Martin Weigert

Martin Weigert (Jahrgang 83), gebürtiger Berliner, hat Wirtschaftskommunikation studiert und beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit dem Internet. Neben neuen, innovativen Web-Startups behält er die generelle Entwicklung des Netzes und der Digitalisierung im Auge und analysiert große wie kleine Tendenzen, die mit der globalen Vernetzung einhergehen. Martin Weigert gründete im März 2007 zusammen mit Michael Osl das Blog zweinull.cc, welches im Mai 2008 Teil von netzwertig.com wurde. Seit April 2010 ist er der verantwortliche Redakteur für netzwertig.com. Der Fachjournalist war unter anderem Jurymitglied bei der von deutsche-startups.de durchgeführten Wahl zum Startup des Jahres 2011 sowie Teil des Advisory Boards der von TechCrunch veranstalteten “Europas”-Awards. Ausgewählte Beiträge von ihm erscheinen regelmäßig beim netzwertig.com-Kooperationspartner WirtschaftsWoche Online.

Er bloggt außerdem privat auf www.martinweigert.com und twittert unter @martinweigert.

 

Alle 2861 Artikel von Martin Weigert auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Veraltetes Klischee:
Ein Smartphone ist kein Luxusgut mehr

Noch immer existiert das Klischee, dass man mindestens zur Mittelschicht gehören muss, um sich ein Smartphone leisten zu können. Die Realität sieht anders aus.

SmartphoneEs gibt valide Argumente dagegen, bestimmte für Bürger essentielle öffentliche oder kommerzielle Dienstleistungen nur noch auf digitalem Weg zugänglich zu machen. Und dann gibt es solche, die zwar in den Ohren ihrer Verwender gut klingen mögen, die aber in der Realität keine Gültigkeit haben. Ein Klassiker, den man immer mal wieder hört, ist der gut gemeinte Hinweis, dass sozialschwache Personen ausgegrenzt werden, sofern man einen Service nur per Smartphone anbietet (zuletzt hier nachzulesen). Doch die Annahme, dass Menschen in prekären Lebenslagen kein Smartphone besitzen können, ist nicht mehr zeitgemäß. » weiterlesen

Heißer Trend FinTech:
Die Finanzbranche steht heute da, wo sich die Musikindustrie im Jahr 2000 befand

Der Umgang mit und die Verwaltung von Geld stehen vor weitreichenden Veränderungen. Für die Musikindustrie kam das Erwachen mit Napster. Im Finanzsektor markiert Bitcoin die Zeitwende.

GeldWer sich meine Artikel der letzten Zeit anschaut, wird feststellen, dass ich vermehrt über Startups und Neuigkeiten aus dem Payment- und Finance-Bereich berichtet habe. Das hat einen ganz simplen Hintergrund: Die Zahl der spannenden Unterfangen und Entwicklungen im sogenannten FinTech-Segment (Finance-Tech) explodiert gerade regelrecht. Aktuell fasziniert mich kaum ein anderer Bereich der Technologiewelt derartig wie die Neudefinition des Geldes und der damit verbundenen Dienstleistungen im digitalen Zeitalter.

Um meine Exaltierheit verständlicher zu machen, möchte ich mich einer Analogie bedienen: Ich glaube, dass FinTech heute ungefähr da steht, wo die Musikindustrie sich zur Jahrtausendwende befand. Diese blickte 1999/2000 auf einen bevorstehenden massiven Wandel, ausgelöst durch neue Möglichkeiten des digitalen Musikvertriebs und -konsums, und mitverursacht durch nicht nach den alten Regeln spielende Player wie die Tauschbörsen Napster und Kazaa. Sie erlaubten es Nutzern erstmals im großen Stil, Musik miteinander zu tauschen, und das vorbei an den Kontroll- und Wertschöpfungsinstanzen der existierenden Anbietern. Filesharing-Börsen und illegale MP3-Downloadsites rüttelten die Musikindustrie wach und ebneten mittelfristig den Weg für legale Streaming- und Abodienste, die heute von Millionen Menschen genutzt werden. Und auch wenn die Transformation der Musikindustrie noch lange nicht abgeschlossen ist, funktioniert sie heute schon deutlich anders als zum Beginn der Internetära, wie dieser Chart belegt. » weiterlesen

