Alle 50 Artikel von gastautor auf netzwertig.com:
Gastautor: Der unmündige Leser
Guten Abend
Es ist Wahl-Herbst in der Schweiz. An der Olma in St. Gallen werden heute die Kühe prämiert und in der MaagMusicHall in Zürich die Miss-Schweiz-Kandidatinnen.
Die Medienlese gewährt mir heute Abend freundlicherweise Gastrecht. Ich berichte live vom Sofa über die Miss Schweiz Wahl 2007. Ebenfalls anwesend sind einige Freunde und Freundinnen, ein Käsefondue und diverse Alkoholika.
20.21 Uhr: Es geht los. Die 16 Kandidatinnen werden mit einer Choreographie vorgestellt, die abgesehen von den sexy Kleidern eher der Parade einer Jugendmusik-Kapelle gleicht.
20.25 Uhr: Multitalent Sven Epiney begrüsst das Publikum eloquent in den vier Landesprachen und stellt die Jury vor. Auch das Publikum darf mitwählen. Derweil serviert bei uns der Gastgeber das Käsefondue Moitié-Moitié.
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In der Schweiz buhlen bald fünf Gratiszeitungen um Leser und Nichtleser. Die Herausgeber jubeln über wirtschaftlichen Erfolg und halten das Konzept für ein Zukunftsmodell. Im österreichischen Graz hingegen gingen zwei solche Blätter im Konkurrenzkampf unter. Ein Vergleich.
Von Markus Kirchsteiger
Während in der Schweiz bald fünf Gratiszeitungen um die Aufmerksamkeit der Schweizer ringen , hielt sich ok, die erste kostenlose Grazer Tageszeitung, lediglich rund ein Jahr am Markt. Anfang Juli 2007 wurde ok nun gleichzeitig mit dem Konkurrenten heute eingestellt. Als ok auf den Markt gekommen war, hatte heute in wenigen Wochen eine Grazer Ausgabe hochgezogen. Jetzt ist das Match um Leser und Nichtleser vorzeitig beendet worden.
Große Erfolge verzeichnen Gratiszeitungen in der Schweiz. Obwohl die Auflagenzahlen sinken, können 20 Minuten, .ch und Co. zulegen und zwar auf Kosten von Boulevard-Kaufzeitungen wie Blick. Das Konzept der Gratiszeitungen ist einfach: Das Wichtigste des Tages in kurzen und prägnanten Sätzen gibt es kostenlos für eine urbane, junge Leserschaft.
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Österreichs “virtuelle Amtsstube” in Second Life ist so aktuell wie die Zeitung vor einem halben Jahr. Dennoch behauptet der Bundeskanzler, Österreich beweise dadurch “einmal mehr seine Vorreiterrolle auf dem Sektor E-Government”. Bleibt zu hoffen, dass dieses Beispiel nicht Schule macht.
Von Markus Kirchsteiger
Das österreichische Bundekanzleramt hat eine “virtuelle Amtsstube” (SLURL ) im Online-Spiel Second Life eingerichtet. Auch wenn dafür ein Pauschalbetrag von 9,600 ? sowie laufende Kosten von 300 ? pro Monat anfallen: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) ist begeistert vom Web 2.0 und beantwortet eine parlamentarische Anfrage des Nationalrates mit Euphorie. Das Bundeskanzleramt sei ständig bemüht, “innovative neue Technologien anzuwenden und damit neue Zielgruppen zu erschließen”:
Daher wurde auch als erste Behörde weltweit eine virtuelle Amtsstube im SL eröffnet. Österreich beweist dadurch wieder einmal mehr seine Vorreiterrolle auf dem Sektor von E-Govemment.
Ein Blick auf die Inhalte dieser “virtuellen Amtsstube” lässt allerdings den Wunsch aufkommen, dass das virtuelle Österreich in Second Life nicht zum Beispiel für andere Staaten wird. Next Horizon, das dafür zuständige Unternehmen, hat nämlich ein wichtiges Prinzip des Internets nicht wirklich verinnerlicht: Aktualität.
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Mitten in der Diskussion um neue Moscheen in Österreich verhaftet die Polizei zwei mutmaßliche Islamisten. Der Zeitpunkt der Verhaftung war geschickt gewählt und ließ die Zustimmung der Bevölkerung für den Innenminister in die Höhe schnellen. Dieser fordert jetzt eindringlich die Einführung von Online-Durchsuchungen.
