Umfrage enthüllt:
Ungeahnter Optimismus bei Bloggern in Deutschland

2344 Blogger aus Deutschland haben sich an einer Umfrage zum Stand des Bloggens im Jahr 2013 beteiligt. Die Ergebnisse liefern interessante Einblicke.

Wie erreicht man als Unternehmen mit Spezialisierung in einem bestimmten Marktsegment Aufmerksamkeit? Man führt eine Untersuchung zum jeweiligen Thema durch und versucht, so gehaltvolle und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen wie nur möglich. Häufig erhalten wir Mails zu derartigen “Studien”, bei denen ihre Initiatoren die Attribute “gehaltvoll” und “aussagekräftig” leider völlig außer Acht gelassen haben. rankseller, ein aus Berlin stammender Marktplatz für Blog-Marketing und Blog-Vermarktung, hat da besser aufgepasst und im Rahmen der “Bloggerumfrage 2013″ eine ganze Reihe nicht uninteressanter Details über die Lage von Blogs und Bloggern in Deutschland in Erfahrung gebracht.

Als Datenbasis dienen den Hauptstädtern die Antworten von 2.344 Bloggern aus Deutschland. “Mehr als 48.000 Kontakte seien angeschrieben worden”, heißt es in der Pressemeldung, welche die Studie als “repräsentativ” bezeichnet. Auf Rückfrage erklärte rankseller-Gründer Coskun Tuna, dass neben 7.500 bei rankseller gelisteten Bloggern verschiedene Xing-Gruppen aus dem Medienumfeld (Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation, Media & Publishing, PR) in die Umfrage einbezogen worden sind. Zum Teil hätten die Gruppenadmins Mailings an die Mitglieder geschickt. Damit ist offensichtlich, dass es sich bei der Grundgesamtheit nicht um alle Blogger in Deutschland handelt, sondern um die, die entweder irgendwann mit rankseller in Kontakt kamen oder bei den berücksichtigten Xing-Gruppen Mitglied wurden. Insofern halte ich eine Repräsentativität für alle Blogger in Deutschland für nicht gegeben. Man sollte auf die Resultate also lieber keine kritischen Wetten abschließen. Die Teilnehmerzahl genüg allerdings, um die Einsichten zumindest in genereller Form als hilfreiche und interessante Orientierung anzusehen.

rankseller hat die Umfrage natürlich in einer Infografik zusammengefasst. Wir bevorzugen jedoch das deutlich effizientere Listenformat. Es folgt eine Auswahl der Ergebnisse:

  • 67,2 Prozent der Umfrageteilnehmer sind männlich, 32,8 Prozent weiblich. Diese Schere zwischen den Geschlechtern wirkt auch in Anbetracht früherer Untersuchungsergebnisse unrealistisch. Der Wert könnte beispielsweise dadurch verfälscht worden sein, dass überdurchschnittlich viele Männer von rankseller kontaktiert worden sind, oder dass sich mehr Männer als Frauen Zeit für die Beantwortung der Umfrage genommen haben).
  • 45,8 Prozent bloggen seit maximal drei Jahren, 28,2 Prozent seit drei bis fünf Jahren, und 26 Prozent bloggen bereits länger als fünf Jahre.
  • Gut ein Drittel ist Herr oder Frau über 1 Blog. Ein gutes weiteres Drittel betreibt 2 bis 3 Blogs. 10,1 Prozent “besitzen” 3-5 Blogs. 21 Prozent sind wahre Multitasker mit mehr als 5 Blogs in ihrer Obhut.
  • 71 Prozent verdienen Geld mit ihrem Blog.
  • 38,2 Prozent hatten von Anfang an das Ziel, mit ihrem Blog Geld zu verdienen.
  • Von den Bloggern, denen die Schreiberei Geld einbringt, erlösen 63,5 Prozent monatlich einen Betrag zwischen null und 300 Euro. 12,6 Prozent setzen 300 bis 500 Euro pro Monat um und 10,9 Prozent 500 bis 1000 Euro. Bei 13 Prozent der Blogger liegt der monatliche Verdienst aus dem Bloggen bei über 1000 Euro.
  • 51,3 Prozent investieren monatlich weniger als 20 Euro in ihr Blog, bei 21 Prozent fließen 21 bis 50 Euro pro Monat in den Betrieb, und bei 27,7 Prozent sind es mehr als 50 Euro monatlich.
  • 58,2 Prozent bloggen mit beruflichem Hintergrund, 41,8 Prozent aus rein privaten Gründen.
  • 91,4 Prozent der Blogger interessieren sich für Kooperationen mit Unternehmen (beim Blick auf die Grundgesamtheit keine Überraschung)
  • 15,1 Prozent der Blogger haben eine journalistische Ausbildung.
  • 17,7 Prozent der Blogger beantworteten die Frage, ob sie als Journalist tätig sind, mit ja.
  • Die Topliste der Themengebiete, zu denen die Blogger Inhalte veröffentlichen, wird von “Heim und Garten” angeführt (7 Prozent), gefolgt von “Erotik und Liebe” (6,4 Prozent) sowie “Gesundheit und Ernährung” (5,6 Prozent). Dahinter platzieren sich “Reise und Touristik”, “Elektronik und Computer”, “Lifestyle und Mode”, Business, “Bildung und Wissen”, Sonstiges sowie Shopping.
  • 22,4 Prozent aller Blogger publizieren 1 bis 4 Beiträge monatlich, ein Viertel veröffentlicht 5 bis 10 Artikel pro Monat, 15,5 Prozent publizieren jeden Monat 11 bis 20 Artikel, 16,8 Prozent 21 bis 30 Artikel, 9,1 Prozent 31 bis 50 Artikel und 11,2 Prozent mehr als 50 Artikel. Damit lassen sich ungefähr die Hälfte aller Blogger in Deutschland als Gelegenheitsautoren kategorisieren. Rund 20 Prozent veröffenlichen im Durchschnitt jeden Tag mindestens einen Blogpost.
  • Bei den Maßnahmen zur Bekanntmachung liegt SEO (35,4 Prozent) in der Popularität knapp vor Social Media (35 Prozent). 10 Prozent versenden Newsletter. Jeweils 4 Prozent buchen Suchmaschinen- und Displaywerbung, um ihre Reichweite zu erhöhen.

