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	<title>netzwertig.com &#187; Klaus Jarchow</title>
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	<description>Die Ökonomie des Webs</description>
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		<title>Und noch&#8217;n Gedicht: Als Dank an meine Leser</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/05/01/und-nochn-gedicht-als-dank-an-meine-leser/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 11:13:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Mein Getöse
in der medienlese
fanden einige Käse,
manche gar böse,
doch dieses Gewese
war, sehn se,
nur das &#8216;Frühchen&#8217;
einer medialen Genese.
Verstehn se?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Verwandte Artikelmedienlese.com: Eine vorläufige BilanzNach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Getöse<br />
in der medienlese<br />
fanden einige Käse,<br />
manche gar böse,<br />
doch dieses Gewese<br />
war, sehn se,<br />
nur das &#8216;Frühchen&#8217;<br />
einer medialen Genese.</p>
<p>Verstehn se?</p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/30/medienlesecom-eine-vorlaeufige-bilanz/">medienlese.com: Eine vorläufige Bilanz</a></b><br /><font size="2">Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit? </font><font color="#aaa">(30. April 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/04/28/gute-seiten-blog-und-lesezirkel-fuer-magazine/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/04/guteseiten110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/28/gute-seiten-blog-und-lesezirkel-fuer-magazine/">Gute Seiten: Blog und Lesezirkel für Magazine</a></b><br /><font size="2">Sie nennen es Holzmedienclub: Auf "Gute Seiten" dreht sich alles um unabhängige Magazine und ihre Macher, ausgesuchte Hefte werden über eine Zinothek verliehen - und es wird gefeiert. </font><font color="#aaa">(28. April 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/04/27/medienkrise-fuenf-thesen-zum-umbruch/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/04/five110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/27/medienkrise-fuenf-thesen-zum-umbruch/">Medienkrise: Fünf Thesen zum Umbruch</a></b><br /><font size="2">Die angekündigte Schließung von medienlese.com hat eine Vielzahl von Meinungen zur Medienkrise in provoziert, die zum Teil weit auseinanderliegen. Der Versuch einer Einordnung. </font><font color="#aaa">(27. April 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Medienkrise: Der Leser merkt&#8217;s schon nicht</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/04/20/medienkrise-der-leser-merkts-schon-nicht/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/04/20/medienkrise-der-leser-merkts-schon-nicht/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 14:37:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[medienlese.com]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum das Internet nicht allein Schuld an der Krise der Zeitungen ist – und warum die ewigen Stellvertreterkriege dem Journalismus schaden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Warum das Internet nicht allein Schuld an der Krise der Zeitungen ist – und warum die ewigen Stellvertreterkriege dem Journalismus schaden.</h4>
<p>Dass dem Handelsblatt-Boss Bernd Ziesemer <a href="http://www.ruhrbarone.de/handelsblatt-chef-gegen-dummblogger-fur-qualitat/">hier endlich mal die Hutschnur platzte</a>, als er an die Heerscharen ahnungsloser Marketing-Fuzzies in den Verlagshäusern dachte, die mit immer mehr schlappem Allerwelts-Content immer mehr Auflage machen möchten, statt mit immer mehr Aufklärung, das verstehe ich gut. Denn die Quelle allen medialen Elends ist auf den Verlagsetagen zu suchen. Dass der Kaiser dort nackt durch die Gänge läuft, das darf man aber schon nicht mehr sagen. Denn bekanntlich erreichen diese Renditejäger seit Jahren doch nur das blanke Gegenteil: Sie drehen &#8211; unterstützt von todessüchtigen Verlegern &#8211; faktisch an den holzmedialen Schlachtschiffen die Ventile auf. Doch alle Welt aber glaubt mal wieder den Cagliostros &#8230;</p>
<p>Ersatzhandelnd prügelte der Herr Ziesemer dann reflexhaft auf die &#8216;Dumm-Blogger&#8217; ein, die aber faktisch mit dem hausinternen Lemmingzug auf den holzmedialen Verlagsetagen nichts zu tun haben. Hier schafft sich Ziesemers Text einen Popanz:</p>
<p><span id="more-6952"></span><br />
<blockquote>&#8216;Eine „besondere Kategorie von Dummschwätzern“ finde sich unter den Medien-Bloggern, klagte Ziesemer, die versuchten „ein paar lousy Pennys zu verdienen, dabei aber nicht mal auf Hartz-IV-Regelsatz kommen“. Diese würden dennoch den Journalisten täglich empfehlen, ihre Printprodukte einzustampfen und nur noch auf Online zu setzen &#8211; obwohl dort offenbar nicht so viel Geld zu verdienen sei&#8217;.</p></blockquote>
<p>Der sattsam bekannte Schwund bei den Holzmedien wäre &#8211; Ziesemers voriger Einlassung zufolge &#8211; doch eher auf das Wirken der Marketing-Fuzzies und auf die darauffolgende Leserflucht zurückzuführen, nicht aber auf das Handeln einiger ungenannter Online-Schreiber. Es waren keine anonymen Medienblogger, die jene Einheitsredaktion für gleich fünf Wirtschaftstitel in Hamburg geschaffen haben, nach dem Motto: &#8220;Der Leser merkt&#8217;s schon nicht!&#8221; &#8211; sondern Ökonomisten und Verlagsgranden im Hause Gruner &amp; Jahr. Dass daraufhin dem Herrn Ziesemer die Muffe saust, weil sein Verlagshaus ja auch mal auf gewisse Gedanken kommen könnte, das ist mir zwar verständlich, nur sollte er aufhören, den Boten zu hauen. Dazu noch mit perfiden Argumenten.</p>
<p>Denn Bernd Ziesemer macht im obigen Zitat faktisch die Einkommenssituation zum Nachweis für Qualität: Wer mehr verdient, kann auch mehr. Natürlich sprudeln online nicht jene opulenten Einkommen, die fest angestellte Journalisten in der analogen Zeit jahrzehntelang verwöhnten. Es ist auch nicht absehbar, ob sie jemals wieder sprudeln werden. Trotzdem schmilzt auch jene Eisscholle faktisch, auf der ein Herr Ziesemer noch breit und bräsig zu sitzen meint. Das mächtige Holzhausen versinkt im medialen Meer wie einst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vineta">das stolze Vineta</a> &#8211; schon bald dürfen alle Schreiberlinge gemeinsam dann im gleichen Badewasser paddeln, während das Hartz-IV-Niveau ihnen die Lippen netzt. Jedenfalls dann, wenn diese Stellvertreterkriege nicht endlich einmal aufhören! Sich über den eigenen absaufenden Berufsstand lustig zu machen, nur weil die Brücke, auf der man selbst steht, noch aus dem Wasser ragt, das ist nicht sonderlich witzig.</p>
<p>Bernd Ziesemer ist nicht der einzige, der sich über die mediale Situation großmächtige Illusionen macht. Auch <a href="http://netzwertig.com/2007/12/26/joerges-im-zauberreich-der-alphajournalisten/">ein Hans-Ulrich Jörges</a> sorgte auf dem taz-Kongress für Lachstürme, als er davon sprach, dass es &#8216;mehr kritische Öffentlichkeit als je zuvor&#8217; gebe. So, wie die Bankster bisher jede Verantwortung für die Finanzkrise weit von sich weisen, so lassen eben auch die Alphajournalisten und Verleger <a href="http://taz.de/1/leben/medien/artikel/1/joerges-gegen-den-rest-der-welt/">den Gedanken an eine eigene Verantwortung für die fortlaufende Medienkrise nicht an sich heran</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Schimmeck beobachtet eine &#8220;Verhöhnung von Leuten, die anders denken wollen, die Nachfragen stellen.&#8221; Und aus dem Publikum unterstützte ihn Tagesspiegel-Redakteur Harald Schumann: &#8220;Die gesamte Branche hat sich in den Mainstream eingefügt, weil das die schnelle Karriere verheißt.&#8221; &#8230; Um die Binnenpluralität des Podiums machte sich Hans-Ulrich Jörges verdient, der, obwohl mal wieder keiner seine Ansichten teilte, bis zum Schluss darauf beharrte, dass es in Deutschland gut bestellt ist um die kritische Öffentlichkeit&#8221;.</p></blockquote>
<p>Dass es in Deutschland nach allgemeiner Überzeugung eben nicht gut bestellt ist um die kritische Öffentlichkeit, das wiederum wäre dann doch die Schuld jener Medien, die jetzt in die Krise geraten sind. Sie haben jene missratene Öffentlichkeit jahrzehntelang doch ziemlich freihändig gestalten dürfen. Erst in der Folge ihres Wirkens ist diese Öffentlichkeit jetzt so ungestalt geworden, dass den alten Medien das Publikum in Scharen davonrennt. Die Schuldfrage stellt sich daher nicht in Richtung Publikum &#8211; sondern in Richtung Journalismus.</p>
<p>Eine gute Darstellung der stattgehabten Entwicklung gibt es <a href="http://fooldc.wordpress.com/2009/04/19/killer/">im Blog von FoolDC</a>, ein Text, der in seiner Luzidität jede bisherige Darstellung aus dem holzmedialen Raum um Längen schlägt (<a href="http://blogdessennamenmansichnichtmerkenkann.wordpress.com/2009/04/19/content-is-quark/">via</a>):</p>
<blockquote><p>&#8220;Mit Zeitungen und Magazinen konnte man (und kann man heute noch) richtig viel Geld verdienen. Obwohl Zeitungmachen ein teures Geschäft ist: Gut bezahlte Journalisten mit Spesen- und Reisekonten, dazu eine Druckerei, eigene Vertriebsstrukturen. Das kostet. Das Internet dagegen versprach die Maximierung des Profits durch weitgehend entfallende Produktionskosten. Keine Druckmaschinen mehr, keine Papierkosten, kein Vertrieb. Und das Beste: Im Internet produziert sich der Content von alleine. Mit Nix viel Geld verdienen, und dann beim IPO richtig absahnen. Dieser Mindset ist sozusagen die Ursünde. Bis heute hält sich hartnäckig die Vorstellung der billigen Contentmaschine, die maximale Rendite abwirft. Das Rendite-Dogma, das McKinsey-Arschlöcher nunmal mit der Muttermilch aufsaugen, infizierte eine Branche, die vorher auch höhere Ideale hatte&#8221;.</p></blockquote>
<p>Kurzum &#8211; die Krise der Holzmedien ist ganz und gar hausgemacht, nirgends sind böse Aliens gelandet, die ein florierendes und gut geführtes Unternehmen von außen mit ihren Online-Kanonen zerstört hätten. Im Journalismus selbst &#8216;ist der Wurm drin&#8217;. Die Ursünde bestand vor allem darin, das eigene Produkt, den Text und den Gedanken, in beliebig austauschbaren &#8216;Content&#8217; zu verwandeln. So McBlabla-mäßig sieht es in Deutschlands Redaktionen heute auch aus: Schlabberiger Mainstream, eine salzlose Buchstabensuppe, so weit man schaut &#8211; meist noch nicht einmal gut geschrieben &#8230;
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/04/20/plakat-kampagne-zeitunglesen-nur-zu-hause/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/04/doitathome110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/20/plakat-kampagne-zeitunglesen-nur-zu-hause/">Plakat-Kampagne: Zeitunglesen nur zu Hause</a></b><br /><font size="2">Zeitungen sind nicht erwünscht: In Tokio macht eine U-Bahngesellschaft Front gegen Zeitungsleser. Die sollen Rücksicht nehmen - und das Papier gefälligst zu Hause lassen. </font><font color="#aaa">(20. April 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/04/20/rueckblick-die-keystone-bilder-der-woche-6/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/04/bw_110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/20/rueckblick-die-keystone-bilder-der-woche-6/">Rückblick: Die Keystone-Bilder der Woche</a></b><br /><font size="2">Ein Minister auf der Flucht, Braunbär Pedro präsentiert, Rettung für die Kunst und Stromausfall in Millionen-Stadt: Wir zeigen die Bilder der Woche unserer Agentur Keystone. </font><font color="#aaa">(20. April 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/04/18/kottkeorg-jason-kottke-schickt-leser-weg/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/04/kottke110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/18/kottkeorg-jason-kottke-schickt-leser-weg/">kottke.org: Jason schickt die Leser weg</a></b><br /><font size="2">Intelligente Zerstreuung: Seit elf Jahren füllt Jason Kottke sein populäres Weblog, lebt mittlerweile davon. In einem Interview gibt er Einblicke in seine Arbeit. </font><font color="#aaa">(18. April 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Biographien im Web 2.0: Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/04/07/gzd-biographiearbeit-niemand-ist-ein-unbeschriebenes-blatt/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 17:20:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Zeiten des Web 2.0 entkommt man seiner Biographie nicht mehr. Es heißt, wie das im Dorf nun mal so ist, wieder mit der eigenen Vergangenheit zu leben - statt gegen sie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>In Zeiten des Web 2.0 entkommt man seiner Biographie nicht mehr. Es heißt, wie das im Dorf nun mal so ist, wieder mit der eigenen Vergangenheit zu leben &#8211; statt gegen sie. </h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/04/07/gzd-biographiearbeit-niemand-ist-ein-unbeschriebenes-blatt/winnenden_rtl_2/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/04/winnenden_rtl_2.png" width="450"  alt="" /></a></p>
<p>Ein Wechsel der Persönlichkeit, ein Leben als &#8216;Felix Krull&#8217;, als inszenierte Abfolge von Personenpersonen &#8211; das ist nicht länger möglich, weil die Vergangenheit immer schon an der nächsten Abzweigung zur Zukunft steht und dich von dort komplizenhaft angrinst. Zuletzt musste dies jene RTL-Jungreporterin erfahren, die von ihrem Sender in Winnenden ins Feuer geworfen und gewissermaßen &#8216;verheizt&#8217; wurde. Sie zeigte sich dieser Situation nicht gewachsen &#8211; &#8220;<em>Chaos vom Feinsten</em>&#8221; &#8211; und wurde so unfreiwillig zum Symbol des empathiefreien Umgangs privater Medien mit den Quoten-Sensationen des Schreckens.</p>
<p><span id="more-6939"></span>
<p>Als der Rummel um diesen Beitrag begann, nahm RTL zunächst die entsprechende Moderation aus der hauseigenen Datenbank heraus. Kurz darauf schrieben die RTL-Anwälte Youtube an, wo der inkriminierte Beitrag dann auf Grund des Drucks ebenfalls verschwand. Und auch bei Sevenload, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/rtl-laesst-winnenden-video-loeschen/">von wo aus Stefan Niggemeier es in diesem Beitrag einband</a>, fehlt die Sendung mit den vielen Peinlichkeiten inzwischen. Dennoch: Die Dame wird nie wieder eine &#8216;weiße Weste&#8217; erhalten, Google listet sie schon mit knapp 200.000 Einträgen, die meisten sind auf ihren publizistischen Fehlstart in Winnenden bezogen, und viele sind mit ihrem Video untermalt. Ebenso wenig können <a href="http://off-the-record.de/2007/10/30/spiesser-alfons-jung-v-matt-voellig-auf-den-hund-gekommen/">ein paar auf den Hund gekommene Werber</a> aus der Agentur Jung von Matt ihre kreative Unschuld zurückgewinnen, ebenso wenig kann ein bekannter Dübelerfinder seiner Spiegelung <a href="http://www.fischerfratze.de/">in diesem Blog</a> entgehen und, und, und &#8230; alles in allem ist das Internet ein unvergessliches Medium für alle, die sich hineinbegeben.</p>
<p>Unsere Biographien &#8211; ob als Person oder als Unternehmen &#8211; werden also &#8217;sticky&#8217;, man könnte norddeutsch derb auch sagen, dass die guten und vor allem auch die schlechten Episoden an uns kleben werden &#8216;wie Schifferscheiße&#8217;. Deswegen sind auch <a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/">die Bemühungen des Reputation Management</a> so obsolet &#8211; wie andererseits auch die Sonntagsschulmärlein der diversen Karriereberater, die junge Menschen in ihrer Pubertät schon vor studiVZ oder Facebook warnen. Das Web 2.0 kennt keine Radiergummis, heißt es dort dann mit warnend erhobenem Zeigefinder. Also benehmt euch gefälligst so, wie ihr gar nicht seid &#8211; und macht bloß keine Äh-Bäh-Erfahrungen!</p>
<p>Trotzdem &#8211; wie &#8216;glaubhaft&#8217; und &#8216;authentisch&#8217; wären denn solche Google-Biographien, die dem künftigen Chef nicht die geringste Auffälligkeit zeigen, nur die drogenfreie, unermüdlich dienstbare Arbeitsbiene mit Qualifikationen bis hinten gegen? Kein Besäufnis, keine Knutscherei, keine deftige Meinungsäußerung? Glaubt denn wirklich irgendwer, eine Firma mit gesundem Menschenverstand würde mit Vorliebe Langeweiler mit blütenweißer Weste einstellen, Tugendbolzen, die unentwegt die zehn Gebote schwenken, glattgeschleckte Musterbiographien auf zwei Beinen, die angeblich nur an ihren Noten interessiert waren, unbeschriebene Blätter, die so viel Persönlichkeit besitzen wie ein Stück Toilettenseife?</p>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/04/07/gzd-biographiearbeit-niemand-ist-ein-unbeschriebenes-blatt/winnenden_rtl/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/04/winnenden_rtl.png" width="450"  alt="" /></a></p>
<p>Wer sich bspw. die Mühe machen würde, mir googlemäßig hinterherzustiefeln, der wird feststellen, dass ich mal einen leibhaftigen Kampfhund besaß, bis der arme Kerl vor einem Jahr an Prostatakrebs erkrankte, dass ich ferner in grauer Vorzeit für einen Landesverband der Grünen die Pressearbeit machte und dazu als Vorstandssprecher meinen Kreisverband sogar erfolgreich an all den anderen Parteien vorbei geführt habe, er wird auch hören, weshalb ich später aus diesem Verein wieder ausstieg, und er kann erfahren, für welche Zeitungen ich einst schrieb. All das hat meine Kunden nie gestört &#8211; bzw. hätte ich für jene Kunden gar nicht schreiben mögen, die so etwas gestört hätte. Und ich habe auch mit allen offen über solche vergangenen Erfahrungen gesprochen, wenn das Thema darauf kam. Ja, warum denn nicht? Man ist doch auch stolz auf sein bisschen Buntheit &#8230;  </p>
<p>Kurzum: Wir alle werden dank des Web 2.0 wieder lernen müssen, MIT unseren Biographien zu leben statt GEGEN sie. Auch deshalb, weil wir sie ja gar nicht mehr ändern können. Jede Biographie ist dabei notwendigerweise fleckig. Wer das nicht einsieht, der findet seine unliebsamen Geschichten <a href="http://whistler2.blogspot.com/">plötzlich auf der Weihnachtsinsel</a> wieder, wohin bisher der Arm keines deutschen Anwalts reichte. Nachträgliche Korrekturen sind komplett sinnlos: Was jemand getan hat, das hat er getan &#8211; er kann es nur plausibel in seine Vita einbauen. Biographiearbeit ist gefragt &#8211; keine Unterlassungserklärungen auf Druck von Anwälten oder Reputationsagenturen. Denn das Leben ist kein Wunschkonzert, sondern eine Kette von Fakten und Ereignissen. Alles in allem ist das Netz eine schlechte Nachricht für alle Biographie-Scharlatane, die gern anders scheinen möchten, als sie&#8217;s sind.</p>
<p>Wer das Prinzip übrigens verstanden zu haben scheint, das ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Cohn-Bendit">der EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit,</a> der seit langem schon wegen seiner jüdischen Abstammung und seiner Schlagfertigkeit das Hassobjekt aller verbohrt Rechten dieser Welt ist. Dem Cohn-Bendit klebt seit 1975 ein unappetitlicher Kinderladen-Text an den Hacken, wo er im einstigen Sponti-Mief die Möglichkeit von sexuellen Handlungen zwischen Erziehern und Kindern andeutete. Prompt brachte der Libertas-Chef <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Der-Milliardaer-Declan-Ganley-ruestet-sich-fuer-eine-neue-AntiEURunde/story/17181016">Declan Ganley</a> das Thema erneut aufs Tapet, als er mit Cohn-Bendit in Brüssel pro und contra EU diskutierte. &#8220;<a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/schlagabtausch-mit-spassfaktor/">In dieser Zeit wurde eine Menge Mist geschrieben, und einiges davon war von mir</a>&#8220;, antwortete ihm der &#8216;rote Dany&#8217; kurz und knapp. Am Ende der Diskussion verließ der Grüne trotz gewohnter Kindersex-Anwürfe &#8216;als Sieger&#8217; und unter dem Beifall des Publikums das Podium.</p>
