Jan Tißler

Jan Tißler ist leitender Redakteur von der netzwertig.com-Schwesterpublikation neuerdings.com. Von Zeit zu Zeit liefert der Fachjournalist auch bei netzwertig.com einen kompetenten Blick auf Trends und Entwicklungen der Internetwirtschaft.

Der gebürtige Hamburger hat seine ersten Schritte im Journalismus 1994 als Lokalreporter in Westmecklenburg gemacht und möchte diese Zeit nie missen. Als er 1997 aber auf das WWW traf, war’s um ihn geschehen. Hier gab es Neues zu entdecken. Da musste er hin.

Nach seinem Volontariat hat er ab 1999 als Online-Redakteur gearbeitet, zudem als freier Journalist rund um Internet- und Technikthemen. Daneben hat er verschiedene Blogs und andere Webprojekte gestartet, sowie Bücher veröffentlicht und Lesungen veranstaltet. Bevor er als Leitender Redakteur zu neuerdings.com kam, war er von 2008 bis 2012 als Redaktionsleiter für die Website des t3n Magazins zuständig und hat den wöchentlichen Videopodcast «TechnikLOAD» co-moderiert.

Wer noch mehr wissen möchte: Eine Übersicht zu seinen privaten und beruflichen Profilen im Netz findet sich unter jati.de.

 

Alle 40 Artikel von Jan Tißler auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Google Inbox:
Wenn dein E-Mail-Programm zum hilfreichen Assistenten wird

„Google Inbox“ will das vielgenutzte aber oftmals ungeliebte Kommunikationstool E-Mail in ein neues Zeitalter führen. Dazu nehmen die Macher Informationen aus mehreren Quellen, extrahieren das Wichtigste und führen es auf schlaue Weise zusammen. Am Ende kommt ein virtueller Assistent heraus. Erste Nutzer zeigen sich begeistert.

google-inboxAls die Grundlagen für unser heutiges E-Mail-System gelegt wurden, hatten die Köpfe hinter Protokollen wie SMTP, POP oder IMAP wohl kaum auf dem Schirm, wie intensiv wir dieses Mittel heute nutzen würden. Kein Wunder also, dass immer wieder Dienste versuchen, die E-Mail neu zu erfinden oder zumindest entscheidend zu verbessern. Neuester Zugang: Google. Teile des Gmail-Teams haben gut zwei Jahre lang an dem gearbeitet, was nun unter dem schlichten Namen „Google Inbox“ vorgestellt wurde. Das folgende Werbevideo soll uns das neue Werkzeug mit flotter Musik und schönen Menschen schmackhaft machen: » weiterlesen

Musikstreaming:
Der Preiskampf von Spotify und Apple ist eine gute Nachricht für Musik

Mit dem nun angekündigten „Familientarif“ senkt Spotify de facto seine Preise. Von Apple ist derweil zu hören, dass sie den Monatstarif für ihren angekauften Dienst „Beats Music“ halbieren wollen – dem müssen allerdings die Musiklabels zustimmen. Was wie ein harter Preiskampf aussieht, ist in Wirklichkeit eine notwendige Korrektur.

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Seit vielen Jahrzehnten ist die Musikindustrie bestens im Geschäft als Mittler zwischen Musikern und Publikum. Technischer Wandel hat diese Position bislang nie entscheidend gefährdet. Im Gegenteil: Die CD hatte ihr im Jahr 1999 gar das bisherige Allzeithoch bei den Einnahmen beschert. Damals konnte sie eine saftige Preiserhöhung pro Album im Vergleich zu Musikkassette und Schallplatte bei den Kunden durchsetzen.

Mit dem Aufkommen von Onlinetauschbörsen à la Napster schien es dann zunächst so, als würde Musik entwertet und der Song an sich keinen Wert mehr haben – war doch der Vertrieb digitaler Dateien zu einem Preis nahe Null zu haben. Musik ließ sich mit einem Mal verlustfrei vervielfältigen sowie nahezu unbegrenzt vertreiben und wurde damit allgegenwärtig.