Von Markus Kirchsteiger
Seit kurzem hat auch Österreich sein ?Terror-Phantom? – das behauptet zumindest die Info-Illustrierte News über einen 22-jährigen Wiener, der am Mittwoch vor einer Woche festgenommen wurde. Mohammed M. soll im März ein Video im Internet veröffentlicht haben, das Österreichs militärisches Engagement in Afghanistan kritisiert.
Für Österreichs Boulevardmedien sind die Festnahmen ein gefundenes Fressen. Die Zeitung Österreich unterstellte Mohammed M. gleich, Anschläge während der EURO 2008 und auf die Wiener UNO-City geplant zu haben. Die Krone erstellte ein ?Psychogramm des Islamisten aus Wien? und machte aus Mohammed M. und seiner ebenfalls verhafteten Frau das ?Islamisten-Ehepaar?.
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Von Markus Kirchsteiger
Dieses Wochenende besucht Papst Benedikt XVI. Österreich. Schon seit Wochen stimmt sich die österreichische Presse mit Sonderbeilagen und Serien auf den Papstbesuch ein. Im Ausnahmezustand befindet sich auch das Fernsehen. 16 Stunden werden entweder live gesendet oder mit Analysen und Gesprächsrunden gefüllt.
Dass es dabei nicht immer um jene wichtigen Themen geht, die eigentlich diskutiert werden sollten, beweist ein fast zweiminütiger Beitrag über drei speziell für den Papst angefertigte WCs im ORF. Aufregung herrscht natürlich auch auf den Internetprotalen österreichischer Medien. Der Papstbesuch ist das Thema, beweist der Kurier:

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Die Flucht von Natascha Kampusch vor einem Jahr war für viele ein Wunder: Nach acht Jahren erzählt eine clevere und schlagfertige junge Frau von ihrem Martyrium und will mit ihrer Bekanntheit Entführungsopfern helfen. Das Interesse der Öffentlichkeit an ihrem Fall, den Medien sensationslüstern ausgeschlachtet haben, hat inzwischen zwar abgenommen. Doch ohne Rücksicht auf Ethik und Moral inszenieren einige Medien weiterhin eine Reality-Show mit Natascha Kampusch in der Hauptrolle.
Von Markus Kirchsteiger
Ein Jahr nach ihrer Flucht tritt Natascha Kampusch erneut an die Öffentlichkeit. In einem Interview (YouTube; oder hier zum Nachlesen) mit dem ORF-Journalisten Christoph Feuerstein erzählt die junge Frau, wie sie ihr neues Leben in Freiheit nach ihrer achtjährigen Gefangenschaft verbracht hat.
Knapp eine Million Zuseher in Österreich, fast zweieinhalb Millionen in Deutschland schauten zu. Auf RTL war das ein Marktanteil von 12,5 Prozent. So sehr die ersten Tage nach ihrer Flucht die Betroffenheit der Menschen geweckt haben – das Thema Natascha Kampusch und wie es aufbereitet wird nervt mittlerweile bereits viele. Dennoch geraten nicht nur Boulevardjournalisten, Zeitungsherausgeber und Buchautoren gerade ein Jahr danach in Versuchung, aus dem Fall Kampusch eine Cashcow zu machen. So veröffentlichte Natascha Kampuschs Mutter, Brigitte Sirny, vor kurzem ein Buch über die vergangenen neun Jahre.
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?Der Unterschied macht den Unterschied’, sagt Gregory Bateson. Eine schlichte kognitive Wahrheit, denn die menschliche Wahrnehmung funktioniert durch Differenzbildung: In einer Menge fällt uns jenes Gesicht auf, das sich durch seine Schönheit oder Hässlichkeit abhebt, in einem Wald bemerken wir nicht die einzelnen Bäume, sondern die Lichtung. Wie aber ist es heute in der Zeitungslandschaft?
Von Klaus Jarchow
Früher kaufte ich fünf, sechs Zeitungen, wenn ich informiert sein wollte. Weil die ideologischen Ansätze alle verschieden waren, weil jede Redaktion ihre Texte selber strickte, weil es noch ein eigenes Korrespondentennetz gab, weil die mediale Welt damals so multiperspektivisch war, wie es heute eigentlich nur noch die Blogosphäre ist. Gegenwärtig sind am Bahnhofskiosk die Titulaturen der Blätter zwar noch verschieden, die Überschriften und Texte aber haben sich immer mehr angeglichen.
