Peter Sennhauser

Das iPad ist noch nicht auf dem Markt, da bricht der Krach um die E-Book-Preise bereits aus: Holtzbrinck-Tochter Macmillan, ein New Yorker Verlag, ist von Amazon aus dem Kindle-Programm geworfen worden. Update: Amazon gibt klein bei.

Man nutze die Gunst der Stunde: Unter dieser Devise scheint der CEO von Macmillan, John Sargent, am Donnerstag nach Seattle gereist zu sein, wie das Wall Street Journal meldet. Der Verlagschef wollte mit den Amazon-verantwortlichen Preisverhandlungen über die E-Books seines Verlags führen, der zur deutschen Holtzbrinck-Gruppe gehört.

Macmillan ist einer der fünf Verlage, die offiziell als Partner für das Buchprogramm von Apple auf dem am Mittwoch präsentierten iPad auftraten. Apple soll den Verlegern zugesagt haben, dass sie die Preise selber festlegen können – Steve Jobs Firma will davon lediglich 30 Prozent haben.

Das hat Amazon schon Tage vor der iPad-Präsentation zum Nachzug gezwungen:

Der Internet-Buchhändler hatte bisher genau den umgekehrten Satz abgerechnet – und zudem den Verlagen vielfach einen Preis von 9,90 Dollar vorgeschrieben.

Die Abkehr von der 70/30-Regel hat zumindest Sargent von Macmillan nicht gereicht, weswegen er nach Seattle flog, um mit Jeff Bezos’ Leuten einen besseren Deal auszuhandeln, und dabei dürfte er in jedem zweiten Satz “Apple” oder “iPad” gesagt haben.

Das ist bei Amazon nicht gut angekommen. Als Sargent nach New York zurückgekehrt war, habe er vernommen, Amazon habe das Macmillan-Programm komplett aus dem E-Book-Angebot geworfen und den Verlag wissen lassen, die elektronischen Bücher würden allenfalls noch durch Drittanbieter via Amazon verkauft.

Das könnte der Auftakt zu einem Preiskrieg werden, der paradoxerweise nicht zugunsten der Kunden verläuft.

Denn während Amazon von seinem bisherigen quasi-Monopol Gebrauch machten wollte, um einerseits die Kunden durch tiefe Preise an seinen E-Book-Store zu binden und zugleich sich selber durch unverschämte Provisionen schadlos zu halten, schlägt Steve Jobs eine andere Strategie ein und versucht zunächst die Verlage mit Zugeständnissen wie der eigenen Preisgestaltung für sich zu gewinnen.

Interessant an dieser Auseinandersetzung dürfte sein, dass sich Amazons Kindle als Gerät vor allem auch wegen des verhältnismässig umfangreichen E-Book-Angebots von Amazon verkauft, das via “Whispernet”-Funkanbindung immer zur Verfügung steht.

Apples iPad dagegen wird sich wohl auch, aber eben nicht nur als e-Book-Reader verkaufen – und die Online-Buchhandlung des Computerherstellers ist anfangs weniger eine Stütze des iPads, sondern steht und fällt mit dessen Verkaufserfolg.

Oder auch nicht: Wenn Apple rasch viele Kunden für die Bücher braucht, kann die Firma ganz einfach die Funktionalität des iPads als E-Book-Reader auf das iPhone abbilden und sich damit einen Millionen-Kundenstamm erschliessen.

Amazon dagegen soll angeblich bisher drei Millionen des Kindle verkauft haben, was respektabel ist – die Zahl stammt allerdings noch von vor dem internationalen Kindle-Angebot – und dem neusten Coup: Amazon verschenkt den Kindle an ausgewählte, treue Kunden, die mit einem oder zwei bestellten Büchern pro Woche zur Stammkundschaft zählen.

Diese Idee hatte ich schon, als ich meinen Kindle vergangenes Jahr für fast 300 Dollar kaufte, dann aber feststellte, dass sich das Gerät allein durch den niedrigen Preis der New York Times im Vergleich zur Papierausgabe als Morgen-Abonnement binnen weniger Monate amortisiert hat.

Bezos könnte also auch den umgekehrten Weg gehen und statt auf billige Bücher auf ein billiges Gerät setzen: Das Geschäft würde er danach weiterhin mit den Büchern machen, die einzig etwas billiger als die Papierausgabe sein müssen, um von den Kunden gekauft zu werden – und meiner Erfahrung nach führt der Kindle-Shop auf dem Gerät rasch zu mehr Einkäufen.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Amazon dieser Tage eine Preissenkung für den Kindle (auf, sagen wir, 149 Dollar?) und Gesprächsrunden mit den Verlegern ankündigt – auch wenn man jetzt zunächst starker Mann spielt und an Macmillan ein Exempel zu statuieren versucht.