<p>So stelle ich mir beispielhaft einen souveränen Umgang mit der eigenen Biographie in Zeiten des Web 2.0 vor: Nichts verleugnen, sondern alles, auch die dunklen Flecken, offen und nachvollziehbar in das Bild einer komplexen, lebenserfahrenen Persönlichkeit integrieren. Als ein Mensch, der nun mal eine &#8216;Geschichte&#8217; hat &#8211; und an manchen Klippen auch mit mehr Glück als Verstand vorbeigesegelt ist. Denn verschweigen lässt sich künftig wohl nur noch wenig. Auch die eingangs erwähnte RTL-Reporterin wäre nach ihrem Fehlstart dann keineswegs schon am Ende ihrer Karriere angelangt. Sie müsste nur das Reißen dieser publizistischen Anfangshürde nachvollziehbar in ihre Biographie integrieren. Vielleicht in Form einer RTL-Kritik &#8230;        </p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2009/04/02/interview-von-der-republica-bloggen-in-afrika/">Interview von der re:publica: Bloggen in Afrika</a></b><br /><font size="2">Einblicke in afrikanische Netzkultur: Geraldine de Bastion über ausgedruckte Blogeinträge, politische Berichterstattung und Internetanschlüsse für 500 Dollar. </font><font color="#aaa">(2. April 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/gun110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/">Reputation Management: Die Weißwäscher kommen</a></b><br /><font size="2">Überwachen, Kontrollieren, Regulieren: Reputation Management verspricht Maßnahmen gegen unliebsame Inhalte im Web 2.0 – wenn das nur so einfach wäre. </font><font color="#aaa">(2. März 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/02/25/wie-man-social-networks-fuer-recherchen-nutzt/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/02/social110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/25/wie-man-social-networks-fuer-recherchen-nutzt/">Wie man Social Networks für Recherchen nutzt</a></b><br /><font size="2">Communities wie Facebook oder Xing sind Fundgruben für Journalisten. Wir zeigen, wie man Social Networks effektiv für die Recherche nutzen kann und was man dabei beachten muss. </font><font color="#aaa">(25. Februar 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bankster und Spießgesellen: Wer ist hier denn unpolitisch?</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 16:25:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[medienlese.com]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>

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		<description><![CDATA[Allmählich gehen den Printjournalisten noch die letzten verbliebenen Maßstäbe verloren. Eine "Graswurzelverwilderung" wirft der Kollege Gregor Dotzauer im 'Tagesspiegel' anlässlich der re:publica der Online-Gemeinde vor.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Allmählich gehen den Printjournalisten noch die letzten verbliebenen Maßstäbe verloren. Eine &#8220;Graswurzelverwilderung&#8221; wirft der Kollege Gregor Dotzauer im &#8216;Tagesspiegel&#8217; anlässlich der re:publica der Online-Gemeinde vor.</h4>
<blockquote>
<p>&#8220;Es geht um den Aufstand eines um Hipness bemühten Lebensstils von <em>digital natives</em> gegen ein System, das selbst in seinen namhaftesten Qualitätsprodukten manchmal nicht mehr vermitteln kann, wo die intellektuelle Latte liegt und der Unterschied zwischen einer professionellen und einer amateurhaften Äußerung. Die im Namen radikaler Demokratie gegen die Autorität der Institutionen aufbegehrende Blogosphäre mit ihren in der Masse entpolitisierten, zumeist pseudonymen Existenzen hat da leichtes Spiel&#8221;. (<a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/Blogger-Journalisten-Republica;art772,2763144">Quelle</a>)</p>
</blockquote>
<p>Halten wir fest &#8211; selbst der professionelle Kollege Dotzauer kann nicht umhin, ein systemisches Totalversagen der Presse festzustellen (&#8216;kann nicht mehr vermitteln&#8217;). Er nimmt sich aber daraufhin nicht die schreibende Zunft oder die werte Verlegerschaft zur Brust, er prügelt lieber auf den Boten aus der Blogosphäre ein, den er &#8216;unpolitisch&#8217; und &#8216;pseudonym&#8217; nennt. Dieser depperte Vorwurf der &#8216;Anonymität&#8217; aus einer selbst zumeist namenlosen Journalistenschar heraus ist hier schon oft genug glossiert worden. In diesem Fall mag daher der Hinweis <a href="http://abcypsilon777.blog.de/2009/03/31/traenenblinde-printjournalisten-retten-5864652/">auf die Kritik von Jules van der Ley</a> an diesem journalistischen Dauerlutscher genügen. Bleibt die Frage: Wer ist denn hier apolitisch? </p>
<p><span id="more-6930"></span>
<p>Der Print hätte ja durchaus Chancen, wäre er noch meinungsfroh und ideologisch wie einst im Mai. Das zeigte uns justamäng <a href="http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=2087">Thomas Knüwer am Beispiel des britischen Observer</a>: Eine dicke Zeitung voller Anzeigen und Kommentare, ein wahrer Verlegertraum, stets auf der Seite ihrer Leser zu finden, eine Mixtur, die hierzulande kein Herausgeber wagen würde, auf den Markt zu bringen, aus Angst vor den indigniert hochgezogenen Augenbrauen seiner Anzeigenkunden.</p>
<p>Daher leben wir auch nicht in Großbritannien, sondern im Land des niedergehenden Kuscheljournalismus: Hierzulande dürfte ein Journalist noch nicht einmal einen Investmentbanker einen &#8216;Bankster&#8217; nennen, obwohl doch seine Leserschaft den Sachverhalt in ihrer überwiegenden Mehrheit längst exakt so sieht. Wir haben es mit einer ebenso apolitischen wie kastrierten Herde schreibender Wallache zu tun, die allenfalls noch einem Beck, einem Bohlen oder einer Ypsilanti gegenüber mal auskeilen darf &#8211; und ansonsten so kreuzbrav ist wie eine Tanzmaus in ihrem Laufrad.</p>
<p>Nehmen wir zur Illustration einfach mal das genannte Beispiel &#8211; &#8216;den Bankster&#8217;: Das Maximum an Vorwurf, das sich ein deutscher Journalist gegenüber unserer geldgewährenden Zunft trotz galoppierender Finanzkrise derzeit erlaubt, lautet: Die Banker dort in ihren Mammonstempeln hätten die eigenen Produkte selbst nicht mehr verstanden &#8211; womit die Schreiber dann ganz auf jener Linie wären, die uns unsere oberste Sinngebungsinstanz, der Horst Köhler, vorgegeben hat: Zwar sei der Finanzmarkt in die Hände überbezahlter und inkompetenter Trottel gefallen, das sagte &#8211; von mir hier nur höchst sinngemäß persifliert &#8211; unser Bundespräsident: &#8220;<a href="http://www.welt.de/politik/article3433928/Horst-Koehlers-Berliner-Rede-im-Wortlaut.html">Die Banken kauften und verkauften immer mehr Papiere, deren Wirkung sie selbst nicht mehr verstanden</a>&#8220;. Das seien also Menschen gewesen, die in ihrer Hybris sich selbst als Finanzgötter sahen, aber ihre eigenen Waren gar nicht mehr begreifen konnten, was aber deswegen auch so bleiben müsse, weshalb jetzt alles darauf ankäme, ihnen zu verzeihen, kollektiv und brav steuerzahlend in die Hände zu spucken und unentwegt nach vorn zu schauen, wo ganz sicher doch vielleicht irgendwann eine rosige Zukunft auf den unveränderten Fundamenten der sozialen Marktwirtschaft erblühen müsse. Im übrigen: Woher sollten wir auch neue inkompetente Trottel nehmen, wenn wir die alten jetzt alle rausschmeißen?</p>
<p>Wem der präsidiale Vorwurf der &#8216;Trotteligkeit&#8217; in Richtung Geldwirtschaft zu hart erscheint, dem bliebe streng denklogisch nur eine einzige Alternative: Die Banker hätten dann nämlich ihre Produkte sehr wohl verstanden &#8211; sie aber trotzdem auf den Markt gebracht. Sie wären dann zu &#8216;Bankstern&#8217; im Wortsinn geworden, die andere bewusst mit Schrott leimen wollten. So etwas aber würde wohl ein Deutscher angesichts eines wandelnden Armani-Anzuges in Ewigkeit nie vermuten. In Großbritannien, wo die Leute mit der Dummheit anderer weniger rechnen als wir, zählt dagegen der Ausdruck &#8216;Bankster&#8217; längst zum Straßenjargon &#8211; ja, er kursiert sogar schon in der Presse und in den Sendemedien. Nur der deutsche Journalist betet weiter an und schweigt &#8230;</p>
<p>Das zweite Argument aller Ursachenforscher in dieser Finanzkrise ist keines der Inkompetenz, sondern moralischer Natur: Wenn es einer Bank schlecht ginge, wenn die in Milliardenhöhe unser Steuergeld schlucke, so wie der Walfisch das Plankton, dann dürften sich diese moralisch leicht schmuddeligen Banker nicht auch noch Jahresboni in Millionenhöhe gönnen. So kläfft es uns aus der Journalistenschar quer durch alle Bekenntnisse entgegen. Was wiederum im logischen Umkehrschluss hieße, dass diese Banker dann wiederum, wenn die Bank irgendwann mal wieder Gewinne macht, sich sehr wohl die Taschen erneut füllen dürften. Selbst dann, wenn diese Gewinne, so wie in den vergangenen Jahren, aus wiederum schöngerechneten &#8216;Wertpapieren&#8217; und Derivaten resultierten, die von Geburt an nichts anderes waren als jene &#8216;junk bonds&#8217;, &#8216;Schrottpapiere&#8217; und &#8216;toxic assets&#8217;, als die sie zu recht heute verteufelt werden. </p>
<p>Mit anderen Worten lautet das Argument: Solange die große &#8216;Rosstäuscherei&#8217; klappt, solange dürfen Banker auch Gratifikationen in Millionenhöhe einstreichen, nur sollten vielleicht die &#8216;Laufzeiten&#8217; des Erfolgsmaßstabs zukünftig etwas prolongiert werden. Wenn&#8217;s aber anfängt schief zu gehen, dann muss man betreten gucken, zerknirscht daherreden und seinen Bonus öffentlichkeitswirksam spenden. Das in etwa illustriert die &#8216;moral world&#8217; des durchschnittlichen Wirtschaftsjournalisten von heute: <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/We%27re_Only_in_It_for_the_Money">We&#8217;re only in it for the money</a></em> &#8230;   </p>
<p>Nur das diffamierende Wort &#8216;Bankster&#8217; für diese Mentalität unserer Banker zu verwenden, das würde wirklich zu weit führen, das dürften wir alle angesichts der Sachlage &#8211; die doch so schon schlimm genug sei &#8211; doch niemals schreiben, um eine arglose Öffentlichkeit nicht noch weiter aufzuhetzen, wo die doch schon alles mit ihrem Geld ausbaden muss. Und deswegen liest man das Wort auch nur in diesen respektlosen Blogs, wo die Ehrfurcht vor italienischen Maßanzügen, Palisandermöbeln, Öchsperten und ökonomistischem Blubbersprech nicht so weit gediehen ist wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gartenlaube">in den Gartenlauben</a> des deutschen Journalismus.</p>
<p>Bitte schön, wer ist hier denn apolitisch?</p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/31/republica-09-dabei-zwischen-scheune-und-palast/">re:publica '09: Dabei zwischen Scheune und Palast</a></b><br /><font size="2">medienlese.com berichtet vom 1. bis zum 3. April live von der Konferenz "Shift happens", der re:publica'09 aus Berlin. </font><font color="#aaa">(31. März 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/03/31/schweizer-tages-anzeiger-strehle-und-eisenhut/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/03/tagichefs_neu.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/31/schweizer-tages-anzeiger-strehle-und-eisenhut/">Schweizer Tages-Anzeiger: Strehle und Eisenhut</a></b><br /><font size="2">Res Strehle und Markus Eisenhut teilen sich die Chefredaktion des Tages-Anzeigers. </font><font color="#aaa">(31. März 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/03/27/wieder-zeitungs-faelschung-g20-gegner-kopieren-financial-times/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/03/financialtimes_110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/27/wieder-zeitungs-faelschung-g20-gegner-kopieren-financial-times/">Wieder Zeitungs-Fälschung: G20-Gegner kopieren Financial Times</a></b><br /><font size="2">Keine Zeitung ist mehr sicher: Pünktlich zum G20-Gipfel brachten heute in London Aktivisten Tausende Fälschungen der Financial Times unter die Leute. </font><font color="#aaa">(27. März 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sechsmal um den Blog: Neues vom Kinderspielplatz</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 12:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Don Alphonso]]></category>
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		<category><![CDATA[Sechsmal um den Blog]]></category>

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		<description><![CDATA[Unbekannter Alltag, literarisch aufpoliert: In unserer regelmäßigen Blogschau auf medienlese.com stellen wir sechs Blogs vor, auf denen es einfach gute Geschichten gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Unbekannter Alltag, literarisch aufpoliert: In unserer regelmäßigen Blogschau auf medienlese.com stellen wir sechs Blogs vor, auf denen es einfach gute Geschichten gibt.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/03/27/gzd-sechsmal-um-den-blog/fox450/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/03/fox450.jpg" width="450" height="200"  alt="Blogschau: Wie issses denn nur mööchlich! (Keystone)" /></a><br />
Was soll das sein &#8211; Relevanz? Da schreiben sich die Autoren der meisten <em>FAZ</em>-Blogs einen Wolf über weltbewegende Fragen, über Finanzkrise und Nahost-Missionen &#8211; aber den Vogel beim Interesse und bei den Verlinkungen schießt <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/03/20/klassengesellschaft-fuer-die-kleinen.aspx">diese kleine Geschichte über einen Kinderspielplatz am Tegernsee ab</a>. Prompt schließt sich eine erbitterte Debatte über &#8211; tätä! &#8211; Kinderpädagogik und Klassenkampf an. Nicht zum ersten Mal erweisen sich hier eher kleine, randständige Geschichten als die erfolgreicheren.</p>
<p><span id="more-6926"></span>Es triumphiert beim Interesse jene lilliputhafte Welt, die abseits der staatsmännischen Trampelpfade liegt. Wo der etablierte Journalismus sich seine &#8216;großen Stories&#8217; mangels Publikum in die Haare schmieren darf, weil ein Thema beim zweiten Lesen ja schon nicht mehr &#8216;neu&#8217; ist, da gewinnt der unbekannte Alltag, sofern er nur richtig aufpoliert wird. Was uns zugleich zeigt, &#8216;what blogging is all about&#8217;: Ein guter Blogger muss ein x-beliebiges Thema so betrachten können, dass es auf neue Art interessant erscheint &#8211; und er muss zweitens &#8216;erzählen&#8217; können, er muss also das &#8216;Narrative&#8217; und Literarische beherrschen. Um einige &#8216;Blogs der kleinen Geschichten&#8217; soll es in der heutigen Folge gehen.</p>
<p><strong>Zynaesthesie</strong>: Bekanntlich ist ereignet sich die altbekannte &#8216;Synästhesie&#8217; in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syn%C3%A4sthesie">jener sinnverwirrenden Welt</a>, wo man Farben riechen kann oder Töne fühlen, so zum Exempel samstags den großen Wumm beim Disco-Bass. Das &#8217;syn&#8217; steht dabei fürs &#8216;mit&#8217;, alles ist durch diese zweite Wahrnehmungsebene gewissermaßen &#8216;mit&#8217; kontaminiert. Das &#8216;Zyn&#8217; im hier genannten Blog steht natürlich für den &#8216;Zynismus&#8217;, der jeden der Beiträge aus der Welt von TV, Show und schrägem Alltag &#8216;mit&#8217; einfärbt, manchmal mehr, manchmal minder gelungen. <a href="http://zynaesthesie.wordpress.com/2009/03/23/fragwurdig/">Zum Beispiel hier, wo&#8217;s schlicht um Brötchen geht</a> &#8230; </p>
<p><strong>Die Vorspeisenplatte</strong> muss uns natürlich von einer Kaltmamsell serviert werden, die als bloggendes Urgestein ungewohnte Perspektiven zu ihrem Sujet gemacht hat. Immer ist sie ihrem Thema gegenüber mehr Kellner als Gast &#8211; mit anderen Worten: Wir dürfen den ganzen Salat dann aufessen. Kurzer Rede langer Sinn &#8211; <a href="http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2009/03/amazonengefuhle.htm">auf eine solch amputatorische Art</a> bspw. habe ich über die weibliche Brust noch nie nachgedacht &#8230;</p>
<p><strong>Schwemmland</strong> heißt <a href="http://marana6.blog.de/">diese virtuelle Wundertüte</a> &#8211; und viele haben es sicherlich auf Anhieb erraten, es kann bei einem solch schlickhaften Wort nur um meine alte Heimat Bremerhaven gehen. Eigentlich zieht an uns nur der Alltag einer erfahrenen Frau vorbei, es ereignet sich wenig bis nichts, Ausflüge nach Cuxhaven sind Gipfel der Rasanz, aber ihre Bilder sind bemerkenswert, diese stilvolle Perspektive fern aller Knipserei &#8211; und wir spüren, dass diese Frau &#8216;ihre Heimat liebt&#8217; &#8211; was jetzt ganz ohne Kitschverdacht bewusst so formuliert ist. Ein schönes Beispiel für ein gelungenes  Regionalblog &#8230; vielleicht aber sage ich das als geborener Fischkopp auch nur aus blanker Empathie heraus.</p>
<p><div class="box boxright" style="width: 33%">In unserer Reihe <strong>Sechsmal um den Blog</strong> stellen wir regelmäßig sechs lesenswerte Sites vor. Alle bisher erschienen Ausgaben gibt&#8217;s in unserem <a href="http://netzwertig.com/tag/sechsmal-um-den-blog/">&raquo; Archiv</a></div><strong>Querschuss</strong> &#8211; <a href="http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/">das Blog für den ambitionierten ökonomischen Katastrophismus</a> wird von Stephen Bogs erstellt. Wem der tägliche Grusel bei Weissgarnix noch nicht weit genug geht, der sollte sich hier mal einlesen: Gründe genug, weshalb das ganze derzeitige kapitalistische Schaulaufen uns ein wenig &#8216;gothic&#8217; erscheinen darf, scharrt unser Stagflationist nahezu täglich im Übermaß zusammen. Allein wegen der Links &#8211; auch zu entlegeneren Info-Quellen &#8211; und wegen der konsequenten Armageddon-Perspektive ist dies Blog für ökonomisch Interessierte immer einen Besuch wert, auch dann, wenn sie anderer Ansicht als der Besitzer dieser Geisterbahn sind.</p>
<p><strong>Der Rationalstürmer</strong> gibt allen, die ihm in die Quere kommen, ordentlich was auf die Glocke. In der Kategorie &#8216;Motzblogger&#8217; ist der Don Alphonso gegen ihn ein verschüchtertes Mauerblümchen. <a href="http://rationalstuermer.twoday.net/">Wer also einer derben Pöbelei gelegentlich nicht abgeneigt ist</a>, wer es goutiert, wenn die hochverehrte Frau Merkel als &#8220;erbärmlichste Kanzlerdarstellerin aller Zeiten&#8221; verunglimpft wird (wozu statistisch betrachtet ja gar nicht viel gehört), dem sei dieses wahrhaft degoutante Blog empfohlen. Abschließend noch ein Tipp für die geneigte Journalistenschar: Alle Vorurteile über Blogger werden Ihnen hier prompt bestätigt. Wenn Sie also mal wieder übers &#8216;böse Internet&#8217; schreiben sollen, so dass alle alten Tanten im Publikum empört-verzückt aufseufzen: &#8216;Wie issses denn nur mööchlich&#8217; &#8230; da werden Sie hier trefflich mit unflätigen Zitaten bedient.</p>
<p><strong>Das Fahrtenbuch</strong> ist vor allem ein Blog mit beeindruckenden Bildern &#8211; <a href="http://periplus.blogger.de/">zur Zeit vor allem solchen aus Island</a>. Aber es lohnt sich auch, zurückzublättern. Ein echtes Schau- und Staun-Blog, hervorragend geeignet als Abschluss meiner diesmaligen Reihe fernab vom Mainstream &#8230;
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/blogs110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/">Sechsmal um den Blog: Sechs zum Klicken</a></b><br /><font size="2">Die regelmäßige Blogschau auf medienlese.com – diesmal mit Zettelkästen, Wort-Schnitzeln, einer Gesprächszentrale und schwarzweißer Untergangssucht. </font><font color="#aaa">(16. Februar 2009)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/28/neuzugang-noch-ein-blog-fuer-faznet/">Neuzugang: Noch ein Blog für FAZ.net</a></b><br /><font size="2">Schon wieder macht einer rüber: Ab Montag wird auch "Weissgarnix"-Blogger Thomas Strobl für die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> bloggen </font><font color="#aaa">(28. Februar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/pfand110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/">Sechsmal um den Blog: Reporter vor Ort</a></b><br /><font size="2">Reportagen bei unserer Blogschau: Wir stellen sechs Websites vor, auf denen Erlebnisse und Geschichten von vor Ort gebloggt werden. </font><font color="#aaa">(13. Januar 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>The New Basics: Grundsätzliches über die Medien</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/03/24/the-new-basics-grundsaetzliches-ueber-die-medien/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 11:40:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/03/24/the-new-basics-grundsaetzliches-ueber-die-medien/deu-computer-fernsehen-interneht-kinder-studie/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/03/internetkids450.jpg" width="450" height="200"  alt="Ein grundlegender Medienwandel findet statt - und wird vielfach ignoriert (Keystone)" /></a><br />
Zwei grundlegende Texte gibt es in Deutschland, die jeder kennen und zur Hand haben sollte, der sich ernsthaft mit Medienfragen beschäftigt. Beide sind auch als kostenlose pdf-Dateien im Internet verfügbar. Zunächst einmal ist dort <a href="http://www.hans-bredow-institut.de/en/forschung/kommunikations-medienbericht-bundesregierung">der zweiteilige Medienbericht der Bundesregierung</a>, erstellt vom Hans-Bredow-Institut. In ihm finden sich alle relevanten Daten und Fakten zur Medienlandschaft, auf der statistischen Basis des Jahres 2008. Insbesondere der zweite Teil, das Gutachten, trägt auf knapp 400 Seiten alles zusammen, was heutzutage für die Zahlengarnitur eines fundierten Artikels zur Lage der Medien erforderlich ist &#8211; von der Marktentwicklung über die Studierendenzahlen bis hin zum grassierenden Titelschwund gerade auch in der Fläche.</p>
<p><span id="more-6920"></span>Dann aber ist da zweitens noch das Friedrich-Ebert-Institut: Obwohl es sich hierbei um eine parteinahe Stiftung der SPD handelt, hat das Institut in Medienfragen sich längst einen überaus guten und parteifernen Ruf erworben. Auf wissenschaftlichem Grund, fern von Verlegerinteressen und Gewerkschaftspositionen, veröffenlichte es zuletzt wieder einen 120-seitigen Bericht über <a href="http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/06156.pdf">&#8216;internationale Trends und medienpolitische Problemfelder</a>&#8216;. Titel: &#8220;Das Verschwinden der Zeitung?&#8221; &#8230;</p>
