Alle 608 Artikel von rgrob auf netzwertig.com:
Wie nur angesichts der Flut an Eilmeldungen und Nachrichten den Überblick behalten? Harper’s Weekly Review schafft das unmögliche: Jede Woche ein Rückblick – die Welt in drei Absätzen.
Das
Harper’s Magazine besteht schon 158 Jahre – im
Juni 1850 erschien die erste Ausgabe. Bekannt ist das Magazin unter anderem für seinen (auch schon von
brandeins und
NZZ Folio kopierten)
Harper’s Index, der statistische Fakten zu erstaunlichen Einzeilern zusammenfasst. Hier ein
Beispiel aus dem Mai 2005.
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Alte Zeitschriften zu Euros, Merkwürdige Leserbriefe in der Kronen-Zeitung und Wahlen in Bayern und Österreich – medienlese.com blickt zurück auf die 39. Kalenderwoche.
Wahlsonntag, nicht nur in Bayern: Währen die CSU im Freistaat nach ersten Prognosen
unter 43 Prozent rutscht, rückt Österreich
nach rechts. Rund 10 Prozent der Stimmten entfielen auf Jörg Haiders Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Zusammen mit der Freiheitlichen Partei (FPÖ) kommen die Rechten vorerst auf knapp 30 Prozent.
Am Kiosk wurde diese Woche die Park Avenue verkauft, im Paket mit einer Ausgabe von Monopol, für nur 4 Euro. Das hörte sich nach einem guten Angebot an, denn normalerweise kostet die Kunstzeitschrift Monopol ja 7.50 Euro. Also kaufte ich das Ding, wunderte mich dann aber beim Durchblättern, warum jetzt schon von Ausstellungen im März und April die Rede ist. Des Rätsels Lösung? Die Ausgabe war vom März, vom März 2008. Andere erhielten gar Altpapier, das ein volles Jahr alt ist. Natürlich ist das eine gute Lösung, um seine offenbar grossen unverkauften Bestände loszuwerden, aber ist es auch eine nachhaltige?
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Alle machen Fehler, darum schreiben wir eigentlich nie über Tippfehler – es ist menschlich. Blick.ch allerdings, könnte man meinen, scheint die Ausnahme zur Regel machen zu wollen und kündigt auf seiner Startseite einen Artikel über den Sänger Bryan Adams so an:
Ein zwar richtig platzierter, aber typographisch falscher Apostroph im zweiten, ein “n” zuviel im zwölften und ein überflüssiges “h” im 13. sowie ein fehlendes “s” im letzten Wort – und gesehen hat’s seit gestern abend um 21:08 Uhr offenbar niemand.
Schade, dass sich von den mannigfaltigen onlinejournalistischen Hoffnungen hier nicht mal die auf – im Print unmögliche – Korrekturen von Fehlern erfüllt.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Der deutsche Aussenminister macht eine zahnlose Blattkritik bei der Bild-Zeitung, die diese als beste Werbung in eigener Sache verwerten kann.
Heute um 12 Uhr ging das erste Video der nun täglich geplanten öffentlichen
Blattkritik der Bild-Zeitung (Video, 11:06 Minuten) online. Der erste Gast, Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, lobte die Idee, sich täglich der öffentlichen Kritik in Form eines wechselnden Gasts auszusetzen. Konkret kritisierte und lobte er folgendes:
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Christian Kracht findet Zeitungen “Mist”, nicht nur John McCain kennt den spanischen Premierminister nicht, und Sonntagszeitungsleser mögen Hintergründe mehr als Stil – der Wochenrückblick:
Das kategorischste Zitat kam in dieser Woche von Christian Kracht, der sich “
einen moralischen und sozialistischen Schriftsteller” nannte und sagte: “Für den Journalismus – ich schrieb früher für den ‘Spiegel’, die FAZ, machte selbst ein Magazin – scheint die Zeit bereits abgelaufen zu sein, so fühlt sich das für mich zumindest im Moment an. Ich lese auch kaum noch Zeitungen: alles oberflächlicher Mist.”
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Den Satz “Qualität muss man sich leisten können” wird man wohl in Zukunft vermehrt hören. Die Medienlandschaft ist auf dem besten Weg, sich endgültig zu einer Zweiklassengesellschaft zu entwickeln.
Tyler Brûlé, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift
Monocle,
äusserte vor einiger Zeit folgende Sätze:
“In zwanzig Jahren wird es noch zwei Arten von Publikationen geben: Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitäre Tageszeitungen und Magazine mit klugen Analysen und Meinungen. Alles, was publizistisch dazwischen ist, bricht weg. Überleben werden die primitiven oder supersmarten Printprodukte.”
Nehmen wir an, diese Vision trifft zu – auf alle Medien. Könnte es sein, dass sich dann unsere Gesellschaft in eine “Schund-” und eine “Qualitätsgruppe” aufteilt?
Um die beiden Gruppen voneinander abzugrenzen, listen wir mal auf, was schon jetzt in Ansätzen bei den beiden Extremen zu beobachten ist:
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Schicksale im Boulevard-Stil statt politischer Hintergrund. Die politischen Formate des Schweizer Fernsehens haben ihren Fokus verloren.
