1 bis 100 Euro:
paymy vereinfacht Überweisungen

Das Berliner Startup paymy hat einen Dienst entwickelt, der Geldüberweisungen von Beträgen zwischen 1 und 100 Euro deutlich vereinfacht. Derzeit funktioniert dies für iOS-Geräte und setzt ein Facebook-Konto voraus.

Jeder befindet sich irgendwann in einer Situation, in der man Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern kleine Geldsummen überweisen möchte. Sei es, um den eigenen Anteil an der Restaurantrechnung zu begleichen, sich an einem Geschenk zu beteiligen oder Schulden aus einer verlorenen Wette zu bezahlen. Da es sich um vergleichsweise kleine Beträge handelt, lohnt es sich in solchen Situationen aber nicht, mehr Zeit als notwendig für den Prozess aufzuwenden. Auch erfordern die Sicherheitsroutinen der Banken häufig den Einsatz von Informationen oder Tools, die man gerade nicht zur Hand hat. Mobile Kreditkartenreader oder PayPal sind zwar einfach in der Handhabung, beinhalten aber meist Transaktiongebühren. Viel Spielraum für eine bessere Lösung, dachten sich Ralph Razisberger, Björn Bähre und Michael von Röder, als sie im vergangenen Jahr paymy gründeten.

paymy möchte das einfachste und komfortabelste Verfahren bieten, Freunden vom Smartphone aus Geldbeträge zwischen 1 und 100 Euro zukommen zu lassen. Ohne dass sie dafür Kontonummern austauschen, umständliche Überweisungen in Onlinebanking-Apps initiieren oder Transaktionsgebühren bezahlen müssen. Stattdessen sind lediglich zwei Dinge erforderlich: die einmalige, mit einem Passwort geschützte Speicherung der Bankdaten im paymy-Mitgliedsbereich sowie ein Facebook-Konto.

Die enge Verbindung mit Facebook dient für paymy als Argument, um auf bei klassischen Zahlungsverfahren notwendige, aber unbequeme Sicherheitsmerkmale für Geldtransfers verzichten zu können. Indem sich mit paymy lediglich Geld an Facebook-Kontakte überweisen lässt, verringert das Berliner Startup das Missbrauchsrisiko weit genug, um sich den Luxus einer Fast-Ein-Klick-Überweisung leisten zu können. “Fast” deshalb, weil jeder Transfer mit der Eingabe einer persönlichen PIN bestätigt werden muss.

paymy

Die Facebook-Integration dient für die Hauptstädter gleichzeitig als viraler Kanal, um schnellstmöglich viele Nutzer an Bord zu holen. Wer von einem Kontakt Geld über paymy erhält, wird darüber über das soziale Netzwerk informiert, muss sich bei dem Dienst registrieren und die eigenen Bankdaten angeben. Daraufhin leitet paymy die Überweisung ein. Damit Nutzer nicht frech Geld von fremden Bankkonten abbuchen lassen, müssen sie die eingetragene Bankverbindung einmalig verifizieren. Dazu führt paymy eine Centüberweisung mit einem im Betreff befindlichen, bei paymy anzugebenden Verifizierungscode durch.

Technisch setzt das Startup dafür ganz simpel auf das Lastschriftverfahren (ab Februar dann SEPA-Lastschrift). paymy dient als Zahlungsabwickler, bucht das Geld vom Konto des Zahlenden ab und überweist es auf das des Empfängers. Da für diesen Prozess keine Gebühren anfallen, sind Razisberger, Bähre und von Röder in der Lage, diese Leistung Anwendern ebenfalls kostenlos anzubieten.

Anstatt Transaktionen mit Gebühren zu belegen, will das Trio mit der Vermarktung von White-Label-Lizenzen und Businesslösungen Geld verdienen. Außerdem ist vorgesehen, Nutzern während des Überweisungsprozesses Werbung zu zeigen. Eine weitere Erlösmöglichkeit sehen die Berliner in einer mit einer Gebühr belegten Erhöhung des Maximalbetrages von 100 Euro.

Derzeit befindet sich paymy in der offenen Beta-Phase. Anstelle einer nativen App haben die Berliner eine Web-App entwickelt, allerdings ist diese nur für iOS-Geräte optimiert. Eine Android-Variante ist in Planung. Aktuell steht paymy nur Anwendern in Deutschland offen, was mit den von Land zu Land unterschiedlichen Zahlungsverfahren zu tun hat. Im Zuge der Vereinheitlichung der europäischen Geldtransfers planen die paymy-Macher allerdings auch den Start in anderen Ländern.

paymy löst ein Problem, das wohl die meisten Konsumenten kennen. Die größte Herausforderung wird es sein, potenzielle User davon zu überzeugen, paymy ihre Bankdaten anzuvertrauen. Das Unternehmen betont hierzu, alle sicherheitskritischen Daten wie Kreditkartendaten zu behandeln. Eine hohe Verschlüsselung , eine strenge interne Organisation und regelmäßige Audits zertifizierter, externer Dienstleister sollen für die Sicherheit bürgen, so ist es dem Präsentationsmaterial des Startups zu entnehmen. Die Backend-Infrastruktur sei Bundesbank zertifiziert und seit Jahren bei einer Reihe renommierter Banken und Versicherungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg im Einsatz.

Von der Idee her erinnert paymy an das US-Startup Dwolla, das gerade den vollkommen umodernen US-amerikanischen Bank- und Finanzsektor aufwirbelt, allerdings nur Überweisungen bis zu zehn Dollar gebührenfrei zulässt – und nur für Amerikaner verfügbar ist. /mw

Link: paymy

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Zu beachten wäre da ebenfalls § 42 Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz.

    • Das ZAG endet mit §36, aber bereits Lieferheld hat gemerkt, dass da Zunder drin ist. §8: “Wer im Inland gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, Zahlungsdienste als Zahlungsinstitut erbringen will, bedarf der schriftlichen Erlaubnis der Bundesanstalt.”

  2. Hat jemand eine Erklärung dafür, warum die Seite komplett in Englisch ist, wenn es sich an Kunden aus Deutschland richtet? Zu mal die Gründer auch alle sehr deutsche Namen haben.

    • Hehe eigentlich ist es bei Startups aus DE mit internationalem Fokus ja mittlerweile üblich, Englisch oder auch nur Englisch anzubieten. In dem Fall gebe ich dir aber recht: Aktuell macht das wenig Sinn. Gut aufgepasst, diese Eigenheit hab ich glatt übersehen.

    • Das deutsche Wort “Impressum” ist vorhanden. Also deutsche Zielgruppe.

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