Blogwerk-Chefredaktor Peter Sennhauser
Peter Sennhauser (*1966) war schon lange online, bevor das World Wide Web die Medienwelt auf den Kopf zu stellen begann. Als Parlamentsberichterstatter beim Berner “Bund” und Ressortleiter “E-World” der Wirtschaftszeitung “Cash” interessierte er sich genauso für politische Konsequenzen und gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung wie als Vollblut-Geek für technisches Spielzeug. Seit 2004 lebt und arbeitet Peter in San Francisco am Eingang zum Silicon Valley. Seit März 2007 ist er als vollamtlicher Chefredaktor von Blogwerk verantwortlich für alle Blogs.
Peter ist erreichbar unter peter.sennhauser@blogwerk.com.
Alle 122 Artikel von Peter Sennhauser auf netzwertig.com:
Der jüngste Apple-Hype hat eine neue Komponente: Eine ganze Branche erhofft sich von einem Gerät die Rettung.
Ich bin seit 20 Jahren Journalist. Ich lebe seit fünf Jahren in San Francisco, und ich habe an fast allen Keynotes und Pressekonferenzen teilgenommen, die Apple in dieser Zeit abgehalten hat.
Ich war jedesmal ein wenig entsetzt.
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Googles Nexus One ist nicht der Einstieg der Suchmaschinenfirma ins Hardware-Business. Es ist vielmehr der Einstieg Googles als Dienstleister und Werbefirma in den Alltag der Smartphone-Benutzer.
Google Nexus One
Seit die ersten Gerüchte über die Materialisierung eines Google-Phones aufgetaucht sind, werden sie begleitet von der Frage: Was ist Googles Strategie im Hardware-Markt?
Fast zwei Wochen nach der Pressekonferenz und dem Verkaufsstart des Nexus One ist die Antwort noch immer Interpretationssache.
Allerdings greifen die meisten Interpretationen viel zu kurz. Allenthalben wird das Googlephone mit dem iPhone verglichen, als Versuch Googles dargestellt, ins Hardware-Geschäft einzusteigen oder gar, mit einem freien Handy-Markt die USA zu revolutionieren. Meine Antwort ist: Es gibt keine Strategie. Google interessiert sich nicht für den Hardware-Markt.
Das Nexus One ist für Google kein Produkt, das kommerziellen Erfolg haben muss.
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Googles kostenlose und herausragende Navigationslösung für Android ist eine Sensation. Und die Tatsache, dass die Anwendung nicht auf dem iPhone, sondern auf Motorolas Droid Premiere feierte, spricht Bände.
Über so manche Anwendung aus den Google-Labs kann man lange grübeln: Das ist nett, aber wozu ist es einsetzbar? Im Fall von Streetview wissen wir es jetzt: Auf einen Schlag hat Google nicht nur seine Kartensoftware, sein umfassendes Suchwissen, seine technische Überlegenheit (mit Spracherkennung) und seine Führungsposition im online-Werbemarkt in eine Anwendung gegossen, sondern auch eindrücklich demonstriert, wozu Streetview nützlich sein kann.
All diese Elemente nämlich machen aus Googles Navigations-Anwendung (zu haben ab November in den USA mit dem neuen Motorola-Droid) den besten Routenplaner, den es je geben wird. Nicht im Augenblick gibt, sondern geben wird:
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Microsoft-Tochter Danger.com hat die persönlichen Daten, Mails, Kontakte und Termine von einigen Hunderttausend Sidekick-Benutzern verloren. Die Datenwolke erweist sich als gar nicht so sicher.
Die Verzweiflung ist fast fühlbar: Zu Tausenden verfluchen amerikanische T-Mobile- Kunden und
Sidekick-Benutzer den Hersteller des Geräts, den Mobilfunkanbieter und die Firma, die hinter dem Smartphone mit jederzeit-Abgleich “in die Cloud” stehen – Danger.com, seit etwas mehr als anderthalb Jahren eine hundertprozentige Microsoft-Tochter.
Denn seit einigen Stunden sind all ihre Daten vermutlich unwiederbringlich futsch. Gelöscht offenbar bei einer Migration im Datencenter von Danger.com, bei der etwas schief gelaufen ist – und keine Backups vorhanden waren. Diese “Danger experience” dürfte zu einem beispiellosen PR-Rückschlag für das Cloud-Computing-Modell bei Normalverbrauchern in den USA werden.
“Sidekick” ist ein Smartphone, das sich in den USA unter T-Mobile-Kunden grösster Beliebtheit erfreute und auf dem neuen Kontinent den späten Aufschwung von SMS mitgetragen haben dürfte:
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Mit einem Mausklick jeden Artikel dieses Blogs via Facebook und Twitter kommentieren und weiterverbreiten: Das geht ab heute mit Knöpfen direkt am Textende.
Ein Klick, und schon bist Du bei Twitter oder Facebook und kannst einen Kommentar zur Verlinkung dieses Artikels hinzustellen: Wenn Du die Welt auf einen unserer Texte aufmerksam machen willst oder Deinen Followern zeigen, was sie verpassen, wenn sie uns nicht lesen…
Das geht inzwischen ganz einfach mit den beiden Knöpfen, die wir neuestens unter jedem Artikel einblenden: “Retweet” und “Share on Facebook”. Wer dort ein Konto hat, kann mit nur zwei Klicks die Botschaft verbreiten – und wir hoffen natürlich, dass Ihr regen Gebrauch davon macht. Das neue Feature schien uns angebracht, nachdem diese beiden Dienste derzeit den Trend zur Vernetzung anführen.
