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Tablets only:
Das Smartphone stirbt aus

Hersteller wollen Smartphones, Tablets und Phablets langfristig unter einer einzigen Kategorie zusammenfassen. Nur um das zu erreichen, müssten sie das Einhand-Smartphone eigentlich nicht aussterben lassen. Doch dahin geht unzweifelhaft der Trend.

Google Nexus 9 und Nexus 6. Das "Kleine" im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen.

Google Nexus 9 und Nexus 6. Das “Kleine” im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen.

HTC hat jüngst den Vogel abgeschossen. Das Desire 820 Mini des taiwanischen IT-Herstellers hat ein 5,0-Zoll-Display, ist kaum mit einer Hand zu bedienen, soll aber trotzdem als Mini-Smartphone herhalten – weil es ein wenig kleiner ist als das 5,5 Zoll große Desire 820. “Normale” Smartphones, so der Gedanke der Hersteller, haben heute also 5-Zoll-Displays und mehr.

Smartphones sind sie damit eigentlich nicht mehr. Es liegt in der Definition des Anbieters, doch alles, was sich nicht mehr mit einer Hand bedienen lässt, müsste aus Gründen der Abgrenzung eigentlich in die Kategorie Tablet fallen. Lediglich die Bauweise variiert und gaukelt dem Nutzer zwischen 5,0 und 7,0 Zoll ein Smartphone vor, zwei Hände oder zumindest einen Stylus braucht man für die Bedienung aber eigentlich immer. Wenn nun aber bald alles mindestens 5,0 Zoll groß ist, wozu braucht es dann eigentlich noch unterschiedliche Kategorien? » weiterlesen

Gelangweilt trotz Smartphones:
Keine Panik, die Wiederentdeckung der Ruhe kommt ganz von alleine

Während Aussteiger die rar gewordene Langeweile als seltenes Gut preisen und Medienjunkies die Dauerbeschallung durch Smartphones beklagen, ließe sich beiden Lagern auch schlicht zu mehr Geduld raten: Einfach abwarten, die Ruhe kommt ganz von selbst.

Alleinsein muss nicht schrecklich sein.

Alleinsein muss nicht schrecklich sein.

In meinem letzten Urlaub verbrachte ich zwei Nächte in einem Kloster. Ich würde nun gerne erzählen, dass ich dort zu Gott oder innerer Ruhe gefunden hätte. Dem war aber leider nicht so.

Vielleicht lag es schlicht daran, dass das Kloster sich mehr als Touristenherberge verstand. Es hing kein Kreuz über meiner Zimmertür, keine Bibel befand sich in der Nachttischschublade. An der Rezeption bot man mir eine WLAN-Flatrate für 4 Euro am Tag an. Im Erdgeschoss lockte ein fantastisches Restaurant Menschen von nah und fern mit regionalen Spezialitäten zu erschwinglichen Preisen und ließ auch abends keine echte Einsamkeit aufkommen. Der einzige Mönch, den ich dort tatsächlich antraf, war im Café der Klosteranlage gerade an der dreigruppigen Espressomaschine damit beschäftigt, dem Mann vor mir in der Schlange seinen Vanilla Latte mit aufgeschäumter Sojamilch zu kredenzen. » weiterlesen

Musikstreaming:
Der Preiskampf von Spotify und Apple ist eine gute Nachricht für Musik

Mit dem nun angekündigten „Familientarif“ senkt Spotify de facto seine Preise. Von Apple ist derweil zu hören, dass sie den Monatstarif für ihren angekauften Dienst „Beats Music“ halbieren wollen – dem müssen allerdings die Musiklabels zustimmen. Was wie ein harter Preiskampf aussieht, ist in Wirklichkeit eine notwendige Korrektur.

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Seit vielen Jahrzehnten ist die Musikindustrie bestens im Geschäft als Mittler zwischen Musikern und Publikum. Technischer Wandel hat diese Position bislang nie entscheidend gefährdet. Im Gegenteil: Die CD hatte ihr im Jahr 1999 gar das bisherige Allzeithoch bei den Einnahmen beschert. Damals konnte sie eine saftige Preiserhöhung pro Album im Vergleich zu Musikkassette und Schallplatte bei den Kunden durchsetzen.

