Ronnie Grob

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

“Wer soll das denn lesen?”, fragte mich die ehemalige Blogwerk-Mitarbeiterin Christina Schmid, als ich im August 2006 die ersten Postings bei medienlese.com schrieb. Damals hatte ich keine Antwort, aber seit der angekündigten Einstellung dieses Blogs und der zwischenzeitlichen Rettung der Rubrik “6 vor 9” weiss ich es wenigstens teilweise. Viele Journalisten und Medieninteressierte lesen mit. Alle durften aber nicht: ich hörte von Zeitungsredakteuren, die dazu angehalten wurden, dieses Blog nicht zu lesen – angeblich, um sich davon nicht demoralisieren zu lassen.

Die sogenannt alten Medien berichteten eigentlich nie über uns – aber dann, bei der Einstellungsankündigung, eine Lawine! Michael Hanfeld konzentrierte sich in seinem Nachruf mit dem Titel “Unter Holzfällern” in der Frankfurter Allgemeinen auf die Beschwörung des Tods der Zeitung, den dieses Blog hauptsächlich betrieben haben soll. Für meinen Teil kann ich mich davon nur deutlich distanzieren: “It’s not the form, stupid!”. Ausserdem ist Holzfäller sein keine Schande, ich bin gerne “unter Holzfällern” (youtube.com, Video, 2:11 Minuten).

Was hat sich in den drei Jahren alles getan? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert?

Zunächst können wir konstatieren, dass es mehr und direkteren Medienjournalismus gibt. Während ich mir in den Anfangszeiten von “6 vor 9” die Links aus den Fingern saugen musste, liefert das Internet inzwischen mannigfaltige Medienkritik (ich wählte zum Schluss für “6 vor 9” nicht selten aus zwischen 15 bis 20 guten Links aus). Nicht alles, was mit Journalismus angeschrieben ist, ist Journalismus – dagegen ist vieles lesenswert, was gar nicht als Journalismus gedacht war.

Das Umdenken in den Köpfen hat stattgefunden. Natürlich gibt es immer noch uneinsichtige Naivlinge, die glauben, das Internet würde irgendwann wieder “weggehen” oder die glauben, dass Papier als Informationsträger irgendwie mit den darauf gedruckten Inhalten verknüpft wäre. Ein guter Teil der Journalisten hat aber inzwischen eingesehen, dass die neue Medienzentralstelle das Internet ist – und von dort aus die verschiedenen konsumierbaren Kanäle beliefert werden. Nur wenige dieser Kanäle werden durch das Internet ganz verschwinden. Sie verlieren aber an Bedeutung und einzelne, noch immer populäre Formen, so wie die der Tageszeitung beispielsweise, werden stark zurückgehen.

Viele Journalisten haben die Zeichen der Zeit erkannt
und selbst angefangen in Blogs zu schreiben, zu twittern, Medienblogs zu lesen. Sie haben neue Formen der Recherche entdeckt, sich in die Debatten eingeschaltet, neue, andere Menschen angetroffen. In dem sie diese Schritte gewagt haben, haben sie dazugelernt und sehen die Lage nun anders als zuvor. Viele derer, die sich vom “Internet” noch vor kurzem tief beleidigt fühlten und sich allem Neuen verschlossen wie eine Auster, merken nun, dass es so lebendig, unterhaltsam und lehrreich (und so dumm, schäbig und langweilig) ist wie die Welt vor der Tür.

Die Angst vor der Auseinandersetzung, die besonders in der überschaubaren Medienszene der Deutschschweiz zu beobachten ist (keiner tritt dem anderen auf die Füsse, da es sich um den zukünftigen Chef handeln könnte), war nur minimal rückläufig; die Redaktionen sind noch immer gefüllt mit Ärgerschluckern, die missvergnügt ihrem eigenen Untergang zusehen, ohne etwas dagegen zu unternehmen.