<p>Uns erwarten dort nicht die üblichen Narhalla-Märsche und Durchhalteparolen der werten printgestützten Verlegerschaft, sondern faktisch und sachlich unterfütterte Befunde, die weitgehend &#8216;aus der Netzsicht&#8217; heraus die These vom Untergang Holzhausens untermauern &#8211; und stellenweise ein wenig relativieren. Für beide Texte ergeht somit an alle einschlägig Interessierten ein &#8216;Lesebefehl&#8217; &#8211; auch deshalb, weil beide Texte in ganz gewöhnlichen Worten ungewöhnliche Dinge sagen, so wie ein stilistisch gelungener Text dies tun soll.</p>
<p>Als Appetitanreger hier einige der Kernthesen aus der FES-Studie, so wie ich sie verstanden habe. Hinter sie kann in Zukunft keine Diskussion mehr zurückführen (S.4 ff.):</p>
<ul>
<li><strong>Auf dem Holzweg</strong>: Das Internet wird die Zeitung auf Papier verdrängen.</li>
<li><strong>Mehr Demokratie wagen</strong>: Blogs und Social Communities stehen in einem notwendigen &#8220;Ergänzungsverhältnis&#8221; zum klassischen Journalismus, der zukünftig auf sehr viel mehr Plattformen tanzen muss.</li>
<li><strong>Zeitungen sind Umweltferkel</strong>: Die klassische Zeitung in ihrer druck- und papiergestützten Vertriebsformen ist unökologisch, ineffizient und auch lesetechnisch die ergonomisch unsinnigere Lösung.</li>
<li><strong>Das schmerzt</strong>: Einsparungen im journalistischen Bereich werden sich flächendeckend und dauerhaft fortsetzen.</li>
<li><strong>Think crossmedial</strong>: Der Ausbildungsstand der meisten Journalisten hinkt der technischen Entwicklung meilenweit hinterher. Weiterbildung ist längst überfällig, wird aber aus Kostengründen von den Verlegern versäumt.</li>
<li><strong>Information ist keine Ware</strong>: Information wird zunehmend zu einem Gratis-Angebot werden, das dem Menschen kostenlos zufließt. Verkäuflich wird das, was über den reinen Informationscharakter hinausgeht: Autoren, Erzählweisen etc.</li>
<li><strong>Sugar Daddies gesucht</strong>: Journalistische Angebote müssen sich Sponsoren und Förderer suchen. Werbung und Verkauf leisten keinen zureichenden Beitrag zum Überleben der schreibenden Zunft mehr. </li>
</ul>
<p>Links:
<ul>
<li><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/en/forschung/kommunikations-medienbericht-bundesregierung">Medienbericht der Bundesregierung</a></li>
<li><a href="http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/06156.pdf">FES-Studie</a></li>
</ul>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/03/11/media-coffee-blog-zum-abschied-leise-servus/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/03/coffee110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/11/media-coffee-blog-zum-abschied-leise-servus/">Media Coffee Blog: Zum Abschied leise Servus</a></b><br /><font size="2">Die geballte Dialog-Power von rund 40 Autoren verstummt: Das Media Coffee Blog der dpa-Tochter news aktuell wird eingestellt. Haben sich Public Relations und Dialog nicht verstanden? </font><font color="#aaa">(11. März 2009)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/05/08/wie-interaktiv-sind-schweizer-medien/">Wie interaktiv sind Schweizer Medien?</a></b><br /><font size="2">Welche Möglichkeiten die Webseiten europäischer Medien im Internet nutzen untersucht ein Team rund um das britische Online Jornalism Blog. Aufgelistet werden interaktive Funktionen und moderne Webtechnologien. </font><font color="#aaa">(8. Mai 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/23/nature-studie-wissenschaftsjournalismus-verlagert-sich-in-blogs/">Nature-Studie: Wissenschaftsjournalismus verlagert sich in Blogs</a></b><br /><font size="2">Eine Studie des Magazins <em>Nature</em> zum Wissenschaftsjournalismus zeigt: Ressorts werden geschlossen, Stellen gestrichen. Dafür werden Blogs immer wichtiger - und was ist mit der Qualität? </font><font color="#aaa">(23. März 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Media Coffee Blog: Zum Abschied leise Servus</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/03/11/media-coffee-blog-zum-abschied-leise-servus/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/03/11/media-coffee-blog-zum-abschied-leise-servus/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 10:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
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		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Die geballte Dialog-Power von rund 40 Autoren verstummt: Das Media Coffee Blog der dpa-Tochter news aktuell wird eingestellt. Haben sich Public Relations und Dialog nicht verstanden?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Die geballte Dialog-Power von rund 40 Autoren verstummt: Das Media Coffee Blog der dpa-Tochter news aktuell wird eingestellt. Haben sich Public Relations und Dialog nicht verstanden?</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/03/11/media-coffee-blog-zum-abschied-leise-servus/coffee/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/03/coffee450.jpg" width="450" height="200"  alt="Media Coffee: Nur noch kalter Kaffee? (Screenshot)" /></a> </p>
<p>Mit zuletzt drei Postings im Monat bei knapp 40 Autoren war <a href="http://www.mediacoffee.de/">das <em>media coffee blog</em></a> sicherlich kein Durchlauferhitzer unserer Informationsgesellschaft. Trotzdem ist es schade, dass dieses Projekt der <a href="http://www.newsaktuell.de/">news aktuell/dpa-Gruppe</a> eingestellt wird. Zukünftig wird das Blog nur noch &#8220;<em>eine Begleitseite für die Offline-Veranstaltungsreihe gleichen Namens sein</em>&#8220;.</p>
<p><span id="more-6900"></span>
<p>Im <em>media coffee blog</em> schrieben immerhin Professoren für Kommunikationsmanagement wie <a href="http://www.cmgt.uni-leipzig.de/index.php?id=1223">Ansgar Zerfass</a> (oder aber auch nicht), der Geschäftsführer von Publicis <a href="http://www.competence-site.de/__C1256A8D002A22DD.nsf/0/E2D9E28C56FAE441C12574610063873A?Open">Axel Wallrabenstein</a> (oder auch nicht), der Chefredakteur des PR-Report <a href="http://www.prreport.de/">Sebastian Vesper</a> (oder auch nicht), der Präsident der GPRA <a href="http://www.mediacoffee.de/schulzevanloon/member/7">Dietrich Schulze van Loon</a> (oder auch nicht), der Präsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) <a href="http://pressetext.de/news/050627031/ulrich-nies-neuer-praesident-der-dprg/">Ulrich Nies</a> (oder auch nicht), der Direktor der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Microsoft Deutschland <a href="http://www.media-tor.info/index.php?id=59&amp;tx_ttnews[pointer]=10&amp;tx_ttnews[tt_news]=170&amp;tx_ttnews[backPid]=53&amp;cHash=1600f7637b">Thomas Mickeleit</a> (oder auch nicht), oder aber die CEO von Edelman Deutschland, <a href="http://www.fuellhaas.com/2008/10/20/nachgefragt-cornelia-kunze-zum-thema-reputation/">Cornelia Kunze</a> (oder auch nicht).</p>
<p>Trotz dieser geballten &#8216;Dialog-Power&#8217; und bei all der versammelten Expertenmacht aus Deutschlands Kommunikationswirtschaft kam das Blog nie recht ins Laufen, obwohl allen Beteiligten die Bedeutung des Web 2.0 laut Selbstbekundung einsichtig gewesen sein soll. Weshalb aber ist das so? Meine These: Public Relations und Dialog stehen nach wie vor im Widerspruch, insofern wissen PR-Berater mit der Blogform beim Texten noch nichts Rechtes anzufangen.</p>
<p>Diese Aussage reibt sich natürlich mit der Selbstauskunft von immerhin zwei Autoren (und einem Leser), die auf <a href="http://www.mediacoffee.de/jenspetersen/item/571#c">das Abschiedsposting von Jens Petersen</a> überhaupt reagiert haben (Stand 10. März): Zu wenig Zeit zum Schreiben hätte er gehabt, sagt <a href="http://www.mediacoffee.de/alexandergerber/">Alexander Gerber</a> (Fraunhofer-Verbund); für ihn sei das Blog eine tolle kommunikative Fahrschule fürs Web 2.0 gewesen, sagt <a href="http://www.mediacoffee.de/stephanfink/">Stephan Fink</a> (Fink und Fuchs Public Relations AG).</p>
<p>Abgesehen von wirtschaftlichen Gründen, die im Mutterkonzern <em>dpa</em> nach dem Ausstieg der WAZ-Gruppe zu Einschränkungen des publizistischen Engagements geführt haben mögen, sind sicherlich auch andere Gründe für den Rückzug maßgebend: Denn die PR-Szene zeigte sich in diesem Blog nicht von ihrer Schokoladenseite, sie bekundete gewissermaßen öffentlich, dass sie es nicht kann. In jenen wenigen Fällen, wo es überhaupt zu längeren Diskussionen kam, wurde vor allem gegeneinander gestichelt und wechselseitig auf die Flecken auf der Weste des anderen verwiesen.</p>
<p>So schrieb zuletzt Frank Roselieb vom <a href="http://www.krisennavigator.de/">Institut für Krisenforschung</a> einen Beitrag über <a href="http://www.mediacoffee.de/frankroselieb/item/567">&#8216;rüde Sitten beim Pressesprecherverband (BDP)</a>&#8216; &#8211; ein Artikel, der das letzte nennenswerte Echo auslöste, das in der Thread-Leiste des <em>media coffee blogs</em> Widerhall erfuhr.</p>
<p>Roselieb glossiert in seinem Beitrag das Verhalten eines PR-Verbandes, der zahlungsunwillige Mitglieder der eigenen Organisation im Verbandsorgan öffentlich an den Pranger stellt, ein im Grunde mittelalterliches Verfahren, das durchaus Kritik verdient hat. Zumindest aber ist es ein PR-Thema von einiger Blogrelevanz, bedenkt man die beteiligte Berufsgruppe, die doch wegen einiger ausstehender Mitgliedsgroschen sicherlich nicht gleich mit bluttem Mors auf den Jahrmarkt der Öffentlichkeit geschickt werden will.</p>
<p>Statt aber jetzt die Schachtel mit den Invektiven und Sarkasmen hervorzukramen, um diesem abwegigen Verband eine gesalzene Antwort zu stricken, empfiehlt gleich der erste Beitrag das Einschalten eines Rechtsanwalts &#8211; die juristische Fremdhilfe also statt der kommunikativen Selbsthilfe. Der zweite Beitrag von <a href="https://www.xing.com/profile/GerhardA_Pfeffer2">Gerhard A. Pfeffer</a> (Chefredakteur PR-Journal) attackiert derweil auf einem Nebenkriegsschauplatz, dort, wo sich dessen Steckenpferde tummeln, wo es also um die umstrittenen Pfründen in der PR-Ausbildung geht. Vier Zentimeter darunter taucht dann wie Kai aus der Kiste schon der Justitiar des BdP auf, der in arroganter Manier und in schönster Rechtfertigungspose mit &#8216;Satzungswidrigkeiten&#8217; und anderem Gedöns wie Kamelle um sich schmeißt. Diskussionen unter ausgebildeten Kommunikationsprofis, die sehen realiter so aus, denkt sich da der Leser &#8211; sie finden aber oft auch gar nicht statt: dann dröhnt das Schweigen des betroffenen Lämmchens in den kahlen Wänden seines Kommentarthreads &#8230;</p>
<p>Das führt mich zurück zu meiner These &#8211; denn mir fiel in den zwei Jahren des <em>media coffee blogs</em> oft auf, wie sehr doch die PR-Zunft buchstäblich &#8216;aufs Maul gefallen&#8217; ist, wenn sie gefragt wird: Das Selbstlob eigener Aktivitäten steht beim Bloggen im Vordergrund, das Nutzen einer unbezahlten Werbefläche, aber keineswegs die Reflexion der eigenen Tätigkeit, der Austausch, die Diskussion. Auf jedes Kratzen am Lack reagierten die Verfasser entweder gar nicht oder beleidigt, hinzu kam in einigen Fällen ein Beschreiten jeder Eskalationstufe in Sichtweite, zum Beispiel <a href="http://netzwertig.com/2008/10/16/zoff-in-den-wahrheitsschmieden-wen-der-pr-dackel-verbellt/">bei der Diskussion um Prof. Klaus Merten und seine &#8216;Wahrheitsthese&#8217;</a>, was wiederum in einem völligen Widerspruch zu Festtagsbegriffen wie &#8216;Dialogbereitschaft&#8217;, &#8216;offener Diskussion&#8217; und &#8216;Transparenz&#8217; steht, welche PR&#8217;ler sonst so gern als Modeschmuck tragen. Kurzum: Die Public Relations genügen ihren eigenen Ansprüchen bisher nicht &#8211; die Blogs machen dies nur deutlich.</p>
<p>Das darüber hinaus ein &#8216;bloggish spirit&#8217; dieser Szene erst einmal beigebimst werden müsste, wo dann auch ein Profi in Diskussionen mal &#8216;verlieren&#8217; muss, was übrigens andere Leute schlicht &#8217;sich überzeugen lassen&#8217; nennen würden, das steht auf einem weiteren Blatt.</p>
<p>Du aber, kleines <em>media coffee blog</em>, du ruhe sanft: Du warst zwei Jahre lang eine Bereicherung und eine anregende Lektüre, wenn man dich nur quer genug las &#8230;</p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/gun110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/">Reputation Management: Die Weißwäscher kommen</a></b><br /><font size="2">Überwachen, Kontrollieren, Regulieren: Reputation Management verspricht Maßnahmen gegen unliebsame Inhalte im Web 2.0 – wenn das nur so einfach wäre. </font><font color="#aaa">(2. März 2009)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/01/18/blogger-und-journalisten-alles-nur-zickenterror/">Blogger und Journalisten: Alles nur Zickenterror?</a></b><br /><font size="2">Jeder Artikel von Journalisten über "Web 2.0" wird inzwischen als Kriegserklärung an dasselbe verstanden. Doch die Blogger sind meist gar nicht gemeint. Leider wissen beide Seiten zuwenig voneinander und pflegen eifrigst Klischees und Vorurteile. </font><font color="#aaa">(18. Januar 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/02/09/no-obamania-its-the-party-stupid/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/ortsverein110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/09/no-obamania-its-the-party-stupid/">No Obamania: It's the party, stupid!</a></b><br /><font size="2">Neue Medien, neuer Wahlkampf? Warum im deutschen Superwahl alle Hoffnungen auf eine Mitmach-Politik mit Blogs und Blockpartys à la Obama vergebens sind, erklärt <em>Klaus Jarchow</em>. </font><font color="#aaa">(9. Februar 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Zeitung ohne Funktion: Frank A. Meyer irrt sich</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/03/10/zeitung-ohne-funktion-frank-a-meyer-irrt-sich/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/03/10/zeitung-ohne-funktion-frank-a-meyer-irrt-sich/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 10:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alphajournalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Auflagen]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft der Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ständige Geschreibe vom Ende der Zeitung verschreckt doch die Leser, findet Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer. Der Umkehrschluss funktioniert nur leider überhaupt nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Das ständige Geschreibe vom Ende der Zeitung verschreckt doch die Leser, findet Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer. Der Umkehrschluss funktioniert nur leider überhaupt nicht.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/03/10/zeitung-ohne-funktion-frank-a-meyer-irrt-sich/grimm/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/03/grimm200.jpg" width="200" height="200"  alt="Grimm: Geheime Gesetze?" align="left" hspace="5" vspace="5"/></a>Am Vorabend der französischen Revolution führten die Aufklärer einen langen Disput über Freiheit und Notwendigkeit. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Grimm">Melchior Grimm</a>, der Pariser Korrespondent und große Multiplikator aufgeklärten Denkens, plädierte für die Notwendigkeit: Die Freiheit sei eine zugebenermaßen manchmal recht nützliche Illusion, die sich die Menschen machten. In Wahrheit aber regiere die Notwendigkeit selbst dort, wo sie sich das Gewand der Freiheit hülle, um rascher fortschreiten zu können. Bei allem Anschein von Freiheit seien die Dinge durch die geheimen Strukturen und Gesetze im Innern des Gesellschaftskörpers vorherbestimmt.</p>
<p>An den Streit zwischen Voluntaristen (&#8220;<em>Es geschieht, was ich will</em>&#8220;) und Deterministen (&#8220;<em>Mir geschieht, was &#8216;es&#8217; will</em>&#8220;) fühlte ich mich erinnert, als ich diese Einlassung von <a href="http://netzwertig.com/tag/frank-a-meyer/">Frank A. Meyer</a> im <em>Sonntag</em> las, die <a href="http://netzwertig.com/2009/03/09/6-vor-9-lueoend-twitter-tages-anzeiger/">Ronnie hier bereits</a> aufgespießt hat:</p>
<p><span id="more-6897"></span>&#8220;<a href="http://www.sonntagonline.ch/pages/index.cfm?dom=151&amp;rub=100212524&amp;arub=100212524&amp;orub=100212524&amp;osrub=100212524&amp;Artikel_ID=102052761">Wir Journalisten neigen dazu</a>, die schlechte Nachricht für eine gute Nachricht zu halten – nämlich eine verkäufliche. In diese Falle sind wir nun in eigener Sache getappt. Wir produzieren über unser Metier nur noch schlechte Nachrichten: Zeitungen hätten keine Zukunft, verkünden wir täglich. Die Verleger glauben nicht mehr an ihr Geschäft. Dieser Defätismus strahlt aus. Wie können wir da erwarten, dass die Leser in die Kioske strömen, um unsere Zeitungen zu kaufen?&#8221;</p>
<p>Der Teufel ist bekanntlich ein Logiker &#8211; und jedes Argument lässt sich auch ein wenig drehen und wenden: Würden die Journalisten dagegen, dies die Kehrlogik dieses &#8216;Meyer&#8217;schen Gesetzes&#8217;, in ihrer Gier nach negativen Sensationen ihre Zeitungen nicht länger schlecht schreiben, dann würde sich prompt auch die Zeitungskrise wieder in Wohlgefallen auflösen, so wie der Morgendunst an einem schönen Frühlingsmorgen. Weil dann die Leser ihre Zeitungen wieder ganz toll fänden, sobald die Journalisten ihnen täglich verkünden dürften, wie toll doch diese tägliche Morgenlektüre sei.</p>
<p>Das Illusorische einer solchen Position wird durch meine Ironie schon deutlich: Sie geht im Kopf nur auf, wenn jemand eine übertriebene Vorstellung von der volkspädagogischen Macht des Journalismus und von der Stärke einer formierten Öffentlichkeit hegt. Es ist der alte und sympathische linke Irrtum, dass im Grunde doch noch irgendwo der Geist die Welt regiere. Ob gut oder schlecht &#8211; immer sind in dieser Denkfigur dann die Journalisten wesentlich für das Geschehen verantwortlich, weil sie Missstände anprangern, den Fortschritt befördern, während ihr seelischer Kompass unbeirrbar auf das Gute hinweist. Den Tagesschreibern wird damit eine faktische Macht und Charakterstärke eingeräumt, die sie längst nicht mehr besitzen. Ja, man fragt sich, wann und ob dies überhaupt jemals der Fall gewesen sei.</p>
<p>So sehr ich Frank A. Meyer und seinen hellen Geist schätze, so gleicht mir das Pferd, das er zäumt, häufig jener Rosinante, die schon Maximilian Harden oder Kurt Tucholsky ritten. Auch bei denen gab es diese publizistische Allmachtspose des begabten Schreibers, der mit seinen Texten an den Pfeilern der Welt rüttelt &#8211; während dann, wenn dieser Kasper seine Bude verlassen hat, regelmäßig ein Hitler oder so etwas hinterhergewackelt kommt und den Illusionisten des Geistes gehörig was hustet.</p>
<p>Sagen wir&#8217;s doch, wie&#8217;s ist: Die Öffentlichkeit ist machtlos &#8211; allenfalls für einen Skandal oder einen unerwarteten Rücktritt gut. Anderslautende Theorien sind von Journalisten für Journalisten verfasst, weil die so etwas gern lesen. So gäbe es heute bspw. doch nirgendwo überzeugende Ideen von unseren Gatekeepern und Alphajournalisten, was jetzt zu geschehen hätte &#8211; angesichts der Finanzkrise oder auch nur angesichts des drohenden Verlustes des Schweizer Bankengeheimnisses. Wer die Zeitung aufschlägt, dem wird in der Regel als Blinder von Blinden gepredigt. Gute Ideen, wegweisende Vorschläge, die sind eben auch in Holzhausen so rar wie ein Hering auf der Alm. Eine Zeitung ist folglich kein Leuchtturm, noch nicht einmal eine Stabtaschenlampe, die Publizistik hat wenig Macht über die Köpfe, sie weist auf nichts mehr hin, sie weist in alle Richtungen &#8211; und meist täglich in eine andere. Um so viel Orientierung zu finden, kann ich dann auch ins Internet gehen und mit Gleichgesinnten an meiner Privatrealität basteln. Die stimmt zumindest in meinen Augen. Manche gehen auch an den Stammtisch.</p>
<p>Die gewohnten Leser aber ziehen sich nicht deshalb zurück, weil die Journalisten &#8216;voluntaristisch&#8217; das eigene Nest beschmutzen, sondern weil im heutigen Übermaß an produzierten Informationen die Information selbst immer weniger wert ist. So geht es &#8216;aus Notwendigkeit&#8217; dann auch den dazugehörigen Informationstransportern, die sich Zeitungen nennen.</p>
<p>Das nämlich ist das Dilemma der massenmedialen Öffentlichkeit &#8211; wie auch des Auflagenschwunds. Die Zeitungen haben ihre Funktion verloren, weil sie kein knappes Gut mehr anbieten können. Vor allem aber deshalb, weil sie uns nur noch wenig zu sagen haben und keine Orientierung mehr bieten.
