Carolin Neumann

Am dritten Tag der re:publica wurde in Berlin endlich etwas gegen den Testosteronüberschuss auf den Konferenzbühnen getan – und für das WLAN. Unser Rückblick auf einige der Panels des letzten Konferenztages.

Für den dritten Tag haben die Veranstalter der re:publica einiges in den Mix geworfen. Die Entscheidung zwischen den terminlich sehr eng gelegten Veranstaltungen fiel noch schwerer als zuvor, die Themen waren homogener und es hätte schöne Diskussionen geben können. Große Räume blieben leer, in den kleinen saß man zum Teil viel zu nah kuschelig beieinander. Und zum Abschied gab’s dann sogar fast ganztägig WLAN, hallelujah!

In Holland ist es an der Regel, im Wohnzimmer keine Vorhänge aufzuhängen – und dennoch würde keiner auf die Idee kommen, sich auf die Straße zu stellen und hereinzustarren. So viel Respekt forderte Jan Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut im ersten Vortrag des Tages. Die Änderungen am Design und den AGB von Facebook verglich er mit einem Vermieter, der in unserer Wohnung Türen ersetzt oder Wände herausreißt – ohne unsere Einwilligung. Leider konnte sich des schlechten Timings am letzten Konferenztag wegen keine Diskussion über Identitätsmanagement oder die Frage, wie dem “fundamentalen Wandel der Kommunikation” (Schmidt) zu begegnen ist, entwickeln.

Der Vortrag von Cory Doctorow von der Blog-Wundertüte Boing Boing wäre eigentlich der perfekte Einstieg in die re:publica ‘09 gewesen: Er sprach über den Dinosaurier Musikindustrie, doch was er so erzählte, wurde zwischen den Zeilen eine Zusammenfassung dessen, was die re:publica-Besucher so am Netz fasziniert. Definitiv eines der Highlights der Konferenz. Und weil Doctorow so wahnsinnig schnell spricht, konnte er auch ein bisschen von dem zeitlichen Rückstand wieder aufholen.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war zwar sehr sympathisch, und sein Vortrag hat zurecht für den ein oder anderen Lacher gesorgt, ansonsten jedoch hatte “Jimbo” leider nicht viel Neues zu erzählen: Grundkenntnisse über die Wikipedia hätten bei den re:publia-Teilnehmern vorausgesetzt werden können.

Weiter ging es ziemlich mau mit dem Panel mit dem provokanten Titel Wenn Frauen bloggen. Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone, in dem fünf Frauen von ihren unterschiedlichen Blogs (von Technik über Mode bis zu Feminismus) erzählten. Interessant wurde es erst, als aus der faden Ich-mache-dies-und-du-?-Runde eine Diskussion über Feminismus, den Testosteronüberschuss auf den re:publica-Bühnen und die Forderung nach einer Frauenquote für die Konferenz wurde. Auf die Frage, warum denn nun Babykotze relevanter Inhalt für Blogs ist, gab es allerdings trotz zahlreicher Wortmeldungen aus dem Publikum keine zufriedenstellende Antwort.

Mit reichlich Verzögerung und den “üblichen Verdächtigen” ausgestattet startete das Panel Politische Blogs in Deutschland – und wurde durchaus interessant. So antwortete etwa Zeit-Redakteur Kai Biermann einem Blogger im Publikum, der sich über ungenügende Recherche und Weitblick politischer Journalisten beklagte, er solle doch selbst diese Funktion übernehmen. Auch Blogger könnten die vierte Gewalt sein, so Biermann. Julia Seeliger hingegen erwartet von “den gut bezahlten Journalisten in den Hauptstadtbüros” gute Arbeit und eben nicht, dass sie den kritischen Blick den Blogger überlassen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Alle 15 Artikel von Carolin Neumann auf netzwertig.com:

re:publica ‘09, Tag 3:
Social Networks und holländische Wohnzimmer

Carolin Neumann, 4. April 2009 um 14.17 Uhr , 1 Kommentar Kommentare

Am dritten Tag der re:publica wurde in Berlin endlich etwas gegen den Testosteronüberschuss auf den Konferenzbühnen getan – und für das WLAN. Unser Rückblick auf einige der Panels des letzten Konferenztages.

Für den dritten Tag haben die Veranstalter der re:publica einiges in den Mix geworfen. Die Entscheidung zwischen den terminlich sehr eng gelegten Veranstaltungen fiel noch schwerer als zuvor, die Themen waren homogener und es hätte schöne Diskussionen geben können. Große Räume blieben leer, in den kleinen saß man zum Teil viel zu nah kuschelig beieinander. Und zum Abschied gab’s dann sogar fast ganztägig WLAN, hallelujah! » weiterlesen

re:publica 09:
Esra’a al Shafei is kicking ass

Carolin Neumann, 3. April 2009 um 15.13 Uhr , 1 Kommentar Kommentare

Unbestreitbar ein kleines Highlight am letzten re:publica-Vormittag: Esra’a al Shafei sprach über Digitalen Aktivismus im Nahen Osten und demonstrierte ihren unglaublichen Mut im Kampf gegen Unterdrückung.