Widerspruch ist aber wichtig, sowohl in der internen Diskussion, als auch als Opposition ausserhalb des Betriebs. Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus der Popkultur. In der Folge “The Old Man and the Lisa” der Simpsons geht Springfields Unternehmer und Milliardär Charles Montgomery Burns (“Sind nicht Sie der Mann, den alle hassen?” – “Oh nein, nein, ich bin Monty Burns!”) pleite; er muss sein Haus an einen Wrestler verkaufen und wird ins Altersheim eingeliefert. Die Stelle, als er einsieht, dass seine Führungscrew stets nur genickt, ihm nie aber die Wahrheit über seine längst nicht mehr zeitgemässen Geschäfte gesagt hat, kann symbolisch für den Alltag in vielen Verlagen und Firmen gesehen werden (Video, ab 5:25 Minuten)

Burns: “Ihr sagt, all mein Geld ist weg?”
Manager (im Chor): “Mhm!”
Burns: “Aber – ich habe doch die richtigen Schritte unternommen, oder?”
Manager (durcheinander): “Oh ja!” “Genau!” “Jeder Zug war richtig!”
Burns (nach einer Pause): “Jetzt sehe ich es. Ich bin umgeben von einer Bande von Ja-Sagern! Ich habe die falschen Schritte getätigt und ihr wart zu feige, mir das zu sagen! Ist es nicht so?”
Manager (durcheinander): “Ja!” “Ja, sir!” “Oh ja!”

Ich habe auf medienlese.com einige Texte verfasst, die deshalb unfair waren, weil sie zu wenig vertraut waren mit der Alltagssituation, in der sich viele Journalisten befinden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass genau das nichts anderes ist als die alltägliche Situation der Medienkonsumenten. Wenn die Journalisten daran scheitern, ihre Probleme den Nutzern ihrer Produkte zu vermitteln, dann liegt das Unvermögen bei ersteren, nicht bei letzteren.

Die Diskussion “Journalisten vs. Blogger” ist glücklicherweise nahezu beendet, doch tatsächlich hat sie sich verlagert. Auf dem neuen Pulverfass steht “Festangestellte vs. Freie”. Der Markt der Freien, die immerhin einen schönen Namen für sich reklamieren können, wird explodieren. Nicht nur Blogger drängen auf den Markt, sondern auch viele der aus der Festanstellung gestossenen Journalisten. Leidtragende der Entwicklung sind die verbleibenden Redakteure, die noch mehr Anrufe und Mails bearbeiten werden müssen und somit (neben den zu häufigen Sitzungen) kaum noch zum Arbeiten kommen.

Stattgefunden hat die Professionalisierung bei den Bloggern. Don Alphonso zum Beispiel, Schlechtwetterprophet der Internetbranche, ist seit einiger Zeit für faz.net tätig, wo er ein vielbeachtetes Blog zur Lage der gehobenen Schicht schreibt. Gründungen wie die Blogwerk AG, welche mit medienlese.com leider mehr Geld verloren als verdient hat, sind auf einem sehr guten Weg, kämpfen aber gegen den Messbarkeitswahn in der Online-Werbung und die Wirtschaftskrise allgemein. Klar ist, dass die nächste Krise nur überleben wird, wer online gut aufgestellt ist und tiefe Fixkosten hat.

Mit dem Messbarkeitswahn einher geht die recherchearme Boulevardisierung im Internet, die vor allem bei den Online-Portalen spürbar ist. Die Auswahl der Nachrichten online wird nicht mehr nach gesellschaftlicher Relevanz getroffen, sondern nach erwarteter Resonanz. Der Kern, die Aufmachung, die Platzierung des Inhalts werden ausgewählt, weil man sich damit Aufmerksamkeit verspricht. Gibt es eine Medienvielfalt, wenn alle das veröffentlichen, was am meisten geklickt wird? Wenn alle schneller als die anderen online sein wollen, auf Kosten der gesicherten Information? Nein, und dazu verspielen sich viele Marken ihre Glaubwürdigkeit. Zuvorderst zu nennen dabei sind die mehr bzw. weniger qualitätsbewussten Boulevardportale spiegel.de und tagesanzeiger.ch, die Internetphobiker von sueddeutsche.de, die Bildergaleristen von welt.de und die Promiverwurster von rp-online.de.

Ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem stellt die von einigen Werbetreibenden geforderte und geförderte Auflösung zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten dar. Jeder Verlag, jede Publikation, jeder Publizist muss sich tiefgreifende Gedanken machen, wie damit umzugehen ist. Wer die Inhalte nicht strikt von der Werbung trennt, der wird irgendwann seitens der Leser mit Ignoranz bestraft werden – was direkt in den (publizistischen) Untergang führt.

Medien, denen der Konsument uneingeschränkt vertrauen kann, gibt es keine mehr (wenn es denn je welche gab). Mit der Zunahme der wirtschaftlichen Zwänge wird sich diese Situation noch verschärfen. Komplett unabhängig ist nur, wer weder Beziehungen noch Geschäfte zu verlieren fürchtet. Und das sind, aus guten Gründen, wenige.

Der hintergründige, aufwändige Journalismus ist zurzeit im Niedergang. Doch sterben wird er nicht, da es a) einen Markt gibt für ihn und da es b) eine gesellschaftlich relevante Aufgabe ist, für die sich die Wohlstandsverwöhnten spätestens dann interessieren werden, wenn sie selbst so richtig in die Krise schlittern. Die Lichter des täglichen Zirkus, den Medien und Politik um sich selbst veranstalten, gehen erst dann aus, wenn die Medienkonsumenten den irrelevanten Zuspitzungen keine Aufmerksamkeit mehr schenken, sondern sich wieder um die Fakten kümmern (müssen).

Finanzielle Herausforderungen dürfen wir alle erwarten. Der Kampf um letzte Staatsgelder wird sich verschärfen. Viele etablierte Marken werden verschwinden, neue Sterne werden aufsteigen. Wir werden einen Medienwandel erleben, der sich schneller ereignet und tiefer auswirkt, als es viele vermutet haben. Was wir bisher gesehen haben, ist erst der Anfang. Den Satz “Mögest du in interessanten Zeiten leben” wünschen Chinesen ihren Feinden. Medienmenschen werden dazu verdammt sein, ihn sich täglich gegenseitig vorzulesen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Alle 608 Artikel von Ronnie Grob auf netzwertig.com:

medienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Ronnie Grob, 30. April 2009 um 11.37 Uhr , 8 Kommentare Kommentare

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

“Wer soll das denn lesen?”, fragte mich die ehemalige Blogwerk-Mitarbeiterin Christina Schmid, als ich im August 2006 die ersten Postings bei medienlese.com schrieb. Damals hatte ich keine Antwort, aber seit der angekündigten Einstellung dieses Blogs und der zwischenzeitlichen Rettung der Rubrik “6 vor 9” weiss ich es wenigstens teilweise. Viele Journalisten und Medieninteressierte lesen mit. Alle durften aber nicht: ich hörte von Zeitungsredakteuren, die dazu angehalten wurden, dieses Blog nicht zu lesen – angeblich, um sich davon nicht demoralisieren zu lassen.

Die sogenannt alten Medien berichteten eigentlich nie über uns – aber dann, bei der Einstellungsankündigung, eine Lawine! Michael Hanfeld konzentrierte sich in seinem Nachruf mit dem Titel “Unter Holzfällern” in der Frankfurter Allgemeinen auf die Beschwörung des Tods der Zeitung, den dieses Blog hauptsächlich betrieben haben soll. Für meinen Teil kann ich mich davon nur deutlich distanzieren: “It’s not the form, stupid!”. Ausserdem ist Holzfäller sein keine Schande, ich bin gerne “unter Holzfällern” (youtube.com, Video, 2:11 Minuten).

Was hat sich in den drei Jahren alles getan? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert?

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Newsnetz wiederholt:
Facebook macht krank!

Ronnie Grob, 16. April 2009 um 12.44 Uhr , 9 Kommentare Kommentare

Demenz, Schlaganfälle, und Schulprobleme: Wer sich auf Tamedias Newsnetz über Facebook informiert, erfährt Schreckliches. Das soziale Netz scheint überaus gefährlich.