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/06/frank-a-meyer-zum-geburtstag-eine-meinung/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/frankameyer110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/06/frank-a-meyer-zum-geburtstag-eine-meinung/">Frank A. Meyer: Zum Geburtstag eine Meinung</a></b><br /><font size="2">Glückwunsch zum 65. Geburtstag: medienlese.com-Autor Ronnie Grob hat dem Schweizer Alphajournalisten Frank A. Meyer einen Brief geschrieben. </font><font color="#aaa">(6. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/silvesterschwimmen110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/">Auf ins neue Jahr: Abschied vom Selbstgewissen</a></b><br /><font size="2">Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen. </font><font color="#aaa">(30. Dezember 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/11/26/sparen-in-der-zeitungskrise-weniger-breite-mehr-tiefe/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/11/zeitungskrise110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/11/26/sparen-in-der-zeitungskrise-weniger-breite-mehr-tiefe/">Sparen in der Zeitungskrise: Weniger Breite, mehr Tiefe</a></b><br /><font size="2">Die Krise in der Printbranche führt zwangsläufig zum Abbau von Kapazitäten. Weniger ist auch dabei mehr: Verringert werden muss die Breite des Angebots, nicht die Tiefe. </font><font color="#aaa">(26. November 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Reputation Management: Die Weißwäscher kommen</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 12:22:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Überwachen, Kontrollieren, Regulieren: Reputation Management verspricht Maßnahmen gegen unliebsame Inhalte im Web 2.0 – wenn das nur so einfach wäre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Überwachen, Kontrollieren, Regulieren: Reputation Management verspricht Maßnahmen gegen unliebsame Inhalte im Web 2.0 – wenn das nur so einfach wäre.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/03/02/reputation-management-die-weisswaescher-kommen/gun/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/gun450.jpg" width="450" height="200"  alt="Was uns zu Revolvermann als erstes einfällt (daveparker, cc-Lizenz)" /></a><br />
&#8220;Revolvermänner&#8221; nennt sich unmissverständlich eine Essener Agentur für &#8216;Reputation Management&#8217;, die im Auftrag von Privatpersonen und bedrohten Firmen ein schnelles und &#8220;<em>permanentes Controlling im Internet</em>&#8221; durchsetzen will. Manches klingt in meinen Ohren allerdings wie ein Werbetext von &#8216;Moskau Inkasso&#8217;, verfasst also von jenen unmissverständlich freundlichen, wohlgebauten Herren mit den Blumenkohlohren und der gewissen Beule unter der Achsel: &#8220;<em>Im Fall einer Schädigung Ihrer Online Reputation haben wir für jede erdenkliche Situationen einen praxiserprobten Maßnahmenkatalog, der schnell und effektiv greift</em>&#8220;. So werben <a href="http://www.revolvermaenner.com/Reputation-Management.html">Revolvermänner</a> des Netzverkehrs heutzutage für sich.</p>
<p><span id="more-6886"></span>Worum geht es? Der Laie glaubt, es ginge beim Reputation Management vor allem um den &#8216;guten Ruf&#8217; einer einzelnen Person oder einer zu Unrecht angegriffenen Institution. Vorgeschoben wird meist jener junge Wirtschaftsstudent, der auf einer Party mal Arm in Arm mit einer leicht bekleideten Blondine an einem Whiskey genippt haben soll und der dabei &#8211; oh Schreck! &#8211; auch noch fotografiert wurde. Was ihm Jahre später sein zukünftiger Chef dann per <em>Flickr</em> oder <em>studiVZ</em> beim Vorstellungsgespräch unter die Nase reibt. Weshalb er &#8211; &#8220;<em>ach, hätte ich das damals doch gewusst!</em>&#8221; &#8211; zur Strafe nie in den Genuss von jenen satten Jahres-Boni und übermotorisierten Dienstwagen kommen wird, auf die er doch eigentlich Anspruch hat.</p>
<p>So etwas ist Biographismus für Doofe, für Leute, die auch an den Weihnachtsmann glauben und daran, dass jener Chef noch nie selbst einen Whiskey Sour gekippt und von einer Blondine genascht hätte. Kurzum &#8211; derartige Geschichten sind Bullshit, Sonntagsschultraktate für angehende Gelfrisuren und Wirtschaftselitessen, sowie für gutgläubige Journalisten, die derartiges dann mit dicken Backen ausposaunen dürfen.</p>
<p>In der Realität geht es vor allem um Unternehmen und um ihre handfesten Wirtschaftsinteressen &#8211; und um die Gefährdung durch &#8216;Whistle Blower&#8217; und &#8216;Blogger&#8217;: &#8220;<em><a href="http://www.revolvermaenner.com/Reputation-Management.html">CGM (Consumer Generated Media) verbreiten sich im Internet über Blogs und Foren wie ein Flächenbrand</a>. Ihr Ruf, den Sie sich über Jahre aufgebaut haben, kann innerhalb weniger Minuten vollständig zerstört werden. &#8230; Reputation Management bedeutet, den Markt zu überwachen, Mitbewerber zu kontrollieren und damit frühzeitig regulierend eingreifen zu können</em>&#8220;.</p>
<p>Überwachen, Kontrollieren, Regulieren &#8211; das also sind die angebotenen Dienstleistungen des Reputation Management, und es geht bei der Korrektur von Aussagen keineswegs um ein bloßes &#8216;Richtigstellen&#8217;. Also nicht darum, bloß die Lügen oder Unwahrheiten aus der Welt zu schaffen, sondern darum, jedwede Kommunikation über ein nicht erwünschtes Thema ein für allemal zu unterbinden. Mit welchen Methoden das geschieht, das mag sich jeder angesichts des jeweils kontraktierten Firmennamens dann selbst ausmalen.</p>
<p>Nicht alle Webreputation-Dienstleister kommen gleich so krawallig wie die Revolvermänner daher. &#8216;Junghans &amp; Radau&#8217; heißt bspw. &#8211; allerdings auch hier fast drollig bezeichnend &#8211; jene Kanzlei, die im Auftrag der Berliner Firma <em>WebReputation</em> entfleuchte Informationshäppchen wieder einzufangen trachtet: &#8220;<a href="http://www.webreputation.com/de/produkte/webex/">Meinungsfreiheit oder nicht ist für Laien nicht auf den ersten Blick zu erkennen</a>&#8220;, heißt es bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Litotes">dieser arg litotisch verknödelten</a> Vorstellung einer exklusiven Dienstleistung, die den ebenso schönen wie zutreffenden Namen <em>&#8216;webex&#8217;</em> trägt. Denn diese Ahnungslosigkeit des Laien ist für den abmahnenden Anwalt ja außerordentlich praktisch, weil er dann darauf vertrauen darf, dass seine paragraphengespickte Drohkulisse von einem solchen Trottel gar nicht als Potemkin&#8217;sches Märchenschloss weit draußen im juristischen Niemandsland erkannt wird.</p>
<p>Das Löschen, Umdichten, Rausdrängen, Niederquatschen oder Eliminieren unliebsamer Äußerungen, ganz unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt &#8211; das ist im Kern ein weiteres Ziel des Reputation-Management. Manche haben so etwas übrigens schon Zensur genannt:</p>
<blockquote><p>&#8220;<a href="http://www.webreputation.com/">Unsere Dienstleistungen und Redakteure </a> unterstützen Sie bei Löschung, Korrektur oder Beantwortung von kritischen Postings in Internet-Foren oder Blogs. Optimieren Sie mit positiven Kommentaren Ihre Online-Reputation oder lassen Sie bestimmte Artikel aus dem Netz löschen&#8221;.</p></blockquote>
<p>Der Begriff &#8216;Reputation Management&#8217;, der im Grunde noch feucht hinter den Ohren ist, der hat außerordentlich schnell Karriere gemacht, er lässt sich in Deutschland bereits rund 800.000mal ergurgeln. Zuvor hatten die Firmen mit eher pflegeleichten Journalisten und deren Gegendarstellungskultur zu leben gelernt. Jetzt kommt aber eine Jedermann-Publistik auf den Markt, die durch Liebes- und Anzeigenentzug nicht so leicht zu beeindrucken ist, die darüber hinaus auf ergoogelbare Ewigkeiten Anspruch macht, weil sie eben nicht &#8211; wie die Zeitung und holzmediale Informationen &#8211; nach 24 Stunden im Papierkorb landet.</p>
<p>Das Reputation Management ist die Antwort auf eine reale Bedrohung durch allzu viel Faktisches im Web 2.0, das sich deshalb allein schon jeder Kontrolle entzieht, weil es unkontrolliert durchs Netz vagabundiert. Hiergegen ist das Reputation Management eine publizistische Waffe in der Erprobungsphase, es handelt sich um eine Methode, die jenes Prinzip konsequent verletzt, das sie angeblich verfolgt: Wie groß wäre denn die &#8216;Glaubwürdigkeit&#8217; eines Unternehmens noch, das bei jedem Hauch öffentlicher Kritik gleich den Hammer des &#8216;Reputation Management&#8217; auspackt, um das Netz wieder besenrein zu kehren? Das also jede Wahrheit über sich eliminiert &#8211; außer der eigenen?</p>
<p>Die haben es wohl nötig, denkt sich da doch der Laie.
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/01/31/facebook-setzt-studivz-unter-druck/">Facebook setzt StudiVZ unter Druck</a></b><br /><font size="2">Wenig Mitglieder, viele Mitarbeiter: Wir vergleichen StudiVZ mit den Konkurrenten Facebook und MySpace. </font><font color="#aaa">(31. Januar 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/01/18/blogger-und-journalisten-alles-nur-zickenterror/">Blogger und Journalisten: Alles nur Zickenterror?</a></b><br /><font size="2">Jeder Artikel von Journalisten über "Web 2.0" wird inzwischen als Kriegserklärung an dasselbe verstanden. Doch die Blogger sind meist gar nicht gemeint. Leider wissen beide Seiten zuwenig voneinander und pflegen eifrigst Klischees und Vorurteile. </font><font color="#aaa">(18. Januar 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/02/28/lokaljournalismus-new-york-times-mit-stadtteil-blogs/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/02/nachbarn110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/28/lokaljournalismus-new-york-times-mit-stadtteil-blogs/">Lokaljournalismus: New York Times mit Stadtteil-Blogs</a></b><br /><font size="2">Alle Nachrichten sind lokal: Die <em>New York Times</em> startet zwei Nachbarschafts-Blogs - und will damit Reporter, Bürgerjournalisten und Anzeigenkunden zusammenbringen. </font><font color="#aaa">(28. Februar 2009)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>WAZ-Strategie: Meinung als bloße Ware</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/02/19/waz-strategie-meinung-als-blosse-ware/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/02/19/waz-strategie-meinung-als-blosse-ware/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 10:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Das geht doch gar nicht - vor allem nicht gut: Die Lokalteile von <em>Westfalenpost</em> und <em>Westfälischen Rundschau</em> für die Region Hagen sollen zusammengelegt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Das geht doch gar nicht &#8211; vor allem nicht gut: Die Lokalteile von <em>Westfalenpost</em> und <em>Westfälischen Rundschau</em> für die Region Hagen sollen zusammengelegt werden.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/02/19/waz-strategie-meinung-als-blosse-ware/germany-media-kirch/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/waz450.jpg" width="450" height="200"  alt="WAZ-Zentrale in Essen: Überzeugende Mischung? (Keystone)" /></a></p>
<p>Jedem Menschen gestehen wir einen Set an politischen und sozialen Grundüberzeugungen zu &#8211; natürlich auch Journalisten. Diese Überzeugungen wiederum formen das, was wir Persönlichkeit oder Charakter nennen.</p>
<p><span id="more-6865"></span>Durch das Newsdesk-Konzept wird dieser Grundsatz jetzt ausgehöhlt, was aber absehbarerweise aus ideologischen Gründen oft gar nicht funktionieren kann. Ein und derselbe Schreiber, der kann nicht morgens für die CDU sein &#8211; und abends dann für die SPD. Oder aber er verfasst einen trockenen Riemen, der weder Fisch noch Fleisch ist, den also jeder Leser angeekelt ausspuckt, weil er bloß nach informellem Tofu schmeckt &#8211; also nach nichts. Trotz des offenbaren Widerspruchs zum Alltagsverstand scheint die WAZ-Gruppe mit ihrem bedingungslosem Sparkurs etwas in der Art zu planen:</p>
<p><div class="box boxright" style="width: 33%"><strong>300 Jobs weniger</strong><br />
Die WAZ-Gruppe spart – und richtet einen zentralen &#8220;Content-Desk&#8221; für <em>Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung</em> und <em>Westfälische Rundschau</em>. Nur die Redaktion der <em>Westfalenpost</em> bleibt selbstständig. 300 Arbeitsplätze werden abgebaut, 32 Millionen Euro in diesem Jahr eingespart werden, berichtet <a href="http://kress.de/cont/story.php?id=126730"><em>Kress</em></a>. In jeder Stadt soll es künftig nur noch eine Lokalredaktion der WAZ-Gruppe geben. <em>ore</em></div><a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/raus-aus-der-provinz/">Wie die <em>taz</em> berichtete</a>, sollen die Lokalredaktionen der Hagener <em>Westfalenpost (WP)</em> und der Dortmunder <em>Westfälischen Rundschau (WR)</em> für die Region Hagen zusammengelegt werden. Hierzu muss man wissen, dass die <em>Westfalenpost</em> ideologisch die bürgerliche Mitte bedient, also das Rüttgers- und Merkel-Publikum am Rande des Potts: &#8220;<a href="http://www.waz-mediengruppe.de/Westfalenpost_WP.60.0.html">Westfalenpost, das ist die bürgerliche Qualitätszeitung</a>&#8220;. Während die <em>Westfälische Rundschau</em> die sozialdemokratische Traditionsklientel ins Auge fasst: &#8220;Diese überzeugende Mischung aus regionalen und überregionalen Berichten, kritischen Kommentaren <a href="http://www.waz-mediengruppe.de/Westfaelische_Rundschau.61.0.html">sowie ihres großen sozialen Engagements</a> haben die Rundschau zu einem Meinungsforum werden lassen, das von den Lesern anerkannt und mit Treue belohnt wird&#8221;.</p>
<p>All diese treuen Leser, also die Sozen und Facharbeiter in Hagen, Stammabonnenten der <em>WR</em>, die sollen also jetzt einen Lokalteil bekommen, der im Kern von einer schwarzkatholischen <em>WP</em>-Redaktion vor Ort verfasst worden ist. Die Idee der WAZ-Strategen dabei lautet, dass diese streng konservative Berichterstattung nur ein wenig &#8216;gebrandet&#8217; werden müsse &#8211; und schon ginge sie auch einem Traditions-Sozen runter wie dem Katholiken seine Oblate. Mit Verlaub &#8211; einen solchen Bullshit kann sich wirklich nur ein Marketing-Mensch ausgedacht haben, der noch nie selbst einen Artikel verfasst hat, der daher auch Meinungen für bloße Waren hält, die man beim Eintritt ins Büro beim Pförtner abgibt. Meine Vorstellungskraft versagt einfach: Der <em>WP</em>-Lokalredakteur zieht also los zur Ratsversammlung, schimpft in seinem Bericht nach Leibeskräften auf die &#8216;Unvernunft&#8217; der Roten &#8211; und nach seiner Niederkunft greift sich der Kollege denselben Artikel und schreibt für die WR überall &#8216;Vernunft&#8217; wo zuvor &#8216;Unvernunft&#8217; stand &#8230; oder wie jetzt?</p>
<p>Ein redaktionelles Zusammenschmeißen von Nichtzusammengehörigen, glaube ich, das wird den Abstieg beider Blätter nur beschleunigen. Ein Redakteur, gerade weil auch er nur einen Kopf hat, der kann nicht morgens fürs <em>Neue Deutschland</em> schreiben und abends für den <em>Bayern-Kurier</em>. Oder aber ein solch täglich verlangter Persönlichkeitswechsel würde ihn auf direktem Weg in den Suff führen, in die Psychiatrie oder gar in die Public Relations &#8230;</p>
<p><div class="box boxcenter"><strong>Mehr zum Thema</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/184/457840/text/">dpa-Chefredakteur im Interview auf sueddeutsche.de</a> (11.2.2009)<br />
“Wir lesen die WAZ sehr genau und erkennen, wenn Zitate aus einem Exklusivinterview, das jemand nur mit uns geführt hat, plötzlich in einem Blatt der Gruppe auftauchen. Wir haben das auch gesehen, als wir die Schließung von Hertie-Kaufhäusern im Ruhrgebiet gemeldet haben. Die WAZ-Gruppe hatte erhebliche Mühe, diese Informationen ins Blatt und in ihren Online-Auftritt derwesten.de einfließen zu lassen.”</li>
<li><a href="http://www.pottblog.de/2008/12/08/zahlen-zur-geplanten-waz-axt-stellenabbau-waz-mediengruppe/">“Zahlen zur geplanten WAZ-Axt”</a> (12.8.2008)<br />
“Dem Pottblog liegen einige Informationen vor, wie sie in der Betriebsversammlung anscheinend mitgeteilt worden sind.”</li>
<li><a href="http://netzwertig.com/2008/10/29/sparplaene-waz-gruppe-denkt-an-dpa-verzicht/">Sparpläne: WAZ-Gruppe denkt an dpa-Verzicht</a> (29.10.2009)<br />
Wir machen es uns selbst: Die WAZ-Gruppe plant, künftig ohne den Basisdienst der Nachrichtenagentur dpa auszukommen.</li>
<ul></div>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/02/05/wie-ich-mich-als-hochbezahlter-redakteur-durch-den-alltag-mogel/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/02/lazy110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/02/05/wie-ich-mich-als-hochbezahlter-redakteur-durch-den-alltag-mogel/">Wie sich ein hochbezahlter Redakteur durch den Alltag mogelt</a></b><br /><font size="2">Wieder ein anonymer Brief – aber diesmal schreibt ein Festangestellter. Sein Alltag in der Redaktion: Kaffee schlürfen, beschäftigt tun, Raucherpausen und aufs Gehalt warten. </font><font color="#aaa">(5. Februar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/29/der-neue-freitag-es-gibt-duemmeres-zu-lesen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/freitaglogo110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/29/der-neue-freitag-es-gibt-duemmeres-zu-lesen/">Der neue Freitag: Es gibt Dümmeres zu lesen ...</a></b><br /><font size="2">Eine Zeitung auf der Höhe der Zeit: Jakob Augstein will aus der kleinen "Ost-West-Wochenzeitung" <em>Freitag</em> "das Meinungsmedium" machen. Am 5. Februar ist es soweit. </font><font color="#aaa">(29. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/03/indien-zeitungen-mit-zukunft/">Indien: Zeitungen mit Zukunft</a></b><br /><font size="2">Immer mehr Zeitungen und Zeitschriften kämpfen um immer weniger Leser und Anzeigen, das ist längst keine Nachricht mehr. Doch in Indien ist das Gegenteil der Fall – Print-Produkte boomen. </font><font color="#aaa">(3. Dezember 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Sechsmal um den Blog: Sechs zum Klicken</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2009 11:21:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
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		<guid isPermaLink="false">http://medienlese.com/2010/02/13/sechsmal-um-den-blog-7/</guid>
		<description><![CDATA[Die regelmäßige Blogschau auf medienlese.com – diesmal mit Zettelkästen, Wort-Schnitzeln, einer Gesprächszentrale und schwarzweißer Untergangssucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Die regelmäßige Blogschau auf medienlese.com – diesmal mit Zettelkästen, Wort-Schnitzeln, einer Gesprächszentrale und schwarzweißer Untergangssucht.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/blogs/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/blogs450.jpg" width="450" height="200"  alt="Sechsmal um den Blog: Es sind so eine Art Tagebücher" /></a>
<p>Da diesmal aus dem Publikum thematisch nichts Bestimmtes gewünscht wurde, gibt&#8217;s hier den gewohnten Pichelsteiner Topf &#8211; so wie Blogs ja am besten zu genießen sind. Wer will schon ewig das Gleiche aufgetischt bekommen? Los geht&#8217;s!</p>
<p><span id="more-6861"></span><a href="http://frank-rawel.blogspot.com/">Frank Rawels Zettelkasten</a>: Der Autor, Kabarettist und Kulturjournalist hat in der &#8216;Berliner Provinz&#8217; sein Bloghaus eröffnet &#8211; mit kurzgefassten Anmerkungen zu Literatur, Sprache und Kultur, worunter natürlich spitze Bemerkungen zur Berlinale und zu den Amphetamine-Annies nicht fehlen dürfen, die dort wie aufgezogen über die roten Teppiche hoppeln: &#8220;<em>Muss man das jetzt? Alles toll und super und supertoll finden? Nehmen die einen sonst nicht?</em>&#8221;</p>
