Untersuchung zur Internetnutzung:
Für Schweizer Jugendliche ist WhatsApp das neue Facebook

Junge Leute verwenden das Internet anders als ältere Generationen. Eine Untersuchung unter Schweizer Anwendern zwischen 14 und 25 Jahren verdeutlicht dies.

Jugendliche ticken nicht nur anders, was ihre Internetnutzung angeht, sondern sie beeinflussen auch die Richtung, in die sich die Webwirtschaft in den nächsten Jahren entwickelt. Verstärkt richten sich Startups explizit an Teenager, die sich als wichtige Triebkraft hinter dem Erfolg aufstrebender Services wie Tumblr, Instagram oder Snapchat erwiesen haben. Bisher mangelt es noch an Untersuchungen, welche die Unterschiede der digitalen Präferenzen junger Leute im Vergleich mit denen der “Dotcom-Generationen” beleuchten. Die Agentur jim & jim hat dies nun zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope für den schweizerischen Markt getan und 1.500 Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Auch wenn die Ergebnisse nicht automatisch für die gesamte deutschsprachige Region gelten, so zeigen sie einige übergeordnete Trends auf, die durchaus auch aus internationaler Perspektive relevant sind.

  • Innerhalb von zwei Jahren ist der Anteil jugendlicher Smartphone-Besitzer in der Schweiz von 54 Prozent auf 90 Prozent gestiegen. Damit kann heutzutage so gut wie jeder Jugendliche über ein Smartphone erreicht werden, was für Startups eine wichtige Erkenntnis darstellt. Im Gegensatz zu Deutschland dominiert in der Schweiz nach wie vor iOS, und das gilt auch für Teens: 55 Prozent verwenden iPhones, 39 Prozent Android.
  • Faszinierend: Für 45 Prozent der Befragten ist das Smartphone das am häufigsten genutzte Gerät für den Informationsbezug im Internet. Nur 35 Prozent nannten hierfür den Laptop, 16 Prozent den Desktop und lediglich vier Prozent das Tablet. Diese Verteilung lässt keinen Zweifel mehr daran, wie weit der Bedeutungsverlust des PCs mittlerweile vorangeschritten ist. Die Nutzungspräferenzen geben Onlinediensten mit Fokus auf jungen Anwendern eine klaren Hinweis darauf, welche Plattformen sie unbedingt priorisieren sollten: die mobilen. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich die Verteilung zugunsten des Laptops. Bei über 20-Jährigen und Studierenden kommt er häufiger für den Webzugriff zum Einsatz als das Smartphone.
  • Auch spannend: Desktops werden fast ausnahmslos von Männern verwendet. Man kann spekulieren, dass sich die Nutzergruppe vor allem aus Gamern und Designern zusammensetzt – in beiden Segmenten dominieren gemeinhin Männer.
  • Die bei Schweizer Jugendlichen mit Abstand meistgenutzte App heißt WhatsApp (die sich auch in Deutschland großer Popularität erfreut). 60 Prozent nannten diese. Facebooks App wurde nur von verhältnismäßig bescheidenen 13 Prozent als meistgenutzte Anwendung aufgeführt. WhatsApp hat laut der Untersuchung die SMS als beliebtester Kommunikationskanal abgelöst.
  • Unter den Websites ist Facebook mit 30 Prozent die am häufigsten besuchte Destination, gefolgt von YouTube (25 Prozent) und Google (neun Prozent). Diese Verteilung vermittelt, wieso Google der Meinung ist, ein eigenes soziales Netzwerk zu benötigen: Es will mehr Aufmerksamkeit.
  • Allerdings haben ganze 74 Prozent der Befragten schon einmal mit dem Gedanken gespielt, Facebook den Rücken zu kehren. Als Gründe wurden Ablenkung, mangelndes Interesse am öffentlichen Teilen, der hohe Abhängigkeitsgrad sowie die Belanglosigkeit der Inhalte angegeben.

Als Kommunikationsagentur hat jim & jim auch einige Fragen rund um Marketingaspekte gestellt, die an dieser Stelle weniger relevant sind, aber hier nachgelesen werden können.

Will man die Erkenntnisse aus der Untersuchung in prägnanter Form zusammenfassen, könnte dies folgendermaßen klingen: Das Smartphone ist der neue PC, WhatsApp ist das neue Facebook, die Kommunikation in kleinen Gruppen ist das neue öffentliche Sharing. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. erreicht werden kann -> erreicht werden.

