschönerer:
Gebt jetzt nicht auf, ihr seid auf dem richtigen Weg!

Nach dem vereitelten Masterplan zur Abschaffung der E-Mail gab es zuletzt gleich mehrere Versuche, das alte aber notwendige Medium zu verschönern. Trotz kaum restlos überzeugender Ansätze zeigt es sich hier, dass die Entwickler im Prinzip auf dem richtigen Weg sind.

Neuer E-Mail-Ansatz IBM Verse auf einem iPad. Bild: IBM.

Neuer E-Mail-Ansatz IBM Verse auf einem iPad. Bild: IBM.

Thierry Breton, Chef des französischen IT-Systemhauses Atos Origin, sorgte Anfang 2011 für Aufsehen mit dem Wunsch, die E-Mail aus seinem Unternehmen zu verbannen. Möglichst binnen drei Jahren. Ein Jahr später die Bestätigung der Bekräftigung: “Ja, wir schaffen das!”. Mittlerweile sind fast vier Jahre seit Bretons Schlachtruf vergangen und die E-Mail erfreut sich weiterhin hoher (Un)Beliebtheit. Vom deutschen Atos-Sprecher Stefan Pieper las man im September diesen Jahres noch einmal die Parole: “Schafft die E-Mail ab!”. Geschafft habe man das auch unternehmensintern bisher nicht, gibt Pieper in seinem Plädoyer zu, aber man habe die Kommunikation an sich reduziert oder von der E-Mail auf andere Kanäle verlegt.

Während Atos also weiterhin daran festhält, die Kommunikation auf Teufelkommraus von der E-Mail anderswohin zu verlagern, scheint anderenorts ein Umdenken eingesetzt zu haben: An Stelle der Abschaffung der E-Mail steht nun das weitaus moderatere Ziel, die Kommunikation mit der E-Mail zu verbessern. Jüngste Ansätze sind die attraktive E-Mail-App Mailbox, Googles GMail-Ableger Inbox, Microsofts Postfachstaubsauger Clutter und IBMs Mischung aus Mailpostfach und Social Network, Verse. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie schlagen die richtige Richtung ein, doch die endgültige Lösung sind sie nicht. » weiterlesen

Apple Pay:
In Deutschland keine Chance

Die Voraussetzungen für einen Erfolg von Apples neuem Bezahldienst in Deutschland sind sehr schlecht. Wahrscheinlich werden sich die wenigen Interessierten noch einige Jahre gedulden müssen.

Weiterhin sehr wichtig im deutschen Einzelhandel: die Bargeldkasse.

Angesichts der im internationalen Vergleich der Industrieländer ungewöhnlich hohen Bargeldaffinität der Deutschen war von Beginn an klar, dass der hiesige Markt für Apple Pay eine Herausforderung werden würde. Diverse Studien der letzten Zeit legen den Schluss nahe, dass der Bezahldienst es hierzulande tatsächlich extrem schwer haben dürfte.

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