Und tatsächlich: Die Einnahmen sinken seitdem kontinuierlich. Trotzdem hat es die Musikindustrie einfacher mit dem Medienwandel als andere, denn immerhin hat sie bereits neue Vertriebsmodelle parat: zunächst den Download, inzwischen das Streaming. Während sich journalistische Inhalte online heutzutage fast nur über Werbung refinanzieren lassen, gibt es also erfolgreiche Bezahlmodelle für Musik im Netz. » weiterlesen

Medium.com:
Ein Ausblick auf die Zukunft des Magazins

Medium.com ist eine elegante Plattform, um Langform-Inhalte zu veröffentlichen und zu entdecken. Das Potenzial ist zugleich erheblich größer: Die Seite gibt einen Vorgeschmack darauf, wie Magazine in Zukunft aussehen könnten. Sie gibt anspruchsvollen Geschichten einen passenden Rahmen und eine dringend benötigte Bühne.

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Das von den Twitter-Gründern Evan Williams und Biz Stone gestartete Projekt Medium.com hat mich lange Zeit ratlos zurückgelassen. Eine wichtige Frage blieb stets offen: Was will es eigentlich sein? Ist es ein Social Network für Vielschreiber? Ist es eine besonders schöne Bloggingplattform? Oder ist es am Ende doch etwas ganz anderes?

Bisweilen hatte ich das Gefühl, dass die Macher die Antwort darauf selbst nicht wussten. Aber das muss nichts Schlechtes sein, im Gegenteil: Das ist letztlich, was Twitter groß gemacht hat. Denn der an sich simple Dienst wurde in den ersten Jahren federführend von seinen Nutzern weiterentwickelt. Sie fanden neue Möglichkeiten, ihn zu nutzen und sie erfanden Dinge wie Hashtags oder Retweets. Twitter reagierte jeweils darauf und integrierte diese Features (mal mehr, mal weniger elegant) offiziell in die Seite. Ganz ähnlich wird Medium.com Schritt für Schritt erweitert und manchmal auch der Kurs korrigiert.

Inzwischen sehe ich in Medium.com das spannende Experiment, einen Platz für anspruchsvolle Inhalte im Netz zu schaffen und eine Vorschau auf das Magazin der Zukunft zu geben. Wie ich darauf komme, möchte ich folgend erklären. » weiterlesen

The Physical Web:
Wie Google dem Internet der Dinge auf die Sprünge helfen will

Orte und Gegenstände sollen Teil des Webs werden, aber noch sind viele Fragen rund um diese Idee offen. Mit dem Projekt „The Physical Web“ will Google nun einige davon beantworten und einen offenen Standard schaffen.

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Eine Szene aus einer nicht allzu fernen Zukunft: Man nähert sich einer Bushaltestelle und das eigene Smartphone empfängt automatisch ein Signal mit einer eindeutigen ID. Sofort ist abrufbar, wann die nächsten Busse kommen – ohne dass man als Nutzer erst die Website oder die App des Busunternehmens aufrufen müsste, um dann dort nach der Haltestelle oder einem Echtzeit-Fahrplan zu suchen. Man muss auch keinen QR-Code einscannen oder auf andere Weise aktiv werden. Die Information ist einfach da. Andere Beispiele: Ein Carsharing-Fahrzeug identifiziert sich selbst und man kann es mit einem einzigen Tap buchen. Oder man hat die Angebote der Woche auf seinem Handy, sobald man ein Ladengeschäft betritt.

Möglich wird das mit „Beacons“, einer Form der so genannten Location-Based Trigger (LBT). Diese Beacons sind im Prinzip kleine Sender, die laufend ein bestimmtes Datenpaket senden, beispielsweise eine eindeutige ID. Ein Smartphone kann das empfangen und dann weiterverwerten. Die dafür notwendigen Technologien sind bereits vorhanden: Zum Senden der Information lässt sich beispielsweise die stromsparende Funktechnik Bluetooth Low Energy einsetzen. » weiterlesen

Google Glass:
Warum die ambitionierte Datenbrille zu scheitern droht

Um die einst heiß diskutierte Datenbrille Google Glass ist es in den letzten Monaten auffallend ruhig geworden. Es drängt sich der Verdacht auf: Das Unternehmen war mit seiner Idee etliche Jahre zu früh. Auch bei der Umsetzung gab es einige Probleme. Eine Bestandsaufnahme.