Facebook-Gründer Zuckerberg: Im Auftrag der Pharma-Lobby? (Keystone)
Facebook-Gründer Zuckerberg: Im Auftrag der Pharma-Lobby? (Keystone)

Vier Texte über Facebook aus den letztem zwei Monaten, vier Horror-Geschichten: Das hinter verschiedenen Online-Auftritten der Tamedia stehende Newsnetz schreibt gerne über das Social Network Facebook – nicht weniger als 56 Beiträge wurden bisher von der Redaktion dazu verfasst. Doch so richtig positiv ist kaum eine davon – oft drehen sich um fragwürdige Gruppen, Probleme mit Geld oder Technik.

Neu zu lesen sind seit einiger Zeit Artikel, die Facebook für allerlei Auswirkungen verantwortlich machen. Krebs, Demenz, Schlaganfälle, Gefühllosigkeit, Schulprobleme – es gibt kaum etwas, an dem das Social Network nicht schuld ist:

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Ein Jahr nach Gründung:
AG Social Media, der Unverband

Ronnie Grob, 9. April 2009 um 16.25 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

Ein Jahr nach Gründung zählt die Arbeitsgemeinschaft Social Media 100 feste Mitglieder. Bei der re:publica’09 haben wir mit drei Vereinsvorständen über den Stand der Dinge gesprochen.

Ich treffe Benedikt Köhler, Richard Joerges und Heiko Ditges im Sonnenschein vor dem Friedrichpalast in Berlin. Sie bilden zusammen mit Maren Heltsche und Jörg Blumtritt den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Social Media (AGSM). Die drei beantworten mir meine Fragen gemeinsam und einander ergänzend, also ganz “social” im Sinne des Vereins.

Wir sprachen schon vor einem Jahr mit Benedikt Köhler, der damals den Verein initiierte, einen Monat später erfolgte dann die offizielle Gründung als Arbeitsgemeinschaft Social Media.

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6 zur re:publica’09:
Frauen, Freaks oder Geeks

Ronnie Grob, 6. April 2009 um 9.54 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

1. “taz-Text-Korrektur”
(mevme.com/lizblog, Lisa Rank)
Lisa Rank schreibt als freie Journalistin einen Text zur re:publica’09 für die taz. Doch dieser wird vom Chef vom Dienst so umgeschrieben, dass er nicht mehr im Sinne der Journalistin ist. In den Kommentaren zur gebloggten Korrektur reagiert der betreffende CvD, Sebastian Heiser (Kommentar 18): “Es war nicht meine Absicht, Lisa dort eine Meinung reinzuschreiben, die nicht ihre ist. Ich habe mich daher bei ihr bereits entschuldigt.”

2. “Kritik an der re:publica ’09″
(praegnanz.de/weblog, Gerrit van Aaken)
“Meines Erachtens braucht die re:publica im nächsten Jahr ein neues Konzept, intensiveres Briefing der Vortragenden und eine gehörige Komplexitätsreduktion. Weniger parallele Veranstaltungen, mehr Fokus auf die Zukunft und bitte nicht immer die gleichen Nasen auf der Bühne. Bitte kein Status Quo mehr, auch das gehört zum Shift!”

3. “dieses diffuse, pauschale rumnörgeln nervt”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
“ein klassiker unter bloggern ist ja, den journalisten (zu recht) mangelnde recherche, oberflächlichkeit oder die falschen themen vorzuwerfen. selbst zu telefonieren, selbst nachzufragen oder selbst recherchieren, dazu hat aber auch keiner bock. blogger weisen dann gerne darauf hin, dass man ohne presseausweis ja eh nix machen könne als von anderen seiten zu zitieren. was natürlich quark ist wer o-töne haben, mit politikern reden, auf einen parteitag oder in den bundestag will, bekommt das auch so hin — wenn er will.”

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6 zur re:publica’09:
Leerlauf, Internetgemüse, Babykotze

Ronnie Grob, 3. April 2009 um 10.22 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

1. “Die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege”
(mevme.com/lizblog)
“Ich frage mich, für wen diese Veranstaltung eigentlich gemacht ist? Zum einen tummelt sich die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege in einem Kreis und schmiert sich entspannt Smalltalk auf die Tastatur, zum anderen werden in Panels und Diskussionsrunden Dinge erklärt, von denen ich dachte, die seien Grundvoraussetzungen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen.”

