Jan Tißler

Jan Tißler ist leitender Redakteur von der netzwertig.com-Schwesterpublikation neuerdings.com. Von Zeit zu Zeit liefert der Fachjournalist auch bei netzwertig.com einen kompetenten Blick auf Trends und Entwicklungen der Internetwirtschaft.

Der gebürtige Hamburger hat seine ersten Schritte im Journalismus 1994 als Lokalreporter in Westmecklenburg gemacht und möchte diese Zeit nie missen. Als er 1997 aber auf das WWW traf, war’s um ihn geschehen. Hier gab es Neues zu entdecken. Da musste er hin.

Nach seinem Volontariat hat er ab 1999 als Online-Redakteur gearbeitet, zudem als freier Journalist rund um Internet- und Technikthemen. Daneben hat er verschiedene Blogs und andere Webprojekte gestartet, sowie Bücher veröffentlicht und Lesungen veranstaltet. Bevor er als Leitender Redakteur zu neuerdings.com kam, war er von 2008 bis 2012 als Redaktionsleiter für die Website des t3n Magazins zuständig und hat den wöchentlichen Videopodcast «TechnikLOAD» co-moderiert.

Wer noch mehr wissen möchte: Eine Übersicht zu seinen privaten und beruflichen Profilen im Netz findet sich unter jati.de.

 

Alle 32 Artikel von Jan Tißler auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Nachrichten-Anwendung niiu:
Alte News in neuer App

“Alle für Sie relevanten News in einer iPad-App” verspricht das Berliner Unternehmen niiu und kann das kaum einlösen. Es versucht sich an dem Spagat, Print-Inhalte in die digitale Welt zu überführen.

Screenshot der niiu-App

Screenshot der niiu-App

Als niiu vor sieben Jahren an den Start ging, war die Grundidee eine individualisierte, gedruckte Tageszeitung. Bei allem Enthusiasmus für die Vorteile und Möglichkeiten digitaler Medien, hat das Medium Papier seine Fans und seine ganz eigenen Vorzüge. Insofern hätte niiu zu einer modernisierten Form der Zeitung werden können, aber die praktischen Probleme bei der Umsetzung der Idee waren dann offenbar doch zu groß: Die Printversion wurde letztlich eingestellt, stattdessen setzte man auf den Hoffnungsträger iPad. Die niiu-App soll das Beste aus klassischer Zeitungs- und Zeitschriftenwelt mit dem digitalen Universum des Tablets zusammenbringen und ist jetzt, unterstützt durch eine frische Finanzierungsrunde für das Startup, in einer neuen Version erschienen. Es gibt dafür sogar ein nachvollziehbares Geschäftsmodell: 12,99 Euro pro Monat sollen die Leser für diesen Service zahlen. niiu wiederum zahlt Lizenzen an die teilnehmenden Verlage. » weiterlesen

Social Networks:
Google+ braucht ein neues Konzept

Mit Google+ versucht Google seit über zwei Jahren, sich sein Standbein im Social Web zu schaffen. Das Konzept dahinter wirkt aber vielfach undurchsichtig. Es wäre an der Zeit, die bisherige Strategie zu überdenken.

PlusUm das gleich vorwegzuschicken: Ich bin ein intensiver Nutzer von Google+ und es ist mein persönlicher Lieblingsplatz im Social Web – so seltsam das auch für viele klingen mag. Facebook nutze ich ebenfalls, aber tatsächlich nur, weil viele nach wie vor dort zu finden sind. Abgesehen davon halte ich Facebook in jedem denkbaren Punkt für schlechter als Google+. Kurzum: Ich bin froh, eine gut funktionierende Alternative zu haben, die ohne Werbung auskommt und sich sehr gut in Android integriert. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es nun die bessere Wahl ist, sich so stark von Google abhängig zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.

Doch Google+ leidet aus meiner Sicht an einer entscheidenden Schwäche: Es hat ein Identitätsproblem. Man kann das Angebot zwar mit Facebook vergleichen, aber Google+ ist kein für sich stehendes Social Network. Es bietet im Prinzip eine Profilseite mit Social-Funktionen zum eigenen Google-Account. Die auch von Google selbst proklamierte Idee dahinter ist, alle Google-Angebote mit diesem “Social Layer” zu versehen und sie so miteinander zu verknüpfen. Richtig gut gelingt das allerdings bislang nicht. » weiterlesen

Tablet-Magazine:
Warum Googles digitaler Kiosk Apples Modell überlegen ist

Mit dem neuen “Play Newsstand” holt Google digitale Magazine und Bezahlinhalte aus ihrer Nische, in der sie bislang stecken. Und damit hat das Unternehmen eine sehr viel sinnvollere Lösung parat als Konkurrent Apple. Jetzt müssen allerdings noch die Inhalteanbieter mitziehen.