Mit dem Aufkommen von Onlinetauschbörsen à la Napster schien es dann zunächst so, als würde Musik entwertet und der Song an sich keinen Wert mehr haben – war doch der Vertrieb digitaler Dateien zu einem Preis nahe Null zu haben. Musik ließ sich mit einem Mal verlustfrei vervielfältigen sowie nahezu unbegrenzt vertreiben und wurde damit allgegenwärtig.

Und tatsächlich: Die Einnahmen sinken seitdem kontinuierlich. Trotzdem hat es die Musikindustrie einfacher mit dem Medienwandel als andere, denn immerhin hat sie bereits neue Vertriebsmodelle parat: zunächst den Download, inzwischen das Streaming. Während sich journalistische Inhalte online heutzutage fast nur über Werbung refinanzieren lassen, gibt es also erfolgreiche Bezahlmodelle für Musik im Netz. » weiterlesen

Qualität im Überfluss:
Wir haben bereits mehr guten Onlinejournalismus, als wir lesen können

Die Qualität vieler Online-Nachrichtenangebote wird zu Recht kritisiert. Doch wer ein bisschen sucht, kann sich bereits mehr Rosinen herauspicken als er essen kann. Fehlt uns überhaupt noch etwas?

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Immerhin: Focus Online hat es im Nachhinein als “Panne” bezeichnet, dass am Dienstag die Nachricht über den 40. Geburtstag von Hello Kitty als Eilmeldung herausging. Hätten sie es ernst gemeint, hätte das auch niemanden mehr überrascht. Das Schicksal einer ehemaligen “Wer wird Millionär”-Gewinnerin war am gleichen Tag Topmeldung. Focus Online hat sich mit Beharrlichkeit einen zweifelhaften Ruf als Content-Trommelfeuer erarbeitet. Qualitätsjournalismus, wie die Redaktion selbst behauptet, ist so eine fehlende Gewichtung nicht. Das ist irgendwie jedem klar.

Doch was ist Qualitätsjournalismus eigentlich und wie viel brauchen wir davon? Qualität ist nicht zwingend Länge, auch wenn viele Onlinemagazine sich quasi aus Trotz eine Zeitlang darüber zu definieren versuchten. Es geht um guten Stil und gute Recherche, im besten Falle beides. Kurz: Beiträge, die man gerne liest oder sieht und die im Idealfall noch informieren – wenn ihre Absicht nicht ohnehin Unterhaltung ist, was in Maßen auch nicht verwerflich ist. » weiterlesen

Netzneutralität:
Die langfristig negativen Effekte von Service-Klassen am Beispiel von US-Airlines

Telekommunikationskonzerne wollen unterschiedliche Service-Klassen für die Übertragung von Daten einführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass “Internet-Überholspuren” sich negativ auf die Basisleistung auswirken, ist groß. Das lehrt die Entwicklung, welche die amerikanische Luftfahrtbranche in den letzten zehn Jahren duprrchgemacht hat.

AirlineBefürworter einer Abschaffung der Netzneutralität nutzen gerne die Metapher der “Internet-Überholspur”. Sie beteuern, dass unterschiedliche “Service-Klassen” zu einem Szenario führen, in dem besonders datenintensive Dienste – wie etwa 4k-Videostreaming oder Telemedizin – mit einer garantiert guten Qualität ausgeführt werden könnten, während gleichzeitig der “normale” Webtraffic keine Limitierungen erleben würde.

In der Realität spricht allerdings wenig dafür, dass die von den Netzbetreibern herbeigesehnte Aufteilung der Datenleitungen in Standard-Traffic und Premium-Traffic, für den Onlinedienste zusätzlich zahlen, am Ende ohne Einschränkungen für die Übertragung von “Basis-Daten” über die Bühne geht. Es ist ein ökonmisches Gesetz, dass im Falle begrenzter Kapazitäten die Allokation der Ressourcen dorthin tendiert, wo das meiste Geld verdient werden kann. Gleichzeitg entstehen Anreize für eine Vernachlässigung des Kapazitätsausbaus. Wenn Knappheit ein profitables Geschäftsmodell darstellt, gibt es es für Unternehmen keinen Grund, dieses mit aktiven kostenspieligen Investitionen in einen Ausbau der Datenleitungen und eine damit verbundene Eliminierung des Bedarfs unterschiedlicher Service-Klassen aufs Spiel zu setzen.

