PR am Beispiel von Bring:
10 erprobte Tipps für erfolgreiche Pressearbeit

Zur Vermarktung einer App oder eines Startups gehört in vielen Fällen auch die Pressearbeit. Das Team der Schweizer Einkaufslisten-App Bring verrät, welche Vorgehensweise in ihrem Fall erfolgreich war.

Die Bring!-App landete dank gelungener PR-Arbeit auf vielen iPhones.

Die Bring!-App landete dank gelungener PR-Arbeit auf vielen iPhones.

Tagesanzeiger, Blick, 20 Minuten. Es gibt kein grosses Schweizer Medienhaus, welches in den letzten Tag nicht über Bring geschrieben hätte. Dazu kommt eine ganze Reihe von weiteren Print- und Onlinemedien, Lokalradios, Podcasts und Blogs, die sich mit dem neuesten Release der Einkaufslisten-App auseinandergesetzt haben. PR-Arbeit für die eigene App kann also allen Schwierigkeiten zum Trotz erfolgreich betrieben werden. Wir haben Marco Cerqui vom Bring-Duo in Zürich getroffen und Einblick erhalten, wie dieser Erfolg gelungen ist. Er hat uns 10 Tipps mit auf den Weg gegeben.

1. Das Produkt muss gut sein. Nicht nur die beste, sondern auch die schönste Einkaufslisten-App sollte Bring werden. Cerqui ist überzeugt, dass dies bei vielen Journalisten ausschlaggebend war, als sie auf eine Kontaktaufnahme reagiert haben. Bei der Menge von Infos, die täglich in die Redaktionen reinprasseln, sticht eine besonders schöne App heraus – und weckt die Neugier.

2. Das Produkt muss greifbar sein. Die PR-Maschine für Bring wurde erst für die Version 2 richtig in Gang gebracht. Dank der bestehenden ersten Version und einer bereits existierenden Fanbasis war die App aber mehr als nur eine weitere Umsetzung einer alten Idee. Es war erkennbar, dass hier ein Team am Werk war, welches die Sache ernst nahm und dass das Produkt bei den Usern Anklang fand. Für die Medien ein wichtiges Indiz, dass es nicht darum ging, nur über warme Luft zu berichten, sondern über eine spannende Entwicklung, vielleicht gar über einen aufkommenden Trend.

3. PR macht man nicht von heute auf morgen. Die Verlockung ist gross, am Tag der Produkt-Veröffentlichung rasch eine Medienmitteilung zusammenzuschustern und unter die Leute zu bringen. Hinter guter Pressearbeit steckt aber viel mehr. Bei Bring dauerte die Vorbereitungszeit rund zwei Monate. Dazu gehörte ein Initial-Workshop, für den auch die Hilfe eines befreundeten Journalisten beigezogen wurde und bei welchem die grundlegenden Ziele und Prioritäten festgelegt wurden.

4. Das Medium muss passen – und will individuell angesprochen werden. “Wir haben uns die Website eines grossen Nachrichtenportals angeschaut und festgestellt, dass es da gar keine Sparte gibt, in welche wir reinpassen würden”, erzählt Marco Cerqui, “folglich haben wir uns den Aufwand der Kontaktaufnahme gespart.” Bei anderen grossen Medien gelangte Bring mit einer gezielten Story zum Erfolg: Mal stand der wissenschaftliche Aspekt der App-Entwicklung im Vordergrund, ein anderes Mal die besonderen Bedürfnisse der Benutzer. Persönliche Treffen, ausführliche Gespräche und das gemeinsame Feilen an der Story mit dem Redakteur kann auch mal mehrere Wochen in Anspruch nehmen, was die rechtzeitige Vorbereitung wiederum umso wichtiger macht.

5. Gutes Timing ist zentral. Bei Apps ist es wie bei der Musik: Was präsent ist, kommt in die Charts. Was in den Charts ist, verkauft sich weiterhin gut. Da die Charts im iTunes Store laufend neu berechnet werden, ist die zeitliche Abstimmung der Medienberichte besonders wichtig. Eine geballte Ladung von Medienberichten innert kurzer Zeit hat einen grösseren Effekt als dieselbe Anzahl von Berichterstattungen über eine längere Phase.

6. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Einmal ist keinmal. “Wir haken bei den Redaktionen solange nach, bis wir eine klare Antwort erhalten: Ja, wir berichten über euch. Oder nein, lasst uns endlich in Ruhe, ihr nervt”, führt Cerqui aus. Es ist gut möglich, dass die ersten Versuche zur Kontaktaufnahme schlichtweg übersehen wurden oder in die falschen Hände gelangt sind. Bring hatte zu einer grossen Tageszeitung vier persönliche Kontakte, die sich allesamt als Leerlauf erwiesen haben. Eine einfache E-Mail an die Redaktion führte dann doch zu einem Artikel in der Print-Ausgabe.