Abschließend: 71,1 Prozent der Befragten glauben, dass Bloggen in Zukunft eine größere Rolle in der Medienlandschaft spielen wird. Ungeahnter Optimismus unter Bloggern in Deutschland. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Faszinierende Ergebnisse. Dass Firmen sich mal Gedanken über Kooperationen mit Bloggern machen sollten, kann ich nur bestätigen. Hier lassen Unternehmen viele Chancen liegen. Und bei den beiden führenden Themengebieten wurde mir klar, dass ich trotz Bloggens offensichtlich doch noch Freizeit habe. Dort ist einem die Offlinewelt dann doch lieber. Aber grundsätzlich gilt für mich immer noch… “Ich blogge, also bin ich!”

  2. Schon interessant diese Zahlen, ja.

    Ein Einwurf sei aber dennoch gestattet: Ich wette KEIN (bis “kaum ein”) seriöser Blogger hat da mitgemacht.

    Wenn ich die Aussagen und Stimmungen korrekt deute…wird der Laden der die Umfrage erstellt hat wird von diesen (seriösen Bloggern) gemieden (aufgrund ihrer “versteckten Werbung-Politik”) . Daher: Für mich steckt da nix drin, nicht mal ne “einigermaßene” Orientierung. Wenn die nur die Blogger-Bitches mit ins Ergebnis genommen haben (was sie taten), dann ist es halt “repräsentativ für geile Geldsäcke-Blogger” und für Unternehmen, die mit solchen Klappspaten kooperieren wollen.

    • “repräsentativ für geile Geldsäcke-Blogger” und für Unternehmen, die mit solchen Klappspaten kooperieren wollen.”

      Endlich gibt es zu denen mal eine repräsentative Untersuchung!

  3. Was spricht dagegen seinen Blog zu monetarisieren? Warum sollen Blogger, die mit ihrem Blog Erlöse erzielen keine Blogger sein? Verlage vermarkten sich doch auch. Warum also nicht auch Blogger?

    • Hey Coskun,
      beziehst du das nun auf meine Aussagen?
      Dann haben wir uns falsch verstanden. Ich mach ja selber etwas Geld mit meinem Blog. Allerdings seriös und transparent, und nicht via der oben erwähnten Plattform.

2 Pingbacks

  1. [...] netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung http://netzwertig.com/201…ggern-in-deutschland… (function($){ var options = [...]

  2. [...] sonst? Muss man eigentlich wissen, was ein Browser ist? Blogger sind voll optimistisch und Herr Pelzig erklärt Mollath. Wer sich bewerben möchte, kann sich hier mal inspirieren lassen. [...]

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