kjarchow

 

Alle 119 Artikel von kjarchow auf netzwertig.com:

Erst die Sprachkritiker, jetzt die Blognörgler

Nur noch Stillstand, Selbstzerfleischung, Langeweile, Werbemüll? Statt jetzt frustriert den Blog-Blues zu schieben lohnt es sich, auf Trüffelsuche durch die Blogosphäre zu ziehen.

Kaum ist beim Bastian Sick und den anderen Sprachnörglern der Glamour verflogen, stürmen die nächsten Misanthropen die Bühne von Blogville. Das, was der Don A. dort schreibt, ist dabei nur ein Beispiel von vielen: In der kleinen Bloggeria Alemania hat die Zeit der Selbstzerfleischung begonnen, der Virus der Sinnfragen grassiert und viele geben sich hemmungslos der Melancholie mit dem Gestus von digital Desillusionierten hin, die stirnlockenwerfend den Zwergwuchs und das viele Mittelmaß beklagen. Allerdings handelt es sich um einen gefühlten Zustand, keinen faktischen. Hier der Jammer in extenso:

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Selbstreferentialität – der dümmste Vorwurf im Web 2.0

Wenn sich Blogger und Journalisten ineinander verbeißen, dann kommt er mit Sicherheit irgendwann: der wechselseitige Vorwurf der ‘Selbstreferentialität’.

Selbstreferentialität
Wir beziehen uns auf uns

Der Schreiber der FAZ mokiert sich dann über ‘den Blogger, der einen anderen Blogger beim Filmen filmt’ – und er vergisst beim Lachen darüber das parallele Phänomen im eigenen Beritt, wo die BILD-Zeitung für den Abdruck von Frank Schirrmachers hessischer FAZ-Wahlhilfe in ihrem Blatt zwei Seiten freiräumt, wo also der eine Journalist dem anderen Journalisten beim Veröffentlichen noch mehr Öffentlichkeit verschafft. Woraufhin die Blogger nach Herzenslust daherpolemisieren und sich wiederum über die Selbstreferentialität des alten Mediensystems lustig machen. Was die getroffenen Journalisten lauthals zetern lässt, weil ihre ‘Selbstreferentialität’ doch angeblich ‘Seriosität’ und ‘öffentliche Verantwortung’ heißt. Manche sagen dazu allerdings auch ‘Kampagne’. Kurzum: Ohne Selbstreferentialität läuft heute nichts mehr – noch nicht einmal auf Journalistenschulen.

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Am Anfang ist nur das Wort …

Das eitrig-düstere Zerrbild netzferner Journalisten und die Sehnsucht nach Kommunikation unter Gleichen.

anjejackert.de

Journalisten kommen mir manchmal vor, als hätten sie alle einen Knick in der Flinte, wenn sie kollektiv auf den Waldrand des Web 2.0 losballern und dabei Nachbars Dackel erlegen. Deshalb zum tausendstenmal, auch wenn ihr’s ewig nicht glauben wollt: Blogger sind (anfangs) nur selten Journalisten, sie wollen (anfangs) mit euren Medien gar nichts zu tun haben, eher im Gegenteil, und sie schreiben (anfangs) aus ganz anderen Motiven. Da ihnen (später) die Unvermeidlichkeit eures mediencircensischen Treibens bewusst wird, lassen sie sich – nolens volens – dann ein Stück weit darauf ein. Beispiel gefällig?

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In zehn einfachen Schritten:
Schreiben wie Franz Josef Wagner

Sie möchten auch einmal ‘Gossen-Goethe‘ heißen dürfen (NDR), zum ‘Sprecher des Kleinbürgertums‘ avancieren (Wikipedia), täglich den ‘schärfsten Zungenkuss der Berliner Zeitungsgegenwart‘ austeilen (Tagesspiegel)?

Nichts einfacher als. Befolgen Sie einfach unsere zehn simplen Regeln.

1. Bleiben Sie vor allem immer charmant, besonders den Damen gegenüber:

Liebe Hillary Clinton, … wer ist schuld, dass Sie aussehen wie eine Schüssel Haferschleim?