Digitaler Lesezirkel:
tabcircle sagt abgegriffenen Zeitschriften den Kampf an

Das fränkische Startup tabcircle möchte Unternehmen verschiedener Branchen dazu bringen, Kunden und Gästen anstelle von abgegriffenen Magazinen lieber digitale Lektüre für ihre Smartphones und Tablets bereitzustellen.

tabcircleIn gastronomischen Einrichtungen, bei Dienstleistungsunternehmen sowie Ärzten liegen oft Zeitungen und Magazine aus, mit denen sich Gäste, Kunden beziehungsweise Patienten Wartezeiten vertreiben können. Fehlende Aktualität, begrenzte Auswahl sowie ein – nett ausgedrückt – nicht mehr ganz druckfrischer Zustand der vorhandenen Print-Titel kommt dem theoretischen Lesespaß allerdings leicht in die Quere. tabcircle, ein Startup aus dem frankischen Ebensfeld, sieht erheblichen Verbesserungsbedarf und will das altehrwürdige Lesezirkel-Prinzip in das Zeitalter des digitalen Lesekonsums hieven. » weiterlesen

Einführung des Follower-Prinzips:
Wieso LinkedIn zum neuen Twitter werden könnte

Bei Twitter ist unklar, wie lange der unter Wachstums- und Wandlungsdruck stehende Dienst noch erste Wahl für mitteilungsfreudige “Professionals” sein wird. LinkedIn könnte davon profitieren. Mit der Einführung des Follower-Prinzips legt das Geschäftsnetzwerk die Grundlagen.

LinkedInTwitter könnte in naher Zukunft sein seit acht Jahren unangetastet gelassenes Prinzip des chronologischen Echtzeit-Feeds in Frage stellen. Das zumindest deutete Twitter CEO Dick Costolo im Rahmen der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen an. Diese fielen zwar besser aus als von manchen Beobachtern erwartet. Dennoch ist das börsennotierte Unternehmen aus San Francisco weit von den Reichweiten- und Aktivitätszahlen entfernt, die Konkurrent Facebook vorweisen kann. Dass Costolo und sein Team prüfen, inwieweit der von Journalisten und Nachrichtenfreaks geschätzte Live-Charakter für den Dienst bei der Eroberung der Sympathien der breiten Masse hinderlich ist, verwundert nicht. Für eingefleischte Stammnutzer jedoch würde eine eventuelle Abkehr vom zentralen Echtzeit-Feed ein traumatisches Erlebnis darstellen. » weiterlesen

Ein Jahrhundert später:
Die 40-Stunden-Woche wackelt

Computer und Maschinen haben Firmen enormen Produktivitätszuwachs beschert. Doch am Ideal der 40-Stunden-Woche hat sich seit fast 100 Jahren nichts geändert. Nun aber mehren sich die Zeichen dafür, dass Gesellschaft und Wirtschaft für eine erneute Reduzierung bereit sind.

ArbeitszeitSeit dem Aufkommen der Industrialisierung hat sich die Produktivität von Unternehmen und der arbeitenden Bevölkerung massiv erhöht. Doch das Ideal der wöchentlichen Arbeitszeit, nämlich acht Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche, ist trotz des immensen technischen Fortschritts und der enormen Fähigkeit zur Automatisierung noch immer so wie vor 90 Jahren. Damals führte der Autohersteller Ford als eines der ersten großen Unternehmen offiziell die 40-Stunden-Woche ein. Zuvor konnte ein Arbeitstag schon mal aus 10 bis 16 Stunden bestehen.

Heute, fast ein Jahrhundert später, mehren sich die Zeichen, dass abermals eine Reduktion der Wochenarbeitsstunden bevorsteht.