Radikal neu ist der Service übrigens nicht: Wir haben schon immer die Möglichkeit zum Verlinken/Anmelden/Versenden unserer Texte per einfachem Mausklick angeboten – unter dem Text und nach der Werbung, mit dem Link “Merken/Email”, hinter dem sich rund 50 social-bookmarking- und andere Dienste verbergen, darunter die einfache Email, zum verschicken unserer Texte. Einfach mal ausprobieren.
Amazon hat per Fernzugriff auf dem Kindle-Ebook-Reader Bücher von Kunden gelöscht. Jeff Bezos ist drauf und dran, seinen E-Book-Funken auszustampfen.
Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Bücher gekauft wie seit dem Tag, als mein “Kindle 2″ eingetroffen ist.
Wenn Amazon die Buchverlage überzeugen muss, dass elektronische Bücher ein Riesengeschäft sind, müssen wohl nur die Kundendaten einiger typischer Kindle-Nutzer wie mir vorgelegt werden – oder noch besser von solchen Benutzern, die auch noch die “New York Review of Books” auf dem Kindle abonniert haben und jedes dritte Buch gleich auf Knopfdruck kaufen.
Nur scheint Jeff Bezos dermassen überzeugt zu sein, dass das Konzept des Bücher-iTunes via “Whispernet” gar nicht schiefgehen kann, dass er die Überzeugungsarbeit auslässt und gleich auf den Profit losstürmt. Die neuste Episode zeigt allerdings, dass er sich auf dünnem Eis bewegt.
Eben ist ruchbar geworden, dass Amazon auf den Kindle-Geräten von Kunden via Funknetzanbindung mindestens zwei Bücher gelöscht haben soll, welche diese vorher gekauft haben:
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Twitter kommt das Verdienst zu, die Echtzeit-Publikationsmöglichkeiten des Internets aufzuzeigen. Das war nur dank seiner quasi-Monopolstellung möglich.
Der Medienhype hat Twitter gross gemacht – und dabei war nie genau klar, was eigentlich der Zweck des Systems ist, und noch weniger, wie man damit Geld verdienen soll (ach ja, mit Werbung…). Diese beiden Umstände erweisen sich jetzt als Glücksfall, denn das scheinbar zweckfreie, aber von Sexappeal der Selbstdarstellung genährte Phänomen Twitter erhielt dadurch die Zeit zu etwas zu wachsen, was in der umkämpften Ideenplattform Internet immer seltener wird: Ein Standard.
Aber ein sehr offener Standard, der keinerlei Vorgaben über die Art der Nutzung macht, wie mir drei aktuelle Stories vergangene Woche verdeutlicht haben:
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In Deutschland verlangt Burda einen “Leistungsschutz” für Medien. In den USA wird das Kind bereits beim Namen genannt: Ein Linkverbot für News für 24 Stunden. Dort eine Idee aus der Mottenkiste, die hierzulande verfangen könnte.
Wenn die Geschäftsmodelle von gigantischen Industrien durch neue Technologien in Stücke gerissen werden, kommen die Betroffenen auf irrwitzige Ideen.
Als nichts anderes muss es bezeichnet werden, wenn “die vierte Gewalt”, die diesen “Titel” aufgrund ihrer angeblichen Unabhängigkeit von Staat und Wirtschaft lange wie eine Monstranz vor sich her getragen hat, sich urplötzlich genau denen an die Brust wirft und Schutz vor dem bösen Volk und angeblichen Trittbrettfahrern verlangt.
Konkreteste Idee bisher: Nachrichten- oder News-Texte von Zeitungen sollen mindestens vierundzwanzig Stunden lang nicht verlinkt werden dürfen. Das sind die jüngsten und bisher konkretesten Vorschläge aus Lobbyisten- und Anwaltskreisen in den USA.
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Google verfeinert seine Suche und bietet den Nutzern neue Funktionen, die klein anfangen und grosse Wirkung haben dürften. Auch für Websitebetreiber. Und mit einer automatischen Datentabellen-Aggregation dürfte Google das Feuer der Copyright-Streiter auf sich ziehen.
Mit der Integration von neuen Funktionen bietet Google nicht nur Twitter als dem derzeit hippsten “News-Suche-Medium” die Stirn, sondern auch der Wikipedia als “Ich-klick-mich-durchs-Weltwissen”-Plattform: In den nächsten Tagen erfährt die weiterhin spartanisch wirkende Oberfläche der Suchmaschine einige “kleine” Anpassungen mit grosser Wirkung.
Die vermeintlich selbstverständlichen Zusatzfunktionen erweitern den Google-Nutzen für die Suchenden enorm. “Slice and Dice” ist das Motto gemäss Marissa Mayer: Die Suchresultate werden in “mundgerechte Happen” geschnitten.
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Dieser Text ist als Kolumne im Schweizer Medienmagazin “Edito” erschienen.
Von allen Seiten hören wir, die Medien steckten in einer Strukturkrise, deren Ausgang nicht absehbar sei. Die Digitalisierung unterspült Plattformen und Kanäle, und in kopfloser Aufregung beladen Verlage und Veranstalter neue Vehikel mit den alten Gefäßen und Inhalten.
Diese Panikaktionen greifen viel zu kurz, weil die Umwälzungen nicht nur die Strukturen des Mediengeschäfts erfasst haben, sondern vor dem Kern nicht halt machen: Dem Journalismus als solchem. Wo Informationen uneingeschränkt fließen, sind “Gatekeeper” überflüssig; die “Produktion” von News tut weniger Not als ihre Einordnung; vor allem aber findet eine Revolution statt, die Stanford-Professor Lawrence Lessig den Übergang von der “Nur-Lesen” zur “Lesen/Schreiben”-Kultur nennt:
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