7. Social Media ist Teil von PR. Mit Videos und Screenshots wurde bereits im Vorfeld bei bestehenden Usern über Facebook und Twitter die Neugier auf den kommenden Release von Bring geweckt. Dass dabei nicht nur bestehende Kunden gepflegt werden sondern auch gleich ein Teil der Pressearbeit miterledigt wird, hat Bring am eigenen Leib erfahren: Das Gegenüber einer unverfänglichen Twitter-Konversation entpuppte sich als Journalist bei einer auflagenstarken Zeitung. Ein halbseitiger Artikel war letztendlich das Resultat.

8. Verhandeln ist erlaubt. Jedes Medium hat seine eigene Zielgruppe. In vielen Fällen überschneiden sich diese nicht. Es kann daher absolut in Ordnung sein, einem Technik-Blog und einer grossen Tageszeitung das Exklusiv-Recht für denselben Tag einzuräumen. Wichtig ist dabei, dass man offen kommuniziert, auf welchen Bereich sich die Exklusivität bezieht. Und im Zweifel tut man sich selbst einen Gefallen, den vorsichtigeren Weg zu wählen, will man sich die aufgebauten Beziehungen nicht gleich wieder verscherzen.

9. Das grosse Streuen gehört dazu. Während die wichtigen Zielmedien sorgfältig vorbereitet sein müssen, macht es durchaus Sinn, am gewünschten Tag trotzdem noch eine Pressemitteilung breit zu streuen. Entscheidend ist dabei, dass man ein professionelles Medienkit vorbereitet hat. Dazu gehören unterschiedlich lange Pressetexte, Logos, und Bildmaterial. Bei den Fotos ist darauf zu achten, dass nicht jedes Medium denselben Anspruch hat. Während ein Technik-Blog einen Screenshot mag, bevorzugt das Lifestyle-Magazin ein Bild, in welchem die App in Anwendung zu sehen ist – im Fall von Bring inklusive dem leeren Kühlschrank oder dem Supermarkt im Hintergrund.

10. PR macht man nicht nebenbei. Der August stand für das Team von Bring ganz im Zeichen der Pressearbeit. Etwa 90 Prozent der Arbeitszeit der beiden Entwickler wurden in dieser Phase dafür aufgewendet. In den zwei vorhergehenden Monaten sind es auch bereits rund 25 Prozent gewesen. “Es ist besonders wichtig, auf jede Anfrage zeitnah zu reagieren und auf allen Kanälen präsent zu sein. Journalisten treten nicht immer auf dem Weg in Kontakt, wie man dies erwarten würde”, erklärt Cerqui.

Mehrere zehntausend kostenpflichtige Downloads und viele Tage an der Spitze der Schweizer iTunes-Store-Charts sind der Lohn, welcher Bring für seine Mühen eingesammelt hat. Der Beweis ist erbracht, dass auch ein kleines Team erfolgreiche Pressearbeit durchführen kann. Voraussetzung dafür sind ein gutes Produkt, eine zielgerichtete Planung und der entsprechende Zeitaufwand.

Natürlich sind damit nicht alle Herausforderungen vom Tisch. Die Aufgabe, aus den initialen App-Verkäufen auch langfristig Einnahmen zu erzielen ist ein anderes Thema, welchem sich das Bring-Team in naher Zukunft stellen wird. Man traut es dem Duo zu, auch in dieser Disziplin eine Erfolgsstory zu schreiben.

 

Manuel Reinhard

Manuel Reinhard ist Webentwickler sowie Gründer und CTO bei Ticketpark. Er mag es, wenn Dinge praxistauglich und effizient angepackt werden.

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3 Kommentare

  1. Genau! PR macht man nicht nebenbei!

    “Stories” helfen meiner Erfahrung nach bei guter PR – so jedenfalls Sebastian Rumberg, Head of Marketing bei Blinkist, den ich in diesem Gebiet sehr bewundere. Also eine Story über die Gründer, oder auch die Gründungsidee, die mehr enthält als nur das Produkt. Emotions, und so :)

  2. Die Tipps von Marco Cerqui finde ich gut. Ich frage mich aber, ob nicht ein Großteil des Artikels von dem Schweizer Unternehmen stammt. Oder warum vermeidet der Autor so kosequent “ß” (z. B. in “gross”)? Auch das Wort “innert” ist bei uns nicht gebräuchlich, in der Schweiz dagegen schon.
    Das wäre dann ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Pressearbeit von Bring…

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  3. […] 10 erprobte Tipps für erfolgreiche Pressearbeit Die Jungs der Einkaufslisten-App Bring! haben mich in ihre Karten blicken lassen. […]

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