Update: das ging aber fix… Noch kein preiswerterer Kindle, aber der Kniefall vor den Verlegern: Amazon teilt den Kindle-Besitzen mit, dass man den Forderungen von Macmillan – “einem der grossen sechs Verlagshäusern”, nachgeben müsse, weil Macmillan “ein Monopol auf ihren eigenen Titeln” habe und Amazon diese Bücher anbieten wolle, wenn auch zu Preisen, “die wir als unnötig hoch ansehen für E-Books”. Die Kunden sollten selbst entscheiden, ob sie solche Preise bezahlen wollten, schreibt Amazon – und ruft damit indirekt zum Boykott eines Produkts im eigenen Laden auf.

Via Wallstreet Journal

 

Alle 113 Artikel von Peter Sennhauser auf netzwertig.com:

Amazon schmeisst Macmillan raus:
Das iPad sorgt für rote Köpfe

Peter Sennhauser, 31. Januar 2010 um 8.11 Uhr , 3 Kommentare Kommentare

Das iPad ist noch nicht auf dem Markt, da bricht der Krach um die E-Book-Preise bereits aus: Holtzbrinck-Tochter Macmillan, ein New Yorker Verlag, ist von Amazon aus dem Kindle-Programm geworfen worden. Update: Amazon gibt klein bei.

Man nutze die Gunst der Stunde: Unter dieser Devise scheint der CEO von Macmillan, John Sargent, am Donnerstag nach Seattle gereist zu sein, wie das Wall Street Journal meldet. Der Verlagschef wollte mit den Amazon-verantwortlichen Preisverhandlungen über die E-Books seines Verlags führen, der zur deutschen Holtzbrinck-Gruppe gehört.

Macmillan ist einer der fünf Verlage, die offiziell als Partner für das Buchprogramm von Apple auf dem am Mittwoch präsentierten iPad auftraten. Apple soll den Verlegern zugesagt haben, dass sie die Preise selber festlegen können – Steve Jobs Firma will davon lediglich 30 Prozent haben.

Das hat Amazon schon Tage vor der iPad-Präsentation zum Nachzug gezwungen: » weiterlesen

Das Tablet kommt:
Steve Jobs als Messias einer Branche

Peter Sennhauser, 27. Januar 2010 um 11.22 Uhr , 40 Kommentare Kommentare

Der jüngste Apple-Hype hat eine neue Komponente: Eine ganze Branche erhofft sich von einem Gerät die Rettung.

Ich bin seit 20 Jahren Journalist. Ich lebe seit fünf Jahren in San Francisco, und ich habe an fast allen Keynotes und Pressekonferenzen teilgenommen, die Apple in dieser Zeit abgehalten hat.

Ich war jedesmal ein wenig entsetzt.

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Google Nexus One:
It’s the search, stupid

Peter Sennhauser, 20. Januar 2010 um 13.26 Uhr , 10 Kommentare Kommentare

Googles Nexus One ist nicht der Einstieg der Suchmaschinenfirma ins Hardware-Business. Es ist vielmehr der Einstieg Googles als Dienstleister und Werbefirma in den Alltag der Smartphone-Benutzer.

Google Nexus One
Google Nexus One
Seit die ersten Gerüchte über die Materialisierung eines Google-Phones aufgetaucht sind, werden sie begleitet von der Frage: Was ist Googles Strategie im Hardware-Markt?

Fast zwei Wochen nach der Pressekonferenz und dem Verkaufsstart des Nexus One ist die Antwort noch immer Interpretationssache.

Allerdings greifen die meisten Interpretationen viel zu kurz. Allenthalben wird das Googlephone mit dem iPhone verglichen, als Versuch Googles dargestellt, ins Hardware-Geschäft einzusteigen oder gar, mit einem freien Handy-Markt die USA zu revolutionieren. Meine Antwort ist: Es gibt keine Strategie. Google interessiert sich nicht für den Hardware-Markt.

Das Nexus One ist für Google kein Produkt, das kommerziellen Erfolg haben muss.

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Google-Navigation:
Die eine App, die Apple haben muss

Peter Sennhauser, 29. Oktober 2009 um 4.35 Uhr , 16 Kommentare Kommentare

Googles kostenlose und herausragende Navigationslösung für Android ist eine Sensation. Und die Tatsache, dass die Anwendung nicht auf dem iPhone, sondern auf Motorolas Droid Premiere feierte, spricht Bände.

