Qixxit Beta:
Ein erster Blick auf das neue Mobilitätsportal der Deutschen Bahn

Die Bahn-Tochter DB Vertrieb will mit Qixxit ab Ende Oktober einen Haustür-zu-Haustür-Verkehrsplaner anbieten und verschiedenste Verkehrsmittel darin integrieren. Wir durften einen ersten Blick auf die Beta werfen.

Qixxit_LogoSeit der Liberalisierung des Fernverkehrs in Deutschland Anfang des Jahres drängen zahlreiche Fernbus-Anbieter auf den Markt. Die beiden Metasuchen Fahrtenfuchs und Busliniensuche zählen mittlerweile mehrere Dutzend solcher Angebote. Immer mehr Apps wie Nextr greifen auf die Datenbank der Deutschen Bahn zu, was diese rechtlich dulden muss. Einige Meta-Suchmaschinen versuchen bereits, mehrere Verkehrsmittel zu verknüpfen und einen Verkehrsplaner von Haustür zu Haustür anzubieten. Die Deutsche Bahn will da nicht länger fehlen.

Ende Oktober soll deswegen Qixxit starten. Die Verkehrssuchmaschine von DB Vertrieb integriert natürlich das Angebot der Bahn. Laut Stephan Hörsken, Social Media Manager des Projekts, steht Qixxit aber auch Drittanbietern offen: “Wir sprechen mit allen Mitbewerbern, auch bei Fernbussen, und müssen um jeden Kooperationspartner werben.” Einige seien dafür offen, sagt Hörsken, andere wollen von einer Kooperation nichts wissen. Im ersten Schritt dabei herausgekommen ist ein Reiseplaner im frühen Stadium, der an bereits bestehende Angebote erinnert.

Qixxit App für Android

Qixxit App für Android

Bei Qixxit startet die Reise vor der eigenen Haustür und endet am genauen Zielort. Das Angebot gilt deutschlandweit und auch im benachbarten Ausland. Startet man die Suche, durchforstet Qixxit die Angebote verschiedener Angebote. Bahnverbindungen zeigt Qixxit sofort an, die Suche verfeinert sich, sobald weiterer Ergebnisse eintreffen. Nach gut 30 Sekunden – mit der Flugzeugsuche als langsamstem Faktor – endet die Suche und Qixxit zeigt empfohlene, schnelle oder günstige Verbindungen an.

Angebote der Bahn und ihrer Konkurrenten

Die Bahn ist im Jahre 2013 längst nicht mehr nur auf der Schiene aktiv, was die Motivation hinter Qixxit erklärt. Über IC-Bus setzt sie selbst Fernbusse ein, über Flinkster ein Carsharing-Angebot; Call-A-Bike bietet Kunden die Möglichkeit, in Großstädten Fahrräder zu leihen. Bisher hat die Bahn auf ihrer Reisesuche die verschiedenen Angebote nicht verknüpft. Dass man nun auch Konkurrenten mit in Qixxit aufnimmt, soll der eigenen Glaubwürdigkeit dienen und ist ein Stück weit Realismus: Die Bahn ist mit ihren Angeboten nicht auf allen Strecken präsent. Manchmal können andere Anbieter die Lücke besser schließen.

So sollen etwa die Schienen-Mitbewerber HKX und Connex mit in die Qixxit-Suche aufgenommen werden, die auf einigen Strecken mit der Bahn konkurrieren (HKX pendelt etwa zwischen Köln und Hamburg). Bei den Fahrrädern soll Netbike mit dabei sein. Qixxit will auch Flüge, andere Carsharing- und Mietwagen-Angebote, Mitfahrgelegenheiten, den Nahverkehr und Taxis mit aufnehmen. Und wenn man über ein eigenes Auto verfügt, ist manchmal einfach das die beste Wahl. Im späteren Angebot von Qixxit soll man Verkehrsmittel an- und abwählen und Profile speichern können.

Qixxit-Suche

Qixxit-Suche

Testsuche auf fünf Strecken

Aktuell ist das noch nicht der Fall. Qixxit funktioniert bei uns im Beta-Test technisch schon, nur manchmal erschien beim Zurückspringen vom Angebot zur Auswahl eine Fehlerseite. Hin und wieder fehlten die Kontextvorschläge der Suche und einmal dauerte die Suche nach einer Flugverbindung für immer. Noch ist von Konkurrenzangeboten wenig zu sehen. Aktuell sind erst die Daten von zehn Partnern im Angebot. Einige stellten Qixxit noch vor Herausforderungen, wie Hörsken es formuliert. Aber bis Ende Oktober sollten die meisten Probleme hier ausgeräumt sein.

Wir haben mit Qixxit probeweise auf fünf Strecken gesucht:

Die Route Bonn-Berlin kann man sehr gut mit dem Flugzeug, der Bahn oder auch einem PKW zurücklegen. Qixxit schlägt alle drei Möglichkeiten vor, darunter oft das eigene Carsharing-Angebot Flinkster. Dabei ist dieses für Fernreisen ohne Rückfahrt eigentlich nicht zu benutzen, weil der Nutzer das Auto am Abholort wieder abgeben muss. Insgesamt werden Fernzüge hier bevorzugt. Die Variante, vom Flughafen Tegel mit dem bequemeren Taxi in die Berliner Innenstadt zu fahren, statt mit dem preiswerteren Flughafenbus, war für Qixxit bei uns im Test augenscheinlich die sympathischere Wahl. Qixxit findet viele Angebote und mischt sie bunt. Erst wenn man einzelne Verkehrsmittel abwählen kann, dürfte die Suche wirklich interessant werden. Zu diesem Zeitpunkt ist das allerdings noch nicht möglich. “Mein Qixxit” ist noch nicht fertig.