2. Greifen Sie zu kühnen Vergleichen, deren bildhafter Nachvollzug auf Ihre Gedankenwelt wie ein ‘Hirndeo‘ wirken wird:

Ihre Ehe mit Bill war wie die gepresste Blume in einem Poesie-Album.

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Sieben Thesen zum Journalismus

Ein Patt bei dieser Diskussion zwischen Bloggern und Journalisten – das war zu erwarten. Dass allerdings nicht einmal über die Ausgangssituation Einigkeit erzielt werden konnte, dass Weghören zur Königsdisziplin wurde, das war weniger zu erwarten. Ein offensichtlich notwendiger Nachtrag zur Mediensituation von Klaus Jarchow.

Sieben Thesen zum Journalismus

Herrgott, sie stehen mitten in einer Medienrevolution – und sie merken es nicht! Die Diskussion zum Journalismus im Web 2.0, veranstaltet vom DJV am Donnerstag, dem 11. Januar, ließ mich einigermaßen ratlos zurück (Aufzeichnung hier). Ratlos deshalb, weil ich mir das Unwissen gewisser Mitglieder der journalistischen Zunft nicht so groß vorgestellt hätte. Vielleicht aber waren es auch nur besonders vorsintflutliche Exemplare, die jetzt den guten, alten Presserat, der schon bei den Holzmedien nicht funktionierte, als Qualitätsinstrument ins Netz transferieren möchten.

Eine Kurzkritik des Abends, bevor es an die Thesen geht: Generell redeten die Blogger links vom Moderator und die Steinzeit-Fraktion rechts vom Moderator aneinander vorbei (erste Ablaufschilderungen gibt es hier und hier und hier). Da hatten wir links Don Alphonso, Thomas Knüwer und Michaela May, die ebenso freundlich wie vergeblich versuchten, den Herren vom Druckgewerbe klar zu machen, dass die fehlende Recherchetiefe und mangelnde Qualität doch in den Printmedien zum Dauerzustand würde, wofür es handfeste ökonomische Gründe gäbe, die auch bei einer immer renditegeileren Verlagsseite zu suchen seien, und dass die Blogs also – im Gegenzug – eher als eine Art qualitatives Korrektiv wirken würden. Blogs seien unter anderem eben auch eine Folge defizitärer Altmedien.

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Helmut Markwort:
Es gibt nichts Gutes, außer Litotes

Fingerfood für Mittelständler: Focus-Chefredakteur Helmut Markwort schreibt ein öffentliches Tagebuch. In seinem aktuellen Kommentar zur Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn spielt er virtuos mit den Fakten.

Helmut Markwort
Focus-Chef Helmut Markwort auf dem Münchner Mediengipfel ’04 (Bild: Keystone)

“Auf jeder Feier begegnest du dem Meier!” – dieser Satz wäre für einen Betroffenen nicht gerade schmeichelhaft. “Keine Feier ohne Meier!” aber, das ist – ganz abgesehen vom werblicheren Schmiss – schon ein anderer Schuh: Aus Meier, dem Unvermeidlichen, wurde Meier, der Unverzichtbare. Verantwortlich dafür ist die ‘Litotes’ oder die ‘doppelte Verneinung’.

Allerdings kann diese Redepirouette auch eine ganze Menge Blödsinn anrichten, weil sie ‘wahre Verhältnisse’ durch ihre logische Kreisbewegung verwirrt, obwohl sie nach den zwei Negationen wieder auf dem gleichen Punkt zu landen scheint.

Hier ein konstruiertes Beispiel aus der spekulativen Geschichtsschreibung: “Ohne den Führer gäbe es keine demokratische Bundesrepublik”.

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Das Ironieverbot

“Du sollst nicht ironisieren!” – sobald es um den ‘uneigentlichen Sprachgebrauch’ geht, sind sich alle Journalisten einig, zusammen mit Wolf Schneider: Die Ironie gehört allenfalls in die Glosse, besser aber in die Gosse.

Obwohl doch der Pöbel dort unten, nach der festen Überzeugung der Pressevertreter, diese Ironie gar nicht goutieren könne. Denn die Ironie sei im Grunde wiederum viel zu chic für Proletenhände. Der Leser merkt’s – bei solchen Vorurteilen über ‘Ironie’ gibt es viel zu hinterfragen.