2. “nett, aber ein bisschen zu wenig”
(misscaro.blogspot.com)
“bei der re:publica soll es um netzkultur gehen, nicht um weltprobleme, und deshalb ist das babykotze-panel auch genau richtig und wichtig. wo, wenn nicht hier? was aber nicht gut ist, ist der inhalt der panels. das ist alles so verdammt basic. und dann auch noch größtenteils verdammt schlecht vorgetragen. und immer noch so ohne jeden diskurs, jeden streit, jedes disagreement, so vollkommen ohne eier.”

3. “Linkschleudern im Leerlauf”
(maerkischeallgemeine.de, Jörg Giese)
“Ausgerechnet auf einem Treffen von und für Blogger, deren Selbstverständnis verlangt, in Online-Tagebüchern permanent über ihren Alltag zu kommunizieren, war das Web weg, leuchteten die schicken Laptops funktionslos im Saal. Zum Trost fotografierte man sich gegenseitig mit dem I-Phone.”

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6 zur re:publica’09:
Klowände, Augenringe, Hosenträger

Ronnie Grob, 2. April 2009 um 11.45 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

1. “Sind Blogs die ‘Klowände des Internets’?”
(welt.de, Michael Miersch)
Alan Posener, Henryk M. Broder, Juliette Guttmann, Frank Schäffler und Thierry Chervel äussern sich über dieses neue Internet. Chervel: “Ich habe im Jahr 2000 bei der ‘Süddeutschen’ gekündigt, wo man mich angeguckt hat wie ein Auto, weil sich die SZ für die beste Zeitung der Welt hält und man den Redakteursstatus als Adelsprädikat begreift.”

2. “01. april 2009″
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Der erste April mit Felix Schwenzel an der re:publica: “robert basic grüsst mich und fängt an mit mir zu reden. ich verstehe jedes wort. er ist wirklich nett. allerdings finde ich heraus, dass er gar keine getönte brille trägt, sondern seine dunklen augenringe schatten aufs brillenglas werfen. kosmars neue brille ist dagegegen getönt. ”

3. “Twitter ist nicht genug”
(netzeitung.de, Maik Söhler)
“Im Internet kann derzeit man kaum noch eine Webseite aufrufen, ohne dass einem von dort sofort allerlei Sätze übers Twittern entgegenpurzeln. Twitterer sind überall, schreiben über alles, posten Fotos und Videos, ‘followen’ diesem und jenem und fassungslose Medien verstehen immer noch nicht, um was es dabei überhaupt geht. Aber auch sie twittern nun.”

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re:publica’09:
Tag 1, Rückschau auf die Showbühne

Ronnie Grob, 1. April 2009 um 19.41 Uhr , 1 Kommentar Kommentare

Der erste Tag auf der re:publica’09: Basic, Pallenberg, Beckedahl und Niggemeier über den aktuellen Zustand der Blogs. Hogenkamp, Augstein, Lehnert und Passek über den Medienwandel.

Der erste Eindruck: Ist das gross und ernst geworden. Und cool: Der einzelne Sprecher im Schwarz der Bühne des Friedrichstadtpalasts wirkt grandios, eigentlich wartet man jeden Moment darauf, dass jemand wie Liza Minelli reinschneit. Hunderte Menschen im Rund, die in ihre Laptops tippen, was auf der Bühne passiert. Beeindruckend – wer hätte das gedacht bei der ersten re:publica vor zwei Jahren? Das sieht nicht mehr aus wie ein Bloggertreffen mit Bier, das sieht aus wie ein wichtiger Kongress.

Die Besucher streifen fast ernsthaft durch die Gänge, man misst sich gegenseitig mit kritischen, mit höflichen, mit freundlichen Blicken. Und guckt natürlich eifrig auf die Namensschilder, vielleicht ist es ja jemand, dessen Blog man täglich liest. Die Zeitungen sind auch vor Ort, die taz liegt auf und verkauft vor der Türe tazpresso, der Freitag ist da mit einem eigenen Stand.