Für den klassischen Zeitungskiosk gibt es bislang keine digitale Entsprechung.

Für den klassischen Zeitungskiosk gibt es bislang keine digitale Entsprechung.

Eigentlich haben digitale Magazine sowohl für die Leser als auch für die Macher zahlreiche Vorteile. So kann man beispielsweise etliche von ihnen jederzeit dabei haben. Inhalte lassen sich zudem multimedial aufbereiten, auch im Nachhinein aktualisieren sowie erweitern und sie sind generell nicht den Restriktionen des Mediums Papier unterworfen. Nicht zuletzt kann man sie auch unterwegs jederzeit herunterladen und sofort lesen.

Dass trotzdem noch so viele Magazine gedruckt erscheinen und so wenige digital gekauft werden, dürfte auch mit Gewohnheiten zu tun haben. Mit bedrucktem Papier lässt sich beispielsweise noch immer ein Vielfaches an Werbeeinnahmen erzielen, obwohl (oder weil) die Werbekunden den Erfolg viel weniger messen können und obwohl die Aufmerksamkeit schon längst deutlich in Richtung Internet abgewandert ist.

Aber “Internet” bedeutet eben noch lange nicht “digitales Magazin”. Selbst der Siegeszug der Tablets scheint daran bislang wenig geändert zu haben. Und dass sich deren Format gut zum Lesen verwenden lässt, zeigt die steigende Erfolgskurve der E-Books im Buchmarkt. » weiterlesen

Paid Content:
Bezahl-Videos auf YouTube wären ein Millionengeschäft

Mit den kostenpflichtigen Videochats “Helpouts” wagt Google einen weiteren Schritt in Richtung Bezahlinhalte, lässt aber ein großes Potenzial noch immer weitgehend unangetastet: YouTube. Konkurrent Vimeo ist hier schon weiter.

helpout-beispielWer über Paid Content spricht, bekommt stets sehr schnell ein Gegenargument zurück: die schier unüberschaubare Menge an kostenlos verbreiteten Inhalten. Als Einnahmequelle dient dann entweder Werbung oder der Content ist vor allem als Aushängeschild gedacht, um an anderer Stelle Geschäft zu generieren. Auf diese Weise entstehen allerdings hauptsächlich Inhalte, die entweder möglichst massenkompatibel sind oder deren Sichtweise so eingefärbt ist, dass es zu den eigenen Interessen passt. Paid Content hingegen sollte sich idealerweise an eine Zielgruppe richten, die mit keiner dieser beiden Varianten angesprochen wird. Und an dieser Stelle kommt Video ins Spiel. » weiterlesen

Google Gem:
Eine Smartwatch, die mit Google Now zum Gewinner werden könnte

Google entwickelt Meldungen zufolge eine Nexus-Smartwatch. Vor allem ein Feature könnte diese Schlau-Uhr zum Gewinner machen: Google Now.

Konzept einer Nexus-Smartwatch, hier mit einem Mini-Android als Oberfläche.

Ich bin ganz ehrlich: Bislang habe ich das Thema Smartwatch eher mit professionellem als persönlichem Interesse verfolgt. Es ist immer spannend, neue technische Entwicklungen zu verfolgen und im Zuge dessen zu spekulieren, ob und wie sie unseren Alltag verändern könnten. Zudem gibt es rund um Smartwatches einen lauwarmen Hype, der vor allem durch den Erfolg der Pebble angeheizt wurde.

Seitdem allerdings wurde die Flamme der Begeisterung spürbar kleiner. Zwar kommen neue Smartwatches am laufenden Band heraus – bis hin zu Samsungs Galaxy Gear. Aber eine wichtige Frage blieb bislang unbeantwortet: Welchen Zweck erfüllt eine Smartwatch wirklich? Bei der inzwischen “Google Gem” titulierten Nexus-Smartwatch habe ich dazu erstmals eine Antwort gelesen, die mich hat aufhorchen lassen.

