Legales TV-Streaming:
Magine verschiebt den Deutschlandstart

Der eigentlich für Juni geplante Deutschlandstart des legalen TV-Streamingdienstes Magine verzögert sich. Unerwartet kommt dies nicht.

Es war gewagt, was der TV-Streamingdienst Magine vor einem Monat bekanntgab: Noch im Juni wolle man in Deutschland starten und kostenpflichtigen Onlinezugang zu linearen Fernsehsendern bieten, inklusive einer Funktion zum nachträglichen Anschauen von Sendungen. Magine wäre damit neben Zattoo der zweite Service, der herkömmliche TV-Sender live und legal für deutsche Zuschauer ins Netz überträgt. Da der Service aus Schweden im Rahmen seiner Ankündigung jedoch weder Angaben zu den geplanten Preisen noch zu den inbegriffenen Kanälen machte, konnte man vermuten, dass die unumgänglichen Verhandlungen mit den Rechteinhabern noch nicht abgeschlossen waren. Indem das Startup angesichts dieser Sachlage dennoch Juni als Launchmonat versprach, setzte es sich unnötig unter Druck.

Mittlerweile schreiben wir Juli, doch Magine steht Anwendern in Deutschland noch immer nicht zur Verfügung. Zwar können User ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, um zum Zeitpunkt des Debüts eine Einladung zu erhalten, doch Zugriff auf deutsche TV-Streams hat offiziell noch niemand. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Denn das skandinavische Startup hat seinen Launch in Deutschland verschoben, wie es uns über seine hiesige PR-Agentur mitteilen ließ.

Begründet wird die Verzögerung mit einem verfrühten Start in Spanien, wo Magine in dieser Woche seine Pforten eröffnet. Man wolle “der deutschen Beta-Version ebenfalls genug Raum geben”. Da die Einführung der Beta-Version schrittweise erfolge, werde Magine in Deutschland etwas später als vorgesehen launchen, allerdings noch in diesem Sommer – so das offizielle Statement.

Inwieweit lizenz- und urheberrechtliche Aspekte für die Planänderung verantwortlich sind, darüber schweigt sich das Unternehmen aus. Allerdings passt diese Vermutung gut zu dem eingangs beschriebenen Gesamtbild. Auch dass Magine für seine erste Auslandsexpansion nun den spanischen Markt gewählt hat, verwundert in diesem Kontext nicht: Eine weniger komplexe Rechtesituation macht dort den Betrieb von Streamingdiensten leichter, selbst wenn wie in Deutschland und anders als in der Schweiz Distributionsverträge mit den einzelnen Sendern erforderlich sind. Auch Zattoo ließ sich frühzeitig in Spanien nieder.

In Deutschland müssen Anbieter wie Zattoo oder Magine mit jedem Sender einzeln verhandeln, zudem herrschen auf Seiten der führenden Privatsenderketten große Bedenken über die Partizipation an derartigen Diensten. Erst seit wenigen Wochen darf Zattoo hierzulande auch die Programme der RTL-Gruppe ausstrahlen – allerdings nur für Nutzer von Zattoos kostenpflichtiger Premiumversion, und nach Jahren am Verhandlungstisch.

Von daher war die Wahl Deutschlands als erste Etappe einer Internationalisierung von Magine eine ungewöhnliche Entscheidung. Auch wenn das Unternehmen es nicht zugibt, so deuten die Indizien darauf hin, dass rechtliche Komplikationen für die Verzögerung verantwortlich sind. Es wäre auch eine große Überraschung, wenn Magine nicht mit den selben Hürden zu kämpfen hätte, die sich anderen legalen Streamingangeboten im TV-, aber auch im ähnlich schwierig zu manövrierenden Musikbereich, in Deutschland in den Weg stellten. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

 
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