<p><a href="http://ostblog.wordpress.com/">Ostblog</a>: Das Blog wird pseudonym von &#8216;Ferdinand Bardamu&#8217; geführt (frei nach Célines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reise_ans_Ende_der_Nacht">&#8216;Reise ans Ende der Nacht&#8217;</a>). Eine merkwürdig melancholische und gewissermaßen deszendente und untergangssüchtige Angelegenheit. Die Beiträge glänzen durch kurze Apercus &#8211; und vor allem durch ihre großartigen Schwarzweiß-Fotos.</p>
<p><a href="http://altenheim.twoday.net/">Mein Vater wohnt im Altenheim</a>: Auch wenn dieses Blog am Donnerstag, dem 12. Februar, die Pforten schloss, weil der Vater an diesem Tag dem Heim und dem Leben entkam, so bleiben die Texte ein großartiges Netzdokument und ein gutes Beispiel dafür, wozu die Blogosphäre eben auch taugt: Der Leser findet eine dichte und subjektive Studie über Altsein, Morbidität und Sterben in einer gleichfalls kranken Gesellschaft. In der Mitfühl-Intensität leistet keine der eingeführteren journalistischen Stilformen diese Vermittlungsarbeit. Wenn in derartigen Fällen das Bloggen zugleich zur Selbsttherapie taugt, als politische Dokumentation und als Gesprächszentrale zum Austausch mit anderen &#8211; umso besser.</p>
<p><a href="http://dimebags-world.blogspot.com/">Dimebag:</a> Lustig und hart an der Grenze zum Wort-Comic bewegt sich Dimebag, die rothaarige Blog-Göre mit der ebenso blühenden wie kindlichen Phantasie: &#8220;<em>Kommentieren Sie hier bloß ordentlich! &#8230;nicht dass mir Klagen kommen, sonst gibt&#8217;s was auf die Nuss! &#8230; Wenn Sie&#8230; männlich / weiblich / was-auch-immer sind und Anschluß / Liebe / Kontakt suchen, funken Sie mich bloß nicht an! Und NEIN! Ich möchte auch nichts kaufen oder Ihre privaten Filme / Fotos / Webcamera-Spielchen sehen</em>&#8220;.</p>
<p><div class="box boxright" style="width: 33%"><strong>Noch mehr Blogs</strong></p>
<p>Alle Ausgaben unserer Serie &#8220;Sechsmal um den Blog&#8221; gibt es hier <a href="http://netzwertig.com/tag/sechsmal-um-den-blog/">in unserem Archiv</a>.</div><a href="http://freie.djv-online.de/">Freien Info</a>: Da die Zahl und die Probleme freier Journalisten in der Medienkrise absehbar steigen werden, sei an dieser Stelle auf dieses Info-Portal für sie verwiesen. Michael Hirschler vom DJV zeichnet für den Inhalt verantwortlich. Sicherlich gibt es rasantere Texte in der Blogosphäre zu lesen, als ausgerechnet solche über &#8216;Krankengeld&#8217; und &#8216;AGBs&#8217; &#8211; aber <em>&#8216;Wat mutt, dat mutt</em>&#8216;, wie man hier in Bremen so sacht &#8230;</p>
<p><a href="http://finkployd.blogger.de/">Gorillaschnitzel</a>: Etwas kodderschnäuziger geht&#8217;s beim Gorillaschnitzel zu &#8211; aber wenn der geneigte Leser die Polemik erst einmal abgewischt hat, dann bleibt ihm doch immer genug Substanz zum Nachdenken übrig. Hier eine Stilprobe: &#8220;<em>Ich bin ja Kind gewesen, als man noch &#8220;Mohrenkopf&#8221; oder &#8220;Negerkuss&#8221; sagen durfte, heute weiß ich nicht, ob &#8220;Schaumgebäck mit Migrationshintergrund&#8221; noch einigermaßen tolerabel ist. Früher sagte man ja auch &#8220;asoziales Dreckspack&#8221;. Heute nennt man das &#8220;Banker&#8221;. Nach Lektüre dieser Meldung muss ich sagen, dass ich mittlerweile erstere Bezeichnung eindeutig präferiere</em>&#8220;.</p>
<p>Süsste woll &#8211; und schon habe ich Sechs gehabt &#8211; und ihr nicht! Natürlich nur, wenn ihr mir jetzt nicht hinterherklickt, heißt das &#8230;</p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/pfand110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/">Sechsmal um den Blog: Reporter vor Ort</a></b><br /><font size="2">Reportagen bei unserer Blogschau: Wir stellen sechs Websites vor, auf denen Erlebnisse und Geschichten von vor Ort gebloggt werden. </font><font color="#aaa">(13. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/10/13/sechsmal-um-den-blog-6/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/10/market110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/10/13/sechsmal-um-den-blog-6/">Sechsmal um den Blog: Geld, Geld, Geld</a></b><br /><font size="2">Nicht die Blogs sind in der Krise, aber die Krise ist überall in den Blogs. Eine Zusammenstellung virtueller Klorollen, die sich mit dem derzeitigen Finanzdesaster auseinandersetzen. </font><font color="#aaa">(13. Oktober 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/09/19/sechsmal-um-den-blog-5/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/09/obst_neueste.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/09/19/sechsmal-um-den-blog-5/">Sechsmal um den Blog: Der wachsende Dschungel</a></b><br /><font size="2">Markt, Sprache und Irland, Polemik und mehr - medienlese.com auf Entdeckungsreise in der Blogosphäre, auf der Suche nach den Früchten im Dschungel. </font><font color="#aaa">(19. September 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>No Obamania: It&#8217;s the party, stupid!</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 12:04:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Neue Medien, neuer Wahlkampf? Warum im deutschen Superwahl alle Hoffnungen auf eine Mitmach-Politik mit Blogs und Blockpartys à la Obama vergebens sind, erklärt <em>Klaus Jarchow</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Neue Medien, neuer Wahlkampf? Warum im deutschen Superwahl alle Hoffnungen auf eine Mitmach-Politik mit Blogs und Blockpartys à la Obama vergebens sind, erklärt <em>Klaus Jarchow</em>.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/02/09/no-obamania-its-the-party-stupid/ortsverein/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/02/ortsverein200.jpg" width="200"  alt="Spitzenkandidat Steinmeier (M, Keystone)" align="left" hspace="5" vspace="5"/></a>Das Superwahljahr 2009 soll also das Jahr werden, in dem endgültig die amerikanischen Wahlkampfmodelle in Deutschland Einzug halten sollen &#8211; insbesondere <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,604633,00.html">Obamas Online-Wahlkampf hat es den Politikern angetan</a>. Nur leider bietet das Modell kaum Aussicht auf Erfolg in Deutschland. Gute Gründe hierfür hat uns bereits Jens Berger vom <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/">Spiegelfechter-Blog</a> dort <a href="http://www.freitag.de/wochenthema/0906-der-wandel-scheitert-am-proporz">im neuen <em>Freitag</em></a> aufgezählt. Das Haupthindernis dürften in meinen Augen die Parteien selbst sein. Wer jemals erlebte, wie ein deutscher Politiker auf der berüchtigten &#8216;Ochsentour&#8217; nach oben in den politischen Olymp gelangte, der weiß, dass von dort oben eben auch nur Ochsen herunterschauen können &#8211; und keine Vollblut-Charismatiker wie der Obama.</p>
<p><span id="more-6848"></span>Tritt hierzulande ein junger Mensch in eine Partei ein, dann fällt er zunächst auf Mitgliederversammlungen durch mehr oder minder konsensfähige Beiträge auf. Daraufhin nimmt ihn dann die eine oder andere &#8216;Strömung&#8217; wahr und meist auch auf. Der junge Mensch findet seine &#8216;Peer Group&#8217; in der Jugendorganisation, er lässt sich auf ein bestimmtes, traditionell abgegrenztes Politikgebiet ein, er begibt sich in die Arbeitsgruppen und tritt als &#8216;junger Wilder&#8217; zumeist radikaler auf, als es im Mainstream der Partei üblich ist. So erwirbt er sich den Ruf eines &#8216;Moped-Merz&#8217; oder eines jungen &#8216;Rentnerschrecks&#8217;. Er fällt auf. </p>
<p>Irgendwann wird ihn der Regionalfürst erstmals abends zu sich einladen, um ihn als Person auszuloten. Zeigt er sich einsichtig, handzahm, loyal und vor allem &#8216;frisierwillig&#8217;, dann steht ihm die Tür zur politischen Berufslaufbahn weit offen. Doch Vorsicht &#8211; das, was jetzt kommt, ist ein Fulltime-Job, der durch die Hölle führt.</p>
<p><strong>Mediale Gatekeeper und parteidemokratische Bimmelbahn</strong></p>
<p>Auf den jungen Menschen wartet das &#8216;Land des Lächelns&#8217;, die deutsche Parteiendemokratie in all ihrer Pracht, mit Ortsvereinen und Programmkommissionen, mit Seniorengruppen und Trachtenvereinen, und in jedem dieser Karnickelställe gibt es mindestens einen Willi Wichtig, den es vor allen anderen zu hofieren gilt. Dabei ist der meist dumm wie Brot (– <em>Bernd, verzeih mir!</em> –). Aber unser Polit-Junkie muss da jetzt durch &#8211; und zudem durch ganze Batterien aus billigem Bier, aus billigen Zigarillos und billigen Intrigen. Nach einigen Jahren ist er ausgepicht, parlamentskompatibel und &#8216;für höhere Aufgaben geeignet&#8217;.</p>
<p><div class="box boxright" style="width: 33%"><strong>Mitmach-Politik für junge Wähler</strong><br />
<object width="160" ><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KnhpJrFBSvw&#038;hl=de&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/KnhpJrFBSvw&#038;hl=de&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="160" ></embed></object><br />
Sieben Landesverbände, Szene-Publikum auf Wahlpartys, begeisterte junge Menschen, Tausende Mitglieder, mediale Dauerpräsenz: Die 2004 gegründete &#8220;Die Partei&#8221; tritt an zur Europa- und zur Bundestagswahl. Nur ist das ganze (wählbare) Satire: Die Parteispitze, angesiedelt im direkten Umfeld des Satiremagazins <em>Titanic</em>, spielt mit dem Parteienverdruss abgeklärter Stadtbewohner und nutzt die parlamentarische Demokratie als Bühne für eine Karikatur eingefahrener Rituale und politischer Symbole. Parteichef Martin &#8220;Obama&#8221; Sonneborn hat schon das passende Buch geschrieben: <a href="http://www.amazon.de/Das-Partei-Buch-Deutschland-gründet-übernimmt/dp/3462040901/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1234180156&#038;sr=8-1">&#8220;Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt.&#8221;</a> Wenn sie jetzt noch das Web 2.0 für sich entdecken &#8230; <em>ore</em></div>Die Parteisoldaten wählen ihn also erstmals als Delegierten für Irgendwas. Jetzt ist er formal ein &#8216;Entscheider&#8217;, der nichts wirklich entscheiden darf, denn immer noch sitzt ihm mit Argusaugen seine politische Heimat im Nacken, der Orts- oder Bezirksverein im heimischen Wahlkreis. Selbst dann, wenn er jetzt von der Provinz- auf die Politbühne steigen darf, um zum Landtagsabgeordneten zu werden, trägt er Hutzelhausen immer im Handgepäck. Der weitere Lebensweg sei ab jetzt der Phantasie des Lesers überlassen.</p>
<p>Schaue ich mir solche politischen Hinterzimmergeburten an, wie sie Deutschland im Dutzend fabriziert, dann frage ich mich, wie gegen den durchdringenden Mief aus den Gasthofzimmern, der die Parteien umwabert, ein Obama-Wahlkampf zu führen sein sollte. Denn der ist doch ganz elementar auf spontane Akklamation, auf unmittelbare Überzeugung und Charisma abgestellt &#8211; und nicht auf den deutschen Dienstweg mit seinen politischen Laufbahnstationen. Ein Plebiszit aus dem Internet ersetzte in den USA die parteidemokratische Bimmelbahn der deutschen Provinz &#8211; und der Schwung aus dem Web führte den Kandidaten sogar an vielen medialen Gatekeepern vorbei, die ihm sonst als letzte den TÜV-Stempel der politischen Reife ins Parteibuch zu hauen pflegten.</p>
<p>Was allerdings in Deutschland jemandem passiert, der meint, auf diesem &#8216;American way of life&#8217; an deutschen Parteigremien vorbeihuschen zu dürfen, das erfuhren zuletzt Frau Ypsilanti oder auch der Herr Friedbert Pflüger von der Berliner CDU, der doch tatsächlich meinte, er könne an einem Bezirksvorsitzenden vorbeiregieren, an einem großmächtigen Gevatter Teppichhändler oder gar einem veritablen Immobilienmakler.</p>
<p><strong>Das ranzige Fett der Sumo-Parteien</strong></p>
<p>Kurzum: Der Posten eines revolutionären Volkstribunen wie Obama ist in der deutschen Parteiendemokratie strukturell gar nicht vorgesehen. Allenfalls gönnt man sich für bestimmte mediale Zwecke erfahrene Zirkuspferde wie den Gysi oder den Geißler, dann, wenn&#8217;s denn abends in die Talkshows gehen soll, um Lachen und gute Stimmung zu verbreiten. All das Internet-Brimborium, was jetzt absehbar auf uns zukommen wird, das sind daher bloße Kopien US-amerikanischer Werkzeuge: Die deutsche Politik schwingt den Hammer, ohne Nägel zu haben &#8230; </p>
<p>Während Parteien in den USA &#8216;politische Freikirchen&#8217; sind, wo prinzipiell erst einmal jeder auf die Kanzel steigen darf, sobald er den heiligen Geist des politischen Fortschritts in sich rumoren fühlt, der dann mit seinen rhetorischen Gaben zunächst Geld und mit dessen Hilfe wiederum Zustimmung für seine Person und Positionen erwerben darf, da sind die deutschen Parteien Gurkenfässer, die niemand verlässt, bevor er nicht ideologisch bestens imprägniert und dauerhaft säuerlich wie alle anderen Gürkchen geworden ist. Ich meine &#8211; schaut euch bloß mal um &#8230;</p>
<p>In meinen Augen ist das der Hauptgrund, weshalb es nichts werden kann mit &#8216;Obama-Methoden&#8217; in Deutschland, auch wenn die Zahl der Blogs und Communities absehbar steigen wird: Am ranzigen Fett unserer Sumo-Parteien kommt kein Charismatiker lebend vorbei, und wenn er noch so laut <a href="http://netzwertig.com/tag/twitter/">twittert</a>.
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/17/flugzeugabsturz-journalismus-mit-twitter-und-co/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/twitpic110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/17/flugzeugabsturz-journalismus-mit-twitter-und-co/">Flugzeugabsturz: Journalismus mit Twitter und Co.</a></b><br /><font size="2">Heute in der Zeitung, vorgestern im Internet: Das "Wunder vom Hudson" zeigt, wie souverän Online-Medien mittlerweile mit Bürgerjournalismus umgehen und Tageszeitungen Konkurrenz machen. </font><font color="#aaa">(17. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/08/widgets-new-york-times-ueberall/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/times110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/08/widgets-new-york-times-ueberall/">Widgets: New York Times überall</a></b><br /><font size="2">Nervig oder nützlich? Die <em>New York Times</em> bietet "Widgets" an, aktuelle Nachrichten für die eigene Website. Über 10.000 Themengebiete stehen zur Auswahl. </font><font color="#aaa">(8. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/10/28/us-wahl-eine-frage-der-perspektive/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/10/perspctv110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/10/28/us-wahl-eine-frage-der-perspektive/">US-Wahl: Eine Frage der Perspektive</a></b><br /><font size="2">McCain oder Obama – was derzeit in den Medien, in Blogs und auf Twitter passiert, wie die Umfragen aussehen und welche Staaten an wen gehen, zeigt die Website Perspctv. </font><font color="#aaa">(28. Oktober 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der neue Freitag: Es gibt Dümmeres zu lesen &#8230;</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/01/29/der-neue-freitag-es-gibt-duemmeres-zu-lesen/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 09:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft der Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Zeitung auf der Höhe der Zeit: Jakob Augstein will aus der kleinen "Ost-West-Wochenzeitung" <em>Freitag</em> "das Meinungsmedium" machen. Am 5. Februar ist es soweit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Eine Zeitung auf der Höhe der Zeit: Jakob Augstein will aus der kleinen &#8220;Ost-West-Wochenzeitung&#8221; <em>Freitag</em> &#8220;das Meinungsmedium&#8221; machen. Am 5. Februar ist es soweit.</h4>
<p><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/freitaglogo.jpg" width="450" height="120"  alt="Neues Konzept, neue Leser?" /><br /><br />
Es war einmal eine Zeit, da waren fast alle Wochenzeitungen &#8216;linksliberal&#8217;. Sofern sie nicht gerade <em>Welt am Sonntag</em> hießen. Lang. lang ist&#8217;s her: Übrig geblieben ist eine einzige von ihnen &#8211; und zwar ausgerechnet jene, die es damals noch gar nicht gab. Die Rede ist vom <em>Freitag</em>, jener publizistischen Ost-West-Geburt des Jahres 1990, die seit Juni 2008 schon <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4373CD4FE8364B5AB3A02C347375DD87~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Jakob Augstein</a> gehört, dem Sohn des <em>Spiegel</em>-Gründers.</p>
<p><span id="more-6834"></span>Ausgerechnet diese ebenso intelligente, wie oftmals liebenswert anarchistische Zeitung will sich <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1231153040083">am 5. Februar</a> in eine Speerspitze des Fortschritts im publizistischen Raum verwandeln. Ein Online-Offline-Zwitter soll hier entstehen, auf Augenhöhe mit dem Leser &#8211; und besonders dieser Gedanke ist gar nicht blöd. Auch das Selbstbild des Journalisten &#8211; das ist vorab schon klar &#8211; wird <a href="http://www.kress.de/cont/story.php?id=126283">das neue Freitag-Konzept</a> in jedem Fall revolutionieren &#8230;</p>
<p>Viele Strukturen, die im Netz längst Usus sind, die ziehen jetzt in <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/links-in-eine-neue-zeit/">das neue, kommerziell betriebene Online-Offline-Medium</a> ein: So soll der Rattenschwanz an Leserkommentaren zu einem gleichberechtigten und sorgsam gepflegten Teil jedes Artikels werden. In ihm stellt sich jeder Redakteur dem Dialog über seinen Text. Artikel haben damit kein absehbares Ende mehr.</p>
<p>Unter dem Dach des neuen <em>Freitag</em> entsteht darüber hinaus eine Vorstadt-Siedlung aus Blog-Hütten. Besonders beliebte oder gelesene dieser &#8216;Freitags-Blogger&#8217; sollen in den Parnass des bezahlten Journalismus aufsteigen dürfen: Ihre Beiträge erscheinen gegen Honorar dann auch printseitig. Gute Beiträge von bloßen Online-Kommentatoren erscheinen in gesonderten, rot markierten Rubriken. Ob eine gleichzeitige Abstiegsmöglichkeit für ungelesene Journalisten vorgesehen ist, das erfahren wir dann am 5. Februar. An diesem Tag erscheint die erste Ausgabe des neuen <em>Freitag</em>.</p>
<p>Mir erscheint vor allem dieses Bloghoster-Konzept ein wenig fragwürdig: Wenn bspw. ich einen neuen Provider für meine Netzergüsse suchen wollte, weshalb sollte ich mir dann gleich das Etikett eines <em>Freitag</em>-Bloggers auf die Stirn pappen wollen? Wegen der paar Kröten, die bei Wohlgefallen eventuell auflaufen würden? Mir persönlich wäre ein Independent-Hoster lieber, die mir nicht gleich sein Brandeisen und Markenzeichen ins Fell sengt.</p>
<p>Das Konzept des <em>Freitag</em> legt es damit absehbarerweise darauf an, vor allem solche Blogger zu finden, die als &#8216;Quereinsteiger&#8217; einen Weg in den Journalismus suchen, <a href="http://www.mediencity.de/Ueberleben-und-leben-lassen-bei-Jakob-Augsteins.5467.0.2.html">der aber nicht allzu üppig bezahlt ist</a> &#8211; und der dazu der Weg in eine dezidiert &#8216;linksliberale&#8217; Publizistik wäre, mit einem Hang zur Anarchie. Ein Milieu, in dem bisher nicht die schlechtesten Journalisten wuchsen. Oder aber, dies die andere Alternative, die politische Linie des Blattes müsste sich ändern, was schwierig ist für ein Medium, das bisher vor allem auf treue Abonnenten baut, und weniger auf den Straßenverkauf. Bei dem geplanten Konzept jedenfalls sind Enttäuschungen für jene Blogger unausweichlich, die es nicht in den Olymp des Gedruckten &#8217;schaffen&#8217;. Ich bin gespannt, wie sich derartige Konflikte lösen lassen &#8211; auch derjenige um die Werbung, die neuerdings ins Blatt gerückt wird. Hier ein wenig <a href="http://www.fixmbr.de/lieber-jakob-augstein-2/#comment-31624">O-Ton Augstein</a> zum Thema &#8230;</p>
