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Globalisierte Wirtschaft:
Die CSU sollte “Englisch-Pflicht” statt “Deutsch-Pflicht” fordern

Die CSU will Migranten dazu “anhalten”, auch im privaten Kreis Deutsch zu sprechen. Aber wo bleibt der Aufruf an die Bundesbürger, ihr Englisch aufzupolieren? In der vernetzten, globalisierten Welt ist das ein weitaus wichtigerer Erfolgsfaktor als ausgezeichnetes Deutsch.

SprachenEine geplante Abstimmung der CSU über die Forderung, dass Migranten “im öffentlichen Raum und in der Familie” Deutsch sprechen sollen, hat in den vergangenen Tagen für viel Wirbel und einigen Spott gesorgt. Zwar kann man den Bayern in der Grundannahme, dass gelungene Integration durch hinreichenden Sprachkenntnisse erleichtert wird, nicht widersprechen. Unwahrscheinlich jedoch ist, dass implizierter Zwang und die Einmischung in private Angelegenheiten von Menschen ein zielführender Weg sind. Der entsprechende Text aus dem Leitantrag macht deutlich, dass es der CSU nicht um eine konstruktive Empfehlung geht, sondern um eine autoritäre Ermahnung: “Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen.” » weiterlesen

Bundesregierung will “Spezialdienste”:
Wieso alle Argumente pro Netzneutralität keine Rolle spielen

Die Bundesregierung und Kanzlerin Merkel befürworten die Einführung einer Internet-Überholspur – und das obwohl so viel dagegen spricht. Leider finden die Argumente für Netzneutralität ohne Kompromisse kein Gehör. Die Lobbyisten der Telekommunikationsbranche sind stärker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will Zwei-Klassen-Internet


Das gestern durchgesickerte Konzept der Bundesregierung, die Netzneutralität durch die Einführung einer “Überholspur” für “Spezialdienste” aufzuweichen, bereitet mir große Sorge. Zwar wird der Plan laut FAZ als ein “Erhalt des offenen Internets” verkauft. Aber das sind leere Worthülsen. Sobald man offiziell eine Regelung einführt, nach der gewisse Daten mit höherer Priorität behandelt werden dürfen als andere, verabschiedet man sich von dem Prinzip, dass alle Daten gleichberechtigt sind. Ein Zurück wird es dann nicht mehr geben.

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BitTorrent:
Weg mit dem Piraten-Image, her mit dem Business-Anzug

BitTorrent steht für viele synonym mit „Online-Piraterie“. Aber aus dieser Ecke will das Unternehmen heraus. Dazu wird es 2015 kostenpflichtige Services geben, die vor allem auf Business-Kunden zielen. Zugleich nimmt man sich an den Kollegen von Netflix ein Vorbild und kündigt eine eigene Serie an.

Eines der kommenden Angebote ist ein Dateien-Sync für Smartphones und Tablets. (Bild: BitTorrent)

Eines der kommenden Angebote ist ein Dateien-Sync für Smartphones und Tablets. (Bild: BitTorrent)

Napster und BitTorrent sind zwei Namen, die für den Konflikt zwischen den klassischen Verwertungsketten einerseits und den neuen technischen Möglichkeiten der Digitalisierung andererseits stehen. Was mit dem illegalen Tausch von Musikdateien begann, hat sich längst auf alle Medienformen ausgeweitet. Während aus der Marke „Napster“ inzwischen ein legales Angebot wurde, versucht BitTorrent verstärkt, neue Gebiete jenseits der „Piratenbucht“ zu erobern. Denn was so manchem nicht bewusst ist: Hinter der bekannt-berüchtigten Technik steckt eine Firma mit Sitz in San Francisco.

Das grundlegende Missverständnis mit BitTorrent ist dabei, dass sich diese Technik zwar prima eignet, um Dateien unrechtmäßig zu verteilen. Aber sie lässt sich ebenso für ganz andere, legale Zwecke nutzen. Und das möchte die BitTorrent Inc. nicht nur bekannter machen, sondern darüber nun am liebsten auch noch Geld verdienen. » weiterlesen

Erfolg in der Nische:
Ello ist dabei, ein neues Google+ zu werden – und das ist keine Beleidigung

Der Erfolg von Google+ ist ausgeblieben – gemessen an den Maßstäben von Google. Für ein eigenständiges soziales Netzwerk wäre das Erreichte durchaus beachtlich. Ello scheint nun genau diesen Pfad einzuschlagen.