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Foto: Flickr/daxkoCC BY 2.0

Vorbild Alibaba:
6 Zitate von Oliver Samwer, die unter anderem Rocket Internets gigantische Pläne beschreiben

Bislang galt Rocket Internet als hocheffiziente Klon-Fabrik. Doch geht es nach CEO Oliver Samwer, wird sich das Unternehmen eines Tages mit dem chinesischen Internetgiganten Alibaba messen lassen können.

Rocket InternetVor zwei Wochen veröffentlichte das Handelsblatt ein ausführliches Interview (kostenpflichtig) mit Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. Leider bin ich erst jetzt zu dieser Lektüre gekommen. Obwohl auf sie an vielen anderen Stellen bereits Bezug genommen wurde, möchte ich im Folgenden sechs Zitate aus dem Gespräch hervorheben, die mir speziell ins Auge gefallen sind. Sie zeigen mit besonderer Deutlichkeit auf, welche Dimensionen Rocket Internet nach den Vorstellungen des zielstrebigen Entrepreneurs annehmen wird.

“Sehr viele [Unternehmen] haben wir zu früh verkauft, das müssen wir uns heute selbstkritisch eingestehen. Wir wollen die Firmen künftig unabhängiger machen, ohne dass wir sie gleich abgeben. Das chinesische Alibaba geht auch so vor.”

“Der Wohlstand der Zukunft wird davon abhängen, wie erfolgreich Europa seine gesamte Wirtschaft digitalisiert.”

“Eine Mischung aus deutschen Tugenden und amerikanischer Begeisterungsfähigkeit und Mut wäre für uns hier jedenfalls der beste Weg, um uns global zu behaupten.”

“Es ist in Deutschland schlicht nicht genügend Kapital vorhanden.”

“Wir wollen Rocket Internet zur größten Internetplattform außerhalb von China und den USA ausbauen. In diesen beiden Ländern leben 35 Prozent der Onlinenutzer, aber dorthin fließt 80 Prozent des Risikokapitals fürs Internet.”

“Die nächsten 25 Jahre müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass ich abtreten könnte. Wir werden uns irgendwann wiedertreffen, dann haben alle Unternehmen, die wir unterstützen, hoffentlich 150.000 Mitarbeiter.”

Da es zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund des bisher Erreichten keinen Grund gibt, an der Umsetzbarkeit der Samwer-Pläne zu zweifeln, so ist davon auszugehen, dass die in der Vergangenheit als Klonfabrik verschriene Startup-Schmiede in Zukunft die hiesige Webwirtschaft noch stärker prägen und international repräsentieren wird als bisher. Und trotz aller Kritik, die man hinsichtlich des Geschäftsgebarens und der außergewöhnlichen Aggressivität von Rocket Internet äußern kann, so ist dies für den Internetstandort Deutschland (und Europa) wahrscheinlich eine gute und wichtige Entwicklung. Zumal niemand anderes in Sicht ist, der diese Rolle übernehmen könnte. /mw

Evolution des Internets:
Eine Häufung bedenklicher Entwicklungen

Seit rund 20 Jahren existiert das kommerzielle Internet. Der Alltag der meisten Menschen wurde durch die globale Vernetzung erheblich vereinfacht. Dennoch gibt es im Rahmen der Evolution des Netzes abseits vom großen, übergeordneten Sorgenthema Überwachung verschiedene bedenkliche Entwicklungen.

InternetSeit das Internet Mitte der 90er Jahre seinen kommerziellen Durchbruch erlebte, haben die durch das Netz möglich gewordenen digitalen Innovationen das Leben aller Menschen massiv vereinfacht und bequemer gemacht. Dennoch entwickelten sich nicht alle Rahmenbedingungen nur zum Besseren. Die hohe Bedeutung der Digitalisierung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weckt Begehrlichkeiten und verursacht von allen Seiten Druck auf die Infrastruktur und die Funktionsweise des Internets. Noch funktioniert dieses zwar im Prinzip so wie anno 1995 (nur dank Breitband viel schneller und dank mobiler Datenverbindungen von fast jedem Ort aus). Dennoch besteht die begründete Gefahr, dass das nicht immer so bleiben wird. Es folgen sechs Punkte, in denen sich die Dinge eher zum Schlechten verändert haben.  » weiterlesen

E-Commerce ohne Transaktionsgebühren:
Zahlungsdienstleister lösen das Versprechen von Bitcoin ein

Bei beiden führenden Payment-Dienstleistern für Bitcoin können Händler Transaktionen nun gebührenfrei abwickeln lassen. Damit wird eines der großen Versprechen der virtuellen Währung Wirklichkeit.