<p>Trotz alledem &#8211; es ist ein fast schon revolutionärer Ansatz, den Jakob Augstein verfolgt: Er zeigt, dass er viel vom Zusammenwachsen der Medienwelten begriffen hat, von den neuen dialogischen Strukturen, vom Verlust der alten &#8216;Gatekeeper-Funktion&#8217; und vom unausweichlichen Schleifen publizistischer Hierarchien durchs Web 2.0. Von oben herab &#8211; das ist ihm wohl klar &#8211; und versehen mit der üblichen alphajournalistischen Allergie gegen das Publikum, da geht in Zukunft wirklich nichts mehr &#8230;
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/28/twingly-blogstream-handelsblatt-verlinkt-uns-alle/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/twingly110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/28/twingly-blogstream-handelsblatt-verlinkt-uns-alle/">Twingly Blogstream: Handelsblatt verlinkt uns alle</a></b><br /><font size="2">Mit Hilfe der Blogsuchmaschine Twingly zeigt das <em>Handelsblatt</em> an, welche Blogs auf Artikel verlinken. Einzige Voraussetzung: Blogger müssen mit der Blogsuche Twingly kooperieren. </font><font color="#aaa">(28. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2009/01/05/leserkommentare-das-liebe-klickvieh/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/commentisfree110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2009/01/05/leserkommentare-das-liebe-klickvieh/">Leserkommentare: Das liebe Klickvieh</a></b><br /><font size="2">Kommunikation auf Augenhöhe oder geschlossene Anstalt? Die <em>SonntagsZeitung</em> über den "anonymen Mob", über Kommentare auf Nachrichtenseiten. </font><font color="#aaa">(5. Januar 2009)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/silvesterschwimmen110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/">Auf ins neue Jahr: Abschied vom Selbstgewissen</a></b><br /><font size="2">Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen. </font><font color="#aaa">(30. Dezember 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Online-Fieber beim ZDF: &#8220;Ich blogge, weil &#8230;&#8221;</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/01/24/online-fieber-beim-zdf-ich-blogge-weil/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/01/24/online-fieber-beim-zdf-ich-blogge-weil/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 24 Jan 2009 11:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Info-Elite des ZDF lässt sich zum Bloggen herab: Neun Journalisten und drei Journalistinnen begleiten das Superwahljahr im Internet. Ob das die Zukunft des Journalismus ist?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Die Info-Elite des ZDF lässt sich zum Bloggen herab: Neun Journalisten und drei Journalistinnen begleiten das Superwahljahr im Internet. Ist das die Zukunft des Journalismus?</h4>
<p><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/zdf.jpg" width="450" height="96"  alt="Wahlbog des ZDF (Screenshot)" /><br />
<p>Dankenswerterweise hat uns <a href="http://handelsblatt6.b logg.de/eintrag.php?id=2018">Thomas Knüwer</a> auf das neue <a href="http://blog.zdf.de/wahlimweb/">Gemeinschaftsblog des ZDF zum Superwahljahr</a> hingewiesen. Doch er kapriziert sich dort &#8211; arg einseitig &#8211; auf die Anspracheverrenkungen des Eckart Gaddum (&#8220;<em>Hallo, liebe Blogger &#8230;</em>&#8221; – &#8220;<em>Hallo, lieber Eckart</em>&#8220;), dabei wären in meinen Augen die besinnlichen Sätze seiner Mitblogger dort viel ergiebiger gewesen.</p>
<p><span id="more-6827"></span>
<p><a href="http://blog.zdf.de/wahlimweb/autoren.html">Denn die beginnen mit einem stereotypen &#8220;Ich blogge, weil&#8230;&#8221;</a>. Solche Kausalsätze wiederum zeigen uns, welches Verständnisniveau für das neue Mikromedien-Phänomen im öffentlich-rechtlichen Raum von den Journalisten inzwischen erklommen wurde. Aus solchen Statements lässt sich noch viel mehr Honig für eine gepflegte Polemik saugen als aus der Gaddum&#8217;schen Jovialität.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elmar_Theve%C3%9Fen">Elmar Theveßen</a>, der sich uns als &#8216;ZDF-Terrorismusexperte&#8217; vorstellt, sagt beispielsweise: &#8220;<em>Ich blogge hier, weil wir eine Diskussion mit Ecken und Kanten um Deutschlands Zukunft brauchen</em>&#8220;. Eine solche beulenträchtige Diskussion erwartet er offenbar dann, wenn er sich in die Saloons der Blogosphäre begibt, wo bekanntlich die virtuellen Barhocker tief fliegen und die Schimpfwortkanonaden der Gegenkultur arglose Bildungsbürger mit ihrem Lärmen niederdonnern. Da soll es bekanntlich ganz anders zugehen, als in den gepflegten Lounges der Alphajournalisten &#8230;</p>
<p>Fast schon kryptisch kommt der Mann aus dem Feuilleton daher. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Herles">Wolfgang Herles</a> schreibt: &#8220;<em>Ich blogge hier, weil Staatstheater Kritiker brauchen!</em>&#8220;. Zwei Nächte musste ich drüber schlafen &#8211; dann rüttelte mich die Pointe wach: &#8216;Hörma &#8212; Wahlen &#8212; das ist doch auch &#8216;Staatstheater&#8217; &#8211; darf man also alles gar nicht erst ernst nehmen!&#8217;. Tscha, aber warum muss uns solchen Zynismus bloggen?</p>
<p>Etwas schräg auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hahne">Peter Hahne</a>: &#8220;<em>Ich blogge hier, weil ich nicht nur in Berlin direkt erfahren kann, was wirklich im Land passiert!</em>&#8220;. Naja, jede Kneipe in Castrop-Rauxel täte es allerdings auch. Zu jedem &#8216;nicht nur&#8217; gehört ferner ein &#8216;aber auch&#8217;. Der Herr Hahne macht uns also vor allem darauf aufmerksam, dass er im Grunde ein hochwichtiger Hauptstadtjournalist ist. Ja, wer hätte das nun wieder gedacht?</p>
<p>Wie ein Politiker schwebt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Frey">Peter Frey</a> in Bloghausen ein: &#8220;<em>Ich blogge hier, weil wir hier, anders als im Fernsehen, mit unseren Zuschauern und Lesern diskutieren können!</em>&#8220;. Mal abgesehen von dem unnötigen Brüllbalken am Ende des Satzes &#8211; dicht dran ist auch daneben. Zwar hat Peter Frey damit die dialogische Struktur des Bloggens begriffen, den Graben aber schüttet er noch immer nicht zu: Wir hier &#8211; und das Publikum da drüben, mit denen man dann an den Security-Leuten vorbei auch mal einen Satz austauschen kann. Bloggen als Shakehand-Journalismus &#8211; quelle sensation! Beim wahren Leben in einer &#8216;Community&#8217; aber gibt es keine Grenzen zwischen &#8216;uns hier&#8217; und &#8216;denen dort&#8217;, man ist selbst Teil des Schwarms. Wann er das wohl einsieht?     </p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Schausten">Bettina Schausten</a> wiederum sieht die Blogosphäre als kostenlose demoskopische Einrichtung: &#8220;<em>Ich blogge hier, weil ich die Meinungen der Wähler nicht nur aus den Umfragen erfahren will!</em>&#8220;. Ihr sei gesagt, dass diese Blogosphäre in keiner Weise &#8216;repräsentativ&#8217; ist, solange die Journalisten mit ihren Meinungen in ihr noch nicht angekommen sind.</p>
<p>Fazit unserer kleinen Stichprobe: Die öffentlich-rechtlichen Journalisten sehen sich noch immer als Teil einer &#8216;Info-Elite&#8217;, die im Netz sich jetzt zu den Bloggern herablassen muss, weil der Obama das ja auch gemacht hat. Und weil da &#8211; Gott weiß wo! &#8211; irgendwie auch die Zukunft des Journalismus liegen soll.     </p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/07/28/die-abrechnung-reporter-robert-ermittelt/">"Die Abrechnung": Reporter Robert ermittelt</a></b><br /><font size="2">Ausgezeichneter Regisseur, ausgezeichneter Autor: In dem Thriller "Die Abrechnung" versucht ein Reporter, den Tod seiner Tochter aufzuklären. Kann das gut gehen? </font><font color="#aaa">(28. Juli 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/06/18/euro-2008-fussball-ueber-alles/">Euro 2008:Fußball über alles</a></b><br /><font size="2">Quotenrekord bei dem Spiel Frankreich gegen Italien: Nie zuvor sahen so viele Zuschauer in Deutschland ein Spiel der Europameisterschaft ohne deutsche Beteiligung. </font><font color="#aaa">(18. Juni 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/05/16/programmcheck-chartshow-vs-nachtmusik/">Programmcheck: Chartshow vs. Nachtmusik</a></b><br /><font size="2">Geissen gegen Alsmann, Pop- gegen Hochkultur, RTL gegen ZDF: Wir machen zum musikalischen Einklang ins Wochenende den Programmcheck. </font><font color="#aaa">(16. Mai 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sechsmal um den Blog: Reporter vor Ort</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Jan 2009 10:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Reportagen bei unserer Blogschau: Wir stellen sechs Websites vor, auf denen Erlebnisse und Geschichten von vor Ort gebloggt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Reportagen bei unserer Blogschau: Wir stellen sechs Websites vor, auf denen Erlebnisse und Geschichten von vor Ort gebloggt werden.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/deutschland-juergen-trittin/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/01/pfand450.jpg" width="450"  alt="Vorsicht, Symbolbild: Das hier ist nicht der Pfandbetrüger und nicht der Blogopa aus dem Artikel (Keystone)" /></a>Was man verspricht, muss man halten: Unserem Kommentator David hatte ich zugesagt, die nächste Folge dieser Reihe einfach mal zum <a href="http://netzwertig.com/2008/12/23/dichtung-und-wahrheit-als-es-noch-reporter-gab/#comments">Thema &#8216;Reportagen im Netz&#8217;</a> zu stricken. Voilà!</p>
<p><span id="more-6816"></span><strong>1. Reisenotizen aus der Realität:</strong> An erster Stelle kommt für mich da natürlich die andreaffm mit ihrem umwerfenden <em>Reisenotizen aus der Realität</em>. Man lese nur jene <a href="http://gig.antville.org/stories/1867560/">höchst umsatzfeindliche Reportage</a> über die Fashion- und Trachtenläden im schönen Rottacher Rentnerparadies (und blättere danach getrost auch andere Seiten dieses Blogs auf). Diese Frau kann das Banale und Unbeachtete so sehen und umkreisen, dass es dann doch wieder interessant wird. Dem Durchschnittsreporter fällt zu solchen Alltagsthemen eher selten etwas ein, für den muss es schon der Großbrand oder der Frontbericht vom Kampf gegen die Taliban sein. Dabei gilt doch: Überall ist Wunderland, überall ist Leben.</p>
<p><strong>2. James Nachtwey:</strong> Bilder bilden. <a href="http://www.jamesnachtwey.com/">Die Fotoreportagen von James Nachtwey</a> zählen mit Sicherheit zu dieser Kategorie. Oft sind es nicht viele Fotos, die dann eine Schwarzweiß-Strecke bilden, manche wirken auch ein wenig gestellt. Jedes von ihnen sagt aber mehr als eine lange Textrallye, da ist zum Beispiel das Bild aus einem pakistanischen &#8216;Rehabilitationszentrum&#8217;, wo jeder einsitzende Junkie sich seinen eigenen Platz an dem Sonnenviereck unter der Fensterluke sucht &#8211; und gerade dadurch noch mehr vereinsamt. </p>
<p><strong>3. opablog:</strong> Sehr &#8216;bloggish&#8217; und &#8216;on the road&#8217; verfasst ist eine lange Reportagenserie im &#8216;<em>opablog</em>&#8216;, sie berichtet von dessen dreiwöchiger Fahrradtour durch die östlichen Bundesländer. Fern von Bildungs- und Baedeker-Getue wird hier im Wortsinn noch alles unmittelbar erlebt, ein Kopf und eine Landschaft treffen aufeinander, nichts wird &#8216;aufgesucht&#8217; oder &#8216;abgeklappert&#8217;. Besonders schön <a href="http://opablog.twoday.net/stories/3852278/">ist der Text an jenem 13. 6.</a>, wo einfach gar nichts passiert, kein Ereignis, keine Sehenswürdigkeit weit und breit, nur Felder, Wälder, Wiesen, Wind &#8230; </p>
<p><strong>4. pervan.de:</strong> Manchmal muss ich &#8216;mit dem Kopf reisen&#8217;, wie ich das nenne: Ein Kunde will dann einen Text bspw. über Honolulu, der Schurke will mir aber nicht die Reise nach Honolulu bezahlen. &#8216;Was tun?&#8217;, sprach in solchen Fällen schon Lenin. Als Steinbrüche für Notnageltexte sind <a href="http://www.pervan.de/reiseberichte/ziele.jsp">solche Communities</a> toll. Die Leute dort können zwar oft nicht &#8216;lege arte&#8217; schreiben, ja &#8211; einige können noch nicht einmal etwas erleben: &#8220;<em>Das Übelste an Conakry ist, dass man dort noch nicht einmal eine vernünftige Schweinskopfsülze bekommt!</em>&#8220;. Aber in dem unüberschaubaren Textgerümpel auf diesem großen Flohmarkt der Weltreisenden, ein Tohuwabohu, das buchstäblich aus Tausenden von Reiseberichten aus aller Welt besteht, da findet sich immer etwas, was sich um der authentischen Wirkung willen ein wenig umfrisieren und &#8216;zweitverwerten&#8217; lässt. Das Resultat klingt dann, als wäre ich mit Honolulu höchst intim gewesen.</p>
<p><strong>5. LarryLuca:</strong> Als eine Art &#8216;Wallraff für Anfänger&#8217; versucht sich Larry Luca mit seinem &#8216;Urban Trash&#8217; gelegentlich, wobei er sich seine Stoffe von den Gassen Berlins apportiert. Hier ist er <a href="http://larryluca.wordpress.com/2007/06/18/die-ueblen-tricks-der-pfandbetruger/">den &#8216;üblen Tricks der Pfandbetrüger</a>&#8216; auf der Spur. Minister Schäuble &#8211; übernehmen Sie!</p>
<p><strong>6. Das Reportagen-Archiv:</strong> Ein Reportagen-Aggregatoren-Blog, das ich deshalb im Auge behalten werde, weil ich noch gar nicht weiß, was daraus wird, das ist <a href="http://www.reportagen-archiv.com/">das Reportagen-Archiv</a>. Der Admin dort schreibt zu jedem Beitrag ein kurzes Intro und verlinkt dann vor allem TV- und Videoreportagen, die ihm von Lesern als qualitativ hochwertig oder interessant vorgeschlagen wurden. Das Konzept ist gar nicht blöd, mit den Copyright-Fragen sollen sich andere herumschlagen, das Problem scheint mir das Ordnunghalten im Malstrom einer ewig fortlaufenden Nachrichtenproduktion zu sein.</p>
<p>Und siehe da &#8211; schon hat es wieder sechs geschlagen! Nenne einen Begriff &#8211; und du findest in Bloghausen auch garantiert mindestens sechs interessante Webadressen dazu &#8230;  </p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/23/dichtung-und-wahrheit-als-es-noch-reporter-gab/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/kisch110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/23/dichtung-und-wahrheit-als-es-noch-reporter-gab/">Dichtung und Wahrheit: Als es noch Reporter gab</a></b><br /><font size="2">Egon Erwin Kisch ist die Reporter-Legende schlechthin, lange trug der wichtigste deutsche Journalistenpreis seinen Namen. Er konnte nicht nur schreiben – er konnte auch Geschichten erfinden. </font><font color="#aaa">(23. Dezember 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/duesseldorf110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/">Sechsmal um den Blog: Diebe, Düsseldorf, Drehbücher</a></b><br /><font size="2">Warum Blogs faszinierend und absolut lesenswert sind, zeigen wir regelmäßig in unseren kleinen Streifzügen durch die Blogosphäre: Sechs Blogs, die es zu entdecken lohnt. </font><font color="#aaa">(13. Dezember 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/11/berlin-edle-magazine-stilvoll-kaufen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/doyoureadme110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/11/berlin-edle-magazine-stilvoll-kaufen/">Berlin: Edle Magazine stilvoll kaufen</a></b><br /><font size="2">Kippen und <em>Bild</em>? In diesem Zeitschriftenladen wohl kaum: “do you read me ?!” in Berlin spezialisiert sich in Edelzeitschriften zu Mode und Design. Lang lebe der Luxus-Print! </font><font color="#aaa">(11. Dezember 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hype um Blogverkauf: Basic auf der Resterampe</title>
		<link>http://netzwertig.com/2009/01/07/hype-um-blogverkauf-basic-auf-der-resterampe/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2009/01/07/hype-um-blogverkauf-basic-auf-der-resterampe/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 13:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
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		<category><![CDATA[medienlese.com]]></category>
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		<category><![CDATA[Robert Basic]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass Robert Basic sein Blog verkaufen will, ist eine Schnapsidee. Er könnte ebensogut seinen Kopf verkaufen, um wieder klarer denken zu können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Soll man Blödsinn auch noch kommentieren? Das war mein erster Gedanke, als Robert Basic seine Schnapsidee verkündete, sein Blog Basic Thinking zu verkaufen.</h4>
<p><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/01/basic200.jpg" width="200" height="200"  alt="Basic denkt (Neezee, CC-Lizenz)" align="left" hspace="5" vspace="5"/><a href="http://www.basicthinking.de/blog/2009/01/06/zeit-dass-sich-was-dreht/">Jetzt tut er&#8217;s tatsächlich</a> &#8211; und es wird absehbar einer der inhaltsleersten Deals, für die jemals jemand auf Ebay Bieter suchte. Grundsätzlich &#8211; und vereinfacht gesagt &#8211; gibt es zwei Arten von Blogs: Portale, wie unser &#8216;Blogwerk&#8217; hier, wo mehrere Autoren gewissermaßen eine Online-Redaktion bilden, unter einem gemeinsamen Dach arbeiten und verschiedene Unterblogs mit Inhalten füllen. Diesen Autoren gehört dieses Gebilde nicht, es gibt einen Besitzer, der natürlich sein Portal durchaus auch verkaufen könnte, ohne dass die Qualität sich dadurch notwendigerweise verändern würde: Die Autoren schreiben einfach weiter, sie verhandeln über ihre Vergütung jetzt mit jemand anderem, was nicht unbedingt schlechter oder ausbeuterisch ausfallen muss. Und ebensowenig muss das Portal durch einen Verkauf schlechter werden, die meisten Leser würden vermutlich noch nicht einmal einen Unterschied merken. Zu den Blogportalen zählen bspw. das <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder auch das <a href="http://www.mediacoffee.de/">Media Coffee Blog</a> &#8230;</p>
<p><span id="more-6809"></span>Die meisten Blogs funktionieren aber anders: Es sind &#8216;Autorenblogs&#8217;, ein einziger Mensch ist für die Inhalte verantwortlich, und wenn dieser Mensch aussteigt, dann zerstreut sich auch die bisherige Leserschaft in alle Winde. Denn der Erfolg des Blogs war ganz und gar von dem Können dieses Menschen abhängig, er erst hat das Blog zu dem gemacht, was es ist. Es wäre geradezu absurd, sich eine <a href="http://www.blogbar.de/">Blogbar</a> ohne Don Alphonso, eine <a href="http://handelsblatt6.blogg.de/index.php">Indiskretion Ehrensache</a> ohne einen Thomas Knüwer, eine <a href="http://www.buzzmachine.com/">Buzz Machine</a> ohne Jeff Jarvis oder einen <a href="http://blogdessennamenmansichnichtmerkenkann.wordpress.com/">Journalistenschredder</a> ohne Ugugu vorzustellen. Und das gilt eben auch für Robert Basic. Er könnte ebensogut seinen Kopf verkaufen, um wieder klarer denken zu können.</p>
<p>Blogs sind in der Regel &#8216;hochpersonalisierte Medien&#8217; &#8211; der virtuelle Redaktionstisch ist ein verlängerter Teil der Persönlichkeit. Ich kann doch auch nicht sagen: <em>&#8216;Hej, ich versteigere jetzt meine Ansichten! Wer kauft mir meine Weltsicht ab?</em>&#8216;. Basic Thinking ist ja nicht deshalb etwas wert, weil das Layout so schön blau ist oder die Blogroll wohlgeformt &#8211; sondern deshalb, weil hier jemand eine bestimmte Agenda setzt und sie redaktionell aufbereitet, die &#8211; aus welchen Gründen auch immer &#8211; dann viele Leser findet und aus Robert Basic den teutonischen Bloggott (Copyright <a href="http://lanu.blogger.de/stories/1305233/">lanu</a>) machte.</p>
<p>Wenn also Robert Basic sein Angebot bei Ebay richtig rund und attraktiv machen wollte, dann müsste er sich in die Wundertüte schon höchstselbst hineinlegen. Genau das aber will er ja nicht.