Suchergebnisse noch bescheiden

Die Strecke Bonn-Gießen legt man mit dem Auto in etwa anderthalb Stunden zurück, eine direkte Bahnverbindung gibt es nicht. Qixxster sucht hier den eigenen PKW oder alternativ Flinkster oder einen Mietwagen heraus. Einzige vorgeschlagene Alternative: eine dreistündige Bahnfahrt. Alternativen wie Mitfahrgelegenheiten sind erst einmal nicht vorgesehen.

Auf der Strecke Frankfurt-München pendeln inzwischen einige Fernbusse. Qixxit fand bei unserer Suche noch keinen einzigen. Immerhin: Eine Flugverbindung wird auf dieser Strecke zwar gefunden, aber nicht empfohlen, da man sie in rund drei Stunden auch mit dem Auto oder der Bahn zurücklegen kann. Auf unserer Teststrecke Hamburg-Köln fand Qixxit den alternativen Schienenanbieter HKX noch nicht. Hier zeigt sich auch ein Nachteil der Suche: Man muss eine Uhrzeit angeben, Qixxit sucht dann nur im Intervall von einer Stunde. Fährt ein alternatives und vielleicht viel günstigeres Angebot erst drei Stunden später, zeigt Qixxit dieses nicht an.

Qixxit-Suchergebnisse

Qixxit-Suchergebnisse

Vorteile für alle Anbieter

Unsere letzte Teststrecke: München-Marseille, denn Qixxit soll auch Verbindungen finden, die ins benachbarte Ausland führen. Dort empfiehlt Qixxit nicht Flinkster, sondern einen Mietwagen oder eine Reihe von Fernzügen. Schnellste Verbindung ist ausnahmslos das Flugzeug. Für An- und Abfahrt sollen S-Bahnen oder Nahverkehrszüge dienen.

Mehr als ein erster Eindruck ist derzeit nicht möglich. Das Qixxit-Team hat bis zum öffentlichen Start noch ein paar Aufgaben zu erledigen. Und auch dann wird die Zahl der integrierten Drittanbieter noch überschaubar sein. Ein Fazit wird man erst in ein paar Monaten ziehen können. Dann wird der Knackpunkt sein, wie gut und wie fair Qixxit Drittangebote den eigenen gegenüberstellt. Im ersten Eindruck gefiel mir GoEuro übrigens noch ein wenig besser. Qixxit betritt also hier kein Neuland, sondern muss erst einmal einen Rückstand aufholen. Unter anderem will auch WayMate hier mitmischen. Qixxit übertrumpft die beiden genannten aber schon jetzt mit Nahverkehrsdaten, also einer feineren Haustür-zu-Haustür-Suche. Es dürfte ein spannender Mehrkampf werden, von dem Mobilitätsstartups langfristig profitieren können.

Link: Qixxit (bis voraussichtlich Ende Oktober noch in der geschlossenen Beta)

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

Mehr lesen

Nextr: Reise-App darf auf Daten der Deutschen Bahn zugreifen

30.4.2013, 7 KommentareNextr:
Reise-App darf auf Daten der Deutschen Bahn zugreifen

Die App nextr greift auf die Datenbank der Deutschen Bahn zu und vereinfacht die Reiseplanung von Haustür zu Haustür. Überraschenderweise will die Bahn dem Projekt keine Steine in den Weg legen.

4.4.2013, 4 KommentareStreaming auf eigene Geräte:
Warum die nächste Generation Bordprogramm der Bahn nach einer guten Idee klingt

Es spielt eigentlich keine Rolle, ob die Bahn ein intern diskutiertes Bordprogramm in neuen ICEs wirklich einführt. Denn die Idee ist gut und sollte auch bei Fluggesellschaften und Busunternehmen Schule machen: Bring your own device – auch für das Bordprogramm.

Waymate definiert den Nahverkehr neu: Allryder integriert Bahn und Carsharing

21.3.2014, 0 KommentareWaymate definiert den Nahverkehr neu:
Allryder integriert Bahn und Carsharing

ie Haustür-zu-Haustür-Verkehrssuche Waymate hat kürzlich Reiseplanung und Nahverkehr voneinander getrennt. Die neue App Allryder will im Nahverkehr auch neuartige Verkehrsmittel wie DriveNow integrieren - was im ersten Schritt aber nur leidlich gelingt.

Ein Kommentar

  1. Alles schön und gut.

    Viel besser wäre es, wenn sich die Deutsche Bahn mal um ihr Kerngeschäft künmern würde
    - keine Zugausfälle
    - keine techn. Störungen während der Fahrt
    - genügend Personal
    - Infrastruktur nicht verfallen lassen
    etc etc

    Die Bahn verkennt wohl, dass ohne diese Grundlagen es irgendwann keine Kunden mehr gibt. Die nutzen dann vielleicht ausschließlich die in der App empfohlenen PKW.

  • Sponsoren

  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.