Alle 119 Artikel von kjarchow auf netzwertig.com:
Die regelmäßige Blogschau auf medienlese.com – diesmal mit Zettelkästen, Wort-Schnitzeln, einer Gesprächszentrale und schwarzweißer Untergangssucht.
Da diesmal aus dem Publikum thematisch nichts Bestimmtes gewünscht wurde, gibt’s hier den gewohnten Pichelsteiner Topf – so wie Blogs ja am besten zu genießen sind. Wer will schon ewig das Gleiche aufgetischt bekommen? Los geht’s!
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Neue Medien, neuer Wahlkampf? Warum im deutschen Superwahl alle Hoffnungen auf eine Mitmach-Politik mit Blogs und Blockpartys à la Obama vergebens sind, erklärt Klaus Jarchow.
Das Superwahljahr 2009 soll also das Jahr werden, in dem endgültig die amerikanischen Wahlkampfmodelle in Deutschland Einzug halten sollen – insbesondere
Obamas Online-Wahlkampf hat es den Politikern angetan. Nur leider bietet das Modell kaum Aussicht auf Erfolg in Deutschland. Gute Gründe hierfür hat uns bereits Jens Berger vom
Spiegelfechter-Blog dort
im neuen Freitag aufgezählt. Das Haupthindernis dürften in meinen Augen die Parteien selbst sein. Wer jemals erlebte, wie ein deutscher Politiker auf der berüchtigten ‘Ochsentour’ nach oben in den politischen Olymp gelangte, der weiß, dass von dort oben eben auch nur Ochsen herunterschauen können – und keine Vollblut-Charismatiker wie der Obama.
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Eine Zeitung auf der Höhe der Zeit: Jakob Augstein will aus der kleinen “Ost-West-Wochenzeitung” Freitag “das Meinungsmedium” machen. Am 5. Februar ist es soweit.

Neues Konzept, neue Leser?
Es war einmal eine Zeit, da waren fast alle Wochenzeitungen ‘linksliberal’. Sofern sie nicht gerade
Welt am Sonntag hießen. Lang. lang ist’s her: Übrig geblieben ist eine einzige von ihnen – und zwar ausgerechnet jene, die es damals noch gar nicht gab. Die Rede ist vom
Freitag, jener publizistischen Ost-West-Geburt des Jahres 1990, die seit Juni 2008 schon
Jakob Augstein gehört, dem Sohn des
Spiegel-Gründers.
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Die Info-Elite des ZDF lässt sich zum Bloggen herab: Neun Journalisten und drei Journalistinnen begleiten das Superwahljahr im Internet. Ist das die Zukunft des Journalismus?

Wahlbog des ZDF (Screenshot)
Dankenswerterweise hat uns Thomas Knüwer auf das neue Gemeinschaftsblog des ZDF zum Superwahljahr hingewiesen. Doch er kapriziert sich dort – arg einseitig – auf die Anspracheverrenkungen des Eckart Gaddum (“Hallo, liebe Blogger …” – “Hallo, lieber Eckart“), dabei wären in meinen Augen die besinnlichen Sätze seiner Mitblogger dort viel ergiebiger gewesen.
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Reportagen bei unserer Blogschau: Wir stellen sechs Websites vor, auf denen Erlebnisse und Geschichten von vor Ort gebloggt werden.
Was man verspricht, muss man halten: Unserem Kommentator David hatte ich zugesagt, die nächste Folge dieser Reihe einfach mal zum
Thema ‘Reportagen im Netz’ zu stricken. Voilà!
» weiterlesen: Sechsmal um den Blog
Soll man Blödsinn auch noch kommentieren? Das war mein erster Gedanke, als Robert Basic seine Schnapsidee verkündete, sein Blog Basic Thinking zu verkaufen.
Basic denkt (Neezee, CC-Lizenz)
Jetzt tut er’s tatsächlich – und es wird absehbar einer der inhaltsleersten Deals, für die jemals jemand auf Ebay Bieter suchte. Grundsätzlich – und vereinfacht gesagt – gibt es zwei Arten von Blogs: Portale, wie unser ‘Blogwerk’ hier, wo mehrere Autoren gewissermaßen eine Online-Redaktion bilden, unter einem gemeinsamen Dach arbeiten und verschiedene Unterblogs mit Inhalten füllen. Diesen Autoren gehört dieses Gebilde nicht, es gibt einen Besitzer, der natürlich sein Portal durchaus auch verkaufen könnte, ohne dass die Qualität sich dadurch notwendigerweise verändern würde: Die Autoren schreiben einfach weiter, sie verhandeln über ihre Vergütung jetzt mit jemand anderem, was nicht unbedingt schlechter oder ausbeuterisch ausfallen muss. Und ebensowenig muss das Portal durch einen Verkauf schlechter werden, die meisten Leser würden vermutlich noch nicht einmal einen Unterschied merken. Zu den Blogportalen zählen bspw. das
Bildblog oder auch das
Media Coffee Blog …
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Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen.
Hier wäre eine “
fast sehnsüchtige Litanei nach dem Untergang von Holzhausen erklungen“,
beklagt sich unser Leser David. Eine Äußerung, die eine Entgegnung verdient. Ganz ohne jede Polemik, und zum Jahresausklang auch um Versöhnung und Konsens bemüht, aber auch um Deutlichkeit bei der Situationsbeschreibung. Denn die Aussage ist in dieser Form falsch: Niemand würde die Existenz eines starken, robusten Printjournalismus mehr begrüßen als wir. Nur ist die historische Situation leider eine andere.
Als die Graff, die Jörges usw. zu Beginn des Jahres von irgendwelchen “Sielen” über dem höllischen Untergrund einer Blogosphäre daherschwätzten, die man “dichthalten” müsse, um den Tempel des Qualitätsjournalismus vor all dem wimmelnden Unrat und Gewürm zu retten, da zog doch zunächst nur eine Holzhausener Elite über das kleine Digitalien her.
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Egon Erwin Kisch ist die Reporter-Legende schlechthin, lange trug der wichtigste deutsche Journalistenpreis seinen Namen. Er konnte nicht nur schreiben – er konnte auch Geschichten erfinden.