Die Debatte um das soziale Netzwerk Ello hat sich nach dem furiosen Aufstieg zum Medienstar des Monats September genau so entwickelt, wie man dies unzählige Male zuvor bei anderen Anbietern beobachten konnte: Sobald die initiale Aufmerksamkeit für ein neues Projekt abgeebt ist, spricht kaum noch jemand darüber. Im Gegensatz zu etablierten Diensten haben Anwender bei neuen, Engagement und Zeitinvestment erfordernden Social-Web-Services in der ersten Phase nach der Registrierung keine digitalen Routinen entwickeln können, die sie automatisch aktiv werden lassen. Ohne die ständige Erinnerung durch Presse und Gespräche gerät ein Service wie Ello deshalb leicht wieder in Vergessenheit.

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Publikationsplattform für Meinungsmacher:
Medium gefährdet die Contentpläne von LinkedIn

Die aufstrebende amerikanische Publikationsplattform Medium wird zum zentralen Ort, an dem Meinungsmacher und Erfolgspersonen ihre Lebensweisheiten und Ideen verbreiten. Schon 2012 startete LinkedIn ein ähnliches Vorhaben. Die zwei Dienste haben eine große Schnittmenge.

Startseite von Medium

Im Oktober berichtete Jan Tißler über den Stand der Dinge bei der sehr angesagten Publikationsplattform Medium. Er beleuchtete die Entwicklung des von den Twitter-Gründern Evan Williams und Biz Stone etablierten Dienstes aus Sicht eines aktiven Nutzers, der gezielt Mediums Website ansteuert oder die App öffnet, um in dem immer vielfältigeren Inhalteangebot zu stöbern.

Um mit Medium in Kontakt zu kommen, muss man jedoch heutzutage gar nicht unbedingt bewusst etwas dafür tun  – es genügt, einige Zeit im Netz und in sozialen Medien zu verbringen. Bei Medium publizierte Artikel, die sich viral verbreiten, sind mittlerweile eher die Regel denn die Ausnahme. Die gestern in Linkwertig erwähnte Analyse von Chris Messina zum Scheitern von Google+, eine interessante Betrachtung des neuesten Narzissmus-Trends – dem Reisen -, eine ausführliche und treffgenaue Analyse von Gründen für das schlechte öffentliche Ansehen von Uber, eine kritische Auswertung des mittlerweile berühmten “Walking 10 hours through New York”-Videos sowie die informative Aufschlüsselung von Tourkosten und -einnahmen einer Band sind einige der Medium-Texte, die in jüngster Zeit meine Aufmerksamkeit erhielten – und immer durch Empfehlungen anderer User zu mir kamen. » weiterlesen

Die Bedürfnisse der Konsumenten:
Was Europas Anti-Google-Politik mit Servicefeindlichkeit zu tun hat

Dass sich die Abgeordneten des Europäischen Parlaments für eine Begrenzung von Googles Macht ausgesprochen haben, zeigt, wie wenig die Bedürfnisse von Konsumenten im europäischen Wirtschaftsraum zählen. Dabei bestünde die Chance, von den serviceorientierten US-Firmen zu lernen.

Das nicht verbindliche, aber den Druck auf Google erhöhende Votum der Europa-Abgeordneten für die Begrenzung digitaler (Quasi-)Monopole markiert eine Intensivierung des Kräftemessens zwischen Europas Medienkonzernen auf der einen Seite und US-Internetfirmen auf der anderen Seite sowie einen sich verhärtenden Kampf um Macht und Einfluss in Bezug auf die Wertschöpfung und Meinungshoheit im digitalen Zeitalter. Das mehrheitliche Ja der Abgeordneten hinsichtlich einer eventuellen Regulierung und Entflechtung von Google ist aber auch sinnbildlich für zwei grundsätzlich verschiedene Ideologien: die US-amerikanische, bei der die Konsumenten und ihre unmittelbaren Ansprüche im Vordergrund stehen, prallt auf die europäische, die auf das Wohl aller am Markt präsenten Akteure blickt und ihre Prinzipien mitunter über Verbraucherwünsche stellt.

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Netzfirmen und die Daten der Nutzer:
Ubers pädagogisches Beispiel für die Überwachungsgesellschaft

Ubers skandalöser Umgang mit kritischen Journalisten hat etwas Gutes: Er führt auf ganz simple Weise vor, was es für Individuen bedeuten kann, in einer Überwachungsgesellschaft zu leben.

