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Vamos will jetzt Geld verdienen

Das Berliner Startup Vamos will mit seiner auf Facebook basierenden Entdeckungsplattform für Veranstaltungen endlich Geld verdienen. Begrenzte Ressourcen zwangen das Unternehmen jüngst dazu, seine Android-App einzustellen.

Jedes Mal, wenn ich Freunden oder Bekannten die aus Berlin stammende mobile Event-App Vamos zeige, reagieren sie interessiert bis begeistert. Wenig verwunderlich: Mittlerweile verfügt so gut wie jede auch nur halbwegs ernstzunehmende Veranstaltung über eine entsprechende Seite bei Facebook. Eine Applikation, die diese Events einfach und filterbar durchsuchbar macht, löst hier ein eindeutiges Problem und bedarf keiner sonderlichen Erklärungsarbeit.

Dennoch legt Vamos bei den Userzahlen nicht so stark zu, wie man sich dies angesichts des glasklaren Produktnutzens und der grundsätzlichen Empfänglichkeit von Ausgehfreudigen ausmalen könnte. Das wird daran deutlich, dass Vamos Mitgründer Luis-Daniel Alegría bisher keine Meilensteine in Bezug auf die Nutzerzahlen verkünden möchte. In Startup-Kreisen ist dies ein grundsätzlicher Indikator dafür, dass das jeweils angestrebte Niveau noch nicht erreicht wurde. Ich sprach am Freitag auf einem von Vamos mitorganisierten Startup-Meetup mit Alegría.

Wer Vamos ausprobiert, nutzt es oft

Der junge Gründer macht keinen Hehl daraus, dass bei den App-Downloads noch viel Luft nach oben besteht. In seinen Augen sind Rahmenbedingungen der App-Ökonomie mit ihrer massiven Abhängigkeit von Toplisten-Platzierungen und redaktionellen Hervorhebungen durch Apple mitverantwortlich dafür, dass neben der Qualität von Applikationen viele andere Faktoren darüber entscheiden, wie sich die Downloadzahlen entwickeln.

Im Laufe des Lebenszyklus einer App verlieren Downloadzahlen allerdings ohnehin an Bedeutung. Zehn Millionen Installationen einer kostenfreien Anwendungen bringen wenig, wenn die User sich nicht monetarisieren lassen und die App nach einmaligem Ausprobieren nie wieder geöffnet wird. Diesbezüglich läuft es für Vamos gemäß Alegría ziemlich gut: 25 Prozent aller Vamos-Anwender haben den Service bereits mehr als 50 Mal genutzt. 35 Prozent sind aktive Nutzer, lassen sich also mindestens einmal innerhalb von 30 Tagen bei Vamos blicken. 250.000 in den wichtigsten Metropolen in 50 Ländern stattfindende Events werden bei Vamos pro Monat gelistet.

Android-App wurde eingestellt

VamosHört man Alegría zu, versteht man, was Vamos bei der kraftvolleren Expansion helfen würde: mehr Geld. Bisher finanziert sich das fünfköpfige Team aus einer Ende 2012 abgeschlossenen sechsstelligen “Friends & Family”-Runde. Damit müssen die Hauptstädter haushalten, solange keine Anschlussfinanzierung erfolgt und die Monetarisierung ein zartes Pflänzchen ist. Aus Ressourcegründen sah sich das Startup kürzlich gezwungen, eine im Dezember vergangenen Jahres veröffentliche Android-App wieder vom Netz zu nehmen. Vorläufig konzentriert sich Vamos allein auf die Weiterentwicklung der iPhone-Applikation. Ein durchaus kontroverser Schritt, bedenkt man, dass Android mittlerweile deutlicher Marktführer bei den Smartphone-Betriebssystemen ist. Allerdings sollen webbasierte Landingpages für sämtliche Events sicherstellen, dass die entscheidenden Informationen auch von Nicht-iPhones aus abrufbar sind. Zudem entfallen zwei Drittel aller App-Umsätze auf iOS. Nach wie vor ist die Zahlungsbereitschaft von iPhone-Besitzern deutlich höher als die von Android-Geräten.

Hervorgehobene Events und Ticketshops als Erlösquellen

Vorläufig wollen sich die Berliner diese Eigenheit jedoch nicht zunutze machen. Stattdessen sollen Veranstalter und Ticketshops die Umsatzmaschine in Gang bringen. Veranstalter können gegen Bezahlung einen besonders hervorgehobenen Hinweis auf ihr Event buchen. Dieses taucht dann für Vamos-Nutzer in der jeweiligen Umgebung als spezielle Empfehlung auf. Alegría berichtet von einem Converse-Event, das auf diese Weise eine Konversionsrate von 18 Prozent erzielte. Das heißt, dass von allen Vamos-Nutzern, die den Eventtipp zu Gesicht bekamen, 18 Prozent innerhalb der Vamos-App ihr Erscheinen ankündigten.

Große Hoffnungen haben die Berliner in Bezug auf eine derzeit implementierte Integration von Ticketshops. Durch Kooperationen mit Anbietern wie Ticketmaster, Eventbride und anderen länderspezifischen Diensten erhalten Vamos-User die Möglichkeit des direkten Ticketerwerbs. Für das Startup springt dabei jeweils eine Provision heraus, deren Spannweite nach Aussage von Luis-Daniel Alegría zwischen 1,5 und 15 Prozent liegen kann.

Arbeit an der “Basis”

Während die Vamos-Macher alles dafür tun, um die Monetarisierung voranzutreiben, setzen sie auch auf Arbeit an der “Basis”. Wer sich zum erwähnten Startup-Meetup am Freitag den Eintritt ersparen und ein (von Sponsoren gestelltes) Gratis-Getränk abstauben wollte, musste an der Tür die Vamos-App oder Website vorzeigen. Sich durch “eigene” Events dieser Art in das Bewusstsein von Branchenvertretern zu bringen und Multiplikatoren im Idealfall zu Botschaftern für die App zu machen, kann sich mittelfristig auszahlen. Für die Vamos-Gründer heißt das aber auch: Sie müssen selbst viel Präsenz zeigen. Von Berufswegen auf Partys zu gehen, kann durchaus an der Substanz zehren. Zumindest Mitgründer David Prentell ist das allerdings gewohnt: Vor Vamos war er Chef eines Nachtclubs.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Ein Berliner Start Up und nicht mal eine deutsche Webseite? Das wundert mich nicht, dass die Anmeldezahlen weit unter dem Planziel liegen. Ich finde es bedenklich, dass eine deutsche Firma Ihren Service bzw. das innovative Produkt nicht in Landessprache erklärt. User mit wenig Englischkenntnissen werden sich kaum anmelden, ich für meinen Teil klickte da schnell wieder weg.

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