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Kauf der Washington Post:
Amazon-Chef als Heilsbringer der Zeitungsbranche

Amazon-Chef Jeff Bezos hat die traditionsreiche Washington Post gekauft und allerorten wartet man gespannt, was nun als nächstes passieren wird. Ihm trauen viele die Herkulesaufgabe zu, eine Tageszeitung erfolgreich in die digitale Ära zu führen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Jeff Bezos. Foto: etech. Lizenz: CC BY 2.0

Jeff Bezos. Foto: etech. Lizenz: CC BY 2.0

1877 wurde die Washington Post gegründet und ihr wohl größter Coup sind ihre Recherchen, die letztlich zum “Watergate-Skandal” wurden und US-Präsident Richard Nixon zum Rücktritt zwangen. Noch heute ist sie die Tageszeitung mit der höchsten Verbreitung in Washington D.C., aber das bedeutet in Zeiten des Medienwandels nicht mehr viel: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres machte sie 50 Millionen Dollar Verlust. Aber liegen diese Verluste daran, dass es keinen Platz mehr für Tageszeitungsjournalismus gibt? Wurden im Verlag die falschen Entscheidungen getroffen? Oder sind solche Verluste derzeit einfach unvermeidlich, weil die Einnahmen mit Print schneller zurückgehen als sie mit Digital steigen?

Amazon-Gründer Jeff Bezos jedenfalls ist offensichtlich überzeugt, dass die Washington Post eine Zukunft haben könnte. 250 Millionen Dollar hat er aus seinem eigenen Vermögen bezahlt, um sie zu kaufen. Im Gegensatz zur Spekulationsblase von 1999/2000 haben wir es hier nicht mit theoretischem Geld zu tun, sondern mit dem guten alten Cash. Er hat dieses Geld wirklich, was ihm vor 15 Jahren ebenfalls nicht viele zugetraut hätten. » weiterlesen

Google Motorola Moto X:
Der VW Golf unter den Android-Smartphones

Mit dem Moto X ist nun das erste Motorola-Smartphone vorgestellt worden, das unter der Leitung von Google entstand. Herausgekommen ist ein durchschnittliches Handy, das man vor allem in zahllosen Varianten optisch individualisieren kann. Google und Motorola sind allerdings zugleich erneut vor den Mobilfunkanbietern eingeknickt.

Moto XUm es gleich am Anfang zu sagen: Weder gibt es einen Starttermin des Moto X außerhalb der USA, noch ist bislang bekannt, was es ohne Vertrag kosten wird. Das gehört zu den vielen rätselhaften Details dieser Produktvorstellung. Denn Motorola hatte das neue Gerät zwar per Salamitaktik in den Techblogs gehalten und damit einen gewissen Hype erzeugt. Aber ein Event gab es am heutigen 1. August nicht. Stattdessen hatte man einflussreichen Bloggern und Journalisten das neue Gerät offenbar vorab gezeigt und sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. So mancher unter ihnen ist jetzt aber ratlos, wie denn das Moto X einzuschätzen ist. Es ist kein Über-Phone und das hatte Motorola im Vorfeld schon selbst klar gemacht. Es ist ein gutes Gerät und richtet sich an einen erhofften Durchschnittsnutzer, der sein Handy eher nach der Optik aussucht als nach einer Featureliste.

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Home Automation:
Das smarte Haus ist da

Das elektronisch gesteuerte, smarte Haus gehört zu den Klassikern der Zukunftsvisionen, kommt aber im Gegensatz zum Internetkühlschrank gerade in der Gegenwart an. Was manchem dabei als Luxusspielerei für Villenbesitzer erscheint, hat in Wirklichkeit viele nützliche Anwendungsfelder.

Smart HomeWer sich nach einer neuen Wohnung oder einem Haus umsieht, geht hierzulande inzwischen sehr selbstverständlich davon aus, Wasseranschlüsse und Steckdosen vorzufinden. Die Verfügbarkeit von Breitbandinternet spielt darüber hinaus eine immer wichtigere Rolle. Aber schon einigen Jahren könnte eine weitere Eigenschaft sehr gefragt sein: eine elektronische Steuerung des Haushalts inklusive Vernetzung. Auf der „IFA Preview“ in Hamburg konnte man dazu diese Woche mehrere Beispiele sehen.

Alle elektrischen Geräte vernetzen

Ein Unternehmen, das darauf setzt, ist die aizo AG mit Sitz in Schlieren-Zürich und Wetzlar. Ihr Produkt “Digitalstrom” vernetzt sämtliche elektrischen Geräte in einem Gebäude über die bereits vorhandenen Stromleitungen. Für die Bewohner bedeutet das in der Praxis nicht nur, dass sie viele Dinge vom Tablet oder Smartphone aus steuern können. Es ergeben sich darüber hinaus neue praktische Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich beispielsweise Geräte pro Raum oder auch pro Anwendungsfall gruppieren. Wer von “Abendessen” auf “Heimkinoabend” wechseln möchte, braucht dazu nicht mehr als einen Tap und schon werden die entsprechenden Schaltungen vorgenommen.