  2. “Faszinierend: Für 45 Prozent der Befragten ist das Smartphone das am häufigsten genutzte Gerät für den Informationsbezug im Internet. Nur 35 Prozent nannten hierfür den Laptop, 16 Prozent den Desktop und lediglich vier Prozent das Tablet. Diese Verteilung lässt keinen Zweifel mehr daran, wie weit der Bedeutungsverlust des PCs mittlerweile vorangeschritten ist. Die Nutzungspräferenzen geben Onlinediensten mit Fokus auf jungen Anwendern eine klaren Hinweis darauf, welche Plattformen sie unbedingt priorisieren sollten: die mobilen. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich die Verteilung zugunsten des Laptops. Bei über 20-Jährigen und Studierenden kommt er häufiger für den Webzugriff zum Einsatz als das Smartphone.”

    Der Schluss muss eher heißen: In der Nutzungspräferenzen der Unter 20-Jährigen liegen Smartphone (45%) und PC (35%+16% = 51%) etwa gleich auf. Weit abgeschlagen folgt das ach so gehypte Tablet.
    Bei den Über-20-Jährigen verliert das Smartphone sogar noch Anteile.

    Hat mich überrascht, dass es so deutlich ist.

  3. Schöne reißerische Überschrift, aber wo genau wird erklärt, dass WhatsApp das neue Facebook ist? Keine Zahl und keine Aussage hat diese These untermauert.

    Alles in allem sind die Zahlen zwar interessant, aber nicht überraschend. Der Autor des Artikels sollte allerdings überlegen, ob er nicht demnächst weniger wilde unbelegte Thesen aufstellt und sich einfach nur an die Zahlen und Fakten hält.

    • “Die bei Schweizer Jugendlichen mit Abstand meistgenutzte App heißt WhatsApp (die sich auch in Deutschland großer Popularität erfreut). 60 Prozent nannten diese. Facebooks App wurde nur von verhältnismäßig bescheidenen 13 Prozent als meistgenutzte Anwendung aufgeführt”

      Was mehr verlangst du??

    • also die Aussage, dass WhatsApp die meistgenutzte App unter Jugendlichen ist, gilt als Legitimation, dass WhatsApp das neue Facebook ist? Nich dein ernst, oder? Mit der Argumentation, würde also auch AngryBirds das neue WhatsApp sein, wenn es mehr genutzt wird, oder?

      Also ich weiß ja nicht, was du so unter Analyse siehst und vielleicht haste ja einfach nur nen schlechten Tag gehabt, aber diese Kausalitätsbehauptung ist im besten Fall nicht durchdacht, aber im schlimmsten Fall reißerischer Boulevardjournalismus.

      Für die Behauptung, dass WhatsApp das neue Facebook ist, würde ich signifikant sinkende Nutzerzahlen von Facebook und gleichzeitig wachsende bei WhatsApp erwarten. Ganz zu schweigen von der Verweildauer.

    • Es ist der nüchterne Blick auf einen seit längerem anhaltenden Trend gemischt mit einer Prise Kenntnis für historische Entwicklungen im Webbereich, kein reißerischer Boulevardjournalismus.

      Die Nutzerzahlen von WhatsApp wachsen in der Tat seit langem. Wenn (beispielsweise) Kids 10 Mal täglich WhatsApp öffnen und 1 Mal täglich Facebook, dann siehst du das nicht in den Zahlen monatlich aktiver User.

      Wenn viermal so viele Jugendliche in der Schweiz WhatsApp als am meisten genutzte Anwendung benennen anstelle von Facebook, dann muss man imo schon sehr die Realität verdrehen wollen, um hier NICHT eine deutliche Tendenz zu erkennen.

      Und dein Vergleich “Angrybirds und WhatsApp” ist komisch. Ja, Fb und WhatsApp sind nicht exakt das selbe. Sie sind sich aber dennoch konzeptionell sehr nahe – genau hier liegen die Unterschiede in der Sichtweise zwischen Oldies und Teenagern. Die denken nicht in vorgefertigten Mustern “Das eine ist Social Network, das andere ist Messenger”. .

    • Du meinst ernsthaft, dass du nüchtern auf einen seit langem anhaltenden Trend schaust und du siehst ernsthaft, dass WhatsApp konzeptionell sehr nahe an Facebook ist?

      Bist du dir wirklich sicher was du hier schreibst? Ich mein ich will dir echt nix böses, ich merkte nur an, dass du halt eine reißerische Überschrift gewählt hast udn vielleicht die falschen Kausalitäten gezogen hast. Denn wenn man bedenkt, dass viele Menschen solche Schlagzeilen nicht hinterfragen, dann hat man doch quasi eine Führsorgepflicht für die Leser.

      Aber gut, wenn WhatsApp, was eine stringente Weiterentwicklung von SMS & Messanger ist, für dich das gleiche wie Facebook, was ein Raum zur Selbstdarstellung und Positionierung ist, für dich ein und das gleiche ist, nunja, dann müssen wir auch nciht weiter diskutieren.

