Meeting Radar:
Spontane Treffen mit Gleichgesinnten organisieren

Die aus Deutschland stammende iPhone-App Meeting Radar möchte Menschen dazu animieren, spontane Meetups zu organisieren, und Gleichgesinnte in der Umgebung zur Teilnahme animieren.

Meeting RadarMit Mylo versucht gerade wieder ein deutsches Startup, einander unbekannte Menschen mit ähnlichen Interessen in der unmittelbaren Nähe miteinander in Kontakt zu bringen. Wie viele der gescheiterten Vorbilder setzen auch die Düsseldorfer dabei auf die Errichtung eines eigenen sozialen Netzwerks, das von Integrationen mit den etablierten Social-Web-Diensten flankiert wird.

Dieser Ansatz hat Vorteile, nachdem die kritische Masse erreicht wurde, erfordert aber bis dahin zusätzlichen Aufwand und bringt stets das Risiko der gefühlten “Geisterstadt” mit sich. Schon aus Zeit- und Ressourcengründen sah sich der Entwickler Andreas Nöthen gezwungen, für ein von ihm geschaffenes Hobbyprojekt auf eine derartige Komplexität zu verzichten. Bei seiner iPhone-App Meeting Radar dreht sich zwar auch alles um das Zusammentreffen mit gleichgesinnten Fremden in der Umgebung. Das von ihm gewählte Konzept präsentiert sich dabei aber deutlich simpler, fokussierter.

Kurzfristige thematische Meetups in der Nähe

Meeting Radar soll Smartphone-Nutzer das spontane Einberaumen von Gruppentreffen an Orten in der Nähe ermöglichen. Wer ein Meeting anlegen möchte, wählt dazu aus einer von Foursquare bezogenen Ortsdatenbank den anvisierten Treffpunkt, definiert ein übergeordnetes Thema (etwa “Business”, “Meal”, “Music” oder “Let’s see”), einen Startzeitpunkt (sofort bis maximal “in drei Stunden”), die Dauer sowie die Zahl der Teilnehmer (1 bis 50). Anschließend können sämtliche Nutzer der Applikation, die sich in einem Radius von höchstes 50 Kilometer befinden, das geplante Treffen in der integrierten Karten- und Listenansicht einsehen und bei Interesse ihre Partizipation signalisieren.

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Persönliche Visitenkarte präsentiert Nutzer

Die Beurteilung, ob ein aufgeführtes Meeting für einen selbst Mehrwert bietet oder nicht, soll nach den Vorstellungen von Gründer Nöthen über eine öffentliche Visitenkarte erfolgen, die jeder Meeting-Radar-User durch einen Import seiner Profilinformationen von LinkedIn, Facebook oder Google+ vor dem Aufruf zu einem Treffen anlegen muss. Für andere sichtbar sind jeweils nur der Name, der Arbeitgeber sowie die berufliche Position. Zusätzlich erlaubt Meeting Radar das Öffnen des öffentlichen Profils beim jeweiligen Social Network. Sollten Teilnehmer eines Meetings noch Fragen haben, können sie per Mail mit dem Initiator in Kontakt treten.

Hobbyprojekt mit Potenzial

Nöthen bietet seine App, die er nebenberuflich entwickelt hat und derzeit angesicht des Hobbystatus nicht zu monetarisieren gedenkt, in neun unterschiedlichen Sprachen an, und sieht den Vorteil gegenüber Mylo und anderen People-Discovery-Apps vorrangig in der Einfachheit sowie in der Wahrung der Privatsphäre der Nutzer. Diese werden zu keinem Zeitpunkt aufgefordert, ihren Standort preiszugeben. Da Meeting Radar dadurch nicht permanent auf die Abfrage der Koordinaten angewiesen ist, wird so auch der iPhone-Akku geschont.

Man merkt Meeting Radar durchaus an, dass es sich um ein Projekt mit sehr begrenzten Ressourcen handelt. Optisch gibt es Standardkost, und bei den Funktionen fehlen noch einige Optionen, welche den Praxiseinsatz komfortabler und effektiver gestalten würden. Dringend sollte Nöthen etwa Möglichkeiten implementieren, um ein angelegtes Zusammentreffen noch etwas näher beschreiben zu können – derzeit lässt sich dessen Charakter lediglich mit den vorausgewählten Attributen erläutern.

Trotz dieser Kritik kommt Meeting Radar sein glasklares Nutzungsszenario und die teilweise aus der Not geborene, aber vorteilhafte Abwesenheit von Komplexität zu gute. Der US-Dienst Meetup.com hat bewiesen, dass Menschen sich gerne mit Fremden zu thematischen Treffen verabreden. Meeting Radar überträgt diese Idee auf das Smartphone und legt den Fokus dabei auf die von Meetup.com vernachlässigten spontanen Meetups.

Als deutsches Hobbyprojekt mit geringen viralen Features und maximal einem Mini-Budget für Marketing ist die Wahrscheinlichkeit freilich gering, dass Meeting Radar dem US-amerikanischen Marktführer irgendwie gefährlich werden könnte. Dennoch sollten leidenschaftliche Networker ruhig einmal einen Blick auf die App werfen. /mw

Link: Meeting Radar

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. sehr schön – da wären ja die applejünger unter sich ;)

vgwort