Um die Theorie besser verständlich zu machen, möchte ich an dieser Stelle (zum zweiten Mal in der Geschichte von netzwertig.com) die Flugbranche zur Illustration eines innerhalb der Digitalwirtschaft debattierten Dilemmas heranziehen: Wer einmal erleben will, was passiert, wenn dem Prinzip der Differenzierung in unterschiedliche Service-Levels bei insgesamt begrenzter Kapazität freien Lauf gelassen wird, der sollte in den USA ein paar Mal mit einheimischen Fluggesellschaften reisen.  » weiterlesen

Apple Watch:
Das große Missverständnis

Apples erste smarte Uhr provoziert ein großes Missverständnis: Beobachter bewerten die Apple Watch nach den Kriterien eines technisches Gadgets. Aus Sicht des Unternehmens aber handelt es sich um ein auf das Luxus-Segment abzielendes Accessoire und Status-Objekt.

Apple Watch

Anfang 2015 will Apple seine erste Uhr auf den Markt bringen, die Apple Watch. So richtig Begeisterung auf breiter Front wollte in den Tagen und Wochen nach der Vorstellung des Geräts in der Fachpresse und bei einschlägig bekannten Gadget-Fans nicht aufkommen. In den Reaktionen dominierte der Versuch, eine latente Skepsis gegenüber den bisher nicht sonderlich erfolgreichen smarten Uhren mit der Erkenntnis zu vereinen, dass Apple bewiesenermaßen dazu in der Lage ist, einer neuen, lahmenden Produktkategorie zum Durchbruch zu verhelfen. Dennoch schwang in den Analysen zahlreicher renommierter Tech-Medien eine gewisse Enttäuschung mit. Bei heise online befürchtete man eine schnelle Ernüchterung im regulären Einsatz, Engadget bezeichnete das Produkt als “Smartwatch mit Lippenstift” und Macworld konstatierte, dass die Apple Watch nichts kann, wozu ähnliche Produkte nicht in der Lage seien.  » weiterlesen

Netflix-Effekt:
Die plötzliche Liebe deutscher Sender und Filmstudios zu Qualitäts-TV-Serien

Als hätten sie nie etwas anderes getan, wollen zahlreiche deutsche Filmstudios plötzlich Qualitäts-TV-Serien produzieren. Zeitlich trifft diese neue Welle mit dem Start von Netflix und Amazon TV zusammen. Zufall?

"Schuld": Qualitätsserie mit Moritz Bleibtreu soll Anfang 2015 im ZDF laufen und international vermarktet werden. Bild: Beta Films

“Schuld”: Qualitätsserie mit Moritz Bleibtreu soll Anfang 2015 im ZDF laufen und international vermarktet werden. Bild: Beta Films

Ich glaube ich träume. Hatte ich erwartet, dass die Kooperation von ARD, Sky, Beta Films und Regisseur Tom Tykwer zur Produktion der deutschen Qualitäts-TV-Serie “Babylon Berlin” nicht mehr als ein Strohfeuer nach jahrelanger Dürre sein würde, sehe ich mich binnen zweier Wochen offenbar getäuscht. Das soll erst der Anfang gewesen sein. Alles, worauf deutsche Serienliebhaber seit Jahren pochen, könnte besser spät als nie plötzlich doch noch in Erfüllung gehen. Einer der Gründe dafür dürfte “Netflix” heißen. » weiterlesen

Kreativer Ansatz:
Simquadrat verpackt Mobilfunk-Leistungen als Apps

Die meisten Verbraucher sind heutzutage mit den Konzepten von App Stores und Apps vertraut. Der Düsseldorfer Mobilfunkanbieter Simquadrat überträgt das App-Prinzip auf Mobilfunk-Leistungen. Ganz neu und für Provider unkonventionell ist auch eine API.