Über so manche Anwendung aus den Google-Labs kann man lange grübeln: Das ist nett, aber wozu ist es einsetzbar? Im Fall von Streetview wissen wir es jetzt: Auf einen Schlag hat Google nicht nur seine Kartensoftware, sein umfassendes Suchwissen, seine technische Überlegenheit (mit Spracherkennung) und seine Führungsposition im online-Werbemarkt in eine Anwendung gegossen, sondern auch eindrücklich demonstriert, wozu Streetview nützlich sein kann.

All diese Elemente nämlich machen aus Googles Navigations-Anwendung (zu haben ab November in den USA mit dem neuen Motorola-Droid) den besten Routenplaner, den es je geben wird. Nicht im Augenblick gibt, sondern geben wird:

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T-Mobile USA verliert alle Sidekick-Daten:
Der Cloud-Computing-GAU

Peter Sennhauser, 12. Oktober 2009 um 2.09 Uhr , 10 Kommentare Kommentare

Microsoft-Tochter Danger.com hat die persönlichen Daten, Mails, Kontakte und Termine von einigen Hunderttausend Sidekick-Benutzern verloren. Die Datenwolke erweist sich als gar nicht so sicher.

Die Verzweiflung ist fast fühlbar: Zu Tausenden verfluchen amerikanische T-Mobile- Kunden und Sidekick-Benutzer den Hersteller des Geräts, den Mobilfunkanbieter und die Firma, die hinter dem Smartphone mit jederzeit-Abgleich “in die Cloud” stehen – Danger.com, seit etwas mehr als anderthalb Jahren eine hundertprozentige Microsoft-Tochter.

Denn seit einigen Stunden sind all ihre Daten vermutlich unwiederbringlich futsch. Gelöscht offenbar bei einer Migration im Datencenter von Danger.com, bei der etwas schief gelaufen ist – und keine Backups vorhanden waren. Diese “Danger experience” dürfte zu einem beispiellosen PR-Rückschlag für das Cloud-Computing-Modell bei Normalverbrauchern in den USA werden.

“Sidekick” ist ein Smartphone, das sich in den USA unter T-Mobile-Kunden grösster Beliebtheit erfreute und auf dem neuen Kontinent den späten Aufschwung von SMS mitgetragen haben dürfte:

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In eigener Sache:
“Retweet” und “Share on Facebook”

Peter Sennhauser, 22. Juli 2009 um 9.10 Uhr , 5 Kommentare Kommentare

Mit einem Mausklick jeden Artikel dieses Blogs via Facebook und Twitter kommentieren und weiterverbreiten: Das geht ab heute mit Knöpfen direkt am Textende.

Ein Klick, und schon bist Du bei Twitter oder Facebook und kannst einen Kommentar zur Verlinkung dieses Artikels hinzustellen: Wenn Du die Welt auf einen unserer Texte aufmerksam machen willst oder Deinen Followern zeigen, was sie verpassen, wenn sie uns nicht lesen…

Das geht inzwischen ganz einfach mit den beiden Knöpfen, die wir neuestens unter jedem Artikel einblenden: “Retweet” und “Share on Facebook”. Wer dort ein Konto hat, kann mit nur zwei Klicks die Botschaft verbreiten – und wir hoffen natürlich, dass Ihr regen Gebrauch davon macht. Das neue Feature schien uns angebracht, nachdem diese beiden Dienste derzeit den Trend zur Vernetzung anführen.

Radikal neu ist der Service übrigens nicht: Wir haben schon immer die Möglichkeit zum Verlinken/Anmelden/Versenden unserer Texte per einfachem Mausklick angeboten – unter dem Text und nach der Werbung, mit dem Link “Merken/Email”, hinter dem sich rund 50 social-bookmarking- und andere Dienste verbergen, darunter die einfache Email, zum verschicken unserer Texte. Einfach mal ausprobieren.

Amazons Kindle:
Orwell’scher DRM-Sündenfall

Peter Sennhauser, 18. Juli 2009 um 11.37 Uhr , 12 Kommentare Kommentare

Amazon hat per Fernzugriff auf dem Kindle-Ebook-Reader Bücher von Kunden gelöscht. Jeff Bezos ist drauf und dran, seinen E-Book-Funken auszustampfen.

Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Bücher gekauft wie seit dem Tag, als mein “Kindle 2″ eingetroffen ist.