ÜberwachungSpätestens seit Snowden weiß jeder, was zuvor schon mit einer kurzen Reflexion zu vermuten war: Das Internet bringt weitreichende Möglichkeiten der Massenüberwachung mit, von denen auch Gebrauch gemacht wird. Doch trotz der Vielzahl an konkreten Details bleibt es für die meisten Bürger bei einem diffusen Gefühl der zwar vorstellbaren, aber scheinbar harmlosen Beobachtung durch Behörden und Unternehmen. Zudem habe man ja “nichts zu verbergen”. Dank der jüngsten Aufregung um ethisch fragwürdige Praktiken des Beförderungsdienstes Uber im Umgang mit Journalisten aber wird nun für den Otto-Normal-Menschen sehr viel greifbarer, was die Totalüberwachung des Alltags ganz praktisch für Konsequenzen haben kann. » weiterlesen

Neue schwierige Zeiten für den Internetriesen:
Google braucht keine Zerschlagung, Herausforderungen gibt es genug

EU-Pläne zur Entflechtung von Google scheinen vorläufig schlechte Chancen auf eine Umsetzung zu haben. Und das ist wohl besser so. Denn noch nie in der Geschichte von Google sah sich das Unternehmen mit so vielen Herausforderungen und Baustellen konfrontiert.

Nicht alles läuft derzeit optimal für Google

Aus der laut Medienberichten angeblich vom Europaparlament geplanten Zerschlagung oder Entflechtung von Google wird vorläufig wohl doch erst einmal nichts. Selbst EU-Digitalkommissar Günther Oettinger schließt dies aus. Dennoch dürfte die Debatte über das Vorhandensein einer schädlichen marktbeherrschenden Stellung des Unternehmens damit nicht vom Tisch sein. Einige führende Medienkonzerne mit dem erklärten Feindbild Google werden schon dafür sorgen, dass das Thema weiterhin aktuell bleibt.

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Geld-App Swish:
Wie Schwedens Banken gemeinsam das Smartphone erobern

Ein Beispiel aus Schweden zeigt, dass selbst das oft gescholtene Establishment im Onlinebereich erfolgreich sein kann: Dort haben die großen Banken mit Swish gemeinsam eine App zum schnellen mobilen Überweisen etabliert. Mit Plänen zur Erhebung von Gebühren könnten sie die geschaffenen Markteinstiegsbarrieren aber kaputt machen.

Als ich in der vergangenen Woche prognostizierte, dass mobile Peer-to-Peer-Überweisungen auch in Deutschland demnächst ihren Durchbruch erleben werden, führte ich als eine Option an, dass die in Deutschland aktiven Banken sich für einen entsprechenden Dienst zusammenschließen könnten. Auf diese Weise würden sie sicherstellen, den Markt nicht den großen US-Giganten zu überlassen. Ob es dazu kommt und inwieweit ein derartiges Unterfangen irgendwelche Chancen hätte, steht in den Sternen. Ein Blick nach Skandinavien zeigt aber, dass die Idee funktionieren kann. In Schweden nämlich hat eine gemeinsam von den führenden Finanzinstituten des Landes entwickelte P2P-App namens Swish innerhalb von zwei Jahren eine gewaltige Verbreitung erreicht und sich als Quasi-Standard für schnelle elektronische Geldtransfers per Smartphone etabliert.

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Werbefreier Genuss mit Google Contributor und Co:
Der verzweifelte Versuch, einen besseren AdBlocker zu lancieren

Bezahlschranken und Werbefinanzierung sind bei Lesern unbeliebt und für Online-Magazine selten lukrativ. Eine alte Idee, die Google mit Contributor gerade aufgreift, soll die Lösung sein. Doch Leser mit Werbung derart zu nerven, dass sie lieber freiwillig zahlen, kann nicht die Antwort auf das grassierende Finanzierungsproblem sein.

Google Contributor

Google Contributor

Schonst du meine Nerven, dann gebe ich dir Geld dafür: Das ist ein Kundenwunsch, mit dem Google in den USA mit dem neuen Dienst Contributor an den Start gegangen ist. Für ein bis drei Dollar im Monat blendet Google auf teilnehmenden Seiten wie Mashable.com, ScienceDaily und The Onion die Werbung aus und statt dessen eine Dankesmeldung ein. Auf mobilen Seiten soll die Werbung ganz verschwinden. Erste Beobachter sehen in Contributor eine Art Mischung aus einem freundlichen AdBlocker und dem freiwilligen Spendendienst Flattr. Inhalte-Anbieter wittern bereits Morgenluft: endliche eine vernünftige Einnahmeform abseits der unbeliebten Display-Werbung?

Die Idee ist nicht ganz neu, und auch wenn sie auf den ersten Blick einen fairen Eindruck hinterlässt, wird schnell klar, dass hier auch nur gerettet werden soll, was kaum noch zu retten ist. In der Vergangenheit haben ähnliche Versuche meist nur mit Zwang funktioniert und sich gegenüber Freemium-Modellen als die unbeliebtere Lösung herausgestellt. » weiterlesen