“Das Internet ist für uns die einzige Möglichkeit frei zu sein”, sagt Esra’a al Shafei, Vordenkerin des so genannten Digitalen Aktivismus, aus dem Inselstaat Bahrain im Nahen Osten. Wenn man niemanden kennt, mit dem man sich zusammentun kann, um gegen Unterdrückung zu protestieren, ist das Internet eben eine mächtige Waffe – so auch im Nahen Osten.

Eine mutige Frau, diese Esra’a al Shafei, die sicher gute Gründe hat, warum sie nicht fotografiert werden möchte und auch im Programmheft der diesjährigen re:publica mit einer Comicfigur abgebildet wird. Für ihre herausragenden Leistungen im Netz und ihren Einfluss auf die Gesellschaft wurde sie sogar mit einem Preis des renommierten Berkman Centers of Internet and Society at Harvard Law School ausgezeichnet.

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Interview von der re:publica:
Bloggen in Afrika

Carolin Neumann, 2. April 2009 um 18.06 Uhr , 3 Kommentare Kommentare

Einblicke in afrikanische Netzkultur: Geraldine de Bastion über ausgedruckte Blogeinträge, politische Berichterstattung und Internetanschlüsse für 500 Dollar.


Geraldine de Bastion arbeitet seit einem Jahr für die newthinking communications GmbH in Berlin. Davor war sie fünf Jahre für die Deutsche Entwicklungshilfe tätig. Schon seit ihrem Studium, das sie 2003 abschloss, lag ihr Schwerpunkt auf Neuen Medien. Für newthinking beschäftigt sie sich nun vor allem mit Open-Source- Communities in Afrika.

Wie sieht die afrikanische Blogosphäre im Moment aus?

Viel diverser als man vielleicht erwarten würde. Ich kenne nicht jeden Blogger in Afrika, aber ich lese Blogs, die mir persönlich gefallen. Dazu gehören Videoblogs aus dem Kongo genauso wie politische oder technikfokussierte Blogs. Das sind sehr lesenswerte Sachen. Und es gibt natürlich auch Leute, die über Kochrezepte oder Privatangelegenheiten schreiben, das sind sehr unterschiedliche Themen.

Welche Rolle spielen in Afrika denn politische Blogs?

Es gibt durchaus politische Blogger in Afrika. Die nehmen meines Erachtens nach eine ganz wichtige Position ein, insbesondere in Ländern, wo Medien nicht so frei in ihrer Berichterstattung sind wie bei uns. Ich habe mir verschiedene Blogs aus Kenia angeguckt, die 2008 eine wichtige Rolle gespielt haben, als es nach den Wahlen zu Konflikten kam. Es ist ein großes Chaos ausgebrochen, Medien waren eher Mitspieler in dem Konflikt als die vierte Gewalt. Die Blogger haben eine wichtige Lücke gefüllt, weil sie aktuell berichtet haben, was im Land passiert ist. Wenn man wissen wollte, was passiert, hat man sich an die Blogosphäre gewandt und nicht an die traditionellen Nachrichten.

Ist die breite afrikanische Bevölkerung denn technisch überhaupt in der Lage, Blogs zu lesen?

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Wieder Zeitungs-Fälschung:
G20-Gegner kopieren Financial Times

Carolin Neumann, 27. März 2009 um 17.23 Uhr , 1 Kommentar Kommentare

Keine Zeitung ist mehr sicher: Pünktlich zum G20-Gipfel brachten heute in London Aktivisten Tausende Fälschungen der Financial Times unter die Leute.

Ist das jetzt die neue Form des Protests, Plagiate etablierter Zeitungen Nachrichten in Umlauf zu bringen? Vor einigen Monaten war es die New York Times, letzte Woche die deutsche Zeit und heute wurden in London Tausende gefälschte Ausgaben der Financial Times verteilt. » weiterlesen

One in 8 Million:
Die New York Times wird persönlich

Carolin Neumann, 25. März 2009 um 14.40 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

Nah dran an den Bewohnern der Stadt ist die New York Times. Zu Fotostrecken erzählen ganz gewöhnliche Menschen ihre Geschichte – jede Woche einer von acht Millionen.


Ich habe mich verliebt: In die neue New York Times-Serie “One in 8 Million”. Seit Januar wird in der Audio-Slideshow jede Woche einer von über acht Millionen New Yorkern portraitiert.