Wer am 17. September 2008 von 20:50 bis 22:15 Uhr den Sender
SF1 einschaltete, um sich, wie im Programm angesagt, in politischen Magazinen über Politik zu informieren, hat Pech gehabt. Statt Politik warteten drei Frauenschicksale:
Thema der Rundschau: “Rätselhafter Mordversuch: Schweizerin hofft auf Begnadigung” (Über das Video, das nach der Sendung online gestellt wurde, heisst es inzwischen lapidar: “Aus urheberrechtlichen Gründen kann dieser Video-Beitrag nicht im Internet gezeigt werden.” Entweder wurde das Video also fälschlicherweise online gestellt oder es sind Ausflüchte. Wir fragen die Pressestelle. Im Video zu sehen ist eine mehrfach in Tränen ausbrechende Frau, der wegen Anstiftung zu Mord Gefängnis droht, nach einem, so sagt es eine Gefängnisseelsorgerin, “Hexenprozess par Excellence”)
Bei 10vor10: “Heidi Regli – Ein Schicksal hinter den Börsenkurven“
Und nochmal 10vor10: “Carla Bruni spricht über die Liebe“
Nichts gegen die journalistische Aufbereitung von Schicksalen mit allen damit verbundenen Gefühlen. Aber muss das in politischen Formaten geschehen?
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Öffentlich-rechtlich und einfallsreich geht nicht zusammen? Bei den Briten schon. Die BBC folgt für ein Jahr einem ISO-Container rund um die Welt.
Was kann man erwarten, wenn man deutsche öffentlich-rechtliche TV-Sender einschaltet? Volksmusik. Seifenopern mit Product Placement. “Gesundheitsexperten” im ARD-Frühstücksfernsehen. Falsche Deutschland-Flaggen in der Tagesschau. Im schlimmsten Falle ist man gezwungen, Johannes B. Kerner und Oli Kahn zuzuhören.
Dass es auch anders geht, zeigt die BBC mit einem spannenden Projekt. Um das Thema Globalisierung und internationaler Handel zu beleuchten, folgt sie ein ganzes Jahr lang einem “nach ISO 668 genormten Großraumbehälter“, vulgo Schiffscontainer.
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Ein neues Plugin ermöglicht es, in jedem Online-Text journalistische Todsünden zu markieren. Im Auftrag der Wahrheit soll aller “Spin” zerstört werden.
Spin, das heisst Drall oder Dreh, aber auch rundlaufen, kreiseln, sich schnell drehen. Spin Doctors, das sind Berater, die ihre Kunden in den Medien “in einem möglichst positiven (oder auch negativen) Licht darzustellen und in jeder Situation die bestmögliche öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen”.
Und Spinspotter heisst eine Website, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die “Spins” im Journalismus zu finden (und zu verbessern). Findet man im Internet eine Nachricht, die offenbar “gedreht” wurde, kann man sie mit Anmerkungen versehen, die jeder Nutzer des Plugins dann sehen kann. Damit werden endlich alle Internetseiten zu Klowänden, an die jeder seine mehr- oder weniger maßgebliche Meinung schmieren darf. Nur einen Haken gibt es: Noch gibt es das kleine Extra-Programm nur für den Browser Firefox in der aktuellen Version.
Die Macher erhoffen sich natürlich etwas ganz anderes: Das Freiwillige schön gefärbte Nachrichten enttarnen, bloßstellen und vielleicht sogar Fakten recherchieren und nachtragen. In Anlehnung an die sieben Todsünden werden “The Seven Deadly Spins” aufgestellt, die als Grundlage dafür dienen, etwas als Spin zu markieren:
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Die Gratiszeitung kommt nach Deutschland, kein Schmerzensgeld für Günther Jauch, ein Offizier mit Loch im Strumpf und die Leserzahlen der Schweizer Printpresse in unserem Rückblick auf die 37. Kalenderwoche.
Das Bild der Woche: Mit einem YouTube-Video erklärt Kate McAlpine, was Physiker mit dem gerade in Betrieb genommenen Teilchenbeschleuniger CERN erforschen. Der “Large Hadron Rap” der 23-Jährigen wurde bereits rund drei Millionen Mal abgerufen, McAlpine zur Internet-Berühmtheit.
Kurt W. Zimmermann (ca. 57) wurde am Verleger-Kongress in Montreux zusammen mit Jürg Ramspeck (Alter unbekannt) gelobt. Nicht von irgendwem, sondern vom CEO des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner. Seine Worte werden vom Klein Report so kolportiert: “Solche Leute würden interessanteren Journalismus betreiben als Blogs und User generated Content, kritisierte er jene, die die Zukunft der Publizistik in den elektronisch verbreiteten Tagebüchern und Leserbriefen zu sehen glauben.”
Der gleiche Kurt W. Zimmermann analysierte in der Weltwoche die neuen Leserzahlen der schweizer Printpresse (nur für Abonennten zugänglich). Wir empfehlen dazu Blogeinträge, nämlich “Kurt W. Zimmermann rechnet. Wir rechnen auch” von Bettina Büsser und “Schönschreiber Kurt W. Zimmermann” von Thomas Benkö. Nochmal Döpfner: “Die Zukunft gehört den Journalisten, bei denen die Selbstkritik wichtiger ist als die Selbstzufriedenheit”.
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