Google News, der vielgefürchtete neue Mediendienst, führt für diese These den schönsten Beweis, weil er quasi alle Medienangebote in ihrer Gleichförmigkeit auf einem einzigen Bildschirm sammelt – am schönsten dann, wenn man die Suche ?unter Einbeziehung der übersprungenen Ergebnisse wiederholt‘.
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Brisante Details förderte der Wikipedia-Scanner des amerikanischen Informatikstudenten Virgil Griffith jetzt auch über Österreichs Innenpolitik zutage. Offenbar haben Funktionäre der beiden Regierungsparten SPÖ (Sozialdemokraten) und ÖVP (Christlich-Soziale) fleißig Wikipedia-Einträge bearbeitet und zu ihren Gunsten manipuliert.
Von Markus Kirchsteiger
?Spin? heißt das in der PR: einem Ereignis den richtigen Dreh verpassen. Doch wenige innenpolitische Beobachter hätten den traditionellen Volksparteien zugetraut, die öffentliche Meinung im Internet derart ernst zu nehmen.
So besserte ein Benutzer, dessen IP-Adresse einem Rechner der SPÖ zugeordnet werden konnte, kritische Passagen über Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Alfred Gusenbauer aus. Auch als die SPÖ eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen, nämlich die Abschaffung der Studiengebühren, brach, wurde dieser ?Umfaller? allein auf den ?Widerstand der zweiten Regierungspartei, der ÖVP? geschoben.
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Von Klaus Jarchow
In der Blogosphäre herrscht derzeit ein merkwürdig melancholischer Ton, in dem sicherlich auch Enttäuschung mitschwingt. Jene frühlingsduftende Aufbruchsstimmung, welche die verbliebenen Hühneraugendoktoren des Web-Tuh-Oh noch immer unverdrossen auf Vorstandsetagen zu verbreiten suchen, um Bizziness-Blogs und Suchmaschinen-Optimierungsstrategien (SEO’s) zu verkaufen, die ist ‘bei Bloggers daheim’ gar nicht mehr anzutreffen.
Unter großer Anteilnahme der versammelten Webgemeinde schloss zunächst Dirk Olbertz seinen Blogscout, die einzige Ranking-Maschine, die Blogger selbst ernst nahmen. Er wolle, so Olbertz,
“den Blogbetreibern, die wirklich meinen, dass Quantität die Qualität aussticht und mit aller Macht versuchen, SEO mit Blogs machen zu wollen, keine Unterstützung bieten – sei sie auch noch so klein”.
Eine Kritik, die zu diesem Zeitpunkt auch schon bei selbstkritischeren ‘Search Engine Optimizern (SEO’s)’ angekommen war, die das Selbstmörderische ihres Tuns allmählich einzusehen begannen:
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… der neuerdings in der Süddeutschen kommentiert, der prügelt unter dem Titel ‘Gefangene der Macht‘ auf die “Heulsusen-Partei” SPD ein, was unter medialen Gesichtspunkten ungefähr so verdienstvoll ist, wie zu sagen, dass man Kinderschänder nicht mag oder Doping blöd findet.
Von Klaus Jarchow
Denn die arme, hilflos durch die politische Arena taumelnde SPD ist derzeit die Schießbudenfigur für alle, die sich mal schnell eine Papierrose zusammenballern möchten, um die Liebste zu beeindrucken.
Gut, könnte man sagen, jeder hängt sich irgendwo dran, und es wird so viel Belangloses zusammengeschrieben in den Gassen von Old Media, gerade auch in den Kommentaren, weshalb sollte die Süddeutsche das nicht auch dürfen? Gäbe es nicht dieses Zitat, mit dem Dieter Degler seinen Text am letzten Donnerstag eröffnete: ‘Es war Winston Churchill, der einmal zum Besten gab: “Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.” Dieser ‘Churchill’ aber, Herr Degler, das war nicht der Churchill …
Ein wenig Internet-Recherche, von einem Tempo-Gründer und ehemaligen Verfasser von Spiegel-Titelgeschichten wohl zu erwarten, hätte erbracht, dass diese von jedem Zitatritter gesattelte Behauptung immer wieder gern auf einen PR-Trick der Nazi-Propaganda hereinfällt. » weiterlesen