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/silvesterschwimmen110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/">Auf ins neue Jahr: Abschied vom Selbstgewissen</a></b><br /><font size="2">Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen. </font><font color="#aaa">(30. Dezember 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/20/fussball-wie-das-internet-die-fankultur-veraendert/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/fussball110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/20/fussball-wie-das-internet-die-fankultur-veraendert/">Fußball: Wie das Internet die Fankultur verändert</a></b><br /><font size="2">Kartenverkauf über Blogs, virtuelle Fan-Zeitschriften im Internet: unser Gastautor und Fußball-Enthusiast <em>Stefan Heinrich</em> über Web 2.0 und Ballsport. </font><font color="#aaa">(20. Dezember 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/12/20/blogwelten-die-zehn-besten-fussball-blogs/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/fans110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/12/20/blogwelten-die-zehn-besten-fussball-blogs/">Blogwelten: Die zehn besten Fußball-Blogs</a></b><br /><font size="2">Anpfiff im Internet: Unser Gastautor <em>Stefan Heinrich</em> stellt lesenswerte Fußball-Blogs vor – Helden auf dem Hartplatz, Fans in der Gegengerade und 5 Freunde im Abseits. </font><font color="#aaa">(20. Dezember 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf ins neue Jahr: Abschied vom Selbstgewissen</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 11:09:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alphajournalisten]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2008/12/30/auf-ins-neue-jahr-abschied-vom-selbstgewissen/germany-constance-silvester-swim/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/silvesterschwimmen200.jpg" width="200" height="250"  alt="Das Wasser bis zum Hals (Keystone)" align="left" hspace="5" vspace="5"/></a>Hier wäre eine &#8220;<em>fast sehnsüchtige Litanei nach dem Untergang von Holzhausen erklungen</em>&#8220;, <a href="http://netzwertig.com/2008/12/23/dichtung-und-wahrheit-als-es-noch-reporter-gab/" target="_blank">beklagt sich unser Leser David</a>. Eine Äußerung, die eine Entgegnung verdient. Ganz ohne jede Polemik, und zum Jahresausklang auch um Versöhnung und Konsens bemüht, aber auch um Deutlichkeit bei der Situationsbeschreibung. Denn die Aussage ist in dieser Form falsch: Niemand würde die Existenz eines starken, robusten Printjournalismus mehr begrüßen als wir. Nur ist die historische Situation leider eine andere.</p>
<p>Als <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/206/434953/text/" target="_blank">die Graff</a>, <a href="http://www.sprechblase.org/?p=89" target="_blank">die Jörges</a> usw. zu Beginn des Jahres von irgendwelchen &#8220;Sielen&#8221; über dem höllischen Untergrund einer Blogosphäre daherschwätzten, die man &#8220;dichthalten&#8221; müsse, um den Tempel des Qualitätsjournalismus vor all dem wimmelnden Unrat und Gewürm zu retten, da zog doch zunächst nur eine Holzhausener Elite über das kleine Digitalien her.</p>
<p><span id="more-6800"></span>Ihr agieren war &#8211; in meinen Augen &#8211; von Anfang an prophylaktisch, auf Zeitgewinn bedacht. Diese Menschen spürten selbst, dass da etwas Neues entstand, das ihren Horizont überschritt, das frecherweise an dem gedruckten Teppich zupfte, auf dem sie standen, eine diffuse Schreibbewegung, die sie noch nicht einmal wirklich als Konkurrenz betrachten konnten, weil diese &#8211; Gipfel der Perfidie! &#8211; sie auch gar nicht &#8216;ersetzen&#8217; wollte. Sie fühlten sich von einer vielgestaltig andrängenden Medienrevolution in die Rumpelecke der Geschichte geschoben, sie spürten, dass mit ihrem ganzen Geschäftsmodell so gut wie nichts mehr stimmte, und dass sogar die eigenen Verleger immer öfter von &#8220;Online first&#8221; daherzuschwätzen begannen.</p>
<p>Die so genannten &#8216;Alphajournalisten&#8217; prügelten also den Boten, der ihnen öffentlich sagte, dass der Kaiser nackt sei. Die Berufsverbände, <a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1580" target="_blank">allen voran der DJV</a>, klatschten dazu hämisch Beifall. Die folgenden Reaktionen aus den Blogs heraus gegen die &#8216;Holzhausener Hardliner&#8217; waren notwendige Antworten auf unnötige Provokationen, und selbst dieses Echo &#8211; eine echte Zweiwegkommunikation nämlich &#8211; die war für das Noli-Me-Tangere-Reich der Edelfedern blanke Blasphemie. Dementsprechend beleidigt reagierten die Majestäten &#8211; denn mit einem antwortenden Pöbel hatten sie noch nie Erfahrungen gemacht.</p>
<p>Jetzt stehen alle vor einer verfahrenen Situation. So ziemlich jede Vorhersage der Blogosphäre über die selbstverschuldeten Defizite des Printjournalismus, aber auch über die notwendigen Folgen daraus, beginnen sich zu bewahrheiten: Über die Folgen eines glattgeschleckten dpa-Einheitsstils, der den Menschen nur noch Langeweile macht, über das gefallene Aktualitätsmonopol, über die wachsende Liebedienerei in den Redaktionen gegenüber den Anzeigenkunden (bis hin zu <a href="http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/printmedien/zapp3032.html" target="_blank">frei Haus gelieferten &#8216;Wunschartikeln&#8217;</a> durch die feinsten Häuser am Markt), über den Verlust jeder gestalterisch verstandenen Verlegerfunktion, die sich eben nicht einfach durch den gewieften Renditejäger von der Business-School ersetzen lässt. Kurzum &#8211; es ist, wie die Stimmen aus Blogville es prophezeiten: Die Öffentlichkeit ist gar kein Markt, sondern ein Forum. Den Mund haben wir uns fusselig geredet &#8230;</p>
<p>Jetzt, zum Jahreswechsel, treffen die aus dieser Ignoranz resultierenden Schreckensmeldungen nahezu täglich ein &#8211; Roma est perdida: Hier werden ein paar hundert Kollegen &#8216;abgebaut&#8217;, dort versuchen Verlegerfamilien ihr Heil lieber in Osteuropa und Indien, da werden Redaktionen zusammengeführt, damit alle künftig gemeinsam im Einheitsbrei rühren dürfen, hie stellt man diese und jene Titel zum Jahresende gleich ganz ein. Allein in Deutschland werden wohl einige tausend Journalisten demnächst ohne Job sein.</p>
<p>Die große Gefahr ist jetzt, dass die Verantwortlichen für diesen beispiellosen Niedergang der gedruckten Informationsindustrien die Ursache ungestraft auf die Finanzkrise schieben dürfen. Denn die Rezession hat damit nur wenig zu tun &#8211; sie kam erst später. Zur Zeit überschneidet sich ein langfristig fundamentaler Wandel der Öffentlichkeit, der die Krise der Printmedien primär und vor allem verursacht, mit dem kurzfristigen Platzen einer gigantischen Finanzblase. Eine Blase, die allerdings diese bedrohten Printmedien ganz wesentlich mit herbeigeschrieben haben. Denn der so genannte &#8216;Neoliberalismus&#8217;, also das angebliche Diktat wirtschaftlicher Belange, das war ja nicht vom Himmel gefallen, der Erfolg der Deregulierungsideologie war ein mediales Produkt klar benennbarer Redaktionen in Deutschland und anderswo. </p>
<p>Der &#8216;<em>medienlese&#8217;</em> jetzt zu unterstellen, wir würden sehnsüchtig den Untergang Holzhausens &#8216;herbeischreiben&#8217;, verkennt die wahren Machtverhältnisse &#8211; wir können es erstens gar nicht, und könnten wir es, würden wir es nicht tun. Solche Aussagen sind höherer Blödsinn. Hier muss auch gar nichts mehr &#8216;herbeigeschrieben&#8217; werden: Der Printjournalismus in seiner berufsständischen und flächendeckenden regionalen Breite wird absehbar irrelevanter, er hat seine Schwundstufe erreicht und wird zunehmend ein Pensionärsmedium. Jahrzehntelang völlig überteuerte Kleinanzeigen, Produktanzeigen, Veranstaltungshinweise, Autoverkäufe in Regionalzeitungen &#8211; alles dieses bisher so Lukrative wandert ab ins kostenlose Netz, während die Druckkosten unaufhörlich steigen, die es im Netz hinwiederum nicht gibt. Ein gewohntes Geschäftsmodell ist am Ende. Woraufhin die absehbare Flucht mancher Redaktionen in zunehmende PR-Prostitution erfolgt, welche Kontamination gewohnter Nachrichten wiederum die Leser am Geruch erkennen, woraufhin sie noch schneller aus dem odios duftenden Milieu ihrer Abonnenmentszeitung fliehen. Alle &#8216;Geschäftsmodelle&#8217;, die also auf die Rettung der traditionellen Basis zielen, beschleunigen mit ihrem Flickwerk den Verfall nur, ebenso wie der Ersatz von tariflich bezahlten Redakteuren durch ein freies Lohnschreibeprekariat für Billigtexte den Lesegenuss für den Rezipienten nicht eben steigert. Man könnte auch sagen, diese Versuche sind alles Rohrkrepierer.</p>
<p>Wovon also sollen Journalisten künftig leben? Tragfähig sind vielleicht einige wenige &#8216;Verleger-Redaktionen&#8217;, die wirklich noch eine &#8216;Idee&#8217; statt irgendwelcher &#8216;Umsatzziele&#8217; vor Augen haben, als Beispiel nenne ich hier mal <em>&#8216;brand eins&#8217;</em>. Diese und ähnliche Redaktionen zählten und zählen sicherlich nicht zu all den schreibenden Derivatefabriken ringsum. Sie gewähren aber auch nur einer kleinen schreibenden Elite ein Asyl im Reich des Gedruckten. Wohin sonst?</p>
<p>Die Frage, mit der wir uns hier ernsthaft beschäftigen sollten, ohne dass es bisher darauf eine Antwort gibt, lautet: Was passiert mit einer modernen Gesellschaft, die massenhaft Menschen freisetzt, die außer Schreibenkönnen wenig gelernt haben &#8211; aber das richtig? Für die zugleich kein tragfähiger beruflicher Markt mehr existiert &#8211; außer einer dürftigen Schriftstellerperspektive, die maßlos überschätzt wird und nur wenigen eine Zukunft bietet? Selbst der neue Weg ins Netz bietet kaum Aussichten in existenzsichernder Absicht. &#8216;Geschäftsmodell&#8217; und &#8216;Netzbetrieb&#8217; &#8211; das sind Gegensätze wie Feuer und Wasser, wenn man nicht gerade Google heißt. Folglich wächst absehbarerweise in den nächsten Monaten ein professionell schreibendes Subproletariat heran, das aus der untergehenden Medienindustrie 1.0 hervorgeht.</p>
<p>So etwas wiederum bleibt gesellschaftlich nicht folgenlos.</p>
<p>All diese Menschen werden sich notwendigerweise mit der eigenen Situation und der eigenen Geschichte beschäftigen müssen und &#8211; inmitten einer großen Finanzkrise &#8211; auch Überlebensperspektiven entwickeln. Die Publikationsflächen für die Ergebnisse ihres Nachdenkens sind vorhanden &#8211; das Netz ist groß, jeder kann darin alles lesen, und es ist und bleibt umsonst. Alle Schreibenden wiederum sind zugleich auch Sinnproduzenten &#8211; siehe historische Bewegungen anderer &#8216;freischwebender Intellektueller&#8217;, siehe Romantik, siehe Décadence, siehe Neue Sachlichkeit, siehe 68. Eine neue Ideologie wird also die Folge sein, die an die Stelle der zerplatzten Träume unserer großen Deregulierer tritt. Wie diese aber aussehen wird? Ja, Herrgott, bin ich Hellseher? <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Fukuyama" target="_blank">Fukuyamas &#8216;Ende der Geschichte&#8217;</a> wird es nicht gerade sein &#8230; </p>
<p>Darin liegt für mich zugleich &#8216;die große Chance der Finanzkrise&#8217;, um diesen abgedroschenen Terminus unseres hochverehrten Bundespräsidenten auch einmal zu verwenden: Der freie Horizont, selbst zu denken, ist wieder offen, nachdem die Wortwürstchen aus den delirierenden Expertenrunden und aus den heißgelaufenen Dampfschmieden des Kommunikationsgewerbes allesamt zerplatzten wie die Knallerbsen. Die Geschichte hat wieder begonnen.  </p>
<p>In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein aufregendes Neues Jahr! </p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/07/28/fundgrube-internet-journalisten-entdecken-das-netz/">Fundgrube Internet: Journalisten entdecken das Netz</a></b><br /><font size="2">Und sie bewegen sich doch aufeinander zu: Was uns der Fall Bankhofer über das Verhältnis zwischen Bloggern und Journalisten zeigt. Entsteht eine neue Arbeitsteilung? </font><font color="#aaa">(28. Juli 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2007/12/14/die-anti-journalisten/">Print vs. Online Die Anti-Journalisten</a></b><br /><font size="2">Schon wieder einer, dem ein gnädiger Gott die Stimme gab, zu sagen, wie's ihm ums Herz ist. FAZ-Autor Jürgen Kaube, <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E53B5EBEC7EEC41B3BCCF3CE4DFD56CD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Pauschalreisender in Sachen Netzkritik</a>, fordert in der Überschrift seines Artikels das, was er in diesem Fall leider nicht durchhielt: sachlich zu bleiben. </font><font color="#aaa">(14. Dezember 2007)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2007/01/05/sehen-so-die-nachrichten-der-zukunft-aus-daylifecom-ist-online/">Sehen so die Nachrichten der Zukunft aus? Daylife.com ist online</a></b><br /><font size="2"> </font><font color="#aaa">(5. Januar 2007)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dichtung und Wahrheit: Als es noch Reporter gab</title>
		<link>http://netzwertig.com/2008/12/23/dichtung-und-wahrheit-als-es-noch-reporter-gab/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 10:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Auszeichnung]]></category>
		<category><![CDATA[Egon Erwin Kisch]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Henri Nannen]]></category>
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		<category><![CDATA[Verleger]]></category>

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		<description><![CDATA[Egon Erwin Kisch ist die Reporter-Legende schlechthin, lange trug der wichtigste deutsche Journalistenpreis seinen Namen. Er konnte nicht nur schreiben – er konnte auch Geschichten erfinden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Egon Erwin Kisch ist die Reporter-Legende schlechthin, lange trug der wichtigste deutsche Journalistenpreis seinen Namen. Er konnte nicht nur schreiben – er konnte auch Geschichten erfinden.</h4>
<p><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2010/12/kischnannen450.jpg" width="450" height="236"  alt="Egon Erwin Kisch und Henri Nannen (Public Domain und Keystone)" /><br /><br />
Henri Nannen rief den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Egon-Erwin-Kisch-Preis" target="_blank">Egon-Erwin-Kisch-Preis</a> im Jahr 1977 ins Leben, mitten im &#8216;deutschen Herbst&#8217;. Einige Jahre nach Nannens Tod, im Jahr 2005, konnte die deutsche Publizistik dann endlich den Skandal beenden, dass nämlich der wichtigste deutsche Journalistik-Preis von einem allzu sprachversessenen und unverantwortlichen Stern-Verleger auf den Namen eines waschechten Kommunisten und DDR-Apologeten getauft worden war. Der Hofsänger des Neopatriotismus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Matussek" target="_blank">Matthias Matussek</a> als Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises &#8211; das klang für viele Ohren wirklich putzig. </p>
<p><span id="more-6795"></span>Seither jedenfalls trägt die ideologisch entschärfte Auszeichnung den Namen ihres Gründers: Henri-Nannen-Preis (vormals Egon-Erwin-Kisch-Preis). Mit anderen Worten: Die Geschichte der Publizistik steckt voller Ironien.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Egon_Erwin_Kisch" target="_blank">Egon Erwin Kisch</a> allerdings steht für weit mehr, als das Etikett &#8216;Kommunist&#8217; preisgibt: Publizistisch steht er für den Sieg des Rechercheurs und Reporters über den Feuilletonisten, der zuvor in den Redaktionen die höchste Gunst des Verlegers genoss. Die Geschichten kamen jetzt von der Straße, sie wurden auf alltäglichen Schauplätzen aufgelesen, im Journalismus kam es plötzlich auf das Auge, auf die Perspektive und auf das Vor-Ort-Sein an &#8211; und das Resultat wurde noch dampfend den Lesern serviert. Anstelle gut abgehangener und verdauungsförderlicher Betrachtungen bspw. über den &#8216;Wandel des liberalen Gedankens als Folge der Marokkokrise&#8217;. Nun dominierten für einige Jahre in allen Redaktionen die &#8216;Pflastertreter&#8217; über die &#8216;Sesselpuper&#8217; &#8211; auch wenn das besagte Pflastertreten heutzutage oft genug darin besteht, als braver Pudel politischer Interessen sich im Café Einstein mit jenen mundgerechten Info-Häppchen füttern zu lassen, die man später in die Tastatur erbricht.</p>
<p>Kisch entwickelte sein Verfahren &#8211; so die Legende &#8211; als in Prag die Schittkauer Mühlen brannten. Eine Geschichte die bis heute <a href="http://www.zedelwerk.com/aufklaerung/das-dramatische-bewusstsein/2-reportage-und-unmittelbarkeit.html" target="_blank">in jedem Journalistik-Seminar</a> verwurstet wird, wenn es um das Thema publizistischer Wahrheit und Verantwortung geht. Kisch ist damals Volontär bei der &#8216;<em>Bohemia</em>&#8216;, noch ein wenig feucht hinter den Ohren, er wird wegen seines Stils aber schon von &#8216;den Frankfurtern&#8217; gelobt, also von der &#8216;Brandstwiete&#8217; jener Zeit, was ihm den blanken Neid seiner Prager Kollegen einträgt. Die lassen ihn daher gnadenlos auflaufen, als er verspätet am Brandort eintrifft. &#8220;<em>Irgendwelche Details</em>&#8220;, fragt er naiverweise einen anderen Reporter. Der zeigt auf die Flammen und sagt: &#8220;<em>Es brennt</em>&#8220;.</p>
<p>Auf solche Art abgeledert, kommt Kisch in die Redaktion zurück und er &#8216;erfindet&#8217; mangels Fakten seine erste Reportage, wo sich unter anderem zerlumpte Obdachlose mit gierigen Gesichtern um die Flammen drängen, es entsteht eine &#8220;Elendenkirchweih im Feuerschein&#8221;. Auf diese Art verlegt Kisch Dantes Inferno und die Angst vor dem sozialen Aufstand mitten hinein ins brave Prager Lesepublikum. Den Bürger gruselt&#8217;s &#8211; und Kisch heimst am nächsten Tag alles Lob für die beste Reportage ein, weil er etwas sah, was &#8211; begreiflicherweise &#8211; niemand anderes sah.</p>
<p>Diese Geschichte, die Kisch rückblickend in seinem Spätwerk, im <em>&#8216;Marktplatz der Sensationen</em>&#8216; aufdeckt, ist wiederum selbst hochartifiziell. Sich reflektierend schreibt Kisch:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Behandlung des Sujets birgt allerdings eine Alternative: Entweder man nimmt das Ereignis zum Ausgangspunkt für ein Phantasieprodukt (was ich getan), oder man bemüht sich, die Zusammenhänge und Details so zu ermitteln, daß das Ergebnis mindestens in gleichem Maße interessant ist wie das Phantasieprodukt (Ich hätte die Obdachlosenszene entdecken, nicht sie erfinden dürfen).&#8221;</p></blockquote>
<p>Eine Argumentation, die in ihrer Forderung nach &#8216;höherer Wahrheit&#8217; rührend hilflos wirkt: Denn dort, wo keine Obdachlosen anwesend waren, lassen sich nun mal schwer Obdachlose &#8216;entdecken&#8217;. Und wir wissen auch, dass Kisch sich mitnichten an diese, seine eigene Spätmaxime gehalten hat, er blieb ein grandioser Erfinder, unter anderem ist nämlich auch diese Geschichte, wie er einst den Brand der Schittkauer Mühlen erfand, zu einem Gutteil wiederum aus den Tatzen gelutscht. Kisch ist gewissermaßen das beste Beispiel dafür, dass alle Realität, die überzeugend wirkt, ein Konstrukt sein müsse.</p>
<p>Wieder und wieder hat Kisch seine Geschichten für die Buchausgaben umgeschrieben, bis kein Stein mehr auf dem anderen stand. Seine Sozialreportagen wurden so lange glatt recherchiert, bis hinten mit tödlicher Sicherheit der siegreiche Kommunismus herauskam. Und auch die Figur des &#8216;rasenden Reporters&#8217;, der rastlos durch die Straßen schleicht, immer auf der Jagd nach der Geschichte, die ist schlicht ein Märchen. Denn Kisch war in Wirklichkeit der Typus des bequemen, sinnenfrohen, leicht korpulenten Genussmenschen, der fünfe gerne gerade sein ließ. Er war nun mal kein abgehetztes HDA-Kind auf Ritalin. Schreiben allerdings, schreiben konnte der Mann &#8230;</p>
<p>Wozu es führt, wenn man bloß die nackte Wahrheit schreibt, dass hat Kisch selbst im erwähnten Artikel näher ausgeführt. Blanke Irrelevanz und Langeweile sind die Folge des Faktischen &#8211; und der Wahrheit kommt an ihrer Hand niemand einen Schritt näher. Helmut Markworts Forderung nach &#8216;Fakten, Fakten; Fakten!&#8217; erweist sich geradezu als das Gegenteil dessen, was eine gute Reportage ausmacht:</p>
<blockquote><p>&#8220;Was die anderen Reporter auf dem Brandplatz erfahren hatten, erfuhr ich heute aus ihren Blättern. Sie hatten alle Details erhoben, die mir verschlossen waren. &#8230; Nach einigen Berichten war das Feuer um acht Uhr sechzehn abends von einer in der Nähe wohnenden Metzgersgattin entdeckt worden, nach anderen Berichten Schlag neun Uhr abends von einem zufällig des Weges kommenden Bauern aus Südböhmen. Laut &#8216;Nationalzeitung&#8217; war es die Löschmannschaft der Vorstadt Karolinenthal, die mit dem Spritzenmeister Soundso und zwei dreispännigen Dampfspritzen zuerst an der Brandstelle eintraf; der &#8216;Volksgemeinschaft&#8217; zufolge aber war die Feuerwache Sokolstraße mit der neuen automatischen Feuerleiter als erste zur Stelle gewesen. &#8230; In den meisten Blättern stand, der Brand sei auf dem ebenerdigen Schüttboden ausgebrochen, der bleiche Schnüffeles vom &#8216;Prager Tagblatt&#8217; hatte jedoch erhoben, daß das Feuer im ersten Stockwerk mehr als eine Stunde lang gewütet und erst nachher die Räume im Parterre ergriffen habe&#8221;.</p></blockquote>