Offenbar wird mit der Veranstaltung, die ständig an Zulauf gewinnt, ein Vakuum gefüllt. Wir fassen die Aussagen aus den zwei grossen Panels des Tages zusammen, der Diskussion über den aktuellen Zustand der Blogs und der Diskussion über den Wandel der Medienwelt:

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re:publica ‘09:
Dabei zwischen Scheune und Palast

Ronnie Grob, 31. März 2009 um 17.20 Uhr , 2 Kommentare Kommentare

medienlese.com berichtet vom 1. bis zum 3. April live von der Konferenz “Shift happens”, der re:publica’09 aus Berlin.

“Erst jetzt fällt uns auf, dass die re:publica sowohl in einer Scheune als auch in einem Palast stattfindet”, twitterte Johnny Häusler, einer der Veranstalter der re:publica ‘09, am 27. März.

Tatsächlich, das diesjährige Familientreffen der deutschsprachigen Onliner findet wie gewohnt in der Kalkscheune in Berlin statt. Neu aber auch im Revuetheater Friedrichstadtpalast, der “größten Theaterbühne der Welt”, auf der sonst “umjubelte Weltpremieren” stattfinden. Die seit Tagen ausverkaufte Veranstaltung mit um die 1000 Teilnehmern und hochkarätigen Rednern verspricht spannend zu werden, wir freuen uns darauf.

Darum werden wir von Mittwoch bis Freitag live vom Anlass berichten, mit mehreren Leuten vor Ort.

Mit dabei für medienlese.com sind:

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Blogcamp Switzerland 4:
Zurück an der ETH

Ronnie Grob, 23. März 2009 um 10.40 Uhr , 3 Kommentare Kommentare

Mehr als hundert Blogger trafen sich am Samstag zum vierten Schweizer Blogcamp. Ausgetauscht wurde sich über aktuelle Themen und Trends – zum Beispiel über “Social Media Newsrooms”.


Während sich die Schweizer Blogger im Jahr zuvor im Zürcher Technopark versammelten und sogar den bloggenden Minister Moritz Leuenberger für Foto-Shootings begeistern konnte, kehrte das Blogcamp Switzerland mit seiner vierten Ausgabe in die ehrwürdigen Säle der Technischen Hochschule in Zürich zurück.

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Mehr Style als Life:
Supplements werden zu Frauenzeitschriften

Ronnie Grob, 19. März 2009 um 14.22 Uhr , 12 Kommentare Kommentare

Style und Kochen statt Reportagen und Essays: Haben es sich die als journalistisch hochwertig bekannten Magazin-Supplements im Schoss der Luxusindustrie zu gemütlich gemacht?

Die jeweils gegen Wochenende beiliegenden Magazine der Süddeutschen Zeitung, der Zeit oder des Tages-Anzeigers sind bekannt als Stätten des herausragenden Journalismus. Sie zeichnen sich aus mit Reportagen, die sich über zehn oder zwanzig Seiten erstrecken. Zu Wort kommen Menschen, denen noch nie jemand Gehör schenkte. Erzählt werden Geschichten, die einzigartig sind.

Seit einigen Jahren ist das nur noch teilweise so. Die wöchentlichen Zeitungsbeilagen im deutschsprachigen Raum wandeln sich zu abgehobenen Familien- und Frauenzeitschriften einer irgendwie besseren Klasse: Die Themen drehen sich vorzugsweise um Stil, Mode, Kochen, Frauen, Kinder, Reisen, Trends. Politik? Ja, aber dann nur die menschliche Seite. Gesellschaft? Ja, aber nur, wenn etwas Glamour dran ist. Wissenschaft? Das ist zu trocken, das geht nur aufgepeppt. Investigationen? Einmal alle paar Monate Wallraff reicht.

Wie komme ich auf diese Behauptungen? Nehmen wir doch mal die Ausgaben für das Wochenende des 14./15. März und gucken uns die Themen an.

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