Gestern gesehen auf CNN in der Sendung “International Correspondents”: Der Moderator spricht mit seinen Gästen über den Rücktritt von CNN-Manager Eason Jordan und regt sich darüber auf, dass schuld daran “these bloggers” waren. So wie er das Wort ausspricht, klingt es irgendwie wie “these terrorists”.
Was war geschehen? Nun CNN-Manager Jordan hatte am WEF in Davos in einer Podiumsdiskussion die Behauptung aufgestellt, dass US-Truppen zum Teil willentlich den Tod von Journalisten im Irak verursacht hatten. Keine sehr intelligente Bemerkung, wie CNN selber zugibt, da Beweismaterial fehlt. Wären bei dieser Veranstaltung nur die üblichen Journalisten zugegen gewesen, wäre das wohl kaum eine Meldung wert gewesen. Sie hätten diese Bemerkung als einen unglücklichen Ausrutscher eines der ihren abgetan und vergessen.
Doch leider sassen da auch ein paar Blogger im Publikum, die das Thema in ihren Blogs aufnahmen. Und wie wir das von der Blogosphere kennen, verbreitete sich diese kontroverse Äusserung (und natürlich die Kommentare dazu) in Windeseile. Bald wurde sie von anderen Medien aufgenommen, und nach zwei Wochen war Jordan seinen Job los.
Dass das die Medienschaffenden ziemlich irritiert, mal abgesehen von allen ideologischen Hintergründen, ist gut verständlich. Es ist nicht das erste Mal, dass ein hochranginger Journalist bzw. Medienmanager den Hut nehmen musste, nachdem in der Blogosphere seine Verfehlungen bekannt gemacht wurden. Prominentester Fall war TV-Ikone Dan Rather, der kürzlich zurücktrat, nachdem seine mehr als unsauberen Recherchemethoden aufgedeckt wurden.
Es ist wohl weniger der Inhalt dieser Fälle, der die Medienschaffenden so emotional werden lässt. Objektiv waren das wirklich keine Beispiele von vorbildlichem journalistischem Verhalten. Nein, entscheidend ist etwas anderes: Die klassischen Massenmedien haben sichtbar einen Teil ihrer Macht verloren. Plötzlich gibt es andere Kanäle, über die ein Thema lanciert werden kann, auf einmal kann eine einzelne Person mit ihrem Blog ganze Kampagnen lostreten, solange ihre Argumentation gut genug ist. Das war bis jetzt den professionellen Journalisten vorbehalten.
So fragte in der Sendung der CNN-Moderator dann auch seine Gäste genervt: “Doesn’t anyone control these bloggers? Who holds them accountable?”. Offensichtlich verletzte diese anarchische Verbreitung von Meinungen sein Weltbild zutiefst. Die Funktionsweise der klassischen Redaktionen mit ihren Hierarchien und (zumindest theoretisch) sorgfältigen Kontrollen lässt sich tatsächlich nicht auf die Blogosphere übertragen. Zum Glück, muss man wohl sagen. Denn dass es mit der journalistischen Objektivität nicht immer so weit her ist, im kommerziellen wie auch im politischen Sinn, ist kein Geheimnis. Und je stärker sich die Medien in den Händen einiger weniger Konzerne konzentrieren, umso grösser wird dieses Problem.
Ganz offensichtlich stellen Blogs zumindest in den USA schon ein gutes Gegengewicht in der öffentlichen Meinungsbildung zu den grossen Medienkonzernen dar. Und das war’s doch eigentlich, was wir uns vom internet immer erhofft haben.