<p>Die einen sagen dies, die anderen sagen das &#8211; so nämlich sieht oft die Wahrheit in Wirklichkeit aus, zumindest dann, wenn man sich an die Fakten hält. Sie ist gewissermaßen ein ewig unerreichbares Ideal. Was Kisch angesichts dieses unausweichlichen Dilemmas propagiert, als Ahnvater aller Reporter, das sind so etwas wie &#8216;verantwortbare Geschichten aus der Realität&#8217;, geschrieben &#8220;mit logischer Phantasie&#8221; (auch das ein Begriff, den er prägte). Plausibilität und Möglichkeit wären demnach Maßstäbe, die an eine Reportage anzulegen wären. Gegenüber der heutigen Zeitungsrealität wäre damit schon viel erreicht. Denn die sieht längst anders aus als zu Kischs Zeiten. Kisch würde heute wohl gar nicht mehr gedruckt. <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/755/405533/text/" target="_blank">In den Worten Jakob Augsteins</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Reporter sind zu einem Luxus geworden, mit dem man immer weniger anzufangen weiß. Was die Zeitung für ihr Kerngeschäft hält, wird in den Ressorts für Politik und Nachrichten erledigt. Arbeitsteilung und Expertentum begünstigen eine Divergenz von Kenntnissen und Fähigkeiten: Wer Ahnung hat, kann nicht schreiben und wer schreiben kann, hat keine Ahnung.&#8221;</p></blockquote>
<p>So kommt es, dass die Blogosphäre zu einem Zufluchtsort der Reportage werden konnte &#8230;</p>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/05/10/reportage-ueber-boeses-tessin-gewinnt-egon-erwin-kisch-preis/">Reportage über "böses Tessin" gewinnt Egon-Erwin-Kisch-Preis</a></b><br /><font size="2">Herausragende journalistische Leistungen wurden Freitagabend in Hamburg mit dem <a href="http://medienlese.com/2008/05/10/henri-nannen-preis-2008-die-besten/">Henri-Nannen-Preis</a> gekürt. Wir analysieren, warum die "krasseste" Reportage zu Recht gewonnen hat und welche Geschichten außerdem erwähnt werden sollten. </font><font color="#aaa">(10. Mai 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/06/25/journalistenpreise-gewinne-gewinne-gewinne/">Journalistenpreise: Gewinne, Gewinne, Gewinne</a></b><br /><font size="2">Achtung, Einsendeschluss: Ein neues Internetportal listet Preise für Journalisten auf. Vom "Goldenen Igel" bis hin zu mehreren Tausend Euro für Berichte rund um Plastikgeld. </font><font color="#aaa">(25. Juni 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/02/23/zehn-regeln-fuer-angehende-musterpatrioten-mach-mir-den-matussek/">Zehn Regeln für angehende Musterpatrioten: Mach mir den Matussek!</a></b><br /><font size="2"> </font><font color="#aaa">(23. Februar 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sechsmal um den Blog: Diebe, Düsseldorf, Drehbücher</title>
		<link>http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/</link>
		<comments>http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 13:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[medienlese.com]]></category>
		<category><![CDATA[Medienspiegel]]></category>
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		<category><![CDATA[Sechsmal um den Blog]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum Blogs faszinierend und absolut lesenswert sind, zeigen wir regelmäßig in unseren kleinen Streifzügen durch die Blogosphäre: Sechs Blogs, die es zu entdecken lohnt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Warum Blogs faszinierend und absolut lesenswert sind, zeigen wir regelmäßig in unseren kleinen Streifzügen durch die Blogosphäre: Sechs Blogs, die es zu entdecken lohnt.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/germany-light-installation/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/duesseldorf200.jpg" width="200" height="200"  alt="Simuliertes Düsseldorf (Keystone)" align="left" hspace="5" vspace="5"/></a><strong>1. Rainer&#8217;sche Post:</strong> &#8220;<em>Ich danke herzlich für diese Informationen! Das ist es, was man anderswo lesen möchte, aber nicht zu lesen bekommt, nichtmal ansatzweise</em>&#8221; &#8211; hmmm, wo sich die Leser derart überschlagen, muss wohl eine Qualitätszeitung einen fundierten Bericht veröffentlicht haben? Nö, es ist nur <a href="http://www.rainersche-post.de/restderwelt/woanders/athen-von-bullen-und-malakas.php#more-1641" target="_blank">die Rainer&#8217;sche Post aus Düsseldorf</a>, die mit ihren Artikeln uns immer qualitative Antworten auf jene Frage gibt, weshalb der Old-School-Journalismus gegenüber dem Internet zurückbleibt. Beim Rainer, da leben eben die Texte, bei den anderen dagegen &#8230;</p>
<p><span id="more-6783"></span><strong>2. Weißgarnix:</strong> Schaut man sich derzeit die rechte Wirtschaftskompetenz an, wobei ich noch nicht einmal <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002147.html" target="_blank">diese berüchtigte Headline</a> der &#8216;<em>Weltwoche</em>&#8216; meine, sondern schlicht bspw. nur die aktuelle Ablehnung des Rettungspaketes für Detroit durch die Bush-Männer im amerikanischen Senat, dann fragen sich manche Leser verwirrt, ob es nicht ersatzweise auch jenseits all der ideologisch abgewirtschafteten <em>&#8216;Financial Times Deutschland&#8217;</em>-Nachtrompeter irgendwo eine linke Wirtschaftskompetenz geben könnte, die ersatzweise ebenfalls zu wissen vorgibt, wo Bartel den Most holt. So etwas gibt es durchaus &#8211; <a href="http://www.weissgarnix.de/" target="_blank">unter anderem dort</a>. Nur ist das, was diese beiden Weißgarnixe dort anstimmen, leider so gar nicht aufschwungskompatibel und hoffnungserweckend.</p>
<p><strong>3. Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn:</strong> Berufsblogs gefallen mir gut &#8211; allein schon deshalb, weil man Einblicke in fremde Lebenswelten erhält. Bei Bedarf lassen sich diese Leseerfahrungen später sogar verwursten, bspw. für Drehbücher oder Artikel. Das <a href="http://aci.blogg.de/" target="_blank">Blog über den Buchhändleralltag</a> ist ein solches Blog, das uns in den &#8216;Menschenzoo&#8217; des Kulturerwerbs führt &#8211; eine unterhaltsame Lektüre ist es noch dazu, allein schon wegen der schrillen Kundenanfragen: &#8220;<em>Meine Frau wünscht sich das Buch &gt;Schlechtes Koma&lt;. Irgendwas mit einer Ameise drauf. Weiß auch nicht, was der Quatsch sein soll.&#8221; &#8211;&gt; Wir schon. &gt;Mieses Karma&lt; von Safier.</em>&#8221;</p>
<p><strong>4. Erik, Wortjongleur:</strong> Erik Keller ist ein textgewandter Autor, vor allem wohl zu IT-Themen, wenn ich der Buchliste bei Amazon vertrauen darf. In diesem Blog spricht er aber nicht über IT-Technik, sondern über &#8216;narrative Themen&#8217;, über das Schreiben an und für sich. Eine unverzichtbare Kunst, die jeder gerade dann beherrschen sollte, wenn er diese Nerd-Themen abhandelt. Keller bespricht dabei alle möglichen Bücher, die sich mit dem Thema &#8216;Texten&#8217; beschäftigen und misst sie an seinem Alltag. &#8216;<a href="http://diskworld.com/" target="_blank">Erik, Wortjongleur</a>&#8216; ist gewissermaßen ein Muss für auf der gut sortierten Blogroll des gadget-affinen Netzbewohners. Täglich vorbeizuschauen lohnt sich allerdings nicht, die Abstände zwischen den Beiträgen liegen schon mal Wochen auseinander.</p>
<p><strong>5. Mumien, Analphabeten, Diebe:</strong> Schwer assoziativ geht&#8217;s zumeist beim mad-Blogger zu (<a href="http://mad.blogger.de/" target="_blank">&#8216;Mumien, Analphabeten, Diebe&#8217;</a>). Nach 30 Zeilen Wortantrieb hat man Seite an Seite mit dem Autor schon den Glykol-Skandal hinter sich, die Rust-Landung auf dem Roten Platz, den weiland Finanzminister Matthöfer und noch so allerlei. Die dahinmäandernde Irrelevanz behäbig vor sich hin funkender Synapsen wurde hier zum Prinzip erhoben. Mir gefällt&#8217;s. Wem nicht, der muss es ja nicht gucken &#8230;</p>
<p><strong>6. Meinungsmacherblog:</strong> Nur aus Kuriosität erwähne ich dieses Blog ehemals blitzblanker Netz-Ideologie, die heute schon dicke Patina aufweist. Während das Netz sich selbstverständlich immer noch weiterentwickelt &#8211; so tut es dies doch NICHT in Richtung auf die Lounge jener erwartungsfroher Netzpropheten, die dort bei einem Martini erwartungsfroh auf das ökonomische Heil aus dem Web 2.0 hofften. Damit hängt es vielleicht zusammen, dass <a href="http://www.meinungsmacherblog.de/" target="_blank">das Meinungsmacherblog</a> von Dr. Ansgar Zerfaß zuletzt am 4. November aktualisiert wurde, davor am 18. Juni. Ich jedenfalls entwickele Déjà-vu-Gefühle, lacht mich dort eine Headline an, die da lautet: &#8220;<em>Weblogs als Herausforderung für Kampagne, Marketing, PR und Medien</em>&#8220;. Ach ja, ach ja &#8211; <em>those were the days</em> &#8230; Oder: <em>Où sont les neiges d&#8217;antan</em>?</p>
<p>So – und schon hätten wir wieder mal sechs deutschsprachige Blogs mühelos auf unsere Perlenkette gezogen.<br />
<ul><li><a href="http://netzwertig.com/2008/04/03/sechsmal-um-den-blog/">Sechsmal um den Blog: Interessant, skurril, bekloppt</a> (3. April 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/05/12/sechsmal-um-den-blog-2/">Sechsmal um den Blog: Genie, Edelweiß und Wahnsinn</a> (12. Mai 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/07/12/sechsmal-um-den-blog-3/">Sechsmal um den Blog: Journalisten, saure Gurken und Lektoren</a> (12. Juli 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/08/20/sechsmal-um-den-blog-4/">Sechsmal um den Blog: Kirchensumpf, &#8216;adult language&#8217; und massive Phobien</a> (20. August 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/09/19/sechsmal-um-den-blog-5/">Sechsmal um den Blog: Der wachsende Dschungel</a> (19. September 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/10/13/sechsmal-um-den-blog-6/">Sechsmal um den Blog: Geld, Geld, Geld</a> (13. Oktober 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/11/11/sechsmal-um-den-blog-blog-is-back/">Sechsmal um den Blog: Blog is back</a> (11. November 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2008/12/13/sechsmal-um-den-blog-diebe-duesseldorf-drehbuecher/">Sechsmal um den Blog: Diebe, Düsseldorf, Drehbücher</a> (13. Dezember 2008)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2009/01/13/sechsmal-um-den-blog-reporter-vor-ort/">Sechsmal um den Blog: Reporter vor Ort</a> (13. Januar 2009)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2009/01/14/sechsmal-um-den-blog-gesammelte-rss-feeds/">Sechsmal um den Blog: Gesammelte RSS-Feeds</a> (14. Januar 2009)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2009/02/16/sechsmal-um-den-blog-sechs-zum-klicken/">Sechsmal um den Blog: Sechs zum Klicken</a> (16. Februar 2009)</li><li><a href="http://netzwertig.com/2009/03/27/gzd-sechsmal-um-den-blog/">Sechsmal um den Blog: Neues vom Kinderspielplatz</a> (27. März 2009)</li></ul>
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/11/11/sechsmal-um-den-blog-blog-is-back/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/11/ruhrgebiet110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/11/11/sechsmal-um-den-blog-blog-is-back/">Sechsmal um den Blog: Blog is back</a></b><br /><font size="2">Frauenversteher, Ruhrbarone, Blog-Blog: In dieser Folge unserer kleinen Blog-Schau geht es wieder höchst bunt und unfokussiert zu, so wie es der Blogosphäre am besten entspricht. </font><font color="#aaa">(11. November 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/10/13/sechsmal-um-den-blog-6/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/10/market110.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/10/13/sechsmal-um-den-blog-6/">Sechsmal um den Blog: Geld, Geld, Geld</a></b><br /><font size="2">Nicht die Blogs sind in der Krise, aber die Krise ist überall in den Blogs. Eine Zusammenstellung virtueller Klorollen, die sich mit dem derzeitigen Finanzdesaster auseinandersetzen. </font><font color="#aaa">(13. Oktober 2008)</font></td></tr><tr><td width="60"><a href="http://netzwertig.com/2008/09/19/sechsmal-um-den-blog-5/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/09/obst_neueste.jpg" height="55" width="55" border="0"></a></td><td><b><a href="http://netzwertig.com/2008/09/19/sechsmal-um-den-blog-5/">Sechsmal um den Blog: Der wachsende Dschungel</a></b><br /><font size="2">Markt, Sprache und Irland, Polemik und mehr - medienlese.com auf Entdeckungsreise in der Blogosphäre, auf der Suche nach den Früchten im Dschungel. </font><font color="#aaa">(19. September 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Neuer Journalismus: Offenheit macht verletzlich</title>
		<link>http://netzwertig.com/2008/12/09/neuer-journalismus-offenheit-macht-verletzlich/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 12:37:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meldungen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Rundschau]]></category>
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		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Rau, aber herzlich: Die Leser, einst unbekannte Wesen, kommentieren, mailen, bloggen zurück. Von Journalisten erwarten sie nichts weniger als Antworten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Rau, aber herzlich: Die Leser, einst unbekannte Wesen, kommentieren, mailen, bloggen zurück. Von Journalisten erwarten sie nichts weniger als Antworten.</h4>
<p><a href="http://netzwertig.com/2008/12/09/neuer-journalismus-offenheit-macht-verletzlich/schweiz-medien-weltwoche/"><img src="http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/12/weltwoche200.jpg" width="200" height="200"  alt="Weltwoche-Redaktion: Vorsicht, die Leser kommen (Keystone)" align="left" hspace="5" vspace="5"/></a>Als Thomas Knüwer und der <em>Handelsblatt</em>-Kollege Iwersen sich <a href="http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=1981" target="_blank">auf Indiskretion Ehrensache</a> in die Wolle kriegten, da &#8220;freute&#8221; sich keinesfalls <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2008/12/04/zur-freude-der-bloggerszene/" target="_blank">die gesamte Blogosphäre</a>, wie es die <em>Süddeutsche</em> mit etwas Häme vermeldete. Bei diesem verbalen Schlagabtausch zweier Journalisten machten die anwesenden Vertreter der Presse, die dort in den Kommentarspalten scharfen Senf fingerdick auf die Wurst schmierten, erstmals konkrete Erfahrungen mit der geheimnisvollen und sagenumwitterten Dialogstruktur des Netzes. Erfahrungen, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/thomas-knuewers-ende-der-debatte/" target="_blank">die allen ihren Kollegen demnächst bevorstehen</a> – zumindest dann, wenn sie auch nach der Printkrise noch im Geschäft sein wollen. Denn wer ins Netz gehen will, der muss auch Netzkultur lernen: When in Rome, do as the Romans do &#8230; <span id="more-6779"></span></p>
<p>Der Journalist steht dabei nicht länger als Nachtwächter, als Gatekeeper, warm und trocken unter dem Torbogen einer medial geschützten Öffentlichkeit, die an den Pöbel ihre täglichen oder wöchentlichen Bulletins verteilt. Er steht jetzt mitten auf dem Marktplatz unter Menschen – und er hat zu antworten, wenn er gefragt wird. Ziehen wir zur Illustration des Gemeinten ein anderes Beispiel heran. Daland Segler hatte sich in der <em>Frankfurter Rundschau</em> einer Blasphemie schuldig gemacht. Als typischer Netzallergiker hatte er <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/?em_cnt=1638837" target="_blank">gegen die neue Fehlertoleranz bei <em>Spiegel Online</em> gestänkert</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Man sehe sich nur einmal die Menge der Fehler auf der Web-Site an, die als Vorbild für ein journalistisches Web-Portal gilt: Spiegel Online. Das wäre im gedruckten Spiegel undenkbar.&#8221;</p></blockquote>
<p>Natürlich gab es dafür von den Vereinigten Brandtweeties prompt was auf die Glocke. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,593950,00.html">Christian Stöcker antwortete als Sprecher des publizistischen Großunternehmens</a> auf die Majestätsbeleidigung dieses vorwitzigen Frankfurters, indem er ihm – zack! – den Zeigefinger umdrehte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Dass man auch ohne Zeitdruck Fehler machen und Stilblüten niederschreiben kann, zeigt der Printjournalist Segler selbst sehr anschaulich: In seinem Text erfindet er einen Superlativ des nicht steigerbaren Adjektivs &#8220;öffentlich&#8221;, in einem einzigen Absatz macht er zwei Kommafehler. Er geißelt die &#8220;Faktenhuberei&#8221; des Internets mit dem Satz: &#8220;Wer zum Beispiel von den Gräueln im Kongo nur Zahlen, Daten und Namen zur Kenntnis nimmt, der weiß gar nichts, weil er etwa die Geschichte des Völkermords zwischen den Stämmen der Hutu und Tutsi in Uganda vor Jahrzehnten fehlen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dass wiederum die Hutu und die Tutsi wohl kaum &#8220;in Uganda&#8221; sondern in Ruanda Völkermord begingen, dass dort vor allem die Hutu die Tutsi abmackelten und nicht umgekehrt, dass also die einzig wirklich gravierenden journalistischen Fehler bei all dieser Korinthen<del>ka</del>zählerei zweier professioneller Journalisten glatterdings übersehen wurden, dass sei an dieser Stelle beiden mal geschenkt. Sonst muss ich mich bloß wieder als einen hirnlosen Blogger bezeichnen lassen, der aus schierem Hass an Deutschlands Qualitätsjournalisten notorisch kein gutes Haar lasse.</p>
<p>Viel wichtiger ist das, was daraufhin dort beim <em>Spiegel</em> in den Leserkommentarspalten aufblühte &#8211; und was allen Journalisten einen Vorgeschmack gibt auf jene publizistische Welt, die sie künftig erwartet. Der real existierende Journalismus stand plötzlich vor Gericht – die Leser erläuterten den Herren des gedruckten Worts, weshalb es in ihren Augen eigentlich zur Printkrise gekommen sei. Sogar einigermaßen sachlich. <a href="http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=5751&amp;page=2" target="_blank">Ein Beispiel &#8211; da schreibt der Leser jot-we (2.12., 17:08)</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Heute möchte man sagen: &#8220;Was macht der Journalismus? Der Journalismus giert nach Klicks!&#8221; Das ist dann eine einfache Rechnung: je mehr Klicks, desto mehr Werbung und Gewinn. Und wie kriegt man die vielen Klicks? Indem man das Niveau senkt, klar. (Wie das journalistische IT-Flaggschiff SPON beispielsweise: eine göttliche Nichtmeldung wie &#8220;Axl Rose seit Wochen verschwunden&#8221; steigert wahrscheinlich das Werbeeinkommen um mehrere Promille &#8230;). Dass SPON nun weiss Gott nicht für Qualitätsjournalismus steht, wird sicherlich niemanden überraschen. Aber die moralische Rückversicherung des Christian Stöcker für Tun &amp; Treiben ausgerechnet bei Rupert Murdoch zu finden, das hat mir dann doch ganz besonders gut gefallen!&#8221;</p></blockquote>
<p>So geht es seitenweise weiter mit dieser kostenlosen Redakteursberatung durch den Kunden selbst. Hätte der <em>Spiegel</em> ein funktionierendes Beschwerdemanagement, dann ließe sich aus solchen und ähnlichen Kommentaren glatt eine neue Unternehmensstrategie destillieren, in der allerdings dann Vokabeln wie &#8220;Ruder herumwerfen&#8221; schon manchmal vorkommen sollten. Ab und zu wäre auch der eine oder andere verantwortliche Journalist vonnöten, der tatsächlich diesen hilfswilligen Lesern antwortet.</p>
<p>Als ein Spiel namens &#8220;Journalisten schreiben – Leser reden darüber – Redakteure antworten&#8221; wäre das dann ein wirklicher Dialog – als Fingerübung für die Zukunft nicht schlecht. Denn ihr dialogisches Defizit müssen alle Journalisten rasch aufarbeiten, sie sind verletzlich geworden, sie haben ihrem Publikum künftig nur noch einen besseren Stil und damit – nolens volens – vielleicht die wirkungsvolleren Argumente voraus. Das neue Publikum will von Journalisten aber Antworten haben, zum Beispiel, wie die überhaupt zu ihren mehr oder minder verqueren Ansichten kamen. Nur wer das erläutern kann, der wird auch Leser binden.</p>
<p>Anders ausgedrückt: Journalisten reden künftig mit ihren Lesern über ihre Arbeit – oder sie reden schon bald mit ihrem Arbeitsberater! Wie dieser Dialog wiederum funktionieren könnte, ohne dass man journalistengleich mit dem Mors voran in die Schimpfwortkiste springt, dafür bieten Blogs seit Jahren eine unerschöpfliche Anschauungsbasis. Rau, aber herzlich ist dort üblicherweise der Ton, Mimosen und Narzissen waren im sozialen Netz schon immer fehl am Platz. Übrigens auch gewisse Journalisten, die, wenn sie sich denn mal zu Wort meldeten, nur entnervt herumbölken konnten wie der Ochs vorm Berg – siehe <a href="http://netzwertig.com/2007/12/08/bernd-graff-oder-die-angst-des-torwaechters-vor-dem-abpfiff/">Graff</a>, <a href="http://netzwertig.com/2007/12/26/joerges-im-zauberreich-der-alphajournalisten/">Jörges</a> und Co.
<p><small>Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.</small></p>
<br /><table width="100%" cellspacing="0"><tr><td><b><u>Verwandte Artikel</u></b></td></tr><tr><td><table cellspacing="2" cellpadding="0" bgcolor="#ffffff" width="100%"><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/03/25/wir-haben-uns-vertan/">Wir haben uns vertan</a></b><br /><font size="2"><em>Wired</em> hat sich grundlegend geirrt &ndash; und gibt die falsche Einschätzung heute, mehr als zehn Jahre später, unumwunden zu: "We Were Wrong". Leider ist so eine transparente und ehrliche Berichterstattung noch die Ausnahme. </font><font color="#aaa">(25. März 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/02/12/multimediales-rechercheportal-spiegel-wills-wissen/">Multimediales Rechercheportal: Spiegel will's wissen</a></b><br /><font size="2">Der <em>Spiegel</em> stellt ab sofort sein komplettes Archiv kostenlos im Internet <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/start/home.html">zur Verfügung</a>. Dies gilt für sämtliche <em>Spiegel-Online</em>- und <em>Spiegel</em>-Artikel ab <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/inhalt/0,1518,221819,00.html">der ersten Ausgabe</a>. </font><font color="#aaa">(12. Februar 2008)</font></td></tr><tr><td colspan="2"><b><a href="http://netzwertig.com/2008/01/24/spiegel-verlag-verhaengnisvolle-affaeren-und-machtvolle-mitarbeiter/">Spiegel-Verlag: Verhängnisvolle Affären und machtvolle Mitarbeiter</a></b><br /><font size="2"> </font><font color="#aaa">(24. Januar 2008)</font></td></tr></table></td></tr></table><br /><p><small>ANZEIGE</small><br /><a href="http://jobs.netzwertig.com/add/" target="_blank"><img src="http://jobs.netzwertig.com/wp-content/uploads/2009/09/jobboard_feedfooter.png"></a></p>]]></content:encoded>
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