Von der virtuellen Währung Bitcoin kann man halten was man will – für Händler und Dienstleistungsunternehmen besitzt die Idee von Bitcoin in der Theorie eine hohe Anziehungskraft: Aufgrund der Struktur und Konzeption der Kryptowährung ist es möglich, Transaktionen durchzuführen, ohne dass dabei die heute beim kommerziellen elektronischen Geldtransfer mitfolgenden Gebühren anfallen. Denn der Bedarf an zwischengeschalteten Institutionen, die Transaktionen formell verifizieren und dafür die Hand aufhalten, entfällt. Fast 50 Milliarden Dollar an Gebühren zahlen Handel und Serviceanbieter pro Jahr an Banken und Kreditkarteninstitute. Sollte Bitcoin eines Tages außerhalb von Geek- und Tüftler-Kreisen zu einem verbreiteten Zahlungsmittel werden, ergäben sich dadurch also erhebliche Vorteile für Händler (höhere Margen) und Kunden (günstigere Preise, falls Kostenvorteile ganz oder in Teilen weitergereicht werden). » weiterlesen

Entbündelungs-Strategie:
Netzriesen verschärfen die Depression der App-Ökonomie

Der Goldrausch in der App-Ökonomie ist vorbei. Mit der von einigen führenden Webfirmen praktizierten Multi-App-Strategie verschlechtern sich die Chancen für Entwickler abermals, dass ihre Apps von Nutzern wahrgenommen und aktiv genutzt werden.

MessengerWie schon vor einiger Zeit von dem Unternehmen angekündigt, wird Facebook jetzt ernst machen und im Rahmen seiner Entbündelungsstrategie die Chat-Funktion komplett aus seiner primären mobilen App entfernen. Wer vom Smartphone oder Tablet Nachrichten mit Kontakten austauschen möchte, muss dafür auf die separate Messenger-Anwendung ausweichen. Facebooks seit einiger Zeit zum Tragen kommende Strategie, spezifische Einsatzszenarien über eigenständige Apps abzudecken, veranlasste Gizmodo gestern zu einem längeren kritischen Kommentar. Eine gesteigerte Beanspruchung des Gerätespeichers sowie eine verringerte Übersicht auf den Home Screens unserer mobilen Geräte gehören zu den Punkten, die am sich nicht nur auf Facebook beschränkenden Entbündelungs-Trend moniert werden.

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Instagram veröffentlicht Bolt:
Facebook schießt aus allen Rohren, um Snapchat zu stoppen

Wenige Wochen nach Slingshot veröffentlicht Facebook abermals eine App zur Kommunikation mittels Fotos und Videos: Bolt ist direkt unter der Instagram-Marke angesiedelt – und funktioniert genau wie der Berliner Dienst Taptalk.

boltAls Facebook Mitte Juni seinen nächsten Versuch präsentierte, Snapchat etwas in den Weg zu stellenz, bot das Resultat namens Slingshot eine kleine Überraschung: Es war entgegen eines Wochen zuvor publizierten Berichts der Financial Times doch kein waschechter Klon der Berliner Foto-Sharing-App Taptalk. Falsch lag die Zeitung mit ihrer Ankündigung trotzdem nicht. Tatsächlich werkelte man bei dem sozialen Netzwerk an einer Nachahmung von Taptalk – nur sollte deren Veröffentlichung etwas später erfolgen. Am gestrigen Dienstagabend war es soweit: Die neueste Foto-App des Internetkonzerns wurde offiziell vom Instagram-Team entwickelt, heißt Bolt und steht zum Debüt lediglich für iOS- und Android-User in Singapur, Südafrika und Neuseeland bereit. Und ja, Bolt ist im Prinzip identisch mit Taptalk. » weiterlesen