Egon Erwin Kisch und Henri Nannen (Public Domain und Keystone)
Henri Nannen rief den
Egon-Erwin-Kisch-Preis im Jahr 1977 ins Leben, mitten im ‘deutschen Herbst’. Einige Jahre nach Nannens Tod, im Jahr 2005, konnte die deutsche Publizistik dann endlich den Skandal beenden, dass nämlich der wichtigste deutsche Journalistik-Preis von einem allzu sprachversessenen und unverantwortlichen Stern-Verleger auf den Namen eines waschechten Kommunisten und DDR-Apologeten getauft worden war. Der Hofsänger des Neopatriotismus
Matthias Matussek als Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises – das klang für viele Ohren wirklich putzig.
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Warum Blogs faszinierend und absolut lesenswert sind, zeigen wir regelmäßig in unseren kleinen Streifzügen durch die Blogosphäre: Sechs Blogs, die es zu entdecken lohnt.
1. Rainer’sche Post: “
Ich danke herzlich für diese Informationen! Das ist es, was man anderswo lesen möchte, aber nicht zu lesen bekommt, nichtmal ansatzweise” – hmmm, wo sich die Leser derart überschlagen, muss wohl eine Qualitätszeitung einen fundierten Bericht veröffentlicht haben? Nö, es ist nur
die Rainer’sche Post aus Düsseldorf, die mit ihren Artikeln uns immer qualitative Antworten auf jene Frage gibt, weshalb der Old-School-Journalismus gegenüber dem Internet zurückbleibt. Beim Rainer, da leben eben die Texte, bei den anderen dagegen …
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Rau, aber herzlich: Die Leser, einst unbekannte Wesen, kommentieren, mailen, bloggen zurück. Von Journalisten erwarten sie nichts weniger als Antworten.
Als Thomas Knüwer und der
Handelsblatt-Kollege Iwersen sich
auf Indiskretion Ehrensache in die Wolle kriegten, da “freute” sich keinesfalls
die gesamte Blogosphäre, wie es die
Süddeutsche mit etwas Häme vermeldete. Bei diesem verbalen Schlagabtausch zweier Journalisten machten die anwesenden Vertreter der Presse, die dort in den Kommentarspalten scharfen Senf fingerdick auf die Wurst schmierten, erstmals konkrete Erfahrungen mit der geheimnisvollen und sagenumwitterten Dialogstruktur des Netzes. Erfahrungen,
die allen ihren Kollegen demnächst bevorstehen – zumindest dann, wenn sie auch nach der Printkrise noch im Geschäft sein wollen. Denn wer ins Netz gehen will, der muss auch Netzkultur lernen: When in Rome, do as the Romans do …
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