Jürgen Vielmeier

Jürgen wuchs in einer Kleinstadt im nordwestdeutschen Regenwald (Emsland) auf und machte erste Gehversuche am Computer mit dem C64, auf dem er kleine Programme schrieb und tagelang “Microprose Soccer”, “Sim City” oder “Defender of the Crown” spielte. Schon als Kind träumte er von Kaufhausautomaten, mit denen er sich seine Lieblingslieder auf Kassette herunterladen konnte – weil er es nicht einsah, sich für nur einen tollen Song ganze LPs zu kaufen. Jahre später erfüllten ihm Napster, iTunes und Spotify diesen Kindheitstraum auf nie erahnte Art und Weise.

Jürgen ist nicht immer leicht von einer neuen Sache zu überzeugen, aber wenn er sich für eine Erfindung erst einmal begeistert hat, gibt er sie nicht mehr her. So wie einst seinen Walkman mit Autoreverse und Anti-Schock, in den 90ern seinen Skyper und heute Smartphones verschiedener Couleur.

Nach der Schule und einer Lehre zum Industriekaufmann fand er doch noch seine Bestimmung und studierte Technikjournalismus, zog ins Rheinland und mag es bis auf Kurztrips vor allem nach Asien seitdem nicht mehr verlassen. Jürgen wartet seit Jahren auf das Überall-Breitband und gibt die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages eine Software seine Steuererklärung mit einem simplen Knopfdruck erledigt.

Privat bloggt Jürgen auf juergenvielmeier.de.

 

Alle 116 Artikel von Jürgen Vielmeier auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Nach dem 200-Millionen Exit für Sociomantic:
Verkauft sich die Berliner Startup-Szene unter Wert?

Die Berliner Startup-Szene feiert den Mega-Exit, auf den sie so lange gewartet hat: Für bis zu 200 Millionen US-Dollar soll Sociomantic den Besitzer gewechselt haben. Gemessen an Umsatzzahlen und der internationalen Aufstellung wäre das ein Schnäppchen.

Mit an Sicherheit grenzender Vorsicht meldete das US-Techblog Business Insider Ende vergangener Woche, dass die britische Tesco-Tochter Dunnhumby das Berliner Startup Sociomantic übernommen habe. Mehrere Quellen, allerdings keine aus den beiden Unternehmen selbst, hätten dies bestätigt. 175 bis 200 Millionen US-Dollar würde der Kaufpreis demnach betragen.

Auch wenn dies der teuerste Exit eines Berliner Startups bisher wäre, klingt dieser Übernahmepreis fast ein wenig enttäuschend angesichts von 100 Millionen US-Dollar Umsatz, die Sociomantic nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr eingefahren hat. Angesichts fehlender Erfolgsbeispiele könnten sich einige Startups der pulsierenden Metropole Berlin unter Wert verkaufen. » weiterlesen

Neues Dokumenten-Startup:
Organize.me will alles besser machen als Doo

Nur Tage, nachdem die Dokumenten-App Doo ihren Rückzug erklärt hat, startet unter dem Dach von Tomorrow Focus ein neues Startup mit der gleichen Idee. Doch ob unfreiwillig oder nicht: Organize.me präsentiert sich organisatorisch offener als das Gegenteil von Doo.

Das Timing überrascht: Am späten Freitagnachmittag vergangener Woche strich Doo die Segel. Gut 7 Millionen Euro Investitionskapital haben für die Bonner nicht gereicht, um mehr als 300.000 Nutzer von der Notwendigkeit der Dokumenten-App zu überzeugen. Nur drei Tage später meldet Focus Online überraschend den Start eines neuen Dokumenten-Startups, das von der eigenen Konzernmutter herausgegeben wird: Unter dem Dach der Tomorrow Focus AG versucht Organize.me sein Glück.