Zwei Faktoren bestimmen in meinen Augen die journalistische Aversion gegen die Ironie: 1. eine notorische Überheblichkeit dem Publikum gegenüber und 2. eine ebenso große Unkenntnis über Spielformen und Intentionen der Ironie. Konsens herrscht unter Ironieverächtern allenfalls darüber, dass die Ironie ‘das Gegenteil dessen, was jemand meine’ zum Ausdruck bringt.

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Hans-Ulrich Jörges:
Im Zauberreich der Alphajournalisten

Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten.

Jörges Fans, die sich allwöchentlich zu Hunderten, vielleicht sogar Tausenden, vor dem Internet-Portal seines Magazins drängen, müssen dort allerdings eine strenge Inquisition über sich ergehen lassen. Der Verlag will erst einmal Adresse und Bankverbindung wissen, bevor sie zu den Quellen politischer Weisheit vordringen dürfen. Ein Hans-Ulrich Jörges bleibt Paid Content: Ihn gibt’s nur am Stück für einen Euro.

Medienlese bietet seinen Lesern aus Anlass des Weihnachtsfestes Gelegenheit, einmal einen echten “Zwischenruf” auch ohne Obolus kennenzulernen. Wir haben höchstselbst eine Printausgabe des Stern (Nr. 52/2007) am Kiosk erstanden, um unseren Lesern im Detail zu zeigen, wie wahrer Qualitätsjournalismus sich zum wahren Wort verhält.

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Schluss mit der Lektürefolter

Im Online-Journalismus gelten andere Regeln: Leser müssen angefixt und begeistert werden – und das muss nicht der Niedergang des Qualitätsjournalismus sein. Nur müssen Journalisten sich wieder als Autoren begreifen und nicht bloß als Content-Lieferanten. Klaus Jarchow gibt Hilfe zur Schriftstellung.

Das Zeitungsmachen roch früher nach Guttapercha und Fixogum. Überall standen die braunen Flaschen mit dem dicken verklebten Pinsel herum, aus dem Fotosatz trafen die Artikel in meterlanger Spaghettiform ein, die an den Layouttischen zu Spalten zusammengeschnitten und aufgeklebt wurden – und dann kam natürlich in der letzten Minute immer diese dicke Anzeige von Javaanse Jongens herein. Die sollte ausgerechnet auf die Doppelseite, die gerade für Repro und Druck zusammengefriemelt worden war. Schon musste wieder ein Artikel dran glauben: Er wurde erbarmungslos zusammengeschnibbelt. Und wehe, der Schreiber quakte!

In solchen antiken Arbeitszusammenhängen haben viele journalistische Schreibregeln ihren Ursprung, die heute noch gelehrt werden wie die zehn Gebote, obwohl sie Online keinen Sinn mehr machen. “Ein Text muss von hinten her zu kürzen sein“, lautet eine dieser Weisheiten. Deshalb habe sein Inhalt vom Wichtigen zum eher Unwichtigen fortzuschreiten. Ja, wieso und warum denn? Diese Regel bedeutet letztlich doch nur, dass ein Text immer langweiliger wird, je länger der Leser ihn liest.

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Print vs. Online Die Anti-Journalisten

Schon wieder einer, dem ein gnädiger Gott die Stimme gab, zu sagen, wie’s ihm ums Herz ist. FAZ-Autor Jürgen Kaube, Pauschalreisender in Sachen Netzkritik, fordert in der Überschrift seines Artikels das, was er in diesem Fall leider nicht durchhielt: sachlich zu bleiben.

Beim Gebarme über den ‘Verlust der Fairness‘, über die ‘ungewaschene Subjektivität‘ von ‘Anti-Journalisten‘, die sich aufführen, als seien sie ‘am Tresen zu Hause‘, wäre unsereiner doch mal gespannt, zu erfahren, wo, an wem und auch an was er diesen Tatbestand einer unaufhörlichen Schmähkritik konkret verortet, die er wild daherschmähend anderen vorwirft. Ein einziges Zitat nur, mit Link oder Quellennachweis natürlich, das sollte doch einen Qualitätsjournalisten nicht überfordern. Darüber ließe sich anhand des (Kon-)Textes dann auch reden.

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