Xing hübscht seine Profile auf:
Casual Friday statt Schlips und Kragen

Xing verpasst den Profilen seiner Nutzer ein neues Aussehen. Damit will das Hamburger Social Network vor allem weg von seinem reinen Business-Image.

Xing_LogoXing hat sich selbst eine Modernisierungskur verschrieben. Seit heute hat das deutsche Social Network neue Profilseiten mit besseren Möglichkeiten für die Nutzer, sich freier zu präsentieren. Der Nutzer kann selbst bestimmen, ob er Besuchern seine Berufserfahrung zuoberst anzeigen möchte, die Aktivitäten auf seinen sozialen Kanälen oder eine frei gestaltete Seite (Portfolio) mit Bildern, Text oder Arbeitsproben. Neue Profilbilder und eine hellere Typografie sollen mehr Studenten und Freiberufler anlocken und bestehende Mitglieder dazu einladen, die bislang vorherrschenden Bewerbungsfotos mit weniger formellen Bildern auszutauschen.

Im Vorfeld des Starts der neuen Seiten sprach ich mit Martin Rusch, Xings Senior Vice President Network, über die neuen Profile. Rusch sagte dazu: “Klassisch waren die alten Profile wie ein akademischer Lebenslauf aufgebaut. Da haben wir uns selbst etwas eingeengt.” Künftig will Xing der Entwicklung Rechnung tragen, dass Freiberufler und Studenten neben den Führungskräften und Angestellten wichtige neue Zielgruppen geworden sind. Rusch: “Wir wollen weg von Schlips und Kragen.” Die Nutzer bekommen mehr Möglichkeiten, selbst zu bestimmen, wie sie sich darstellen wollen.

Erste Operation gelungen, fünf weitere stehen noch an

So erlaubt es die neue Seite “Weitere Profile im Netz”, Twitter und RSS-Feeds der eigenen Profile zu integrieren. Die Seite zeigt dann etwa die jeweils fünf neuesten Tweets und Blogbeiträge an. Die Seite “Portfolio” kann mit Bildern, Text oder Arbeitsproben frei ausstaffiert werden. Interessant ist auch die Möglichkeit, den eigenen Berufsstand deutlich transparenter zu machen – oder diskreter. Ein Mechaniker aus Köln, der gerne nach Hamburg möchte, soll etwa einstellen können, dass er nur für Recruiter sichtbar wird, die nach Bewerbern für Hamburg suchen und mindestens 40.000 Euro Jahresgehalt zahlen. Auffällig ist auch die neue Darstellung der Berufserfahrung: die bisherigen Arbeitsaufenthalte werden je nach Dauer mit unterschiedlich großen Kreisen dargestellt.

Neues Xing-Profil am Beispiel eines Unternehmers

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Xing hat sich diesmal nur einem kleinen Relaunch unterzogen. In den mobilen Apps sollen sie erst in kommenden Versionen zu sehen sein, andere Rubriken der Website wie Kontaktanfragen und das Postfach werden später erneuert. Im Vergleich zum Social Network Google+ etwa sind die neuen Funktionen nicht spektakulär. Man hievt sich damit aber in eine deutlich modernere Richtung. Schlips- und Anzugträger will und wird man zwar nicht verscheuchen, aber man lädt sie ein, sich etwas luftiger darzustellen. Xing dürfte es mit den neuen Profilen gelingen, sich als fortschrittlicher zu präsentieren, ohne dabei die Stammkundschaft all zu sehr zu verschrecken.

Dann allerdings ist im Jahr des zehnjährigen Geburtstags eigentlich auch ein großer Relaunch überfällig. Gerade, was die eigenen Apps angeht, hat man noch deutlich Nachholbedarf gegenüber Google+, Twitter und Facebook. Die großen Social Networks geben den Takt mit immer neuen Designs vor, Xing müsste sich konstant strecken, um da mitzuhalten. Die neuen Profile sind ein guter Schritt in die richtige Richtung. Doch damit hat man nur die erste Baustelle geschlossen, gefühlte fünf weitere stehen noch an.

Link: profile.xing.com

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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7 Kommentare

  1. Witzig, wenn die Person auf dem Screenshot oben gar nicht “Lars Pohl” ist, sondern “Marc E.”, der bei XING arbeitet… aber kann man ja mal machen… ein Fake-User mehr ;-)

  2. Auch mal «aufhübschen» könnte XING das Abrechnungssystem:

    Hat man erst einmal ein kostenpflichtiges Abonnement abgeschlossen, verlängert es sich ohne jeden vorgängigen Hinweis automatisch. Und kündigen kann man nicht über eine entsprechende Funktion, nein, man muss sich händisch an den Support wenden …

  3. Schade!

    Bislang schätzte ich XING als Professional Netzwerk. Wenn daraus jetzt ein zweites Facebook wird, muss ich mich verabschieden.

    Wieso kann man nicht einfach einmal bei seinen Kernkompetenzen bleiben. Derartige Massen-Social-Networks gibt es doch nun wirklich schon genug.

    • So ging es mir bereits nach der letzten großen “Modernisierung”. Davor gab es die jetzt viel gepriesenen Möglichkeiten der Individualisierung bereits, die dann zugunsten Statusmeldung und Co. der Facebookisierung zum Opfer fielen. Auch benötigte man danach deutlich mehr Klicks, um zu denselben Informationen zu gelangen. Für mich damals schon Anlass, meine Premiummitgliedschaft zu kündigen, in dieser Form ist Xing für mich kaum brauchbar. Entsprechend sehe ich dieser “Modernisierung” eher mit geringen Erwartungen entgegen.

  4. Warum mißt man sich mit international agierenden Dinosauriern wie Google+, Facebook und Co.? Genannte sind echte social networks, und als solche haben die auch eine andere Strategie, Zielgruppe und Intention. Mal davon abgesehen: bei dem Kuchen gibt es nichts mehr zu holen, der ist aufgeteilt!

    Schuster, bleib bei Deinen Leisten!

    Es wäre schade, wenn XING sich von einem professional network weiter weg entwickeln würde.

  5. Xing muss ein Business-Netzwerk bleiben. Nur so hat es langfristig seine Chance, am Markt zu bleiben. Für “private” Nutzung gibt es schon genug andere Plattformen.

  6. Wieso will sich Xing mit Facebook, Twitter und Google+ (beutzt das jemand?) messen und nicht mit Linkedin? Da ist das Problem sicherlich nicht die UI (die bei Xing auch besser ist)

6 Pingbacks

  1. [...] Vielmeier von netzwertig.com peppt seinen Beitrag mit Originalzitaten aus einem Gespräch mit Martin Rusch, Xings Senior Vice President Network, auf [...]

  2. [...] Das Business-Netzwerk Xing bekommt ein Facelifting – Martin Weigert hat es sich angesehen: Xing hübscht seine Profile auf: Casual Friday statt Schlips und Kragen [...]

  3. [...] Deutsche Soziale Netzwerke leiden am Nutzerschwund, nur Xing bleibt wenigstens stabil. Bei wer-kennt-wen und den Lokalisten sind die Besucherzahlen innerhalb von 2 Jahren um 75% geschrumpft (Futurebiz). Xing hat dabei auch gerade erst seine Profile überarbeitet. Netzwertig [...]

  4. [...] in Erfüllung, und noch einer, Mister Venkman. Instagram Bilder kann man nun einbinden. Xing macht neu, Und jetzt: Ruhe und [...]

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