Die App will das papierlose Büro auf den Weg bringen, der zentrale Speicher für alle Dokumente sein, elektronische wie papierne Dokumente via automatischer Integration und Scan in einer Ablage integrieren, logisch vertaggen und durchsuchbar machen. Wollte Doo nicht genau das auch? Ja, und doch könnten die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. » weiterlesen

Ende des Traums vom papierlosen Büro:
Doo gibt auf und startet neu

Das Bonner Dokumenten-Startup Doo hat heute Nachmittag das Ende vom bisherigen Geschäftskonzept und gleichzeitig einen Neustart angekündigt. Mit der Idee eines strukturierten Dokumenten-Systems zur Aufbewahrung ist man, wie alle Player auf dem Markt, gescheitert.

Verabschiedung und Neuanfang von Doo

Verabschiedung und Neuanfang von Doo

Sie waren einst angetreten, um das papierlose Büro wahr werden zu lassen, doch mittlerweile zeigt sich, dass keins der zuletzt mit dieser Mission angetretenen deutschen Startups mit dieser Vision Erfolg hatte. Zumindest nicht im ersten Schritt. Smarchive benannte sich in Gini um, brachte erst drei Jahre nach dem Start eine schlankere App heraus und will sich nun auf ein eigenes Ökosystem konzentrieren. Doctape startete als Dropbox-Alternative mit automatischer Medienkonvertierung neu. Um fileee wurde es zuletzt ruhig und auch Doo hat jetzt die Notbremse gezogen.

In einer Mail, die das Bonner Startup heute verschickte, kündigte das Team um die drei Gründer Frank Thelen, Marc Sieberger und Alex Koch den Abschied von der Dokumenten-App ab. Allerdings nicht vom Startup-Business und auch nicht von Doo selbst. Das Unternehmen soll als Cloud-Lösung mit neuen Diensten weiter machen. Welche, das will man in den nächsten Wochen bekannt geben.
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Lirdy:
Ein unkonventionelles Foto-Startup, das einen zweiten Blick wert ist

Auf Lirdy können Freunde die Fotos eines gemeinsamen Events sehr einfach zusammentragen. Die App erstaunt mit traditionellen Eigenschaften: Die Aufnahme erfolgt über einen QR-Code, die Fotos gehören den Nutzern, die Server stehen in Deutschland, die App bietet einen Offline-Modus.

Für gewöhnlich schaltet man als Leser spätestens hier ab: noch ein Foto-Startup. Da gibt’s sicher nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Auch im Falle von Lirdy stimmt das natürlich: Die Idee, dass mehrere Freunde die Fotos einer gemeinsamen Veranstaltung auf einer Plattform sammeln, ist nicht neu. Aber warum hat sich dann immer noch kein Tool durchgesetzt, das sich für genau diesen Zweck eignet?

Geht es darum, die Fotos einer Party oder einer Hochzeit von allen Beteiligten zu sammeln, die Bildrechte nicht einem Social Network zu überlassen oder standardmäßig zu veröffentlichen, dann gehen einem die Optionen tatsächlich recht schnell aus. Das Startup Lirdy aus Berlin will diese eine Funktion erfüllen: gemeinsame Fotoalben, privat oder auf Wunsch öffentlich. Wer ein Album erstellt, behält die volle Kontrolle darüber, welche Bilder aufgenommen werden, die Bildrechte bleiben bei den Urhebern. » weiterlesen

Mobile Kontaktbörse Mbrace:
Die sympathische und entschärfte Form von Bang with Friends

Auf der mobilen Kontaktbörse Mbrace können Singles via Facebook-Profilen auf Partnersuche gehen. Das ist weder obszön wie bei Bang with Friends, noch demotivierend wie bei Elitepartner.

Partnerbörsen sind ein Thema, das uns in Zeiten des mobilen Internets, immer höherer Differenzierung bei der Partnerwahl und vielfältiger Ansätze weiterhin beschäftigt. Singles haben die Partnersuche in Social Networks wohl ebenso schon einmal ausprobiert wie in einer Singlebörse – mit denen ich im vergangenen Jahr mehr oder weniger abgerechnet habe.

