Offtime:
Berliner Startup will beim Abschalten helfen

Viele User haben noch nicht die perfekte Strategie dafür gefunden, sich vom unaufhörlichen Informationsstrom abzukoppeln. Das Berliner Startup Offtime will helfen.

Abschalten. Viele wünschen, sie könnten es konsequent. Aber nur wenige beherrschen diese Kunst. Verwunderlich ist das nicht, immerhin hatten Digitalbürger erst wenige Jahre Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen der Always-on-Welt einzustellen. Im Zeitverlauf wird sich dies ändern. Das Berliner Startup Offtime will aber nicht so lange warten. Die Gründer Alexander Steinhart, Andreas Bernhard, Matthias Fellner und Michael Dettbarn haben eine App entwickelt, die Smartphone-Anwender dabei unterstützten soll, Unterbrechungen zu vermeiden und den durch ständige Ablenkungen verloren gegangenen Fokus wiederzufinden.

Das Offtime-Quartett ist der Ansicht, dass die existierenden Lösungen zum temporären Ausklinken aus dem Strom digitaler Ereignisse und Nachrichten nicht wirklich ideal sind. Ob Abschalten des Geräts, Flugmodus oder “Nicht stören”-Feature (beim iPhone) – meist handelt es sich um einen Ganz-oder-gar-nicht-Ansatz. Offtime hingegen erlaubt das granulare Steuern der Erreichbarkeit und soll die guten Seiten der Connectivity beibehalten, während es gleichzeitig störende Signale für einen definierten Zeitraum blockiert.

Zu den Features, welche von der für Android bereitgestellten Alpha-Version bereits unterstützt werden, gehört das Einrichten von Ausnahmen bei Anruf- und Textnachrichten-Blockierungen, das bequeme Blockieren einzelner Apps, die Schaffung verschiedener Profile und das kalenderbasierte Aktivieren und Deaktivieren selbiger sowie die Bereitstellung einer Zusammenfassung wichtiger verpasster Ereignisse, nachdem eine Offtime-Auszeit beendet wurde.

Die Berliner berufen sich bei ihrem Unterfangen darauf, Erkenntnisse aus der Psychologie, Soziologie und dem Bereich der künstlichen Intelligenz in die Entwicklung einfließen zu lassen. Offtime sei dabei “nicht nur eine neue, fancy App”, sondern wird von den Gründern auch im Alltag gelebt. Sie selbst experimentieren mit Möglichkeiten, um ihre eigene Abhängigkeit vom Digitalen zu reduzieren, und wollen sich mit Events zum Thema engagieren.

Die Pläne der Hauptstädter sind groß: Mittelfristig soll Offtime auch für iOS, Windows, Mac und Blackberry angeboten werden. Sämtliche mit dem Internet verbundenen Geräte sollen mit “weniger als einem Klick zur Ruhe gebracht werden”, so die Vision des Unternehmens, der das Quartett nun mit einer Crowdfunding-Kampagne ein Stück näher kommen will. Zugang zur Alpha-Version der Android-App erhält nur, wer sich mit einem Mindestbetrag von fünf Euro an der Finanzierung beteiligt. Je nach Bereitschaft, einen größeren Betrag einzuzahlen, winken Unterstützern weitere Privilegien.

13.000 Euro sind das Mindestziel, welches die Veröffentlichung der Basisversion im Google Play Store sowie das Begleichen der angefallenen Kosten für Programmierer, Büromiete und andere Ausgaben decken soll. Kommen 40.000 Euro oder mehr zusammen, verspricht das Team, Offtime auf jeden Fall bis zum Jahresende weiterzuentwickeln und die Programmierarbeit für die Bereitstellung auf einer zweiten Plattform zu beginnen.

Der Crowdfundingansatz gibt den Hauptstädtern die Gewissheit, ihre Anwendung nicht am Bedarf der User vorbeizuentwickeln. Kommt die anvisierte Summe nicht zustande, wissen sie, dass zwar in der öffentlichen Debatte gerne über die Schwierigkeiten im Umgang mit der unendlichen Informationsflut lamentiert und sinniert wird, dass das Problem in der Praxis aber niemandem ein paar Euro wert und damit eher ein theoretisches Problem ist.

Die Idee der Offtime-Macher ist attraktiv, auch wenn Google und Apple jeden Moment die von Offtime umfassten Funktionen direkt in ihre Betriebssysteme integrieren könnten. Hiervor soll die Berliner die angestrebte Plattformunabhängigkeit beschützen – künftig werde es ausreichen, eine einmal eingerichtete Auszeit auf allen mit Offtime bestückten Geräten zu aktivieren. 133 Unterstützer sind zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikel davon überzeugt, mit Offtime besser abschalten zu können. 16 Tage verbleiben dem Startup noch, um knapp die Hälfte des Mindestbetrags einzusammeln. /mw

Link: Offtime

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

\

7.5.2013, 10 Kommentare"Ins Internet gehen" war gestern:
15 Millionen Deutsche praktizieren "always on"

49 Prozent der Smartphone-Besitzer in Deutschland sind immer mit dem Internet verbunden. Das wären rund 15 Millionen Menschen. Für sie tritt die Unterscheidung von "online" und "offline" in den Hintergrund.

Kampagne «Es ist Deine Zeit»: Wie Vodafone  jetzt auch B sagen muss

8.7.2009, 30 KommentareKampagne «Es ist Deine Zeit»:
Wie Vodafone jetzt auch B sagen muss

Vodafone will seine Marke neu erfinden und ruft die «Generation Upload» aus. Wenn das Unternehmen es ernst meint, müssen dem Werber-Sprech Taten folgen.

5 Pingbacks

  1. [...] Offtime Berliner Startup will beim Abschalten helfen Viele User haben noch nicht die perfekte Strategie dafür gefunden, sich vom unaufhörlichen Informationsstrom abzukoppeln. Das Berliner Startup Offtime will helfen. Netzwertig.com [...]

  2. [...] Appschalten: Das Berliner Startup Offtime will via Crowdfunding eine Android-App entwickeln, die Erreichbarkeit regelt – sprich: wer nerven darf und wer nicht. netzwertig.com, offtime.co [...]

  3. [...] Idee super! Geschäftsmodell… mal schauen. Das Berliner Startup Offtime will Nutzer beim Abschalten helfen. Netzwertig stellt das Startup vor, das seine nächsten Schritte nun per Betaphasen-Finanzierung realisieren möchte. Interessante Vorgehensweise: „Kommen 40.000 Euro oder mehr zusammen, verspricht das Team, Offtime auf jeden Fall bis zum Jahresende weiterzuentwickeln.“ Netzwertig [...]

  4. [...] möchte die App von Offtime mit einem intelligenten Regelungs-Mechanismus ansetzen, mittels dessen bestimmte Meldungen zeitweilig unterdrückt (bzw. aufgeschoben) werden können, [...]

  5. […] “Berliner Startup will beim Abschalten helfen“, Netzwertig, Martin Weigert, 10.07.2013 […]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder

  • Sponsoren

  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.
 
vgwort