Wenn Amazon die Buchverlage überzeugen muss, dass elektronische Bücher ein Riesengeschäft sind, müssen wohl nur die Kundendaten einiger typischer Kindle-Nutzer wie mir vorgelegt werden – oder noch besser von solchen Benutzern, die auch noch die “New York Review of Books” auf dem Kindle abonniert haben und jedes dritte Buch gleich auf Knopfdruck kaufen.

Nur scheint Jeff Bezos dermassen überzeugt zu sein, dass das Konzept des Bücher-iTunes via “Whispernet” gar nicht schiefgehen kann, dass er die Überzeugungsarbeit auslässt und gleich auf den Profit losstürmt. Die neuste Episode zeigt allerdings, dass er sich auf dünnem Eis bewegt.

Eben ist ruchbar geworden, dass Amazon auf den Kindle-Geräten von Kunden via Funknetzanbindung mindestens zwei Bücher gelöscht haben soll, welche diese vorher gekauft haben:

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Twitter:
Der erste Kanal ist offen

Peter Sennhauser, 15. Juli 2009 um 11.39 Uhr , 7 Kommentare Kommentare

Twitter kommt das Verdienst zu, die Echtzeit-Publikationsmöglichkeiten des Internets aufzuzeigen. Das war nur dank seiner quasi-Monopolstellung möglich.

Der Medienhype hat Twitter gross gemacht – und dabei war nie genau klar, was eigentlich der Zweck des Systems ist, und noch weniger, wie man damit Geld verdienen soll (ach ja, mit Werbung…). Diese beiden Umstände erweisen sich jetzt als Glücksfall, denn das scheinbar zweckfreie, aber von Sexappeal der Selbstdarstellung genährte Phänomen Twitter erhielt dadurch die Zeit zu etwas zu wachsen, was in der umkämpften Ideenplattform Internet immer seltener wird: Ein Standard.

Aber ein sehr offener Standard, der keinerlei Vorgaben über die Art der Nutzung macht, wie mir drei aktuelle Stories vergangene Woche verdeutlicht haben:

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“Leistungsschutz”:
Linkverbot!

Peter Sennhauser, 3. Juli 2009 um 8.41 Uhr , 8 Kommentare Kommentare

In Deutschland verlangt Burda einen “Leistungsschutz” für Medien. In den USA wird das Kind bereits beim Namen genannt: Ein Linkverbot für News für 24 Stunden. Dort eine Idee aus der Mottenkiste, die hierzulande verfangen könnte.

Wenn die Geschäftsmodelle von gigantischen Industrien durch neue Technologien in Stücke gerissen werden, kommen die Betroffenen auf irrwitzige Ideen.

Als nichts anderes muss es bezeichnet werden, wenn “die vierte Gewalt”, die diesen “Titel” aufgrund ihrer angeblichen Unabhängigkeit von Staat und Wirtschaft lange wie eine Monstranz vor sich her getragen hat, sich urplötzlich genau denen an die Brust wirft und Schutz vor dem bösen Volk und angeblichen Trittbrettfahrern verlangt.

Konkreteste Idee bisher: Nachrichten- oder News-Texte von Zeitungen sollen mindestens vierundzwanzig Stunden lang nicht verlinkt werden dürfen. Das sind die jüngsten und bisher konkretesten Vorschläge aus Lobbyisten- und Anwaltskreisen in den USA.

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Google ‘Options’, ‘Squared’ und ‘Snippets’:
Suche, gestückelt

Peter Sennhauser, 13. Mai 2009 um 4.10 Uhr , 6 Kommentare Kommentare

Google verfeinert seine Suche und bietet den Nutzern neue Funktionen, die klein anfangen und grosse Wirkung haben dürften. Auch für Websitebetreiber. Und mit einer automatischen Datentabellen-Aggregation dürfte Google das Feuer der Copyright-Streiter auf sich ziehen.

Mit der Integration von neuen Funktionen bietet Google nicht nur Twitter als dem derzeit hippsten “News-Suche-Medium” die Stirn, sondern auch der Wikipedia als “Ich-klick-mich-durchs-Weltwissen”-Plattform: In den nächsten Tagen erfährt die weiterhin spartanisch wirkende Oberfläche der Suchmaschine einige “kleine” Anpassungen mit grosser Wirkung.

Die vermeintlich selbstverständlichen Zusatzfunktionen erweitern den Google-Nutzen für die Suchenden enorm. “Slice and Dice” ist das Motto gemäss Marissa Mayer: Die Suchresultate werden in “mundgerechte Happen” geschnitten.

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