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Etwas mehr als zweieinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass Google sein „Project Glass“ der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Eine lange Zeitspanne, in der die Idee erst bejubelt wurde, dann viel Kritik bekam, sich letztlich Enttäuschung verbreitete – bis nun weitgehend Stille eingekehrt ist. Nur allzu deutlich wurde das auf der Keynote zur hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O in diesem Jahr: In zweieinhalb Stunden kam Google Glass nicht ein einziges Mal vor. Selbst im Zusammenhang mit Android Wear wurde es nicht erwähnt. Noch zwei Jahre zuvor hatte eine so aufwändige wie letztlich inhaltsleere Google-Glass-Demo diese Keynote beherrscht.

Weiteres Indiz: Nachdem die ersten Exemplare der sündhaft teuren „Google Glass Explorer Edition“ erhältlich gewesen waren, hatte man das Gerät zumindest in der Techcommunity laufend gesehen. Auch in San Francisco war es nicht ungewöhnlich, auf offener Straße Google Glass-Trägern zu begegnen. Inzwischen aber ist die Datenbrille auch in der Westküsten-Metropole praktisch aus dem Stadtbild verschwundn. Fast unnötig zu erwähnen, dass kein Google-Mitarbeiter auf der Google-I/O-Bühne das Gerät im Gesicht hatte. » weiterlesen

Dringend gesucht:
Alternativen zur Werbefinanzierung

Mit kostenlos angebotenen Diensten und Informationen kann man zwar schnell viel Reichweite erzielen. Doch zunehmend dämmert Nutzern und Lesern, welche Nachteile das mit sich bringt. Es wird Zeit, dass es mehr Experimente mit Alternativen gibt.

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„Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Diesen Fehler werden wir nicht korrigieren können.“ So hatte sich vor nun über fünf Jahren „Bild“-Chef Kai Diekmann geäußert. Was er damit meinte: Er und seine Kollegen hatten ihre Inhalte über Jahre hinweg freiwillig an die Leser verschenkt und bekamen das nicht so einfach wieder zurückgedreht.

Lange Zeit galt  „kostenlos“ als der beste Preis im Netz. Der Grund: Man kann darüber Reichweite erzielen, die dann im Nachhinein in Geld verwandelt werden soll. Werbebanner sind hier vielfach das Mittel der Wahl, oftmals ausgeliefert über große Werbevermarkter. Das funktioniert zwar bisweilen gut. Inzwischen macht sich aber die Erkenntnis breit: Das gilt nur für eine beschränkte Zahl an Angeboten und für bestimmte Formen von Diensten und Inhalten – ob es nun um Nachrichten, Social Networks oder Apps geht. Auch die Nutzer merken: Es ist zwar erst einmal eine schöne Sache, etwas geschenkt zu bekommen. Nur gibt es dafür stets einen Haken.  » weiterlesen

Crowdfunding:
Die Plattformen müssen ihre Nutzer besser schützen

Kickstarter, Indiegogo und andere bieten faszinierende Chancen für Gründer, sind aber ebenso Bühne für Betrug und Selbstüberschätzung. Die Plattformen tun bislang zu wenig, um ihre Nutzer zu schützen.

Startseite von Indiegogo

Startseite von Indiegogo

 

Indiegogo und Kickstarter haben das Prinzip Crowdfunding groß gemacht: Es sind Plattformen, bei denen Erfinder und Gründungswillige auf Unterstützer, Geldgeber und potenzielle Kunden treffen. Das Prinzip: Die Macher stellen ihre Projektidee vor und bitten bei den Nutzern um Geld. Diese bekommen im Gegenzug eine Belohnung, bei Hardware-Projekten wird oftmals das fertige Gerät zu einem Sonderpreis und vor dem offiziellen Marktstart versprochen.

Es gibt in diesem Bereich Erfolge wie die Pebble Smartwatch, aber auch etliche Projekte, die niemals ihre Versprechen erfüllen konnten. Manchmal hatten die Gründer den Mund zu voll genommen, manchmal haben sie sich verkalkuliert, manchmal spielte ihnen ein unvorhergesehenes technisches Problem einen Streich und manchmal hatten sie vielleicht niemals vor, wirklich ein Produkt auszuliefern. » weiterlesen

Digital-Journalismus:
Der Irrweg „Multimedia-Reportage“

So manches Nachrichtenangebot experimentiert mit multimedialen Darstellungsformen. Das ist zwar schön und gut, aber kein Allheilmittel. Oftmals ist es sogar kontraproduktiv.

Schön anzusehen, aber unbequem zu lesen: Multimedia-Spezial der Seite „The Verge“.