Für Freunde der Partnersuche über Social Networks gibt es Badoo, den virtuellen Baggerschuppen, oder die umstrittene Facebook-App Bang with Friends (die aufgrund eines Markenrechtsstreits mit Zynga inzwischen “Down” heißt). Mein Kollege Martin Weigert ließ in seinem Review darüber den moralischen Aspekt außen vor, nannte das Konzept aber richtungweisend – und behielt damit Recht. Denn die US-App Tinder und die deutschen Adaption Mbrace machen mit weniger eindeutigen Absichten eben das: Verkuppeln von Facebook-Freunden. Auf den ersten Blick zumindest. » weiterlesen

Interview mit Gini-CEO Steffen Reitz:
“Es reicht nicht, der digitale Leitz-Ordner zu sein”

Seit gut drei Jahren arbeitet Gini am papierlosen Büro, erst kurz vor Weihnachten erschien die erste offizielle App der Münchner. Wir haben Gründer und CEO Steffen Reitz im Interview nach den Gründen und den Schwierigkeiten der digitalen Revolution gefragt.

Bereits vor einigen Jahren traten einige deutsche Startups an, das papierlose Büro zu verwirklichen und der analogen Welt Lebwohl zu sagen. Jahre später ist bei Doo, Fileee und Co. Ernüchterung eingekehrt. Und auch Gini – früher Smarchive – hatte mit Problemen zu kämpfen.

Doch das soll Schnee von gestern sein. Drei Jahre nach der Gründung ging mit Gini Pay für das iPhone die erste offizielle Apps der Münchner an den Start, mit der Deutschen Post hat man einen mächtigen Kooperationspartner gefunden und in Kürze soll die offene API an den Start gehen, mit denen Gini zum Ökosystem werden will. Gini-Mitgründer und CEO Steffen Reitz berichtet uns im Interview von den Schwierigkeiten, zu hohen Erwartungen und warum es trotzdem nie zu spät ist, an einer Idee mit Potenzial festzuhalten.
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Kooperation mit Facebook:
Fons zwielichtiger neuer Freund

Das weltumspannende Hotspot-Netzwerk Fon scharrt immer mehr Nutzer und Investoren um sich. Neue Kooperationen mit Facebook und Qualcomm könnten den endgültigen Durchbruch bedeuten – und bisherige Nutzer aufschrecken.

Der spanische Hotspot-Betreiber Fon hat im Rahmen der Medienkonferenz DLD in München eine neue Investitionsrunde und eine Kooperation mit Facebook bekannt gegeben. Vor allem letztere ist technisch interessant: Facebook-Nutzer können ihren Breitbandzugang mit nur einem Klick mit ihren Freunden teilen und Fon erweitert das eigene Netzwerk um Millionen neue Nutzer.

Der Nachteil: Facebook hätte dann praktisch Zugriff auf ebenso viele Routing-Daten, würde noch mehr über uns erfahren und könnte uns noch passendere Werbung anzeigen. Die neue Kooperation wirft einige Fragen auf. » weiterlesen

Zunehmende Kritik:
Warum Google die eigene Datensammelwut noch um die Ohren fliegen wird

Die Bevölkerung ist ob immer neuer Details über den NSA-Skandal beunruhigt, aber Chefdatensammler Google macht unbeeindruckt weiter. Das wird nicht mehr lange gut gehen.

Google hat in dieser Woche eigentlich nicht mehr getan als das vielversprechende Hardware-Startup Nest zu übernehmen. Jubel brach darüber außer beim den beteiligten Unternehmen und Investoren eigentlich nirgendwo aus. Nest-Kunden, technisch interessierte Bürger oder Journalisten meldeten ihre Sorgen über eine noch weiter gehende Überwachung an. Kritische Stimmen gab es dabei nicht nur in Deutschland, sondern vielfach auch in den USA, wo der NSA-Überwachungsskandal die Menschen bislang gefühlt nicht so sehr stört wie in Deutschland.