      Ich bin grad arg schockiert weiß jetzt zumindest wie ich die Quelle netzwerktig.com in Zukunft einordnen kann. Ich würde dir ernsthaft raten, dich mit der Mediengeschichte zu befassen und dann in Kommunikationssystemen zu denken.

    • Ich kenne auch sehr viele Leute, die Facebook nur zwecks der Kommunikationsmöglichkeiten und der Gruppen nutzen. Und genau diese Funktionalität (von den Gruppen mal abgesehen) bietet eben auch WhatsApp.

      Die “Selbstdarstellung” in Facebook ist stark überschätzt. Genauso die Funktion der Nachrichten-Aggregation via Abos. Nimmt zwar viel Platz ein, ist aber nicht das zentrale Feature, welches die Masse bei Laune hält.

      Ist zumindest meine Einschätzung.

  4. Im Artikel kommt das nicht so klar heraus, aber Instant Messaging Services wie WhatsApp ermöglichen es wie Facebook, mit den eigenen Kontakten vernetzt zu sein, zu kommunizieren, Bilder zu teilen etc. Vor allem ist das persönliche reale Kontaktnetzwerk die Basis für die Nutzung beider Arten von Diensten.

    Die Grenzen sind fließend. So gibt es etwa bei ICQ ja auch via Web erreichbare öffentliche Profilseiten der User.

    Nicht zuletzt ist die Chat-Funktion etwas, was unabhängig vom abklingenden Hype um Social Networks einen hohen Nutzen über theoretisch alle Altersgruppen hinweg bietet. Damit sind Instant Messaging Services grundsätzlich in einer sehr guten Position gegenüber Social Networks, die aber ihrerseits auch Chat-Funktionen bieten.

    • Das WhatsApp enorm beliebt ist, steht ja überhaupt nicht in Frage. Ich selbst nutze es auch tagtäglich intensiv. ABER der Vergleich zwischen WhatsApp und Facebook ist schlichtweg falsch. Denn war Facebook anfänglich ernsthaft ein Chatprogramm? Nein, dies ist nur eine Erweiterung und ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenstern, wenn ich behaupte, dass die Leute sicherlich nicht die meiste Zeit auf Facebook chatten.

      WhatsApp hingegen ist ausschließlich ein Chatprogramm, welches die SMS verdrängt hat.

      Ich weiß, dass ich mich sehr verbissen anhöre, nur finde ich es schlichtweg gefährlich solche reißerischen Überschriften zu verfassen. Denn wir leben in einer Zeit, in der Medien / Kommunikation immer wichtiger werden und in der aber nur die wenigsten Menschen eine entsprechende Kompetenz besitzen. Wir reden ständig von Medienkompetenz, aber ich finde die muss einfach in erster Linie bei denen vorhanden sein die damit professionell arbeiten. Und von einem Meinungsmacher wie netzwertig.com erwarte ich sie einfach. Wenn schon hier falsche Aussagen getroffen werden, wie sollen denn dann bitte die ganzen selbsternannten unreflektierten Social-Media-”Experten” unwissende Menschen beraten können? Es gibt schließlich Leute die glauben was hier geschrieben wird und der Verantwortung muss man sich einfach bewusst sein. Und nicht reißerische Überschriften für ein paar Klicks mehr verfassen!

    • Die Chat-Funktion in Facebook ist durchaus ein wichtiger Bestandteil, wenngleich sie dort längst nicht solches Gewicht hat wie bei WhatsApp. Auf Facebook kann man halt doch einiges mehr machen als bei WhatsApp.

      Aber wer weiß, wie sich das entwickelt? Wo die Wurzeln liegen, spielt meiner Meinung nach keine entscheidende Rolle. Nokia war anfangs ein Papierhersteller, dann haben sie auch Gummiprodukte hergestellt. Zwischendurch waren sie der scheinbar unangreifbare Weltmarktführer bei Mobiltelefonen.

      Und der Konzern LG hat mit Kosmetikartikeln angefangen. Wieso sollte es in also wichtig sein, wo die Wurzeln vom Facebook liegen. Google war früher auch kein Social Network. Wenn es so weiter geht, sind aber bald fast alle Dienste Teil von Google Plus.

      Ich würde WhatsApp aber auch noch nicht zum Facebook-Nachfolger ausrufen. Dafür müsste sich bei den Funktionen noch was tun. WhatsApp könnte Facebook aber ernsthaft gefährlich werden.

2 Pingbacks

  1. [...] Popularität von WhatsApp ist sogar so groß, dass die kleine App sogar als ernsthafte Konkurrenz zu Facebook gilt. Das Interesse an Facebook scheint langsam zu erschöpfen: Schwindendes Interesse am Teilen [...]

  2. […] Erlebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen. 74% der schweizer Facebook-User haben laut einer Studie daran gedacht dem Netzwerk den Rücken zu kehren. Auf dem Smartphone ist die Applikation mit 60% […]

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