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Internet der Dinge:
IFTTT verknüpft Gadgets mit Webdiensten

Dank des Dienstes IFTTT können Besitzer des Fitnessarmbands Jawbone Up und der “Internet-Glühlampe” Philips Hue nun sehr viel mehr mit ihren Geräten anfangen. IFTTT nimmt Handgriffe ab und ermöglicht neue Funktionen.

Während das Schlagwort “Internet der Dinge” erst einmal nur bedeutet, dass zahlreiche Geräte online gehen, bleibt die Frage: Und was hat man nun davon? Eine Antwort darauf ist der Dienst “If This Than That” (IFTTT): Er sorgt dafür, dass solche Geräte Aktionen auslösen können oder aber auf Ereignisse reagieren. Das alles klingt erst einmal theoretisch und abstrakt. Mit einigen Beispielen wird dagegen recht schnell klar, wie praktisch und sinnvoll das sein kann.

Bei IFTTT ging es ursprünglich darum, diverse Webdienste miteinander zu verknüpfen. Ein Ereignis bei Dienst A löst automatisch eine Aktion bei Dienst B aus. Beispiel: Bekommt man eine E-Mail mit Anhang, wird der in Evernote gespeichert. Lädt jemand bei Facebook ein Foto hoch und gibt an, dass man darauf zu sehen ist, wird es in der eigenen Dropbox abgespeichert. Ändert man sein Profilfoto auf Facebook, wird das Profilfoto auf Twitter ebenfalls geändert. Bei IFTTT heißen solche Verknüpfungen “Rezepte” und wer will, kann seine öffentlich mit anderen teilen. Und natürlich kann man die Rezepte anderer übernehmen. Aber auch ohne eine bereits vorhandene Vorlage macht es IFTTT den Nutzern vergleichsweise einfach, etwas selbst anzulegen.

Diese Idee hat IFTTT inzwischen auf Geräte erweitert, die mit dem Internet verbunden sind.

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Fließbandproduktion von Inhalten:
“Churnalism Tracker” deckt Copy-Paste-Journalismus auf

Ein neues Online-Tool vergleicht den Inhalt eines Artikels mit Texten aus Pressemitteilungen, Wikipedia und anderen Quellen. Auf Knopfdruck sieht man so alle Teile des Beitrags, die der Autor durch Copy und Paste übernommen hat. Ob das deshalb schlechter Journalismus ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Testergebnis des Churnalism Trackers.

Ein Testergebnis des Churnalism Trackers.

Hinter dem Projekt steht die Sunlight Foundation, die sich als gemeinnützige und unabhängige Organisation beschreibt. Sie hat sich vor allem auf die Fahnen geschrieben, für mehr Transparenz in der Politik zu sorgen. Ein Beispiel ist der “Lobbying Tracker”, der öffentlich zugängliche Informationen darüber sammelt, wer in Washington für Unterstützung in eigener Sache wirbt. Die Sunlight Foundation nutzt somit die Digitalisierung von Informationen, um sie auf neue Weise miteinander zu verknüpfen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Für das neue Tool arbeitet sie mit dem Media Standards Trust zusammen, der sich für höhere Standards im Nachrichtengeschäft einsetzt.

Den “Churnalism Tracker” gab es zuvor bereits für Medien aus Großbritannien und nun gibt es ihn außerdem in einer Version für die USA. Der Begriff Churnalism wird dabei laut Wikipedia dem BBC-Journalisten Waseem Zakir zugeschrieben. Er beschreibt einen Journalismus, bei dem der Redakteur seine Artikel am laufenden Band produzieren muss (englisch “to churn out”). Ein Phänomen, das vielen Journalisten bekannt vorkommen wird, denn der Druck auf viele Redaktionen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Zahl der Redakteure hat sich im Zuge dessen reduziert, die Menge an Inhalten aber nicht immer. Um dennoch ihr Pensum erfüllen zu können, übernehmen manche Journalisten deshalb Inhalte aus Pressemitteilungen und anderen Quellen und machen das dem Leser gegenüber zugleich nicht immer deutlich.  » weiterlesen