Und das ist bemerkenswert, zumal Nest direkt versprach, die Daten, die das Smart-Home-System sammle, stünden nur der Nest-Einheit selbst und keiner anderen Google-Division zur Verfügung. Google hat ein Image-Problem. Und sollte man drüben in Mountain View nicht langsam umdenken, dürfte sich das langfristig auch finanziell bemerkbar machen. » weiterlesen

Unbequemes Erfolgsrezept:
Warum aktuelle Technik es schwer macht, Veränderungen zu begrüßen

Erfolgreiche Menschen begrüßen Veränderungen, statt sich dagegen zu wehren. Schwer machen dies solche technische Entwicklungen, die viele Ressourcen kosten oder mit Nachteilen behaftet sind.

Vor einigen Tagen sah ich auf Facebook eine interessante Grafik, die vermutlich schon ein wenig älter ist, mir aber noch nicht bekannt war: der Unterschied zwischen erfolgreichen und erfolglosen Menschen. Darin zählte der Autor einige Argumente auf. Erfolglose Menschen kritisieren andere oder schlimmer noch, machen andere für die eigenen Probleme verantwortlich, sie überschätzen sich, haben Angst vor Veränderung. Erfolgreiche Menschen hingegen gönnen auch anderen Menschen den Erfolg, können vergeben, hören nie auf zu lernen und begrüßen Veränderung.

Ich halte das für einleuchtend – langfristig gesehen – und für schwierig. Der US-Psychologe Adam Grant etwa behauptet, dass Helfen nicht nur Freude bereitet, sondern auch erfolgreich macht, selbst wenn man selbstlos altruistisch ist. Als viel schwieriger empfinde ich es indes, technische Veränderungen zu begrüßen, die ganz offensichtliche Nachteile haben. Denn oft geht es erst einmal einen Schritt zurück, bevor es zwei nach vorne geht. Aktuelle persönliche Beispiele aus der Technikwelt verdeutlichen das. » weiterlesen

Verstörende TV-Serie Utopia:
Fürchtet euch vor der totalen Überwachung!

Eine britische TV-Serie konkretisiert die noch abstrakt scheinende Gefahr der totalen Überwachung an erschreckenden Beispielen. Was Journalisten seit Monaten versuchen und nicht schaffen, könnte Film und Fernsehen gelingen: uns endlich wach zu rütteln.

Utopia

Utopia

Vergangenen Sommer wanderte ich für zwei Tage den Rotweinwanderweg im nahe gelegene Ahrtal. Auf dem Weg kam ich zufällig am ehemaligen Regierungsbunker vorbei und entschloss mich spontan, in der dortigen Gedenkstätte an einer Führung teilzunehmen. Ein Historiker führte uns durch die stillgelegten Anlagen und schnitt scheinbar immer wieder wahllos geschichtliche Themen an. Als wir am ehemaligen Kino des Bunkers vorbei kamen, hing dort ein alter Filmplan, dort aufgelistet auch der Film “The Day After”.

“Das war ja der Film”, bemerkte der Historiker en passant, “der zur nuklearen Abrüstung geführt und zum Ende des Kalten Krieges beigetragen hat.” Auf meine erstaunte Nachfrage, wie das denn genau passiert sei, beschrieb der Leiter, der damalige US-Präsident Ronald Reagan habe sich den abschreckenden Film 1983 zusammen mit seiner Frau angesehen und sei danach in seiner Politik komplett umgeschwenkt. Statt bis dahin um eine Abschreckung mit Atomwaffen, habe er sich fortan um eine Annäherung zur Sowjetunion und um eine Entspannungspolitik bemüht. Auslöser war der Film.

Nicht erst seitdem denke ich viel darüber nach, ob eindringliche Filme die Bevölkerung und schließlich auch die Politik beeinflussen können. Aber welcher Film wäre das wohl, der uns heute angesichts des längst realen Problems der totalen Überwachung aufrütteln könnte? Vielleicht wäre es kein Film, sondern eine Serie. » weiterlesen