Schön anzusehen, aber unbequem zu lesen: Multimedia-Spezial der Seite „The Verge“.

 

Gerade las ich über das Startup „deepr“: Es will eine Mischung aus Crowdfunding und Bezahlschranke für besondere journalistische Inhalte sein. Autorinnen und Autoren können hier ihre Ideen der Öffentlichkeit anbieten und vorab eine Bezahlung dafür bekommen. Kommt die Finanzierung zustande, machen sie sich an die Arbeit und die Unterstützer können dann das Ergebnis abrufen. Auch danach bleiben die Inhalte kostenpflichtig.

Die Idee an sich gefällt mir, denn wie andernorts gelesen: Nicht der Journalismus steckt in Zeiten des Medienwandels in der Krise, sondern seine bisherigen Geschäftsmodelle.

Klassische Angebote wie beispielsweise gedruckte Magazine haben in vielen Bereichen sinkende Auflagen zu beklagen, Tageszeitungen sowieso. Sie verdienen zwar noch immer gutes Geld, aber zu schrumpfen ist eben ein schmerzhafter und äußerst schwieriger Prozess. Zumal noch nicht abzusehen ist, auf welchem Niveau sich z.B. der Markt für gedruckte Medien am Ende einpendeln wird.  » weiterlesen

Nachrichten-Anwendung niiu:
Alte News in neuer App

“Alle für Sie relevanten News in einer iPad-App” verspricht das Berliner Unternehmen niiu und kann das kaum einlösen. Es versucht sich an dem Spagat, Print-Inhalte in die digitale Welt zu überführen.

Screenshot der niiu-App

Screenshot der niiu-App

Als niiu vor sieben Jahren an den Start ging, war die Grundidee eine individualisierte, gedruckte Tageszeitung. Bei allem Enthusiasmus für die Vorteile und Möglichkeiten digitaler Medien, hat das Medium Papier seine Fans und seine ganz eigenen Vorzüge. Insofern hätte niiu zu einer modernisierten Form der Zeitung werden können, aber die praktischen Probleme bei der Umsetzung der Idee waren dann offenbar doch zu groß: Die Printversion wurde letztlich eingestellt, stattdessen setzte man auf den Hoffnungsträger iPad. Die niiu-App soll das Beste aus klassischer Zeitungs- und Zeitschriftenwelt mit dem digitalen Universum des Tablets zusammenbringen und ist jetzt, unterstützt durch eine frische Finanzierungsrunde für das Startup, in einer neuen Version erschienen. Es gibt dafür sogar ein nachvollziehbares Geschäftsmodell: 12,99 Euro pro Monat sollen die Leser für diesen Service zahlen. niiu wiederum zahlt Lizenzen an die teilnehmenden Verlage. » weiterlesen

Social Networks:
Google+ braucht ein neues Konzept

Mit Google+ versucht Google seit über zwei Jahren, sich sein Standbein im Social Web zu schaffen. Das Konzept dahinter wirkt aber vielfach undurchsichtig. Es wäre an der Zeit, die bisherige Strategie zu überdenken.

PlusUm das gleich vorwegzuschicken: Ich bin ein intensiver Nutzer von Google+ und es ist mein persönlicher Lieblingsplatz im Social Web – so seltsam das auch für viele klingen mag. Facebook nutze ich ebenfalls, aber tatsächlich nur, weil viele nach wie vor dort zu finden sind. Abgesehen davon halte ich Facebook in jedem denkbaren Punkt für schlechter als Google+. Kurzum: Ich bin froh, eine gut funktionierende Alternative zu haben, die ohne Werbung auskommt und sich sehr gut in Android integriert. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es nun die bessere Wahl ist, sich so stark von Google abhängig zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.

Doch Google+ leidet aus meiner Sicht an einer entscheidenden Schwäche: Es hat ein Identitätsproblem. Man kann das Angebot zwar mit Facebook vergleichen, aber Google+ ist kein für sich stehendes Social Network. Es bietet im Prinzip eine Profilseite mit Social-Funktionen zum eigenen Google-Account. Die auch von Google selbst proklamierte Idee dahinter ist, alle Google-Angebote mit diesem “Social Layer” zu versehen und sie so miteinander zu verknüpfen. Richtig gut gelingt das allerdings bislang nicht. » weiterlesen