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Nature-Studie:
Wissenschaftsjournalismus verlagert sich in Blogs

Carolin Neumann, 23. März 2009 um 16.14 Uhr , 9 Kommentare Kommentare

Eine Studie des Magazins Nature zum Wissenschaftsjournalismus zeigt: Ressorts werden geschlossen, Stellen gestrichen. Dafür werden Blogs immer wichtiger – und was ist mit der Qualität?


“Die unabhängige Wissenschaftsberichterstattung ist vom Aussterben bedroht.” – Das ist ein Zitat des Wall Street Journal-Wissenschaftsjournalisten Robert Lee Hotz und zugleich die Quintessenz einer Studie, die das britische Wissenschaftsmagazin Nature gerade veröffentlicht hat. Immer mehr Wissenschaftsressorts werden demnach geschlossen, die Wissenschaftsberichterstattung verlagert sich in die Blogosphäre, und Kritiker bezweifeln, dass die oft hochwissenschaftlichen Themen dort mit ausreichender Distanz und dem notwendigen kritischen Blick betrachtet werden.

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Attac fälscht Die Zeit:
Fröhlicher Medienstunt

Carolin Neumann, 21. März 2009 um 13.00 Uhr , 7 Kommentare Kommentare

Weil die deutschen Medien in der Krise zu pessimistisch berichten, haben Attac-Aktivisten sich ihre eigene Zeitung gefälscht – eine Ausgabe der Zeit voller überraschender Meldungen.

Nicht nur, dass die Wochenzeitung Die Zeit erschreckend dünn geworden ist und neuerdings am Samstag kostenlos auf der Straße verteilt wird. Auch die Nachrichtenlage wird heute sicher den einen oder anderen stutzig machen: Die Nato will sich auflösen, armen Ländern werden Schulden erlassen, die Verantwortlichen des Klimawandelns werden angeklagt, und Opel fabriziert fortan nur noch umweltfreundliche Autos. Ach ja: Herausgegeben wird Die Zeit jetzt von den Globalisierungsgegner von Attac.

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The Printed Blog:
Zweitverwertung Mitmach-Zeitung

Carolin Neumann, 18. März 2009 um 11.45 Uhr , 8 Kommentare Kommentare

Alle beschwören das Ende vom bedruckten Papier, doch ein amerikanisches Start-up will es retten – mit einer wöchentlichen Gratiszeitung, die Blogeinträge recycelt.


Während alle anderen emsig überlegen, wie sie Print-Inhalte gewinnbringend online anbieten können, und selbst Bücher in Zukunft digital gelesen werden sollen, geht ein Start-up aus Chicago den entgegengesetzen Weg: vom Web aufs gedruckte Papier.

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Wie man Social Networks für Recherchen nutzt

Carolin Neumann, 25. Februar 2009 um 14.14 Uhr , 6 Kommentare Kommentare

Communities wie Facebook oder Xing sind Fundgruben für Journalisten. Wir zeigen, wie man Social Networks effektiv für die Recherche nutzen kann und was man dabei beachten muss.

Social Networks werden immer wichtiger für die journalistische Recherche – sagt auch eine aktuelle Studie der Technischen Universität Dortmund. Zwar ist das für im Internet aktive Journalisten längst keine Neuigkeit mehr, doch viele Medienschaffenden haben die Möglichkeiten der Facebooks dieser Welt noch längst nicht erkannt. Das hat auch Medienberater Ewald Wessling im Interview auf medienlese.com. Hier sind einige Ansätze, wie ihr das Social Web für eure Recherche nutzen könnt:

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Twitter für Journalisten:
Mit Twitter Kontakte finden

Carolin Neumann, 23. Februar 2009 um 12.25 Uhr , 4 Kommentare Kommentare

Wozu dieses komische Twitter-Dingens gut ist? Um sich mit Leuten zu vernetzen, die ähnliche Interessen haben, um auf dem Laufenden zu bleiben – diese fünf Tools helfen dabei.

Twitter ist nicht das neue Second-Life, kein Hype, sondern eine neue und brauchbare Art der Kommunikation im Internet. Ob Breaking-News, Live-Blogging von der Oscar-Nacht: Twitter ist wie ein riesiger virtueller Marktplatz, auf dem sich die ganze Welt digital zuruft. Auf dem man sich in Cliquen treffen kann, aber genau so gut neue Bekannte trifft – Journalisten aus Schweden, Fotografen aus Südafrika, Jugendliche in Russland. Fünf Tools, mit denen man Twitter einfacher bedienen kann, haben wir auf medienlese.com bereits vorgestellt. Aber jetzt wird’s erst richtig interessant: Wie findet man denn nun interessante Twitter-Nutzer? Kontakte, die einem bei der journalistischen Arbeit helfen?

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