Die Hälfte aller Deutschen nennt ein Smartphone ihr Eigen und ist dementsprechend mit dem Konzept von Apps vertraut. Im Gegensatz zu installierbarer Software der Desktop-Ära, die speziell für weniger versierte Nutzer häufig ein Buch mit sieben Siegeln blieb, assoziieren Anwender mit Applikationen aufgrund eigener Erfahrungen vor allem Einfachheit und die schnelle, unkomplizierte Erweiterung des Funktionsumfangs mobiler Geräte. Mit anderen Worten: Wirklich jede und jeder kann neue Apps “installieren”, ungeachtet des technischen Kenntnisstands.

Und weil das App-Konzept sowie die Distribution von Apps über entsprechende Stores im Jahr 2014 komplett etabliert sind, entdecken auch andere Unternehmen, die nicht unmittelbar etwas mit mobilen Betriebssystemen zu tun haben, das App-Prinzip als Design- und Struktur-Element für sich. Der zum Düsseldorfer VoIP-Dienstleister Sipgate gehörende, im vergangenen Jahr debütierte Mobilfunkanbieter Simquadrat ist auf die Idee gekommen, Zusatzleistungen für seine Mobilfunkprodukte auf eine Art und Weise anzubieten, die in Sachen Usability sehr an die einschlägigen App Stores bekannter IT-Giganten erinnert.  » weiterlesen

Die Zukunft des Fernsehens:
Ich brauche keinen Streaming-Stick, ich will eine Mega-Monstermaschine

In der Zukunft des Medienkonsums sollen wir selbst Programmdirektor sein. Punkt. Doch selbst wenn wir das wollten, wird uns Live-TV wegen vieler Vorteile fehlen – es sei denn, wir arbeiten mit cleverer Hybridtechnik dagegen. Doch das erforderte weit stärkere Maschinen, als wir sie heute nutzen.

Amazon Fire TV: Apps und Mediathek, aber kein Live-TV.

Amazon Fire TV: Apps und Mediathek, aber kein Live-TV.

Mit meinem Kollegen Martin Weigert geriet ich vor einigen Monaten in einen Disput. Wir werden auf lineares Fernsehen nie ganz verzichten wollen, behauptete ich. Martins Gegenthese: Der TV-Markt, wie wir ihn heute kennen, wird in den kommenden Jahren völlig zusammenbrechen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich gemessen an der derzeitigen Entwicklung weiterhin an meiner These festhalte, mich allerdings selbst wundere, warum ausgerechnet ich sie aufgestellt habe. » weiterlesen

The Physical Web:
Wie Google dem Internet der Dinge auf die Sprünge helfen will

Orte und Gegenstände sollen Teil des Webs werden, aber noch sind viele Fragen rund um diese Idee offen. Mit dem Projekt „The Physical Web“ will Google nun einige davon beantworten und einen offenen Standard schaffen.

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Eine Szene aus einer nicht allzu fernen Zukunft: Man nähert sich einer Bushaltestelle und das eigene Smartphone empfängt automatisch ein Signal mit einer eindeutigen ID. Sofort ist abrufbar, wann die nächsten Busse kommen – ohne dass man als Nutzer erst die Website oder die App des Busunternehmens aufrufen müsste, um dann dort nach der Haltestelle oder einem Echtzeit-Fahrplan zu suchen. Man muss auch keinen QR-Code einscannen oder auf andere Weise aktiv werden. Die Information ist einfach da. Andere Beispiele: Ein Carsharing-Fahrzeug identifiziert sich selbst und man kann es mit einem einzigen Tap buchen. Oder man hat die Angebote der Woche auf seinem Handy, sobald man ein Ladengeschäft betritt.

Möglich wird das mit „Beacons“, einer Form der so genannten Location-Based Trigger (LBT). Diese Beacons sind im Prinzip kleine Sender, die laufend ein bestimmtes Datenpaket senden, beispielsweise eine eindeutige ID. Ein Smartphone kann das empfangen und dann weiterverwerten. Die dafür notwendigen Technologien sind bereits vorhanden: Zum Senden der Information lässt sich beispielsweise die stromsparende Funktechnik Bluetooth Low Energy einsetzen. » weiterlesen